Archive for the ‘22 Medien’ Category

Zeitungsenten und Amnesiepolitiker

25. Januar 2022

Hohenhof: Rekonstruktion der historischen Gartenanlagen wird zum Skandalon verklärt

Hohenhof Ostseite 1910

Hohenhof–Ostfassade und Anger um 1910. Foto: Bildarchiv Foto Marburg.

„Die Stadt Hagen hat am Hohenhof alte und wertvolle Bäume fällen lassen, ohne die Öffentlichkeit oder die politischen Gremien davon in Kenntnis zu setzen“, schreibt so oder sinngemäß unser heimisches Qualitätsblatt in der Montagsausgabe gleich dreimal: Im Mantelteil prominent auf Seite 2 und im Aufmacher des Lokalteils ebenso prominent sowie in der dazugehörigen Bildunterschrift.

Bei der mangelnden Information der Öffentlichkeit kann sich die Zeitung an die eigene Nase fassen – sie hätte ja für die nötige Kenntnis sorgen können. Die zweite Behauptung – die politischen Gremien seien nicht informiert worden – ist schlicht eine Zeitungsente.

Autor Hubertus Heuel geht bei seiner Falschinformation auch noch ins vermeintliche Detail: „Dass für die Rekonstruktion des Gartens jedoch so viele alte Bäume verschwinden müssen, davon war bei der Vorstellung des Projektes nicht die Rede. Als die Mitglieder des Naturschutzbeirates vom geplanten Wegrasieren der Gewächse erfuhren, regte sich Widerstand.“

Beide Behauptungen sind frei erfunden. Die vorgesehenen Änderungen des Areals lagen den Gremien vor, auch die als angebliche Zeugin erwähnte Antje Selter, Vorsitzende des Naturschutzbeirates, kann dafür nicht ins Feld geführt werden. Selter hatte sich laut Protokoll der Sitzung vom 26.10.2021 lediglich für die Erhaltung eines einzelnen Baumes stark gemacht: „Der Naturschutzbeirat regt an, dass zum Schutz des verbleibenden Bestandes die zu fällenden Bäume vorsichtig abgetragen werden und die Buche an der Mauer der Buddha-Grube erhalten und nicht gefällt werden soll.“ Von einem „Widerstand“, wie ihn Heuel herbeiphantasiert, kann keine Rede sein.

In der heutigen (Dienstags-)Ausgabe unserer Heimatpostille wird dazu noch Wilhelm Bögemann, ebenfalls Mitglied des Naturschutzbeirats zitiert: „Was man sich da erlaubt hat, ist wirklich das Letzte.“ Es habe sogar mit Mitgliedern des Naturschutzbeirats einen Ortstermin gegeben, sagt Bögemann. „Da war von einzelnen Bäumen die Rede und dichten Büschen, die man zurückschneiden wollte. Aber nie im Leben von so einem Kahlschlag.“

Bei dem Streit geht es vor allem um den sogenannten Anger an der Ostseite des Hohenhofs, eines Areals, das ursprünglich einen freien Blick ermöglichte (siehe Foto von 1910 oben) und sich im Laufe der Jahre bewachsen hat. All das ist gut dokumentiert. Über die jetzige Planung, nach der wesentlich der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden soll, lässt sich natürlich vortrefflich streiten.

Dumm nur, dass die dem Naturschutzbeirat detailliert vorgelegen haben – offensichtlich aber nicht oder nur oberflächlich gelesen wurden. Wäre es anders gewesen, hätte es die Möglichkeit gegeben, Einfluss zu nehmen und auf einen sinnvollen Kompromiss zwischen Natur- und Denkmalschutz bzw. Rekonstruktion der historischen Anlage hinzuarbeiten.

Das trifft selbstredend nicht nur auf den (weitgehend machtlosen) Naturschutzbeirat zu, sondern noch mehr auf jene politischen Instanzen, die mehr Gewicht haben und das Gremium, das letzlich die Entscheidung fällt: den Stadtrat.

Haupt- und Finanzausschuss, Umweltausschuss (in dem auch Antje Selter als sachkundige Bürgerin vertreten ist), Stadtentwicklungsausschuss, Kulturausschuss, Bezirksvertretung Hagen-Mitte und Rat: Alle haben der Planung (in der Regel einstimmig) zugestimmt oder sie anstandslos zur Kenntnis genommen. Und allen lagen die vollständigen Planungsunterlagen vor. Auch hier liegt die Frage auf der Hand, ob die denn gelesen wurden.

Die muss man auch Jörg Meier stellen, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD in der BV Mitte, „Es ist unverständlich, dass es von Seiten der Verwaltung im Vorfeld weder Ankündigungen noch Erläuterungen zu der Fällaktion gegeben hat“, so der angeblich oder tatsächlich ahnungslose Emster Architekt in der heutigen WPWR-Ausgabe.

Nur – es war eben anders. Aber ein bisschen Amnesie muss halt sein.

Hier das zentrale Dokument, das neben anderen Unterlagen allen mit dem Vorhaben befassten Gremien vorlag:

Villa Hohenhof – Rekonstruktion der historischen Gartenanlage

Steinchen vor die Fenster

12. Januar 2022

WPWR macht gegen Kinder mobil – dabei geht es auch anders

Mit einem reißerisch aufgemachten Titel bläst das Hagener Lokalblättchen Dinge auf, die in vergangenen Zeiten keiner Berichterstattung wert gewesen wären – und es auch heute nicht sind. Es sein denn, man verfolgt eine ganz andere Agenda damit: die des Rassismus.

Am Donnerstag vergangener Woche (05.01.) erschien im Hagener Lokalteil der WPWR groß aufgemacht der Beitrag „Herumstreunende Kinder attackieren die Bürger“. Ein Pärchen aus Altenhagen berichtete von „von seinen Erfahrungen mit den Zuwanderer-Kids“, wie es das Blättchen nannte.

Unflätige Bemerkungen sollen gefallen und „Steinchen vor die Fenster“ geworfen worden sein. Stellungnahmen der Gegenseite, also von den inkriminierten Kindern, wurden offensichtlich nicht eingeholt. Und das, obwohl doch die Presse fortwährend ihre angeblichen Standards immer so hoch hält, wonach auch der Gegenseite Gehör zu verschaffen sei.

Aber das war wohl auch nicht der Sinn dieses Artikels. Denn schnell wird die Stoßrichtung klar. Schon der Einstieg gibt die Linie vor: „Kinder-Banden machen den Bürgern in Altenhagen das Leben zur Hölle.“

Ältere Hagener werden sich erinnern: Konflikte zwischen Kindern und Erwachsenen gab es auch schon früher, als die Bürgersteige noch breiter waren und zum Spielen genutzt wurden (und nicht als Parkfläche). Kinder waren manchmal laut und die Alten wollten ihre Ruhe haben. Kinder wurden verjagt und versuchten im Gegenzug, es den Jägern heimzuzahlen.

Solche Alltagssituationen waren allerdings nie Gegenstand einer Presseberichterstattung und sind es auch heute nicht – es sei denn, es kann ein rassistisches Ressentiment bedient werden.

Der Verfasser des Artikels, WPWR-Redakteur Martin Weiske, weiß denn auch geschwind mitzuteilen: „Gemeint sind vorzugsweise Jungs im Alter zwischen 8 und 14 Jahren, die politisch korrekt als EU-Zuwanderer zu bezeichnen sind, meist aus Bulgarien und Rumänien stammen, aber dort als reisende Randgruppe auch wenig geschätzt sind.“

Der ausdrückliche Hinweis auf die „politisch korrekte“ Bezeichnung lässt ahnen, dass Weiske viel lieber etwas anderes geschrieben hätte.

Leserbriefe setzten sich daraufhin sehr kritisch mit dieser Veröffentlichung auseinander. Ein Zeichen dafür, dass sich zumindest in Teilen die Zivilgesellschaft noch nicht abgemeldet hat. So schrieb Leserin Annika M. empört:

Ich kann nicht glauben, dass so ein unreflektierter, rassistischer Artikel von Ihnen veröffentlicht wurde. Schon alleine die zynische Formulierung „Gemeint sind vorzugsweise Jungs […], die politisch korrekt als EU-Zuwanderer zu bezeichnen sind […]“, ist alles andere als (journalistisch) neutral und füttert die rassistische Stimmung und Meinungsmache. In welchen anderen Berichten über freche Kinder und Jungsstreiche wird bei Ihnen so penetrant die Herkunft der Eltern betont?

Mit keinem Wort wird der Bericht des Paars in Frage gestellt oder hinterfragt, welche Taten und/oder Äußerungen gegebenenfalls vorherig von ihnen kamen. Stattdessen wird Hetze gegen Menschen mit diesem Artikel angestachelt und aus einer Fliege ein Elefant gemacht.

Schlimm.

Auch Dieter R. verurteilte diese Art von „Journalismus“:

Ich bin einigermaßen entsetzt über diesen sehr tendenziösen Artikel und dessen Einseitigkeit, fußt er hauptsächlich auf der subjektiven Wahrnehmung eines Anwohnerpaares im Wohnbezirk. Da könnte ich jetzt glatt entgegnen und tue das auch, dass ich ebenfalls lange in diesem Quartier lebe und es hier ganz überwiegend lebhaft, aber friedlich zugeht. Es stellt sich für mich die Frage nach der grundsätzlichen Haltung und Gesinnung dieser Anwohner gegenüber anderen Mitbürgern.

Insbesondere Kinder haben feine Antennen dafür, wie man ihnen entgegentritt, so dass wir es hier möglicherweise mit Reaktionen zu tun haben, dessen Wahrheitsgehalt ohnehin nur schwer festzustellen ist. Daraus aber eine solche Darstellung abzuleiten, die ohne hin vorhandene Ressentiments nur noch befeuert, halte ich für mehr als bedenklich.

Natürlich meldeten sich auch diejenigen Zeitgenossen zu Wort, die sich ihre Meinung auf der Grundlage von Falschmeldungen und Gerüchten bilden. So wusste eine Leserin, dass „die Steuerzahler“ die Reparaturen an angeblich beschädigten Bussen zahlen müssten. Es sind allerdings keine Busse zu Schaden gekommen.

Den Vogel schoss ein Lothar R. ab, der nicht nur in völliger Verkennung der Rechtslage die zuständige Beigeordnete persönlich verantwortlich machen wollte:

Die Lösung sollte von Dezernentin Margarita Kaufmann kommen, hat sie doch – sicherlich in Absprache mit OB Schulz – seit 2013 dafür gesorgt, dass scharenweise Sinti und/oder Roma den Weg nach Hagen finden, Tendenz steigend. Bevor Frau Kaufmann sich durch das bevorstehende Ende ihrer Amtszeit aus der Affäre ziehen kann, erwarte ich von ihr bzw. OB Schulz eine öffentliche Erklärung, wie sie „die Geister, die sie rief“ wieder loswerden und weiteren Zuzug verhindern will.

Wie sich mögliche Konfliktlagen leicht und zivilisiert lösen lassen, zeigt dagegen ein Beispiel aus Haspe.

Dort wussten zugezogene Familien aus Rumänien zunächst nicht, wo die Kinder gefahrlos spielen dürfen. So kam es dazu, dass in der kleinen Fußgängerzone gern immer öfter Fußball gespielt, getobt oder die Sitzgelegenheiten wie bei einer Slalomstrecke mit Fahrrädern umfahren wurden.

Sicheres Spielen für die Kinder – aber gleichzeitig oft ein Ärgernis für Leute, die einfach ungestört bummeln und einkaufen wollen.

Durch gemeinsames Engagement des Bezirksbürgermeisters, des städtischen Quartiersmanagements und des Roma-Vereins „Romano Drom“ (in dessen Vorstand neben Roma u.a. auch ein ausgewanderter Rumäne vertreten ist, der in seinem Herkunftsland der dortigen deutschsprachigen Minderheit angehörte) ist es gelungen, an vier Tagen in der Woche einen Fußballplatz in der benachbarten Bezirkssportanlage zu bekommen.

Das Training wird von Mitgliedern der rumänischen Gemeinde „Rugul Aprins“ begleitet, die selbst engagierte Kicker sind. Die Kinder haben das Angebot sofort begeistert angenommen.

Darüber hat unser heimisches „Qualitätsmedium“ natürlich nicht berichtet – es passt wohl nicht ins Konzept.

Das Selbstbespiegelungsblatt

6. Januar 2022

Eigeninszenierungen und persönliche Befindlichkeiten der WPWR-Schreiber prägen zunehmend den Inhalt der Hagener Lokalseiten

Kürzlich im Blatt, Lokalseite 1: „Gestern Morgen beim Einkauf hab’ ich bestimmt vier oder fünf Mal mitbekommen, dass sich Leute beim Personal erkundigt haben, wann der Lebensmittel-Discounter an der Eppenhauser Straße dicht macht“, berichtet WPWR-Shoppingqueen Yvonne Hinz über ihre neuesten Abenteuer in der Welt der Händler und Brater.

„Aufgrund des Abstands zu den Kunden konnte ich die Antworten allerdings nicht verstehen.“ Das ist sicherlich äußerst bedauerlich, aber Mitleid wäre fehl am Platze, denn Hinz weiß sich ja zu helfen: „Und hab’ natürlich prompt selbst nachgefragt.“ Da lehnt sich der Leser erleichtert zurück und dankt der großen Gnade, eine Textverfasserin in seiner Lieblingsgazette zu haben, die selbst nachfragen kann.

Angesichts stetig sinkender Verkaufszahlen verfällt das heimische Blatt zunehmend in selbstreferentielle Attitüden. Die hält man im Hagener Pressehaus offenbar für den Königsweg heraus aus dem seit Jahren fortschreitenden Auflagenschwund.

Neben selbst inszenierten Wettbewerben wie der Wahl einer quasi WPWR-eigenen Schützenkönigin setzen sich vermehrt die eigenen Schreiber ins Licht der veröffentlichten Meinung. Damit sind beileibe nicht Kommentare zu merkwürdigen Vorgängen in dieser Stadt gemeint – Letztere gibt es mehr als genug. Die werden allerdings hauptsächlich aufs Korn genommen, wenn es in den Kram passt.

Nein, es sind die Selbstbespiegelungen von Redakteuren, die ihre eigene Maßgeblichkeit weit überschätzen. Wen von den (leider nur noch wenigen) Interessierten in dieser Stadt sollen eigentlich die persönlichen Befindlichkeiten der Zeitungsdichter in ihrem Homeoffice tangieren? Oder die privaten Misslichkeiten einer hauptsächlich auf Eröffnungen (oder Schließungen) von Boutiquen und Burgerbratern spezialisierten Redakteuse?

Die neueste Masche dieses unterkomplexen „Journalismus“ ist es, Mitleid zu erheischen, indem der Schreiber seine eigene vermeintliche Unvollkommenheit ins Schaufenster stellt. So wie der WPWR-Autor Mike Fiebig, der sich in seinen Hymnen an Sylvester Stallone anlässlich dessen Bilderschau im Osthaus-Museum erst als „Einfaltspinsel“ outete und anschließend einräumte: „Ich habe keinen Kunstverstand.“

Da kann man ihm nur beipflichten. Und Fiebig entblättert sich in ungewollter Offenheit weiter:

„Nun ja, aus Sicht jener Kollegen meiner Zunft (…) bin ich vermutlich sowas wie der Provinzschreiberling. Der, der über Karnickelzuchtschauen und Grünkohlessen schreibt und Gefahr läuft, die Orientierung zu verlieren, sobald er das Hagener Stadtgebiet verlässt. Vermutlich sogar Angst hat, herunterzufallen, weil die Welt hinter dem Ortsausgangsschild zu Ende sein könnte.“

Sehr treffend. Auch über mangelnde Aufmerksamkeit mokiert er sich:

„Bundeskanzleramt und die NRW-Staatskanzlei (…) müssen die Lokalpresse wohl irgendwie vergessen haben. Sie war nicht vorgesehen.“

Bei solchem Personal und ihrem journalistischen (?) Selbstverständnis ist das auch nicht verwunderlich.

Erst gestern präsentierte sich Fiebig als Einkäufer im Supermarkt, in der Printausgabe mit prominent angelegtem Selbstbildnis inklusive Einkaufskorb. Der Artikel beginnt mit Fiebig („Meine Frau schickt mich nicht einkaufen. Das hat Gründe.“) und endet mit ihm („Das nächste Abholfenster werde so gelegt, dass ich den Einkauf nach der Arbeit einfach einsammele.“).

Restbestände von Journalismus, Unternehmens-PR und eitle Selbstbespiegelung gehen immer mehr fließend ineinander über.

Mitte des Monats werden die neuesten Auflagenzahlen veröffentlicht werden. Es dürfte nicht vermessen sein, schon jetzt einen weiteren Rückgang zu prophezeien.

Greatest Hits 2021

1. Januar 2022

Die Top 20 der beliebtesten DW-Beiträge im Jahr 2021

  1. Noch freie Termine im Hagener Impfzentrum
  2. Hochstapler im Impfzentrum: Das sagt OB Schulz
  3. Völkische Beobachter
    Die Hetze gegen Roma ist unerträglich geworden
  4. „Gelebte Diktatur“
    Hagener Aktivisten-Kreis wirft Mitglied raus
  5. Millionen auf Nummernkonten verschoben?
    Massive Vorwürfe gegen Filmfestival-Organisator Steinkühler
  6. Die Trash-Allianz
    Hagener Politiker lassen sich von Krawall-Berichterstattung leiten
  7. Neue Baugrundstücke in Emst und Eppenhausen
    (War auch schon im Vorjahr auf der Liste)
  8. Naturdenkmal von Fäkalien bedroht
    Wo mal ein Spielplatz war, soll jetzt eine „Hundewiese“ hin
  9. SPD Hagen: Parteispenden durch die Hintertür?
    René Röspel erhebt schwere Vorwürfe gegen den Vorstand des Hagener Unterbezirks und seinen Vorsitzenden
  10. Treten Sie zurück!
    Dank eines grotesken Generalversagens: Zeit für Konsequenzen
    von Christoph Rösner
  11. Fundsache: Mein Austritt aus der SPD
    (Video leider nicht mehr verfügbar)
  12. Aus Scheiße Gold machen
    Hagen kassiert Millionengewinne aus den Gebühren für die Stadtentwässerung
  13. Solidaritäts-Tüten sollen Platz schaffen
    Weltladen-Aktion vor der Renovierung
  14. Ein hoffnungsloser Fall
    Hagens Oberbürgermeister konterkariert sich selbst
  15. Hetzpressen-Artikel „inhaltlich nicht korrekt“
    Es hat keine Würfe mit Eisenstangen auf Busse gegeben
  16. Hallo, ich will mit auf’s Foto!
    Hagens Oberbürgermeisters verwechselt PR mit wirksamer Corona-Strategie
  17. Hagen: Alle Macht dem Wirtschaftsbetrieb?
    Entscheidung hinter verschlossenen Türen
  18. Timo auf der Resterampe unterwegs
  19. Der falsche Arzt – ein Leiharbeiter
    Verwaltung weist Verantwortung von sich und zündet Nebelkerzen
  20. Thomas Lorenzen ist neuer Sinn-Chef
    Eklat bei Sinn: Göbel und Geschäftsführer Altenscheidt müssen gehen

TV-Tipp: Oeconomia

8. November 2021

Heute, 22:25 Uhr, 3sat. Bis 07.02.2022 auch in der 3sat-Mediathek

„Oeconomia“ legt episodisch die Spielregeln des Kapitalismus offen: ein Aufklärungsfilm über den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum, Verschuldung und Vermögenskonzentration. Deutschland 2020.

Dazu:

„Es gibt keine dummen Fragen“

Von Jochen Gutsch

In ihrem jüngsten Dokumentarfilm Oeconomia beschäftigt sich Carmen Losmann mit dem Finanzsektor und einigen seiner großen Geheimnisse. In dem anderthalbstündigen Film stellt die deutsche Regisseurin Experten aus verschiedenen Bereichen scheinbar einfache Fragen wie „Wie wird Geld gemacht?“ und „Wie werden Schulden erzeugt?“. Die Antworten, die sie bekommt, fördern sowohl die Arroganz als auch die Verwirrung zutage, die oft auf der höchsten Ebene der globalen Finanzindustrie herrschen. (…)

Quelle: Goethe-Institut

Im Abwärtssog

25. Oktober 2021

WPWR verliert weitere 5 Prozent der Käufer

Auch im 3. Quartal 2021 waren die Verkaufszahlen der WPWR im Vergleich zum Vorjahr wieder rückläufig. Im Bereich Hagen/Herdecke/Wetter – separate Zahlen nur für Hagen werden seit 2017 nicht mehr ausgewiesen – ging die durchschnittlich verkaufte Auflage nach Angaben der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw) um 5,03 Prozent auf nur noch 24.847 zurück.

Damit sind in den letzten 30 Jahren fast zwei Drittel der Auflage (63 Prozent) verloren gegangen. Im 3. Vierteljahr 1991 lag sie noch bei 66.600 im täglichen Durchschnitt. Für diesen Aderlass allein die Krawallplattformen im Internet verantwortlich zu machen, wie häufig kolportiert wird, greift allerdings bei Weitem zu kurz. Schon vor der Gründung von Diensten wie Fakebook (2004) oder Twitter (2006) zeigte die Kurve bei der Auflagenstatistik nach unten.

In den 15 Jahren zwischen 1991 und 2006 verloren die Hagener Ausgaben der damals noch zwei Zeitungen des WAZ-Konzerns (heute: Funke-Mediengruppe) bereits etwa ein Viertel ihrer Leserschaft. In den folgenden anderthalb Jahrzehnten beschleunigte sich allerdings die Talfahrt. Im Vergleich zu 2006 halbierte sich bis heute die tatsächlich verkaufte Auflage.

Auflagenentwicklung WPWR 1991-2021Entwicklung der Verkaufszahlen der WAZ/Funke-Blätter im Raum Hagen/Herdecke/Wetter. Datenquelle: ivw.

Die Liquidierung der Westfälischen Rundschau 2013 und damit die Auflösung einer eigenständigen Lokalredaktion dürfte den weiteren Niedergang eher befördert haben – aufhalten konnte sie ihn jedenfalls nicht. Dazu kommt der strategische Fehler, Plattformen wie Fakebook de facto auch noch zu bewerben, indem auf den (gedruckten) Lokalseiten „Stimmen“ dieses Mediums veröffentlicht werden.

Gestammelte Kurzprosa wird so salonfähig gemacht, während die Zahl der (veröffentlichten) Leserbriefe erkennbar rückläufig ist. Ein Kreislauf nach unten, denn welcher Leserbriefschreiber, der sein Anliegen ernst nimmt, will sich schon auf der Lokalseite 2 neben Ergüssen aus den asozialen Medien wiederfinden.

Was – neben vielem anderen – passieren kann, wenn ein Lokalblatt endgültig abgewirtschaftet hat und von der Bildfläche verschwindet, zeigt eine Studie aus den USA, über die die Süddeutsche Zeitung kürzlich berichtete: Wenn Redaktionen schließen, steigen in den betroffenen Regionen beispielsweise Wirtschaftskriminalität und Umweltverschmutzung. Leidtragende sind die Bürgerinnen und Bürger.

CDU-Wahlhelfer muss gehen

20. Oktober 2021

Bild-Chef und Nienhaus-Promotor ist seinen Job los

Julian Reichelt ist von seiner Funktion als Vorsitzender der Chefredaktion des Krawallblatts Bild abberufen worden, da er Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt habe. Im September war er noch als Wahlhelfer für seinen Springer-Kumpel und hiesigen CDU-Kandidaten Christian Nienhaus aufgetreten.

Am 17. Oktober 2021 veröffentlichte die New York Times einen umfassenden Bericht über die Machtmissbrauchsvorwürfe gegen Reichelt, darin auch die Aussage einer Mitarbeiterin vor Anwälten der von der Unternehmensgruppe Axel Springer beauftragten Anwaltskanzlei Freshfields. Vorher stoppte der Zeitungsverleger Dirk Ippen* eine Recherche des verlagseigenen Investigativ-Teams über Reichelts Machtmissbrauch, ohne inhaltliche Begründung.

Laut dieser Zeugenaussage hatte Reichelt ihr im November 2016 gesagt, er würde seinen Job verlieren, wenn sie herausfänden, dass er eine Affäre mit einer Auszubildenden habe. Er habe die Beziehung jedoch weitergeführt, auch nachdem er 2017 zum Vorsitzenden der Chefredaktion befördert worden war. Er habe sie in Hotelzimmer in der Nähe des Axel-Springer-Hochhauses in Berlin kommen lassen und sie auf eine Führungsrolle im Newsroom befördert. Es sei immer so bei der Bild, wer mit dem Chef schlafe, werde befördert.

Dieser Chef trat im Bundestags-Wahlkampf auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Jungen Union Hagen und Ennepe-Ruhr in Schwelm auf. Wie Reichelt den Weg nach Schwelm fand, schilderte damals die Westfalenpost: „Den hat Nienhaus eingeladen, denn beide sind persönlich gut bekannt. Christian Nienhaus ist hochrangiger Manager bei Axel Springer SE, wozu auch die Bild-Zeitung gehört.“

Bereits im Mai 2021 hatte der Spiegel über das System Reichelt unter dem Titel „Vögeln, fördern, feuern“ berichtet. Für Nienhaus und den CDU-Nachwuchs offensichtlich kein Grund, von einer Einladung an den Bild-Mann abzusehen.

CDU-Kandidat Nienhaus, der Mann aus dem Dunstkreis des geschassten Bild-Schreibers, wurde vom Hagener CDU-Vorsitzenden Christoph Purps noch im jüngst erschienenen WP-Interview als „das bessere personelle Angebot“ gelobt. Und das Heimatblatt selbst hatte Nienhaus während des Wahlkampfs seinen Lesern als „Manager mit Herz für die Provinz“ anempfohlen.

Die vermeintliche „Heimatverbundenheit“ Nienhaus‘, der in der Nähe von Freiburg lebt, hatte sich nach seiner Wahlniederlage schnell erledigt. Es sei „ja ab heute wieder Verlagsmanager und kein Politiker mehr“, zitierte ihn die WPWR.

Zur Mediengruppe Ippen gehören auch Lokalzeitungen in der Hagener Nachbarschaft, z.B. die Lüdenscheider Nachrichten, das Altenaer Kreisblatt und die Meinerzhagener Zeitung.

Putzig!

28. September 2021

WPWR-Redakteur fabuliert von einem „politischen Erdbeben made in Hagen“

Der bei der Bundestagswahl am Sonntag gescheiterte Kandidat der Hagener CDU, Christian Nienhaus, „fordert den Rücktritt von Kanzlerkandidat Armin Laschet“, verkündet Jens Stubbe, der Leiter der Hagener WPWR-Lokalredaktion. Und schlussfolgert: „Das könnte zu einem politischen Erdbeben made in Hagen führen.“

Nienhaus, so Stubbe, sei „der Erste“, der eine solche Rücktrittsforderung erhoben habe. Nun ja, der Heimatredakteur veröffentlichte seinen Beitrag um 20:43, also fast auf die Minute genau 7 Stunden, nachdem bereits die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete Ellen Demuth getwittert hatte: „#Armin Laschet, Sie haben verloren. Bitte haben Sie Einsicht. Wenden Sie weiteren Schaden von der #CDU ab und treten Sie zurück.“

Auch die rechtskonservative „Werte-Union“ und der sächsische Landesverband des CDU-Nachwuchses Junge Union hatten da schon Laschets Rücktritt gefordert.

Stubbe untermauert die Bedeutsamkeit seines Schützlings u.a. damit, dass der im Breisgau lebende Nienhaus vor Jahrzehnten in Hagen zur Schule gegangen sei. Und misst dessen Rücktrittsforderung „Gewicht“ bei, denn „Nienhaus hat mit der WP gesprochen. Nienhaus hat mit der Bild-Zeitung gesprochen.“ Deshalb seien seine Äußerungen „ein Paukenschlag“.

Warum Armin Laschet oder die CDU-Gremien ausgerechnet der Äußerung eines politischen Novizen, der in Hagen (immer noch) weitgehend unbekannt ist, von seiner Partei als Notlösung aufgestellt wurde und anschließend in seinem Wahlkreis für die CDU das seit Menschengedenken schlechteste Ergebnis eingefahren hat, ein besonderes Gewicht beimessen sollten, bleibt das Geheimnis des Schreibers aus dem Pressehaus.

Es ist einfach nur putzig.

Nienhaus hat sich übrigens laut WPWR nach seinem kurzen Zwischenspiel schnellstens wieder aus der Politik abgemeldet. Er sei „ab heute wieder Verlagsmanager und kein Politiker mehr“.

Damit wirkt Stubbes Traktätchen noch lächerlicher.

Der Westen wird in Schwelm verteidigt

14. September 2021

„Bild“-Chef im Wahlkampf

Schwelm, zwischen Hagen und Wuppertal gelegen, hat nicht mal 30.000 Einwohner. Die größte Berühmtheit der Stadt, die Brauerei, ist vor zehn Jahren pleite gegangen. Am Freitagabend ist der Bahnhof voll mit Jugendlichen, die ins zehnmal so große Wuppertal fliehen, um etwas zu erleben. Kurz gefasst, Schwelm ist nicht der Ort, in dem man „Bild“-Chef Julian Reichelt am Vorabend des 11. September erwartet, um über Terrorgefahr und Weltpolitik zu reden.

Dass er es dennoch tut, liegt an Christian Nienhaus. Der 61-Jährige ist hier Bundestagskandidat der CDU. Und er ist langjähriger Medienmanager. Bei „Bild“ war Nienhaus von 2001 bis 2008 als Verlagsgeschäftsführer tätig. Danach strukturierte er die WAZ zur Funke-Mediengruppe um. Seit 2015 ist er wieder bei Axel Springer. Zur Zeit unter anderem als Verlagsgeschäftsführer der „Welt“. Nienhaus und Reichelt kennen sich. (…)

Quelle: übermedien

„Selbstsüchtige Eigenwerbung“

30. August 2021

Politik und Verwaltung empört über Hagener Einheitsblatt

Das hat es in der jüngsten und wohl auch längeren Vergangenheit noch nicht gegeben: Sowohl die Spitze der Hagener Stadtverwaltung als auch fast alle Fraktionen und Gruppen im Stadtrat üben scharfe Kritik an der Berichterstattung des örtlichen Funke-Mediums, das immer so tut, als seien es zwei – Westfalenpost und Westfälische Rundschau.

Bisher war es häufig so, dass die WPWR Themen vorgab und Rat und/oder Verwaltung bereitwillig über die Stöckchen sprangen, die ihnen aus dem Pressehaus hingehalten wurden. Diesmal lief es anders: Die, die springen sollten, bissen zurück.

Am Donnerstag erschien auf der Titelseite des Lokalteils ein Bericht unter der Überschrift „Nach der Flut: Kritik an Stadtspitze“. Autor Mike Fiebig berief sich darauf, was Anwohner in angeblich „vielen Gesprächen mit der Stadtredaktion in den von der Flut schwer getroffenen Gebieten wie dem Volmetal, Eckesey oder Hohenlimburg beklagen“.

„Viele betroffene Hagener“, so Fiebig, fühlten sich „von Stadtspitze und Politik“ alleingelassen. Viele seien „zusätzlich verängstigt, das offen zu sagen, weil sie letztlich ja auf die Hilfe der Stadt angewiesen seien“.

Als Beleg für seine Thesen führte Fiebig dann aber keine Stimme aus den von ihm genannten Stadtteilen, sondern fünf Personen (von bislang etwa 5.100 registrierten Flutopfern) aus Delstern an. Die „klagen auch Politik und Verwaltungsspitze an“, so der Beitrag, und sprächen von einem „Skandal“, von einem „Trauerspiel“.

Ob das Fiebig-Traktat repräsentativ ist – den Eindruck erweckt er jedenfalls – oder eher der überschäumenden Phantasie des Autors entsprungen ist, lässt sich für Aussenstehende nicht verifizieren. Das ist aber auch nicht des Pudels Kern.

Überraschend ist dagegen, mit welcher Vehemenz sowohl die Verwaltungsspitze als auch fast der gesamte Stadtrat (mit Ausnahme der „Bürger für Hohenlimburg“) reagierten, nachdem sie ein Frageschreiben Fiebigs erhalten hatten.

Der Verwaltungsvorstand konstatierte: „Ihre Unterstellungen und Mutmaßungen zu kommentieren, ist hier nicht der geeignete Moment. (…) Uns, den Mitgliedern der Verwaltungsspitze, Untätigkeit, mangelnde Präsenz oder gar Empathielosigkeit gegenüber dem Schicksal der Betroffenen zu unterstellen – so wie es mit den Fragestellungen bewusst suggeriert wird – hat uns fassungslos gemacht.“

Die Ratsfraktionen und -gruppen warfen Fiebig vor, er suche „offensichtlich nach einem anderen Spin“ und werfen ihm Verdrehung der Tatsachen vor: „Würde Ihre minimalistische Auflistung der Fakten stimmen, könnten wir eine Unzufriedenheit der Menschen sogar verstehen.“

Tatsächlich pflege und kommuniziere die Stadtverwaltung bis heute tagesaktuelle Listen aller öffentlichen und privaten Hilfsangebote. Diese Liste liege den Ansprechpartnern in den Stadtbezirken, den Fraktions- und Gruppengeschäftsstellen sowie allen anderen Organisationen vor, die Menschen vor Ort beraten.

Die Ratsmitglieder stellten lapidar fest: „Diese Fakten sind auch der Redaktion der Westfalenpost bekannt.“

Sie hätten von „eigenen Betroffenen sowie Helferinnen und Helfern sehr konkrete und differenzierte Rückmeldungen erhalten“. Demnach hätten viele Hilfen vor Ort sehr schnell und unbürokratisch gegriffen. Bislang laufe dieser Prozess hervorragend. Von daher erübrige sich auch Fiebigs Hinweis, dass „man dort Dinge erfahren kann, die (…) in Fraktionssitzungen Berücksichtigung finden können.“

Weiter betonen die Ratsvertreter an die Adresse der WPWR: „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben angepackt, wo sie gebraucht wurden. Das war deutlich klüger, als die Arbeiten der Hilfskräfte mit selbstsüchtiger Eigenwerbung oder plakativen politischen Ratschlägen zu erschweren.“

Auch Fiebigs intellektuelle Fähigkeiten werden angezweifelt: „Die abstrakte Frage, ob „kritischen Stimmen falsch (liegen), wenn sie sagen, dass sie sich allein gelassen fühlen“ können wir nicht beantworten, weil sich unspezifisch anonyme Vorwürfe schon rein logisch nicht konkret beantworten lassen.“

Zum Abschluss geben die gewählten Vertreter der Bevölkerung aus dem Rathaus dem nichtgewählten und nur selbsternannten Sprachrohr des Volkes aus dem Pressehaus noch etwas mit auf den Weg:

„Sie sollten auch reine Symbolpolitik von Kommunalpolitik trennen können. Und wir glauben, dass es Aufgabe eines Redakteurs ist, abstrakte Tatsachenbehauptungen erst einmal zu überprüfen, bevor er sie weiter verwendet. Schließlich könnte die Übernahme fremder Inhalte nach außen den Eindruck erwecken, man vertrete diese Ansichten selbst.“

Werbeminus um 40 Prozent: Funke streicht Stellen in der Anzeigenabwicklung

29. August 2021

Die Funke Mediengruppe plant laut „Horizont“, die Anzeigenabwicklung ihrer Regionalzeitungen zu „straffen“. Im Bereich „Operations“ stünden deswegen 50 Stellen zur Disposition. (…)

Quelle: Kress

Dröge Frage-und-Antwort-Spielchen

24. August 2021

„Wahlarena“ umschiffte aktuelle Probleme

BTW 2021Knapp zwei Stunden dauerte die von WPWR und Unternehmerverbänden organisierte „Wahlarena“ am vergangenen Freitag im Haus der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer in Hagen. Die wichtigsten aktuellen Themen wurden erst gar nicht angesprochen.

Das Heimatblatt lobte die eigene Veranstaltung natürlich ausgiebig. Sie habe sich als „kurzweiliger Talk mit überraschenden Erkenntnissen“ entpuppt, klatschte Redakteur Martin Weiske schon in der Samstagsausgabe pflichtschuldig Beifall. Zu diesen „Erkenntnissen“ gehörte beispielsweise ein Einblick in den Schuhschrank des SPD-Bewerbers Timo Schisanowski.

Die „Kurzweil“ bestand im Wesentlichen aus einem drögen Frage-und-Antwort-Spielchen, bei dem die aktuellen Themen nur am Rande oder überhaupt nicht zur Sprache kamen.

Die heraufziehende Klimakatastrophe, die nicht nur in Hagen mit bislang ungekannten Überflutungen ihren Schatten vorausgeworfen hat, wurde der „internationalen Wettbewerbsfähigkeit“ untergeordnet. Bei der Zusammensetzung der „Wahlarena“-Veranstalter nicht verwunderlich.

Ursache und Wirkung wurden in diesem Punkt nur vom Kandidaten der Grünen (und einzig auch überregional bekannten Teilnehmer der Runde), Dr. Janosch Dahmen, klar benannt: „Wenn wir uns um Klimawandel nicht kümmern, wird es keine Industrieproduktion mehr geben.“ Die anderen Mitwirkenden ergingen sich in den üblichen Relativierungen, die seit Jahr und Tag aus dem Politikbetrieb durch die Medien geschickt werden.

Die seit eineinhalb Jahren grassierende Coronapandemie wurde erstaunlicherweise nicht thematisiert. Dabei wäre es schon für die Zuhörer interessant gewesen, wie sich die einzelnen Protagonisten dazu verhalten, dass ausgerechnet in Zeiten wieder explodierender Infektionszahlen die NRW-Landesregierung unter der Leitung des CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet auf weitgehende Lockerungen setzt.

Offenbar hatten sich die Veranstalter dazu entschieden, Laschet und die im Hintergrund treibende FDP unter Welpenschutz zu stellen, um deren Wahlchancen nicht zu schmälern.

Ähnlich dürfte es sich beim dritten Punkt verhalten, der gerade brandaktuell ist: der Außenpolitik und damit verbunden den deutschen Kriegseinsätzen im Ausland. Auch dieser Bereich wurde in der Frage-und-Antwort-Runde sorgsam ausgespart. Es hätten vielleicht fundamentale Unterschiede zutagetreten können. Dabei müssen Bundestagsabgeordnete hier zu einer Entscheidung kommen und für oder gegen etwas votieren.

Ob schon in der Vergangenenheit außen- und militärpolitische Entscheidungen immer fundiert gefällt wurden, daran sind vor allem in den letzten Tagen im Zusammenhang mit Afghanistan erhebliche Zweifel aufgekommen.

Dazu ein Beitrag des Nahostexperten Michael Lüders:

Besatzer, nicht Befreier

Afghanistan: 20 Jahre diente Deutschland den USA als Hilfssheriff – ohne irgendeinen Plan. Die Folgen zeigen sich jetzt

Quelle: der Freitag

WPWR: Weiter rückläufige Verkaufszahlen

26. Juli 2021

Grotkamp-Famile stockt Anteile an Funke-Medien auf 100 Prozent auf

Wie bereits seit Jahren war der Verkauf der hiesigen WPWR auch im 2. Quartal 2021 weiter rückläufig. Das meldet die Informationsgemeinschaft zur Festellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (ivw).

Danach ging die verkaufte Auflage im Vergleich zum Vorjahresquartal erneut um 4,55 Prozent zurück, obwohl die Zahl der ePaper um 9,3 Prozent zulegte. Allerdings auf niedrigem Niveau, sodass im Saldo der Rückgang auch weiterhin nicht zu stoppen war.

Vor einem Monat hatte die Funke-Mediengruppe, zu der die WPWR gehört, bekannt gegeben, dass der Familienstamm Grotkamp – Petra Grotkamp, Julia Becker, Nora Marx und Niklas Wilcke – die Anteile der Familienstämme Schubries und Holthoff-Pförtner aufkauft und damit 100 Prozent der Funke Mediengruppe übernimmt.

Die Transaktion soll in zwei Stufen vollzogen werden: die unternehmerische Führung geht sofort an die Familie Grotkamp über, der Anteilserwerb erfolgt zum 2.1.2024. Wie der Mediendienst kress berichtete, soll es zwischen den Funke-Gesellschaftern einen langen Streit gegeben haben, der sich an der Frage entzündet haben soll, ob und in welcher Höhe in das Unternehmen und sein journalistisches Profil investiert wird.

Die Familie Grotkamp hält bislang zwei Drittel an dem Medienunternehmen, die anderen beiden Familienstämme Schubries und Holthoff-Pförtner zusammen ein Drittel.

Geplant ist eine umfassende Neuausrichtung der Funke Mediengruppe. Vorgesehen sind die drei Sparten Regionalmedien, Zeitschriften und Digitales. Hinzu kommt ein „Center of Excellence“ mit den Zentralbereichen, z. B. IT und kaufmännische Abteilungen. Die Sparten und das Center of Excellence sollen jeweils unternehmerisch weitgehend unabhängig und für Partnerschaften mit anderen Medienhäusern anschlussfähig sein.

Lokalpresse und AfD: Es geht auch anders

4. Juli 2021

Erfrischender Klartext in der WPWR-Ausgabe EN-Südkreis

Man kann nicht so richtig erahnen, was die Besatzung des Hagener Pressehauses wirklich umtreibt. Vieles wird an den dortigen Schreibtischen als vermeintliches Alleinstellungsmerkmal der Stadt erdacht: Müllprobleme, Schließungen irgendwelcher Läden und jede Art von Kleinkriminalität.

Lauter Dinge, die es so oder in ähnlicher Form in allen Städten dieser Größenordnung gibt – mit denen man aber das Publikum erschrecken kann, weil der Eindruck erweckt wird, das sei nur in Hagen so schlimm.

Eine ganz andere Betrachtungsweise legen die Stadtschreiber an den Tag, wenn es sich um fundamentale Bedrohungen der Demokratie in diesem Land und damit auch in dieser Stadt handelt. Es geht um die Präsentation der AfD im heimischen Blättchen – eine gewisse Schizophrenie dabei inbegriffen.

Letztere besteht darin, dass sich die Redakteure mit großem Engagement über eine abgehängte Staatsflagge Israels hermachen und ein Einknicken vor Islamisten sehen. Einerseits. Dem hiesigen AfD-Kandidaten für den Bundestag aber derweilen den blau-braunen Teppich ausrollen. Andererseits.

Während Redaktionsleiter Jens Stubbe mit viel Mitgefühl vom schwitzenden AfD-Mann Andreas Geitz berichtet und davon, dass dessen Kinder womöglich die Grünen wählen wollen („Menscheln mit der AfD“), schlägt sein Kollege Stefan Scherer von der WPWR-Ausgabe aus dem benachbarten EN-Südkreis (Schwelm/Ennepetal/Gevelsberg) ganz andere Töne an.

Mit Blick auf die Entwicklung der AfD schrieb er in einem Artikel am 02.07.2021 (Bezahlschranke):

Aus Europakritik wurde nationalsozialistisches Gedankengut, vom Liberal-Konservativen rutschte das ideologische Fundament der Partei ins Rechtsextreme. Der gemäßigte Gründer Bernd Lucke trat aus, Faschisten wie Björn Höcke wurden zu den neuen Gesichtern der Partei.

Scherer berichtet von einem “offen von nationalsozialistischer Rhetorik durchzogenes Parolen-Gedresche, das die AfD vor der Wahl mit Berichten aus dem Kreistag garniert“.

Scherer durchschaut auch die Abwehrreflexe eines Kreistagsmitglieds der AfD, der kundtat: „Ich kann dieses Gerede von Rechtsextremismus echt nicht mehr ertragen. Leute mit solchem Gedankengut wollen wir im Kreisverband nicht haben. Wir prüfen jeden Einzelnen sehr genau, haben schon einige abgelehnt.“

Zutreffend erkennt Scherer das „doppelte Spiel des AfD-Fraktionsvorsitzenden, versöhnlich zu wirken, um gleichzeitig doch Hass zu schüren“. Auch die Israel-Karte, die die AfD zieht, durchschaut der Redaktionsleiter EN-Südkreis (im Unterschied zu seinen Hagener Kollegen) sofort:

Die AfD stellte den Resolutionsantrag „Solidarität mit Israel und Wittens Partnergemeinde Lev Hasharon – Antisemitismus und Bombenterror gegen Israel verurteilen“. Unter der Überschrift, ein friedliches Ziel zu verfolgen und den Judenhass, den zahlreiche Muslime in Deutschland im Rahmen von Demonstrationen auf offener Straße verbreiteten, zu verurteilen, zeigt sich im Schreiben und der Begründung schnell ein anderer Kern: Hass und Hetze gegen den Islam insgesamt.

In einem Kommentar (Bezahlschranke) zieht Scherer ein Resümee: „Zwar ist die Zeit der plumpen Nazi-Skins (…) vorbei, doch nur weil Worte blumiger werden und der Sprecher Anzug anstatt Bomberjacke trägt, wird dies nicht menschenwürdiger. Im Gegenteil: Die Taktik, sich gewaltfrei, kämpferisch, in der Gesellschaft integriert und gut gebildet zu präsentieren, halte ich für wesentlich gefährlicher – und sie scheint zu funktionieren.“

Ein Klartext, den man in der Hagener Redaktionsstube vergeblich sucht.

PS.: Die Verkaufszahlen der Funke-Blätter liegen im EN-Südkreis, im Verhältnis zur Einwohnerzahl, um fast ein Fünftel über denen in Hagen. 

Menscheln mit der AfD

30. Juni 2021

WPWR unternimmt einen Waldspaziergang

In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht die heimische Gazette eine Art Homestory. Die findet allerdings nicht im Heim der Protagonisten statt, ersatzweise begibt sich ein Mitglied der Redaktionsstube mit dem oder der Auserwählten zu einem Rundgang in den Stadtwald.

Da die Bundestagswahl naht, waren zuletzt einige der Hagener Kandidaten an der Reihe, einen Spaziergang in den Hagener Forsten über sich ergehen zu lassen. Jüngst der Bewerber der sogenannten „Alternative für Deutschland“, Andreas Geitz (siehe hier, Bezahlschranke), der schon von kleinen körperlichen Aktivitäten überfordert zu sein scheint, wie sein Begleiter Jens Stubbe, Leiter der Hagener Lokalredaktion des Funke-Blatts, zu berichten wusste:

„Der kurze Aufstieg von der Gaststätte Waldlust war steil. Geitz Atem („Ich bin eher Fahrer, nicht Läufer“) beschleunigte an den steilen Steigungen. Schweiß trat auf den Kopf, der nur noch von einigen Haaren bedeckt ist (Foto: hier). (…) Als wir schließlich auf der Treppe vor dem Turm Platz genommen haben, hat er sich mit einem Taschentuch provisorisch getrocknet.“

Überhaupt lässt es Stubbe kräftig menscheln. Bereits im ersten Satz seines eine ganze Seite umfassenden Traktats stellt der Schreiber wohlwollend fest: „Humor hat er ja, dieser Mann.“ Und auch ein Herz für die Mitmenschen: „Also erzählt er davon, wie er sich neben dem Schülerverkehr mit einem Partner darauf spezialisiert habe, Reisen für Menschen mit Behinderung zu organisieren.“

Es solle ja „nicht nur um Politik gehen auf diesem beschwerlichen Weg. Sondern auch um ihn: Andreas Geitz, den Unternehmer, den Mann aus Boelerheide“, versucht Stubbe klarzustellen. Nur – in seinem Beitrag spielt die Politik der AfD und ihres Kandidaten praktisch keine Rolle. Es handelt sich eher um einen PR-Beitrag, der Geitz in ein menschliches Licht rücken soll.

„Geitz trägt ein weißes Hemd im Wald, das Sakko wirft er irgendwann über die Schulter. Also die Frage wofür er steht, während wir gehen“, menschelt es bei Stubbe weiter. „Vieles, was uns immer wieder vorgeworfen wird, stimmt einfach nicht“, will Geitz mit Vorurteilen, die der AfD und ihren Mitgliedern allenthalben begegnen, aufräumen: „Ich bin bestimmt nicht ausländerfeindlich“, sagt er nach Angaben der WPWR.

Die Frage, warum Geitz dann überhaupt Mitglied der AfD sei, kommt WPWR-Mann Stubbe nicht in den Sinn. Einen Blick auf die Fakebook-Seite des AfDlers hat er offensichtlich auch nicht geworfen, dann hätte er den Charakter des schwitzenden Möchtegern-MdBs schnell erkennen können.

Nur heiße Luft

22. Juni 2021

Volker Ruff darf sich noch einmal groß präsentieren

Nach noch nicht einmal zwei Jahren im Amt hat der Geschäftsführer der Hagener Wirtschaftsförderung Hagen-Agentur seinen Job geschmissen. Offenbar Anlass genug für das Heimatblättchen, dem Abgänger nochmal fast eine ganze Seite in Form eines Interviews zu widmen (Bezahlschranke).

Interviewer Jens Stubbe, seines Zeichens Chef der Hagener Lokalredaktion des Funke-Einheitsblatts, bemüht sich dabei, den kritischen Fragesteller zu geben. Aber er ist dem Wortschwall des Dampfplauderers Ruff erkennbar nicht gewachsen.

Die Bitte um Auflösung seines Vertrags nach so kurzer Zeit habe „überhaupt nichts mit der Stadt, dem Standort oder meiner bisherigen Arbeit zu tun“, diktierte Ruff dem Zeitungsmann in den Block. Der Rat habe schließlich „mit breiter Mehrheit“ seine vorgetragenen Ideen auf den Weg gebracht.

Naja, was hat der Rat nicht schon alles „auf den Weg“ gebracht – ohne voher die Papiere gründlich gelesen und überhaupt verstanden zu haben. Da gibt es „Hagen Horizonte“, „Hagen Restart“ und diverse andere blumig formulierte Teilagenden.

Dass Ruffs „Hagen Horizonte 2035“, wie Interviewer Stubbe einwirft, „erstmal sehr schwer verdaulich“ seien, räumt Ruff durchaus ein. Aber das sei „ja gar nicht böse gemeint“, den Prozess müsse „auch nicht jeder Bürger sofort verstehen“. Das sei auch nicht so gedacht.

„Wir haben hier in den letzten Monaten etwas auf die Beine gestellt, worauf man aufbauen kann“, ist sich Ruff sicher. „Wir geben diesem Wirtschaftsstandort eine Perspektive und bauen die notwendigen Strukturen auf.“ Darauf sei er stolz, so der Hagen-Agentur-Chef. Was das konkret bedeutet, sagt er allerdings nicht.

Und so geht das weiter und füllt eine Seite. Trotz mehrmaliger Versuche einer kritischen Nachfrage ist Befrager Stubbe nicht dazu in der Lage, Ruff zu konkreten Aussagen zu bewegen. Was zweierlei bedeutet: Funktionären wird reichlich Raum geboten, heiße Luft zu verbreiten – was nichts Neues ist. Und Vertreter der heimischen Presse sind nicht dazu in der Lage, dem etwas entgegenzusetzen – was ebenfalls nichts Neues ist. Vielleicht wollen sie es auch einfach nicht.

Hetzpressen-Artikel „inhaltlich nicht korrekt“

21. Juni 2021

Es hat keine Würfe mit Eisenstangen auf Busse gegeben

Ein auf Krawallberichte spezialisierter Hagener „Reporter“ hatte im Mai eine wüste Story veröffentlicht, in der die Rede davon war, Kinder hätten Eisenstangen und Pflastersteine auf fahrende Linienbusse geworfen. Natürlich im Springer-Blatt Bild – wo sonst? Einen Tag später zog die WPWR mit einem Artikel nach; auch das Einheitsblatt arbeitet mit diesem „Journalisten“ zusammen.

Die Hagener Straßenbahn AG hatte unmittelbar nach Erscheinen die Behauptungen der beiden „Qualitätsmedien“ dementiert, aber die SPD-Fraktion im Hagener Stadtrat wollte es nochmal genau wissen und stellte eine Anfrage im Haupt- und Finanzausschuss (HFA).

Ein Vertreter der Straßenbahn AG erklärte, es habe „Probleme mit auf der Fahrbahn (oder nahe dem Fahrbahnrand) spielenden Kindern“ gegeben. Es habe „Situationen gegeben, in denen Kinder unvermittelt auf die Straße gesprungen sind, Gegenstände gegen/unter/vor Busse geworfen haben und Nothähne betätigt haben“. Es seien aber „weder Eisenstangen noch Pflastersteine auf den Bus geworfen worden“. Er erläuterte dem HFA weiter, „dass keine Strafanzeige gestellt wurde, da es keine Körperverletzung oder Sachbeschädigung“ gegeben habe.

Hagens Oberbürgermeister Schulz wies ergänzend darauf hin, dass die Berichterstattung der genannten Medien mit der Straßenbahn AG weder abgestimmt, noch von ihr beauftragt worden sei.

HFA-Mitglied Claus Thielmann meldete sich laut Protokoll erst gar nicht mehr zu Wort. Der Vorsitzende der FDP-Gruppe im Rat (zwei Mitglieder) hatte sich im Anschluss an die Medienberichte als vermeintlich intimer Kenner der Situation präsentiert und behauptet, „dass sich Familien und Nachbarschaften versammeln, um Ordnungskräfte einzuschüchtern“. Davon war jetzt nichts mehr zu hören, dem Langzeit-Funktionär waren inzwischen wohl die Argumente ausgegangen.

Aus den Reihen der Ausschussmitglieder kam hingegen der Hinweis, dass der Antiziganismus in Hagen grassiere (bei den Beschuldigten handelt es sich anscheinend um Roma). Es solle ein Konzept erarbeitet werden, um dem entgegenzuwirken. Unerwähnt blieb hier allerdings die Rolle der heimischen Medien, die diese Klaviatur schon länger bespielen.

Ebenfalls kam zur Sprache, dass Paketdienste die Busse blockieren und Busspuren zugeparkt werden. Das ist allerdings kein grundsätzlich neues Problem. Haltestellen werden seit Jahrzehnten zugeparkt – interessiert hat das bisher niemand. Weder Polizei noch Ordnungsamt. Und die politischen Gremien, die jetzt auf einmal aufgeregt mit den Flügeln schlagen, schon gar nicht.

Anti-Roma-Hetze: WPWR rudert zurück

9. Juni 2021

Nach der reißerischen Berichterstattung über den Erwerb des Grundstücks des früheren Privat-Gymnasiums Garenfeld durch ein Mitglied der in Deutschland als Minderheit anerkannten Volksgruppe der Roma schlägt die WPWR nun etwas zivilisiertere Töne an.

In einem weiteren Beitrag zur Causa (Bezahlschranke) wälzt sie die Verantwortung für die Hetze auf die rechtsextreme Partei der Republikaner ab, die nach Darstellung des Blattes Flugblätter in Garenfelder Haushalten verteilt haben soll. Das kann allerdings nicht die eigene Verantwortung der selbsternannten „Stimme der Heimat“ von der Platte räumen.

Merkwürdig ebenso das Gebaren des Bezirksvorstehers des Stadtbezirks Hagen-Nord, des Christdemokraten Heinz-Dieter Kohaupt, der zuerst laut WPWR noch die Sorge geäußert hatte, dass in Garenfeld „bald Verhältnisse wie in Altenhagen und Wehringhausen herrschen“. Plötzlich will Kohaupt keine Stellungnahme mehr abgeben.

Auch Rainer Vogt (CDU), der den Wahlkreis Kabel/Bathey/Garenfeld im Rat vertritt, so das Lokalblatt, möchte sich „zunächst weitergehend informieren und mit Bürgern in Garenfeld sprechen, bevor er sich öffentlich äußert“.

Der Artikel der unter laufendem Auflagenschwund leidenden WPWR im Stile der Revolverblätter hatte in weiten Teilen der Hagener Zivilgesellschaft für Empörung gesorgt (und Rassisten jubeln lassen). Dem versucht man offenbar jetzt wenigstens mit etwas gebremsten Schaum entgegenzurudern.

Den Funke-Stall ausmisten

7. Juni 2021

Anti-Roma-Hetze: Lügen? Nein, Halbwahrheiten reichen schon

Die Stimmungskanonen im Hagener Pressehaus wissen genau, wie’s geht: Platte Lügen sind gar nicht erforderlich, das Ausstreuen bestimmter Schlüsselwörter reicht vollkommen aus, um rassistische Resentiments aus den Tiefen der Hirne herauszukitzeln.

So zuletzt bei der Berichterstattung über den Erwerb des ehemaligen Privat-Gymnasiums in Garenfeld durch einen „Roma-Clan“, wie der Hagener Ableger der Funke-Medien den oder die Käufer in die vorbereitete Schublade zu schieben versuchte.

Garniert mit einzelnen Verdachtsberichterstattungen – Meldungen über anhängige Strafverfahren oder gar Verurteilungen sind nicht ermittelbar – wurde das Bild einer kriminellen Sippe erzeugt. Dazu der Hinweis, die Erwerber kämen aus „Osteuropa“, was flüchtige Leser leicht mit dem WPWR-eigenen Synonym für „Zigeuner“ verwechseln können: „Südosteuropäer“.

Diese Taktik verfing durchaus, was an Kommentaren zu dem entsprechenden DW-Beitrag zu sehen ist, die genau deshalb nicht freigeschaltet wurden. DOPPELWACHOLDER.DE wird sich nicht zur Hilfstruppe rassistisch motivierter Ergüsse der Funke-Medien machen lassen.

Denen ist es anscheinend gelungen, über die Hilfkonstruktion „Zuwanderer“ auch schon lange in Deutschland ansässige ethnische Minderheiten erfolgreich in Misskredit zu bringen. Skrupel wegen der Nazi-Vergangenheit spielen erkennbar keine Rolle mehr.

Die Erwerber der Garenfeld-Immobilie sind seit langem in Deutschland ansässige Roma, die zu den von der Bundesrepublik anerkannten ethnischen Minderheiten in Deutschland gehören, neben Friesen, Dänen und Sorben.

Dazu kommt, was WPWR-Autor Weiske, der es mit Sicherheit besser weiß, verschweigt: auf dem Grundstück ist gemäß Flächennutzugsplan eine Wohnbebauung nicht zulässig, sondern nur eine Verwendung als Schulgelände.

Die Vorschriften des Flächennutzugsplans wurden zwar nicht immer so genau genommen, wie an einem Beispiel in Haspe zu sehen ist, bei dem ein ehemaliger Hagener Oberbürgermeister zum Zuge kam. Aber zuletzt hat sich die Verwaltung beispielsweise am Grundstück der ehemaligen Jugendbildungsstätte in Berchum rechtskonform verhalten.

Kritik an der dubiosen Berichterstattung Hagener Medien kommt wiederholt von außerhalb der Stadtgrenzen. Auch das ist bezeichnend für den Zustand der Hagener Stadtgesellschaft, die dieser Form von „Presse“ keinerlei Widerstand entgegensetzt.

Die freie Journalistin Monika Schwarz aus Ennepetal ist dagegen empört:

Wenn wir JETZT nicht langsam anfangen, gegen solche hetzerischen Artikel vorzugehen, dann sind wir nicht besser als unsere Großeltern, die wie immer gefragt hatten, warum sie nichts gegen die Rechten taten.

Wer solche hetzerischen Artikel schreibt, dürfte NICHT mehr für einen Konzern arbeiten, der mit so vielen Zeitungen und Zeitschriften die Meinungsmache in Deutschland mitgestaltet. Der Funke-Medien-Konzern sollte ganz schnell mal nachdenken, auf welcher Seite er steht und ob er Rassismus tatsächlich auf seiner Agenda stehen haben will.

Schwarz verlangt nichts anderes, als den Funke-Stall gründlich auszumisten. Das dürfte allerdings kaum passieren, da dieses Medienfurunkel bestens mit der NRW-Landesregierung vernetzt ist. Einer der Hauptaktionäre ist Landesminister. Wer will da noch auf Putin-Russland schimpfen?

Die Trash-Allianz

28. Mai 2021

Hagener Politiker lassen sich von Krawall-Berichterstattung leiten

Viel tiefer können bestimmte Hagener Politiker nicht sinken. Inzwischen sind sie auf Bild-Zeitungs-Niveau angelangt. Am 21. Mai titelte das Krawallblatt: „Weil Halbstarke den Bus-Halt belagern! Straße wird zum Sperrgebiet“. Es sollen Pflastersteine und Eisenstangen gegen die Busse geworfen worden sein, Seile seien über die Straße gespannt worden.

Eine offenbar weitgehend erfundene Horrorstory, wenn man den Erklärungen der Hagener Straßenbahn AG glauben schenken darf. Hagener Lokalmatadore aus dem Rathaus-Umfeld griffen sie trotzdem begierig auf.

So sprang direkt am Tag danach die WPWR auf den Zug auf und dichtete die reißerische Überschrift „Steinwürfe und geschubste Einkaufswagen“. Fakebook-Krakeeler erfanden sogleich noch verletzte Fahrgäste in den Bussen, Lokalpolitiker witterten Empörungspotential.

Außerhalb des Einheitsblatt- und Bild-Zeitungs-Kosmos‘ wurde die Angelegenheit wesentlich unaufgeregter betrachtet. Nach Angaben des Online-Dienstes RUHR24, das zum Lensing-Verlag gehört, eines der letzten verbliebenen Funke-Konkurrenten, erklärte Dirk Thorbow, der Pressesprecher der Hagener Straßenbahn: „Es ist durch Medienberichte der Eindruck einer extremen Situation erweckt worden. Das kann ich aber nicht so bestätigen.“

Es habe Vorfälle gegeben. Kinder seien auf die Straße gelaufen oder haben gegen den stehenden Bus getreten. „Aber Eisenstangen oder über die Straße gespannte Seile – das kann ich nicht bestätigen!“

Kurios: Laut Bild würde die Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr (VER) das Brennpunkt-Viertel in Hagen nach einem Unfall mit einem Kind (5) nicht mehr anfahren. Auf Anfrage von RUHR24 konnte Pressesprecherin Sandra Bruns das nicht bestätigen. „Unsere Fahrzeuge fahren schon seit mehreren Jahren dort nicht mehr lang. Das hat allerdings planerische Gründe gehabt und hatte nichts mit einem Unfall zu tun.“ Tatsächlich fährt die Linie 511 seit Ende 2019 als Schnellbus über einen Teil der Bahnhofshinterfahrung.

Verfasser dieses Unsinns ist der auf Blaulicht- und Krawall-Berichterstattung fixierte Alex Talash, der nach Angaben auf seiner Homepage neben RTL und Bild auch für Funke-Medien wie Radio Hagen und WPWR tätig ist – lauter einschlägig bekannte „Qualitätsmedien“.

Offenbar genau das richtige Umfeld für CDU, FDP und Hagen-Aktiv. Auf der Basis dieser Sensationsberichterstattung bringen sich die Vertreter der „Allianz des Grauens“ in Stellung: „Die Wehringhauser Straße wird kein rechtsfreier Raum werden.“ Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörg Klepper erfuhr nach eigenen Angaben „am Freitag über die scheinbar systematischen Probleme“ – also nach Erscheinen des Bild-Zeitungs-Pamphlets und noch vor dem Nachschlag des Einheitsblatts.

Der FDP-Gruppenvorsitzende Claus Thielmann glaubt aufgrund dieser Berichterstattung, „dass sich Familien und Nachbarschaften versammeln, um Ordnungskräfte einzuschüchtern“. Die FDP befindet sich dabei in bester Gesellschaft, auch die AfD bezieht in diesem Falle ihre Meinung aus der Bildzeitung.

Etwas gemäßigter äußerte sich der Vorsitzende der Fraktion von Hagen Aktiv, Dr. Josef Bücker, der erwartet, „Transparenz in die Vorgänge“ zu bringen: „Ich will nicht wieder aus der Bild-Zeitung erfahren, warum Busse bestimmte Straßen in Hagen nicht mehr anfahren.“

In den Pressemitteilungen der Hagener Polizei, die ja nun wirklich jede Petitesse verbreiten („Frau auf Parkplatz geschubst und angespuckt“), finden sich tatsächlich einige wenige Meldungen zum Thema „Kinder und Wurfgeschosse“: „Kind wirft in Hohenlimburg Stein auf fahrendes Auto“, „Kinder werfen rohes Ei von Fußgängerbrücke auf fahrendes Auto“, „Kinder werfen Plastikbank von Brücke“, „Minderjährige werfen Glasscherben und Kunststoffteile auf Straße“.

Berichte aus den letzten zwei Monaten aus Hohenlimburg, Helfe, Westerbauer und der Innenstadt – Wehringhausen war nicht dabei.

Impfaktion in Wehringhausen

6. Mai 2021

Für Obdachlose und Bürger in prekären Wohnverhältnissen

Impfaktion02_Foto-Charlien-Schmitt_maxAuch Dr. Anjali Scholten, Leiterin des Hagener Gesundheitsamtes, impfte vor Ort. Foto: Charlien Schmitt.

Nach wie vor ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Hagen sehr hoch, gestern (5. Mai) lag der Wert bei 272,4. Dieser hohe Wert geht einher mit einer weiterhin hohen Belastung der Intensivstationen in den Krankenhäusern.

Um die Infektionszahlen zu senken, hält die Stadt Hagen es für geboten, alle Bürgerinnen und Bürger ausreichend über ein Impfangebot zu informieren. Im Rahmen dieser Aufklärung fand gestern auf dem Bodelschwinghplatz in Wehringhausen eine Impfaktion für Obdachlose sowie Bürgerinnen und Bürger in prekären Wohnverhältnissen statt.

Ganz bewusst habe sich das Gesundheitsamt der Stadt Hagen dafür entschieden, mit dieser Impfaktion in den Stadtteil Wehringhausen und morgen in den Stadtteil Altenhagen zu gehen. „Wir haben festgestellt“, sagt Dr. Anjali Scholten, Leiterin des Hagener Gesundheitsamtes“, „dass die Inzidenzzahlen dort höher sind, wo Menschen eng beieinander wohnen und nicht die Möglichkeit haben, auf Distanz zu gehen.“

Zudem werden bestimmte Bevölkerungsgruppen offenbar nicht über die üblichen Kommunikationskanäle erreicht. So sind diese Gruppen in der Statistik des Impfzentrums, obwohl in großen Teilen impfberechtigt, bislang unterrepräsentiert.

Die deutlich ansteckendere britische Variante hat die Ansteckungsrate und damit die Zahl der Infizierten noch einmal verstärkt. Kommt es zu einem Coronafall innerhalb einer Familie, stecken sich inzwischen alle Familienmitglieder an, was beim Urtyp des Virus nicht der Fall war.

Aufgrund dieser Lage entschied sich die Stadt in der vergangenen Woche kurzfristig dazu, eine Aufklärungs- und Impfaktion für Obdachlose und Bürger in prekären Wohnverhältnissen umzusetzen. Im Vorfeld wurden diese Gruppen von Streetworkern und Sprachmittlern des Quartiersmanagements gezielt angesprochen und auf die Aktion unter anderem mit Handzetteln in acht Sprachen (arabisch, bulgarisch, deutsch, englisch, griechisch, italienisch, rumänisch und türkisch) aufmerksam gemacht.

Die Impfaktionen sprechen ausdrücklich alle Obdachlosen und Bürger in prekären Wohnverhältnissen an, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Dies war auch Voraussetzung für die Zustimmung der Bezirksregierung in Arnsberg und des NRW-Gesundheitsministeriums, welche die Impfaktionen ausdrücklich begrüßen.

Im Vorfeld hatte die WPWR die Aktion so dargestellt, als handele es sich um eine Vorzugsbehandlung für Rumänen und Bulgaren. Obwohl Oberbürgermeister Schulz noch im Rahmen der Ratssitzung am 15. April erklärt hatte, „dass keine Möglichkeit besteht, Coronaerkrankungen nach Ethnien sortiert zu erfassen“, bekräftigte Stadtsprecher Michael Kaub nach Angaben des Blattes das Vorgehen: „Dies ist der beste Weg, um diese Bevölkerungsgruppe, die wir über die üblichen Kommunikationskanäle kaum erreichen, impfen zu können.“

Und tatsächlich wurden seitens der Stadt Handzettel verteilt, die sich gezielt an Menschen aus diesen beiden Herkunftsländern richteten: „Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger, Sie sind aus Rumänien oder Bulgarien in unsere Stadt Hagen zugezogen.“

Jetzt also die „Kehrtwende“ (WPWR): „Die Impfaktion richtet sich an obdachlose Personen und Bürger in prekären Wohnverhältnissen – sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund“, erklärte Clara Treude, Sprecherin der Stadt Hagen nach Angabe des Blattes.

Die geradezu amateurhafte Kommunikation der Stadt, die sich schon durch die gesamte Corona-Pandemie zieht, liefert nicht nur dem Heimatblatt Futter zum Überleben, sondern versorgt auch die mit nur dürftigen kommunalen Positionen ausgestattete AfD mit Munition.

Die Stadt jedenfalls bewertete den Impfstart in Wehringhausen als „erfolgreich verlaufen“. Trotz schlechter Wetterverhältnisse fanden sich schon zu Beginn der Aktion auf dem Bodelschwinghplatz so viele Bürgerinnen und Bürger ein, dass sich eine Schlange vor dem Impfzelt bildete. Bis zum offiziellen Ende um 17 Uhr waren 110 Impfdosen verimpft. Die zu diesem Zeitpunkt noch rund 50 wartenden Bürgerinnen und Bürger wurden aber nicht weggeschickt, sondern noch geimpft.

Das ist ja schön, aber für einen so großen Stadtteil gleichwohl ein eher mageres Ergebnis.

Einen „ähnlich guten“ Verlauf erwarten die Verantwortlichen heute auf dem Friedensplatz in Altenhagen. Die Stadt Hagen möchte, wenn auch die Impfaktion in Altenhagen gut angenommen wird, noch weitere umsetzen. Voraussetzung hierfür ist aber, dass vom Land entsprechender Impfstoff bereitgestellt wird.

Corona-Politik: In der Ethno-Falle

5. Mai 2021

Hagener Verwaltung leitet Wasser auf die Mühlen der AfD – WPWR hilft mit

Die Stadt Hagen hat sich im Rahmen der Corona-Pandemie etwas Besonderes einfallen lassen: „Sonder-Impftage nach Nationalitär“ titelte die WPWR am Dienstag groß auf der Titelseite ihrer Lokalausgabe. Und tatsächlich wurde ein eigenes Programm exklusiv für Menschen aus Rumänien und Bulgarien ins Auge gefasst.

„Eigentlich wollte die Stadt die mobile Impfaktion noch gar nicht öffentlich machen“, behauptete das Blatt und fuhr gleich zwei Kommentatoren auf – wohl um eine vermeintliche Pluralität innerhalb der Redaktion zu dokumentieren. Die sich allerdings als Chimäre erweist.

Für Redakteur Hubertus Heuel geht es um „jene Bevölkerungsgruppen (…), die – aus Sorglosigkeit oder Ignoranz, auf jeden Fall aber fahrlässig – für die Ausbreitung des Virus mitverantwortlich zu machen sind“.

Heuels Kollege Jens Stubbe geht noch einen Schritt weiter und behauptet wider besseres Wissen: „Nicht Vorerkrankungen, Alter oder berufsbedingte Kontakte spielen mehr eine Rolle. Das Vakzin bekommt, wer einen bulgarischen oder rumänischen Pass hat.“

Heuel müsste vielleicht mal, bevor er solches Zeug absondert, seinen Hintern beispielsweise nach Haspe bewegen. Hier könnte er innerhalb der Maskenzone beobachten, wie sich soziologisch ganz unterschiedliche Vertreter der Gesellschaft entweder an die Corona-Regeln halten oder eben auch nicht.

Und Stubbe, immerhin Redaktionsleiter, hat offensichtlich nicht einmal den Artikel seines eigenen Blatts gelesen, den er trotzdem fälschlich kommentiert. Dort ist deutlich zu lesen, dass kein anderer Impfwilliger zu leiden hat: „Der Stadt Hagen werden vom Land NRW für die Aktion 1000 zusätzliche Impfdosen zur Verfügung gestellt.“ Zusätzliche! Priorisierten wird also nichts weggenommen. Was aber einen Stubbe nicht irritieren muss.

Die beiden grandiosen Heimatblatt-Schreiber leiten mit ihren Ergüssen nur Wasser auf die Mühlen der rechtsnationalen AfD. Aber – das sei ihnen ein kleiner Trost – sie stehen damit nicht allein da. Auch die Stadt hilft dabei kräftig mit.

Noch in der Ratssitzung am 15. April erklärte Oberbürgermeister Schulz auf eine Frage des AfD-Fraktions- und Partei-Führers Eiche laut Protokoll, „dass keine Möglichkeit besteht, Coronaerkrankungen nach Ethnien sortiert zu erfassen“. Jetzt sah seine Verwaltung das plötzlich offenbar ganz anders.

Die blaulackierten Rechtausleger werden es dankbar zur Kenntnis nehmen. Wissenschaftliche Erkenntnisse stehen dort sowieso nicht besonders hoch im Kurs. Aber bei Stadt und Heimatblättchen eben auch nicht.

Jemand, der sich mit sozialen Ungleichheiten in der Pandemie beschäftigt, ist Felix Römer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Berliner Humboldt-Universität. Der warnt davor, das Thema auf den Aspekt Migration zu verengen:  „Armut und Migration sind nicht voneinander zu trennen“, betont er laut Süddeutscher Zeitung. Kulturelle Faktoren zu betonen, sei historisch immer ein Mittel gewesen, Einwanderern eine Mitschuld zu geben.“

Muge Cevik, Infektionsepidemologin an der St.-Andrews-Universität in Schottland, sieht das ähnlich: Das Risiko liege „natürlich nicht im ethnischen Hintergrund, sondern in den Lebens- und Arbeitsbedingungen“.

Hagener Klinik Ambrock stellt Chefarzt frei

4. Mai 2021

Zuletzt berichteten Mitarbeiter von einem Klima der Angst. Jetzt hat die Klinik ihren Chefarzt freigestellt. Wegen eines Datenschutzvorfalles. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Anmerkung: Der Artikel bewegt sich weitgehend im Spekulativen – nichts genaues weiß man nicht. Selbst Gerüchte werden bemüht. Aber das reichte als Aufmacher auf der Titelseite des Lokalteils.

WPWR verliert weiter Käufer

3. Mai 2021

Trash und Fakebook-Geschwafel bringen keine neuen Leser

Das Hagener Lokalblatt befindet sich weiter auf Abwärtskurs. Gegenüber dem Vorjahresquartal ging die verkaufte Auflage wieder um 4,4 Prozent zurück. Das ergibt sich aus den Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw).

Die Versuche, sich mit Adaptionen aus Trash-TV und gedruckter Wiedergabe von Fakebook-Geschwafel aus dem Sumpf zu ziehen, sind offenbar gründlich daneben gegangen. Der eher gesetzteren Kundschaft dürften Reportagen über tätowierte Krankenschwestern und überwiegend dumpfbackige Ergüsse aus den immer noch so genannten „sozialen“ Medien eher übel aufstoßen als zur Vertrauensbildung beitragen.

In ihrer Verzweifelung hat die „Stadtredaktion“, wie sie sich selber in einem Anflug von Selbstüberschätzung zu nennen pflegt, jüngst zu einer „Redaktionskonferenz mit Lesern“ geladen. Die Resonanz war erwartungsgemäß überschaubar.

Nach dem, was das Blatt darüber veröffentlichte, waren von zehn Redaktionsmitarbeitern nur zwei anwesend: Redaktionsleiter Jörg Stubbe und Mike Fiebig. Dafür wurden ihnen aber diverse Aufpasser der Funke-Medien zur Seite gestellt: Richard Wix („Conversion Manager“), Anne Krum („Editor in Chief“), Annika Rinsche („Head of Online“) sowie der inzwischen aufgestiegene Michael Koch, früherer Chef der Hagener Lokalredaktion.

Von irgendeiner Form selbstkritischer Reflexion war im Nachgang nichts zu lesen. Es überwog die Selbstbeweihräucherung. Es habe „Lob und Wertschätzung“ stattgefunden, hieß in der Freitagsausgabe der WRWP. Als Qualitätskriterium gilt es demnach schon, dass „wir beispielsweise alle aus Hagen kommen“ und neue Kollegen angeblich „einen tollen und erfrischenden Job machen“.

Für die Stadtgesellschaft ist es tragisch, dass die einzige verbliebene Tageszeitung immer weiter den Bach heruntergeht. Aber die Funke-Medien als Eigentümer des Medien-Monopols in der Stadt (WP, die redaktionslose WR, Radio Hagen und das Reklameblatt Stadtanzeiger) haben allem Anschein nach keinerlei Interesse an einer qualitätvollen lokalen Berichterstattung.

Die nächsten Quartalszahlen werden es zeigen – sie dürften kaum nach oben gehen.

Nachlässig recherchiert oder gewollt unrichtig?

22. April 2021

René Röspel kritisiert Berichterstattung der WPWR

Einmal mehr recherchiere die WPWR beim Thema „Digitalisierung in den Schulen“ nachlässig, oder sie wolle es nicht richtig darstellen, kritisiert der Hagener Bundestagsabgeordnete René Röspel (SPD) die Berichterstattung des Blattes.

In einem Artikel unter der Überschrift „Viele i-Pads in Hagener Schulen bislang kaum genutzt“ hatte Autor Hubertus Heuel geschrieben: „Durchaus überraschend hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) kurz vor den Sommerferien 2020 angesichts der Corona-Situation das Füllhorn des Landes über den Städten des Landes ausgeschüttet und Hagen 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.“

Diese Darstellung weist Röspel zurück: Es sei eben durchaus nicht die NRW-Schulministerin Gebauer, die das „Füllhorn des Landes“ ausgeschüttet habe, sondern zum ganz überwiegenden Teil der Bund.

„Im Zuge der Corona-Pandemie hat die SPD im Koalitionsausschuss durchgesetzt, den so genannten Digitalpakt zwischen Bundesländern und Bundesregierung um 500 Millionen vom Bund aufzustocken, um die Länder dabei zu unterstützen, Schulen mit digitalen Endgeräten auszustatten. Davon entfallen auf NRW rund 105 Millionen Euro. Allein für Hagen stehen 3,3 Millionen Euro zur Verfügung, wodurch fast 10.000 Tablets für Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte angeschafft werden können“, korrigiert Röspel den WPWR-Bericht.

Im Übrigen hätte Ministerin Gebauer auch kein besonderes Interesse daran, Schülerinnen und Schüler aus finanzschwachen Familien zu unterstützen, sonst hätte sie den SPD-Vorschlag unterstützt, das Bundesgeld nicht nach Regionalproporz und Einwohnerzahl auf die Bundesländer zu verteilen („Königsteiner Schlüssel“), sondern nach sozialen Kriterien wie Bedürftigkeit der Familien usw., so Röspel.

Auch in diesem Punkt hatte das Funke-Blatt die Sachlage anders dargestellt und es als „Idee“ der nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie weitgehend als Fehlbesetzung kritisierten Ministerin verkauft, „auch Kinder aus weniger finanzkräftigen Haushalten“ für den digitalen Unterricht „adäquat“ auszustatten.

Röspel macht darüberhinaus deutlich, dass auch mit den zusätzlichen Bundesmitteln leider ein grundsätzliches Problem der NRW-Schulpolitik nicht zu lösen sei: Die Schülerinnen und Schüler und vor allem auch die Lehrkräfte müssten natürlich Unterstützung bei der Entwicklung ihrer digitalen Kompetenzen bekommen. Das sei aber nicht Bundesangelegenheit, sondern Aufgabe der Länder.

Hagen: Kauf von Immobilien lohnt sich noch

9. April 2021

Hagen gehört zu den wenigen Großstädten in Deutschland, in denen es aus finanzieller Sicht theoretisch sinnvoller ist, eine Immoblie zu kaufen, als weiter zur Miete zu wohnen. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Anmerkung: Jaja, das Heimatblättchen. Erst am Tag zuvor wartete die WPWR noch mit der (unbelegten) Tatarenmeldung auf „Hausbesitzern droht Preisverfall“ – inzwischen von der Hagener Startseite der WPWR verschwunden.

WPWR-Verkaufszahlen weiter rückläufig

4. April 2021

Immer weniger Hagener lesen das heimische Einheitsblatt WPWR. Der seit Jahren anhaltende Trend setzte sich auch im 4. Quartal 2020 fort, gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ging der Verkauf um 4,9 Prozent zurück. So meldet es die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw), die seit 1949 Auflagen ermittelt.

Wurden 2019 im Durchschnitt noch täglich 27.279 Exemplare abgesetzt, waren es ein Jahr später nur noch 25.954 Zeitungen. Ein Verlust von 1.343 Stück – und in den Zahlen sind neben den Ausgaben Hagen und Hohenlimburg auch die Blätter für Wetter und Herdecke schon inbegriffen. In Hagen dürfte die verkaufte Auflage inzwischen weit unter 20.000 liegen.

Seit der Auflösung der Redaktion der Westfälischen Rundschau 2013 existiert dieser Zeitungstitel nur noch auf dem Papier. Der Hagener Lokalteil ist inhaltlich und personell identisch mit dem der Westfalenpost, nur Typografie und Leitfarbe unterscheiden sich. Es handelt sich also nicht um zwei verschiedene Medien, sondern um ein Einheitsblatt, das mit zwei Gesichtern auftritt, um Meinungsvielfalt vorzutäuschen.

Sauerland-CDU will Leserbriefe stoppen

20. März 2021

Westfalenpost reagiert mit Pro-Merz-Offensive

Der Kreisvorsitzende der CDU im Hochsauerlandkreis, Matthias Kerkhoff, hat versucht, örtliche Redaktionen der Westfalenpost dazu zu bewegen, keine Leserbriefe mehr zur anstehenden Kampfabstimmung zwischen Friedrich Merz und Patrick Sensburg am 17. April in einem Sportstadion zu veröffentlichen.

Das berichtet das Online-Medium zoom – das Sauerland und mehr und beruft sich auf entsprechende Meldungen in der FAZ und der Westfalenpost selbst (näheres unter den Links).

Kerkhoff fürchtet offenbar unliebsame Meinungen: „Es handelt sich um ein innerparteiliches Verfahren und mein Wunsch ist, dass die Mitglieder und Delegierten der CDU sich unvoreingenommen ein Bild von den Bewerbern machen können und anschließend entscheiden“, so der sauerländische CDU-Chef in seiner Email an die Lokalredaktionen.

Die Redaktion der Ausgabe Brilon teilte daraufhin mit, sie werde auch weiterhin Leserbriefe im Vorfeld der Wahl am 17. April abdrucken, „nachdem diese der üblichen Prüfung unterzogen wurden“. Die Formulierung lässt Spielraum zu.

Um die Redaktionen selbst sorgt sich Kerkhoff wohl auch weniger, denn er bietet großzügig an, dass die „innere Angelegenheit der CDU (…) selbstverständlich redaktionell begleitet werden kann.“

Und so geschieht es denn auch. Im Mantelteil der Ausgabe vom heutigen Samstag wird eine groß angelegte Friedrich-Merz-Eloge erscheinen, die die Westfalenpost bereits am Freitag mit gleich vier Pressemittelungen in eigener Sache bewirbt:

Wer es noch nicht wusste, merkt spätestens jetzt, für wen das Herz der Westfalenpost schlägt.

Greatest Hits 2020

1. Januar 2021

Die Top 20 der beliebtesten DW-Beiträge im Jahr 2020

  1. Islamisten wollen in den Stadtrat
    HAK stellt sich in 18 von 26 Wahlbezirken zur Wahl
  2. „Lieber Erik“
    Eine kleine Clique mit bestem Draht nach ganz oben macht Stimmung gegen eine längst überfällige Verbesserung des Busverkehrs
  3. Neue Baugrundstücke in Emst und Eppenhausen
  4. Was hat AfD-Eiche noch im Jobcenter verloren?
    Politiker von CDU, SPD und FDP: Keine AfD im Staatsdienst
  5. Eintrag ins Klassenbuch für den kleinen Erik Olaf
    von Christoph Rösner
  6. „Ich werde alles transparent machen“
    Interview mit Laura Valeria Knüppel (Die PARTEI)
  7. Kommunalwahl 2020 – Die Hagener Ergebnisse
  8. „Verdient und leistungsgerecht abgewählt“
    Offener Brief an die Mitglieder der Bezirksvertretung Haspe
    von Mihaela Olteanu und Alexander-Peter Popescu
  9. SPD: Ein Schreiben verschwindet
    Neben der politischen Problematik steht auch eine strafrechtliche im Raum
  10. Kahlschlag am Karweg
    Wirtschaftsbetrieb Hagen lässt Platanen enthaupten – Aktion offensichtlich rechtswidrig
  11. „Top gepflegter Mensch, Anzug an“
    WPWR puscht Jungunternehmer – jetzt laufen die Insolvenzverfahren
  12. RHI Magnesita schließt Steinfabrik in Hagen-Halden
  13. Kurzarbeit für über 2000 Menschen in großen Hagener Firmen
  14. Kommunalwahl 2020 Hagen: Alle Kandidaten
  15. Hagener SPD auf Kamikaze-Kurs
    Vorstand bringt Schisanowski gegen Röspel in Stellung
  16. SPD: Wir machen den Weg frei – für die CDU
    Timo Schisanowski ist der Kandidat für die Bundestagswahl
  17. Spaßbefreit und zuordnungsverwirrt
    von Christoph Rösner
  18. Der unsichtbare Dritte
    AfD-Ratsherr nimmt nicht an Sitzungen teil – kassiert aber
    Dürfen die Rechten ihren Fraktionsstatus behalten?
  19. Schisanowski kneift
    SPD-Kandidat für Bundestagsmandat bleibt Podiumsdiskussion fern
  20. Nase voll
    Die Hagener SPD hat offenbar ein Drogenproblem

WPWR: Auflage weiter rückläufig

22. Oktober 2020

Erwartungsgemäß kannte die Auflage des Hagener Einheitsblatts auch im abgelaufenen 3. Quartal gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum weiter nur eine Richtung: abwärts. Das ergibt sich aus der aktuellen Erhebung der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw).

Die Anzahl der tatsächlich verkauften Zeitungen ging um 4,82 Prozent auf nur noch 26.163 Exemplare im täglichen Durchschnitt zurück; und da sind die Ausgaben Hohenlimburg, Wetter und Herdecke sowie die ePaper schon inbegriffen.

Das wichtige Segment der Abonnements schrumpfte sogar um 5,14 Prozent, während der ebenfalls rückläufige Einzelverkauf mit 1.002 Exemplaren nur noch so gerade ein vierstelliges Ergebnis erreichte.

Die ivw ermittelt und prüft seit 1949 die Verbreitung von Werbeträgern. Mitglieder sind u.a. der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger und der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger.

Diskriminierung der „Zigeuner“ hält bis heute an

10. Oktober 2020

„Sinti und Roma erleben Diskriminierung bis heute auf unterschiedliche Weise“, so Güler Kahraman, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums der Stadt Hagen. (…)

Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien werde von der Hagener Mehrheitsbevölkerung negativ wahrgenommen und mit Diebstahl, Unsauberkeit und Bildungsferne assoziiert, so Kahraman. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Anmerkung: Diese Wahrnehmung hat die Hagener Einheitspresse mit diversen Artikeln nicht unwesentlich befeuert. Vorneweg dabei der Autor des verlinkten Beitrags, Hubertus Heuel, der in der Vergangenheit auch nicht vor offensichtlichen Falschmeldungen zurückschreckte, um seinen Obsessionen Nachdruck zu verleihen (siehe hier oder hier). Aber Heuel, der zuvor auch schon in anderen Zusammenhängen negativ aufgefallen war – zum Beispiel als Sympathisant von Rockerbanden – ist nicht der einzige Vertreter aus dem Stall der hiesigen Funke-Medien, der solche Fake-News absondert. Auch der auf Krawall- und Blaulichtmeldungen ausgerichtete freie WPWR-Mitarbeiter Alex Talash mischt gelegentlich kräftig mit (siehe hier).

Hagener Corona-Leugner mobilisiert 4.500 Gleichgesinnte zur Demo in Düsseldorf

21. September 2020

Westfalenpost bot Michael Schele zuvor breite Plattform

Der Hagener Corona-Leugner Michael Schele, der sich selbst als „Spezialist für Events & Hochzeiten“ beschreibt, hat gestern bei einer Demonstration in Düsseldorf etwa 4.500 Gleichgesinnte auf die Straße gebracht. Angemeldet hatte er in einem Anflug von Größenwahn 50.000 Teilnehmer.

Zuvor hatte die Westfalenpost Schele eine breite Plattform zur Selbstdarstellung zur Verfügung gestellt. Am Donnerstag durfte sich der Hochzeits-DJ auf fast einer ganzen Seite (Foto: DW) im überegionalen Teil des Blattes auslassen, ohne dass Autor Daniel Berg, der bei der WP als „Chefreporter“ geführt wird, dem Corona-Agitator mit kritischen Anmerkungen in die Quere kam.

Im Gegenteil: Man könnte das Machwerk des „Chefreporters“ wohlwollend oder mitfühlend nennen – wohlgemerkt: dem Corona-Leugner gegenüber, nicht den an der Seuche Erkrankten oder Verstorben. Der eine oder andere Leser würde den Schreiber wahrscheinlich als heimlichen Sympathisanten sehen.

Schon in der Überschrift des Online-Artikels schwingt eine gewisse Anerkennung mit: „Wie Michael Schele zum Frontmann der Querdenker NRW wurde“. In der Print-Ausgabe in ähnlicher Diktion als Zitat: „Ich will die Welt retten“.

Auszüge aus dem Beitrag, der hinter einer Bezahlschranke verborgen ist:

Und Merkel und Spahn und die anderen? Gehörten, so meint er, in den Knast „wegen Körperverletzung, Totschlags, Meineids“. (…)

„Wir müssen diese faschistoide Lüge im Ansatz ersticken“, sagt Schele. (…) Dieses Virus, mindestens aber seine Gefahr für die Menschen, sei frei erfunden von weltumspannenden Konzernen, die sich an den Folgen bereicherten. Bill Gates sei ein Geldgeber der WHO und die habe 2017 den Stufenplan zum Ausruf einer Pandemie von sechs auf vier Stufen verkürzt. (…) Die Frau von Markus Söder produziere Gesichtsmasken und verdiene daran. Der Mann von Jens Spahn sei Chef-Lobbyist für die Hubert Burda Media. So hätten die Politiker auch die Medien auf ihrer Seite. (…)

Schele fragt, wo denn die ganzen Kranken seien. Er kenne keinen. (…)

Er wirkt nicht wie ein schlechter Mensch, er redet viel und gern und lacht dabei. (…)

Pharma-Faschismus sei das alles. Parallelen zu 1933 sieht er. (…) „Damals war es nur ein Stern, jetzt ist es nur eine Maske“, sagt er. (…)

Selbst den letztgenannten Schwachsinn lässt Autor Daniel Berg kommentarlos stehen. Ein Blättchen, das sich solch einen „Chefreporter“ leistet, darf sich nicht wundern, dass die Auflagezahlen permanent rückläufig sind. An einer Stelle sagte der promotete Corona-Leugner laut Artikel: „Ich habe in der Zeit gelernt, dass Bildung und Intelligenz nicht dasselbe sind.“ Gut möglich, dass das auch auf den „Chefreporter“ zutrifft.

Immer Ärger mit der Lokalredaktion der WP

15. August 2020

Am letzten Dienstag startete in der Westfalenpost die Vorstellungsrunde der OB-Kandidaten. Diese hatten im Vorfeld 58 Satzanfänge serviert bekommen, die sie in jeweils ihrem Sinne ergänzen sollten. Mittlerweile ist die dritte Vorstellungsrunde durch.

Der Start war am 11. August mit Dr. Josef Bücker von Hagen Aktiv, weil es laut WP alphabetisch zugehen soll. Prompt war aber auch hier wieder der Wurm drin, wie zuletzt in allen Beiträgen der WP über Hagen Aktiv:

1. Die WP vertauschte die Reihenfolge der Satzergänzungen mit der Nr. 44 und 45 und ergänzte bei 44 mit der Antwort eines anderen Kandidaten – wahrscheinlich der, der morgen (Freitag) dran ist – und ergänzte bei 45 mit der Bücker – Ergänzung zu 44. Die Zusage, das am Folgetag (Mittwoch) in Gänze richtig zu stellen, gelang der WP jedoch nicht. (…)

2. Die Bücker-Vorstellung wurde in der WP-Ausgabe in Hohenlimburg erst gar nicht abgedruckt, so, als würden die Menschen in Hohenlimburg nicht zur Wahl gehen. Man hatte angeblich nicht aufgepasst, auf welcher Seite des Lokalteils der Hagener Ausgabe die Vorstellung abgedruckt wurde, so der verantwortliche Lokalredakteur.

„So etwas kann nach langjähriger Erfahrung mit dem Ausgabendouble in der WP-Redaktion doch gar nicht passieren Herr Stubbe. Oder? Danke aber, dass Sie Herrn Dr. Bücker am Ende der Serie in der Hohenlimburger Ausgabe dann doch entsprechend zu Wort kommen lassen wollen“. (…)

Quelle: Hagen Aktiv

Anmerkung: Die Kritik an den handwerklichen Mängeln der WPWR-Redaktion ist ja richtig. Aber die entscheidende Frage ist doch: Aus welchem Grunde lassen sich lokale Politiker – wenigstens die, die ernst genommen werden wollen – auf solche an Schwachsinn grenzenden Fragenkataloge überhaupt ein? Welchen Erkenntnisgewinn sollen die Wähler daraus erzielen?

Hauptsache nichts mit Politik

12. August 2020

WPWR: 58 Fragen Boulevard-Journalismus

Auf Seite 1 des Hagener Lokalteils der WPWR tönt Redakteur Mike Fiebig noch: „Es liegt in der Natur der Sache, dass wir als Redaktionsteam Kommunalpolitik und die, die sie machen, kritisch begleiten.“

Das Ergebnis dieser „kritischen Begleitung“ konnte der Leser dann auf Seite 5 derselben Ausgabe vom Dienstag bestaunen. In einer Interview-Reihe unter dem Titel „58 Fragen an …“ sollen die Hagener OB-Kandidaten den Wählern vorgestellt werden. Wer politische Inhalte erwartet hatte, wurde schon in der ersten Folge mit Hagen-Aktiv-Kandidat Dr. Josef Bücker komplett enttäuscht.

Die Anzahl der Fragen begründete die Redaktion mit den beiden ersten Ziffern der Hagener Postleitzahlen. Genauso zusammengekrampft war auch der Inhalt der Fragen – von Politik keine Spur. Stattdessen ein Katalog wie aus den bunten Blättern (von denen die Funke-Mediengruppe eine Menge herausgibt).

Beispiele:

Ich wähle mich, weil… ich kandidiere

An meinem Zuhause mag ich… besonders meine große Dachterrasse

Glücklich macht mich… wenn ich Zeit für meine Hobbys habe

Und so geht es weiter bis zum Schluß. Online ist dieser Schmarren natürlich hinter einer Bezahlschranke verborgen. Wer dafür zahlt, hat selber schuld.

WPWR verliert 6 Prozent Abonnenten

22. Juli 2020

Größter Rückgang seit 2014 – Boulevardisierung erfolglos

Die Hagener Ausgabe der WPWR hat innerhalb eines Jahres so viele Abonnenten verloren wie seit 2014 nicht mehr. Das zeigen die neuesten Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw).

Die verkaufte Auflage der Zeitung, in der seit einigen Jahren auch die Ausgaben Hohenlimburg, Herdecke und Wetter mitgezählt werden, ging im 2. Quartal 2020 im Vergleich zum 2. Quartal 2019 um 5,47 Prozent zurück.

Es sind vor allem die treuesten Kunden, die das Blatt nicht mehr lesen wollen: die Abonnenten. Deren Zahl reduzierte sich sogar um 6,01 Prozent, der stärkste Rückgang seit 2014. Dabei sind die regelmäßigen Bezieher die Stütze der WPWR. Von der gesamten Verkaufsauflage in Höhe von 26.508 täglichen Exemplaren decken sie allein 24.461 Stück ab, während der Einzelverkauf nur noch bei 1.061 liegt.

Zahlen nur für Hagen werden zwar nicht mehr ausgewiesen, doch kann man davon ausgehen, dass nicht einmal jeder zehnte Einwohner der Stadt noch die Lokalpresse erwirbt. Die Redaktion versucht mit zunehmender Boulevardisierung des Blattes gegenzusteuern, was aber erkennbar nicht von Erfolg gekrönt ist.

So hat sich das Pressehaus, wohl auch um das Sommerloch zu füllen, aktuell eine ganz spezielle Serie ausgedacht: „Tabu – Worüber Hagen sonst nicht spricht“. In der werden vom Schicksal oder sonstigen Eigentümlichkeiten gebeutelte Mitmenschen dem Publikum vorgeführt.

DOPPELWACHOLDER.DE hatte bereits die Vorankündigung dieser Serie als „Endstation Trash“ eingeordnet. Der Journalist Martin Krehl, der selbst viele Jahre als Lokalredakteur gearbeitet hat (u.a. auch in Hagen) zeigte sich entsetzt: „In mehr als 40 Jahren journalistischer Tätigkeit ist mir so etwas Übles nicht untergekommen.“

Verkauft wird diese Präsentation quasi als Psychotherapie: „Auszusprechen, worüber sonst nicht gesprochen wird, ist für viele Menschen ein seelischer Kraftakt. Es erfordert Mut, Rückgrat und Selbstreflexion“, reicht Redakteur Mike Fiebig die Verantwortung für die Zurschaustellung an die Betroffenen zurück.

Es ist ein Strickmuster, das man schon von „Qualitätsmedien“ wie dem Fernsehsender RTL 2 kennt. Der präsentiert – so nennt der Sender es – „Sozial-Dokus“. Die „Argumentation“ von RTL 2 ähnelt der der WPWR auf verblüffende Art und Weise:

„Viele Medienbeobachter geißeln „Hartz und herzlich“ und „Armes Deutschland“ als Elendstourismus und Menschenzoo. Das Unbehagen von Hans Hoff (Kolumnist bei „DWDL“; Anm. d. Red.) und anderen zeigt aber vor allem eines: Nicht die Machart der Dokus ist das Problem, sondern die Weigerung der Kritiker, die harten Realitäten anzunehmen und armen Menschen einfach zuzuhören.

Reportagen und Dokumentationen über das Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft sind in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Bestandteil des Programms von RTLZWEI geworden. „Hartz und herzlich“, „Armes Deutschland“ und weitere Formate lenken den Blick auf Schicksale, die die meisten von uns nicht sehen wollen, oder von denen sie nicht wussten, dass es sie im reichen Deutschland gibt.“

Die Marktanteile von RTL 2 sind seit Jahren rückläufig, die pseudosozial kaschierten Menschenvorführungen haben offenbar nicht den erwünschten Erfolg gezeitigt. Ähnliches dürfte auch der WPWR widerfahren, die nächsten Quartalszahlen der ivw Mitte Oktober werden es zeigen.

Funke Mediengruppe: Vom Kahlschläger in der Presselandschaft zum „Faktenchecker“

13. Juli 2020

Die Medienunternehmen sind Dienstleister, die Informationen bereitstellen und gleichzeitig auf Gewinn zielende Betriebe. Mit der Informationsvermittlung wird allerdings immer weniger Geld verdient. Um den möglichst größten Profit zu erzielen, setzten die Medienkonzerne in Deutschland auf Werbung, Sport und seichte Unterhaltung. Sensations-Journalismus trat an die Stelle der Berichterstattung. (…)

Gleichzeitig wurden neue Betätigungsfelder aufgetan, es entstanden sogenannte Rechercheverbünde und Recherchezentren.

Das Recherchezentrum CORRECTIV wurde im Juni 2014 in Essen in der Huyssenallee 11 gegründet. Im gleichen Gebäude residiert auch die Brost-Stiftung, benannt nach Anneliese Brost (1920-2010) einer Verlegerin, Gesellschafterin der WAZ-Mediengruppe, Milliardärin und Mäzenin. Von der Brost-Stiftung erhielt CORRECTIV eine Anschubfinanzierung in Höhe von drei Millionen Euro.

Das Recherchezentrum CORRECTIV wurde maßgeblich von David Schraven aufgebaut. Von 2010 bis Mai 2014 leitete er das Ressort Recherche der vier NRW-Zeitungen, WAZ, NRZ, Westfälische Rundschau und Westfalenpost, der WAZ-Mediengruppe in Essen. Heute ist er Publisher und inhaltlicher Geschäftsführer des vorgeblich gemeinnützigen Recherchezentrums, mit einem Jahresgehalt 2015 in Höhe von 111.038 Euro. (…)

Das Recherchezentrum finanziert sich aus Spenden, besser gesagt, es wird gesponsert. Nach dem alten Wahlspruch „Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe“ ist die Unabhängigkeit anzuzweifeln, auch wenn man sich die Personen in den einzelnen Gremien von dem Recherchezentrum anschaut. (…)

Quelle: Gewerkschaftsforum Dortmund

Einheitsblatt stürzt weiter ab

24. April 2020

Auch im 1. Quartal 2020 ging es mit der WPWR in Hagen weiter nur in eine Richtung: nach unten. Um 5,6 Prozent verringerte sich der Verkauf nach Angaben der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Noch im März hatte die Zeitung versucht, den Lesern der gedruckten Ausgabe ihr hinter einer Bezahlschranke verborgenes Online-Angebot schmackhaft zu machen. „Als Abonnent Premiuminhalte gratis lesen!“, tönte das Blatt in teils großflächigen Anzeigen und fragte: „Wussten Sie, dass für unsere Zeitungs- und E-Paper-Abonnenten diese Inhalte weiterhin gratis sind?“

Wer auf den angebotenen Link ging, stellte schnell fest, dass er erst einmal ein neues Abo abschließen sollte und fühlte sich natürlich betrogen.

Das Hauptinteresse von Lesern der Lokalblätter gilt den Ereignissen vor Ort. Für Überregionales stehen bessere Angebote zur Verfügung, seien es – bei aller Kritik auch dort – öffentlich-rechtliche Sender oder gedruckte „Qualitätsmedien“ mit bundesweiter Verbreitung. Trotzdem wird der Lokalteil der WPWR weiter geschwächt.

So hat die Hagener Lokalredaktion seit Jahresanfang eine Stelle weniger, nachdem der ehemalige Verantwortliche, Michael Koch, die Redaktion verließ und seitdem den Titel der Westfalenpost mitgestalten darf. Nachdem DOPPELWACHOLDER.DE darüber berichtet hatte, mokierte sich Koch in einem Kommentar: „Eine ganz leichte Recherche hätte die Falschmeldung verhindern können“, und verwies auf eine Anzeige in einem wie die WPWR von Funke-Medien betriebenen Stellenmarkt.

Dort wurde tatsächlich eine Stelle angeboten, aber schon die Anschrift des Arbeitsorts ließ ernste Zweifel aufkommen: Hohensyburgstraße 65-67 in HA-Bathey. Das ist die Adresse der Funke-Druckerei, nicht die des Pressehauses. Die vakante Stelle in der Lokalredaktion ist bis heute nicht besetzt – soviel zur „Falschmeldung“.

Dazu kommen die qualitativen Mängel in der Redaktion. Die aufzuzählen, würde viele Seiten füllen und vor allem viel Arbeit bedeuten. Daher nur der Hinweis auf zwei Beiträge zum bisherigen Höhepunkt des Jahres (das ja noch lange nicht rum ist):

Endstation Trash
Niveau der WPWR droht ins Bodenlose zu sinken

Tabubruch in Hagen
„Westfalenpost“ fragt Leser: Kennen Sie einen Mörder? Oder eine Frau, die sich nicht rasiert?

Tabubruch in Hagen

6. April 2020

„Westfalenpost“ fragt Leser: Kennen Sie einen Mörder? Oder eine Frau, die sich nicht rasiert?

Martin Krehl bringt die Aktion immer noch auf die Palme: „In mehr als 40 Jahren journalistischer Tätigkeit ist mir so etwas Übles nicht untergekommen“, sagt er. Es wundere ihn sehr, „dass die Teilnehmer der Konferenzen, in denen das besprochen worden sein muss, allesamt nichts dazu gesagt haben“.

Krehl, gebürtiger Hagener, ist Gewerkschafter, war früher Landesvorsitzender der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in NRW und viele Jahre Betriebsratsmitglied der „Westfälischen Rundschau“, ebenfalls ein Funke-Titel. Krehl ärgert sich also auch aus alter Verbundenheit: „Wie kann man auf die Idee kommen, die Körperbehaarung einer Frau als berichtenswertes Tabu-Thema auszuweisen? Mörder oder Totschläger sollen der Redaktion genannt werden, auch Menschen, die ihre Kinder misshandeln.“ (…)

Krehl fürchtet, das rufe „Denunzianten und Selbstdarsteller“ auf den Plan. „Da geht es der Redaktion nicht darum, zu informieren“, sagt er. Es gehe ausschließlich „um Trash und Sensationsgier“, die so vielleicht befriedigt werde. „Und dafür ist die traditionsreiche südwestfälische Heimatzeitung da?“ Krehl hat eine Beschwerde an den Deutschen Presserat gerichtet. (…)

Quelle: übermedien

Anmerkung: Es ist gut, dass diese unsägliche Aktion des Hagener Monopolblatts Eingang in die überregionale Berichterstattung gefunden hat. DOPPELWACHOLDER.DE hatte bereits vor vier Wochen darüber berichtet: „Endstation Trash“.

Endstation Trash

9. März 2020

Niveau der WPWR droht ins Bodenlose zu sinken

Es wird immer schauriger mit dem örtlichen Blättchen. „Wir brauchen Ihre Hilfe“ bettelte die Hagener Lokalausgabe der WPWR am Freitag und forderte die Leser auf, Futter zu liefern, um das bevorstehende Sommerloch zu füllen.

Dieses Jahr sollen „Tabus“ gebrochen werden: „Wir möchten Hagener das aussprechen lassen, worüber sie sich sonst nicht zu sprechen trauen.“ Redakteur Mike Fiebig liefert auch gleich die Erklärung für das Warum: „Nicht, weil wir reißerisch sein wollen. Nicht weil wir einfach nur außergewöhnliche Geschichten suchen. Und auch nicht, weil wir provozieren wollen.“

Nein, natürlich nicht, „wir wollen Mut machen“. Deshalb – und nicht etwa, weil die Auflage seit Jahren in den Keller rauscht und reißerische Themen Quote bringen – fordert das Blatt mit einem halbseitigen Formular seine Leser auf, Informationen in der Redaktion abzuliefern: „Kennen Sie jemanden, auf den einer der Punkte zutrifft? Dann wenden Sie sich an uns.“

Beispielsweise „jemanden, der nicht schreiben und lesen kann“ oder „jemanden, der sein Kind geschlagen hat“ oder „eine Frau, die sich nicht rasiert“ oder „jemanden mit Blasenschwäche“ oder „einen Mörder/Totschläger“ oder „jemanden, der unter Zwangsstörungen leidet“. Insgesamt listet der Coupon 50 solcher Fragen auf, am Ende die Anweisung: „Coupon ausfüllen, ausschneiden und an die Stadtredaktion schicken.“ Für mehr Nachdruck fehlt nur das Ausrufungszeichen.

Die WPWR ist damit auf dem Niveau des Trash-TVs angelangt. Auch diese Privatsender würden nie einräumen, dass sie „reißerisch sein wollen“, wenn sie in ihren „Reportagen“ benachteiligte oder gescheiterte Mitmenschen vorführen.

Die Medienpsychologen Gary Bente und Bettina Fromm haben schon 1997 die Intimisierung als eines der zentralen Merkmale der Trash-Medien charakterisiert. Vormals eindeutig im privaten Bereich liegende persönliche Belange und Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen werden zum öffentlichen Thema. Die emotionalen Aspekte der Geschichten, also das persönliche Erleben und Empfinden, werden betont.

Man kann nur hoffen, dass sich die Wünsche der Redaktion nach vielen Einsendungen des Fragebogens nicht erfüllen. Zu befürchten ist aber, dass sich genügend Selbstdarsteller finden, die sich auch mal in der Zeitung sehen wollen. Und Denunzianten, die endlich beweisen möchten, was sie alles wissen.

Dann droht im Sommer zwei Monate lang täglich redaktioneller Müll ins Haus zu flattern. Da kann man das Blättchen eigentlich auch gleich abbestellen.

WPWR: Auflagenrückgang setzt sich fort

19. Januar 2020

Hagener Lokalredaktion wurde verkleinert

Erwartungsgemäß hat sich der Rückgang der heimischen WPWR-Auflage auch im 4. Quartal 2019 fortgesetzt. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal ging die Zahl der verkauften Exemplare pro Tag im Schnitt um 5,26 Prozent zurück. Das meldet die IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern.

Der Verlust von mehr als 1.500 gedruckten Exemplaren konnte auch durch einen leichten Zugewinn bei den ePapers in Höhe von gut 200 nicht wettgemacht werden. Reichlich skurril mutet da die Behauptung des neuen Leiters der Hagener Lokalredaktion Jens Stubbe an, das Blatt erreiche heute weit mehr Leser an als 1993 – das Jahr, in dem er seine Laufbahn bei der WP begann.

Die Mediaunterlagen des Verlags (Preisliste Nr. 20) geben für das 2. Quartal 1993 für den heute als Einheit ausgewiesenen Bereich Hagen/Hohenlimburg/Herdecke/Wetter eine tägliche verkaufte Auflage von über 66.000 Exemplaren an – aktuell sind es gerade einmal 27.279. Darin ist die digitale Ausgabe (ePaper) bereits enthalten. Verlässliche Angaben zum Internet sind für die örtliche Ebene nicht greifbar, allerdings auch nicht maßgeblich, da fast alle Artikel hinter einer Bezahlschranke (WPplus etc.) verborgen sind. Die Anzahl der hier abgeschlossenen Abos ist ebenfalls unbekannt.

Mit dem Wechsel der Leitung des Hagener Lokalteils wurde die Redaktion gleichzeitig verkleinert. Nachdem Jens Stubbe die Nachfolge des in die Titelredaktion des Mantelteils aufgerückten ehemaligen Lokalchefs Michael Koch angetreten hat, wurde dessen frühere Position nicht nachbesetzt.


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