Archive for the ‘05 Geschichte Hagen’ Category

Hagener Unternehmerfamilien im Filmporträt

15. Oktober 2021

Einen Kurs zu Hagener Unternehmerfamilien im Filmporträt bietet die Volkshochschule Hagen (VHS) gemeinsam mit dem Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen am Dienstag, 26. Oktober, von 18 bis 19.30 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, an.

Familienunternehmen prägen seit über 200 Jahren die Industriekultur im Hagener Raum. Das Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität hat Interviews mit Nachfahren aus Hagener Familienunternehmen geführt und sie nach der besonderen Verbindung von Familie und Betrieb gefragt. Aus den Interviews wurden filmische Porträts.

Vorgestellt werden das 1829 in Hohenlimburg gegründete Kaltwalzunternehmen C.D. Wälzholz GmbH und Co. KG und die Brennerei August Eversbusch OHG, die seit 1817 in Haspe den Doppelwachholder brennt. Dabei gibt das Institut einen kurzen Einblick in die historisch-biografische Forschung und stellt seine Arbeitsweise vor.

Informationen zur Anmeldung für den Kurs mit der Nummer 1790 erhalten Interessierte beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Internetseite www.vhs-hagen.de. In der VHS gilt die 3G-Regel.

Vortrag über Heinrich Wieschhoff

4. Oktober 2021

Einen kostenlosen Vortrag über den Hagener Diplomaten und Ethnologen Heinrich Wieschhoff bietet die Volkshochschule Hagen (VHS) am Mittwoch, 6. Oktober, von 18 bis 19.30 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, an.

Der bedeutende Diplomat und Ethnologe Heinrich Wieschhoff (1906-1961) ist in seiner Geburtsstadt Hagen kaum bekannt. Nach seinem Studium unternahm er eine große Forschungsreise durch Südafrika. Er wanderte in die USA aus, stieg als Diplomat bei den Vereinten Nationen auf und wurde enger Mitarbeiter des UNO-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld. Beide starben bei einem Flugzeugabsturz in Zentralafrika. Anlässlich des 60. Todestages von Wieschhoff erinnert Dr. Fabian Fechner von der FernUniversität Hagen an den ungewöhnlichen Hagener.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe „Hagen. Heimat. Bunt“ statt, die das AllerWeltHaus in Kooperation mit dem Hagener Heimatbund zum 275. Hagener Stadtjubiläum konzipiert hat. Eine Anmeldung ist unter Angabe der Kursnummer 1442 beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Internetseite www.vhs-hagen.de erforderlich. In der VHS gilt die 3G-Regel.

Wehringhausen: Rundgang zur Architektur um 1900

24. September 2021

Einen Stadtteilrundgang durch Wehringhausen mit Dr. Elisabeth May zur abwechslungsreichen Architektur um 1900 veranstaltet die Volkshochschule Hagen (VHS) am Mittwoch, 29. September, von 16 bis 18 Uhr. Treffpunkt ist vor der Springmann-Villa, Christian-Rohlfs-Straße 49.

Die topografischen Gegebenheiten des Stadtteils Wehringhausen finden sich auch städtebaulich in dem gesellschaftlich-hierarchischen Aufbau des Wohnviertels wieder. Oben, an den Stadtgarten grenzend, entstand ein exponiertes Baugebiet nach den Gründerjahren. Im Buschey-Viertel zeugen prächtige Villen von einer glanzvollen Zeit. Die Beamtenwohnhäuser im mittleren Bereich des Viertels sind ebenso ansehnlich wie die weiter bergab gelegenen Arbeiterwohnhäuser mit den ansprechenden Fassadengestaltungen.

Die Teilnahmegebühr von 6 Euro wird vor Ort in bar kassiert. Anmeldungen nimmt das Serviceteam der VHS unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1164 unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de entgegen.

Filme aus der Hagener Stadtgeschichte

21. September 2021

Alte Filme aus der Hagener Stadtgeschichte zeigt die Volkshochschule Hagen (VHS) anlässlich des Stadtjubiläums 275 Jahre Stadt Hagen am Freitag, 1. Oktober, von 19 bis 21 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38. Die Filme stammen aus der ehemaligen Stadtbildstelle Hagen. Christian Bönisch hat diesen Schatz gerettet und wird sie zusammen mit Lothar Handge an dem Filmeabend vorführen.

Gezeigt werden die schwarzweißen Stummfilme „Hagen – Die Pforte des Sauerlandes“ (1927) und „Der Mensch, mit dem ich lebe“ (Mitte der 1950er Jahre) sowie die schwarzweißen Tonfilme „Hagen – Die Pforte des Sauerlandes“ (1953) und „Friedrich Harkort. Ein Industriepionier“ (1960). Außerdem können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Farbfilme „Stadt zwischen Erz und Kohle“ (1959) und „Ingenieure für morgen – Die Ingenieursschule in Hagen“ (1968) freuen.

Einige Filme werden wie früher mit einem 16mm-Filmprojektor vorgeführt, der Eintritt kostet 4 Euro. Wegen der Coronaschutzmaßnahmen ist eine Anmeldung unter der Kursnummer 1126 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 notwendig. In der VHS gilt die 3-G-Regel.

Auf den Spuren der Gebrüder Ludwigs

11. September 2021

Vom Jugendstil zum Expressionismus

An einem Rundgang der Volkshochschule Hagen (VHS) zu den Häusern des Architekturbüros Gebrüder Ludwigs in Hagen können Interessierte am Mittwoch, 15. September, von 16 bis 17 Uhr teilnehmen. Unter der Führung von Dr. Elisabeth May werden dabei Baudenkmäler aus der Zeit des Jugendstils bis zum Expressionismus erklärt.

Zwischen 1909 und 1938 realisierte das Architekturbüro Gebrüder Ludwigs eine ganze Reihe unterschiedlicher Bauten im Hagener Stadtraum. Neben prägnanten Gebäuden wie der heutigen Spedition Schenker in Kückelhausen entstanden im Dunstkreis des Stirnbandes, wo Karl Ernst Osthaus eine Villenkolonie begründete, acht Gebäude in verschiedenen Stilen mit Einflüssen aus dem Appenzeller Land. Die Architektur spiegelt den Zeitgeist von drei Jahrzehnten wider: Einflüsse des Jugendstils und des Modernen Bauens bis in die 1930er Jahre sind dort zu entdecken.

Der Treffpunkt ist an der Haßleyer Straße 14. Die Teilnahmegebühr für den Kurs mit der Kursnummer 1162 beträgt 6 Euro und wird vor Ort bar bezahlt. Die VHS bittet um rechtzeitige Anmeldung entweder unter Telefon 02331/207-3622 oder über die Internetseite www.vhs-hagen.de.

Denkmaltopographie Hagen

10. September 2021

Kunsthistoriker im Hagener Stadtgebiet unterwegs

In zwei Jahren ein umfassendes Werk über die Hagener Denkmallandschaft verfassen: Das ist seit dem 1. Mai dieses Jahres die Aufgabe von Denkmaltopograph Dr. Roland Feitenhansl. In enger Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erarbeitet er einen Katalogband über bereits erfasste Bau- und Bodendenkmäler sowie übergreifende Beiträge zur Hagener Denkmallandschaft.

Start der Aufzeichnungen in Haspe

Nachdem Dr. Roland Feitenhansl sich zunächst einen ersten Überblick über die Denkmäler im Stadtgebiet gemacht hat, konnte er zuletzt den Bereich Haspe erkunden und eine erste Prüfliste von Objekten erstellen, die ebenfalls bedeutend für das Stadtbild und die Ortsgeschichte sein könnten.

„Das Besondere an dem Stadtteil Haspe ist die Vielfältigkeit der Architektur und ihr Zusammenwirken innerhalb der einzelnen Straßenzüge, Plätze und Grünanlagen“, so beschreibt der Denkmaltopograph, der kein gebürtiger Hagener ist und die Stadt zunächst neu kennenlernen muss, Haspe und seine historische Bebauung. „Hier befindet sich eine Mischung aus Friedhofsanlagen, Wohnhäusern, Villen, Industrie- und Gewerbeanlagen sowie Schul- und Sportanlagen, die alle gemeinsam das Stadtbild prägen und spannende Geschichten in sich bergen.“ Doch nicht nur Einzelbauwerke sind für den Topographen interessant, auch ganze Straßenzüge, Baublöcke und Platzanlagen werden von ihm unter die Lupe genommen.

Erfassung seltener Objekte

Gleich zu Beginn ist dem Denkmaltopographen die dreifache Friedhofsanlage „Auf dem Mops“ mit ihrem evangelischen, katholischen und städtischen Teil aufgefallen. „So etwas sieht man auch nicht alle Tage“, betont der Experte. „Genauso wie die terrassenförmige Urnengrabanlage aus der Zwischenkriegszeit und die authentisch aus den 1950er Jahren überlieferte Trauerhalle mit ihrem ausdrucksstarken Tiefenrelief „Der Lebenszyklus“ von Karel Niestrath, der in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden wäre.“

In der Grünanlage „Im Zipp“, dem früheren evangelischen Friedhof, gibt es außerdem eine Reihe von historischen Grabsteinen, die noch in einer Art Dornröschenschlaf schlummern. Darunter befindet sich auch der Stein des bedeutenden Hasper Industriellen, Gustav Lehrkind.

Erschließung von Privatbesitz oft schwierig

Neben öffentlichen Gebäuden und Anlagen, die für Feitenhansl jederzeit zugänglich sind und zumindest von außen fotografisch dokumentiert und mit einer kurzen Beschreibung versehen werden können, sieht die Erarbeitung einer Denkmaltopographie auch die Dokumentation von Denkmälern in Privatbesitz vor. Diese können jedoch nicht ohne vorherige Abstimmung besichtigt werden.

„Dort wo ich den Bewohnerinnen und Bewohner von Denkmälern begegne, ergibt sich zwar manchmal die Möglichkeit, spontan ein Gebäude auch von innen zu besichtigen“, erzählt Feitenhansl. „Für eine flächendeckende Erfassung des Bestandes reicht dies jedoch nicht aus.“ Daher bitten die Untere Denkmalbehörde und der Denkmaltopograph um entsprechende Nachsicht, falls er einmal spontan an der Haustür eines Denkmals oder potentiellen Denkmals klingelt und freundlich um Einlass bittet. Nur auf diese Weise ist es einer einzelnen Person innerhalb des kurzen Bearbeitungszeitraumes des Projekts möglich, das gesamte Stadtgebiet abzuarbeiten.

Eine systematische Erschließung des Stadtgebietes

Geplant ist eine systematische Erschließung des gesamten Stadtgebietes über eine, im besten Fall fußläufige, Begehung der einzelnen Ortsteile. Dr. Roland Feitenhansl freut sich auch über die aktive Mithilfe von Hagener Eigentümerinnen und Eigentümern, die ein bereits gelistetes Denkmal oder ein historisches Gebäude, bei dem es sich um ein potentielles Denkmal handeln könnte, besitzen.

Eine Gebäudebesichtigung mit dem Denkmaltopographen kann entweder unter Telefon 02331/207-3154 oder per E-Mail an roland.feitenhansl@stadt-hagen.de vereinbart werden.

Dr. Roland Feitenhansl steht noch am Beginn seiner Tätigkeit, in Zukunft sollen weitere Berichte über seine Arbeit folgen. Die Untere Denkmalbehörde plant eine serienmäßige Berichterstattung zum aktuellen Stand der Recherchen mit spannenden Einblicken in die Stadtgeschichte.

„Einen Rückblick in die Geschichte wagen“

8. September 2021

275 Jahre Hagen: Stadtjubiläumsbuch erschienen

Dach_Stadthalle_mit_Stadtblick_um_1930_Stadtarchiv_Hagen_maxAuf dem Dach der alten Stadthalle mit Blick auf die Hagener Innenstadt um 1930. Foto: Willy Lehmacher (Stadtarchiv Hagen).

„275 Jahre Stadtrechte sind zweifellos ein guter Grund, einen Rückblick in die Geschichte der westfälischen Großstadt Hagen zu wagen. Mit dem nun rechtzeitig zum Stadtjubiläum erschienenen Werk können die Bürgerinnen und Bürger in die historische Entwicklung unserer Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven – chronologisch und thematisch – eintauchen“, freut sich Hagens Oberbürgermeister Erik Olaf Schulz über die Veröffentlichung des Stadtjubiläumsbuches „Hagen – eine moderne Stadtgeschichte“.

Bei dem rund 600 Seiten langen Sammelband aus der Reihe „Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte“, herausgegeben vom Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalen, handelt es sich um das bislang umfassendste Werk zur Hagener Stadtgeschichte, das als Kooperation der Stadt Hagen und der Fernuniversität Hagen entstanden ist.

Am Buch waren über 40 Autorinnen und Autoren beteiligt, darunter auch die drei Herausgeber Dr. Ralf Blank (Leiter Stadtarchiv Hagen und Fachdienstleiter Geschichte, Archäologie, Geologie der Stadt Hagen), Dr. Uta Kleine (Akademische Oberrätin am Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas der Fernuniversität Hagen) und Prof. Dr. Felicitas Schmieder (Leiterin des Lehrgebiets Geschichte und Gegenwart Alteuropas der Fernuniversität Hagen).

Das Werk ist im Brill Ferdinand Schöningh Verlag erschienen und dank der Unterstützung des Hagener Energieversorgers Enervie sowie der Sparkassen Stiftung Hagen zu einem Verkaufspreis von 39,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Stadtrundfahrt zum Tag des offenen Denkmals

6. September 2021

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals laden der Hagener Heimatbund und die Volkshochschule Hagen am Sonntag, 12. September, um 14.30 Uhr zu einer Stadtrundfahrt mit Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff ein. Treffpunkt ist an der Haltestelle Höing am Otto-Ackermann-Platz, wo die Tour gegen 17 Uhr auch wieder endet.

Im Rahmen des 275-jährigen Stadtjubiläums steht die Stadtrundfahrt im Zeichen der Hagener Stadtgeschichte und führt zu zahlreichen wichtigen Punkten und Orten im Stadtgebiet, die für die Entwicklung der Stadt von Bedeutung sind. Die Teilnahme kostet 15 Euro pro Person. Eine Anmeldung ist per E-Mail an info@michaeleckhoff.de erforderlich.

Bei der Stadtrundfahrt gilt die 3G-Regel: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen einen Nachweis über ihre vollständige Impfung, ein aktuelles, negatives Testergebnis oder einen Nachweis über ihre Genesung vorzeigen.

Ein Jahrzehnt starker Veränderungen

1. September 2021

Hagen zwischen 1965 und 1975

Mittelstrasse_um1965 StadtarchivBlick in die Mittelstraße um 1965. Foto: Stadtarchiv Hagen.

In einem stadtgeschichtlichen Seminar der Volkshochschule Hagen (VHS) können Interessierte unter der Leitung von Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff ab Mittwoch, 8. September, von 19.45 bis 21.15 Uhr mehr über die Entwicklung der Stadt Hagen zwischen 1965 und 1975 erfahren. Das Seminar umfasst insgesamt fünf Termine und findet in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, statt.

Im Jahr 1964 erschien ein akribisch gestaltetes Buch zum Thema „Hagen baut auf“. Von diesem Werk sowie von zusätzlichen Fotos ausgehend, erhalten die Teilnehmenden einen Einblick in das Jahrzehnt zwischen 1965 und 1975.

Es war eine Zeit, in der sich Hagen abermals sehr wandelte: Die Schaffung des Gewerbegebietes Lennetal, die Beendigung des Straßenbahnverkehrs, das „Aus“ für die Hasper Hütte sowie die Eingemeindungen von Hohenlimburg, Dahl, Berchum und Garenfeld zählen zu den wichtigen Ereignissen dieser Zeit. Darüber hinaus wurde 1974 vom NRW-Landtag das „Errichtungsgesetz“ verabschiedet, was zur Gründung der FernUniversität in Hagen führte.

Weitere Informationen zur Anmeldung sowie zu dem Kurs mit der Kursnummer 1120 erhalten Interessierte auf der Internetseite www.vhs-hagen.de oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622. In der VHS gilt die 3G-Regel.

Hagener Opfer der NS-Militärjustiz

29. August 2021

Wanderausstellung über Hagener Wehrmachtsoldaten

Hagener Opfer der NS-MilitärjustizDer Projektkurs Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kollegs (Leitung: Lehrer Pablo Arias und Rudolf Steffens) hat zusammen mit dem Hagener Geschichtsverein und dem Verein Friedenszeichen die Ausstellung „Hagener Opfer der NS-Militärjustiz“ organisiert, die am Mittwoch, den 1.9.2021 in der Kath. St. Michaelskirche in Wehringhausen eröffnet wird. Am selben Tag wird auch ein Heft zur Ausstellung vorgestellt (Abb.).

Kern der Ausstellung sind Biographien von einigen der 50 Hagener, die von der Wehrmachtjustiz verfolgt wurden. Die meisten von ihnen wurden zum Tode verurteilt oder starben in Strafeinheiten und Konzentrationslagern.

Ziel der Militärrichter war es, blinden Gehorsam und Disziplin durchzusetzen und jedes Zeichen von Widerstand zu bekämpfen. Angeklagte Soldaten bekamen keinen fairen Prozess. Meistens hatten sie keinen Verteidiger. Das Strafmaß konnte willkürlich festgesetzt werden und die kleinsten Vergehen wurden mit drastischen Strafen geahndet.

Je hoffnungsloser die Kriegslage wurde, desto mehr Todesurteile wurden gefällt. Auf Kriegsdienstverweigerung, Desertion und „Wehrkraftzersetzung“ – als solche galt schon ein kritischer Kommentar oder ein Witz über den Führer – stand üblicherweise die Todesstrafe. 15.000 Wehrmachtdeserteure wurden hingerichtet. Zum Vergleich: Im Ersten Weltkrieg waren 48 deutsche Soldaten hingerichtet worden.

In der St. Michaelskirche wird auch eine kleine Leihausstellung aus der Gedenkstätte Dokumentations- und Informationszentrum Torgau (Sachsen) gezeigt, die das Projekt unterstützt hat. Mehr Info: www.stsg.de/cms/torgau/startseite

Eine Internetkarte mit Texten, Fotos und Hördateien (Deutsch und Englisch) zum Thema wird in den nächsten Monaten erarbeitet.

Die Ausstellung bleibt bis zum 26.9 in der Kath. St. Michael-Kirche. Sie ist als Leihausstellung konzipiert und kann ab Oktober von Schulen oder anderen Interessenten kostenlos ausgeliehen werden.

Die Ausstellung ist Teil der politischen Bildungsarbeit des Rahel-Vanhagen-Kollegs. Mit verschiedenen Projekten versucht das Kolleg, Jugendliche und Schüler dazu zu bewegen, sich kritisch mit der Geschichte ihrer Stadt zu beschäftigen und einen Beitrag zur Erinnerungskultur in Hagen zu leisten.

Der Eintritt ist kostenlos. Aufgrund der Corona-Bestimmungen kann es beim Einlass zu Wartezeiten kommen.

Nach dem Hochwasser – Aktenrettung bei der Stadtverwaltung

17. August 2021

20210816_Aktenrettung_Franziska_Michels_maxAls in den frühen Morgenstunden des 14. Juli 2021 die Mitglieder des Hagener Krisenstabs alarmiert wurden, ahnte noch niemand das Ausmaß der nächtlichen Hochwasserkatastrophe, die auch die Hagener Stadtverwaltung traf. In der jüngeren Stadtgeschichte gibt es in ihren Auswirkungen bislang keine vergleichbare Wasserflut.

Angesichts der schlimmen Folgen der Überflutungen im Stadtgebiet und den menschlichen Dramen, die sich abspielten, konzentrierten sich alle Kräfte zunächst auf die Hilfe und Unterstützung der betroffenen Hagenerinnen und Hagener.

Anschließend stand auch die Rettung von Akten und Vorgängen der Stadtverwaltung aus Kellern der Verwaltungsgebäude auf der Tagesordnung des Krisenstabs der Stadt Hagen unter der Leitung des Beigeordneten Sebastian Arlt. Denn städtische Akten sind der Spiegel jeder Stadtgeschichte. Sie erfassen menschliche Biografien, zahlreichen Aspekte menschlichen Werkens und bürgerlichen Engagements und sind für auch für eine moderne Stadtverwaltung noch unentbehrlich. Die Aktenverluste nach dem Hochwasser zeigten sich nach ersten Bestandsaufnahmen vor Ort größer als gedacht (Foto: Franziska Michels).

Gründung der Task Force „Aktenrettung“

Der Fachbereich Kultur und das Stadtarchiv übernahmen die Koordination und Organisation. Kurzfristig war eine Task Force „Aktenrettung“ aus Mitarbeitern des Stadtarchivs, der Fachbereiche Kultur und Gebäudewirtschaft sowie der betroffenen Fachbereiche gebildet. Unterstützung erhält die Task Force durch das LWL-Archivamt, das die Maßnahmen durch Rat und Tat begleitet.

Schäden im Rathaus II und Rathaus Hohenlimburg

Es stellte sich heraus, dass besonders die Aktenkeller im Rathaus Hohenlimburg und im Rathaus II teilweise überflutet waren. Durch das schwülwarme Wetter nach der Hochwasserkatastrophe bildete sich an den durchnässten und feuchten Akten schnell Schimmel.

Die betroffenen Fachbereiche und Abteilungen mussten nun prüfen, welche Akten und Vorgänge vernichtet werden, weil sie nicht mehr zu retten waren, welche Akten wegen ihres Inhalts so wichtig sind, dass sie zum Beispiel durch eine Restaurierung gerettet werden müssen, und welche Akten sich in einem Zustand befinden, der eine weitere Nutzung ermöglicht.

Während in Hohenlimburg klares Oberflächenwasser vorwiegend durch die Fenster eingedrungen war und jeweils die unterste Regalreihe überflutet hatte, sind die Schäden im Rathaus II schwerwiegender. Hier stand schlammiges Wasser, das durch die Kanalisation hochgedrückt worden war, bis über Kniehöhe. Insgesamt betroffen waren mehrere Kilometer an städtischen Akten, die überwiegend aufgrund gesetzlicher Fristen und Vorgaben aufbewahrt werden müssen.

Erhebliche Teile der Bestände müssen durch Fachunternehmen für Papiertrocknung aufgearbeitet, indem sie einzeln foliert, tiefgefroren und zu einem späteren Zeitpunkt vakuumgetrocknet werden. Im Einzelfall ist auch bereits eine Schimmelsanierung erforderlich. Wie lange dieser Vorgang dauert, ist derzeit aufgrund der Auftragsbelastung der verfügbaren Fachunternehmen nicht absehbar. Unter Umständen kann dieser Prozess bis zu drei Jahren in Anspruch nehmen.

Parallel müssen die nicht unmittelbar im Wasser gestandenen Bestände zumindest im Rathaus II komplett umgelagert werden, wobei zu überprüfen ist, ob auch diese Akten nicht mittlerweile so durchfeuchtet sind, dass sie ebenfalls eine maschinelle Trocknung benötigen. Bereits die Entnahme der beschädigten Unterlagen gestaltet sich schwierig, da auch die Rollregalanlagen nicht mehr benutzbar sind und zeitgleich mit dem Ausräumen der Akten demontiert werden müssen. Betroffen sind überwiegend Unterlagen des Baudezernats, der Sozialverwaltung und verschiedener anderer Fachämter.

Übergangsweise Unterbringung der Akten im Hochbunker

Das Stadtarchiv hat gemeinsam mit dem Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) und den Fachbereichen Immobilien, Bauverwaltung und Wohnen sowie Gebäudewirtschaft nach Räumlichkeiten gesucht, die für die übergangsweise Unterbringung von Akten und Vorgängen aus konservatorischen Vorgaben geeignet sind. Ein im „Kalten Krieg“ reaktivierter und umgebauter Hochbunker erwies sich dabei als ein auch aus der Sicht des LWL-Archivamts optimale Möglichkeit.

Derzeit ist noch nicht abzusehen, wann die Rettung und Umlagerung der Akten abgeschlossen sein wird.

Historischer Rückblick: Aktenverluste nichts Neues

Der Verlust von Akten kam in Hagens Geschichte schon häufiger vor. So verschwand 1584 das Archiv der Grafschaft Limburg, das im Bergfried des Schlosses Hohenlimburg untergebracht war. Truppen des Kölner Erzbischofs hatten es gestohlen.

1811 schlug der Blitz in den mittelalterlichen Schlossturm und zerstörte das dort angelegte Archiv. Hier wurde die berühmte „Schwarze Hand“ gefunden. Zwei Jahre später rückten russische Kosaken in die Stadt Hagen ein. Um Streu für ihre Pferde zu erhalten, plünderten sie das damalige Stadtarchiv, zerrissen die Urkunden und Papiere.

Während des ersten schweren Luftangriffs auf Hagen in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober 1943 wurden in städtischen Gebäuden zehntausende Akten vernichtet. Im Stadtarchiv werden lange Listen mit den damals verlorenen Akten und ihren Inhalten aufbewahrt – in der historischen Überlieferung entstanden durch den Krieg gravierende Lücken. So ist es verständlich, dass Historiker und Archivare aufhorchen, wenn sie die aktuellen Aktenverluste in Hagen betrachten.

Stadt zwischen Erz und Kohle – Hagen 1959

16. August 2021

Ein Film von Paul Kellermann aus dem Archiv des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe

Der 1905 in Herscheid geborene Filmemacher ist in seiner Schaffenszeit hauptsächlich durch Kultur- und Werbefilme in Erscheinung getreten, von denen die meisten im märkischen Sauerland zu verorten sind. Der Fokus seiner Werke liegt häufig auf den wirtschaftlichen und touristischen Besonderheiten der von ihm portraitierten Teile der Region.

In den 1950er Jahren machte sich Kellermann mit einer kleinen Filmproduktionsfirma in Lüdenscheid selbstständig und hatte seinen Durchbruch in seiner Heimatregion im Jahr 1956.

Der Film von Paul Kellermann führt nach Hagen Ende der 1950er Jahre. Paul Kellermann stellt in seinem Film „Stadt zwischen Erz und Kohle“ insbesondere das wirtschaftliche Potential der Stadt zur Zeit des Wirtschaftswunders heraus. Eine kurze und informative Anmoderation der Filme liefert Franziska Hackenes.

Stadtspaziergang zur Geschichte Haspes

15. August 2021

Im Rahmen des Urlaubskorbs lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) zusammen mit dem Hagener Heimatbund am Montag, 16. August, von 17 bis 19 Uhr zu einer Führung mit Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff durch Haspe ein. Der Treffpunkt ist die frühere Hasper Feuerwache, Enneper Straße 4.

In der Urlaubskorb-Reihe zur Hasper Geschichte geht es dieses Jahr ein Stück weit durch das einstige „Harkort-Land“. An der Grundschötteler Straße fuhr früher nicht nur die legendäre, Ende der 1820er-Jahre gebaute „Kohlenbahn“, hier stehen auch „Überbleibsel“ der Harkortschen Fabrik und der eng mit der Familie Harkort verbundenen Schulen des Stadtteils Westerbauer.

Weitere wichtige Sehenswürdigkeiten sind das Kohlenbahn-Denkmal, das Haus Stennert und die ehemalige Feuerwache Haspe, die wiederum ein bedeutendes Baudenkmal aus der Zeit um 1930 darstellt. Der Stadtsparziergang startet mit einem Blick in die Feuerwache, die inzwischen vorrangig vom Hasper Heimat- und Brauchtum-Verein (HHBV) genutzt wird. Der HHBV-Vizepräsident Thomas Eckhoff wird beim „Blick in die Feuerwache“ mit von der Partie sein und von jener Zeit berichten, als er hier als Feuerwehrmann aktiv war.

Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos, eine Anmeldung für die Führung mit der Kursnummer 1033 ist notwendig und entweder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder über die Internetseite www.vhs-hagen.de möglich.

„Erbbelastete“ und „Minderwertige“

14. August 2021

Wanderausstellung über Menschen mit Behinderung in Hagen

Der Projektkurs Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kollegs (Leitung: Lehrer Pablo Arias und Rudolf Steffens) hat zusammen mit dem Caritasverband Hagen und der Fachhochschule Dortmund die Ausstellung „Behinderung im Wandel der Zeit“ organisiert, die am 23.8.2021 in der Ev. Johanneskirche am Markt eröffnet wird.

Im ersten Teil der Ausstellung wird die Verfolgung von Menschen mit Behinderung und Kranken in Hagen während der NS-Diktatur untersucht. Sie wurden als „Erbbelastete“, „Minderwertige“ und Kostenfaktor betrachtet. Ca. 1000 Hagener wurden zwangssterilisiert oder zur Abtreibung gezwungen, mehr als 300 ermordet. Die Überlebenden hatten mit lebenslangen Folgen zu kämpfen.

Die Ausstellung zeigt bewegende Opferbiographien und nennt auch einige der Täter. Außerdem wird die Haltung der Caritas im Nationalsozialismus untersucht, die schon damals wichtigster Träger von sozialen Einrichtungen war.

Die Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs trafen während der Vorbereitung Hagener Opferangehörige. Sie berichten in der Ausstellung über die Spuren, die der Rassenwahn in deren Familien hinterließ.

Im zweiten Teil der Ausstellung wird die Situation von Menschen mit Behinderung heute thematisiert. Auch aktuelle ethische Fragen werden gestellt. Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs und Menschen mit Behinderung aus Hagen haben in mehreren Treffen über Diskriminierungserfahrungen im Alltag diskutiert. Die Ergebnisse wurden dokumentiert.

Der Eintritt ist kostenlos. Aufgrund der Corona-Bestimmungen kann es beim Einlass zu Wartezeiten kommen.

Mehr Information: www.behinderung-im-wandel.de

Alles am Fluss

5. August 2021

275 Jahre Hagen – Mit dem Bus entlang von Lenne, Volme, Ennepe

Die Hagener Straßenbahn und die Hagener Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (HVG) laden anlässlich des Stadtjubiläums zu drei abwechslungsreichen Stadtrundfahrten ein.

Ohne eine blutige Totschlag-Geschichte hätte es Hohenlimburg nie gegeben und die Abkürzung VARTA steht für „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“. Wer hätte das gewusst?

Diese und weitere spannende Informationen rund um Hagens Stadtgeschichte erfahren die Rundfahrer, während sie gemütlich mit einem Linienbus der Hagener Straßenbahn durch Hagen chauffiert werden. Begleitet werden die Teilnehmer dabei von Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff, der sie über Hagen informiert und unterhält.

An drei Samstagen im August fährt ein Gelenkbus drei unterschiedliche Touren entlang der Flüsse Lenne, Volme und Ennepe ab. Alle Touren starten und enden an der Haltestelle „Rathaus“ und dauern etwa 3 Stunden. Die Abfahrt ist jeweils um 9:30 Uhr und um 14:00 Uhr. Die Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot ist ab sofort über das ServiceCenter der Hagener Straßenbahn möglich (Telefon 02331 208-0).

Tour 1: Volmetal-Tour (14. August 2021)

Eckesey – Ortskern Vorhalle – Industriegebiet Sedanstraße – Delstern – Ortskern Dahl – Eilper Denkmal – Elbersgelände

Tour 2: Lennetal-Tour (21. August 2021)

Emst – Blätterhöhle – Ortskern Hohenlimburg – Siedlung Oege – Elsey – Gewerbegebiet Lennetal/Bathey – Demonstrations-bauvorhaben Helfe – Feithstraße mit FernUniversität – Hohenhof/Villa Cuno – Riemerschmid-Siedlung

Tour 3: Ennepetal-Tour (28. August 2021)

West-Side: Funcke & Hueck – VARTA – Bodelschwinghplatz – Kückelhausen/Hestert – Brandt-Fabrik – Harkorten/Harkortsche Fabrik – Hasper Kreisel – Stadtbad Haspe – Lange Straße/Wilhelmsplatz – Theater – Museumsquartier

Entsprechend der aktuellen Corona-Situation und den daraus resultierenden Vorgaben der Corona-Schutzverordnung sind unterschiedliche Schutzmaßnahmen notwendig. In jedem Fall werden die Kontaktdaten für die Rückverfolgbarkeit bei der Anmeldung erhoben. Darüber hinaus ist das Tragen einer FFP2-Maske notwendig. Für die Teilnehmer gilt aufgrund der Inzidenzstufe 1 in NRW die 3G-Regelung, das heißt die Teilnahme ist nur für getestete, genesene oder geimpfte Personen möglich. Der Nachweis ist am jeweiligen Veranstaltungstag mitzubringen.

Stadtführung zu kolonialen Spuren

3. August 2021

Die kolonialen Spuren in der Hagener Innenstadt können Interessierte bei einer Führung der Volkshochschule Hagen (VHS) und der FernUniversität Hagen (Lehrgebiet: „Geschichte Europas in der Welt“) im Rahmen des Urlaubskorbs am Donnerstag, 12. August, von 18 bis 20 Uhr entdecken. Treffpunkt ist auf dem Friedrich-Ebert-Platz, vor dem ehemaligen Ratskeller. Während der Führung wird die koloniale Vergangenheit Hagens im Stadtbild verortet.

Hagen liegt nicht am Meer und hier war kein Kolonialministerium angesiedelt. Die großen Entscheidungen im internationalen Handel wurden nicht zwischen Ruhrgebiet und Sauerland getroffen, sondern in Zentren wie Berlin, Hamburg oder Bremen.

Und doch zeigt gerade ein dezentrales Beispiel wie Hagen besonders deutlich, welche vielfältigen Verbindungslinien in der Zeit von 1850 bis 1960 zwischen Stadtgeschichte und Kolonialgeschichte bestanden. Koloniales Denken und Handeln waren im Alltag fest verankert. Koloniale Vereine, Völkerschauen, unternehmerische Tätigkeit in Übersee, Auswanderung, die Entsendung von Missionaren und Kolonialbeamten, Alltagsrassismus, Straßenbenennungen und revisionistische Ansprüche verdeutlichen, dass koloniales Denken keine bloße Randnote von Stadtgeschichte ist.

Der Rundgang ist barrierefrei und die Gehstrecke beträgt rund zwei Kilometer. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung jedoch unter Angabe der Kursnummer 1052 beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder über die Internetseite www.vhs-hagen.de erforderlich.

Flut legt geheimes Nazi-Versteck in Eckesey frei

2. August 2021

Als die Flut am 14. Juli eine Wand in Eckesey beschädigt, kommt ein 76 Jahre altes Versteck zum Vorschein. Ein wichtiger Fund für Hagens Forscher.

27.850 Tage später. 76 Jahre und drei Monate. So lange könnte es ersten Vermutungen nach her sein, dass die historischen Dokumente und Gegenstände in jenen Wandschacht eines Hauses in Eckesey geschmissen wurden, in dem Sebastian Yurtseven (39) sie am Tag nach der Jahrhundertflut fand. Darunter ein Revolver, Schlagringe, penible Dokumentationen über den Stand von Schwangerschaften der Frauen im Stadtteil, noch originalverpackte Gasmasken oder Protokolle über Lebensmittelrationierungen sowie Briefe von und zur Front. Es handelt sich um den bedeutendsten NS-Versteckfund der vergangenen Jahre in der Region. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Öffentliche Führung über den Buschey-Friedhof

20. Juli 2021

Mittwoch, 21.07.2021, 16:00-17:30 Uhr

Buschey_May_W11810 wurde der Buschey-Friedhof eingeweiht. Dank seiner über zweihundert Jahre währenden Belegung erlaubt er ungewöhnliche Einblicke in Lebensgeschichten und ästhetische Vorlieben verschiedener Epochen.

Von Historismus über Jugendstil bis in die Moderne – jede Zeit hat ihre Spuren hinterlassen (Foto: Elisabeth May). Einige sind sogar von hohem künstlerischen Rang, wie die Werke Georges Minnes und J.L.M. Lauweriks`.

Dr. Elisabeth May eröffnet Einsichten in die Entwicklung der Grabmalkultur.

Interessierte sollten sich im Vorfeld unter der Telefonnummer +49 2331 207 2740 verbindlich anmelden und die erforderliche Teilnahmegebühr zum Treffpunkt am Seiteneingang Grünstraße mitbringen. Die Führung findet bei mindestens zehn angemeldeten Personen statt.

Taschenuhr hält Moment des Luftangriffs auf den Bunker Körnerstraße fest

14. Juli 2021

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15. März 1945, 20.32 Uhr: Zu diesem Zeitpunkt wird Hagen von einem letzten, in seinen Auswirkungen verheerendsten britischen Luftangriff getroffen. Ein halbes Jahr später wird bei Aufräumarbeiten vor dem Bunker in der Körnerstraße eine Taschenuhr bei einer männlichen Leiche gefunden, stehengeblieben am 15. März 1945 um 20.32 Uhr (Foto: Stadtmuseum Hagen).

Die Geschichte hinter der Uhr entdeckt das Stadtarchiv Hagen erst 75 Jahre später.

Bei Recherchen in den Akten der Hagener Polizei im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen – Abteilung Westfalen in Münster im Oktober 2020 sichtete das Team des Hagener Stadtarchivs auch Akten, die sich mit der Bergung der Opfer des Luftangriffs am 15. März 1945 befassten. „In den Akten fanden wir einen Umschlag mit einer Taschenuhr, die bei einer getöteten Person, vermutlich ein Wehrmachtssoldat, auf dem Vorplatz des Bunkers in der Körnerstraße geborgen wurde. Die Uhr blieb um 20.32 Uhr stehen und konserviert den Zeitpunkt des britischen Luftangriffs sowie den Tod seines Besitzers“, erklärt Dr. Ralf Blank, Historiker und Leiter des Stadtarchivs Hagen.

Der unbekannte Soldat gehörte vermutlich zu den Schutzsuchenden, die sich vor dem Hochbunker gedrängt hatten, um noch eingelassen zu werden. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Bunkerbereich aufgeräumt und von Trümmern befreit. Dabei wurde am 7. September 1945 der unter Schutt begrabene Soldat entdeckt, in der Tasche die stehengebliebene Uhr mit einem Gehäuse aus Edelstahl.

Diese war großer Hitze ausgesetzt – das Deckglas fehlt, die Oberfläche ist korrodiert. Zudem fehlt der Sekundenzeiger. Im oberen Teil ist noch eine Inschrift zu erkennen, die auf die Kienzle Uhrenfabrik AG verweist. Die Uhr stammt aus den 1930er Jahren und besaß ursprünglich ein helles Ziffernblatt mit einem umlaufenden, vergoldeten Ring sowie vergoldeten Zeigern.

Nach der Bergung der unbekannten Person wurde die Taschenuhr in die Vermisstenakte gelegt und blieb vorerst im Bestand des Polizeipräsidiums Hagen im Landesarchiv NRW in Münster. Obwohl die Kriminalpolizei bis in die 1970er Jahre immer wieder zu Anfragen nach vermissten Personen des Luftangriffs ermittelte, konnte die Identität des Soldaten auch anhand der Taschenuhr bis heute nicht geklärt werden.

Die Uhr befindet sich mittlerweile im Besitz der Stadt Hagen und ist ab 2022 im Stadtmuseum Hagen zu sehen.

Ein nicht nur kartografischer Blick zurück

10. Juli 2021

Hagen 1913 – Vorabend des Ersten Weltkriegs

Stadtplan Hagen 1913 teaser

Ausschnitt des Stadtplans Hagen 1913 (Quelle: Landesarchiv NRW). Eine höhere Auflösung des Gesamtplans in Originalgröße siehe hier.

Während des Deutschen Kaiserreiches von 1871 bis 1914 erlebte Hagen eine Blütezeit. Das galt natürlich nur für die auch damals schon existierenden „oberen Zehntausend“. Aber durch die Urbanisierung und Industrialisierung entwickelte sich die Stadt zum Oberzentrum für die gesamte Region südlich der Ruhr.

1876 waren Wehringhausen und Eilpe eingemeindet worden, 1901 folgten Delstern, Eckesey und Eppenhausen. 1913 hatte Hagen bereits 96.000 Einwohner, Oberbürgermeister war in dieser Zeit Willi Cuno, der der Freisinnigen Volkspartei angehörte. 1906 bis 1912 war er Mitglied des Reichstags. Im März und April 1920 beteiligte er sich am Widerstand gegen den Kapp-Putsch. Ende der 1920er Jahre wurde nach ihm die Cuno-Siedlung benannt.

Bei den Reichstagswahlen 1912 erzielte in Hagen die SPD mit 41,3 Prozent die meisten Stimmen, gefolgt von der Fortschrittlichen Volkspartei (Cunos Freisinnige nach dem Zusammenschluss mit den Linksliberalen) mit 30,4 Prozent und dem Nationalliberalen Zentrum und den Christlich Sozialen mit zusammen 27,8 Prozent.

In der darauffolgenden Stichwahl konnte sich der sozialdemokratische Kandidat im gesamten Wahlkreis Hagen-Schwelm zwar durchsetzen, im Bereich der Stadt Hagen erwiesen sich die vereinigten bürgerlichen Parteien mit einem Anteil von 51,4 Prozent allerdings stärker als die Sozialdemokraten, die sich mit 48,6 Prozent zufriedengeben mussten.

Der Stadtplan von 1913 enthält neben einem Straßenverzeichnis die Standorte öffentlicher Einrichtungen, von Industriebetrieben und geplanten Stadterweiterungen (gestrichelt).

Im Planquadrat K4 an der Eppenhauser Straße lag die Lokalität „Friedrichslust“, in der sich am 28. Juli 1914 etwa 1.000 SPD-Mitglieder zusammenfanden, die einstimmig eine Resolution verabschiedeten, in der „die tiefste Abscheu vor dem Krieg ausgesprochen und die Reichsregierung aufgefordert wurde, sich jeder Einmischung in einen Krieg zwischen Österreich und Serbien zu enthalten“ (Handakten Cuno nach Angaben des Polizeikommisars Becker).

Am Loxbaum befanden sich laut Stadtplan das „Städt. Armenhaus“ sowie eine „Baracke für ansteckende Kranke“ (F1). In diesem Bereich wurde während der Nazi-Zeit ein Lager des Reichsarbeitsdienstes für den Bau der Feithstraße errichtet, das nach dem Zweiten Weltkrieg von der Stadt als Obdachlosenunterkunft (im Volksmund: „D-Zug“) weiterbetrieben wurde.

Und – auch nicht zu verachten: Der Hügel oberhalb des Bordells Düppenbeckerstraße wurde damals ganz offiziell als „Puppenberg“ geführt (I6).

Neue Stolpersteine in Wehringhausen verlegt

25. Juni 2021

verlegung stolpersteine demnig

Künstler Gunter Demnig bei der Arbeit. Fotos: Rahel-Varnhagen-Kolleg.

Am 21. Juni wurden zwei neue Stolpersteine in Hagen-Wehringhausen verlegt. Die Aktion wurde vom Hagener Geschichtsverein und vom Projektkurs Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kolleg (Leitung: Herr Arias und Herr Steffens) organisiert.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln, sogenannten Stolpersteinen, soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

juliusweiß stolperstein

Ca. 30 Personen trafen sich um 09:00 Uhr an der Augustastraße 77, um an Julius Weiss zu erinnern. Der Wehringhauser verliebte sich 1939 in seine Nachbarin Anna Bache. Das Standesamt verweigerte die Heiratserlaubnis, weil Julius Weiss, Sinto, als „rassenfremd“ galt.

Das Paar kämpfte vergeblich um die Genehmigung und zog 1940 zusammen. Anna erwartete inzwischen ein Kind. Wenig später wurde Julius verhaftet. Er verbrachtet den Rest des Krieges in den Konzentrationslagern Dachau und Sachsenhausen. In Gegensatz zu den meisten Sinti überlebte er die NS-Zeit, kehrte 1945 nach Hagen zurück und heiratete seine Frau. Er sah seine ca. 5-jährige Tochter wahrscheinlich erst dann zum ersten Mal.

Während der Verlegung hielt René Röspel, MdB, eine kurze Rede. Viertklässler der Janusz-Korczak-Grundschule präsentierten ein Theaterstück über Julius Weiss, das sie mit ihrer Lehrerin Frau Verbeeck geübt hatten. Als Grundlage benutzten sie u.a eine Präsentation zum Thema, die der Projektkurs des Rahel-Varnhagen-Kolleg vorbereitet hatte.

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Der zweite Stolperstein wurde nur 500 Meter entfernt, in der Augustastraße 11, verlegt. Dort wohnte und arbeitete das Dienstmädchen Ilse Mitze. Nach einem verheerenden Luftangriff im Jahr 1944 half sie die ganze Nacht, den Hausrat aus dem brennenden Haus zu retten. Dabei entwendete sie einige Kleidungsstücke. Sie wurde vom Sondergericht Dortmund in einem Prozess, der jedem rechtsstaatlichen Prinzip widersprach, zum Tode verurteilt und mit knapp 19 Jahren enthauptet. Pastor Schwertfeger erinnerte in einer bewegenden Rede an die Ermordete.

Der Projektkurs des Rahel-Varnhagen-Kolleg und der Hagener Geschichtsverein organisieren seit 2018 gemeinsam die Stolpersteinverlegungen in Hagen. Die neuen Stolpersteine wurden von der Bezirksvertretung Mitte und der Ev. Paulusgemeinde finanziert. Im September erscheint in der nächsten Ausgabe des Magazins „089 Wehringhausen“ eine Biographie zu Ilse Mitze. Autor ist Fazdi Askova, Teilnehmer des Projektkurses am Kolleg.

Treffpunkt Hauptbahnhof

23. Juni 2021

Integrationsrat will eine Gedenktafel für Gastarbeiter

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Ankunft eines Sonderzugs für Gastarbeiter im Bahnhof Hohenlimburg am 7. Dez. 1966. Foto: Stadt Hagen.

Der Integrationsrat schlägt dem Rat der Stadt Hagen vor, ein Andenken an die 1. Generation von Gastarbeitern in Form einer mehrsprachigen Gedenktafel im Bahnhofsviertel zu errichten.

Die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnete schon 1955 das erste Anwerbeabkommen mit Italien. 1960 folgten Spanien und Griechenland, 1961 die Türkei, 1963 Marokko und Südkorea, 1964 Portugal, 1965 Tunesien und 1968 Jugoslawien. Nach Ansicht des Integrationsrats soll die Gedenktafel in allen entsprechenden Sprachen verfasst werden.

Die 1. Generation der Gastarbeiter kam am Hagener Hauptbahnhof an, zudem diente dieser häufig als Treffpunkt und war ein bekanntes Viertel, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen.

Diese Generation der Gastarbeiter hat einen großen Beitrag zum Wiederaufbau der Industrie in Hagen geleistet und sollte daher nicht in die Vergessenheit geraten. Viele der Großbetriebe, bei denen sie beschäftigt waren, sind verscherbelt worden (wie Varta und Dolomitwerke) oder mit öffentlichen Geldern in andere Gebiete gelockt worden (wie Zwieback-Brandt).

Insbesondere die emotionalen Aspekte, unter denen diese Generation zu leiden hatte, ist den meisten Hagenern heute nicht mehr bewusst. So litten die Gastarbeiter sehr stark unter Heimweh; sie versuchten so viel Geld wie möglich anzusparen, um so schnell wie möglich wieder in die Heimatländer zurückzukehren.

Viele Nachkommen dieser 1. Generation sind inzwischen deutsche Staatsangehörige und kennen die Geschichte ihrer Vorfahren kaum. Die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der 1. Generation sind nur Wenigen bekannt.

Daher sollte Hagen ein Zeichen setzten und somit die Leistung zum Wiederaufbau Hagens durch die Unterstützung der Gastarbeiter wieder in Erinnerung rufen.

Fließband BrandtAm Fließband bei Zwieback-Brandt, 1972. Zum Ende der Spätschicht setzte die Hagener Straßenbahn Extrazüge ein, um die Arbeiterinnen nach Hause zu befördern. Foto: Bundesarchiv/Ulrich Wienke (CC-BY-SA 3.0).

Hagen, Firma Carl Brandt Zwieback und Bisquit Carl Brandt, Zwieback und Bisquit GmbH. Hagen/Westf. Gastarbeiter-Unterkünfte, 1972. Foto: Bundesarchiv/Ulrich Wienke (CC-BY-SA 3.0).

Gastarbeiterinnen-UnterkunftKüche in einer Hagener Gastarbeiterinnen-Unterkunft, 1972 Foto: Bundesarchiv/Ulrich Wienke (CC-BY-SA 3.0).

FernUni-Thema „Kolonialismus und Hagen“

4. Juni 2021

Online-Buchvorstellung: „Fernes Hagen. Kolonialismus und wir“

Hagen postkolonialHintersinniges Titelbild der Publikation: „Lüderitzbucht von der Haifisch-Insel gesehen“. Im Vordergrund der Montage die Behausungen der „Haifische“ – Rathaus, die gleichnamige Einkaufs-Galeere und SIHK. Foto: FernUniversität / Klaus Bärwinkel / Klaus Ehlers.

Exotisches liegt nicht nur in der Ferne, es ist häufig ganz nah. Kolonialismus und Stadthistorie sind immer noch eng miteinander verschränkt: über materielle Zeugnisse, Geschichten und Geschichte.

Sie wirken immer noch nach in Unternehmensportraits, über Sammelobjekte wie großformatige Wandbilder der deutschen „Schutzgebiete“ aus einer Hasper Schule. Am Nachlass eines Hagener Missionars wird die Beziehung zwischen Ostafrika und Nordrhein-Westfalen greifbar.

Barbara Schneider und Dr. Fabian Fechner aus dem Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt an der FernUniversität in Hagen forschen zu dem Thema Kolonialismus und Hagen. Sie haben ein Buch darüber herausgegeben, das am 10. Juni von 16 bis 17.30 Uhr online über die Plattform Zoom vorgestellt wird.

Anlass für die Publikation ist eine geplante Ausstellung im Rahmen des 275-jährigen Hagener Stadtjubiläums, die im Herbst in der Bibliothek der FernUniversität zu sehen sein wird.

Für die Onlineveranstaltung ist eine Anmeldung vorab notwendig, um die Zugangsdaten zu bekommen: veranstaltungen.ub@fernuni-hagen.de

Hagens Denkmallandschaft wird erkundet

20. Mai 2021

Experte nimmt Arbeiten an Überblicksband auf

Erstmals wird das baukulturelle Erbe Hagens von den Anfängen bis zur Moderne komplett erfasst und dokumentiert. Gemeinsam gaben der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadt Hagen den Start der Arbeiten an einem neuen Band in der Reihe „Denkmäler in Westfalen“ bekannt. Die Denkmaltopographie für die Stadt Hagen wird einen Katalog aller bekannten Baudenkmäler im Stadtgebiet und übergreifende Beiträge zur Hagener Denkmallandschaft umfassen.

„Wir freuen uns sehr, dass die Stadt Hagen sich als vierte Stadt in Westfalen-Lippe in die bundesweite Reihe der Denkmaltopographien einbringt,“ erklärt der Leiter des LWL-Denkmalpflege, Dr. Holger Mertens. „An der Grenze zwischen Sauerland und Ruhrgebiet gelegen, zeichnet sich Hagen durch eine außergewöhnlich vielfältige Denkmallandschaft und eine besondere Stadtentwicklung aus, die es nun zu erfassen und zu erkunden gilt.“

Die geplante Denkmaltopographie soll grundlegende Informationen, etwa zu Funktion, Baugattung, Stil, Datierung und Baugeschichte aller Hagener Denkmäler bieten. Zusätzlich geben Texte zur Stadtgeschichte, Geografie, zum Natur- beziehungsweise Landschaftsraum, der Kulturlandschaft und Archäologie einen umfassenden Überblick über das Gebiet. Einen Schwerpunkt bilden die Bau- und Kunstgeschichte sowie die Faktoren, die zur Entstehung der heutigen Hagener Denkmallandschaft beigetragen haben.

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#everynamecounts: Erinnern vor Ort

9. Mai 2021

Eine Chance, die Erinnerung an NS-Lager in Hagen wachzuhalten

Das Hagener Stadtarchiv präsentiert auf einer eigenen Seite Informationen zu Lagern, Haftstätten und Dienststellen des NS-Regimes. Die Arolsen Archives bieten jetzt eine weitere Möglichkeit an, lokale Schauplätze des Naziterrors sichtbar zu machen.

#everynamecounts – jeder Name zählt und das überall. Unter diesem Motto starten die Arolsen Archives am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, eine Aktion zum Schwerpunkt „Erinnern vor Ort“. Mit dieser Initiative möchten die Arolsen Archives kleine Erinnerungsorte und -initiativen sichtbar machen und ihnen eine Stimme für ihre wertvolle und wichtige Arbeit leihen.

Die systematische Verfolgung von Millionen von Menschen fand nicht im Geheimen, sondern an vielen Orten statt: Die Stätten von Verfolgung, Terror und Ausbeutung befanden sich in direkter Nachbarschaft. Im Fokus der medialen Wahrnehmung und Berichterstattung stehen bei Gedenktagen jährlich die großen Gedenkstätten auf den ehemaligen Lagergeländen. Dadurch festigt sich in der Öffentlichkeit das falsche Bild, dass sich die Verbrechen der Nationalsozialisten an wenigen und zentralen Orten abgespielt haben.

Die große Mehrheit der zahllosen KZ-Außenlager, Zwangsarbeiterlager, Kriegsgefangenenlager und anderen Stätten von Verfolgung, Terror und Ausbeutung fallen in der medialen Darstellung zurück oder bleiben gänzlich unbeachtet. Während der Aktionswochen rund um den 8. Mai haben kleinere Gedenkstätten und -initiativen die Möglichkeit, sich einem größeren Publikum über die verschiedenen Kanäle der Arolsen Archives zu präsentieren.

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.

„Ich wollte nichts Dekoratives schaffen“

2. Mai 2021

Zum 125. Geburtstag des Hagener Bildhauers Karel Niestrath

In diesen Tagen wäre er 125 Jahre alt geworden: Karel Niestrath (* 1896 in Salzuflen; † 1971 in Hagen) war der Hagener Bildhauer, der Relief und Skulpturen am Dortmunder Mahnmal Bittermark (Foto: mbdortmund) zum Gedenken an die Zwangsarbeiter und Widerstandskämpfer schuf, die an den Tagen vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Dortmund ermordet wurden.

Niestrath begann seine künstlerische Laufbahn mit einer Bildhauerlehre. Verletzt 1917 aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt, studierte er an der Werkkunstschule Bielefeld. Später setzte er sein Studium an der Dresdner Kunstakademie fort. Niestraths Werk war geprägt von der Erfahrung des Ersten Weltkriegs, die er in Plastiken und Aquarellen darstellte.

Karl Niestrath, der seit 1924 bis zu seinem Tode vor 50 Jahren in Hagen lebte, war Gründungsmitglied des Künstlerbundes Hagenring. Er gehörte als junger Bildhauer Anfang der 20er Jahre zu den großen Talenten der aufbrechenden Moderne. Erste Preise im Studium an der Dresdner Akademie, Förderung durch Museumsdirektoren in Bielefeld, Dresden und Hagen, zahlreiche Zeitungsberichte und Aufträge geben davon noch heute ein beredtes Zeugnis.

Thematisch und formal weisen seine frühen Arbeiten Bezüge zu Käthe Kollwitz, der er freundschaftlich verbunden war, auf. Gemeinsamkeiten zeigen sich in dieser Phase auch mit Ernst Barlach.

Die meisten seiner Arbeiten, die auch heute noch in Hagen zu sehen sind, entstanden in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. So finden sich zahlreiche Skulpturen und Kleinplastiken in den damals entstandenen Siedlungen des städtischen und genossenschaftlichen Wohnungsbaus oder Einrichtungen der öffentlichen Versorgung wie am ehemaligen Wehringhauser Straßenbahndepot (nach dem Abriss im Depot Oberhagen wieder angebracht).

Für die Cunosiedlung schuf Niestrath in den Jahren 1927/28 beispielsweise neben Portalfiguren und Hauszeichen auch eine Gruppe von Musikern: einen Dudelsack-Spieler, einen Schalmeien-Bläser, einen Ziehharmoniker-Spieler und einen Trommler (Foto: Rainer Halama, CC BY-SA 3.0).

1933 wurde sein Werk Kriegskrüppel in der NS-Ausstellung Entartete Kunst als Foto gezeigt, seine Werke wurden in der Folgezeit aus Museen und der Öffentlichkeit verbannt. Das Westfälische Landesmuseum in Münster zeigte 2008 unter 44 Exponaten, welche während der NS-Diktatur als „entartete Kunst“ entfernt worden waren, Niestraths Skulptur Die Hungrige.

Erstaunlich ist, dass trotz der Restriktionen vom Landesmuseum noch Werke verfemter Künstler angekauft werden konnten: Provinzialkonservator Wilhelm Rave, der kommissarisch das Museum leitete, entschied sich 1943 für den Ankauf von zwei Büsten Karel Niestraths, die den verfemten Maler Christian Rohlfs und den als Mitverschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944 hingerichteten Ferdinand von Lüninck, ehemals Oberpräsident der Provinz Westfalen, darstellten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Niestrath zunächst Lehrer an der von Hans Tombrock 1947 in Dortmund gegründeten Malerschule, später Dozent an der Werkkunstschule Dortmund.

In der Eingangshalle des Hagener DGB-Hauses steht neben dem Treppenaufgang auf einem 50 cm hohen Sockel eine Bronzefigur von Karel Niestrath. Das Werk – eines seiner ersten nach dem 2. Weltkrieg – ist im Auftrag des Gewerkschaftbundes hergestellt worden.

Die Figur ist lebens­groß und zeigt einen Metallarbeiter in der emphatischer Haltung eines Wortführers, der den Kampf gewerkschaftlich organisierter Arbeiter gegen Unterdrückung und Ausbeutung symbolisieren soll. Bei der Aufstellung der Plastik im Septenber 1951 sagte der Künstler: „Ich wollte nichts Dekoratives schaffen, sondern durch die Figur des Sprechers dem gewerkschaftlichen Gedanken sichtbaren Ausdruck geben.“

1960 gestaltete er die großflächigen Skulpturen und Reliefs für das Dortmunder Mahnmal in der Bittermark. Niestrath verwendet verschiedene Stile und Formen, um das Leid der brutal ermordeten Zwangsarbeiter und Widerstandskämpfer darzustellen. Fast kubistische, eckige Formen charakterisieren die NS-Mörder, vielfältige Skulpturen und Reliefs zeigen die Foltern der fast 300 ermordeten Opfer. Christliche Motive, der gekreuzigte Christus, stehen den heidnisch als Sonnenverehrer gezeichneten NS-Tätern gegenüber.

„Dabei bediente er sich gewagter, nicht einmal alltäglicher künstlerischer Mittel: die ausgemergelten, geschundenen Gestalten, die Opfer, sind mit realistischen Zügen versehen, in ausdrucksvolle organische Formen gemeißelt – die Mörder erscheinen im wahrsten Sinne des Wortes gesichts- und herzlos, als wesenlose Roboter in geometrisch-abstrahiertem Gewand.“ (Günther Ott: Der Bildhauer Karel Niestrath. S. 15)

Karel Niestrath war verheiratet mit der Bildhauerin Eva Niestrath-Berger (* 1914 in Wallerfangen, † 1993 in Hagen), mit der er die Bildhauerklasse der Werkkunstschule Dortmund gemeinsam geleitet hat. Die Grabstätte des Künstlerpaares befindet sich auf dem Friedhof Hagen-Delstern im Bereich der Ehrengrabstätten.

Windmühle im Freilichtmuseum zieht um

16. April 2021

Die Windmühle vor der Sanierung an ihrem alten Platz. Foto: LWL.

Ein ungewöhnliches Projekt beschäftigt das Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Hagen schon seit längerem: Die Translozierung, also die Umsetzung, der Windmühle an einen besseren Platz. Die Windmühle, eine Galerie-Holländer Windmühle, im Kreis Minden-Lübbecke ca. 1850 errichtet, war das erste Bauwerk, das nach der Museumsgründung 1965 als neue Landmarke für das Freilichtmuseum in Hagen errichtet wurde.

Die Windmühle stand bisher nicht innerhalb des Freilichtmuseums, sondern auf einem Hügel vor dem Museumseingang. Was beim Aufbau der Windmühle als bautechnisch geeignet zum Erhalt der Mühle galt, hat sich inzwischen als problematisch herausgestellt. Vor einigen Jahren zeigte sich, dass umfangreiche Sanierungsmaßnahmen am Sockel und an der Holzkonstruktion der Windmühle nötig sein würden.

In der Nähe vom Haus Letmathe, dem ehemaligen Restaurant, wird die Mühle von einem niederländischen Mühlenbaubetrieb restauriert und wiederaufgebaut. Das geschieht im Laufe des Sommers. Das Richtfest ist für August geplant.

Für ein technikhistorisches Museum wie das LWL-Freilichtmuseum Hagen hat eine Windmühle noch größere Bedeutung als für andere Freilichtmuseen. Sie ist ein Beleg für vorindustrielle, ingenieurwissenschaftliche Technik und ein wichtiges Beispiel für regenerative Energien in der Technik-Geschichte.

Die Windmühle steht als einziges Exponat des Freilichtmuseums für diese historisch wichtige Form der vorindustriellen Energiegewinnung durch Windkraft. Sie ergänzt die anderen im LWL-Freilichtmuseum Hagen präsentierten Energiequellen wie Wasser- und Dampfkraft.

Beseitigung statt Schutz

3. April 2021

Westfälischer Heimatbund (WHB) fürchtet um die Denkmallandschaft in NRW

Interview mit Dr. Silke Eilers, Geschäftsführerin des WHB

Die Landesregierung plant eine Neufassung des Denkmalschutzgesetzes NRW. Der nach einer Verbändeanhörung bereits überarbeitete Entwurf wurde Anfang März der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbundes, Dr. Silke Eilers, sieht weiterhin Gefahren für das baukulturelle Erbe im Land (Foto: WHB).

Gibt es aus Sicht des WHB die Notwendigkeit, das Denkmalschutzgesetz NRW zu ändern?

Eilers: Wir sind der Ansicht, dass sich das Denkmalschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen in seiner bestehenden Fassung grundsätzlich bewährt hat. Dies betrifft auch das arbeitsteilige Zusammenspiel der beteiligten Ebenen. Einzelne Modifizierungsbedarfe könnten ohne größere Änderungen des Gesetzes vorgenommen werden.

Das Denkmalschutzgesetz NRW ist seit seinem Inkrafttreten bereits mehrfach evaluiert worden. Auch die verschiedenen Bestandsaufnahmen sahen es überwiegend als geeignetes Instrument zur Bewahrung des baukulturellen Erbes des Landes an und empfahlen allenfalls geringfügige Änderungen von Einzelaspekten.

Was sind die Hauptkritikpunkte des WHB?

Nach der letzten Verbändeanhörung hat es von verschiedenen Seiten deutliche Kritik an dem vorgelegten Gesetzesentwurf gegeben. In diesem Kontext hat sich auch unter Beteiligung des WHB ein Denkmal-Schutzbündnis landes- sowie bundesweiter Verbände und Initiativen, die sich seit Jahren erfolgreich für Denkmalpflege und Denkmalschutz stark machen, formiert.

Denkmäler sind zu schützen – so hieß es bisher klar zu Beginn des Gesetzes. Diese eindeutige Aussage soll durch eine neu formulierte Passage ersetzt werden. Dies ist symptomatisch. Der nun vorgelegten Fassung des Gesetzes fehlt es aus unserer Sicht an dem Charakter eines Schutzgesetzes. Anstelle der Erhaltung und Bewahrung von Denkmälern wird die (wirtschaftliche) Nutzung und Umnutzung in den Fokus gestellt.

Wie wir bereits bei unserer letzten Stellungnahme verdeutlicht haben, weicht man mit der Neufassung des Denkmalschutzgesetzes NRW die bisherigen Standards zum Denkmalschutz zugunsten sachfremder Aspekte wie etwa in Bezug auf Wirtschaft und Klima auf. Das bedeutet eine deutliche Verschlechterung für die Zukunft des baukulturellen Erbes. Dabei ist es doch so, dass gerade der Bereich der Denkmalpflege als vorbildlich im Umgang mit natürlichen Ressourcen anzusehen ist und Nachhaltigkeit lebt. Hier wird graue Energie erhalten, natürliche Baustoffe und Handwerker aus der Region werden eingesetzt.

Unsere Kritik betrifft auch den Wegfall der sogenannten Benehmensherstellung und den Ersatz durch eine freiwillige Anhörung der Fachleute bei den Landschaftsverbänden. Die Denkmalämter der Landschaftsverbände haben aufgrund ihrer anerkannten Expertise und ihrer fachlichen Weisungsungebundenheit in der Vergangenheit die Funktion eines Anwaltes und Fürsprechers der Denkmäler übernommen.

Wenn künftig diese Kenntnisse nicht mehr in der bewährten Form abgerufen werden, wird ein von der Baupraxis geprägtes Verwaltungsverfahren im Zentrum stehen, das überdies auch von Kommune zu Kommune unterschiedlich gehandhabt wird. Denkmalpflege ist jedoch mehr als ein Verwaltungsakt. Keine Seite wird von diesem Vorgehen profitieren – am wenigsten jedoch die Baudenkmäler.

Was begrüßen Sie an dem Entwurf?

Wir begrüßen die bessere Förderung von Denkmälern wie auch die Einrichtung eines Landesdenkmalrates, den wir als partizipatives Element bereits seit längerem eingefordert haben, um verstärkt gesellschaftlichen Gruppen eine Stimme zu geben. Doch damit ist es nicht getan. Unser Ziel als Dachverband ist es, Kompetenzen in der Bürgerschaft zu entwickeln und zu fördern. Wir engagieren uns nachdrücklich für eine systematische Stärkung des Ehrenamtes als Träger von Civil Science. Dies bezieht sich auch auf die Rolle der ehrenamtlich Tätigen in der Denkmalpflege. So plädieren wir auch weiterhin dafür, die ehrenamtlichen Beauftragten für Denkmalpflege nicht als „Kann“, sondern als „Soll“ vorzusehen.

Erfreulich an dem Entwurf des Gesetzes ist auf den ersten Blick eine geplante Stärkung der Bodendenkmalpflege, wobei man sich auch hier noch einmal sehr genau die Details anschauen muss.

Die positiven Aspekte können jedoch die negativen Auswirkungen für unsere Baukultur nicht aufwiegen.

Dr. Silke Eilers, *1975, ist Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbundes e.V.. Nach dem Studium Neuere und Neueste Geschichte, Volkskunde/Europäische Ethnologie, Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der WWU Münster arbeitete sie als Freie Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der stadt- und regionalgeschichtlichen Abteilung des Gustav-Lübcke-Museums Hamm. Es folgten weitere Stationen als wissenschaftliche Volontärin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, als Stadthistorikerin in der Kulturabteilung der Stadt Ahlen, u.a. zuständig für das Heimatmuseum, und als Wissenschaftliche Referentin im LWL-Museumsamt für Westfalen, Beratungsgebiet Ostwestfalen-Lippe.

Funde aus drei Epochen entdeckt

30. März 2021

Archäologen graben in Hagen-Haßley

Bei der Überprüfung eines Neubauareals am Südrand von Hagen-Haßley legten Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Kooperation mit der Hagener Stadtarchäologie im vergangenen November bei Probegrabungen erste Siedlungsspuren und ein Brandgrab frei. Jetzt wurden weitere Brandgräber, Überreste einer Metallproduktionsstätte sowie Reste einer neuzeitlichen Straße entdeckt.

Mirjam Kötter ist Stadtarchäologin in Hagen: „Die jüngsten Ausgrabungen bei Haßley bestätigen erneut, dass Hagen eine reichhaltige und spannende archäologische Fundlandschaft ist. Hier siedelten vor über 2.000 Jahren Menschen, errichteten eine Hofstelle und bestatteten ihre Toten.“

Die von der Hagener Entwicklungsgesellschaft (HEG) beauftragte archäologische Fachfirma fand während der Ausgrabung mehrere verfüllte Gruben und Pfostenlöcher eines Gebäudes. Der LWL-Archäologe und Leiter der Außenstelle Olpe, Prof. Michael Baales: „Diese Verfärbungen entstanden durch die Eingrabung von Holzpfosten in zwei Reihen, die das Grundgerüst des Hauses bildeten. Diese lassen sich unter anderem zu einem der ältesten Hausgrundrisse in Hagen rekonstruieren.“

Im Nordosten des Untersuchungsareals konnten wesentlich jüngere Befunde entdeckt werden: Einige Gruben aus dem späten Mittelalter. Aus diesen wurden zahlreiche Abfallprodukte (sog. Schlacken) der Metallproduktion geborgen. Der LWL-Archäologe Dr. Manuel Zeiler konnte typische Überreste des Schmiedeprozesses identifizieren. Da weitere mittelalterliche Strukturen fehlen, befand sich hier möglicherweise die Schmiede eines mittelalterlichen Hofes. Die Fachleute nehmen an, dass dieser Bereich am äußeren Rand der eigentlichen Hofstelle lag und sich daher für die gefährlichen Aktivitäten einer Schmiede besonders eignete.

Im südlichen Bereich der Fläche entdeckten die Archäolog:innen die Überreste einer Straße. Sie zeigte sich als eine mit Steinen aufgefüllte Senke, welche beidseitig von Drainagen begleitet wurde. Die Existenz der Straße ist seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt, da sie in der Zeit zum ersten Mal kartiert worden war. Somit stellt sie den jüngsten Befund der Ausgrabung dar.

„Die Untersuchungen bei Hagen-Haßley zeigen, wie wichtig es ist, auch auf bisher fundfreien Flächen in potentiell günstigen Siedlungsarealen vor einer Bebauung die archäologische Denkmalpflege frühzeitig hinzuzuziehen. So können bisher unbekannte Bodendenkmale vor ihrer Zerstörung zumindest dokumentiert werden“, betont Baales.

Die Wiege der Moderne liegt in Hagen

28. März 2021

Karl Ernst Osthaus und die Lücke

Karl Ernst Osthaus (1874-1921) gehörte zu den wichtigsten Kunstsammlern und Mäzenen des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Willen sollte seine Heimatstadt Hagen zu einem kulturellen Zentrum werden. Der Plan scheiterte an Osthaus‘ frühem Tod am 27. März vor einhundert Jahren.

Quelle: WDR 3 Kulturfeature, 54:02 Min. (Verfügbar bis 20.03.2022)

Zu Osthaus siehe auch:

Hagen und Emst
Westdeutsche Volkszeitung, Hagen, 04.01.1914 und 08.01.1914

Ein zweiteiliger Beitrag von Osthaus zu den politischen Auseinandersetzungen um den Bau einer Gartenstadt auf dem Emsterfeld.

Ist denn Hagen wirklich immer dazu ausersehen, in Kulturfragen in letzter Linie zu marschieren?

Emst hat hier der öffentlichen Initiative etwas vorgegriffen. Das mag, wer will, eine Ungehörigkeit gegen alle nennen, die sich zur Initiative in solchen Dingen allein berufen fühlen. Aber die Errungenschaften sind darum nicht weniger erfreulich.

Zum ersten Male ist hier der Versuch durchgeführt worden, ein großes Stadtviertel so auszuschließen, daß es keine Strafe ist, darin zu wohnen.

Zum Hintergrund der Planung Gartenstadt Emst siehe auch:

Herta Hesse-Frielinghaus (Hrsg.): Karl Ernst Osthaus – Leben und Werk, Recklinghausen 1971, S. 376 ff.

Anna-Christa Funk-Jones und Johann Heinrich Müller (Hrsg.): Der westdeutsche Impuls – Kunst und Umweltgestaltung im Industriegebiet, Band: Die Folkwang-Idee des Karl Ernst Osthaus, Hagen 1984, S. 211 ff.

Der junge Mann und die kleine schmutzige Stadt
(Fast) ein modernes Märchen

Die, die in der Stadt geblieben waren, reagierten trotzig und verteidigten ihre Heimat gegenüber denen, die etwas verändern wollten oder von außen kamen. Sie beharrten darauf, Recht zu haben, und nahmen nur Menschen in ihre Gemeinschaft auf, die ihnen recht gaben oder nach dem Munde redeten.

So kamen viele Menschen in die Stadt, die anderswo gescheitert waren, und auch deshalb wuchs ihr Ruf, eine Stadt der Verlierer zu sein.

100. Todestag: Erinnerung an Karl Ernst Osthaus

26. März 2021

1_Gerhardi_K425_Osthaus_RS_max„In Meran verschied nach schwerem Leiden am Ostersonntag der Gründer und Leiter des Museums Folkwang Dr. Ing. h.c. et phil. Karl Ernst Osthaus“, lautete der Text der Todesanzeige in der lokalen und überregionale Presse im März 1921, gefolgt von einer Würdigung seines Schaffens: „Seine ungewöhnliche Hingabe an alle Fragen des kulturellen und künstlerischen Lebens, seine aufopfernde Tatkraft und sein verantwortungsfreudiger Idealismus sichern ihm über die Grenzen der Jetztzeit und Deutschland hinaus als leuchtendes Vorbild ein bleibendes Andenken.“

Karl Ernst Osthaus, geboren 1874, starb am Ostersonntag, 27. März 1921 in Meran, Südtirol (Abb.: Portrait Karl Ernst Osthaus, 1903, von Ida Gerhardi, 1862-1927).

„Ich freue mich sehr, dass so viele Institutionen in Hagen und über die Stadtgrenzen hinaus an den 100. Todestag von Karl Ernst Osthaus erinnern, einem besonderen Anlass im Jahr unseres Stadtjubiläums“, so Erik O Schulz, Oberbürgermeister der Stadt Hagen. Sobald die Museen in Hagen wieder öffnen können, wird das Osthaus Museum Hagen das Andenken an seinen Namensgeber mit der Ausstellung „Folkwang-Reflexe“ in der historischen Brunnenhalle würdigen.

Die Folkwang-Sammlung wurde nach dem Tod von Osthaus von seiner Familie an die Stadt Essen verkauft. Dennoch lassen sich einige Werke aus der ursprünglichen Hagener Folkwang-Sammlung in den Beständen des Osthaus Museums Hagen finden und mit den Objekten im Katalog des Folkwang aus dem Jahr 1912 identifizieren.

Dazu gehören beispielsweise das große Wandbild aus dem ehemaligen Folkwang-Musiksaal von Emil Rudolf Weiss wie auch Gemälde und Grafiken von Christian Rohlfs oder Radierungen von Käthe Kollwitz. Zwei berühmte Werke des Jugendstils, der elegante „Schwanenteppich“ von Otto Eckmann und der „Kuss“ von Peter Behrens sind ebenso zu sehen wie die grazile Skulptur „Jephtas Tochter“ von Milly Steger. Außerdem wird ein steinerner Buddhakopf aus dem Privatbesitz von Osthaus gezeigt, der auf sein Konzept der Entwicklung eines Weltkundemuseums verweist.

Eine zeitgenössische Reflex der historischen Hagener Folkwang-Sammlung bietet die Arbeit „Salon de Fleurus: Moderne Kunst aus dem Museum Folkwang“. Sie besteht aus über 20 kleinformatigen Gemälden, die Ansichten des historischen Folkwang-Bildersaales sowie die darin präsentierten Hauptwerke zeigen.

Das Junge Museum im Osthaus Museum erinnert im Rahmen der Ausstellung monatlich mit einem Exponat an die verschiedenen Abteilungen des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“, des 1909 von Osthaus gemeinsam mit dem Deutschen Werkbund gegründeten Wandermuseums. Den Auftakt bildet ein Holzhocker, der nach dem Entwurf von J.L.M. Lauweriks, ehemaliger Leiter des Staatlichen Handfertigkeitsseminars in Hagen, entstanden ist.

Öffentliche Führungen zum Hagener Impuls

Die öffentlichen Führungen zum Hagener Impuls nehmen in diesem Jahr schwerpunktmäßig das 100. Todesjahr in den Fokus. Eine kostenlose Broschüre liefert Erläuterungen zu den Orten des Hagener Impulses und informiert über die angebotenen Führungen.

Skulpturen und Reliefs: Broschüre zum Grabmal

Außerdem veröffentlicht das Osthaus Museum zu diesem besonderen Anlass eine Broschüre über das Grabmal von Osthaus. Die bebilderte Publikation beschreibt die Entstehungsgeschichte und erläutert die dargestellten Skulpturen und Reliefs. Die Broschüre „Die Osthaus-Kapelle am Hohenhof. Das Grabmal für Karl Ernst Osthaus von Johannes Ilimari Auerbach“ von Dr. Birgit Schulte ist gegen eine Gebühr von 4,50 Euro im Osthaus Museum erhältlich.

Museum Folkwang in Essen

Auch das Museum Folkwang in Essen nutzt den 100. Todestag Osthaus‘, um an dessen Schaffen zu erinnern.

„Ohne die Mitwirkung der Kunst sind die wichtigsten Fragen des Lebens unlösbar.“ Diese Überzeugung war die Motivation für Karl Ernst Osthaus (1874-1921), sich Zeit seines Lebens für Kunst, Kultur und den Dialog der Kulturen zu engagieren. Sein Credo gilt bis heute.

Der Kunstsammler legte mit dem Erwerb des impressionistischen Meisterwerks „Lise mit dem Sonnenschirm“ von Auguste Renoir den Grundstein für die Sammlung des Museum Folkwang. – Ein Auftakt für eine beispielhafte Sammlung moderner Kunst, dem schnell Erwerbungen von Vincent van Gogh, Paul Cézanne und Paul Gauguin folgten und den Ruf des Museum Folkwang als wegweisendes Museum für zeitgenössische Kunst begründeten. Das Museum Folkwang ist heute eines der renommiertesten deutschen Kunstmuseen mit herausragenden Sammlungen der Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne, der Kunst nach 1945 und der Fotografie, die seit 1979 als eigene Abteilung existiert.

„Mit dem Grundstein, den Karl Ernst Osthaus für das heutige Museum Folkwang gelegt hat, hat er nicht nur dem Haus, sondern Essen zu internationaler Strahlkraft verholfen“, so Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Im Jahr 2020 als Museum des Jahres ausgezeichnet, bewahrt das Museum Folkwang die Tradition Osthaus‘ als Stätte des Sammelns und Vermittelns neuer und neuester Kunst. Im Jahr 2022 feiern wir den 100. Geburtstag des Museums. Darauf freue ich mich schon heute.“

Der Folkwang-Gedanke hat auch 100 Jahre nach dem Tod von Karl Ernst Osthaus noch Gültigkeit: Der Einheit von Kunst und Leben fühlt sich das Museum Folkwang bis heute verpflichtet.

Hintergründe zu Osthaus Grabmal

Bis zu seinem Tod weilte Osthaus auf Anraten seiner Ärzte zur Linderung seiner fortgeschrittenen Kehlkopftuberkulose in Meran. Auf dem Evangelischen Friedhof zu Meran wurde er schließlich beigesetzt. Der junge Bildhauer Johannes Ilimari Auerbach schuf ihm im Auftrag von Gertrud Osthaus ein monumentales Grabmal. Die Skulpturen und Reliefs thematisieren das Leben und Sterben von Osthaus.

Anlässlich des 50. Todestages von Karl Ernst Osthaus ließ die Stadt Hagen im Jahr 1971 das Grabmal in den Garten des Hohenhofs umsetzen, wo es in der Blickachse des Arbeitszimmers von Osthaus aufgestellt wurde. Am 27. März 1971 fand im Beisein von Familienmitgliedern die Kranzniederlegung durch den Oberbürgermeister der Stadt Hagen am Grabmal statt. Auf Einladung des Karl Ernst Osthaus-Bund folgte im Anschluss eine Gedenkstunde im Osthaus Museum.

Hagener Fundstücke: Beilklinge aus der Jungsteinzeit

21. März 2021

Aus dem Buch „Hagener Fundstücke – 111 archäologische Funde aus Hagen und dem Museum Wasserschloss Werdringen“ präsentiert der Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen eine Beilklinge aus Eklogit, die aus der Jungsteinzeit um 4.000 bis 3.500 v. Chr. stammt und in der Donnerkuhle bei Hagen-Eppenhausen gefunden wurde (Foto: Hermann Menne/LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe).

In Südwestfalen werden immer wieder steinerne Äxte und Beile aus der Jungsteinzeit entdeckt. Darunter befinden sich einige auffallende Fundstücke, die hochwertig gearbeitet und aus einem grünlich bis schwarzen, sehr harten und nicht in der Region vorkommenden Rohmaterial bestehen.

Dabei handelt es sich meist um Jadeit (mineralisch-kristalline Gesteine) und Eklogit (metamorphe Gesteine). Metamorphes Gestein ist eine Gesteinsart, die aus älteren Gesteinen durch die Umwandlung ihres Mineralbestandes entsteht. Jadeit und Eklogit wurden unter anderem im westalpinen Raum abgebaut.

Aus Eklogit bestehen auch die kleinen bis mittelgroßen Beilklingen, die in Westfalen häufig gefunden wurden. Sie haben einen ovalen, gelegentlich auch rechteckigen Querschnitt sowie einen spitzen bis abgerundeten Nacken. Auch die Beilklinge aus der Donnerkuhle weist einen spitzen Nacken auf und zählt mit einer Länge von etwa 11 Zentimetern sowie einer Breite von rund 5 Zentimetern zu den kleineren Klingen.

Die Verbreitung von Beilklingen aus den Lagerstätten in den Cottischen Alpen erstreckt sich über den west-, mittel- und südosteuropäischen Kontinent nach Norden bis auf die britische Insel und in den skandinavischen Raum. So gelangten die Fundstücke auch nach Nordrhein-Westfalen. Im Hagener Raum liegen mehrere Beilklingen aus Jadeit und Eklogit der italienischen Westalpen vor, zum Beispiel aus den Stadtteilen Elsey, Haspe, Herbeck und Eppenhausen und aus Volmarstein.

Das Hagener Fundstück ist im Museum Wasserschloss Werdringen ausgestellt.

Hagener Objekte: Münzwaage aus dem Handelshaus Post

11. März 2021

Aus dem Buch „Hagener Stücke – 111 Objekte aus dem Stadtmuseum“ präsentiert der Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen eine Münzwaage aus dem Handelshaus von Johann Dietrich Post (Foto: Heike Wippermann).

Münzwaagen gehörten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit zur notwendigen Ausstattung von Kaufleuten auf der Reise und im Kontor, einer Handelsniederlassung im Ausland. Mit ihnen wurden die unterschiedlichen Goldmünzen der Staaten des „Alten Reiches“ geprüft. Aufgrund der geeichten Gewichte ließen sich die Echtheit der Münzprägung sowie ihr Gegenwert feststellen.

Die vermutlich 1774 vom Schwelmer Eichmeister Abraham Kruse hergestellte Münzwaage gehörte zum Nachlass des Handelshauses auf der Enneperstraße in Wehringhausen, das im ausgehenden 17. Jahrhundert von Conrad Post gegründet wurde. Nach dem Tod von Johann Caspar I. im Jahr 1765 führte sein Sohn Johann Dietrich Post den Kommissionshandel weiter. Sein Bruder Johann Caspar II. erhielt die Hammerwerke und Schmieden an der Volme in Eilpe, das Unternehmen Johann Caspar Post & Söhne.

Im Kasten der Münzwaage ist in roter Farbe der Nominalwert der Münzgewichte angegeben. Die Gewichte, die zum Teil nicht in ihrer ursprünglichen Anordnung überliefert wurden, entsprechen verschiedenen Goldmünzen wie Pistole, Dukat, Carlin und Franc. Die Münzwaage wird ab 2022 im Stadtmuseum Hagen zu sehen sein. Dort sind weitere Münzwaagen vorhanden, darunter auch eine Waage aus dem Handelshaus Johann Caspar Harkort.

Hagener Objekte: Medaille „Notopfer der Stadt Hagen“

8. März 2021

Hagener Medaillen brachten kaum Gewinn

Aus dem Buch „Hagener Stücke – 111 Objekte aus dem Stadtmuseum“ präsentiert der Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen eine vergoldete Medaille zum „Notopfer der Stadt Hagen“ aus dem Jahr 1949, die auf den Lüdenscheider „Notpfennig“ zurückgeht.

Die Anregung und der Entwurf zur Hagener Medaille stammen von dem in Hagen geborenen Willi Gauchel. Nach seiner Ausbildung als Bautechniker sowie Bühnenbildner am Theater Hagen lebte er als freier Grafiker und Maler in Lüdenscheid. Dort hatte er bereits 1947 den „Notpfennig“ der Stadt Lüdenscheid, das Vorbild für die Hagener Medaille, entworfen. Mit dem Erlös der Münze sollten in der frühen Nachkriegszeit die Not und das Elend in der Stadt gelindert werden. Der erzielte Gewinn war beachtlich: Der Verkauf des „Notpfennigs“ brachte im Jahr 1947 67.000 Reichsmark und 1948 25.000 Deutsche Mark (DM) ein.

Die Medaille zum „Notopfer der Stadt Hagen“ wurde 1949 von der Metallwarenfabrik Steinhauer & Lück GmbH in Lüdenscheid hergestellt und im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege in Hagen herausgegeben. Die Vorderseite zeigt neben der Umschrift „Notopfer der Stadt Hagen 1949“ die Ruinen des Rathauses und der Johanniskirche. In der Mitte ist vermutlich Lazarus von Bethanien mit seiner Schwester Maria zu sehen. Auf der Rückseite präsentiert sich das Hagener Eichbaumwappen.

Die Fabrik stellte von der Hagener Medaille verschieden große Ausführungen in den Farbtönen Gold, Silber und Bronze zu unterschiedlichen Verkaufspreisen her. Die vergoldete Ausführung mit 70 Millimeter Durchmesser kostete beispielsweise 100 DM. Bronzierte Medaillen waren günstiger: Eine 50 Millimeter große Ausgabe war zum Beispiel für 10 DM erhältlich.

Trotz Werbung und Preisausschreiben konnte von den insgesamt 4.500 gefertigten Medaillen bis 1955 nur die Hälfte mit einem Erlös von 20.547 DM verkauft werden – eine schlechte Bilanz im Vergleich zum Erlös des Lüdenscheider „Notpfennigs“. Die zahlreichen, noch vorrätigen „Notopfer“ verschwanden 1955 aus dem offiziellen Angebot der Hagener Stadtverwaltung. Erst 1971 wurde eine größere Anzahl von Medaillen im Lager des ehemaligen städtischen Leihhauses entdeckt, die als Sammlerstücke in den Münz- und Medaillenhandel gelangten.

Die Medaille zum „Notopfer der Stadt Hagen“ wird ab 2022 im Stadtmuseum Hagen zu sehen sein.

Gelder für Haus-Harkorten-Sanierung

4. März 2021

Das „Neue Haus“ auf Haus Harkorten soll erhalten bleiben: Für die denkmalgerechte Restaurierung des repräsentativen Herrenhauses stellt die NRW-Stiftung dem Verein zur Förderung des Erhalts und der Entwicklung von Haus Harkorten einen Zuschuss in Höhe von bis zu 60.000 Euro zur Verfügung. Das beschloss jetzt der Stiftungsvorstand unter dem Vorsitz von Eckhard Uhlenberg.

Haus Harkorten am Fuße des Hasper Quambuschs ist eine baulich fast vollständig erhaltene Gutsanlage aus dem 18. Jahrhundert und der ehemalige Wohnsitz der Kaufmanns- und Industriellenfamilie Harkort. (…)

Quelle: wp.de

Hagener Objekte: Erinnerungsglas zur ersten westfälischen Kochkunstausstellung

27. Februar 2021

Aus dem Buch „Hagener Stücke – 111 Objekte aus dem Stadtmuseum“ präsentiert der Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen ein Erinnerungsglas zur ersten westfälischen Kochkunst- und Fachgewerbeausstellung in Hagen im Jahr 1905 (Foto: Heike Wippermann).

Um 1900 hatte sich Hagen zu einem florierenden Zentrum von Handel und Gewerbe im Rheinland und in Westfalen entwickelt. So wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert sowie im frühen 20. Jahrhundert mehrere Gewerbe- und Fachausstellungen auf der als Versammlungsplatz genutzten Hagener Springe veranstaltet. Für Ausstellungen diente dort außerdem eine seit den 1850er Jahren bestehende hölzerne Halle, die um 1880 durch einen Neubau ersetzt wurde. Die Gewerbe- und Fachausstellungen sollten an die großen und überregionalen Ausstellungen beispielsweise in Berlin anknüpfen.

Im Jahr 1905 war es dann soweit: Vom 6. bis 17. Mai 1905 fand die erste überregionale Kochkunst- und Fachgewerbeausstellung in Hagen statt. Zahlreiche Betriebe und Köche aus der Provinz Westfalen präsentierten sich in der Veranstaltungshalle sowie in weiteren Gebäuden auf der Springe. Organisiert wurde die Ausstellung von der „Westfälischen Zone“ des Deutschen Gastwirte-Verbandes.

Zur Erinnerung an dieses überregionale Ereignis wurde neben einer Silbermedaille auch eine Postkarte mit einer Abbildung des Ausstellungsgebäudes herausgegeben. Die Postkarte war besonders beliebt; das Motiv diente vermutlich auch als Vorbild für das Erinnerungsglas, das dem Stadtmuseum 1994 gestiftet wurde.

Das Erinnerungsglas wird ab 2022 im Stadtmuseum Hagen zu sehen sein.

Hagener Objekte: Frisier- und Schminktisch aus der Villa Laufenberg

18. Februar 2021

Aus dem Buch „Hagener Stücke – 111 Objekte aus dem Stadtmuseum“ präsentiert der Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen eine Poudreuse aus der Einrichtung der Villa Laufenberg (Foto: Heike Wippermann). Dabei handelt es sich einen aufwendig konstruierten Frisier- und Schminktisch aus der französischen Wohnkultur des 18. Jahrhunderts.

Im 18. Jahrhundert stellten Kunsttischler, sogenannte Ebenisten, Möbel für die königlichen Höfe von Ludwig XV. und Ludwig XVI. sowie für die adelige und großbürgerliche Gesellschaft her. Ihre Möbel zeichneten sich durch hohe handwerkliche Qualität und Ausstattung aus, was sie zu hochpreisigen Kunstwerken machte. Dazu zählt auch der Frisier- und Schminktisch aus der Villa Laufenberg, der in den französischen Möbelstil „Louis-seize“ um 1770 bis 1790 datiert werden kann und unter anderem aus verschiedenem Holz besteht sowie Applikationen aus Bronze und Messing trägt. Die genaue Werkstatt lässt sich nicht feststellen.

Die Familie von Laufenberg-Wittmann war Eigentümer der Gussstahlwerke Wittmann AG in Hagen-Haspe und bewohnte die um 1890 errichtete Villa Laufenberg. Nach dem Tod der letzten Erbfolgerin Adele von Laufenberg-Wittmann im März 1960 erwarb die Stadt Hagen die Villa mitsamt ihrer Einrichtung und dem Grundstück. So gelangte auch der Frisier- und Schminktisch, der sich im Schlafzimmer des Gebäudes befand, in den Besitz der Stadt.

Heute dient die Villa Laufenberg als Kindertagesstätte. Neben der Poudreuse werden ab 2022 weitere aus der Villa Laufenberg erhaltene Gegenstände wie Gemälde und Porzellan im Stadtmuseum Hagen zu sehen sein.

Als Hagen zur Großstadt wurde

11. Februar 2021

Ein Rückblick im Stadtjubiläumsjahr

Die 100.000ste Einwohnerin Hagens Therese Katharina Floren mit dem Sparbuch über 250 Reichsmark. Foto: Stadtarchiv Hagen.


In diesem Jahr steht ein Jubiläum an: Vor 275 Jahren erhielt Hagen die Stadtrechte. Und fast auf den Tag genau vor 93 Jahren wurde Hagens 100.000ste Einwohnerin Therese Katharina Floren geboren – und Hagen wurde Großstadt.

1928 fieberte die ganze Stadt der Geburt der 100.000sten Einwohnerin oder des 100.000sten Einwohners entgegen. Am 13. Februar 1928 war es dann endlich soweit: Therese Katharina Floren kam als erstes Kind des Eisenbahn-Zugführers Joseph Floren und seiner Frau Gertrud (geb. Schnapp) im elterlichen Haus an der damaligen Heidbrache zur Welt.

Als zwei Tage später, am 15. Februar 1928, die Geburtsurkunde ausgestellt wurde, war es amtlich: mit der Geburt der neuen Erdenbürgerin erreichte die Volmestadt die Einwohnerzahl von 100.000 und wurde so zur stolzen Großstadt. Dieser Augenblick wurde natürlich in ganz Hagen gebührend gefeiert – die Schülerinnen und Schüler bekamen schulfrei und sogar in den amerikanischen Medien wurde über dieses städtische Ereignis berichtet.

Die Stadtverwaltung gab zu Ehren der „100.000sten“ eine Gedenkmedaille des in Hagen tätigen Bildhauers und Medailleurs Hans Dorn heraus und der Rat der Stadt Hagen beschloss, die alte Heidbrache, in der das Geburtshaus stand, in Theresenstraße umzubenennen. Kurz nach der Geburt von Therese Floren besuchte der damalige Oberbürgermeister Alfred Finke die neue Hagener Bürgerin sogar persönlich und übergab der Familie ein Sparbuch mit 250 Reichsmark.

Außerdem übernahm er die Patenschaft für das Mädchen – eine Tradition, die in ähnlicher Form auch heute noch gepflegt wird: Auf Antrag der Eltern übernimmt der Bundespräsident die Ehrenpatenschaft für das siebte Kind einer Familie und stellt nach Prüfung der Voraussetzungen eine Urkunde über die Annahme der Ehrenpatenschaft aus. Die Ehrenpatenschaft lässt er zusammen mit einem Patengeschenk (derzeit 500 Euro) den Eltern von einem Repräsentanten der Stadt oder Gemeinde überreichen. In Hagen ist es üblich, das Geschenk des Bundespräsidenten um weitere 500 Euro zu ergänzen, sodass ein Sparbuch mit insgesamt 1.000 Euro angelegt und den Eltern des Neubürgers übergeben wird.

Nachdem Hagen den Rang einer Großstadt erreicht hatte, stieg die Einwohnerzahl durch eine Neugliederung des Gebiets schnell nach oben. Die bis dahin dem Landkreis Hagen angehörigen Gemeinden Boele, Fley, Halden, Herbeck, Holthausen und Vorhalle sowie die Stadt Haspe wurden im August 1929 in die Großstadt Hagen eingemeindet. Damit löste sich auch der Landkreis Hagen auf.

Die Stadtverwaltungen in Hagen und Haspe führten schon zehn Jahre zuvor, im Jahr 1919, Verhandlungen über eine Eingemeindung nach Hagen, die aber Mitte 1920 ergebnislos abgeschlossen wurden. So konnte sich die Volmestadt durch die Eingemeindungen zum Jahresende 1929 über 147.770 Einwohner freuen.

Hagens 100.000ste Einwohnerin Therese Katharina Genz, geborene Floren, zog 1962 mit ihrem Ehemann Dr. Bernhard Genz nach Dortmund, wo sie heute noch lebt.

Hagener Fundstücke: Zwei Goldmünzen aus der römischen Kaiserzeit

11. Februar 2021

Die oben dargestellte römische Goldmünze zeigt Kaiser Flavius Arcadius, die untere Münze stellt Kaiser Theodosius I. dar. Foto: Hermann Menne/LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe.


Aus dem Buch „Hagener Fundstücke – 111 archäologische Funde aus Hagen und dem Museum Wasserschloss Werdringen“ präsentiert der Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen zwei römische Goldmünzen, die in Hagen-Hohenlimburg sowie in Hagen-Vorhalle gefunden wurden.

Im Raum Hagen werden immer wieder römische Münzen entdeckt. Unter den Funden fallen zwei Goldmünzen auf, sogenannte Solidi. Der in Gold geprägte Solidus wurde 309 n. Chr. von Kaiser Konstantin eingeführt und blieb vom spätrömisch-byzantinischen Reich über das Frühmittelalter bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts eine Art Leitwährung für die europäischen Reiche.

Der erste Solidus wurde im Dezember 1933 am Osthang des Schlossbergs in Hagen-Hohenlimburg entdeckt und zeigt den oströmischen Kaiser Flavius Arcadius, der von 395 bis 408 n. Chr. regierte. Die Vorderseite der Münze stellt den Kaiser im für römische Münzprägungen klassischen, nach rechts blickenden Profil dar. Auf der Rückseite ist Flavius Arcadius mit einem besiegten Gegner am Boden abgebildet. Der Kaiser wurde als schwach charakterisiert; seine Regierungszeit war von Krisen, die infolge der Hunnen- und Goteneinfälle in das Reich entstanden, geprägt.

Die zweite Goldmünze wurde 1952 bei Erdarbeiten im Garten der damaligen Dienstvilla des Direktors der Stahlwerke Brünninghaus am südöstlichen Fuß des Kaisbergs in Hagen-Vorhalle zutage gefördert. Diese zeigt das Profil des von 379 bis 395 n. Chr. regierenden oströmischen Kaisers Theodosius I., Vater von Kaiser Flavius Arcardius. Ihm gelang durch sein militärisch und administrativ erfolgreiches Auftreten die Stabilisierung des Reiches.

Die beiden Fundstücke sind im Museum Wasserschloss Werdringen ausgestellt.

Hagener Objekte: Mosaik von Eugen Richter

4. Februar 2021

Aus dem Buch „Hagener Stücke – 111 Objekte aus dem Stadtmuseum“ präsentiert der Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen ein Mosaik des Politikers Eugen Richter aus dem Jahr 1882 (Foto: Heike Wippermann).

Der Jurist Eugen Richter war einer der ersten Berufspolitiker. Von 1874 bis 1906 vertrat der Abgeordnete der Deutschen Fortschrittspartei den Wahlkreis Hagen-Schwelm im Reichstag. Zu den politischen Gegnern Richters zählte unter anderem der Reichskanzler Otto von Bismarck. In seinem Wahlkreis war Eugen Richter sehr beliebt; zu seinen Ehren wurde 1911 oberhalb des Stadtteils Wehringhausen ein Gedenkturm errichtet. Zusammen mit dem Bismarckturm und dem Kaiser-Friedrich-Turm prägt der Eugen-Richter-Turm den Drei Türme Weg. In Wehringhausen ist zudem eine Straße nach dem Politiker benannt.

Das 1882 angefertigte Mosaik besteht aus Fayence, einer farbig oder weiß glasierten, bemalten Tonware, sowie aus Holz und Gips. Der Durchmesser beträgt 50 Zentimeter. Das Mosaik wurde 1906, in Richters Todesjahr, unter anderem von dem Berliner Schlossermeister und Fabrikanten Julius Stahl gestiftet und gelangte vermutlich in den Besitz des Denkmal-Komitees zur Errichtung des Gedenkturms in Hagen. Von 1911 bis in die 1950er-Jahre befand es sich im Eingang des Turms. Seit 1955 hat die Volkssternwarte Hagen ihre Heimat neben dem Gedenkturm. Das Eugen-Richter-Mosaik wird ab 2022 im Stadtmuseum Hagen zu sehen sein.


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