Archive for the ‘05 Geschichte Hagen’ Category

Hagener am Bauhaus

24. November 2019

Zu einem Bildervortrag mit Dr. Friedrich-Wilhelm Geiersbach über Hagener Personen am Bauhaus, der berühmten Hochschule für Gestaltung, laden die Stadtbücherei auf der Springe und die Volkshochschule Hagen (VHS) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hagen <w>örtlich“ am Donnerstag, 5. Dezember, um 18 Uhr in die Räumlichkeiten der Stadtbücherei ein.

Eine Frau und fünf Männer aus Hagen sind an das Bauhaus nach Weimar oder Dessau gegangen, um dort zu studieren und ihre durch Ausbildung oder Beruf erworbenen Kenntnisse zu erweitern. Zum Beispiel Max Gebhard, der 1932 die Urform des Antifa-Zeichens entwarf (s. Abb.).

Damit ist Hagen weit überproportional als Heimatstadt der Bauhaus-Studierenden vertreten. In dem Bildervortrag stellt Dr. Geiersbach die sechs Hagenerinnen und Hagener mit ihrem beruflichen Werdegang vor. Sein Fokus liegt dabei auf der Bedeutung der Hagener Berufsschule als Impulsgeberin für ein Studium am Bauhaus.

Der Eintritt kostet 5 Euro. Eine Anmeldung ist unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1000 beim Serviceteam der VHS auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622 erforderlich.

Mehr zu Max Gebhard: 100 Jahre Bauhaus: Hagener entwarf Antifa-Logo

Das Schicksal eines jüdischen Arztes in Hagen

21. November 2019

Bereits die frühen Jahre der Bundesrepublik waren eine Fortsetzung des Unrechts und der Diskriminierung

In den vergangenen Jahren gehören Antisemitismus und rechtsextremes Gedankengut wieder verstärkt zu den gesellschaftlichen und politischen Problemen in Deutschland. Wie jüdische Lebenswege während der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 bis 1945 verliefen, zeigt am Mittwoch, 27. November, um 18.30 Uhr ein Vortrag von Dr. Reinold Busch im Auditorium des Kunstquartiers Hagen, Museumsplatz 1, auf.

Anschläge und Angriffe auf Synagogen, antisemitische Äußerungen und Klischees, Bedrohungen und Anfeindungen gegen Juden nehmen in unserer Gesellschaft zu. Feststellungen wie „aus der Geschichte nichts gelernt“ helfen nur bedingt weiter. Der Antisemitismus einst und jetzt zieht weite Kreise in der Bevölkerung. Er beschränkt sich nicht nur auf rechtsextreme Gruppierungen und Parteigänger – Rassismus, Moslem- und Judenfeindlichkeit reichen heute weit bis in die immer wieder gern verklärte „Mitte der Gesellschaft“ hinein.

Was Antisemitismus anrichtet und welche Folgen er hat, zeigte die nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945. Der Holocaust mit vielen Millionen von ermordeten Menschen war auch ein Ergebnis der Pöbeleien und antisemitischen Maßnahmen in Deutschland zu Beginn der dreißiger Jahre.

Die südwestfälische Großstadt Hagen war davon nicht ausgenommen. Auch hier kam es früh zu antisemitischen Vorfällen. Auch hier führte der Boykott-Tag am 1. April 1933 über einschlägige Gesetze und dem Judenpogrom in der Nacht zum 10. November 1938 auf direktem Weg in den Massenmord. Fast 500 Hagener Juden mussten ins Ausland fliehen, mehr als 200 wurden Opfer der Shoa.

Der 1881 in Westpreußen geborene Internist und Kinderarzt Dr. Julius Isodor Stargardter (Foto: OH) praktizierte seit 1911 in Hagen. Da Stargardter nach nationalsozialistischem Recht durch seine Ehe mit einer Christin in „privilegierter Mischehe“ lebte, blieb er bis 1944 von der Deportation aus Hagen verschont. Doch erlebte der bis zur Aberkennung seiner Approbation durch das nationalsozialistische Unrechtsregime in Hagen geschätzte Arzt alle antisemitischen und diskriminierenden Maßnahmen. Als er im November 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde und deportiert werden sollte, verstarb er an einer in suizidaler Absicht eingenommenen Medikamentenvergiftung.

Der Referent zeichnet den Lebensweg des jüdischen Kinderarztes und seiner Familie nach. Er wirft auch einen Blick auf die Nachkriegszeit. Für viele Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und des Holocaust waren die frühen Jahre der Bundesrepublik eine Fortsetzung des Unrechts und der Diskriminierung.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der „Geschichtsfreunde Hagen e.V. – Museums- und Archivverein“, der Jüdischen Gemeinde Hagen, dem Verein der Ärzte zu Hagen und dem Fachbereich Kultur der Stadt Hagen. Der Eintritt beträgt 2 Euro.

Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht 1938

7. November 2019

Anlässlich der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wird es auch in diesem Jahr eine offizielle Gedenkveranstaltung geben. Diese findet am kommenden Samstag, 9. November, um 18 Uhr an der Synagoge in der Potthofstraße statt.

Gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Hagen ruft Oberbürgermeister Erik O. Schulz die Hagenerinnen und Hagener dazu auf, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Nach einer Ansprache seitens der Stadt Hagen durch OB Schulz, werden weitere Redebeiträge sowie Musik und Theater durch Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Gesellschaften folgen.

Die Gedenkstunde wird in diesem Jahr gestaltet von der Jüdischen Gemeinde Hagen in Kooperation mit der Stadt Hagen, dem Theater Hagen und dem Theaterprojekt „Zeitlos“, dem Verein East West East Germany, dem Kultopia und dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Hagen mit Vertretern von Kultur- und Kultusvereinen.

„Lebendiges Judentum“

6. November 2019

Besuch der Ausstellung in der Alten Synagoge

Zu einer Besichtigung der Dauerausstellung „Lebendiges Judentum“ in der Alten Synagoge Hohenlimburg, Jahnstraße 46, lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Samstag, 9. November, von 10.30 bis 12 Uhr ein.

Rudolf Damm, ehemaliger Gesamtschullehrer für Deutsch, Geschichte und Religion sowie ehemaliger Vorsitzender der Hagener Stolpersteine e.V. und Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. führt Interessierte sachkundig durch die Ausstellung. Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen Überblick über die verschiedenen Kultgegenstände sowie die jüdischen Feste. Zudem lernen sie Beschneidungsbesteck, Gebetsmantel, Gebetsriemen, einen jüdischen Hochzeitsring, Hochzeitsverträge und verschiedene Gegenstände zu den Festen kennen. Im Mittelpunkt steht die Torarolle. Leittexte, Fotos und Zeichnungen ergänzen die Ausstellungsstücke.

Der Eintritt ist frei. Anmeldungen sind unter der Veranstaltungsnummer 1360 beim Team der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung möglich.

Ausnahmsweise: Hagen First!

4. November 2019

Neue RVR-Themenroute Industriekultur widmet sich dem Bauhaus

Es kommt nicht gerade häufig vor, dass Hagen in der überregionalen Wahrnehmung positiv an erster Stelle genannt wird. Eine der seltenen Ausnahmen ist die neue Themenroute des Regionalverbands Ruhr (RVR) nebst der dazu gehörigen Broschüre.

Bauhaus, Bauhausstil, Neue Sachlichkeit, Neues Bauen und Industrie im Ruhrgebiet – mit der neuen Themenroute führt die Autorin Dr. Ruth Hanisch auf Bauhaus-Spuren durch die Region. Im Rahmen des Programms „Bauhaus im Westen“ hat der RVR das Verbandsgebiet auf Verbindungen zu „100 Jahre Bauhaus“ untersuchen lassen.

Die Ergebnisse der Recherche liegen jetzt vor. Was das Verhältnis von Bauhaus und Industriekultur besonders macht, kann man online unter www.route-industriekultur.ruhr (Themenroute 31) entdecken.

In der Themenroute werden drei Schwerpunktbereiche – beginnend mit Hagen/Wetter, es folgen Essen/Bottrop und  Oberhausen/Duisburg – mit insgesamt 18 Orten beschrieben, die beispielhaft die Zusammenhänge zwischen Bauhaus und Industriekultur aufzeigen.

Die Broschüre soll neugierig machen und gleichermaßen zum Stöbern anregen sowie zu Erkundungen vor Ort. Sie ist als Printausgabe erhältlich im für fünf Euro im Online-Shop des RVR unter www.shop.rvr.ruhr sowie an einigen der beschriebenen Standorte oder zum kostenlosen Download unter www.route-industriekultur.ruhr.

Die „Schauburg“ in Haspe

2. November 2019

Gesprächsabend rund um Hagener Kinos im Wandel der Zeit

„Hagener Kinos im Wandel der Zeit“ ist das Thema beim nächsten Gesprächsabend der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Uli Weishaupt am Freitag, 8. November, um 17 Uhr im Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30.

Der Schwerpunkt liegt diesmal auf der „Schauburg“ in Haspe. Dieses Lichtspieltheater existierte von 1920 bis 1963. Beim Gesprächsabend sind Hasper Zeitzeugen zu Gast. Während ihren Erzählungen zeigt der Referent alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Abschließend geht es in einem kurzen Dokumentarfilm um Haspes berühmtesten „Sohn“ Friedrich Harkort, der vor genau 200 Jahren als Industriepionier seine „Mechanische Werkstätte“ gründete.

Der Eintritt zur Veranstaltung beträgt 2 Euro. Weil die Anzahl der Plätze begrenzt ist, bittet das Serviceteam der VHS um eine Anmeldung mit Angabe der Kursnummer 1202 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

90 Jahre Hagen bei Haspe

30. Oktober 2019

Fotoausstellung wird verlängert

Die Fotoausstellung „90 Jahre Hagen bei Haspe“ wird aufgrund des großen Interesses bis Sonntag, 1. Dezember, verlängert. Sie ist täglich von 10 bis 17 Uhr im Alten Stadtbad Haspe, Berliner Straße 115, zu besichtigen. Das Stadtarchiv Hagen wählte für die Ausstellung historische Fotos aus, die einen Einblick in Haspes bewegte Geschichte geben.

Hagens Geschichte zwischen 1919 und 1929

29. Oktober 2019

Um Architektur, Städtebau und Hagens Geschichte zwischen 1919 und 1929 dreht sich ein Seminar mit Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff ab Mittwoch, 30. Oktober, von 19.30 bis 21 Uhr bei der Volkshochschule Hagen (VHS) in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38. Der Kurs findet insgesamt sechsmal statt.

Die zehn Jahre zwischen 1919 und 1929 sind in Hagen von erheblichen Veränderungen geprägt. Architektonisch steht diese Epoche im Spannungsfeld zwischen traditionellem Bauen, Expressionismus und dem „Neuen Bauen“. Dies wurde unter anderem durch das 1919 gegründete Bauhaus repräsentiert.

In der Volmestadt entstanden damals zahlreiche neue Siedlungen. Dazu gehörten zum Beispiel der Cuno-Hof auf dem Kuhlerkamp, das Hallenbad in Haspe (Foto: Stadt Hagen) und das Finanzamt. Eine Rolle spielten hierbei auch die großen Wohnungsbaugesellschaften. Politisch war es die Zeit des Oberbürgermeisters Willi Cuno und des Stadtbaurats Ewald Figge, die beide vor dem Weltkrieg eng mit dem Kunstförderer Karl Ernst Osthaus zusammengearbeitet hatten. Diese und zahlreiche weitere Aspekte zur Geschichte Hagens, darunter auch die Eingemeindung Haspes und Boeles im Jahr 1929, stehen im Fokus des Kurses.

Informationen zur Anmeldung für den Kurs mit der Nummer 1010 erhalten Interessierte auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622.

Rundgang durch Wehringhausen fällt aus

8. Oktober 2019

Der geplante Rundgang durch Wehringhausen der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Dr. Elisabeth May am morgigen Mittwoch, 9. Oktober, muss leider wegen Krankheit abgesagt werden.

Ein Hagener Anachronismus

6. Oktober 2019

Rundgang durch Wehringhausen

Lange Straße in Wehringhausen. Foto: Dieter Faßdorf.

Während die GWG mit einem Freifahrtschein des Stadtrats gerade einen ganzen Gründerzeitblock dem Erdboden gleichmacht, lädt die Volkshochschule der Stadt zu einem Rundgang durch Wehringhausen mit Dr. Elisabeth May zur „abwechslungsreichen Architektur um 1900“ ein.

Treffpunkt ist am Mittwoch, 9. Oktober, 16 Uhr vor der Springmann-Villa, Christian-Rohlfs-Straße 49.

Zutreffend erklärt die VHS: Die topografischen Gegebenheiten des Stadtteils Wehringhausen finden eine städtebauliche Entsprechung in dem gesellschaftlich-hierarchischen Aufbau des Wohnviertels. Oben, an den Stadtgarten grenzend, entstand ein exponiertes Baugebiet nach den Gründerjahren. Im Buschey-Viertel zeugen prächtige Villen von einer glanzvollen Zeit.

Die Beamtenwohnhäuser im mittleren Bereich des Viertels sind ebenso ansehnlich wie die weiter bergab gelegenen Arbeiterwohnhäuser mit den ansprechenden Fassadengestaltungen, von denen aktuell gleich ein ganzes Karree trotz begründeter Bürgerproteste vernichtet wird.

Während die VHS verdienstvollerweise immer wieder auf die wenigen Highlights der Stadt aufmerksam macht, sorgen die berüchtigten Hagener Seilschaften aus Politik, Verwaltung, Unternehmen und Monopolpresse für irreversible Tatsachen. Angesichts der steigenden Beliebtheit gründerzeitlicher Viertel, die in anderen Städten gehegt und gepflegt werden, ein Anachronismus.

Die Teilnahmegebühr von 6 Euro wird vor Ort in bar kassiert. Anmeldungen nimmt das Team der VHS unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1084 unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung entgegen.

Vor 100 Jahren: „Republik im Bürgerkrieg“

4. Oktober 2019

LWL veröffentlicht Buch über den Kapp-Putsch und die Gegenbewegung an Ruhr und Lippe

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat in einem jetzt veröffentlichten Buch „Republik im Bürgerkrieg“ den Kapp-Putsch und die Gegenbewegung an Ruhr und Lippe 1919/20 dokumentiert (Foto: LWL). Auch Hagen spielte im Ruhrkampf eine wichtige Rolle.

Die Konflikte der jungen Weimarer Republik wurden sowohl in den parlamentarischen Versammlungen als auch auf der Straße mit der Waffe in der Hand ausgetragen. Sie eskalierten bis zum Bürgerkrieg. Vor rund 100 Jahren schlossen sich im östlichen und im rechtsrheinischen Ruhrgebiet die Gegner der antirepublikanischen Putschisten um den Verwaltungsbeamten Wolfgang Kapp und den Oberbefehlshaber der vorläufigen Reichswehr, Walther Freiherr von Lüttwitz, zusammen.

„Für einige Wochen im März und April 1920 richtete sich das Augenmerk der deutschen und internationalen Öffentlichkeit auf den industriell geprägten Teil Westfalens und das damit verflochtene rechtsrheinische Industriegebiet“, sagt Prof. Dr. Rainer Pöppinghege, Historiker und Autor des im LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte erschienenen Bandes.

Als die Nachrichten vom Kapp-Lüttwitz-Putsch aus Berlin eintrafen, sahen sich viele Arbeiter bestätigt: Die schon lange befürchtete Konterrevolution hatte begonnen. Unterstützt von rechten Industriellen und Reichswehrtruppen, wollten die Putschisten die Errungenschaften der Novemberrevolution von 1918 kassieren und die Arbeiter unterdrücken, so deren Befürchtung.

Auch auf der Hagener Springe strömten die Menschen zusammen. Die „Volksstimme“, die örtliche USPD-Zeitung, beschreibt die Atmosphäre wie folgt: Zehntausende „jubelten den Rednern zu, als diese betonten, daß in dieser bitter ernsten Stunden jeder bereit sein müsse, auch die schwersten Opfer zu bringen […] Nieder mit der Verbrecherbande! Nieder mit der Reaktion!“

Daraufhin formierte sich die „Rote Ruhrarmee“, um den Putsch zu bekämpfen und die Novemberrevolution von 1918 doch noch zu einer sozialistischen Revolution zu machen. Bewaffnete Kräfte von links und rechts trafen aufeinander. Es folgten blutige Wochen mit einer ideologisch aufgeladenen, äußerst brutalen Kampfweise.

Am 15. März geriet der Hagener Raum ins Visier der Putschisten. Ein mit Kanonen bestückter Zug des Freikorps Lichtschlag fuhr in den Bahnhof der Nachbarstadt Wetter ein. Die Nachricht schlug in Hagen wie eine Bombe ein. Fabriksirenen lösten Alarm aus, Autos wurden beschlagnahmt, und Straßenbahnen, die wegen den Generalstreiks in den Depots standen, wurden ausgefahren, um bewaffnete und unbewaffnete Arbeiter nach Wetter zu bringen.

Nach erbittertem Kampf, der auf beiden Seiten Tote und Verwundete kostete, nahm man die Soldaten gefangen. Mit den erbeuteten Waffen zog ein Teil der Arbeiter weiter in Richtung Ruhrgebiet und stellte sich auch hier den Putschisten entgegen.

Der Sieg in Wetter war mehr als nur von lokaler Bedeutung. Als sich Tage später die Niederlage der Militärverbände abzeichnete, bedankte sich Philipp Scheidemann vor der in Stuttgart tagenden Nationalversammlung bei denen, die den Putsch niedergeschlagen hatten, wobei er besonders auch den Anteil der Hagener herausstellte.

„Das Ruhrgebiet war der zentrale Schauplatz jener gewaltsamen Ereignisse und der vorhergehenden Massenstreiks. Zugleich waren aber auch die Menschen in Ostwestfalen, im Sauerland und in Lippe von den Ereignissen der Jahre 1919 und 1920 betroffen“, erläutert Pöppinghege. „Das Resultat bestand in vermutlich mehr als 1.000 Toten auf Seiten der Arbeiterschaft, 500 umgekommenen Angehörigen der Reichswehr, Freikorps und Sicherheitspolizei sowie mindestens 80 getöteten Zivilisten.“

In seiner Studie bündelt Pöppinghege die Ereignisse an den einzelnen Schauplätzen Westfalens und bietet eine regionalhistorische Gesamtperspektive, die mit den Geschehnissen im Deutschen Reich eng verknüpft ist. Dass dabei das Ruhrgebiet stärker im Fokus steht als beispielsweise das Sauer- oder Münsterland und Ostwestfalen, ergibt sich aus der Ereignisgeschichte des gewaltsamen Konflikts.

„Die regional unterschiedlich ausgeprägte Gewaltgeschichte war nicht zuletzt auf die heterogene sozioökonomische und politische Struktur Westfalens zurückzuführen. Das Gesamtbild soll Antworten darauf geben, wie es zur Eskalation der gewaltsamen Ereignisse im Frühjahr 1920 kommen konnte und welche Handlungsoptionen die damaligen Akteure wählten beziehungsweise welche sie ausschlugen“, so Pöppinghege.

Rainer Pöppinghege:
Republik im Bürgerkrieg
Kapp-Putsch und Gegenbewegung an Ruhr und Lippe 1919/20

Ardey-Verlag, Münster 2019, 152 Seiten, Klappenbroschur,
ISBN 978-3-87023-443-0, Preis: 12,90 Euro

Vergessene NS-Opfer

2. Oktober 2019

Zwangssterilisierungen in Hagen

Am Montag, den 7.10.2019 um 18.00 Uhr findet im Rathaus an der Volme (Ratssaal) eine Veranstaltung des Hagener Geschichtsvereins, des Friedenszeichens und des Rahel-Varnhagen-Kollegs statt. Vorgestellt wird das Buch Rainer Stöckers mit dem o. a. Titel.

In Vertretung des Oberbürgermeisters wird Bürgermeister Horst Wisotzki das einleitende Grußwort halten.

Die Zeitzeugin Evarista Böttcher, geb, Furgeri, schildert den Rassenwahn der Nazis am Beispiel der eigenen Familie. Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs stellen ausgewählte Opferbiographien vor. Der Autor Rainer Stöcker gibt einen Einblick in historische Zusammenhänge. Parallel zu den einzelnen Beiträgen werden zeitgenössische Fotos gezeigt.

Zum Buchinhalt:

Aufgrund des „Erbgesundheitsgesetzes“ von 1933 wurden allein in Hagen etwa 1000 Personen zwangssterilisiert. Mit dem Buch soll an das Schicksal und die Leiden dieser Menschen erinnert werden, die von den Nazis als „schwachsinnig“ und „erbkrank“ eingestuft wurden und deren Fortpflanzung zum „Schutz der Rasse“ verhindert werden sollte.

Betroffen waren in der Regel „einfache Leute“. Wer die „Hilfsschule“ besucht hatte oder als Fabrikarbeiter einer vermeintlich niedrigen Tätigkeit nachging, war besonders gefährdet, zumal dann, wenn er etwa uneheliche Kinder hatte oder sonstwie negativ aufgefallen war. Unzählige Menschen wurden zu Unrecht sterilisiert, selbst nach den Maßstäben der NS-Rassengesetzgebung. Soziale Vorurteile, Willkür und Opportunismus führten dazu, dass im Zweifelsfall gegen die Betroffenen entschieden wurde. Grundsätzlich konnte jeder ins Visier der Rassenfanatiker geraten.

Karrierebewusst stellten sich besonders Ärzte und Juristen in den Dienst der Rassenideologie. Zentrale Instanz des sogenannten Erbgesundheitsverfahrens war das städtische Gesundheitsamt. Hier wurden die Erbkrankverdächtigen „untersucht“ und einem höchst fragwürdigen Intelligenztest unterzogen. Hier wurde das „belastende“ Material gesammelt, das diverse Ämter, Behörden und Dienststellen auf Anordnung des Amtsarztes hinter dem Rücken der Opfer erschnüffelt hatten. Dazu gehörten auch Informationen – etwa zum Arbeits- und Sozialverhalten -, die beim betreffenden Arbeitgeber eingeholt wurden.

Schließlich stellte der Leiter des Gesundheitsamtes beim Hagener Erbgesundheitsgericht den Antrag auf Unfruchtbarmachung. Ihm wurde in der Regel entsprochen. Der Eingriff geschah entweder im Allgemeinen Krankenhaus oder im Evangelischen Krankenhaus Haspe. Widersetzte sich jemand der Anordnung, dann wurde die widerspenstige Person von zu Hause oder auf der Arbeitsstelle abgeholt und von der Polizei zwangsweise dem Krankenhaus zugeführt.

Nach erfolgter Sterilisierung setzte sich die Diskriminierung fort. Einmal registriert und als minderwertig abgestempelt, standen die Betroffenen weiterhin im Abseits und wurden streng überwacht. In Gefahr gerieten selbst Familienangehörige, Freunde und Bekannte. Die Gesundheitsbürokratie arbeitete unermüdlich weiter, selbst als weite Teile Hagens bereits in Schutt und Asche lagen und sich das Ende des Regimes abzeichnete.

Bezeichnend ist das Schicksal von Else Neuhaus und Hermann Weißenborn. Else Neuhaus war 1936 zwangssterilisiert worden. Eine Heirat wurde verwehrt, weil diese als „in volksbiologischer Hinsicht“ unerwünscht war. 1943 nahm Else Neuhaus ihren Lebensgefährten bei sich auf, als dieser ausgebombt wurde. Auf Druck der Behörden sollten sie ihre Beziehung beenden. Im Oktober 1944 musste Hermann Weißenborn bei der Polizei erscheinen. Laut Protokoll erklärte er: „Mir ist eröffnet worden, dass das Zusammenleben mit der Frau Neuhaus nicht gestattet werden kann und ich evtl. in ein Konzentrationslager eingewiesen werde, wenn ich diese außereheliche Gemeinschaft fortsetze.“ Dazu kam es jedoch nicht mehr. Else Neuhaus und Hermann Weißenborn starben Anfang November 1944 bei einem Bombenangriff. Ihre Akte konnte geschlossen werden.

Nach dem Ende der NS-Diktatur kamen die Täter ungeschoren davon und konnten ihre berufliche Tätigkeit fortsetzen. Den Opfern blieb die Rehabilitierung verwehrt. Sie erfolgte erst nach Jahrzehnten, für fast alle kam sie zu spät.

Das Buch ist ab dem 7.10.2019 zum Preis von 12 Euro in den Hagener Buchhandlungen erhältlich.

Archäologen entdecken erneut über 11.500 Jahre alte Funde

28. September 2019

Abschluss der jüngsten Grabungskampagne in und vor der Blätterhöhle

Die Blätterhöhle in Hagen-Holthausen ist für die Steinzeit einer der wichtigsten Fundplätze in Westfalen und darüber hinaus. Jetzt sind Archäologen kurz davor die fünfte Grabungskampagne unter der Leitung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) abzuschließen. Und sie haben dabei erneut besondere Funde wie Pfeilspitzen aus Feuerstein gemacht, die einen Einblick in die Welt der Menschen vor über 11.500 Jahren erlauben.

Zum Abschluss der fünften Grabungskampagne präsentierten sie ihre Funde jetzt der Öffentlichkeit. Zu den wichtigsten Entdeckungen zählen Pfeilspitzen aus Feuerstein. In ihrer Form seien diese noch völlig unbekannt und ungewöhnlich, so die Wissenschaftler. Außerdem bargen die Archäologen vor der Höhle auch Teile der bearbeiteten Werkzeuge, Reste erlegter Tiere und mehrere Holzkohlen. In der Höhle legten sie auch einige weitere Menschenknochen frei.

2004 waren in der Blätterhöhle erstmals Menschenreste aus der Mittel- und Jungsteinzeit entdeckt worden. Seitdem gab es 13 Grabungskampagnen.

Erstes Design-Museum im modernen Sinn

23. September 2019

Führung durch das „Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe“ im Hohenhof

Zu einer Führung durch die Ausstellungsräume des Hohenhofs im Zeichen des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“ mit Dr. Elisabeth May lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Mittwoch, 25. September, von 16 bis 17 Uhr ein. Der Treffpunkt ist vor dem Hohenhof, Stirnband 10.

Das von Karl Ernst Osthaus gemeinsam mit dem Deutschen Werkbund initiierte „Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe“ war ein innovativer Museumstyp im 20. Jahrhundert. Als erstes Design-Museum im modernen Sinn reformierte es das traditionelle Kunstgewerbemuseum. Anstelle der Sammlung historischer Bestände sollte in erster Linie die aktuelle Produktion gefördert werden. Ausgehend von der Kritik an den ästhetisch überformten Gegenständen des Historismus, verfolgten Osthaus und der Deutsche Werkbund das Ziel, die Herstellung und Verbreitung modernen „Designs“ voranzutreiben und in Ausstellungen zu zeigen.

Das „Deutsche Museum“ war mit der ersten Sammlung zeitgenössischen Designs ein entscheidendes Ereignis in der Geschichte des „Industrial Designs“. In den Ausstellungsräumen des Hohenhofs erinnern unter anderem Exponate der Hagener Handfertigkeitsseminare oder der Hagener Silberschmiede an dieses ungewöhnliche Museum, die in der Führung vorgestellt werden. Der Eintritt kostet 9 Euro und wird vor Ort in bar kassiert. Weitere Informationen und Anmeldung unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1082 erhalten Interessierte beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung.

Führung im Hohenhof und am Stirnband

17. September 2019

Hagener Schätze des Jugendstils

Mittwoch, 18.09.2019 von 16:00 Uhr – 18:00 Uhr

Tor zum Hohenhof, Fotografie: Willy Moll, Hagen

Nachdem der Kunstmäzen und Kulturreformer Karl Ernst Osthaus (1874-1921) 1902 sein privates Museum Folkwang in Hagen eingeweiht hatte, begründete er 1906 die Künstlerkolonie Hohenhagen.

Bezug nehmend auf die Idee des Großherzogs Ernst Ludwig in Darmstadt, der die Mathildenhöhe initiiert hatte, lud Osthaus ausgewählte Künstler und Architekten nach Hagen ein, um deren individuelle Gebäude-entwürfe in die Tat umzusetzen.

Osthaus ließ sein Wohnhaus, den Hohenhof, von dem belgischen Künstler-Architekten Henry van de Velde 1906/08 erbauen. Heute zählt der Hohenhof architekturgeschichtlich zu den bedeutendsten Gebäuden Europas kurz nach der Jahrhundertwende und ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele für ein Jugendstil-Gesamtkunstwerk.

Von der Architektur bis zur kompletten Inneneinrichtung gestaltete Henry van de Velde in Absprache mit dem Bauherrn Osthaus das Gebäude „aus einem Guss“.

Anmeldung unter 0 23 31/207 2740. Treffpunkt ist der Hohenhof, Stirnband 10, 58093 Hagen. Eintritt: plus Führungsgebühr 9 Euro

2.000 Besucher beim Hagener Denkmaltag

12. September 2019

OB Erik O. Schulz wollten nur Wenige hören

Ina Hanemann, Leiterin der Denkmalbehörde, präsentiert einen bei den Ausgrabungen auf dem Außengelände des Hohenhofs gefundenen Ziegelstein. (Foto: Michael Kaub/Stadt Hagen)

Mit diesem Ansturm haben die Veranstalter des Tag des offenen Denkmals nicht gerechnet: Mit rund 2.000 Besucherinnen und Besuchern gilt der Hagener Denkmaltag 2019 als der erfolgreichste der letzten Jahre. Zur offiziellen Eröffnung durch Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Baudezernent Hennig Keune am Sonntagvormittag (8. September) hatten sich dagegen nur 100 Besucher am Hohenhof eingefunden. Doch den großen Erfolg der Veranstaltung mindert ein Diebstahl auf dem Gelände des Hohenhofs.

Ein bei den Ausgrabungen auf dem Außengelände gefundener historischer Ziegelstein ist während einer der Führungen entwendet worden. Es handelt sich dabei um einen archäologischen Fund, der dem Land Nordrhein-Westfalen gehört. Seine Entwendung ist daher als Straftat zu bewerten. Zudem gilt das Verschwinden des Ziegelsteins als Verlust für die Archäologie und für die bisher sehr erfolgreichen Maßnahmen im Außengelände des Hohenhofs. Womöglich war sich die Person, die den Ziegelstein mitgenommen hat, dessen nicht bewusst. Die Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadtarchäologie Hagen fordern daher zu einer anonymen Rückgabe des Ziegelsteins bei der Denkmalbehörde der Stadt Hagen im Rathaus auf.

Insgesamt spiegeln die Besucherzahlen das große Interesse an den Kulturdenkmälern der Stadt und das eher geringe an den Ansprachen des Oberbürgermeisters wider. Insbesondere der Hohenhof besitzt nach wie vor eine besondere Anziehungskraft und sorgt für Begeisterung bei den Besucherinnen und Besuchern.

Ina Hanemann, Leiterin der Denkmalbehörde Hagen, Dr. Birgit Schulte vom Osthaus Museum und Miriam Weber aus dem Architektenbüro Spital-Frenking+Schwarz aus Dortmund haben bis zum Nachmittag durchgängig Führungen durch das Gebäude gegeben. Parallel dazu gab es Gelegenheit, sich im Theaterzimmer des Hohenhof einen Film des LWL zu Karl-Ernst Osthaus und zur Geschichte des Hohenhofs anzusehen oder das ehemalige Wohnhaus der Familie Osthaus zu entdecken. Außerdem haben Dr. Eva Cichy von der LWL-Archäologie und Landschaftsarchitektin Susanne Weisser den ganzen Nachmittag Führungen durch den Garten zu den gartenarchäologischen und gartendenkmalpflegerischen Maßnahmen gegeben.

Nicht nur am Hohenhof war die Resonanz enorm, sondern auch das ehemalige Kesselhaus auf dem Elbersgelände und das ehemalige Umspannwerk in Haspe waren gut besucht. Am Umspannwerk berichteten Zeitzeugen und ein Film über die Zeiten, in denen das Werk noch aktiv war und eine Bahn durch das idyllische Tal Richtung Breckerfeld fuhr. Die von Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff angebotene Busrundfahrt durch das Stadtgebiet war restlos ausgebucht.

Gesprächsabend zum Thema Zweiter Weltkrieg

9. September 2019

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges ist das Thema beim nächsten Gesprächsabend der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Jörg Fritzsche am Freitag, 13. September, um 17 Uhr im Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30.

In den frühen Morgenstunden des 1. Septembers 1939 startete mit den Schüssen des Linienschiffs „Schleswig-Holstein“ auf die Westerplatte bei Danzig und Luftangriffen auf die Stadt Wielun der deutsche Überfall auf Polen. Lange vorbereitet und als Reaktion auf vermeintliche Grenzzwischenfälle getarnt, begann mit dem sogenannten „Fall Weiß“ der Zweite Weltkrieg. Die deutsche Bevölkerung nahm den Beginn der Kampfhandlungen mit gedrückter Stimmung auf. Der Begriff „Krieg“ war vom NS-Regime ausdrücklich untersagt. Die Skepsis wuchs noch, als Großbritannien sowie Frankreich ihre Verpflichtungen gegenüber Polen einlösten und Deutschland am 3. September den Krieg erklärten. Neben den Ereignissen dieser schicksalsträchtigen Tage sollen beim Gesprächsabend die Erlebnisse und Emotionen der Menschen im Vordergrund stehen. Wie wurde der Kriegsausbruch erlebt? Welche Veränderungen gab es im alltäglichen Leben?

Auch Zeitzeugen sind dazu eingeladen, ihre Erinnerungen einzubringen. Das Serviceteam der VHS bittet für den Kurs 1200 um eine Anmeldung auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

„Lieber Osthaus – lieber Gropius“

7. September 2019

Umfangreicher Briefwechsel zwischen dem Bauhausgründer und dem Hagener Folkwang-Gründer erschienen

Der Bauhausgründer Walter Gropius (1883-1969) erinnerte sich kurz vor seinem Tod daran, dass Karl Ernst Osthaus (1874-1921, Foto), der Hagener Folkwang-Gründer, sein naher Freund gewesen sei, dem er maßgeblich seine Berufung nach Weimar zu verdanken habe. Nachzulesen sind diese Sätze, formuliert in einem Brief nach Hagen im Mai 1969, nun in einem Buch, das im Rahmen des Jubiläumsjahres „Hagener Impulse“ vom Osthaus Museum Hagen herausgegeben wird.

Auf über 500 Seiten ist der vollständige Briefwechsel zwischen den beiden Protagonisten der Moderne transkribiert. Von der engen freundschaftlichen Verbindung zwischen Osthaus und Gropius zeugen rund 400 Dokumente im Karl Ernst Osthaus-Archiv Hagen. Sämtliche Dokumente werden nun erstmals im Zusammenhang veröffentlicht. Die Publikation „Karl Ernst Osthaus und Walter Gropius. Der Briefwechsel 1908-1920“, herausgegeben von Reinhold Happel und Birgit Schulte, erscheint im Klartext Verlag Essen.

Die starken Wurzeln des Bauhauses im westfälischen Hagen werden auch seitens der Verantwortlichen des NRW-Verbundes „100 jahre bauhaus im westen“ hervorgehoben. So betont Dr. Cornelia Bauer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, als Vertreterin des Lenkungskreises: „Der Standort Hagen spielt eine Schlüsselrolle im Narrativ des Bauhaus-Jubiläums in Nordrhein-Westfalen. Hier erzählen wir gewissermaßen die Vorgeschichte des Bauhauses.“

Dr. Birgit Schulte, Projektleiterin des Bauhausjahres in Hagen und Mitherausgeberin, beschreibt, wie spannend es ist, „sich in die Korrespondenz zwischen zwei Persönlichkeiten zu vertiefen, die gemeinsam mehr als ein Jahrzehnt lang wesentliche Projekte der Moderne diskutiert und entwickelt haben, und dabei feststellen zu können, wie kontinuierlich und energisch Osthaus seinen Freund Gropius gefördert und wie Gropius sich dieser Strategie dankbar bedient hat.“ Ihr Dank geht an die Kunstmuseen Krefeld, mit deren Leihgaben die Rekonstruktion der von Walter Gropius kuratierten Ausstellung „Vorbildliche Industriebauten“ möglich wurde, die ab 1911 als Wanderausstellung von Hagen aus auf Tournee geschickt wurde. Die rekonstruierte Ausstellung ist vom 7. September bis 12. Januar 2020 im Osthaus Museum Hagen zu sehen.

Der Kurator Prof. Dr. Reinhold Happel erläutert die Bedeutung der Industriebauten-Ausstellung: „Diese Präsentation mit Fotografien herausragender wegweisender Industriearchitektur, die in zahlreichen Städten in Deutschland sowie in Amsterdam und in den USA zu sehen war, dokumentiert einen wichtigen Diskurs über moderne Architektur am Beginn des 20. Jahrhunderts. Gropius und Osthaus haben diesen Diskurs maßgeblich mitbestimmt, und das Bauhausjahr ist der passende Anlass, in Hagen diese Ausstellung mit möglichst vielen Originalfotografien und Dokumenten zu rekonstruieren.“

Vorbildliche Industriebauten

6. September 2019

Die ökonomische Kraft der künstlerischen Idee

7. September 2019 – 12. Januar 2020, Osthaus-Museum Hagen

Karl Ernst Osthaus hat Ideen des Bauhauses vorgedacht und den Bauhausgründer Walter Gropius maßgeblich gefördert. „Osthaus was instrumental in supporting me“, resümmierte Gropius wenige Monate vor seinem Tod 1969. Von der engen freundschaftlichen Verbindung zwischen Gropius und Osthaus zeugen Hunderte, bisher nicht veröffentlichte Briefe im Karl Ernst Osthaus-Archiv Hagen. Der Hagener Mäzen war für Gropius ein wichtiger Mitstreiter in der Debatte um die Frage, in welcher Weise Kunst und Künstler in die Gesellschaft hineinwirken können und sollen.

Im Zusammenhang mit der Arbeit im Deutschen Werkbund diskutierten sie die Frage, wie sich der Fabrikbau mit dem künstlerischen Anspruch verbinden lässt. Osthaus erkannte und nutzte früh das kommunikative Potential der Fotografie, um vorbildliche Baukunst weithin bekannt zu machen. Schließlich erwirkte er für Gropius den Auftrag, eine Ausstellung „Vorbildlicher Industriebauten“ zusammenzustellen, die ab 1911 als Wanderausstellung des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“ von Hagen aus auf Tournee geschickt wurde.

Dieses gemeinsame Projekt von Gropius und Osthaus wird im Osthaus Museum Hagen rekonstruiert und durch die Publikation ihres Briefwechsels begleitet. Kooperationspartner sind die Krefelder Kunstmuseen, die 1922 die Bestände des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“ aus Hagen übernommen haben. Rund 40 Original-Abzüge der insgesamt 110 Fotografien sind in der Graphischen Sammlung der Krefelder Kunstmuseen verwahrt. Neue Abzüge nach den Originalnegativen aus dem Bildarchiv Marburg ermöglichen erstmals eine Komplettierung der Ausstellung, wie sie 1914 auf der Werkbundausstellung in Köln zu sehen war.

Anlässlich der Ausstellung wird der mehrere hundert Schriftstücke umfassende Briefwechsel zwischen Osthaus und Gropius, den das Osthausmuseum im Karl Ernst Osthaus-Archiv verwahrt, in einer wissenschaftlich kommentierten Edition unter dem Titel „‘Osthaus was instrumental in supporting me‘… – Walter Gropius, Karl Ernst Osthaus und das Bauhaus“ erscheinen.

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“

3. September 2019

Vielfältiges Programm zum Tag des offenen Denkmals in Hagen

Die Eröffnung des Programms findet am Hohenhof statt. Foto: Karsten Thilo-Raab/Stadt Hagen.

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ lautet das Motto zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz am Sonntag, 8. September. Die Abteilung Denkmalschutz und Stadtarchäologie der Stadt Hagen hat dazu ein spannendes Programm rund um Baudenkmäler aus der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts entwickelt, das zugleich Bezug auf das 100-jährige Bauhausjubiläum nimmt. Dazu bieten Privateigentümer und Initiatoren aus öffentlichen Einrichtungen ein eigenes Programm zu ihren Denkmälern an.

Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz eröffnet den Denkmaltag um 11 Uhr im Hohenhof. Im Anschluss werden Führungen zu aktuellen denkmalpflegerischen Maßnahmen und Restaurierungen in und am Hohenhof angeboten. Unter anderem gewähren Archäologin Dr. Eva Cichy und Kollegen von der Archäologie des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) Einblicke in die laufenden Ausgrabungen auf dem Außengelände. Für das leibliche Wohl sorgen die Muschelsalatretter. Der Hohenhof kann bis 18 Uhr besichtigt werden.

Neben dem Programm am Hohenhof öffnet auch das ehemalige Umspannwerk in Haspe, Voerder Straße 131 a, seine Türen. Von 10 bis 17 Uhr können die Besucherinnen und Besucher das Gebäude, das heute eine christliche Gemeinschaft beheimatet, besichtigen. Das ehemalige Umspannwerk diente ursprünglich der Hagener Straßenbahn AG für die Umstellung der Hochspannungsleitungen der Straßenbahn an der Strecke Hagen-Haspe-Ennepetal/Voerde-Breckerfeld. Es wurde zur Zeit des damaligen Hasper Stadtbaurates Günther Oberste-Berghaus entworfen und steht mit seiner Architektur in der Tradition des Bauhauses.

Auf dem Elbersgelände wird das ehemalige Kesselhaus für zwei geführte, kostenlose Rundgänge um 15 und 16.30 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung zu den Führungen ist per E-Mail an gabriele.fuchs@stadt-hagen.de bis zum 6. September erforderlich, da die Teilnahmezahl pro Führung auf 20 Teilnehmende begrenzt ist.

Der Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff bietet von 14 bis etwa 17.30 Uhr eine Busrundfahrt zu Orten und Denkmälern aus der Zeit des Jugendstils und des Bauhauses an. Die Fahrt führt unter anderem durch die Stadtteile Haspe, Emst, Eckesey und Wehringhausen vorbei am früheren Hallenbad an der Berliner Straße und der Christ-König-Kirche in Boelerheide. Die Teilnahme kostet 12 Euro pro Person und kann vor Ort gezahlt werden. Eine Anmeldung ist bis zum 6. September unter Telefon 02331/54654 oder per E-Mail an info@michaeleckhoff.de erforderlich. Treffpunkt ist die Villa Cuno, Haßleyerstraße/Ecke Stirnband.

Der Flyer zum Tag des offenen Denkmals liegt in den städtischen Gebäuden aus und steht unter www.hagen.de auf der Seite der Unteren Denkmalbehörde als PDF-Datei zur Verfügung. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei Mirjam Kötter, städtische Bodendenkmalpflege, unter Telefon 02331/207-3026.

Des Weiteren bieten einige Privateigentümer und öffentliche Einrichtungen ein eigenes Programm zum Denkmaltag an.

Die Liebfrauenkirche in Vorhalle, Liebfrauenstraße 23, ist von 13 bis 15 Uhr für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Interessierte können zudem an einer Führung teilnehmen. Erbaut zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den Bochumer Architekten Carl Pinnekamp, ist die Kirche ein Zeugnis der Neoromanik, zeigt aber auch Anklänge des Jugendstils. Um 15 Uhr findet noch eine 15-minütige Andacht statt.

Auch die evangelisch-reformierte Kirche in Hohenlimburg, Freiheitstraße 37, ist für Interessierte ab 12 Uhr geöffnet. Mitglieder der Gemeinde stehen für Fragen zur Verfügung. Um 17 Uhr veranstaltet die Kirche ein Orgelkonzert.

Am Denkmaltag kann ebenfalls der „Hof Niemeyer“ in Berchum, Tiefendorfer Straße 8, von 12 bis 16 Uhr besichtigt werden. Hier wird den Besucherinnen und Besuchern die Instandsetzung eines Fachwerkhauses unter denkmalrechtlichen Aspekten näher gebracht. Ein Höhepunkt der Besichtigung ist das eingerichtete Schustermuseum in einem Nebenraum der Tenne, einem gepflasterten Platz in der Scheuen zum Dreschen von Getreide.

Die Bewohner des 1705 errichteten und mehrfach erweiterten Bauernhauses Baukey in Vorhalle, Baukey 1, öffnen von 12 bis 16 Uhr die Diele und das Kaminzimmer des Hauses. Eine Diashow zeigt eindrucksvoll die Restaurierungen der vergangenen Jahre.

Hagener Geschichte(n) postkolonial erzählt

31. August 2019

Welche Spuren der Kolonialismus in der Stadtgeschichte und im Alltag hinterlässt, zeigt ein Forschungsprojekt der FernUni

Mitte der 1960er Jahre in Hagen: Der Brauereibesitzer Carl Horst Andreas schoss „auf großer Pirsch” auf allen Kontinenten exotische Jagdtrophäen für sein privates Museum, bis hin zum Elefantenfuß (Bildmitte). Für Werbezwecke setzte er Fotos von Menschen aus Afrika in diskriminierender Weise ein. Foto: Hagener Heimatbund.

Kolonialgeschichte streift ihre Nebenrolle ab: Klassischerweise wird sie als Geschichtsschreibung von oben angelegt, erzählt aus der Perspektive von Imperien, Kaisern, Ministerien. Mittlerweile etabliert sich eine Globalgeschichte „von unten“, drängt sich in die National- und insbesondere Lokalgeschichte. „Die historische Perspektive hat sich in den vergangenen Jahren verändert“, bestätigt Dr. Fabian Fechner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt an der FernUniversität in Hagen.

Mit Fokus auf die Stadt Hagen hat Fechner gemeinsam mit seiner Kollegin Barbara Schneider nach Verbindungen zwischen Kommune und Kolonialismus für die Zeit zwischen 1850 und 1960 gesucht, dabei Erstaunliches herausgefunden – und die Geschichte(n) in einem Seminar für Studierende verarbeitet. Nachlesbar sind sie in einer Publikation und einem Stadtplan.

Nach Bielefeld und Düsseldorf nun also Hagen: „Wir sind die dritte Uni bundesweit, die Spuren der Kolonialzeit vor Ort aufgespürt hat und dauerhaft dokumentiert“, sagt Fechner zu dem jungen Zweig der Lokalhistorie. „Deutschland war zur Zeit des Kolonialismus ein Auswanderungsland“, beschreibt der Historiker. „Die große Not, die in Deutschland herrschte, trieb überall Menschen dazu, nach Übersee zu gehen.“ Für Frauen etwa bedeutete die Missionsarbeit einen Sprung in der sozialen Hierarchie und mehr persönlichen Handlungsspielraum, wie Barbara Schneider erarbeitet hat.

Um in die lokale Geschichte einzutauchen, wühlten sich Barbara Schneider und Fabian Fechner durch Archive und sichteten Quellen, blätterten händisch alte Zeitungsausgaben durch und sortierten Fotos. Neben drei Hagener Archiven waren vor allem die Bestände der Archiv- und Museumsstiftung der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal ausschlaggebend.

Ansätze für Geschichten fanden Schneider und Fechner viele: Völkerschauen und palmengeschmückte Kolonialfeste als Unterhaltungsprogramm, revisionistische Heldenverehrung auf Straßenschildern, die Betrügereien durch den Hagener „Bund für Siedlung in Brasilien“, der zur Schau getragene Rassismus des Brauereibesitzers Carl Horst Andreas – und: Wie kam eigentlich der Kaffee nach Hagen?

Eine Anzeige in der Hagener Zeitung vom 15. Mai 1892 wirbt für eine Völkerschau, die damals das meist Bild des „Schwarzen” in der Öffentlichkeit verfestigte: wild, animalisch und kriegerisch zu sein. Foto: Stadtarchiv Hagen.

Hagens koloniale Spuren zeigen dabei einen Querschnitt durch die lokale Gesellschaft: vom Tagelöhner und der Zugehfrau bis zum Admiral und Millionenerben werden sie repräsentiert, ebenso wie durch Kolonialgesellschaften, Kriegervereine und Missionsorganisationen. „Letztere machten die Menschen mit dem kolonialen Gedankengut vertraut und sorgten für die koloniale Grundierung der Bevölkerung“, so Barbara Schneider. Denken und Handeln in dieser Kategorie war fest im Alltag verankert.

An dem Seminar, das das Lehrgebiet anbot, nahmen überdurchschnittlich viele Studierende teil. „Das Interesse an Lokalgeschichte und Zeithistorie ist offenkundig groß“, freut sich die Geschichtswissenschaftlerin über die Resonanz. Insgesamt 23 Bachelor- wie Promotionsstudierende zogen los, forschten ebenfalls in Archiven und Bibliotheken. Neben einigen Hausarbeiten schrieben alle einen Artikel zu ihrem Thema, die zu einer umfangreichen Broschüre mit Lokalkolorit zusammengefasst werden.

„Darin finden sich viele Aspekte, die so in Hagen noch nicht aufgearbeitet wurden und die vor allem das koloniale Erbe über Einzelpersonen, Institutionen, Kunstwerke, Sammlungen und symbolische Handlungen veranschaulichen“, so Schneider und Fechner.

Der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden die Forschungsergebnisse und das Buch „die welt in hagen – hagen in der welt“ am 17. September von 18 bis 20 Uhr im Kunstquartier Hagen, Museumsplatz 1.

Führung im Riemerschmid-Haus

26. August 2019

Mittwoch, 28.08.2019 von 16:00 – 17:00 Uhr

Ein eigenes kleines Haus mit Nutzgarten – um 1907 sollte das für die Hagener Textilarbeiter kein Traum bleiben müssen.

Karl Ernst Osthaus holte 1905 die Teilnehmer einer Konferenz für „Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen“ nach Hagen. In der Folge konnte er dem in München geborenen Künstler-Architekten Richard Riemerschmid einen Bauauftrag durch Elbers in Hagen verschaffen.

Riemerschmid ist bis heute berühmt für Projekte wie die erste deutsche Gartenstadt in Hellerau bei Dresden. Ab 1907 begann er den Bau einer Anlage für Arbeiterwohnungen in Hagen, die sogenannte „Walddorf-Siedlung“. Nur elf Häuser konnten realisiert werden. Bei der öffentlichen Führung durch Haus Nr. 17 erhält man Einblick in die Lebenswelt der Arbeiter dieser Zeit.

Treffpunkt ist die Walddorfsstr. 17, 58093 Hagen, Führungsgebühr 6 €. Eine Anmeldung ist erforderlich unter 0 23 31/207 – 3622 oder 207-3138

Rundgang zur Architektur der Gebrüder Ludwigs

20. August 2019

Mittwoch, 21.08.2019 von 16:00 Uhr – 17:00 Uhr

Denkmalgeschützte Villa in Hagen-Eppenhausen, Lohestraße 3. Ehemalige Villa des Hagener Unternehmers Gustav Adolf Kerckhoff (1878-1936). Entworfen 1922 von den Architekten Gebrüder Ludwigs. Foto: Klaus Bärwinkel, CC BY 3.0.

Hagener Architektenbrüder im Visier – Zwischen 1909 und 1938 realisierten die Gebrüder Ludwigs eine ganze Reihe unterschiedlicher Bauten im Hagener Stadtraum.

Dabei setzten sie sich intensiv mit dem „Neuen Stil“, wie ihn Karl Ernst Osthaus zum Teil in Hagen etablieren konnte, auseinander. Einflüsse des Jugendstils und der ästhetischen Erneuerungsversuche innerhalb der Reformbewegung nach 1900 sind bis heute im Hagener Stadtbild zu entdecken.

Anmeldung unter Tel.: 207 2740. 6 € Teilnahmegebühr sind vor Ort zu entrichten! Treffpunkt ist Haßleyerstraße 14, 58093 Hagen-Eppenhausen.

Führung durch die Villa Post und zur Cuno-Siedlung

19. August 2019

Zu einer Führung durch die Villa Post am Mittwoch, 21. August, von 16 bis 17.30 Uhr und zur sich anschließenden Besichtigung der Cuno-Siedlung von 17.30 bis 19 Uhr mit Jochen Becker, Leiter des städtischen Fachbereiches Bildung, lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) ein. Der Treffpunkt für die beiden Veranstaltungen ist jeweils im Eingangsbereich der Villa Post, Wehringhauser Straße 38.

Die Villa Post wurde im spätklassizistischen Stil in Anlehnung an die Renaissance erbaut und diente als repräsentativer Wohnsitz der Familie Post. Die Stadt Hagen kaufte den kubischen und zweigeschossigen Backsteinbau, der danach unterschiedlichste Verwendung fand. Das Spektrum reichte von der Nutzung als Museum bis zum Stützpunkt der Volkszählung.

1994 beschloss der Stadtrat, die Villa Post zu restaurieren und der Volkshochschule Hagen zur Verfügung zu stellen. Die Eröffnung der restaurierten Villa Post erfolgte 1998. Während der Führung können sich die Teilnehmer selbst ein Bild davon machen, wie Denkmalschutz und neue Funktionalität in ein harmonisches Zusammenspiel gebracht wurden.

Für die zweite Führung geht es vom Treffpunkt an der Villa Post über die neue Ennepebrücke ein Stück bergauf zur Cuno-Siedlung am Kuhlerkamp (Foto: Rainer Halama, CC BY-SA 3.0). Von 1926 bis 1927 entstanden dort 121 Wohnungen in neun Gebäuden.

Die vom damaligen Stadtbaurat Ewald Figge geplante Siedlung verfügte über ein innovatives Wohnkonzept mit einem Vorgänger der Einbauküche, der sogenannten „Frankfurter Küche“, die durch eine Glastür vom Wohn- und Essbereich abgetrennt war. Auch eine von den Bewohnern gemeinschaftlich genutzte Wäscherei und eine Badeanstalt mit Brausen- und Wannenbädern gingen über den damaligen Standard hinaus. Die Gebäude der nach dem langjährigen Hagener Oberbürgermeister Willi Cuno benannten Siedlung sind streng sachlich gehalten und geometrisch strukturiert. An Hausecken und Toren finden sich Skulpturen des Hagener Künstlers Karel Niestrath und neben Eingängen sowie Einfahrten stehen Reliefs von Hans Dorn.

Für die Teilnahme an der Führung durch die Villa Post (Kursnummer 1070) und zur Cuno-Siedlung (Kursnummer 1071) ist eine Anmeldung beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung notwendig.

Bunkeranlage bei Arbeiten am Wilhelmsplatz in Hagen entdeckt

18. August 2019

Damit hatte keiner gerechnet: Bei der Sanierung des Wilhelmsplatzes in Wehringhausen sind die Arbeiter jetzt auf einen unterirdischen Bunker und einen Löschteich gestoßen. Den Bauplan wirft der Fund allerdings nicht durcheinander.

„Dass sich an dieser Stelle eine solche Anlage befindet, haben wir nicht gewusst“, so Matthias Hegerding, Leiter des Fachbereichs Bau (…).

Quelle: wp.de

Anmerkung: Ei der Daus! Nicht gewusst? Dabei hängt am Wilhelmsplatz ein Hinweisschild, dem folgendes zu entnehmen ist: „Im 2. Weltkrieg wurde auf dem Platz ein Luftschutzkeller gebaut und ein Feuerlöschteich angelegt (im Winkel Kottmann-/ Bismarckstr.), die aber nicht mehr vorhanden sind.“ Sogar ein Foto gibt es (siehe hier), das vom Hagener Pressefotografen Willy Lehmacher (1902 – 1976) Anfang der 1950er Jahre aufgenommen wurde.

Modell des alten Rathauses von 1954 aufgetaucht

18. August 2019

Fund im Hagener Bauhof

Eindrucksvoller Fund: Nach einem Hinweis aus der städtischen Bauverwaltung tauchte nun ein auf Juli 1954 datiertes Modell des alten Hagener Rathauses zum Zeitpunkt seines Wiederaufbaus nach der Kriegszerstörung auf (Foto: Stadt Hagen).

Das über Jahrzehnte „verwahrte“ Modell aus dem Depot des Hagener Bauhofes wird ab 2021 in der neuen Dauerausstellung des Stadtmuseums im historischen Landgerichtsgebäude zu sehen sein.

Der Entwurf stammt vom Hochbauamt der Stadt Hagen, den die Firma Planplastik Mersmann in Rösrath und Köln im Juli 1954 im Maßstab 1:200 als Modell umsetzte.

Das gut erhaltene Modell ist detailliert gearbeitet und einzelne Teile wie Fenstersimse, Erker, Türen und weiteres wurden hervorragend nachgebildet. Zum damaligen Zeitpunkt wurde das Rathaus noch aufwendig umgebaut, sodass das Modell den einstigen Planungsstand wiedergibt. Letztlich wurden nicht alle Planungen realisiert, wie beispielsweise der Anbau, der an die vormals mit einem neugotischen Stufengiebel versehene Eingangshalle gesetzt werden sollte.

Entdeckungstour durch das Buschey-Viertel

17. August 2019

Zu einer Entdeckungstour durch das Buschey-Viertel mit Jens Bergmann lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) zusammen mit dem Hagener Heimatbund im Rahmen des Urlaubskorbs alle Interessierten am Dienstag, 20. August, von 17 bis 18.30 Uhr ein. Der Treffpunkt ist vor dem Allgemeinen Krankenhaus, Grünstraße 35.

Das Buschey-Viertel bietet mit seinen schönen Villen und Beamten-Wohnhäusern viele besondere Architekturschätze. Auf ihre Besonderheiten, Erbauer und Bewohner geht Jens Bergmann, Vorstand des Hagener Heimatbundes, während seines Rundganges ein.

Das Serviceteam der VHS bittet um eine Anmeldung mit Angabe der Kursnummer 1079 unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung.

Architektur um 1900 in Wehringhausen

13. August 2019

Denkmalgeschütztes Wohnhaus in Hagen-Wehringhausen, Buscheystraße 48 / Ecke Christian-Rohlfs-Straße. Vor 1910 von Architekt und Bauunternehmer Josef Fischer errichtet. Das imposante an einer Platanenallee gelegene ehemalige Beamtenhaus weist einen prachtvollen Turmaufbau auf. Zur Buscheystraße gerichtet ist der Balkon im Prachtgiebel in Omega-Form gestaltet, die in der Jugendstilarchitektur variiert Verwendung gefunden hat. Der Eingangsbereich ist ebenso hochherrschaftlich mit Säulen und Dreiecksgiebel inszeniert, mit dem der geometrische Reliefschmuck korrespondiert. Foto: Klaus Bärwinkel, CC BY 3.0.

Am Mittwoch, 14. August findet ab 16 Uhr eine kulturgeschichtliche Führung durch Wehringhausen statt.

Im Stadtteil Wehringhausen ist die Hausarchitektur von den Kriegseinwirkungen weitestgehend verschont geblieben. Aus kunsthistorischer und architektonischer Sicht kann hier exemplarisch die städtebauliche Entwicklung über einen Zeitraum von mehr als einhundert Jahren verfolgt werden.

Als besonders interessant rückt dabei die Zeit des Baubooms um 1900 und der Nachkriegsjahre in den Vordergrund: Der Historismus vor der Jahrhundertwende, der als Reformbewegung folgende Jugendstil sowie die nach dem 1. Weltkrieg versachlichenden Tendenzen im Hausbau werden bei der Führung mit ihren Besonderheiten in Augenschein genommen.

Teilnahmegebühr: 6 €, eine Anmeldung ist erforderlich unter 0 23 31/207 – 3138 oder 02331/207 – 2740. Treffpunkt ist die Springmann-Villa, Christian-Rohlfs-Str. 49, 58089 Hagen.

Führung in der Andachtshalle des Krematoriums Delstern

5. August 2019

Eine weniger bekannte Perspektive: Rückansicht des Eduard-Müller-Krematoriums in Hagen-Delstern (Foto: Klaus Bärwinkel, CC BY 3.0)

Am Mittwoch, 7. August ab 16.00 Uhr findet eine kulturgeschichtliche Führung durch die Andachtshalle ohne Besichtigung der Einäscherungsanlage statt.

Die erste Anlage für Feuerbestattung in Preußen wurde in Hagen gebaut – erst Jahre später konnte sie in Betrieb genommen werden, denn die Rechtslage sah eine solche Einrichtung noch gar nicht vor.

Dass das Hagener Krematorium zudem durch den später als AEG-Gestalter zu Welt-Ruhm gelangten Peter Behrens gebaut wurde, ist dem Kunstförderer und Museumsgründer Karl Ernst Osthaus zu verdanken. Dessen Leidenschaft für vorbildliche Gestaltung auch und gerade in Alltagsbereichen verdankt die Stadt Hagen eine ganze Reihe interessanter Bauwerke.

Teilnahmegebühr: 6 €, eine Anmeldung ist erforderlich unter 0 23 31/207 – 2740 oder 207-3138. Die Führung findet ab zehn teilnehmenden Personen statt.

Führung im Riemerschmid-Haus

29. Juli 2019

Mittwoch, 31.07.2019 von 16:00 – 17:00 Uhr

Ein eigenes kleines Haus mit Nutzgarten – um 1907 sollte das für die Hagener Textilarbeiter kein Traum bleiben müssen.

Karl Ernst Osthaus holte 1905 die Teilnehmer einer Konferenz für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen nach Hagen. In der Folge konnte er dem in München geborenen Künstler-Architekten Richard Riemerschmid einen Bauauftrag durch Elbers in Hagen verschaffen.

Riemerschmid ist bis heute berühmt für Projekte wie die erste deutsche Gartenstadt in Hellerau bei Dresden. Ab 1907 begann er den Bau einer Anlage für Arbeiterwohnungen in Hagen, die sogenannte „Walddorf-Siedlung“ (Foto: Osthaus-Museum). Nur elf Häuser konnten realisiert werden. Bei der öffentlichen Führung durch Haus Nr. 17 erhält man Einblick in die Lebenswelt der Arbeiter dieser Zeit.

Treffpunkt ist die Walddorfsstr. 17, 58093 Hagen, Führungsgebühr: 6 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich unter 0 23 31/207 2740

Ein Abbild der Sozialgeschichte

14. Juli 2019

Führung über den Buschey-Friedhof

Mittwoch, 17.07.2019 von 16:00 Uhr – 17:30 Uhr

Der Buschey-Friedhof in Hagen-Wehringhausen ist der älteste Friedhof Hagens, der noch belegt wird. Er wurde am Ostermontag 1810 eingeweiht und verdeutlicht heute in der Fülle verschiedener Grabmalgestaltung den stilistischen Wandel in der Friedhofskultur (Foto: Dieter Faßdorf).

Historische Friedhöfe sind nicht nur Zeugen der Vergangenheit und dokumentieren den Umgang mit dem Tod, sondern sie sind auch Abbild unserer Sozialgeschichte und Ausdruck künstlerischen Schaffens. Aus kultur- und kunsthistorischer Sicht erlaubt der Buschey-Friedhof ungewöhnliche Einblicke in die ästhetischen Vorlieben verschiedener Epochen. Von Historismus über Jugendstil bis in die Moderne – jede Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Der Rundgang über den Buschey-Friedhof gibt Einsichten in die Entwicklung der Grabmalkultur.

Teilnahmegebühr: 6 €, eine Anmeldung ist erforderlich unter 0 23 31/207 – 2740. Die Führung findet ab zehn teilnehmenden Personen statt, Treffpunkt ist der Seiteneingang Grünstraße, 58089 Hagen.

Führung durch die Liebfrauenkirche Vorhalle

12. Juli 2019

Zu einer Führung durch die Liebfrauenkirche in Vorhalle, Liebfrauenstraße 21, im Rahmen des Urlaubskorbs lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Dienstag, 16. Juli, von 17.30 bis 19 Uhr ein. Der Treffpunkt ist am Eingang der Kirche.

Benno Schmolke, ehemaliger Kunstlehrer und Gründungsmitglied der Künstlergruppe Sepia14-TeamART, führt durch die 1911/12 nach Plänen des Architekten Carl Pinnekamp entstandene Liebfrauenkirche (Foto: Dieter Faßdorf). Die individuell gestalteten Altäre sind Zeugen der Künstler und Kunsthandwerker der „Wiedenbrücker Schule“. In ihnen zeigt sich der Übergang von historischen Vorbildern zum zeitgenössischen Jugendstil. Wandgemälde aus den Jahren 1934 bis 1936 und neu gestaltete Kirchenfenster von 1986 runden den Gesamteindruck ab und präsentieren die Liebfrauenkirche heute als eine der kunsthistorisch interessantesten und schönsten Kirchen Hagens.

Anmeldungen unter Angabe der Kursnummer 1176 nimmt das Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung entgegen. Für die Führung ist kein Eintrittspreis festgelegt. Sie steht unter dem Motto „Zahlen Sie, so viel Sie wollen“.

Hagener Schätze des Jugendstils

11. Juli 2019

Führung im Hohenhof und am Stirnband

Sonntag, 14.07.2019 von 14:00 Uhr – 16:00 Uhr

Nachdem der Kunstmäzen und Kulturreformer Karl Ernst Osthaus (1874-1921) 1902 sein privates Museum Folkwang in Hagen eingeweiht hatte, begründete er 1906 die Künstlerkolonie Hohenhagen.

Bezug nehmend auf die Idee des Großherzogs Ernst Ludwig in Darmstadt, der die Mathildenhöhe initiiert hatte, lud Osthaus ausgewählte Künstler und Architekten nach Hagen ein, um deren individuelle Gebäudeentwürfe in die Tat umzusetzen.

Osthaus ließ sein Wohnhaus, den Hohenhof, von dem belgischen Künstler-Architekten Henry van de Velde 1906/08 erbauen (Foto: Marco Siekmann). Heute zählt der Hohenhof architekturgeschichtlich zu den bedeutendsten Gebäuden Europas kurz nach der Jahrhundertwende und ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele für ein Jugendstil-Gesamtkunstwerk.

Von der Architektur bis zur kompletten Inneneinrichtung gestaltete Henry van de Velde in Absprache mit dem Bauherrn Osthaus das Gebäude „aus einem Guss“.

Anmeldung unter 0 23 31/207 2740. Treffpunkt ist der Hohenhof, Stirnband 10, 58093 Hagen. Eintritt: plus Führungsgebühr 12 Euro

Zwischen Tradition und Moderne

7. Juli 2019

Hagener Baukunst in den 20er Jahren

Im Rahmen der Veranstaltungen zum Projekt „100 jahre Bauhaus“ im Westen zeigt der HAGENRING e.V. in seiner Galerie in der Wippermann-Passage,( Eilper Straße 71-75, 58091 Hagen) vom 7.7. bis 28.7.2019 die Fotoausstellung „Hagener Baukunst in den 20er Jahren“. Zum einen haben sich die dem HAGENRING angehörenden Fotografen Peter Klein und Siegfried Rubbert zusammen mit ambitionierten Teilnehmern an Fotokursen der Volkshochschulen EnnepeRuhr-Süd und Iserlohn des Themas angenommen.

Zum anderen hat sich der Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff mit der Geschichte der Hagener Bauten jener Epoche befasst und sie in einer Broschüre zusammen mit ergänzenden Informationen veröffentlicht. Bekannte und weniger bekannte Hagener Bauten, die einen eindeutigen Bezug zum „Neuen Bauen“ der Weimarer Republik haben (Bauhaus, Expressionismus, Frühe Moderne etc.) werden vorgestellt. Er schlägt den Bogen von dem Hagener Kunstmäzen und Museumsgründer (u.a. Folkwang-Museum) Karl Ernst Osthaus (1874 – 1921) zur avantgardistischen Architektur in den 20er Jahren.

Viele Aspekte, die seinerzeit das Bauhaus verfolgt hat, wurden von Osthaus bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit umfangreichen Initiativen in Hagen vorgeprägt. Insofern spielt Hagen in der Geschichte des Bauhauses eine wesentliche Rolle. Der „Hagener Impuls“ ist der Beweis für die herausragende Baukultur in unserer Stadt.

Der Eintritt ist frei!

Die Broschüre wird in der HAGENRING-Galerie zum Preis von 5 Euro angeboten.

Hagen bekommt Stadtarchäologin

18. Juni 2019

Hagener Politik und Medien setzen weiter auf Brauchtumsgetöse

Schon vor über 200 Jahren wurden erste archäologische und geologische Funde entdeckt und in Publikationen veröffentlicht. Der Elseyer Stiftspfarrer Johann Friedrich Möller (1750-1807) regte bereits 1802 den Schutz von Bodenfunden und Denkmälern an.

An diese bis ins 18. Jahrhundert zurückreichende Sammlungs- und Forschungsgeschichte knüpfen das heutige Museum Wasserschloss Werdringen und nun auch die aktuell gegründete Stadtarchäologie in Hagen an.

Seit der Änderung des Denkmalschutzgesetzes in Nordrhein Westfalen im Jahre 2013, muss die archäologische Denkmalpflege bei vielen Bauvorhaben und vor allem bei der Entwicklung von Gewerbe- und Wohnbauflächen immer im Vorfeld angehört werden. Um hier nicht von Zufallsfunden überrascht zu werden, sondern weit im Vorfeld gezielt und damit kosten- und zeitsparend, die Maßnahmen zu begleiten, wurde das Team der Hagener Denkmalbehörde unter der Leitung von Ina Hanemann durch eine Archäologin erweitert.

Die studierte Archäologin Mirjam Kötter, seit einem Jahr auch Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Wasserschloss Werdringen und in der Denkmalbehörde, steht als neue Stadtarchäologin in engem Austausch mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie mit dem städtischen Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive.

Sie ermittelt ein möglichst genaues Bild dessen, was in Hagen an Bodendenkmälern unter und über der Erde schlummert. Und das ist nicht wenig, sondern teilweise sogar international bedeutend. Ein Beispiel sind die sensationellen Steinzeitfunde auf dem Vorplatz und im Inneren der Blätterhöhle bei Hohenlimburg. Doch auch andere Bodendenkmäler zeigen, dass die Hagener Fundlandschaft über ein enormes Potenzial verfügt.

Erste Planungen für eine Stadtarchäologie in Hagen reichen einige Jahre zurück. Ina Hanemann, der Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen, Prof. Dr. Michael Baales, und der Hagener Museums- und Archivleiter, Dr. Ralf Blank, erkannten frühzeitig die Notwendigkeit, eine Stadtarchäologie in Hagen zu etablieren. Doch brauchte es Zeit und Geduld, um die entscheidenden Instanzen zu überzeugen und für das Vorhaben zu gewinnen.

Das war sicherlich ein arbeitsintensives Unterfangen. Denn das historische Bewusstsein reduziert sich im politisch-medialen Raum des Volmestädtchens traditionell bekanntlich auf aus der Zeit gefallene Brauchtumsrelikte. Dazu gehört der Versuch, ländliche Erscheinungsformen wie Schützenvereine im Rahmen einer Großstadt hochzuschreiben oder einen ganzen Stadtteil wie Haspe mit billigen Eselfiguren zu verunstalten.

Im Frühjahr 2019 würdigte die Oberste Denkmalbehörde im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung die Bedeutung der archäologischen Fundlandschaft in Hagen. Und in diesem Monat erhielt die Stadt den Rang einer Stadtarchäologie.

Damit eröffnet sich für Hagen auch die Möglichkeit, aus der Landesförderung für Bodendenkmalpflege zu schöpfen. Die LWL-Archäologie für Westfalen mit Sitz in Münster und die für Hagen zuständige LWL-Außenstelle für Bodendenkmalpflege in Olpe, begrüßen ebenfalls diesen Schritt. Bereits in Vorgesprächen signalisierte die LWL-Archäologie ihre Unterstützung bei der Zuweisung von Fördergeldern. Diese Finanzmittel werden unter den nunmehr sieben Dienststellen für Stadtarchäologie in Westfalen aufgeteilt. Sie dienen zur Finanzierung von laufenden Kosten im Bereich der Bodendenkmalpflege, aber vor allem für gezielte Forschungsprojekte.

Auch für die seit 2013 in NRW bestehende gesetzliche Regelung des sogenannten „Schatzregal“ ist eine Stadtarchäologie für die Kommune von Vorteil. Das „Schatzregal“ besagt, dass Funde von hoher wissenschaftlich Bedeutung automatisch in den Besitz des Landes übergehen. Über eine vertragliche Vereinbarung kann diese Regelung im Fall gelockert werden, sofern die fachlichen Grundlagen dafür vorhanden sind. Bodenfunde im Stadtgebiet können nun in Hagen verbleiben. Sie werden im Archäologiedepot aufbewahrt bzw. im Museum Wasserschloss Werdringen der Öffentlichkeit präsentiert.

Neben der behördlichen Arbeit zu bauplanungsrechtlichen Fragen und frühzeitiger Unterstützung bei der Entwicklung von Bauflächen, ist die Stadtarchäologie auch für die Mitarbeit bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung archäologischer Funde im Depot und im Museum Wasserschloss Werdringen zuständig. Hier besteht schon seit vielen Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Denkmalbehörde und den Instituten des zuständigen Fachdienstes: dem Museum Wasserschloss Werdringen, dem Stadtmuseum und dem Stadtarchiv Hagen.

Die Stadtarchäologie Hagen ist nicht nur für die Außendarstellung der Stadt von großer Bedeutung. Auch innerhalb der fachlichen Infrastruktur der LWL-Archäologie und der Stadt Hagen wird sie eine Schlüsselstellung einnehmen.

Der Abriss droht

12. Juni 2019

Abriss von Block 1 stoppen, Perspektiven für Wehringhausen ermöglichen!

Hier Petition unterzeichnen!

Der städtebaulich wertvolle und denkmalhistorisch schützenswerte Reformwohnblock 1 Minervastraße, Ewaldstraße, Gustavstraße, Lange Straße in Hagen Wehringhausen ist durch die Pläne der GWG (Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft Hagen e.G.) vom Abriss bedroht.

Nach der gegenwärtigen Genehmigungslage könnten die Abrissarbeiten im schlimmsten Falle schon in wenigen Wochen beginnen. Bevor Tatsachen geschaffen und Wertvolles unwiederbringlich zerstört wird, gilt es, sich mit aller Kraft für den Erhalt des Reformwohnblocks einzusetzen.

Über den Wert des Reformwohnblock 1

Der ab 1899 nach einem Entwurf des Architekten Claus Hilker erbaute Reformwohnblock 1 mit 130 liebenswerten Wohneinheiten und seinem großzügigen Gartenhof, bildet zusammen mit der um 1875 erbauten Eicken-Siedlung und dem Reformwohnblock 2 an der Lange Straße in Hagen Wehringhausen, ein architekturhistorisch überregional bedeutendes und erhaltenswertes Gesamtensemble.

Die herausragende Bedeutung des gesamten Ensembles für die Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus von 1870-1914 in Deutschland und auch international, wurde zuletzt durch die Forschung und ein Gutachten von Prof. Dr. Wolfgang Sonne (Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur, TU Dortmund) wissenschaftlich belegt.

Die Stadt Hagen kann sich glücklich schätzen, solch wertvolle historische Bausubstanz von internationaler Bedeutung zu besitzen. Dass mit der Altbauaktivierung vielfältige Vorteile für die Stadt- und Quartiersentwicklung verbunden sind, hat zuletzt 2018 das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Rahmen einer Veröffentlichung festgestellt.

Bund und Länder setzen sich nicht ohne Grund und stärker denn je für den Erhalt des baukulturellen Erbes ein – Beispiele aus Hann. Münden, Lüdenscheid, Plauen und Pößneck zeigen, wie die behutsame Sanierung von identitätsstiftender Altbausubstanz, Städte und Quartiere aufwerten und stärken kann.

Wir appellieren an die Stadt Hagen, sich mit ihrem wertvollen städtebaulichen Erbe auseinanderzusetzen und Perspektiven für dessen Erhalt und die zukünftige Nutzung zu entwickeln. Die Chance, mit der städtebaulich nahezu einmaligen Substanz des Refomwohnblocks überregional und sogar international Strahlkraft zu entwickeln, ist zukunftsweisend. Es sollte deshalb das Ziel der Stadt sein, gemeinsam mit den Menschen in Wehringhausen Perspektiven für den Erhalt und die Nutzung des Wohnblockensembles zu erarbeiten.

Für die zukünftige Nutzung dieses städtebaulich wertvollen Wohn- und Lebensraums gibt es vielfältige Ideen, die teils aus ehrenamtlichen Initiativkreisen im Stadtteil Wehringhausen entwickelt wurden. Diese reichen von Investitionen in generationenübergreifendes Wohnen, bis hin zur Integration einer Kindertagesstätte in die bestehende Blockarchitektur. Vieles ist denkbar, wenn im Planungsprozess Ideen und Bedürfnisse der Bürger gehört werden.

Einseitige Berichterstattung

Wir finden, dass über die Abriss- und Umgestaltungspläne für den Reformwohnblock 1 in Wehringhausen bislang einseitig und unausgewogen berichtet wurde. Aus diesem Grund möchten wir mit unserem Engagement ausdrücklich die Informations- und Diskussionsgrundlage für dieses Thema öffnen und so allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich umfassend zu informieren und teilzunehmen.

Unsere Forderung

Wir fordern die Stadt Hagen auf, den geplanten Abriss des Reformwohnblocks 1 (Minervastraße, Ewaldstraße, Gustavstraße, Lange Straße) in Wehringhausen sofort zu stoppen und den wissenschaftlich belegten, besonderen Wert des Gesamtensembles (Eicken-Siedlung, Reformwohnblock 1 und Reformwohnblock 2) anzuerkennen.

Wir fordern einen offenen Planungsprozeß mit Bürgerbeteiligung und eine ernsthafte Diskussion, die Kompetenzen anerkennt und die Tatsache akzeptiert, dass wertvolle historische Bausubstanz identitätsstiftend und schützenswert ist. Nur durch deren Erhalt, kann die Möglichkeit entstehen, zusammen mit und aus der Geschichte des Stadtteils heraus Zukunftsperspektiven zu ermöglichen.

Wir fordern die Stadt Hagen mit ihrem Oberbürgermeister Erik O. Schulz auf, sich unter Ergreifung aller notwendigen Maßnahmen und unter Berücksichtigung der aktuellen Informationslage, gegen den Abriss und für den Erhalt des Reformwohnblocks 1 einzusetzen.

Hier Petition unterzeichnen!

#BlockIsBeautiful

Mehr Informationen unter: www.blockisbeautiful.info

Führung auf den Spuren der Gebrüder Ludwigs

10. Juni 2019

Das Architekturbüro Gebrüder Ludwigs realisierte eine ganze Reihe unterschiedlicher Bauten im Hagener Stadtraum. Hier als Beispiel die Villa Eppenhauser Str. 151. Foto: Dieter Faßdorf.

Zu einer Führung zu Häusern des Architekturbüros Gebrüder Ludwigs vom Jugendstil zum Expressionismus mit Dr. Elisabeth May lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Dienstag, 18. Juni, von 16 bis 17 Uhr ein. Treffpunkt ist an der Hassleyer Straße 14.

Zwischen 1909 und 1938 realisierte das Architekturbüro Gebrüder Ludwigs eine ganze Reihe unterschiedlicher Bauten im Hagener Stadtraum. Neben so prägnanten Gebäuden wie dem der heutigen Spedition Schenker in Kückelhausen entstanden im Dunstkreis des Stirnbandes, wo Karl Ernst Osthaus eine Villenkolonie begründete, acht Gebäude in verschiedenen Stilen mit Einflüssen aus dem Appenzeller Land. Die Architektur spiegelt den Zeitgeist von drei Jahrzehnten wider: Einflüsse des Jugendstils und des Modernen Bauens bis in die 1930er sind dort zu entdecken.

Die Teilnahmegebühr beträgt 6 Euro und wird vor Ort bar kassiert. Das Serviceteam der VHS bittet um rechtzeitige Anmeldung unter der Kursnummer 1088 über die Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

VHS-Erzählcafé zum Thema Weltwirtschaftskrise

8. Juni 2019

Zum nächsten Gesprächsabend mit Jörg Fritzsche und dem Thema „Schwarzer Freitag – der New Yorker Börsencrash vom Oktober 1929“ lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Freitag, 14. Juni, um 17 Uhr in das Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30, ein.

Der „Schwarze Freitag“ markierte den Beginn der schweren Weltwirtschaftskrise zum Ende der 1920er Jahre, die in vielen Ländern bis in die späten 1930er Jahre andauerte. Ein starker Rückgang der Industrieproduktion und des Welthandels, eine Deflationsspirale, Bankenkrisen sowie Massenarbeitslosigkeit und soziales Elend waren die Folgen. Es ereigneten sich häufig politische Krisen, die unter anderem in Deutschland den Aufstieg des Nationalsozialismus begünstigten.

Welche Ursachen und Verlaufsbedingungen prägten die Krise? Welche Folgen ergaben sich in den einzelnen Ländern und welche Ansätze zur Problembewältigung gab es? Und wie veränderte die Krise das Leben des Einzelnen? All diesen Fragen soll im Laufe dieses Abends nachgegangen werden.

Das Serviceteam der Volkshochschule bittet um Anmeldung unter Kursnummer 1216. Weitere Informationen erhalten Interessierte auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

Führung durch die Andachtshalle des Krematoriums

1. Juni 2019

Zu einer Führung durch die Andachtshalle des Krematoriums in Delstern (Foto: Dieter Faßdorf) mit Dr. Elisabeth May lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Mittwoch, 5. Juni, von 16 bis 17 Uhr ein. Der Treffpunkt ist auf dem Friedhof Delstern, Am Berghang.

Der Entwurf für das Krematorium stammt vom Künstler und Gestalter Peter Paul Behrens, der vom Mitbegründer des Feuerbestattungsvereins und Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus 1905 mit der Planung beauftragt wurde. Fertig gestellt wurde es bereits 1907, konnte aber erst 1912 eröffnet werden, nachdem es erstmals in Preußen eine gesetzliche Regelung zur Feuerbestattung gab.

Architektonisch hob sich das Krematorium mit seinem kubisch geschlossenen, streng symmetrisch gestalteten Baukörper und der für die damalige Schaffensperiode von Behrens‘ typischen, schablonierten Liniendekoration von früheren Entwürfen für Krematorien ab. Als Zeugnis eines Gesamtkunstwerks des Jugendstils ist die Andachtshalle ein Höhepunkt Hagener Architektur. Nach der Führung schließt sich ein Rundgang zu den Prominentengräbern an.

Die Teilnahmegebühr beträgt 6 Euro und wird in bar vor Ort kassiert. Das Serviceteam der VHS bittet um rechtzeitige Anmeldung unter der Kursnummer 1096. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung.

VHS-Erzählcafé zum Thema Grundgesetz

23. Mai 2019

Zum nächsten Gesprächsabend mit Jörg Fritzsche und dem Thema Grundgesetz lädt die Volkshochschule Hagen am Freitag, 24. Mai, um 17 Uhr in das Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30, ein.

Am 24. Mai 1949 wurde das – am Tag zuvor verkündete – Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft gesetzt und damit auf Bestreben der Westmächte die Demokratisierung Westdeutschlands über die Landes- und Kommunalgrenzen hinaus vorangetrieben. Im Mittelpunkt des VHS-Themenabends sollen die Menschen in der Gründungsperiode der beiden deutschen Staaten stehen. Wie erlebten sie die Staatsgründung? Welche Sorgen, Hoffnungen und Bedürfnisse verbanden sie mit der neuen Verfassung? Was machte die junge Bundesrepublik zum Erfolgsmodell?

Wie gewohnt sind auch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen dazu eingeladen, ihre Erinnerungen einzubringen. Das VHS-Serviceteam bittet um Anmeldung unter Kursnummer 1214. Weitere Informationen erhalten Interessierte auf der Seite vhs-hagen.de/anmeldung oder beim Serviceteam unter Telefon 02331/207-3622


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