Archive for the ‘05 Geschichte Hagen’ Category

Hagen – Die Pforte des Sauerlandes 1953

17. Januar 2022

„Hagen – Die Pforte des Sauerlandes“ ist ein Stadtwerbefilm im Gewand eines Kulturfilms. Gekonnt setzt er die ansässigen Geschäfte, Unternehmen und Industrie in Szene, während die Stadt als Schauplatz eher den Rahmen bildet. Auftraggeber waren u.a. die örtliche Sparkasse, eine Buchdruckerei und die Westfalenpost Hagen – wie sich unschwer erkennen lässt. Interessant ist der Film vor allem als filmisches Zeugnis für den beginnenden Wirtschaftsaufschwung der Stadt Hagen in den 1950ern.

Der martialische Tonfall des Sprechers erinnert noch an die Wochenschauen der NS-Zeit. Kameramann Wilhelm Siem war u.a. an dem Propagandafilm „Feuertaufe. Der Film vom Einsatz unserer Luftwaffe im polnischen Feldzug“ (Deutschland 1939/1940) beteiligt, der den Überfall auf Polen als heroischen Siegeszug der deutschen Luftwaffe inszenierte.

Vor diesem Hintergrund verwundert auch kaum diese vertuschende Angabe im Film: „Seit 75 Jahren ist das Kaufhaus Neugebauer, vormals Gebrüder Alsberg, die Einkaufsstätte für moderne Textilwaren.“ Tatsächlich fiel der Firma Neugebauer das Kaufhaus erst in den 1930er Jahren im Zuge der „Arisierungen“, also der Enteignung von Juden, zu.

Produziert wurde das 15minütige Stadtporträt von der Hamburger Firma „Schrader-Film“, die den Film auf 35 mm-Normalfilm und in Schwarzweiß drehte, was zu dieser Zeit dem Standard entsprach. Die Dreharbeiten waren am 2. September 1953 abschlossen und keine zwei Monate später konnte der Film bereits in den Kinos gezeigt werden.

Nach den letzten Vorführungen wurden die beiden vorhandenen Kopien des Films der Stadtbildstelle Hagen zur Aufbewahrung übergeben und 2019 zur Einlagerung an das Filmarchiv des Medienzentrums des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) weitergereicht. Mit Fördermitteln des Landes NRW konnte 2020 die vorliegende Filmkopie digitalisiert werden.

Geschichte Hagens als Teil der Grafschaft Mark

15. Januar 2022

Mit der Geschichte Hagens als Teil der Grafschaft Mark zwischen 1200 und 1700 beschäftigt sich Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff in einem fünfteiligen, wöchentlich stattfindenden Kurs der Volkshochschule Hagen (VHS). Die erste Sitzung findet am Mittwoch, 26. Januar, in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, von 19.30 bis 21 Uhr statt.

Hagen lag jahrhundertelang in der Grafschaft Mark und gilt heute noch als Oberzentrum des „Märkischen Sauerlandes“. Doch was sich hinter der Grafschaft Mark verbirgt, ist oft nicht bekannt. Die Grafen von der Mark zählten im Hochmittelalter zu den mächtigsten westfälischen Regenten im Heiligen Römischen Reich.

Der Kurs betrachtet sowohl die Entstehung und Entwicklung der Grafschaft Mark im Mittelalter als auch ihre weitere Geschichte als Teil Brandenburg-Preußens. Außerdem bietet sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, die wichtigsten aus dieser Zeit erhaltenen Bauten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Teilnahmegebühr beträgt 29 Euro. Informationen zur Anmeldung für den Kurs mit der Nummer 1127 sind beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Internetseite www.vhs-hagen.de erhältlich. Bei der VHS Hagen gilt die 2G-Regel. Teilnehmende werden gebeten, die entsprechenden Nachweise mitzubringen.

„Wundercuren in Scene gesetzt“

10. Januar 2022

Schon 1869 geriet Boeler Hokuspokus in den überregionalen Blick

Der Karnevalsverein „Loßröcke“, beheimatet im Hagener Stadtteil Boele, versteht sich als „Verein zur Pflege alter Sitten und Bräuche“. Gegründet wurde er 1950, aber auch mehr als sieben Jahrzehnte später gibt in Boele eine eher wenig urban geprägte Mentalität den Ton an.

Schon im Jahre 1869 gelangten Nachrichten jener „alter Sitten“, die der Loßrock-Verein bis heute so gerne pflegt, bis nach Leipzig. Dort erschien die Wochenzeitschrift Die Gartenlaube, ein Medium, das später als konservatives Kitschblatt galt und im Imperium Alfred Hugenbergs landete, einem publizistischen Wegbereiter Adolf Hitlers.

In den Anfangsjahren sah das noch ganz anders aus. Ab 1862 gab die Zeitschrift der Verleger Ernst Keil heraus, ein Veteran der Revolution von 1848, der 1852 als „Staatsverbrecher“ zu 9 Monaten Haft verurteilt wurde. „Systemkritische Angriffe“ führten später auch zu einem kurzzeitigen preußischen Verbot der Gartenlaube.

Die Zeitschrift war das erste große erfolgreiche deutsche Massenblatt und ein Vorläufer moderner Illustrierten. Und in der erschien vor mehr als 150 Jahren diese Reportage über Hokuspokus in Boele.

Der Wunderthäter in Boehle.

Ein Beitrag zur Geschichte des modernen Aberglaubens.

Pastor Wilhelm Hecking, 1869Pastor Wilhelm Hecking, Holzstich 1869. Signatur: X.A. v. W.A. = Xylographische Anstalt von (Johann Carl) Wilhelm Aarland.

In Westphalen, etwa eine Stunde von Hagen entfernt, liegt das Dörfchen Boehle, eine katholische Ortschaft inmitten einer vorwiegend protestantischen Bevölkerung. Von den Höhen der umliegenden Berge schauen die Ruinen von Hohenburg und Vollmarstein, die Monumente von „Stein“ und „Vincke“ hernieder; ein fruchtbarer Boden liefert dem Landmann reichen Ertrag, und ringsumher ertönt das Klappern der Hämmer, „wo der Märker Eisen reckt“.

Boehle selbst zeichnet sich durch nichts vor ähnlichen Dörfern aus; kein alterthümliches Gebäude erweckt in uns romantische Gedanken, keine hervorragende Naturschönheit hält uns gefesselt. Dennoch hat dieses kleine Dörfchen seit Jahren im Geruche der Heiligkeit gestanden; von den benachbarten Städten Hagen, Herdecke, Schwerdte etc. pilgerten seit langer Zeit am Frohnleichnamstage große Processionen zur Boehler Kirche, freilich winzig und unbedeutend gegenüber den Wallfahrten, die seit länger denn Jahresfrist zum wunderthätigen Pfarrer in Boehle angestellt werden.

Diese Kranken-Karawanen zeigen sich fast täglich; die Frühzüge der Bergisch-Märkischen Eisenbahn bieten mitunter ein wahrhaft widerwärtiges Bild, und an den Bahnhöfen der Stationen Herdecke, Westhofen, Cabel und Hagen sieht man eine Musterkarte menschlichen Gebrechens und Elends. Irrsinnige Männer und Weiber, Epileptische, Schwindsüchtige im letzten Stadium ihrer Krankheit, Krebsleidende, Gichtbrüchige und Verwachsene werden in die Wartesäle geschleppt; der Zudrang wurde an den Bahnhöfen zu Herdecke und Westhofen so groß, daß die Bahn-Direction zur Aufnahme der Kranken neben den Stationsgebäuden besondere Localitäten errichten mußte.

Von diesen Orten aus wird durch Omnibusse, Droschken und Leiterwagen die Beförderung der Leidenden nach Boehle vermittelt, und sehr oft ist der Zusammenfluß von Hülfesuchenden so stark, daß die Verkehrsmittel nicht ausreichen und manche Kranke genöthigt sind, auf der Streu in Bauernhäusern zu übernachten. Häufig sind fünf- bis sechshundert Personen an einem Tage in der Boehler Kirche, um sich durch Gebet und Händeauflegen des alten Pfarrers Hecking Genesung zu verschaffen.

Das stärkste Contingent lieferte anfänglich das Münsterland, die Heimath jenes Volksstammes, der bekanntlich dem Aberglauben wie kein zweiter in Deutschland ergeben ist, während jetzt die Holländer, Ostfriesen und die Bewohner des Niederrheins hauptsächlich die Wanderschaft zu dem neuen „Schäfer von Nieder-Empt“ unternehmen.

Die Witzblätter „Kladderadatsch“, „Funken“ und „Wespen“ ließen es an Spott und Satire nicht fehlen; die Gesellschaft „Ulk“ in dem benachbarten Haspe arrangirte zur Nachfeier der Hasper Kirmeß einen imposanten Festzug, um in Boehle den verhärteten Katzenjammer wegbeten zu lassen, aber bis heute florirt noch ungehindert der Curirschwindel des alten Pfarrers.

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Reichlich verstrahlt

2. Januar 2022

Hagen war jahrzehntelang in Atomprojekte verwickelt – und die Geschichte ist noch nicht zu Ende

ENERVIE_Zentrale_Zufahrt_Presse_1Wahnvorstellungen waren schon immer ein integraler Bestandteil Hagener Energieunternehmen – und immer mit Rückendeckung der bestens alimentierten politischen Aufsichtsvertreter. Vom Atomwahn über den Größenwahn Ivo Grünhagens bis hin zur lächerlichen Forderung nach einer eigenen Postadresse „Platz der Impulse“. Foto: Enervie.

Zum Jahreswechsel wurden drei weitere deutsche Atomkraftwerke vom Netz genommen. Keine 24 Stunden später tischt die EU-Kommission pünktlich zum Neujahrstag in einem Entwurf die Schnapsidee auf, diese Art von Energieerzeugern weiter finanziell zu fördern – als „nachhaltige“ Anlagen.

Anlass genug, noch einmal an die Rolle Hagener Energiekonzerne samt ihrer politisch besetzten Aufsichtsgremien in der Geschichte der Atomkraft zu erinnern, die endlich in diesem Land zu Ende geht. Die Frage der Entsorgung des stahlenden Mülls ist allerdings bis heute ungelöst – und es könnten noch hohe Kosten auf die Stadt bzw. die Stromverbraucher zukommen.

Die frühen Jahre

Es war die Zeit des Kalten Krieges. Von regierungsamtlicher Seite wurde den Menschen erzählt, gegen die Folgen einer Atombombe könne man sich mit einer Aktentasche über dem Kopf schützen. Da lag es nahe, auch an eine „friedliche“ Nutzung der Kernenergie zu glauben.

In diesen Jahren, genau 1959, erreichte der „Fortschritt“ auch Hagen. Das Kommunale Elektrizitätswerk Mark, besser bekannt als Elektromark und ein Vorläufer der Enervie, gründete gemeinsam mit 14 anderen Energieunternehmen die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor (AVR).

Die Anlage steht in Jülich unmittelbar neben dem Gelände des Forschungszentrums und wurde von 1966 bis 1988 betrieben. Es traten mehrere Pannen und Störfälle auf, Kritiker sehen Indizien, dass der Reaktor sogar havariert ist. Der AVR-Betrieb und mögliche Gefährdungen beim Betrieb wurden 2011 bis 2014 von externen Experten untersucht; laut Abschlussbericht vom April 2014 gab es gravierende verheimlichte Probleme und Fehlverhalten.

Der Rückbau des AVR gilt als außergewöhnlich schwierig, langwierig und teuer. Aber Elektromark bzw. Rechtsnachfolger Enervie hatten viel Glück.

Da die Betreiber sich überfordert zeigten, werden Rückbau und Entsorgung von staatlichen Stellen in Auftrag gegeben und bezahlt. 2003 wurde die öffentliche Hand auch formal Eigentümer des AVR und seines Atommülls. Damit waren die Hagener finanziell aus dem Schneider.

Im Januar 1968 wurden beim Bau des AKW Würgassen erste Proteste gegen Atomkraftwerke laut. Ein SPD-Politiker namens Prof. Karl Bechert forderte: „Die Bevölkerung muss aufstehen wie ein Mann.“ Das hinderte die Elektromark allerdings nicht daran, in das nächste Atomabenteuer einzusteigen.

Der erste Versuch in Hamm

Nach der Ölkrise im Jahr 1973 warb Elektromark-Vorstand Hecker weiter für die Nutzung der Atomkraft.  Das war das Jahr, in dem 500 Traktoren durch den Kaiserstuhl rollten und die Bevölkerung alarmiert war: In Wyhl, mitten im Weinanbaugebiet, war ein Atomkraftwerk geplant.

Hecker argumentierte auf der Hauptversammlung gegenüber den Aktionären, die Elektromark fühle sich als Stromerzeuger durch den von der Bundesregierung angestrebten Ausbau der Kernenergie in der Pflicht – so der Geschäftsbericht – „weil nach dem heutigen Stand der Technik die Kernenergie ihren wachsenden Beitrag zur Energieversorgung nur über die Umsetzung in elektrische Energie leisten kann.“

1975 gründete Elektromark gemeinsam mit den Vereinigten Elektrizitätswerken (VEW) die Kernkraftwerk Hamm GmbH, um einen 1300-MV-Druckwasserreaktor zu bauen. Elektromark hielt an der Gesellschaft einen Anteil von 26 Prozent, das bis dato größte Finanzvolumen für ein Einzelprojekt des Energieversorgers.

Aber die Genehmigung kam nicht so recht voran. Die Elektromark machte dafür „die Einstellung der Landesregierung“ verantwortlich, die von der SPD geführt wurde. Also wich man nach Niedersachsen aus, wo unter der CDU-Regierung des Ministerpräsidenten Ernst Albrecht ein atomgünstigeres Klima herrschte.

Abenteuer im Emsland

1982 wurde die Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH gegründet, im April 1988 ging das AKW Emsland ans Netz. Elektromark hielt eine Beteiligung von 25 Prozent und hatte sich damit wirtschaftlich verhoben, zu viel Kapital war ans Atom gebunden.

Daher beschloss der Aufsichtsrat im Dezember 1993 einschneidende Maßnahmen zur Umstrukturierung des Unternehmens. Dazu gehörte vor allem der Verkauf der Beteiligung am AKW Emsland. Damit waren auch die Kosten für Stilllegung und Entsorgung des Meilers vom Tisch.

In der Folge wurden RWE und VEW mit 20 Prozent des Aktienkapitals Anteilseigner des Hagener Energieversorgers. Möglich wurde diese Veränderung, weil die Stadt Hagen einen Teil ihrer Aktien verkaufte.

Bio-Atomkraft aus regionalem Anbau

Aber die Hagener hatten noch ein weiteres Eisen im atomaren Feuer. 1968 hatten Elektrizitätsunternehmen in Hagen (!) die Hochtemperatur-Kernkraftwerks-GmbH (HKG) gegründet, die einen 300 MW-Reaktor bauen und betreiben sollte. Die Muttergesellschaften waren mittelgroße und kleinere regionale Elektrizitätsversorger, darunter die damalige Elektromark, eine der beiden Vorläufer der heutigen Mark-E.

„Die Befürworter der neuen Technologie sprachen so, als werde hier quasi Bio-Atomkraft aus regionalem Anbau produziert“, beschrieb einmal die Süddeutsche Zeitung die Stimmungslage der damaligen Zeit.

Im Mai 1971 wurde die erste Teilerrichtungsgenehmigung erteilt und im November 1985 wurde der „THTR 300“ genannte Reaktor in Hamm-Uentrop im Betrieb genommen. Das Glück währte allerdings nicht lange: Nach nur 423 Betriebstagen wurde der THTR wegen „Kinderkrankheiten“ vom Netz genommen und 1989 endgültig stillgelegt.

Die Baukosten des THTR wurden 1968 auf 300 – 350 Millionen D-Mark taxiert, zum Zeitpunkt des Baubeginns 1971 waren es schon 690 Millionen und am Ende wurden es dann 4 Milliarden D-Mark, was etwa 2,045 Mrd. Euro entspricht.

Bereits während der Inbetriebnahmephase traten so viele Probleme auf, dass die Stadtwerke Bremen ihren Anteil am THTR zum symbolischen Preis von einer DM an den damaligen HKG-Hauptgesellschafter Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) abgaben, um dem Haftungsrisiko zu entgehen.

Während einer Stillstandsphase ab September 1988 wegen gebrochener Haltebolzen in der Heißgasleitung übermittelte die HKG Ende November 1988 ein „vorsorgliches Stilllegungsbegehren“ an Bundes- und NRW-Landesregierung, um auf ihre prekäre finanzielle Lage aufmerksam zu machen. Die Bremer hatten also noch rechtzeitig den Absprung geschafft, denn anders als prognostiziert hatte sich der Betrieb des THTR als hochdefizitär herausgestellt und die finanziellen Reserven der HKG waren weitgehend aufgebraucht.

Ohne dauerhafte Lösung dieser finanziellen Probleme sah die Aufsichtsbehörde die Voraussetzungen für einen THTR-Weiterbetrieb nicht mehr als gegeben an, und der Reaktor blieb abgeschaltet. Im Sommer 1989 geriet die HKG dann an den Rand der Insolvenz und musste, da die Muttergesellschaften der HKG ohne höhere staatliche Zuschüsse keine weiteren Zahlungen leisten wollten, durch die Bundesregierung mit 92 Mio. DM und das Land NRW mit 65 Mio. DM gestützt werden.

Die Ruine könnte für Hagen noch teuer werden

Der Reaktor selbst wurde bis 1997 in den sogenannten „sicheren Einschluss“ überführt und verursacht weiter Kosten in Höhe von 6,5 Mio. Euro jährlich. Die HKG (heute nur noch zwei Beschäftigte – aber drei Geschäftsführer!) beziffert die Kosten für Stillegung und „sicheren Einschluss“ bis Ende 2009 auf insgesamt 425 Millionen Euro.

Die Aufwendungen für Demontage und Entsorgung des strahlenden Schrotts werden inzwischen auf 1 Milliarde Euro taxiert. Ohne die Kosten der Endlagerung wohlgemerkt. In einer Studie der Hertie School of Governance von 2015 wird der THTR zu den grössten Fehlentwicklungen bei deutschen Projekten der vergangenen 55 Jahre gezählt.

Dank großzügiger Förderung durch Bund und Land mussten die Anteilseigner der Betreibergesellschaft nur gut 8 Prozent der Baukosten aufbringen. Bei Stillegung und Einschluss waren sie schon mit einem Drittel der Kosten beteiligt. Die Verteilung beim Abriss steht völlig in den Sternen.

Sollten die Kosten vollständig von der HKG getragen werden müssen, entfielen auf die Hagener Enervie gemäß ihres Anteils 260 Millionen Euro. In 2012 verfügte die HKG nur noch über Eigenmittel von 41,5 Mio €. Inzwischen sind auch die aufgebraucht. Aber – es waren Cleverles am Werk: Wegen der Rechtsform als GmbH soll eine Durchgriffshaftung auf die HKG-Gesellschafter zur Deckung der Entsorgungskosten nicht möglich sein, sodass die Kostenübernahme ungeklärt ist.

Enervie spielt die Risiken im gewohnten Stil herunter: Im Geschäftsbericht 2013 (ein neuerer ist nicht auffindbar – auch bezeichnend) firmiert die HKG nur als „Unternehmen (…) untergeordneter Bedeutung“ gemäß § 311 Absatz 2 HGB. Danach muss eine Beteiligung an einem assoziierten Unternehmen nicht in den Konzernabschluss einbezogen werden, „wenn die Beteiligung für die Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns von untergeordneter Bedeutung ist.“

Ein klassisches Schlupfloch für Bilanzakrobaten, denn der Absatz 1 desselben Paragraphen schreibt eigentlich die Miteinbeziehung bei „maßgeblichem Einfluss“ vor: „Ein maßgeblicher Einfluss wird vermutet, wenn ein Unternehmen bei einem anderen Unternehmen mindestens den fünften Teil der Stimmrechte der Gesellschafter innehat.“ Enervie hat mit 26 Prozent mehr als ein Viertel und überschreitet damit sogar die Sperrminorität von 25 Prozent.

Bei Enervie baut man offenbar darauf, das Problem einfach auszusitzen; die heutige Generation der Manager und politisch Verantwortlichen wird dann, wenn es zum (finanziellen) Schwur kommt, schon den Ruhestand genießen. Motto: Nach mir die Sintflut.

Denn frühestens 2027, nach teilweisem Abklingen der Radioaktivität, kann endgültig mit dem Abriss begonnen werden. Dafür werden etwa 20 Jahre veranschlagt. Die Endabrechnung erfolgt also 2047 – 58 Jahre nach der Stillegung.

Ausgrabung an der Blätterhöhle für dieses Jahr beendet

18. Dezember 2021

LWL-Archäologie und Stadtarchäologie Hagen planen für 2022

Rund drei Monate dauerte die Ausgrabungskampagne an der Hagener Blätterhöhle dieses Jahr. Das Archäologie-Team des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadtarchäologie Hagen sind derzeit mit den Auswertungen der Ergebnisse befasst, planen bereits die nächste Kampagne im kommenden Jahr. Für dieses Jahr zählte zur Ausbeute an Funden vom Ende der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren Tierknochen, Teile von Werkzeugen und eine Pfeilspitze.

Eiszeit auf dem Höhlenvorplatz

Wolfgang Heuschen ist der Grabungsleiter für die diesjährige Ausgrabung bei der Hagener Stadtarchäologie angestellt worden. Er kennt die Höhle und ihre archäologische Forschungsgeschichte gut: „Da wir dieses Jahr im äußeren Randbereich der Siedlungsaktivitäten der späteiszeitlichen Jäger und Sammler gegraben haben, kamen erwartungsgemäß wenig Funde zu Tage“, sagt Heuschen. Darunter waren Tierknochen, Steinartefakte wie ein sogenannter Kern für die Klingenherstellung, eine Pfeilspitze und Gerölle, die als Arbeitsunterlagen der damaligen Menschen gedient haben.

Die Hagener Stadtarchäologin Mirjam Kötter freut sich über die Funde: „Sie fügen sich sehr gut in das bislang ergrabene Spektrum an späteiszeitlichen Hinterlassenschaften an diesem Fundplatz ein.“ Zudem entnahm ein Team um Prof. Martin Kehl von der Universität zu Köln zahlreiche Sedimentproben, um sie naturwissenschaftlich zu untersuchen. Deren Ergebnisse sollen, so hoffen die Fachleute, neue Erkenntnisse über die Entstehung und das Alter der verschiedenen Erdschichten des Höhlenvorplatzes liefern.

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Das HagenBuch 2022 ist erschienen

17. Dezember 2021

Für alle Menschen, die sich für Hagen interessieren, ist das jährlich erscheinende „HagenBuch“ ein „Muss“. Jetzt, wie immer kurz vor Weihnachten, ist die neue Ausgabe auf den Markt gekommen. Der Hagener Heimatbund als Herausgeber, Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff als Reaktionsleiter und der Ardenkuverlag präsentieren in der 2022er-Ausgabe eine große Bandbreite an Themen (Foto: Petra Holtmann/Ardenkuverlag).

Dabei gibt es zwei Themenkomplexe, die besonders im Mittelpunkt stehen. Unter dem Schwerpunktthema „HagenNetz, Verbindungen, Verknüpfungen und Netzstrukturen in und mit Hagen“ berichtet der Vorsitzende Erich G. Fritz über die Georg-Kraus-Stiftung. Claudia Eckhoff stellt das Eine-Welt-Netzwerk rund um das Hagener AllerWeltHaus vor. Und der Ingenieur Hartwig Willmes zeigt auf, wie umfangreich die Wehringhauser „Accu“, also die Varta, im Verlauf ihrer Geschichte immer mal wieder mit der „Elektromobilität“ experimentiert hat.

Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich Karl Ernst Osthaus – Anlass hierfür ist sein Todestag, der sich im Jahr 2021 zum 100. Mal jährte. Elisabeth May hat zu der von Fritz Schumacher entworfenen Villa für Heinrich Eduard Osthaus, dem Mitinhaber des Bankhauses Osthaus, neue und bisher unveröffentlichte Erkenntnisse zu Tage gefördert. Außerdem hat Elisabeth May „Stimmen aus aller Welt“ zusammengetragen, die 1921 nach dem Tod von Osthaus veröffentlicht worden sind.

Zum „Osthaus-Themenkomplex“ gehört auch der Beitrag der jungen Historikerin Karoline Urbitzek, die den berühmten „Schwanenteppich“, der im Hohenhof hängt, unter die kunsthistorische Lupe genommen hat. Und Pablo Arias Meneses beschäftigt sich mit dem Verkauf des Folkwang-Museums – bekanntlich wurde es von der Stadt Essen erworben, aber auch die bayrische Hauptstadt München hatte vorübergehend Interesse bekundet.

Birgit Ebbert lockt die Leserinnen und Leser in den Hohenlimburger Märchenwald, mit dem in Hagen zahlreiche Kindheitserinnerungen verbunden sind. Jens Bergmann erzählt die 30-jährige Erfolgsgeschichte der auch künstlerisch wichtigen Firma Metallbau Scholz. Hubert Köhler widmet sich diesmal der Geschichte der Kinowerbung in den Hagener Lichtspielhäusern anhand der früher üblichen Dias. Thomas Eckhoff berichtet aus eigenem Erleben von einer ganz besonderen Tradition der Hasper Kirmes, den legendären Wasserschlachten zwischen Freiwilliger Feuerwehr Haspe und den Kameraden der Berufsfeuerwehrwache West. Neben seiner Aufgabe als leitender Redakteur würdigt Michael Eckhoff den heimischen Künstler Uwe Will, der mit ungebrochener Schaffenskraft 2021 seinen 80 Geburtstag feiert.

Ein besonders berührender Beitrag hat mit der nationalsozialistischen Diktatur zu tun – der Wehringhauser Historiker Rainer Stöcker stellt „Gefährliche Liebschaften unterm Hakenkreuz“ vor, die für die betroffenen Frauen meist mit langjährigen Haftstrafen endeten.

Das Buch umfasst insgesamt rund 30 Beiträge, die auf über 300 reich bebilderten Seiten nachzulesen sind. Der Preis konnte erneut stabil gehalten werden. Da alle Autorinnen und Autoren ehrenamtlich arbeiten, kostet auch der 2022er-Band wieder nur 15 Euro. Hagener Heimatbund (Hg.): HagenBuch 2022, ISBN 978-3- 942184-62-5.

Jüdischer Friedhof in Hohenlimburg soll Kulturdenkmal werden

7. Dezember 2021

Antrag der SPD-Fraktion im Kulturausschuss

Jüdischer_Friedhof_Hohenlimburg_1Eingangstor zum Jüdischen Friedhof in Hohenlimburg-Elsey. Foto: Klaus Bärwinkel (CC BY-SA 4.0).

Im Rahmen des Projektes „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ fand in diesem Jahr auch eine Führung über den kaum bekannten Jüdischen Friedhof in Hohenlimburg statt. Im Rahmen der Veranstaltung wurde die Anregung für ein Kulturdenkmal an den Dozenten Pablo Arias vom Rahel-Varnhagen-Kolleg herangetragen.

In einem Antrag für die heutige Sitzung des Hagener Kulturausschusses fordert die SPD die Verwaltung auf zu prüfen, inwieweit der Jüdische Friedhof in Hohenlimburg als Kulturdenkmal eingestuft und ausgewiesen werden kann und welche finanziellen Förderungen zur Herrichtung und zum Erhalt durch das Land NRW und/oder den Bund in diesem Zusammenhang möglich wären.

Die älteste Belegung des Friedhofs erfolgte im Jahre 1886, der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1823. Er wurde von dem aufgegebenen ehemaligen älteren Friedhof zwischen Heidestraße und Iserlohner Straße umgesetzt. Ein Gedenkstein erinnert an die jüdischen Opfer der NS-Herrschaft. Der Friedhof ist auch Kriegsgräberstätte für 59 Kriegstote aus dem Zweiten Weltkrieg, darunter 54 sowjetische Zwangsarbeiter.

Der Friedhof gilt seit 1995 offiziell als „Baudenkmal“. Bei einem Kulturdenkmal würde hinzukommen, dass dem Objekt ein besonderer „historischer Wert“ zuerkannt wird.

Bereits in der Denkmalurkunde der Stadt Hagen wird darauf hingewiesen, dass am Erhalt des Jüdischen Friedhofs ein öffentliches Interesse bestehe: „Er ist bedeutend für die Geschichte der Menschen, insbesondere der jüdischen Gemeinde Hohenlimburg.“ Zudem sprächen religionswissenschaftliche Gründe für das öffentliche Interesse an Erhaltung und Nutzung des jüdischen Friedhofs. Er zeige die Bedeutung des Gedenkens an die Toten, wie es im jüdischen Glauben praktiziert wird.

Vortrag über „Die Zerstörung der Weimarer Republik und die Rolle der Hohenzollern“

9. November 2021

Vortrag_im_Kunstquartier_19340902_denkmal_hagen_maxAm 2. September 1934 wurde im Landgerichtsviertel das Denkmal für das Reserve-Infanterie-Regiment 57 eingeweiht. Unter den Gästen war auch Wilhelm Prinz von Preußen (4. v.l.). Foto: Stadtarchiv Hagen.

Die Geschichtsfreunde Hagen e.V. laden am Mittwoch, 17. November, um 18.30 Uhr zu einem Vortrag des Historikers Prof. Dr. Peter Brandt im Kunstquartier Hagen, Museumsplatz 1, ein. Der Dozent ist langjähriger Professor und Lehrstuhlinhaber für Neuere und Neueste Geschichte an der FernUniversität in Hagen und wird in seinem Vortrag die Aktivitäten des Kronprinzen Wilhelm von Preußen sowie anderer Familienmitglieder in den größeren Zusammenhang der Zerstörung der Republik stellen.

Im September dieses Jahres hat der Historiker Stephan Malinowski seine aktuelle Untersuchung über die Hohenzollern und die Nazis vorgelegt und kommt zu dem Ergebnis, dass es eine „Geschichte der Kollaboration“ ist. Für das Magazin „Der Spiegel“ sind die Forschungskontroverse und die öffentliche Auseinandersetzung um das Erbe der Hohenzollern, die diese Kontroverse auslöste, „der bedeutendste geschichtspolitische Konflikt des Landes“.

Für Prof. Dr. Peter Brandt und viele andere Historikerinnen und Historiker trugen die Hohenzollern in erheblichem Maße zum Aufstieg der Nationalsozialisten bei. Der Antirepublikanismus zeige sich aber nicht erst mit dem Aufstieg der Nazis, sondern sei so alt wie die Weimarer Republik selbst, zu der die Hohenzollern nach dem Machtverlust 1918 in Fundamentalopposition standen.

Da es bei dem Streit nach dem Ausgleichsleistungsgesetz von 1994 um Entschädigungen für Schlösser, Villen und tausende Kunstwerke, also um viel Geld, geht, versuchen die Hohenzollern schon seit Jahren ein anderes Bild in der Öffentlichkeit zu zeichnen. Danach wird Kronprinz Wilhelm als argloser Sportsmann oder Hitler-Gegner dargestellt, dessen Sohn Louis Ferdinand dem Widerstand gegen Hitler nahegestanden habe.

Im Anschluss an den Vortrag besteht für alle Teilnehmenden die Gelegenheit zur Diskussion. Im Kunstquartier gilt die 3G-Regel mit Ausweispflicht und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Aufgrund der begrenzten Anzahl von Sitzplätzen ist eine vorherige Anmeldung unter Telefon 02331/3060066 notwendig.

Gedenkrundgang anlässlich der Pogromnacht

7. November 2021

Anlässlich der Pogromnacht laden die Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung, Natalja Chupova und Frank Fischer, alle Bürgerinnen und Bürger zu einem Gedenkrundgang zusammen mit Bürgermeisterin Karin Köppen am Dienstag, 9. November, ab 17 Uhr ein. Bei dem Rundgang erfahren sie Informationen zu den Orten jüdischen Lebens in Hagen sowie zu den Orten, die in der Pogromnacht 1938 eine besondere Rolle gespielt haben.

Der Start des Gedenkrundgangs ist vor der Commerzbank, Elberfelder Straße 47. Hier stand das älteste Kaufhaus Hagens. Die zweite Station ist der Rathausturm auf dem Friedrich-Ebert-Platz. Danach geht es weiter zu der dritten Station vor dem Schuhgeschäft Salamander, Marienstraße 1. Hier war in dem ehemaligen Textilgeschäft Sally Schlesinger seit Anfang der 1920er Jahre ein Schuhgeschäft, in dem der Inhaber Rosenbaum Schuhe der Marke Salamander verkaufte. Vor der Buchhandlung am Rathaus, Marienstraße 5 bis 7, ist die vierte Station des Gedenkrundgangs.

Von dort geht es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter zu der fünften Station vor der Stadtbäckerei Kamp in der Rathaus Galerie, Mittelstraße 20. Die sechste Station ist vor dem Telekommunikationsgeschäft beu.com, Mittelstraße 1, wo ab 1853 das Porzellangeschäft Moritz Bachrach seinen Sitz hatte. Die evangelische Johanniskirche am Markt ist die siebte Station. Die letzte Station des Rundgangs ist die Synagoge in der Potthofstraße 16. Hier mündet der Rundgang in das offizielle Gedenken der Stadt Hagen um 18 Uhr.

Kolonialismus und Ruhrgebiet

5. November 2021

Eine digitale Experten-Talkrunde

Ruhr Global Kolonialismus Pixabay Evgeni TcherkasskiDas Ruhrgebiet zeigt sich heute gern hipp, modern, stylisch und weltoffen wie hier am Dortmunder Phoenixsee. Foto: Pixabay/Evgeni Tcherkasski.

Kolonialismus und Ruhrgebiet verbindet viel. Deutliche Spuren lassen sich bis heute vielerorts finden und der Umgang damit ist oft schwierig und unbequem. Zu einer digitalen Experten-Talkrunde dazu auf Zoom und Youtube lädt die Reihe „Ruhr Global“ am Donnerstag, 18. November, ab 19 Uhr ein. Das AllerWeltHaus Hagen gehört zum Veranstalterkreis. Der Hagener Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff als Technik- und Regionalhistoriker wird die Talkrunde moderieren.

Das Ruhrgebiet ist weit entfernt von den einstigen Kolonien, könnte man meinen. Und doch lassen sich vielfältige Spuren der kolonialen Vergangenheit auch in der Metropole Ruhr finden. Straßennamen und Denkmäler sind als manifeste Dokumentationen des kolonialen Engagements und als Ausdruck gelebter Erinnerungskultur bis heute augenfällig. Allerdings ist im öffentlichen Bewusstsein wenig davon präsent, wie weitreichend die Verbindungen von Wirtschaft und Industrie des Ruhrgebietes zu kolonialen Aktivitäten waren. Wie stark und wo sind Prägungen aus der Kolonialzeit in heutigen Handels-, Wirtschafts- und soziokulturellen Strukturen im Ruhrgebiet noch sichtbar?

Gäste des Abends sind Ruth Weiss, Journalistin und Zeitzeugin des Kolonialismus im südlichen Afrika, Detlev Brum, Autor des Online-Portals www.dortmund-postkolonial.de und Bunmi Bolaji, Interkultureller Promotor für Eine Welt Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit im Ruhrgebiet.

Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_BADagCw4QtawPuebLddp4A

Geschichtsfreunde zu Gast in der Stadtbücherei

3. November 2021

Zum 275-jährigen Jubiläum der Stadt Hagen präsentieren die Geschichtsfreunde Hagen in der Stadtbücherei auf der Springe, am Samstag, 6. November, um 11 Uhr, einen Kalender, der 24 markante Orte mit Bildern und Texten aus Vergangenheit und Gegenwart darstellt und miteinander verbindet.

Dieser führt unter anderem zu monumentalen Repräsentationsbauten, zu Orten verschiedener religiöser Identität und Zeugnissen der Unterdrückung politisch anders Denkender. Darüber hinaus wird die Geschichte des Arbeits- und Alltagslebens in Hagen erzählt. Themen sind: Die Springe im Revolutionsjahr 1848/1849 und heute, Leben und Wohnen auf Emst, Lagerfeuer am Bismarckturm und Brauerei Bettermann – eine verpasste Gelegenheit.

Die Kalender sind am Tag der Präsentation vor Ort erwerblich.

Einblicke in die Geschichte der Hasper Hütte

28. Oktober 2021

Einen spannenden Einblick in die Geschichte der Hasper Hütte können Interessierte bei einem Vortrag der Volkshochschule Hagen (VHS) am Donnerstag, 4. November, um 19.30 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, erhalten.

Im Juli 2022 jährt sich zum 50. Mal das „Aus“ für wesentliche Teile der Hasper Hütte. Damals leuchtete zum letzten Mal das berühmte „Hasper Gold“ über dem Tal, wenige Monate später mussten auch die Gussstahlwerke Wittmann schließen.

Bei diesem stadtgeschichtlichen Vortrag wird Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff die Geschichte der Hasper Industrie aufleben lassen, in deren Mittelpunkt jahrzehntelang die Hochöfen und Stahlwerke der „Hütte“ standen. Auch der Sanierung des Hüttengeländes, ihren Zielen, Ergebnissen und einigen weiteren Ereignissen der Hasper Geschichte wird sich der Vortrag widmen.

Weitere Informationen zur Anmeldung für den Vortrag mit der Kursnummer 1110 erhalten Interessierte auf der Internetseite www.vhs-hagen.de oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622. In der VHS gilt die 3G-Regel.

Hohenhof-Garten soll restauriert werden

17. Oktober 2021

Hohenhof Garten Ist-ZustandIst-Zustand des Gartenbereichs der Villa Hohenhof …

Hohenhof Garten Planung… und die Planung (Fotos: RVR/Stadt Hagen)

Die historische Gartenanlage der Villa Hohenhof soll rekonstruiert werden. Das beschloss der Hagener Stadtrat einstimmig.

Die Stadt Hagen hat sich mit der Villa Hohenhof in die Vorbereitung und Planung der IGA Metropole Ruhr 2027 auf der Ebene „Unsere Gärten“ eingebracht. Der Projektbeirat hat diese Maßnahme im Rahmen des Filter- und Qualifizierungsprozesses gewürdigt und – versehen mit dem ersten Stern – in die Liste der investiven Projekte der Ebene „Unsere Gärten“ aufgenommen.

Der Hohenhof, den der belgische Künstler und Architekt Henry van de Velde (1863-1957) als Wohnhaus für den Hagener Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus (1871-1921) und seine Familie gebaut hat, zählt zu den bedeutendsten architekturgeschichtlichen Gebäuden Europas. Wohnhaus und Gartenanlage wurden kurz nach der Jahrhundertwende gebaut und sind eines der wenigen erhaltenen Beispiele für ein Jugendstil-Gesamtkunstwerk.

Das Gebäude mit der dazugehörenden Remise und großzügigen Garten- und Parkanlage bildet den südöstlichen Abschluss des Areals, der von Karl Ernst Osthaus am Anfang des 20. Jahrhunderts initiierten, jedoch unvollendet gebliebenen „Gartenvorstadt Hohenhagen“. Gegenstand der vorliegenden Planung ist die Wiederherstellung der Park- und Gartenanlage nach historischem Vorbild auf der Grundlage der vorliegenden Ausführungsplanung des Büros Landschaftsarchitektur Ehrig, Bielefeld.

Die Gartenanlage des Hohenhof setzt sich zusammen aus einem gärtnerisch intensiv gestalteten Teil im unmittelbaren Umfeld des Gebäudekomplexes sowie einem weitestgehend landschaftlich belassenen Bereich in dessen weiterem Umfeld. Die Planung stützt sich auf zahlreiche historische Quellen und sieht grundsätzlich die Wiederverwendung von in der Gartenanlage lagernden Materialien vor.

Nach der Wiederherstellung der baulichen Strukturen wird die dazugehörende Vegetation angelegt, wie etwa die Allee aus Rotdornen, (Obst-)Baumhaine, Hecken- und Strauchpflanzungen, Staudenrabatten, Wiesen- und Rasenflächen.

Für das Bepflanzungskonzept engagierte Karl Ernst Osthaus, der auch langjähriges Mitglied der Deutschen Gartenstadtgesellschaft war, im Jahr 1913 den Gartenarchitekten und Landschaftsplaner Leberecht Migge, der wie er selbst und auch van de Velde Mitglied im Deutschen Werkbund war. Migge sollte, unter Berücksichtigung der durch van de Velde angelegten Grundstrukturen, neue Bepflanzungspläne konzipieren. Außerdem entwickelte Migge den durch eine südliche Erweiterung des Gartens hinzugewonnenen Waldbereich sowie den sog. Anger.

Denn zur Gesamtanlage des Gartens der Villa Hohenhof gehören auch diese natürlich belassenen Wald- und Wiesenbereiche, die heute teils als geschützter Landschaftsbestandteil und teils als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind und als Wald im Sinne des Gesetzes gelten. Der geschützte Landschaftsbestandteil bleibt durch die Maßnahme unangetastet, ihm wird lediglich ein Saumbiotop vorgelagert.

Ziel ist, den Hohenhof in seiner Gesamtheit wieder stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stellen und so auf das einzigartige Zeugnis der Bau- und Gartenkunst aus der Epoche Anfang des 20. Jahrhunderts hinzuweisen. Darüber hinaus soll ein Beitrag zur Klima-Resilienz der Anlage selbst und seines Umfeldes durch Anpflanzung neuer Gehölze und Sträucher und die Schaffung neuer Grünbereiche geleistet werden. Durch die Verbesserung der Aufenthaltsqualität entsteht zukünftig ein besonderer, attraktiver Ort der Erholung im innerstädtischen Raum.

Auf lokaler und regionaler Ebene kann die wiederhergestellte Gartenanlage des Hohenhofs einen Betrag zur Verbesserung des Naturerlebens unmittelbar vor der eigenen Haustür leisten. Dank der neuen, angepassten Wegeführungen, erschließen sich Erkundungsrouten durch die einzelnen Gartenteile.

Dank der geschaffenen Ruheplätze und Sitzmöglichkeiten mit Ausblick, können die Besucher hier zur inneren Ruhe und Einkehr gelangen. Langfristig soll das Gesamtkunstwerk Hohenhof landes- und bundesweit zum dauerhaften Anziehungspunkt mit ganzjährigen Nutzungs­angeboten für Kultur, Freizeit und auch Dienstleistungen (z. B. Ambientetrauungen) und damit zu einem wichtigen Identifikationsort von überregionaler Ausstrahlung gemacht werden.

Hagener Unternehmerfamilien im Filmporträt

15. Oktober 2021

Einen Kurs zu Hagener Unternehmerfamilien im Filmporträt bietet die Volkshochschule Hagen (VHS) gemeinsam mit dem Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen am Dienstag, 26. Oktober, von 18 bis 19.30 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, an.

Familienunternehmen prägen seit über 200 Jahren die Industriekultur im Hagener Raum. Das Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität hat Interviews mit Nachfahren aus Hagener Familienunternehmen geführt und sie nach der besonderen Verbindung von Familie und Betrieb gefragt. Aus den Interviews wurden filmische Porträts.

Vorgestellt werden das 1829 in Hohenlimburg gegründete Kaltwalzunternehmen C.D. Wälzholz GmbH und Co. KG und die Brennerei August Eversbusch OHG, die seit 1817 in Haspe den Doppelwachholder brennt. Dabei gibt das Institut einen kurzen Einblick in die historisch-biografische Forschung und stellt seine Arbeitsweise vor.

Informationen zur Anmeldung für den Kurs mit der Nummer 1790 erhalten Interessierte beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Internetseite www.vhs-hagen.de. In der VHS gilt die 3G-Regel.

Vortrag über Heinrich Wieschhoff

4. Oktober 2021

Einen kostenlosen Vortrag über den Hagener Diplomaten und Ethnologen Heinrich Wieschhoff bietet die Volkshochschule Hagen (VHS) am Mittwoch, 6. Oktober, von 18 bis 19.30 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, an.

Der bedeutende Diplomat und Ethnologe Heinrich Wieschhoff (1906-1961) ist in seiner Geburtsstadt Hagen kaum bekannt. Nach seinem Studium unternahm er eine große Forschungsreise durch Südafrika. Er wanderte in die USA aus, stieg als Diplomat bei den Vereinten Nationen auf und wurde enger Mitarbeiter des UNO-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld. Beide starben bei einem Flugzeugabsturz in Zentralafrika. Anlässlich des 60. Todestages von Wieschhoff erinnert Dr. Fabian Fechner von der FernUniversität Hagen an den ungewöhnlichen Hagener.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe „Hagen. Heimat. Bunt“ statt, die das AllerWeltHaus in Kooperation mit dem Hagener Heimatbund zum 275. Hagener Stadtjubiläum konzipiert hat. Eine Anmeldung ist unter Angabe der Kursnummer 1442 beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Internetseite www.vhs-hagen.de erforderlich. In der VHS gilt die 3G-Regel.

Wehringhausen: Rundgang zur Architektur um 1900

24. September 2021

Einen Stadtteilrundgang durch Wehringhausen mit Dr. Elisabeth May zur abwechslungsreichen Architektur um 1900 veranstaltet die Volkshochschule Hagen (VHS) am Mittwoch, 29. September, von 16 bis 18 Uhr. Treffpunkt ist vor der Springmann-Villa, Christian-Rohlfs-Straße 49.

Die topografischen Gegebenheiten des Stadtteils Wehringhausen finden sich auch städtebaulich in dem gesellschaftlich-hierarchischen Aufbau des Wohnviertels wieder. Oben, an den Stadtgarten grenzend, entstand ein exponiertes Baugebiet nach den Gründerjahren. Im Buschey-Viertel zeugen prächtige Villen von einer glanzvollen Zeit. Die Beamtenwohnhäuser im mittleren Bereich des Viertels sind ebenso ansehnlich wie die weiter bergab gelegenen Arbeiterwohnhäuser mit den ansprechenden Fassadengestaltungen.

Die Teilnahmegebühr von 6 Euro wird vor Ort in bar kassiert. Anmeldungen nimmt das Serviceteam der VHS unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1164 unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de entgegen.

Filme aus der Hagener Stadtgeschichte

21. September 2021

Alte Filme aus der Hagener Stadtgeschichte zeigt die Volkshochschule Hagen (VHS) anlässlich des Stadtjubiläums 275 Jahre Stadt Hagen am Freitag, 1. Oktober, von 19 bis 21 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38. Die Filme stammen aus der ehemaligen Stadtbildstelle Hagen. Christian Bönisch hat diesen Schatz gerettet und wird sie zusammen mit Lothar Handge an dem Filmeabend vorführen.

Gezeigt werden die schwarzweißen Stummfilme „Hagen – Die Pforte des Sauerlandes“ (1927) und „Der Mensch, mit dem ich lebe“ (Mitte der 1950er Jahre) sowie die schwarzweißen Tonfilme „Hagen – Die Pforte des Sauerlandes“ (1953) und „Friedrich Harkort. Ein Industriepionier“ (1960). Außerdem können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Farbfilme „Stadt zwischen Erz und Kohle“ (1959) und „Ingenieure für morgen – Die Ingenieursschule in Hagen“ (1968) freuen.

Einige Filme werden wie früher mit einem 16mm-Filmprojektor vorgeführt, der Eintritt kostet 4 Euro. Wegen der Coronaschutzmaßnahmen ist eine Anmeldung unter der Kursnummer 1126 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 notwendig. In der VHS gilt die 3-G-Regel.

Auf den Spuren der Gebrüder Ludwigs

11. September 2021

Vom Jugendstil zum Expressionismus

An einem Rundgang der Volkshochschule Hagen (VHS) zu den Häusern des Architekturbüros Gebrüder Ludwigs in Hagen können Interessierte am Mittwoch, 15. September, von 16 bis 17 Uhr teilnehmen. Unter der Führung von Dr. Elisabeth May werden dabei Baudenkmäler aus der Zeit des Jugendstils bis zum Expressionismus erklärt.

Zwischen 1909 und 1938 realisierte das Architekturbüro Gebrüder Ludwigs eine ganze Reihe unterschiedlicher Bauten im Hagener Stadtraum. Neben prägnanten Gebäuden wie der heutigen Spedition Schenker in Kückelhausen entstanden im Dunstkreis des Stirnbandes, wo Karl Ernst Osthaus eine Villenkolonie begründete, acht Gebäude in verschiedenen Stilen mit Einflüssen aus dem Appenzeller Land. Die Architektur spiegelt den Zeitgeist von drei Jahrzehnten wider: Einflüsse des Jugendstils und des Modernen Bauens bis in die 1930er Jahre sind dort zu entdecken.

Der Treffpunkt ist an der Haßleyer Straße 14. Die Teilnahmegebühr für den Kurs mit der Kursnummer 1162 beträgt 6 Euro und wird vor Ort bar bezahlt. Die VHS bittet um rechtzeitige Anmeldung entweder unter Telefon 02331/207-3622 oder über die Internetseite www.vhs-hagen.de.

Denkmaltopographie Hagen

10. September 2021

Kunsthistoriker im Hagener Stadtgebiet unterwegs

In zwei Jahren ein umfassendes Werk über die Hagener Denkmallandschaft verfassen: Das ist seit dem 1. Mai dieses Jahres die Aufgabe von Denkmaltopograph Dr. Roland Feitenhansl. In enger Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erarbeitet er einen Katalogband über bereits erfasste Bau- und Bodendenkmäler sowie übergreifende Beiträge zur Hagener Denkmallandschaft.

Start der Aufzeichnungen in Haspe

Nachdem Dr. Roland Feitenhansl sich zunächst einen ersten Überblick über die Denkmäler im Stadtgebiet gemacht hat, konnte er zuletzt den Bereich Haspe erkunden und eine erste Prüfliste von Objekten erstellen, die ebenfalls bedeutend für das Stadtbild und die Ortsgeschichte sein könnten.

„Das Besondere an dem Stadtteil Haspe ist die Vielfältigkeit der Architektur und ihr Zusammenwirken innerhalb der einzelnen Straßenzüge, Plätze und Grünanlagen“, so beschreibt der Denkmaltopograph, der kein gebürtiger Hagener ist und die Stadt zunächst neu kennenlernen muss, Haspe und seine historische Bebauung. „Hier befindet sich eine Mischung aus Friedhofsanlagen, Wohnhäusern, Villen, Industrie- und Gewerbeanlagen sowie Schul- und Sportanlagen, die alle gemeinsam das Stadtbild prägen und spannende Geschichten in sich bergen.“ Doch nicht nur Einzelbauwerke sind für den Topographen interessant, auch ganze Straßenzüge, Baublöcke und Platzanlagen werden von ihm unter die Lupe genommen.

Erfassung seltener Objekte

Gleich zu Beginn ist dem Denkmaltopographen die dreifache Friedhofsanlage „Auf dem Mops“ mit ihrem evangelischen, katholischen und städtischen Teil aufgefallen. „So etwas sieht man auch nicht alle Tage“, betont der Experte. „Genauso wie die terrassenförmige Urnengrabanlage aus der Zwischenkriegszeit und die authentisch aus den 1950er Jahren überlieferte Trauerhalle mit ihrem ausdrucksstarken Tiefenrelief „Der Lebenszyklus“ von Karel Niestrath, der in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden wäre.“

In der Grünanlage „Im Zipp“, dem früheren evangelischen Friedhof, gibt es außerdem eine Reihe von historischen Grabsteinen, die noch in einer Art Dornröschenschlaf schlummern. Darunter befindet sich auch der Stein des bedeutenden Hasper Industriellen, Gustav Lehrkind.

Erschließung von Privatbesitz oft schwierig

Neben öffentlichen Gebäuden und Anlagen, die für Feitenhansl jederzeit zugänglich sind und zumindest von außen fotografisch dokumentiert und mit einer kurzen Beschreibung versehen werden können, sieht die Erarbeitung einer Denkmaltopographie auch die Dokumentation von Denkmälern in Privatbesitz vor. Diese können jedoch nicht ohne vorherige Abstimmung besichtigt werden.

„Dort wo ich den Bewohnerinnen und Bewohner von Denkmälern begegne, ergibt sich zwar manchmal die Möglichkeit, spontan ein Gebäude auch von innen zu besichtigen“, erzählt Feitenhansl. „Für eine flächendeckende Erfassung des Bestandes reicht dies jedoch nicht aus.“ Daher bitten die Untere Denkmalbehörde und der Denkmaltopograph um entsprechende Nachsicht, falls er einmal spontan an der Haustür eines Denkmals oder potentiellen Denkmals klingelt und freundlich um Einlass bittet. Nur auf diese Weise ist es einer einzelnen Person innerhalb des kurzen Bearbeitungszeitraumes des Projekts möglich, das gesamte Stadtgebiet abzuarbeiten.

Eine systematische Erschließung des Stadtgebietes

Geplant ist eine systematische Erschließung des gesamten Stadtgebietes über eine, im besten Fall fußläufige, Begehung der einzelnen Ortsteile. Dr. Roland Feitenhansl freut sich auch über die aktive Mithilfe von Hagener Eigentümerinnen und Eigentümern, die ein bereits gelistetes Denkmal oder ein historisches Gebäude, bei dem es sich um ein potentielles Denkmal handeln könnte, besitzen.

Eine Gebäudebesichtigung mit dem Denkmaltopographen kann entweder unter Telefon 02331/207-3154 oder per E-Mail an roland.feitenhansl@stadt-hagen.de vereinbart werden.

Dr. Roland Feitenhansl steht noch am Beginn seiner Tätigkeit, in Zukunft sollen weitere Berichte über seine Arbeit folgen. Die Untere Denkmalbehörde plant eine serienmäßige Berichterstattung zum aktuellen Stand der Recherchen mit spannenden Einblicken in die Stadtgeschichte.

„Einen Rückblick in die Geschichte wagen“

8. September 2021

275 Jahre Hagen: Stadtjubiläumsbuch erschienen

Dach_Stadthalle_mit_Stadtblick_um_1930_Stadtarchiv_Hagen_maxAuf dem Dach der alten Stadthalle mit Blick auf die Hagener Innenstadt um 1930. Foto: Willy Lehmacher (Stadtarchiv Hagen).

„275 Jahre Stadtrechte sind zweifellos ein guter Grund, einen Rückblick in die Geschichte der westfälischen Großstadt Hagen zu wagen. Mit dem nun rechtzeitig zum Stadtjubiläum erschienenen Werk können die Bürgerinnen und Bürger in die historische Entwicklung unserer Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven – chronologisch und thematisch – eintauchen“, freut sich Hagens Oberbürgermeister Erik Olaf Schulz über die Veröffentlichung des Stadtjubiläumsbuches „Hagen – eine moderne Stadtgeschichte“.

Bei dem rund 600 Seiten langen Sammelband aus der Reihe „Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte“, herausgegeben vom Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalen, handelt es sich um das bislang umfassendste Werk zur Hagener Stadtgeschichte, das als Kooperation der Stadt Hagen und der Fernuniversität Hagen entstanden ist.

Am Buch waren über 40 Autorinnen und Autoren beteiligt, darunter auch die drei Herausgeber Dr. Ralf Blank (Leiter Stadtarchiv Hagen und Fachdienstleiter Geschichte, Archäologie, Geologie der Stadt Hagen), Dr. Uta Kleine (Akademische Oberrätin am Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas der Fernuniversität Hagen) und Prof. Dr. Felicitas Schmieder (Leiterin des Lehrgebiets Geschichte und Gegenwart Alteuropas der Fernuniversität Hagen).

Das Werk ist im Brill Ferdinand Schöningh Verlag erschienen und dank der Unterstützung des Hagener Energieversorgers Enervie sowie der Sparkassen Stiftung Hagen zu einem Verkaufspreis von 39,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Stadtrundfahrt zum Tag des offenen Denkmals

6. September 2021

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals laden der Hagener Heimatbund und die Volkshochschule Hagen am Sonntag, 12. September, um 14.30 Uhr zu einer Stadtrundfahrt mit Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff ein. Treffpunkt ist an der Haltestelle Höing am Otto-Ackermann-Platz, wo die Tour gegen 17 Uhr auch wieder endet.

Im Rahmen des 275-jährigen Stadtjubiläums steht die Stadtrundfahrt im Zeichen der Hagener Stadtgeschichte und führt zu zahlreichen wichtigen Punkten und Orten im Stadtgebiet, die für die Entwicklung der Stadt von Bedeutung sind. Die Teilnahme kostet 15 Euro pro Person. Eine Anmeldung ist per E-Mail an info@michaeleckhoff.de erforderlich.

Bei der Stadtrundfahrt gilt die 3G-Regel: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen einen Nachweis über ihre vollständige Impfung, ein aktuelles, negatives Testergebnis oder einen Nachweis über ihre Genesung vorzeigen.

Ein Jahrzehnt starker Veränderungen

1. September 2021

Hagen zwischen 1965 und 1975

Mittelstrasse_um1965 StadtarchivBlick in die Mittelstraße um 1965. Foto: Stadtarchiv Hagen.

In einem stadtgeschichtlichen Seminar der Volkshochschule Hagen (VHS) können Interessierte unter der Leitung von Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff ab Mittwoch, 8. September, von 19.45 bis 21.15 Uhr mehr über die Entwicklung der Stadt Hagen zwischen 1965 und 1975 erfahren. Das Seminar umfasst insgesamt fünf Termine und findet in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, statt.

Im Jahr 1964 erschien ein akribisch gestaltetes Buch zum Thema „Hagen baut auf“. Von diesem Werk sowie von zusätzlichen Fotos ausgehend, erhalten die Teilnehmenden einen Einblick in das Jahrzehnt zwischen 1965 und 1975.

Es war eine Zeit, in der sich Hagen abermals sehr wandelte: Die Schaffung des Gewerbegebietes Lennetal, die Beendigung des Straßenbahnverkehrs, das „Aus“ für die Hasper Hütte sowie die Eingemeindungen von Hohenlimburg, Dahl, Berchum und Garenfeld zählen zu den wichtigen Ereignissen dieser Zeit. Darüber hinaus wurde 1974 vom NRW-Landtag das „Errichtungsgesetz“ verabschiedet, was zur Gründung der FernUniversität in Hagen führte.

Weitere Informationen zur Anmeldung sowie zu dem Kurs mit der Kursnummer 1120 erhalten Interessierte auf der Internetseite www.vhs-hagen.de oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622. In der VHS gilt die 3G-Regel.

Hagener Opfer der NS-Militärjustiz

29. August 2021

Wanderausstellung über Hagener Wehrmachtsoldaten

Hagener Opfer der NS-MilitärjustizDer Projektkurs Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kollegs (Leitung: Lehrer Pablo Arias und Rudolf Steffens) hat zusammen mit dem Hagener Geschichtsverein und dem Verein Friedenszeichen die Ausstellung „Hagener Opfer der NS-Militärjustiz“ organisiert, die am Mittwoch, den 1.9.2021 in der Kath. St. Michaelskirche in Wehringhausen eröffnet wird. Am selben Tag wird auch ein Heft zur Ausstellung vorgestellt (Abb.).

Kern der Ausstellung sind Biographien von einigen der 50 Hagener, die von der Wehrmachtjustiz verfolgt wurden. Die meisten von ihnen wurden zum Tode verurteilt oder starben in Strafeinheiten und Konzentrationslagern.

Ziel der Militärrichter war es, blinden Gehorsam und Disziplin durchzusetzen und jedes Zeichen von Widerstand zu bekämpfen. Angeklagte Soldaten bekamen keinen fairen Prozess. Meistens hatten sie keinen Verteidiger. Das Strafmaß konnte willkürlich festgesetzt werden und die kleinsten Vergehen wurden mit drastischen Strafen geahndet.

Je hoffnungsloser die Kriegslage wurde, desto mehr Todesurteile wurden gefällt. Auf Kriegsdienstverweigerung, Desertion und „Wehrkraftzersetzung“ – als solche galt schon ein kritischer Kommentar oder ein Witz über den Führer – stand üblicherweise die Todesstrafe. 15.000 Wehrmachtdeserteure wurden hingerichtet. Zum Vergleich: Im Ersten Weltkrieg waren 48 deutsche Soldaten hingerichtet worden.

In der St. Michaelskirche wird auch eine kleine Leihausstellung aus der Gedenkstätte Dokumentations- und Informationszentrum Torgau (Sachsen) gezeigt, die das Projekt unterstützt hat. Mehr Info: www.stsg.de/cms/torgau/startseite

Eine Internetkarte mit Texten, Fotos und Hördateien (Deutsch und Englisch) zum Thema wird in den nächsten Monaten erarbeitet.

Die Ausstellung bleibt bis zum 26.9 in der Kath. St. Michael-Kirche. Sie ist als Leihausstellung konzipiert und kann ab Oktober von Schulen oder anderen Interessenten kostenlos ausgeliehen werden.

Die Ausstellung ist Teil der politischen Bildungsarbeit des Rahel-Vanhagen-Kollegs. Mit verschiedenen Projekten versucht das Kolleg, Jugendliche und Schüler dazu zu bewegen, sich kritisch mit der Geschichte ihrer Stadt zu beschäftigen und einen Beitrag zur Erinnerungskultur in Hagen zu leisten.

Der Eintritt ist kostenlos. Aufgrund der Corona-Bestimmungen kann es beim Einlass zu Wartezeiten kommen.

Nach dem Hochwasser – Aktenrettung bei der Stadtverwaltung

17. August 2021

20210816_Aktenrettung_Franziska_Michels_maxAls in den frühen Morgenstunden des 14. Juli 2021 die Mitglieder des Hagener Krisenstabs alarmiert wurden, ahnte noch niemand das Ausmaß der nächtlichen Hochwasserkatastrophe, die auch die Hagener Stadtverwaltung traf. In der jüngeren Stadtgeschichte gibt es in ihren Auswirkungen bislang keine vergleichbare Wasserflut.

Angesichts der schlimmen Folgen der Überflutungen im Stadtgebiet und den menschlichen Dramen, die sich abspielten, konzentrierten sich alle Kräfte zunächst auf die Hilfe und Unterstützung der betroffenen Hagenerinnen und Hagener.

Anschließend stand auch die Rettung von Akten und Vorgängen der Stadtverwaltung aus Kellern der Verwaltungsgebäude auf der Tagesordnung des Krisenstabs der Stadt Hagen unter der Leitung des Beigeordneten Sebastian Arlt. Denn städtische Akten sind der Spiegel jeder Stadtgeschichte. Sie erfassen menschliche Biografien, zahlreichen Aspekte menschlichen Werkens und bürgerlichen Engagements und sind für auch für eine moderne Stadtverwaltung noch unentbehrlich. Die Aktenverluste nach dem Hochwasser zeigten sich nach ersten Bestandsaufnahmen vor Ort größer als gedacht (Foto: Franziska Michels).

Gründung der Task Force „Aktenrettung“

Der Fachbereich Kultur und das Stadtarchiv übernahmen die Koordination und Organisation. Kurzfristig war eine Task Force „Aktenrettung“ aus Mitarbeitern des Stadtarchivs, der Fachbereiche Kultur und Gebäudewirtschaft sowie der betroffenen Fachbereiche gebildet. Unterstützung erhält die Task Force durch das LWL-Archivamt, das die Maßnahmen durch Rat und Tat begleitet.

Schäden im Rathaus II und Rathaus Hohenlimburg

Es stellte sich heraus, dass besonders die Aktenkeller im Rathaus Hohenlimburg und im Rathaus II teilweise überflutet waren. Durch das schwülwarme Wetter nach der Hochwasserkatastrophe bildete sich an den durchnässten und feuchten Akten schnell Schimmel.

Die betroffenen Fachbereiche und Abteilungen mussten nun prüfen, welche Akten und Vorgänge vernichtet werden, weil sie nicht mehr zu retten waren, welche Akten wegen ihres Inhalts so wichtig sind, dass sie zum Beispiel durch eine Restaurierung gerettet werden müssen, und welche Akten sich in einem Zustand befinden, der eine weitere Nutzung ermöglicht.

Während in Hohenlimburg klares Oberflächenwasser vorwiegend durch die Fenster eingedrungen war und jeweils die unterste Regalreihe überflutet hatte, sind die Schäden im Rathaus II schwerwiegender. Hier stand schlammiges Wasser, das durch die Kanalisation hochgedrückt worden war, bis über Kniehöhe. Insgesamt betroffen waren mehrere Kilometer an städtischen Akten, die überwiegend aufgrund gesetzlicher Fristen und Vorgaben aufbewahrt werden müssen.

Erhebliche Teile der Bestände müssen durch Fachunternehmen für Papiertrocknung aufgearbeitet, indem sie einzeln foliert, tiefgefroren und zu einem späteren Zeitpunkt vakuumgetrocknet werden. Im Einzelfall ist auch bereits eine Schimmelsanierung erforderlich. Wie lange dieser Vorgang dauert, ist derzeit aufgrund der Auftragsbelastung der verfügbaren Fachunternehmen nicht absehbar. Unter Umständen kann dieser Prozess bis zu drei Jahren in Anspruch nehmen.

Parallel müssen die nicht unmittelbar im Wasser gestandenen Bestände zumindest im Rathaus II komplett umgelagert werden, wobei zu überprüfen ist, ob auch diese Akten nicht mittlerweile so durchfeuchtet sind, dass sie ebenfalls eine maschinelle Trocknung benötigen. Bereits die Entnahme der beschädigten Unterlagen gestaltet sich schwierig, da auch die Rollregalanlagen nicht mehr benutzbar sind und zeitgleich mit dem Ausräumen der Akten demontiert werden müssen. Betroffen sind überwiegend Unterlagen des Baudezernats, der Sozialverwaltung und verschiedener anderer Fachämter.

Übergangsweise Unterbringung der Akten im Hochbunker

Das Stadtarchiv hat gemeinsam mit dem Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) und den Fachbereichen Immobilien, Bauverwaltung und Wohnen sowie Gebäudewirtschaft nach Räumlichkeiten gesucht, die für die übergangsweise Unterbringung von Akten und Vorgängen aus konservatorischen Vorgaben geeignet sind. Ein im „Kalten Krieg“ reaktivierter und umgebauter Hochbunker erwies sich dabei als ein auch aus der Sicht des LWL-Archivamts optimale Möglichkeit.

Derzeit ist noch nicht abzusehen, wann die Rettung und Umlagerung der Akten abgeschlossen sein wird.

Historischer Rückblick: Aktenverluste nichts Neues

Der Verlust von Akten kam in Hagens Geschichte schon häufiger vor. So verschwand 1584 das Archiv der Grafschaft Limburg, das im Bergfried des Schlosses Hohenlimburg untergebracht war. Truppen des Kölner Erzbischofs hatten es gestohlen.

1811 schlug der Blitz in den mittelalterlichen Schlossturm und zerstörte das dort angelegte Archiv. Hier wurde die berühmte „Schwarze Hand“ gefunden. Zwei Jahre später rückten russische Kosaken in die Stadt Hagen ein. Um Streu für ihre Pferde zu erhalten, plünderten sie das damalige Stadtarchiv, zerrissen die Urkunden und Papiere.

Während des ersten schweren Luftangriffs auf Hagen in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober 1943 wurden in städtischen Gebäuden zehntausende Akten vernichtet. Im Stadtarchiv werden lange Listen mit den damals verlorenen Akten und ihren Inhalten aufbewahrt – in der historischen Überlieferung entstanden durch den Krieg gravierende Lücken. So ist es verständlich, dass Historiker und Archivare aufhorchen, wenn sie die aktuellen Aktenverluste in Hagen betrachten.

Stadt zwischen Erz und Kohle – Hagen 1959

16. August 2021

Ein Film von Paul Kellermann aus dem Archiv des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe

Der 1905 in Herscheid geborene Filmemacher ist in seiner Schaffenszeit hauptsächlich durch Kultur- und Werbefilme in Erscheinung getreten, von denen die meisten im märkischen Sauerland zu verorten sind. Der Fokus seiner Werke liegt häufig auf den wirtschaftlichen und touristischen Besonderheiten der von ihm portraitierten Teile der Region.

In den 1950er Jahren machte sich Kellermann mit einer kleinen Filmproduktionsfirma in Lüdenscheid selbstständig und hatte seinen Durchbruch in seiner Heimatregion im Jahr 1956.

Der Film von Paul Kellermann führt nach Hagen Ende der 1950er Jahre. Paul Kellermann stellt in seinem Film „Stadt zwischen Erz und Kohle“ insbesondere das wirtschaftliche Potential der Stadt zur Zeit des Wirtschaftswunders heraus. Eine kurze und informative Anmoderation der Filme liefert Franziska Hackenes.

Stadtspaziergang zur Geschichte Haspes

15. August 2021

Im Rahmen des Urlaubskorbs lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) zusammen mit dem Hagener Heimatbund am Montag, 16. August, von 17 bis 19 Uhr zu einer Führung mit Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff durch Haspe ein. Der Treffpunkt ist die frühere Hasper Feuerwache, Enneper Straße 4.

In der Urlaubskorb-Reihe zur Hasper Geschichte geht es dieses Jahr ein Stück weit durch das einstige „Harkort-Land“. An der Grundschötteler Straße fuhr früher nicht nur die legendäre, Ende der 1820er-Jahre gebaute „Kohlenbahn“, hier stehen auch „Überbleibsel“ der Harkortschen Fabrik und der eng mit der Familie Harkort verbundenen Schulen des Stadtteils Westerbauer.

Weitere wichtige Sehenswürdigkeiten sind das Kohlenbahn-Denkmal, das Haus Stennert und die ehemalige Feuerwache Haspe, die wiederum ein bedeutendes Baudenkmal aus der Zeit um 1930 darstellt. Der Stadtsparziergang startet mit einem Blick in die Feuerwache, die inzwischen vorrangig vom Hasper Heimat- und Brauchtum-Verein (HHBV) genutzt wird. Der HHBV-Vizepräsident Thomas Eckhoff wird beim „Blick in die Feuerwache“ mit von der Partie sein und von jener Zeit berichten, als er hier als Feuerwehrmann aktiv war.

Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos, eine Anmeldung für die Führung mit der Kursnummer 1033 ist notwendig und entweder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder über die Internetseite www.vhs-hagen.de möglich.

„Erbbelastete“ und „Minderwertige“

14. August 2021

Wanderausstellung über Menschen mit Behinderung in Hagen

Der Projektkurs Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kollegs (Leitung: Lehrer Pablo Arias und Rudolf Steffens) hat zusammen mit dem Caritasverband Hagen und der Fachhochschule Dortmund die Ausstellung „Behinderung im Wandel der Zeit“ organisiert, die am 23.8.2021 in der Ev. Johanneskirche am Markt eröffnet wird.

Im ersten Teil der Ausstellung wird die Verfolgung von Menschen mit Behinderung und Kranken in Hagen während der NS-Diktatur untersucht. Sie wurden als „Erbbelastete“, „Minderwertige“ und Kostenfaktor betrachtet. Ca. 1000 Hagener wurden zwangssterilisiert oder zur Abtreibung gezwungen, mehr als 300 ermordet. Die Überlebenden hatten mit lebenslangen Folgen zu kämpfen.

Die Ausstellung zeigt bewegende Opferbiographien und nennt auch einige der Täter. Außerdem wird die Haltung der Caritas im Nationalsozialismus untersucht, die schon damals wichtigster Träger von sozialen Einrichtungen war.

Die Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs trafen während der Vorbereitung Hagener Opferangehörige. Sie berichten in der Ausstellung über die Spuren, die der Rassenwahn in deren Familien hinterließ.

Im zweiten Teil der Ausstellung wird die Situation von Menschen mit Behinderung heute thematisiert. Auch aktuelle ethische Fragen werden gestellt. Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs und Menschen mit Behinderung aus Hagen haben in mehreren Treffen über Diskriminierungserfahrungen im Alltag diskutiert. Die Ergebnisse wurden dokumentiert.

Der Eintritt ist kostenlos. Aufgrund der Corona-Bestimmungen kann es beim Einlass zu Wartezeiten kommen.

Mehr Information: www.behinderung-im-wandel.de

Alles am Fluss

5. August 2021

275 Jahre Hagen – Mit dem Bus entlang von Lenne, Volme, Ennepe

Die Hagener Straßenbahn und die Hagener Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (HVG) laden anlässlich des Stadtjubiläums zu drei abwechslungsreichen Stadtrundfahrten ein.

Ohne eine blutige Totschlag-Geschichte hätte es Hohenlimburg nie gegeben und die Abkürzung VARTA steht für „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“. Wer hätte das gewusst?

Diese und weitere spannende Informationen rund um Hagens Stadtgeschichte erfahren die Rundfahrer, während sie gemütlich mit einem Linienbus der Hagener Straßenbahn durch Hagen chauffiert werden. Begleitet werden die Teilnehmer dabei von Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff, der sie über Hagen informiert und unterhält.

An drei Samstagen im August fährt ein Gelenkbus drei unterschiedliche Touren entlang der Flüsse Lenne, Volme und Ennepe ab. Alle Touren starten und enden an der Haltestelle „Rathaus“ und dauern etwa 3 Stunden. Die Abfahrt ist jeweils um 9:30 Uhr und um 14:00 Uhr. Die Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot ist ab sofort über das ServiceCenter der Hagener Straßenbahn möglich (Telefon 02331 208-0).

Tour 1: Volmetal-Tour (14. August 2021)

Eckesey – Ortskern Vorhalle – Industriegebiet Sedanstraße – Delstern – Ortskern Dahl – Eilper Denkmal – Elbersgelände

Tour 2: Lennetal-Tour (21. August 2021)

Emst – Blätterhöhle – Ortskern Hohenlimburg – Siedlung Oege – Elsey – Gewerbegebiet Lennetal/Bathey – Demonstrations-bauvorhaben Helfe – Feithstraße mit FernUniversität – Hohenhof/Villa Cuno – Riemerschmid-Siedlung

Tour 3: Ennepetal-Tour (28. August 2021)

West-Side: Funcke & Hueck – VARTA – Bodelschwinghplatz – Kückelhausen/Hestert – Brandt-Fabrik – Harkorten/Harkortsche Fabrik – Hasper Kreisel – Stadtbad Haspe – Lange Straße/Wilhelmsplatz – Theater – Museumsquartier

Entsprechend der aktuellen Corona-Situation und den daraus resultierenden Vorgaben der Corona-Schutzverordnung sind unterschiedliche Schutzmaßnahmen notwendig. In jedem Fall werden die Kontaktdaten für die Rückverfolgbarkeit bei der Anmeldung erhoben. Darüber hinaus ist das Tragen einer FFP2-Maske notwendig. Für die Teilnehmer gilt aufgrund der Inzidenzstufe 1 in NRW die 3G-Regelung, das heißt die Teilnahme ist nur für getestete, genesene oder geimpfte Personen möglich. Der Nachweis ist am jeweiligen Veranstaltungstag mitzubringen.

Stadtführung zu kolonialen Spuren

3. August 2021

Die kolonialen Spuren in der Hagener Innenstadt können Interessierte bei einer Führung der Volkshochschule Hagen (VHS) und der FernUniversität Hagen (Lehrgebiet: „Geschichte Europas in der Welt“) im Rahmen des Urlaubskorbs am Donnerstag, 12. August, von 18 bis 20 Uhr entdecken. Treffpunkt ist auf dem Friedrich-Ebert-Platz, vor dem ehemaligen Ratskeller. Während der Führung wird die koloniale Vergangenheit Hagens im Stadtbild verortet.

Hagen liegt nicht am Meer und hier war kein Kolonialministerium angesiedelt. Die großen Entscheidungen im internationalen Handel wurden nicht zwischen Ruhrgebiet und Sauerland getroffen, sondern in Zentren wie Berlin, Hamburg oder Bremen.

Und doch zeigt gerade ein dezentrales Beispiel wie Hagen besonders deutlich, welche vielfältigen Verbindungslinien in der Zeit von 1850 bis 1960 zwischen Stadtgeschichte und Kolonialgeschichte bestanden. Koloniales Denken und Handeln waren im Alltag fest verankert. Koloniale Vereine, Völkerschauen, unternehmerische Tätigkeit in Übersee, Auswanderung, die Entsendung von Missionaren und Kolonialbeamten, Alltagsrassismus, Straßenbenennungen und revisionistische Ansprüche verdeutlichen, dass koloniales Denken keine bloße Randnote von Stadtgeschichte ist.

Der Rundgang ist barrierefrei und die Gehstrecke beträgt rund zwei Kilometer. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung jedoch unter Angabe der Kursnummer 1052 beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder über die Internetseite www.vhs-hagen.de erforderlich.

Flut legt geheimes Nazi-Versteck in Eckesey frei

2. August 2021

Als die Flut am 14. Juli eine Wand in Eckesey beschädigt, kommt ein 76 Jahre altes Versteck zum Vorschein. Ein wichtiger Fund für Hagens Forscher.

27.850 Tage später. 76 Jahre und drei Monate. So lange könnte es ersten Vermutungen nach her sein, dass die historischen Dokumente und Gegenstände in jenen Wandschacht eines Hauses in Eckesey geschmissen wurden, in dem Sebastian Yurtseven (39) sie am Tag nach der Jahrhundertflut fand. Darunter ein Revolver, Schlagringe, penible Dokumentationen über den Stand von Schwangerschaften der Frauen im Stadtteil, noch originalverpackte Gasmasken oder Protokolle über Lebensmittelrationierungen sowie Briefe von und zur Front. Es handelt sich um den bedeutendsten NS-Versteckfund der vergangenen Jahre in der Region. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Öffentliche Führung über den Buschey-Friedhof

20. Juli 2021

Mittwoch, 21.07.2021, 16:00-17:30 Uhr

Buschey_May_W11810 wurde der Buschey-Friedhof eingeweiht. Dank seiner über zweihundert Jahre währenden Belegung erlaubt er ungewöhnliche Einblicke in Lebensgeschichten und ästhetische Vorlieben verschiedener Epochen.

Von Historismus über Jugendstil bis in die Moderne – jede Zeit hat ihre Spuren hinterlassen (Foto: Elisabeth May). Einige sind sogar von hohem künstlerischen Rang, wie die Werke Georges Minnes und J.L.M. Lauweriks`.

Dr. Elisabeth May eröffnet Einsichten in die Entwicklung der Grabmalkultur.

Interessierte sollten sich im Vorfeld unter der Telefonnummer +49 2331 207 2740 verbindlich anmelden und die erforderliche Teilnahmegebühr zum Treffpunkt am Seiteneingang Grünstraße mitbringen. Die Führung findet bei mindestens zehn angemeldeten Personen statt.

Taschenuhr hält Moment des Luftangriffs auf den Bunker Körnerstraße fest

14. Juli 2021

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15. März 1945, 20.32 Uhr: Zu diesem Zeitpunkt wird Hagen von einem letzten, in seinen Auswirkungen verheerendsten britischen Luftangriff getroffen. Ein halbes Jahr später wird bei Aufräumarbeiten vor dem Bunker in der Körnerstraße eine Taschenuhr bei einer männlichen Leiche gefunden, stehengeblieben am 15. März 1945 um 20.32 Uhr (Foto: Stadtmuseum Hagen).

Die Geschichte hinter der Uhr entdeckt das Stadtarchiv Hagen erst 75 Jahre später.

Bei Recherchen in den Akten der Hagener Polizei im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen – Abteilung Westfalen in Münster im Oktober 2020 sichtete das Team des Hagener Stadtarchivs auch Akten, die sich mit der Bergung der Opfer des Luftangriffs am 15. März 1945 befassten. „In den Akten fanden wir einen Umschlag mit einer Taschenuhr, die bei einer getöteten Person, vermutlich ein Wehrmachtssoldat, auf dem Vorplatz des Bunkers in der Körnerstraße geborgen wurde. Die Uhr blieb um 20.32 Uhr stehen und konserviert den Zeitpunkt des britischen Luftangriffs sowie den Tod seines Besitzers“, erklärt Dr. Ralf Blank, Historiker und Leiter des Stadtarchivs Hagen.

Der unbekannte Soldat gehörte vermutlich zu den Schutzsuchenden, die sich vor dem Hochbunker gedrängt hatten, um noch eingelassen zu werden. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Bunkerbereich aufgeräumt und von Trümmern befreit. Dabei wurde am 7. September 1945 der unter Schutt begrabene Soldat entdeckt, in der Tasche die stehengebliebene Uhr mit einem Gehäuse aus Edelstahl.

Diese war großer Hitze ausgesetzt – das Deckglas fehlt, die Oberfläche ist korrodiert. Zudem fehlt der Sekundenzeiger. Im oberen Teil ist noch eine Inschrift zu erkennen, die auf die Kienzle Uhrenfabrik AG verweist. Die Uhr stammt aus den 1930er Jahren und besaß ursprünglich ein helles Ziffernblatt mit einem umlaufenden, vergoldeten Ring sowie vergoldeten Zeigern.

Nach der Bergung der unbekannten Person wurde die Taschenuhr in die Vermisstenakte gelegt und blieb vorerst im Bestand des Polizeipräsidiums Hagen im Landesarchiv NRW in Münster. Obwohl die Kriminalpolizei bis in die 1970er Jahre immer wieder zu Anfragen nach vermissten Personen des Luftangriffs ermittelte, konnte die Identität des Soldaten auch anhand der Taschenuhr bis heute nicht geklärt werden.

Die Uhr befindet sich mittlerweile im Besitz der Stadt Hagen und ist ab 2022 im Stadtmuseum Hagen zu sehen.

Ein nicht nur kartografischer Blick zurück

10. Juli 2021

Hagen 1913 – Vorabend des Ersten Weltkriegs

Stadtplan Hagen 1913 teaser

Ausschnitt des Stadtplans Hagen 1913 (Quelle: Landesarchiv NRW). Eine höhere Auflösung des Gesamtplans in Originalgröße siehe hier.

Während des Deutschen Kaiserreiches von 1871 bis 1914 erlebte Hagen eine Blütezeit. Das galt natürlich nur für die auch damals schon existierenden „oberen Zehntausend“. Aber durch die Urbanisierung und Industrialisierung entwickelte sich die Stadt zum Oberzentrum für die gesamte Region südlich der Ruhr.

1876 waren Wehringhausen und Eilpe eingemeindet worden, 1901 folgten Delstern, Eckesey und Eppenhausen. 1913 hatte Hagen bereits 96.000 Einwohner, Oberbürgermeister war in dieser Zeit Willi Cuno, der der Freisinnigen Volkspartei angehörte. 1906 bis 1912 war er Mitglied des Reichstags. Im März und April 1920 beteiligte er sich am Widerstand gegen den Kapp-Putsch. Ende der 1920er Jahre wurde nach ihm die Cuno-Siedlung benannt.

Bei den Reichstagswahlen 1912 erzielte in Hagen die SPD mit 41,3 Prozent die meisten Stimmen, gefolgt von der Fortschrittlichen Volkspartei (Cunos Freisinnige nach dem Zusammenschluss mit den Linksliberalen) mit 30,4 Prozent und dem Nationalliberalen Zentrum und den Christlich Sozialen mit zusammen 27,8 Prozent.

In der darauffolgenden Stichwahl konnte sich der sozialdemokratische Kandidat im gesamten Wahlkreis Hagen-Schwelm zwar durchsetzen, im Bereich der Stadt Hagen erwiesen sich die vereinigten bürgerlichen Parteien mit einem Anteil von 51,4 Prozent allerdings stärker als die Sozialdemokraten, die sich mit 48,6 Prozent zufriedengeben mussten.

Der Stadtplan von 1913 enthält neben einem Straßenverzeichnis die Standorte öffentlicher Einrichtungen, von Industriebetrieben und geplanten Stadterweiterungen (gestrichelt).

Im Planquadrat K4 an der Eppenhauser Straße lag die Lokalität „Friedrichslust“, in der sich am 28. Juli 1914 etwa 1.000 SPD-Mitglieder zusammenfanden, die einstimmig eine Resolution verabschiedeten, in der „die tiefste Abscheu vor dem Krieg ausgesprochen und die Reichsregierung aufgefordert wurde, sich jeder Einmischung in einen Krieg zwischen Österreich und Serbien zu enthalten“ (Handakten Cuno nach Angaben des Polizeikommisars Becker).

Am Loxbaum befanden sich laut Stadtplan das „Städt. Armenhaus“ sowie eine „Baracke für ansteckende Kranke“ (F1). In diesem Bereich wurde während der Nazi-Zeit ein Lager des Reichsarbeitsdienstes für den Bau der Feithstraße errichtet, das nach dem Zweiten Weltkrieg von der Stadt als Obdachlosenunterkunft (im Volksmund: „D-Zug“) weiterbetrieben wurde.

Und – auch nicht zu verachten: Der Hügel oberhalb des Bordells Düppenbeckerstraße wurde damals ganz offiziell als „Puppenberg“ geführt (I6).

Neue Stolpersteine in Wehringhausen verlegt

25. Juni 2021

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Künstler Gunter Demnig bei der Arbeit. Fotos: Rahel-Varnhagen-Kolleg.

Am 21. Juni wurden zwei neue Stolpersteine in Hagen-Wehringhausen verlegt. Die Aktion wurde vom Hagener Geschichtsverein und vom Projektkurs Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kolleg (Leitung: Herr Arias und Herr Steffens) organisiert.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln, sogenannten Stolpersteinen, soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

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Ca. 30 Personen trafen sich um 09:00 Uhr an der Augustastraße 77, um an Julius Weiss zu erinnern. Der Wehringhauser verliebte sich 1939 in seine Nachbarin Anna Bache. Das Standesamt verweigerte die Heiratserlaubnis, weil Julius Weiss, Sinto, als „rassenfremd“ galt.

Das Paar kämpfte vergeblich um die Genehmigung und zog 1940 zusammen. Anna erwartete inzwischen ein Kind. Wenig später wurde Julius verhaftet. Er verbrachtet den Rest des Krieges in den Konzentrationslagern Dachau und Sachsenhausen. In Gegensatz zu den meisten Sinti überlebte er die NS-Zeit, kehrte 1945 nach Hagen zurück und heiratete seine Frau. Er sah seine ca. 5-jährige Tochter wahrscheinlich erst dann zum ersten Mal.

Während der Verlegung hielt René Röspel, MdB, eine kurze Rede. Viertklässler der Janusz-Korczak-Grundschule präsentierten ein Theaterstück über Julius Weiss, das sie mit ihrer Lehrerin Frau Verbeeck geübt hatten. Als Grundlage benutzten sie u.a eine Präsentation zum Thema, die der Projektkurs des Rahel-Varnhagen-Kolleg vorbereitet hatte.

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Der zweite Stolperstein wurde nur 500 Meter entfernt, in der Augustastraße 11, verlegt. Dort wohnte und arbeitete das Dienstmädchen Ilse Mitze. Nach einem verheerenden Luftangriff im Jahr 1944 half sie die ganze Nacht, den Hausrat aus dem brennenden Haus zu retten. Dabei entwendete sie einige Kleidungsstücke. Sie wurde vom Sondergericht Dortmund in einem Prozess, der jedem rechtsstaatlichen Prinzip widersprach, zum Tode verurteilt und mit knapp 19 Jahren enthauptet. Pastor Schwertfeger erinnerte in einer bewegenden Rede an die Ermordete.

Der Projektkurs des Rahel-Varnhagen-Kolleg und der Hagener Geschichtsverein organisieren seit 2018 gemeinsam die Stolpersteinverlegungen in Hagen. Die neuen Stolpersteine wurden von der Bezirksvertretung Mitte und der Ev. Paulusgemeinde finanziert. Im September erscheint in der nächsten Ausgabe des Magazins „089 Wehringhausen“ eine Biographie zu Ilse Mitze. Autor ist Fazdi Askova, Teilnehmer des Projektkurses am Kolleg.

Treffpunkt Hauptbahnhof

23. Juni 2021

Integrationsrat will eine Gedenktafel für Gastarbeiter

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Ankunft eines Sonderzugs für Gastarbeiter im Bahnhof Hohenlimburg am 7. Dez. 1966. Foto: Stadt Hagen.

Der Integrationsrat schlägt dem Rat der Stadt Hagen vor, ein Andenken an die 1. Generation von Gastarbeitern in Form einer mehrsprachigen Gedenktafel im Bahnhofsviertel zu errichten.

Die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnete schon 1955 das erste Anwerbeabkommen mit Italien. 1960 folgten Spanien und Griechenland, 1961 die Türkei, 1963 Marokko und Südkorea, 1964 Portugal, 1965 Tunesien und 1968 Jugoslawien. Nach Ansicht des Integrationsrats soll die Gedenktafel in allen entsprechenden Sprachen verfasst werden.

Die 1. Generation der Gastarbeiter kam am Hagener Hauptbahnhof an, zudem diente dieser häufig als Treffpunkt und war ein bekanntes Viertel, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen.

Diese Generation der Gastarbeiter hat einen großen Beitrag zum Wiederaufbau der Industrie in Hagen geleistet und sollte daher nicht in die Vergessenheit geraten. Viele der Großbetriebe, bei denen sie beschäftigt waren, sind verscherbelt worden (wie Varta und Dolomitwerke) oder mit öffentlichen Geldern in andere Gebiete gelockt worden (wie Zwieback-Brandt).

Insbesondere die emotionalen Aspekte, unter denen diese Generation zu leiden hatte, ist den meisten Hagenern heute nicht mehr bewusst. So litten die Gastarbeiter sehr stark unter Heimweh; sie versuchten so viel Geld wie möglich anzusparen, um so schnell wie möglich wieder in die Heimatländer zurückzukehren.

Viele Nachkommen dieser 1. Generation sind inzwischen deutsche Staatsangehörige und kennen die Geschichte ihrer Vorfahren kaum. Die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der 1. Generation sind nur Wenigen bekannt.

Daher sollte Hagen ein Zeichen setzten und somit die Leistung zum Wiederaufbau Hagens durch die Unterstützung der Gastarbeiter wieder in Erinnerung rufen.

Fließband BrandtAm Fließband bei Zwieback-Brandt, 1972. Zum Ende der Spätschicht setzte die Hagener Straßenbahn Extrazüge ein, um die Arbeiterinnen nach Hause zu befördern. Foto: Bundesarchiv/Ulrich Wienke (CC-BY-SA 3.0).

Hagen, Firma Carl Brandt Zwieback und Bisquit Carl Brandt, Zwieback und Bisquit GmbH. Hagen/Westf. Gastarbeiter-Unterkünfte, 1972. Foto: Bundesarchiv/Ulrich Wienke (CC-BY-SA 3.0).

Gastarbeiterinnen-UnterkunftKüche in einer Hagener Gastarbeiterinnen-Unterkunft, 1972 Foto: Bundesarchiv/Ulrich Wienke (CC-BY-SA 3.0).

FernUni-Thema „Kolonialismus und Hagen“

4. Juni 2021

Online-Buchvorstellung: „Fernes Hagen. Kolonialismus und wir“

Hagen postkolonialHintersinniges Titelbild der Publikation: „Lüderitzbucht von der Haifisch-Insel gesehen“. Im Vordergrund der Montage die Behausungen der „Haifische“ – Rathaus, die gleichnamige Einkaufs-Galeere und SIHK. Foto: FernUniversität / Klaus Bärwinkel / Klaus Ehlers.

Exotisches liegt nicht nur in der Ferne, es ist häufig ganz nah. Kolonialismus und Stadthistorie sind immer noch eng miteinander verschränkt: über materielle Zeugnisse, Geschichten und Geschichte.

Sie wirken immer noch nach in Unternehmensportraits, über Sammelobjekte wie großformatige Wandbilder der deutschen „Schutzgebiete“ aus einer Hasper Schule. Am Nachlass eines Hagener Missionars wird die Beziehung zwischen Ostafrika und Nordrhein-Westfalen greifbar.

Barbara Schneider und Dr. Fabian Fechner aus dem Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt an der FernUniversität in Hagen forschen zu dem Thema Kolonialismus und Hagen. Sie haben ein Buch darüber herausgegeben, das am 10. Juni von 16 bis 17.30 Uhr online über die Plattform Zoom vorgestellt wird.

Anlass für die Publikation ist eine geplante Ausstellung im Rahmen des 275-jährigen Hagener Stadtjubiläums, die im Herbst in der Bibliothek der FernUniversität zu sehen sein wird.

Für die Onlineveranstaltung ist eine Anmeldung vorab notwendig, um die Zugangsdaten zu bekommen: veranstaltungen.ub@fernuni-hagen.de

Hagens Denkmallandschaft wird erkundet

20. Mai 2021

Experte nimmt Arbeiten an Überblicksband auf

Erstmals wird das baukulturelle Erbe Hagens von den Anfängen bis zur Moderne komplett erfasst und dokumentiert. Gemeinsam gaben der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadt Hagen den Start der Arbeiten an einem neuen Band in der Reihe „Denkmäler in Westfalen“ bekannt. Die Denkmaltopographie für die Stadt Hagen wird einen Katalog aller bekannten Baudenkmäler im Stadtgebiet und übergreifende Beiträge zur Hagener Denkmallandschaft umfassen.

„Wir freuen uns sehr, dass die Stadt Hagen sich als vierte Stadt in Westfalen-Lippe in die bundesweite Reihe der Denkmaltopographien einbringt,“ erklärt der Leiter des LWL-Denkmalpflege, Dr. Holger Mertens. „An der Grenze zwischen Sauerland und Ruhrgebiet gelegen, zeichnet sich Hagen durch eine außergewöhnlich vielfältige Denkmallandschaft und eine besondere Stadtentwicklung aus, die es nun zu erfassen und zu erkunden gilt.“

Die geplante Denkmaltopographie soll grundlegende Informationen, etwa zu Funktion, Baugattung, Stil, Datierung und Baugeschichte aller Hagener Denkmäler bieten. Zusätzlich geben Texte zur Stadtgeschichte, Geografie, zum Natur- beziehungsweise Landschaftsraum, der Kulturlandschaft und Archäologie einen umfassenden Überblick über das Gebiet. Einen Schwerpunkt bilden die Bau- und Kunstgeschichte sowie die Faktoren, die zur Entstehung der heutigen Hagener Denkmallandschaft beigetragen haben.

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#everynamecounts: Erinnern vor Ort

9. Mai 2021

Eine Chance, die Erinnerung an NS-Lager in Hagen wachzuhalten

Das Hagener Stadtarchiv präsentiert auf einer eigenen Seite Informationen zu Lagern, Haftstätten und Dienststellen des NS-Regimes. Die Arolsen Archives bieten jetzt eine weitere Möglichkeit an, lokale Schauplätze des Naziterrors sichtbar zu machen.

#everynamecounts – jeder Name zählt und das überall. Unter diesem Motto starten die Arolsen Archives am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, eine Aktion zum Schwerpunkt „Erinnern vor Ort“. Mit dieser Initiative möchten die Arolsen Archives kleine Erinnerungsorte und -initiativen sichtbar machen und ihnen eine Stimme für ihre wertvolle und wichtige Arbeit leihen.

Die systematische Verfolgung von Millionen von Menschen fand nicht im Geheimen, sondern an vielen Orten statt: Die Stätten von Verfolgung, Terror und Ausbeutung befanden sich in direkter Nachbarschaft. Im Fokus der medialen Wahrnehmung und Berichterstattung stehen bei Gedenktagen jährlich die großen Gedenkstätten auf den ehemaligen Lagergeländen. Dadurch festigt sich in der Öffentlichkeit das falsche Bild, dass sich die Verbrechen der Nationalsozialisten an wenigen und zentralen Orten abgespielt haben.

Die große Mehrheit der zahllosen KZ-Außenlager, Zwangsarbeiterlager, Kriegsgefangenenlager und anderen Stätten von Verfolgung, Terror und Ausbeutung fallen in der medialen Darstellung zurück oder bleiben gänzlich unbeachtet. Während der Aktionswochen rund um den 8. Mai haben kleinere Gedenkstätten und -initiativen die Möglichkeit, sich einem größeren Publikum über die verschiedenen Kanäle der Arolsen Archives zu präsentieren.

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.

„Ich wollte nichts Dekoratives schaffen“

2. Mai 2021

Zum 125. Geburtstag des Hagener Bildhauers Karel Niestrath

In diesen Tagen wäre er 125 Jahre alt geworden: Karel Niestrath (* 1896 in Salzuflen; † 1971 in Hagen) war der Hagener Bildhauer, der Relief und Skulpturen am Dortmunder Mahnmal Bittermark (Foto: mbdortmund) zum Gedenken an die Zwangsarbeiter und Widerstandskämpfer schuf, die an den Tagen vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Dortmund ermordet wurden.

Niestrath begann seine künstlerische Laufbahn mit einer Bildhauerlehre. Verletzt 1917 aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt, studierte er an der Werkkunstschule Bielefeld. Später setzte er sein Studium an der Dresdner Kunstakademie fort. Niestraths Werk war geprägt von der Erfahrung des Ersten Weltkriegs, die er in Plastiken und Aquarellen darstellte.

Karl Niestrath, der seit 1924 bis zu seinem Tode vor 50 Jahren in Hagen lebte, war Gründungsmitglied des Künstlerbundes Hagenring. Er gehörte als junger Bildhauer Anfang der 20er Jahre zu den großen Talenten der aufbrechenden Moderne. Erste Preise im Studium an der Dresdner Akademie, Förderung durch Museumsdirektoren in Bielefeld, Dresden und Hagen, zahlreiche Zeitungsberichte und Aufträge geben davon noch heute ein beredtes Zeugnis.

Thematisch und formal weisen seine frühen Arbeiten Bezüge zu Käthe Kollwitz, der er freundschaftlich verbunden war, auf. Gemeinsamkeiten zeigen sich in dieser Phase auch mit Ernst Barlach.

Die meisten seiner Arbeiten, die auch heute noch in Hagen zu sehen sind, entstanden in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. So finden sich zahlreiche Skulpturen und Kleinplastiken in den damals entstandenen Siedlungen des städtischen und genossenschaftlichen Wohnungsbaus oder Einrichtungen der öffentlichen Versorgung wie am ehemaligen Wehringhauser Straßenbahndepot (nach dem Abriss im Depot Oberhagen wieder angebracht).

Für die Cunosiedlung schuf Niestrath in den Jahren 1927/28 beispielsweise neben Portalfiguren und Hauszeichen auch eine Gruppe von Musikern: einen Dudelsack-Spieler, einen Schalmeien-Bläser, einen Ziehharmoniker-Spieler und einen Trommler (Foto: Rainer Halama, CC BY-SA 3.0).

1933 wurde sein Werk Kriegskrüppel in der NS-Ausstellung Entartete Kunst als Foto gezeigt, seine Werke wurden in der Folgezeit aus Museen und der Öffentlichkeit verbannt. Das Westfälische Landesmuseum in Münster zeigte 2008 unter 44 Exponaten, welche während der NS-Diktatur als „entartete Kunst“ entfernt worden waren, Niestraths Skulptur Die Hungrige.

Erstaunlich ist, dass trotz der Restriktionen vom Landesmuseum noch Werke verfemter Künstler angekauft werden konnten: Provinzialkonservator Wilhelm Rave, der kommissarisch das Museum leitete, entschied sich 1943 für den Ankauf von zwei Büsten Karel Niestraths, die den verfemten Maler Christian Rohlfs und den als Mitverschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944 hingerichteten Ferdinand von Lüninck, ehemals Oberpräsident der Provinz Westfalen, darstellten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Niestrath zunächst Lehrer an der von Hans Tombrock 1947 in Dortmund gegründeten Malerschule, später Dozent an der Werkkunstschule Dortmund.

In der Eingangshalle des Hagener DGB-Hauses steht neben dem Treppenaufgang auf einem 50 cm hohen Sockel eine Bronzefigur von Karel Niestrath. Das Werk – eines seiner ersten nach dem 2. Weltkrieg – ist im Auftrag des Gewerkschaftbundes hergestellt worden.

Die Figur ist lebens­groß und zeigt einen Metallarbeiter in der emphatischer Haltung eines Wortführers, der den Kampf gewerkschaftlich organisierter Arbeiter gegen Unterdrückung und Ausbeutung symbolisieren soll. Bei der Aufstellung der Plastik im Septenber 1951 sagte der Künstler: „Ich wollte nichts Dekoratives schaffen, sondern durch die Figur des Sprechers dem gewerkschaftlichen Gedanken sichtbaren Ausdruck geben.“

1960 gestaltete er die großflächigen Skulpturen und Reliefs für das Dortmunder Mahnmal in der Bittermark. Niestrath verwendet verschiedene Stile und Formen, um das Leid der brutal ermordeten Zwangsarbeiter und Widerstandskämpfer darzustellen. Fast kubistische, eckige Formen charakterisieren die NS-Mörder, vielfältige Skulpturen und Reliefs zeigen die Foltern der fast 300 ermordeten Opfer. Christliche Motive, der gekreuzigte Christus, stehen den heidnisch als Sonnenverehrer gezeichneten NS-Tätern gegenüber.

„Dabei bediente er sich gewagter, nicht einmal alltäglicher künstlerischer Mittel: die ausgemergelten, geschundenen Gestalten, die Opfer, sind mit realistischen Zügen versehen, in ausdrucksvolle organische Formen gemeißelt – die Mörder erscheinen im wahrsten Sinne des Wortes gesichts- und herzlos, als wesenlose Roboter in geometrisch-abstrahiertem Gewand.“ (Günther Ott: Der Bildhauer Karel Niestrath. S. 15)

Karel Niestrath war verheiratet mit der Bildhauerin Eva Niestrath-Berger (* 1914 in Wallerfangen, † 1993 in Hagen), mit der er die Bildhauerklasse der Werkkunstschule Dortmund gemeinsam geleitet hat. Die Grabstätte des Künstlerpaares befindet sich auf dem Friedhof Hagen-Delstern im Bereich der Ehrengrabstätten.

Windmühle im Freilichtmuseum zieht um

16. April 2021

Die Windmühle vor der Sanierung an ihrem alten Platz. Foto: LWL.

Ein ungewöhnliches Projekt beschäftigt das Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Hagen schon seit längerem: Die Translozierung, also die Umsetzung, der Windmühle an einen besseren Platz. Die Windmühle, eine Galerie-Holländer Windmühle, im Kreis Minden-Lübbecke ca. 1850 errichtet, war das erste Bauwerk, das nach der Museumsgründung 1965 als neue Landmarke für das Freilichtmuseum in Hagen errichtet wurde.

Die Windmühle stand bisher nicht innerhalb des Freilichtmuseums, sondern auf einem Hügel vor dem Museumseingang. Was beim Aufbau der Windmühle als bautechnisch geeignet zum Erhalt der Mühle galt, hat sich inzwischen als problematisch herausgestellt. Vor einigen Jahren zeigte sich, dass umfangreiche Sanierungsmaßnahmen am Sockel und an der Holzkonstruktion der Windmühle nötig sein würden.

In der Nähe vom Haus Letmathe, dem ehemaligen Restaurant, wird die Mühle von einem niederländischen Mühlenbaubetrieb restauriert und wiederaufgebaut. Das geschieht im Laufe des Sommers. Das Richtfest ist für August geplant.

Für ein technikhistorisches Museum wie das LWL-Freilichtmuseum Hagen hat eine Windmühle noch größere Bedeutung als für andere Freilichtmuseen. Sie ist ein Beleg für vorindustrielle, ingenieurwissenschaftliche Technik und ein wichtiges Beispiel für regenerative Energien in der Technik-Geschichte.

Die Windmühle steht als einziges Exponat des Freilichtmuseums für diese historisch wichtige Form der vorindustriellen Energiegewinnung durch Windkraft. Sie ergänzt die anderen im LWL-Freilichtmuseum Hagen präsentierten Energiequellen wie Wasser- und Dampfkraft.


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