Archive for the ‘05 Geschichte Hagen’ Category

Koloniale Spuren in der Hagener Innenstadt

28. Juni 2020

Die kolonialen Spuren in der Hagener Innenstadt können Interessierte am Freitag, 3. Juli, von 15 bis 17 Uhr bei einer Führung im Rahmen des Urlaubskorbes mit der Volkshochschule Hagen (VHS) und der FernUniversität (Lehrgebiet: „Geschichte Europas in der Welt“) entdecken. Der Treffpunkt ist auf dem Friedrich-Ebert-Platz, vor dem ehemaligen Ratskeller. Während der Führung wird die koloniale Vergangenheit Hagens im Stadtbild verortet.

Hagen liegt nicht am Meer und hier war kein Kolonialministerium angesiedelt. Die großen Entscheidungen im internationalen Handel wurden nicht zwischen Ruhrgebiet und Sauerland getroffen, sondern in Zentren wie Berlin, Hamburg oder Bremen.

Und doch zeigt gerade ein dezentrales Beispiel wie Hagen besonders deutlich, welche vielfältigen Verbindungslinien in der Zeit von 1850 bis 1960 zwischen Stadtgeschichte und Kolonialgeschichte bestanden. Koloniales Denken und Handeln war im Alltag fest verankert. Koloniale Vereine, Völkerschauen, unternehmerische Tätigkeit in Übersee, Auswanderung, die Entsendung von Missionaren und Kolonialbeamten, Alltagsrassismus, Straßenbenennungen und revisionistische Ansprüche verdeutlichen, dass koloniales Denken keine bloße Randnote von Stadtgeschichte ist.

Der Rundgang ist barrierefrei und die Gehstrecke beträgt rund zwei Kilometer. Die Teilnahme ist kostenlos, dennoch ist eine Anmeldung für den Kurs 1066 beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder über die Internetseite vhs-hagen.de/anmeldung erforderlich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und es muss eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden.

VHS-Führung durch Dahl

1. Juni 2020

Zu einer Führung durch den Stadtteil Dahl mit Bettina Becker lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Donnerstag, 4. Juni, von 16 bis 18 Uhr ein. Der Treffpunkt ist auf dem Parkplatz der Spar- und Darlehnskasse Dahl, Dahler Straße 67.

Während der Führung durch Dahl ist viel über die Geschichte und den Wandel des Stadtteils zu erfahren. Es geht zur Bruchstein-Kirche, die zu den ältesten noch erhaltenen Gebäuden im Volmetal gehört und aus dem Mittelalter stammt. Schon seit 1877 braut Vormann in Dahl Bier und auch die Märkische Brennerei ist immer einen Besuch wert. Am alten Amtshaus kann jeder die typische Bauweise aus dem 18. Jahrhundert bestaunen. Auch das Haus Dahl kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Viele Veränderungen sind heutzutage selbstverständlich, doch der Rundgang zeigt, wie steinig der Weg dahin war.

Die Teilnahme kostet 6 Euro. Im Vorfeld ist eine Anmeldung erforderlich. Die maximale Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen begrenzt und alle müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen sowie einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zueinander einhalten. Das Serviceteam der VHS nimmt Anmeldungen mit Angabe der Kursnummer 1094 unter Telefon 02331/207-3622 oder über die Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung entgegen.

Als die Brötchen mit der Kutsche kamen

27. Mai 2020

Ein verborgener Schatz im Hagener Freilichtmuseum

Mit dem Bäckerwagen hat ein Bäcker seine Backwaren in der näheren Umgebung seines Wohnortes ausgeliefert. Foto: LWL/Wenning-Kuschel

In den Depots von Museen verbergen sich oft Schätze, die aus unterschiedlichen Gründen selten oder nie ausgestellt werden. Entweder passen sie nicht in das Ausstellungskonzept oder sie waren einmal Teil einer Ausstellung und bleiben für die Forschung gut konserviert verwahrt.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) holt einige dieser Schätze ans Tageslicht und gibt Einblicke an Orte, die Besuchern sonst verborgen bleiben, zum Beispiel in das Depot des LWL-Freilichtmuseums in Hagen.

Wie kam das Brötchen zum Kunden? Während es heute in den Innenstädten nur so von Bäckereien und Backshops wimmelt, in denen es ein großes Sortiment an Backwaren gibt, bot vor etwa 100 Jahren meist nur ein Bäcker im Dorf eine sehr beschränkte Auswahl an.

In der rund 40.000 Objekte umfassenden Sammlung des LWL-Freilichtmuseums Hagen befindet sich ein Bäckerwagen, mit dem ein Bäcker ab 1926 seine Backwaren in die nähere Umgebung auslieferte. „Wenn das nicht mal ein verborgener Schatz ist“, sagt Sammlungsleiter Sebastian Hamburger und macht auf einige interessante Details an dem Wagen aufmerksam. Ein genauer Blick lohne sich oft, meint der gelernte Historiker, denn kleinste Details verraten oft eine Menge über die Geschichte des Objekts und seine ehemaligen Besitzer.

Der Pferdewagen mit dem Fach für Backwaren befand sich ursprünglich im Besitz einer Familie, die südlich von Iserlohn eine Landwirtschaft mit angeschlossener Gastwirtschaft betrieb. Dort wurde auch einmal pro Woche gebacken. Die seitlich aufgebrachte Aufschrift „Friedrick Stock Bräke“ gibt Auskunft über den ursprünglichen Besitzer des Wagens und dessen damaligen Wohnort. Sammlungsleiter Hamburger vermutet, dass die Lieferung per Pferdewagen nach der Verbreitung von Autos eingestellt wurde und der Bäckerwagen damit ausgedient hatte.

Ende der 1970er Jahre wechselte er den Besitzer, der das Gefährt für die Nachwelt erhielt. „Beim Umzug der 750-Jahr-Feier Iserlohns im Jahr 1987 wurde der Wagen nochmal vorgeführt. 2005 kam er schließlich in den Besitz des LWL-Freilichtmuseums und wurde zunächst auf dem Museumsgelände ausgestellt“, sagt der Historiker.

Bevor das Fuhrwerk 2018 vom Gelände ins Depot kam, wurde es konservatorisch bearbeitet. Dazu gehörte auch eine Behandlung in einer Thermokammer bei 55 Grad Celsius, um das Objekt von holzzerstörenden Insekten, wie zum Beispiel dem Bockkäfer, zu befreien“, berichtet der Magazinverwalter Frank Brüggendick, für den die präventive Schädlingsbekämpfung zum Tagesgeschäft gehört.

Bei der Begutachtung fielen ihm und dem Sammlungsleiter zwei interessante Details auf: „An dem Wagenrad befindet sich eine Spindelbremse, die mit einer Kurbel bedient wurde“, so der 36-Jährige Historiker. „Quasi ein Vorläufer der industriell hergestellten Bremsen, die wir heute in den Autos finden“, sagt er. „Allerdings wurde diese Bremse nicht angezogen, sondern gekurbelt, um das Hinterrad zu blockieren und ein Wegrollen des Wagens zu verhindern.“

Ein weiteres interessantes Detail an dem Wagen sei eine Halterung für eine Lampe, die in der Regel mit einer Kerze bestückt war. „Hinter der Flamme war ein Reflektor oder Spiegel angebracht, der das Licht bündelte und nach vorne lenkte, um auch in Dunkelheit fahren zu können“, erklärt Hamburger. Somit konnte die Lieferung bereits vor Sonnenaufgang beginnen und die Kundschaft bereits am frühen Morgen mit frischem Brot versorgt werden. „Leider ist die dazugehörige Lampe nicht mehr erhalten, aber das ist das Schöne an einer so großen Sammlung: Wir haben noch andere Kutschenlaternen in der Art, wie sie zu jener Zeit üblich waren.“

Rückblende: H1N1 – die „Schweinegrippe“

18. Mai 2020

Corona ist nicht die erste Seuche, die auch die Stadt Hagen ereilte. 2009 war es der H1N1-Virus, die sogenannte „Schweinegrippe“. In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) von April 2009 bis Anfang Mai 2010 insgesamt rund 226.000 bestätigte Fälle der Neuen Grippe und 250 ihr zurechenbare Todesfälle übermittelt. Im Vergleich: Die Zahl der Corona-Infizierten liegt bis jetzt bei etwa 175.000, ca. 7900 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus verstorben.

DOPPELWACHOLDER.DE berichtete damals:

Schweinegrippe auf der OB-Etage?

Städtische Bedienstete in Hagen, die die schönste Zeit des Jahres in Mexiko oder den USA verbringen, dürfen nach ihrer Rückkehr eine weitere Woche lang zu Hause bleiben. Grund des Sonderurlaubs: die Schweinegrippe.

„Wir halten diese Regelung für schwachsinnig”, wettert Personalratsvorsitzender Günter Brandau, dessen dem OB bereits seit sechs Wochen vorliegenden Rückfragen bis heute unbeantwortet blieben.

Quelle: DerWesten (nicht mehr abrufbar)

Gesundheitsamt kapituliert vor H1N1 – Virus

Der Leiter des Gesundheitsamtes in Mülheim Georg Ohde gab gegenüber der WAZ am 21.07.2009 an: „Bei einigen Menschen zeigten sich nur leichte oder gar keine Symptome der Schweinegrippe, sie steckten sich also mit dem Virus an ohne es zu merken. Deshalb haben wir es aufgegeben die Kranken zu isolieren.“

In Hagen ist man anderer Meinung. Hier werden sogar die Kontaktpersonen von Infizierten für eine Woche in häusliche Quarantäne gesteckt. (WP 20.07.2009) (…)

Quelle: DOPPELWACHOLDER.DE

Verlängert Pandemie die Schulferien?

Am Dienstag soll entschieden werden, ob wegen der zurzeit sich vermehrt ausbreitenden Schweinegrippe, die Schulferien in NRW verlängert werden.

Virus Experten fordern dies. Sie befürchten wegen der Urlaubsrückkehrer eine dramatische Verbreitung des H1N1 Virus. Kinder haben ein anderes Sozialverhalten. Sie fassen sich beim Spielen viel häufiger an. Um festzustellen ob sich jemand mit dem Virus angesteckt hat, reicht eine Woche Ferienverlängerung aus. (…)

Quelle: DOPPELWACHOLDER.DE

Haus Harkorten erhält 360.000 Euro

1. Mai 2020

Haus Harkorten (Foto: privat) ist ein außergewöhnliches, weit über Hagen hinaus bekanntes Bauwerk – und dessen Erhalt jetzt endlich gesichert. Die Bezirksregierung Arnsberg übergab jetzt einen Förderbescheid an den Förderverein Haus Harkorten.

„Dieser Bescheid für ein herausragendes Hagener Kulturdenkmal ist der Lohn für das unentwegte Bemühen all jener, die sich jahrelang für den Erhalt eingesetzt haben“, sagt Oberbürgermeister Erik O. Schulz und betont: „Gerade in diesen Zeiten ist es sehr wichtig, dass die Förderung herausragender Kulturdenkmäler nicht in Vergessenheit gerät.“ Umso mehr freuen sich die Arbeitsgruppe und der Verein zur Förderung des Erhalts und der Entwicklung von Haus Harkorten jetzt über die verbindliche Zusage der Bezirksregierung.

Seit die Bundeskulturministerin in 2016 Bundesfördermittel in Höhe von 240.000 Euro versprach, ist die Arbeitsgruppe rund um die Denkmalpflegerin Ina Hanemann auf der Suche nach weiteren Fördergebern, die die gleiche Summe bereitstellen – denn das ist die Bedingung für die Auszahlung der Bundesmittel.

Nachdem das Land bereits im März dieses Jahres 120.000 Euro zusagte und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die bereits im Vorjahr 80.000 Euro bereitstellte, sowie die NRW Stiftung ebenfalls eindeutige Signale für 2020 gab, konnte der Förderbescheid übergeben werden.

Die Architekten KKW aus Lüdenscheid und der Restaurator Gereon Lindlar konzentrierten sich im Vorjahr darauf, das Gebäude genau zu erforschen und die Schäden zu untersuchen, so dass jetzt ein gutes Konzept über die weiteren Schritte herausgearbeitet wurde. Wichtig ist, dass zunächst die Gebäudehülle restauriert und Instand gesetzt wird. Bisher wurden hier nur dringend notwendige Sicherungsmaßnahmen durchgeführt.

Das Gebäude erhält mit der Reparatur der Außenhaut auch erst mal mehr Zeit, um eine nachhaltige Nutzungsmöglichkeit zu finden. Denn erst, wenn klar ist, was mit dem Gebäude auf Dauer geschehen soll, können die nächsten Baumaßnahmen geplant werden. Daran wird jetzt gearbeitet.

Der Verein zur Förderung des Erhalts und der Entwicklung von Haus Harkorten ist noch jung und kann jede Unterstützung gebrauchen. Wer beitreten oder sich an der Rettung dieses außergewöhnlichen Bauwerks beteiligen möchte, ist herzlich willkommen. Nähere Informationen unter www.haus-harkorten.de.

„Ohne Osthaus kein Bauhaus“

28. April 2020

Neuer Film rund um Hagener Impuls und Bauhaus

„Ohne Osthaus kein Bauhaus“ – das zeigt ab sofort der neue Film „Bauhaus – der Hagener Impuls“. Dieser thematisiert insbesondere die große Bedeutung Hagens in Bezug auf das Bauhaus, das im Vorjahr 100 Jahre alt wurde und dessen Jubiläum auch Hagen groß feierte. In dem rund 20-minütigen Film erläutern mehrere Experten, für welche Folgen der Hagener Impuls sorgte.

Der Folkwang-Gründer und Hagener Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus hatte einen bedeutenden Anteil daran, dass Walter Gropius im Jahr 1919 das Bauhaus in Weimar gründen konnte. Ohne seine Unterstützung hätte Gropius keine so steile Karriere erleben können und nicht die Anerkennung gefunden, die schließlich zu seiner Berufung nach Weimar führte.

Osthaus selbst gründete derweil in Hagen nicht nur das erste Museum für zeitgenössische Kunst, sondern lockte auch berühmte Architekten wie Henry van de Velde, Peter Behrens und Johannes Ludovicus Matteus Lauweriks in die Volmestadt, wo deren herausragende Bauten noch heute zu bewundern sind.

Mit dieser Baukultur, die als Hagener Impuls in die Kulturgeschichte einging, entwickelte sich Hagen zum Nährboden für die Moderne und hatte einen entscheidenden Einfluss bei der Entstehung des Bauhauses. Auch die Hagener Textilindustrie profitierte davon, indem Motive des Industriedesigners Peter Behrens für den Stoffdruck der Firma Elbers Verwendung fanden.

Rückblende: Thiesers „Asylbewerberstopp“ 1993

12. April 2020

Das Hagener Einheitsblatt war voll des Lobes: „Dietmar Thieser gilt in Hagen als Schlitzohr mit Erfahrung“ titelte die WPWR vor vier Jahren anerkennend in einem Portrait zum 25-jährigen Ratsjubiläum des SPD-Politikers, der in den letzten Jahren vornehmlich durch Merkwürdigkeiten unterschiedlicher Art aufgefallen ist.

So wohnte er bis in der jüngsten Vergangenheit jahrelang auf einem Grundstück, das sowohl im Flächennutzungs- als auch im gültigen Bebauungsplan als Fläche für Gemeinbedarf ausgewiesen ist. Der bekennende Ignorant zog immer wieder gegen die Hagener Kultur zu Felde und realisierte seine ganz eigenen Vorstellungen hierzu, indem er in „seinem“ Stadtteil Haspe Kitschesel aus dem Dekobedarf aufstellen ließ.

Vier Jahre ackerte er, um die Hasper Fußgängerzone von Bäumen zu „befreien“, die aus seiner Sicht den Straßenraum „verschatteten“ (was objektiv betrachtet nicht den Tatsachen entsprach). Einen Park wollte er für eine mittlere sechsstellige Summe mit Schotter befestigen lassen, um damit seinen Freunden aus dem Schaustellermilieu im Wortsinn eine neue Spielwiese zu verschaffen.

Thieser, der auch mal Hagener Oberbürgermeister war, kann auf eine lange Tradition von Sperenzchen zurückgreifen. 1993 schaffte er es sogar in die überregionale Presse, die sich nicht so wohlwollend zeigte wie das dem Hasper in inniger Zuneigung verbundene Lokalblatt.

Auszüge:

„Ich befürchte Unruhen in der Stadt“

Mit „schlagenden“ Argumenten beschließt ein SPD-Oberbürgermeister den Asylbewerberstopp für seine Stadt / „Republikaner“ im Rat sind hocherfreut, doch das ficht das Stadtoberhaupt nicht an

Weil die Aufnahmekapazität der Stadt „erschöpft“ sei, so das Argument des Hagener Oberbürgermeisters, werde er vorschlagen, „die Verwaltung zu beauftragen, dafür zu sorgen, daß die weitere Aufnahme von Asylbewerbern und Aussiedlern unterbleibt“. Und weiter: „Ob das rechtlich zulässig ist, soll uns vorerst egal sein. Unsere Aufnahmekapazität ist erschöpft.“ Turnhallen und andere öffentliche Gebäude der Stadt will er nicht in Beschlag nehmen. Denn „die Akzeptanz in der Bevölkerung ist nicht gegeben. Ich befürchte erhebliche Unruhen in der Stadt“.

Rostock-Lichtenhagen im westfälischen Hagen? In der Gutenbergstraße 13 ist wenige Stunden vor der extra anberaumten Hauptausschußsitzung des Stadtrates wenig von der Erschöpfung der Aufnahmekapazität zu spüren. Mit 33 Flüchtlingen ist das Gebäude nicht mal zu einem Drittel belegt. (…)

Nun, Dietmar Thieser hatte Größeres im Sinn. Mit seinem Vorstoß, den er mit dem Hagener SPD-Fraktionschef Horst Tillmann im Detail abgestimmt hatte, wollte er „ein Signal an Düsseldorf und Bonn“ senden, den Asylkompromiß „endlich umzusetzen“. Thieser wörtlich: „Wir können dieses ewige Gequatsche und Nichtstun von Bund und Ländern nicht mehr ertragen, wir müssen uns wehren.“ (…)

Richtig ist, daß die Stadt Hagen die nach einem Schlüssel berechnete Aufnahmequote nur zu 84 Prozent erfüllt hat. Nach Auskunft des Düsseldorfer Arbeitsministeriums lag das „Aufnahmesoll“ der Stadt im April dieses Jahres aber nur bei rund 700 Asylbewerbern. Thieser hat also mit seinem öffentlichen Vorstoß die Aufnahmepflicht um etwa 370 Personen nach oben überzeichnet – er will die Zahl einer Modellrechnung des Regierungspräsidenten entnommen haben – und gleichzeitig die freien Kapazitäten heruntergespielt. (…)

Eine Stadt, die ihre Tore für weitere Flüchtlinge dichtmacht, egal ob legal oder illegal. Die Botschaft des Bürgermeisters kam an. Er „freue“ sich, daß der Bürgermeister nun endlich das ausgesprochen habe, „was wir schon vor zwei Jahren gefordert haben“, sagt Wolfgang Schulz während der relevanten Hauptausschußsitzung. Die sozialdemokratischen Ratsvertreter registrieren das Lob mit versteinerten Mienen. Schulz, Fraktionsgeschäftsführer der seit der letzten Kommunalwahl im Hagener Rat vertretenen „Republikaner“, grinst dagegen zufrieden.

Oberbürgermeister Thieser lassen die lobenden Worte des Rechtsradikalen scheinbar kalt. Schon im Vorfeld hatte er „den Beifall von der falschen Seite“ als das hinnehmbare kleinere Übel bezeichnet. (…)

Als der Oberbürgermeister seinen „Hilfeschrei“ Richtung Bonn damit begründet, „daß die Akzeptanz für Asylbewerber in den vergangenen Jahren zunehmend kleiner geworden sei“, hagelt es Zwischenrufe von der Tribüne. „Aufstachelung zum Rassenhaß“ wird dem Oberbürgermeister unterstellt. Unter den ZuhörerInnen gab es eine lautstarke Mehrheit gegen das Stadtoberhaupt. (…)

Schon wenige Tage nach dem spektakulären Auftritt des OB waren im Hagener Stadtteil Henkhausen anonyme Flugblätter aufgetaucht. Darin werden die Bürger aufgefordert, sich gegen Asylbewerber zu „organisieren“. Das Hetzblatt zeigt Hagener Asylbewerber auf Fotos, und in der zum Teil aus Zeitungsausschnitten zusammengestoppelten Überschrift heißt es wörtlich: „Asylanten in Hagen – Achtung! Schuß- und Stichwaffengebrauch“. (…)

Quelle: taz (23.04.1993)

Seuchen und Epidemien in Hagen

5. April 2020

Das rasche Bevölkerungswachstum im 18. Jahrhundert sowie gelegentlich auftretende Seuchen, wie z.B. die besonders schwere Pestepidemie von 1636, taten ein Übriges, um die mitten in den Städten gelegenen „Totenhöfe“ an den Kirchen in kurzer Zeit mit Leichen zu füllen. Über 2.000 ‚Pesttote’ aus dem Kirchspiel Hagen sollen damals in einem als „Bauernkuhle“ bezeichneten Massengrab an der Johanniskirche bestattet worden sein. (…)

Außer mehreren Pestepidemien, die allein im 17. Jahrhundert in der gesamten Region Tausende von Menschenleben forderten, ist für Hagen aus der Zeit um 1800 besonders eine infektiöse Epidemie belegt. Im Juni 1795, gleichzeitig mit der innenpolitischen Krise, kam es in der Stadt zum Ausbruch einer mehrere Monate anhaltenden Ruhr-Epidemie. Die Infektionen durch Bakterien erreichten im August und September des Jahres ihren Höhepunkt und fanden erst Anfang 1796 ein Ende. In diesem Zeitraum starben über 120 Personen in Hagen. Das Krankheitsbild der Ruhr ist durch schweren Durchfall und Fieber gekennzeichnet; beide Begleiterscheinungen schwächen die körperliche Konstitution bis zum Tod. (…)

Aus Sicht des märkischen Landphysikus Professor Dr. Hoffmann, der im Auftrag der preußischen Regierung gemeinsam mit dem Hagener Arzt Dr. Emminghaus die möglichen Ursachen der Epidemie untersuchte, war vielmehr die vorherrschende Mangelernährung in der Bevölkerung für den Ausbruch der Ruhr verantwortlich.

Der Bericht des Landphysikus ermöglicht einen interessanten Einblick in die Zusammensetzung in Hagen lebenden Bevölkerung und ihre Lebenssituation an der Schwelle zum 19. Jahrhundert. Hoffmann stellte fest, dass der ganz überwiegende Teil der damals rund 1.750 Personen zählenden Einwohnern des engeren Stadtbezirks als Fabrikarbeiter, Handwerker, Wollenweber, Tagelöhner und Fuhrleute tätig war. Sie lebten durchweg in ärmlichen Verhältnissen unter denkbar schlechten Wohnbedingungen. Ihr täglicher Verdienst betrug kaum 20 Stüber, wovon sie oft noch Frau und „viele Kinder“ zu ernähren hatten. Mitte Oktober 1795, also auch noch nach der Ernte, habe ein kleines Roggenbrot in Hagen aber immer noch 27 Stüber gekostet – also mehr als der Tagesverdienst. (…)

Quelle: Hagener Stadtgeschichte (Stadtarchiv)

Mit der Straßenbahn in den Widerstand

15. März 2020

Vor 100 Jahren scheiterte der Kapp-Putsch – Hagener Arbeiter trugen dazu bei

Mitglieder der Roten Ruhrarmee, Dortmund 1920. Foto: gemeinfrei.

Am 13. März 1920 putschten Reichswehrverbände und Freikorps gegen die Weimarer Republik. Schwer bewaffnete Einheiten, zum Teil mit Hakenkreuzen am Stahlhelm, besetzten das Berliner Regierungsviertel und verjagten die demokratisch gewählte Regierung. Ziel: die Errichtung einer Militärdiktatur. Arbeiterparteien und Gewerkschaften riefen zum Widerstand und zum Generalstreik auf.

Die „Freiheitsliebenden aller Grade“, wie Kurt Tucholsky sie später nannte, stellten sich im März 1920 den Militaristen in den Weg, die noch immer dem Kaiserreich nachtrauerten. Seit dem Ende der Ersten Weltkrieges war kaum mehr als ein Jahr vergangen, und nun sollte verhindert werden, dass jene wieder an die Macht gelangten, die dafür maßgeblich mitverantwortlich waren.

Auch auf der Hagener Springe strömten die Menschen zusammen. Die „Volksstimme“, die örtliche USPD-Zeitung, beschreibt die Atmosphäre wie folgt: Zehntausende „jubelten den Rednern zu, als diese betonten, daß in dieser bitter ernsten Stunden jeder bereit sein müsse, auch die schwersten Opfer zu bringen […] Nieder mit der Verbrecherbande! Nieder mit der Reaktion!“

Auf den Tag genau heute vor 100 Jahren, am 15. März 1920, geriet der Hagener Raum ins Visier der Putschisten. Ein mit Kanonen bestückter Zug des Freikorps Lichtschlag fuhr in den Bahnhof der Nachbarstadt Wetter ein. Die Nachricht schlug in Hagen wie eine Bombe ein. Fabriksirenen lösten Alarm aus, Autos wurden beschlagnahmt, und Straßenbahnen, die wegen den Generalstreiks in den Depots standen, wurden ausgefahren, um bewaffnete und unbewaffnete Arbeiter nach Wetter zu bringen.

Nach erbittertem Kampf, der auf beiden Seiten Tote und Verwundete kostete, nahm man die Soldaten gefangen. Mit den erbeuteten Waffen zog ein Teil der Arbeiter weiter in Richtung Ruhrgebiet und stellte sich auch hier den Putschisten entgegen.

Der Sieg in Wetter war mehr als nur von lokaler Bedeutung. Als sich Tage später die Niederlage der Militärverbände abzeichnete, bedankte sich Philipp Scheidemann vor der in Stuttgart tagenden Nationalversammlung bei denen, die den Putsch niedergeschlagen hatten, wobei er besonders auch den Anteil der Hagener herausstellte.

Heute erinnert auf dem Remberg-Friedhof ein Denkmal an die im Kampf gegen die Putschisten ums Leben gekommenen Arbeiter – die Märzgefallenen. Foto: Klaus Bärwinkel (CC BY 3.0).

Literaturhinweis:

„Sie starben, damit wir leben“ : der Kapp-Putsch 1920 und das Märzgefallenendenkmal in Hagen / Hagener Geschichtsverein e.V. (Hg.). Red.: Jochen Becker. Lesezeichen-Verl., 1997, ISBN: 3-930217-30-9 kart.

Auch ausleihbar in der Stadtbibliothek und den Bibliotheken von FernUni und Fachhochschule.

Dazu:

Ein aktueller Beitrag aus der Wetteraner Ausgabe der WPWR, der auch die Rolle der Hagener Arbeiter beleuchtet: Kapp-Putsch: So wurde Wetter vor 100 Jahren zum Schlachtfeld

„Pardon gibt es überhaupt nicht“

Gegen den rechtsextremen Kapp-Putsch im März 1920 formierten Linke im Ruhrgebiet eine „Rote Armee“. Rechtsradikale Freikorps und Reichswehr gingen brutal gegen sie vor – eine Vorstufe des Naziterrors. (…)

Quelle: SPIEGEL Geschichte

Den Hintergrund beschreibt ebenfalls eine Dokumentation des NDR aus dem Jahr 1979, in der auch zwei Zeitzeugen zu Wort kommen: Rote Ruhrarmee von Heiner Herde.

Mit der VHS durch die Liebfrauenkirche

13. März 2020

Durch die Liebfrauenkirche in Hagen-Vorhalle (Foto: Dieter Faßdorf) geht es für alle Interessierten bei einer Führung mit Benno Schmolke und der Volkshochschule Hagen (VHS) am Dienstag, 17. März, von 17.30 bis 19 Uhr. Der Treffpunkt ist am Eingang der Kirche, Liebfrauenstraße 21.

Die Liebfrauenkirche in Vorhalle entstand in den Jahren 1911 und 1912 als dreischiffige neuromanische Basilika nach Plänen des Architekten Carl Pinnekamp. Das Gebäude und die Inneneinrichtung bilden ein Gesamtkunstwerk, das die Kriege unzerstört überstand. Die individuell gestalteten Altäre sind Zeugen der Künstler und Kunsthandwerker der „Wiedenbrücker Schule“. In ihnen zeigt sich der Übergang von historischen Vorbildern zum zeitgenössischen Jugendstil. Wandgemälde aus den Jahren 1934 bis 1936 und neu gestaltete Kirchenfenster von 1986 runden den Gesamteindruck ab. Nach einer Generalrenovierung 1986 ist die Liebfrauenkirche heute eine der kunsthistorisch interessantesten und schönsten Kirchen in Hagen.

Die Führung übernimmt Benno Schmolke, ehemaliger Kunstlehrer und Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Sepia14-TeamART“. Es gibt keinen Eintrittspreis, dafür gilt das Motto „Zahlen Sie, so viel Sie wollen“. Eine Anmeldung für den Kurs 1178 ist unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung notwendig.

„Mehr als grenzwertig“

11. März 2020

Dr. Ralf Blank gibt grundlos die beleidigte Leberwurst

Der Fachdienstleiter Wissenschaft, Museen und Archive im Fachbereich Kultur der Stadt Hagen, Dr. Ralf Blank, zieht mit nicht nachvollziehbarer Polemik gegen Pablo Arias, Geschichtslehrer am Rahel-Varnhagen-Kolleg, zu Felde. Offenbar wittert er illegitime Konkurrenz.

Der Spiegel hatte in seinem Online-Angebot einen Bericht über ein Projekt des Geschichtskurses von Kolleg-Schülern veröffentlicht, in dem mit „ungewöhnlichen Methoden“ die NS-Vergangenheit der Stadt Hagen aufgearbeitet wird. DOPPELWACHOLDER.DE hatte bereits zuvor das Projekt vorgestellt.

In dem Bericht wird auch Arias zitiert, der sich wundere, wie seine Heimatstadt mit ihrer Nazi-Vergangenheit umgehe: „Eigentlich macht keiner was. Und wenn doch, dann halbherzig, nicht aus Überzeugung.“ Das war alles, das Stadtarchiv und Blanks weiterer Beritt findet in dem Spiegel-Bericht überhaupt keine Erwähnung. Außer, dass sich Arias u.a. ans Stadtarchiv wandte und so an die Akten kam, wie das Magazin berichtet.

Archiv-Chef Blank sah sich dagegen seiner Deutungshoheit beraubt und wetterte direkt los; ausgerechnet in den asozialen Medien, die eigentlich, wenn man schon den Anspruch der Wissenschaftlichkeit erhebt, tabu sein sollten.

Auf Fakebook schrieb er: „Herr Arias nutzt regelmäßig das Stadtarchiv, auch wenn er es offenbar nicht gerne als Quelle seiner Erkenntnisse nennt und auch das Entgegenkommen und die Unterstützung der Mitarbeiter offenbar als selbstverständlich ansieht und gering schätzt.“ Woher Blank seine „Erkenntnisse“ bezieht, ist nicht ersichtlich – aus dem Spiegel-Bericht jedenfalls nicht. Dort nennt Arias die „Quelle seiner Erkenntnisse“ ausdrücklich.

„Herr Arias bezieht seine Erkenntnisse u.a. auch aus dem Stadtarchiv Hagen, so dass seine Äußerung eigentlich nur wider besseren Wissens sein kann“, behauptet Blank weiter. Komisch – hatte sein vermeintlicher Rudelkonkurrent in der Hagener Geschichtsforschung doch gerade die Nutzung des Stadtarchivs positiv bestätigt („kam so an die Akten“).

Gestern legte Blank dann nochmal im Fachblatt WPWR nach. Der neue Leiter der Lokalredaktion, Jens Stubbe, sprach einleitend von einem „Spiegel-Interview“, obwohl es der Bericht eines Redakteurs des Nachrichten-Magazins war. (Kleiner Tipp an Stubbe: Interview hat was mit Fragen und Antworten zu tun.) Aber solche Unschärfen ist man ja von unserem Heimatblatt gewohnt.

Auf die Frage, wie er „das Zitat von Herrn Arias“ empfinde, antwortete Blank: „Das ist mehr als grenzwertig.“ In Hagen werde zur Aufarbeitung der NS-Geschichte „sehr viel geforscht, publiziert und pädagogisch-didaktisch gearbeitet“. Davon zeugten „zahlreiche Bücher und Aufsätze“, so Blank.

Nur das diese Veröffentlichungen meist woanders her kommen. Von Autoren wie Zabel oder Stöcker. Blank selbst beschäftigt sich mit Vorliebe nicht mit der NS-Diktatur, sondern mit den Folgen, die die willfährigen Deutschen am Ende zu erleiden hatten: mit den Bombadierungen durch allierte Bombergeschwader.

Das war auch schon Thema seiner Dissertation, mit der er zum Dr. phil. an der Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum promoviert wurde: eine Studie über Bombenkrieg, Rüstung und Kriegsalltag in Hagen 1939-1945.

Das ist alles legitim, aber woher stammen diese Aversionen gegen Menschen, die ebenfalls ein historisches Interesse haben und das sinnvollerweise an ihre Schüler vermitteln wollen? Manchmal hilft ein Blick in die Privatsphäre.

Da interessiert sich Blank nach eigenen Angaben für das Beobachten von Spinnen: Einzelgänger, die auf sichere Distanz zu ihren Artgenossen achten. Da sie in ihrem Umfeld gewöhnlich auch ihren Partner finden, neigen solche Gemeinschaften zur Inzucht.

Eine Todesanzeige für Gerda

5. März 2020

Mit ungewöhnlichen Methoden arbeitet ein Geschichtskurs die NS-Vergangenheit der Stadt Hagen auf

Pablo Arias, in der spanischen Provinz Asturien geboren, hält sich selbst für einen „stinknormalen Oberstudienrat“: Er unterrich­tet Spanisch, Erdkunde und Geschichte am Rahel-Varnhagen-Kolleg in Hagen, wo junge Erwachsene auf dem zweiten Bildungsweg einen Schulabschluss machen können. Seit 2003 lebt er in Deutschland. Eines ­allerdings, sagt er, wundere ihn noch immer: wie seine neue Heimatstadt mit ihrer Nazivergangenheit umgehe. ­“Eigentlich macht keiner was. Und wenn doch, dann halbherzig, nicht aus Überzeugung“, sagt Arias.

Seit knapp zwei Jahren leitet er den Projektkurs Ge­schichte, seine Schüler holen das Fachabitur oder das ­Abitur nach. Laut Lehrplan sollen sie sich mit den Opfern des Na­tionalsozialismus beschäftigen. Arias ­entschied, das Thema „aus der ­Lo­kalperspektive“ zu betrachten. In dem Buch „Hagen unterm Ha­kenkreuz“, 432 Seiten dick, werden Euthanasie und Zwangssteri­lisation nur beiläufig behandelt, ­obwohl laut Arias gut 300 behinderte oder psychisch kranke Bürger der Stadt ermordet und ungefähr tausend unfruchtbar gemacht wurden. Die Schüler sollten diesen Menschen ein Gesicht geben. (…)

Quelle: Spiegel (Bezahlschranke, Gratismonat möglich)

Wichtige Nazis wohnten auf Emst

28. Februar 2020

170 Besucher bei der Präsentation von „Emst unterm Hakenkreuz“

Gestern (27.2.2020) wurde um 17:00 Uhr im Gemeindehaus der Kath. Heilig-Geist Gemeinde das Heft „Emst unterm Hakenkreuz“ (Titel s. Abb.) vorgestellt, ein historischer Rundgang durch das Emst der 30er und 40er Jahre. Autoren sind die Schüler des Projektkurses Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kollegs, der von Pablo Arias koordiniert wird.

170 Zuhörer verfolgten eine Powerpoint-Präsentation, in der die Biographien Emster Opfer der Nationalsozislisten, aber auch von NS-Tätern vorgestellt wurden. Zu den ersten gehörten u.a. das erste und vielleicht das letzte Opfer der Nationalsozialisten in Hagen: Der Arbeiter Alex Best, erschossen an der Cunostraße am 2. März 1933 von SA und Polizisten; und der 20-jährige Deserteur Eduard Dunker, ermordet durch die Gestapo am 12. April 1945, nur zwei Tage bevor der Krieg in Hagen endete.

Über die Täter weiß man in Hagen noch weniger als über die Opfer. Viele wichtige Nazis wohnten auf Emst, wie der Oberbürgermeister Vetter und der Ortsgruppenleiter Fritz Scharlemann. Der Hohenhof war eine NS-Schule. Auch auf Emst wohnten zwei Haupttäter, die eine entscheidende Rolle bei der Steriliserung und Ermordung von mehr als tausend Hagenern hatten: Dr. Schlockermann und Dr. Scheulen. Zu dem Opfern von Scheulen gehörte seine Nachbarin Anna Schäfer.

An der Präsentation waren auch Beiträge weiterer drei Hagener Schulen beteiligt:

  • Die Schüler der Gustav Heinemann Schule stellten die Biographie von Eduard Dunker vor, der direkt neben der Eilper Schule wohnte.
  • Den 2. Beitrag übernahmt die Klasse 4 der Grundschule Emst, die über die jüdische Familie Wolff berichtete, auch Opfer der Nazis.
  • Die Abiturienten des Gymnasiums Hohenlimburg hatten einen Beitrag über Captain Carrey, Offizier der britischen Besatzungstruppen, vorbereitet.

Der Beitrag aus Hohenlimburg hat eine Besonderheit: Er war in englischer Sprache verfasst. Die Stationen des Rundgangs wurden in Deutsch, Englisch und Russisch vertont, sodass ab Ostern jeder mit dem Handy durch Emst gehen und zuhören kann, was hier oder dort passiert ist, oder wer in welchem Haus gewohnt hat.

Der Projektkurs des Rahel-Varnhagen-Kollegs bedankt sich bei den vielen Emstern, die mit Informationen und Fotos geholfen haben oder als Zeitzeugen in die Schule kamen.

Zu den den weiteren Helfern zählen der Hagener Geschichtsverein und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, beide offizielle Partner des Kollegs.

Das Heft ist im Rahel-Varnhagen-Kolleg kostenlos erhältlich oder hier als PDF-Datei.

Emst unterm Hakenkreuz

24. Februar 2020

Hagener Schüler stellen Opfer- und Täterbiographien vor

Der ehemalige Emster Wasserturm während der NS-Zeit. Der 1911 erbaute Turm stand an exponierter Stelle an der Straße Annaberghöhe direkt an dem zum Volmetal abfallenden Steilhang und war eine gut sichtbare Landmarke. Auch das Hakenkreuz auf der Fotografie zeigt in Richtung Tal und konnte so seine Wirkung entfalten. Bildquelle: Veranstaltungsplakat.

Am 27.2.2020 um 17:00 Uhr präsentieren im Heinrich-König-Haus, Oberer Altloher Weg 14, HA-Emst, Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs die Broschüre Tatort Emst. Sie haben Informationen über die Ereignisse in dem Stadtteil zwischen 1933 und 1945 aus Geschichtsbüchern und Archivmaterial gesammelt und Zeitzeugen befragt. So entstand ein spannender historischer Rundgang.

Stationen sind u.a. der von den Nazis umgenutzte Hohenhof, das Heinrich-König-Haus, die Häuser des NS-Oberbürgermeisters Vetter und des Bürgermeisters Steinhoff, das Gefangenenlager beim Restaurant „Schöne“ und die Praxis eines verfolgten jüdischen Arztes an der Straße „Stirnband.“ Und wer weiß noch, dass Alex Best und Eduard Dunker, das erste bzw. letzte Opfer der Diktatur in Hagen, auf Emst ermordet wurden?

Projektpartner sind u.a. der Hagener Geschichtsverein, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Heilig-Geist-Gemeinde. Der Eintritt ist kostenlos.

Hagen vor 100 Jahren

22. Februar 2020

Um „Hagen vor 100 Jahren“ geht es am Donnerstag, 27. Februar, um 18 Uhr in einem Vortrag der Volkshochschule Hagen (VHS) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hagen <w>örtlich“ mit Dr. Ralf Blank in der Stadtbücherei auf der Springe.

Die Zwanziger Jahre waren in Hagen ein Zeitabschnitt, der durch politische, soziale und gesellschaftliche Umbrüche sowie städtebauliche und kommunale Wandlungsprozesse geprägt war. Auch wirtschaftliche Umorientierungen und Krisen – am Anfang und am Ende – bestimmten diese Zeit. Wenn überhaupt, dann sind nur die Jahre von 1925 bis 1929 als „Goldene Zwanziger“ zu bezeichnen. Dennoch waren auch in Hagen die kulturellen, architektonischen und wirtschaftlichen Strömungen und Neuerungen spürbar. Der Vortrag gibt einen Überblick über die historische Entwicklung in Hagen zwischen 1919 und 1933.

Der Eintritt beträgt an der Abendkasse 5 Euro. Die VHS bittet um eine Anmeldung mit Angabe der Kursnummer 1004 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung. Weitere Informationen erhalten Interessierte unter Telefon 02331/207-3622.

Damals: Ausflugslokale rund um Hagen

10. Februar 2020

Um das Thema „Ausflugslokale rund um Hagen Teil 1 – West und Nord“ dreht sich der nächste Gesprächsabend der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Jens Bergmann am Freitag, 14. Februar, um 17 Uhr im Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30.

Bis zur allgemeinen Motorisierung waren Ausflugslokale auf den Höhen und in den romantischen Tälern rund um Hagen ein beliebtes Ziel für Wochenenden oder Ferien. Mit ausgesuchten Bildern aus dem Archiv des Hagener Heimatbundes erinnert Jens Bergmann an bekannte und weniger bekannte Einrichtungen und lässt auch die Besucher mit ihren Erinnerungen sowie Geschichten zu Wort kommen. Wegen des umfangreichen Materials stehen zuerst die Ausflugslokale westlich und nördlich von Hagen im Fokus.

Der Eintritt für die Veranstaltung beträgt 2 Euro. Informationen zur Anmeldung für den Kurs 1210 erhalten Interessierte beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622.

„Hagen wörtlich“: Elektromobilität in Deutschland

3. Februar 2020

Adolf Müller, Direktor der Accumulatorenfabrik AG, in seinem Studebaker Runabout. Foto: Sammlung Hartwig Willmes.

Elektromobilität in Deutschland von circa 1888 bis etwa 1990 ist das Thema eines Bildervortrags des Diplom-Ingenieurs Hartwig Willmes am Donnerstag, 6. Februar, um 18 Uhr im Rahmen der gemeinsamen Vortragsreihe „Hagen <w>örtlich“ der Volkshochschule Hagen (VHS) und der Stadtbücherei auf der Springe in den Räumlichkeiten der Stadtbücherei.

Elektroautos scheinen die Zukunft der Mobilität zu sein, aber die Elektromobile haben in Deutschland schon eine lange Tradition. Bereits der erste Direktor der Accumulatorenfabrik AG (AFA), Adolf Müller, kaufte 1893 in Amerika ein Elektromobil der Marke Studebaker Runabout. Dieses war das erste fahrtüchtige Elektrofahrzeug in Deutschland. Adolf Müller dachte an seinen Batterie-Umsatz und stellte das Fahrzeug der deutschen Industrie vor, die aber nicht interessiert war.

So gibt es viele Parallelen aus der Vergangenheit im Vergleich zur heutigen Einführung von Elektrostraßenfahrzeugen. Allerdings haben sich einige Pro- und Kontra-Argumente zur Elektromobilität verändert und andere sind bis heute gültig. Im Laufe der Geschichte zeigen sich etliche bekannte Automobilfirmen wie zum Beispiel Porsche, Opel oder Volkswagen, die in den vergangenen 100 bis 125 Jahren mit Elektromobilen experimentiert haben.

Im Vortrag stellt Hartwig Willmes verschiedene historische E-Automobile und deren Hersteller vor. Den Abschluss bildet eine Übersicht über die Bemühungen, den öffentlichen Nahverkehr in einigen Stadtzentren auf elektrische Omnibusse umzustellen und zu erproben.

Der Eintritt zum Bildervortrag beträgt 5 Euro. Die VHS bittet um Anmeldung unter der Veranstaltungsnummer 1002 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

Der Garten des Hohenhofs birgt noch viele Geheimnisse – Stadt sucht Zeitzeugen

31. Januar 2020

Ausgrabungen auf dem Gelände des Hohenhofs. Foto: Michael Kaub/Stadt Hagen.

Der Hagener Hohenhof, das ehemalige Wohnhaus von Karl Ernst Osthaus und seiner Familie, ist ein bedeutendes Gesamtkunstwerk und damit dieses wieder in Gänze erlebbar wird, finden seit April 2019 im weitläufigen Garten archäologische Grabungen statt. Ist der Garten, der noch viele Geheimnisse birgt, doch untrennbar mit den Gebäuden verbunden.

Archäologische Grabungen bei einem Bauwerk des 20. Jahrhunderts sind ein ungewöhnliches, aber dennoch nicht minder spannendes Unterfangen. Wie spannend diese Grabungen auch für „Nicht-Experten“ sind, wurde am Denkmaltag im September des Vorjahres deutlich, als zahlreiche Besucher aus Hagen und der Region den Archäologen über die Schulter schauten.

Die Landschaftsarchitektin Susanne Weisser aus Wuppertal beschäftigt sich seit mehr als einem Jahr mit der Frage, was von den ursprünglichen und fotografisch gut dokumentierten Außenanlagen am Hohenhof noch zu finden ist, nachdem die Natur an vielen Stellen das Regiment übernahm. Im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) im Jahr 2027 soll der Garten soweit möglich unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wieder hergestellt sein, damit das Gesamtkunstwerk „Hohenhof“ nach den Entwürfen des belgischen Architekten Henry van de Velde wieder begeh- und damit erlebbar wird.

Es ist bereits allgemein bekannt, dass noch ein anderer bedeutender Landschaftsarchitekt, Leberecht Migge, Einfluss auf die Gestaltung des Gartens hatte. Aus der Literatur ist bekannt, dass Karl Ernst Osthaus kurz nach Fertigstellung des Van de Veldeschen Entwurfs Migge beauftragte, den Garten zu überarbeiten, sehr zum Unwillen von van de Velde, wie aus ausgiebigen Briefwechsel deutlich wird. Deshalb nahm man an, dass sich van de Velde auch zum größten Teil durchsetzte.

Erste Grabungsergebnisse der Archäologen stellten diese Annahme aber schon sehr früh in Frage. Überall wo man Spuren von van de Velde vermutete, stieß man auf Reste von Anlagen, die den Entwürfen Migges entsprachen. Im November wurde deshalb beschlossen, weiter zu graben, um noch mehr Klarheit zu erhalten.

Dabei kamen Funde jüngeren Datums zu Tage. Neben Orden und Patronenhülsen, die eindeutig der Zeit des Dritten Reichs zugeordnet werden konnten, legten die Archäologen rund um das Team von Frau Dr. Eva Cichy (LWL-Archäologie) eine große Sandsteinstufe und verschiedene Beeteinfassungen frei, die weder auf Plänen verzeichnet sind, noch auf historischen Fotografien festgehalten wurden. Die Beteiligten vermuten, dass es sich um Überformungen handelt, die nach dem Verkauf des Hohenhofs, evtl. in der Zeit als der Hohenhof als Gauleiterschule genutzt wurde, entstanden.

Erste Recherchen im Hagener Stadtarchiv waren ergebnislos und auch der Hagener Experte für die Nazizeit Dr. Ralf Blank konnte dazu keine Aussagen treffen.

Daher bitten Dr. Birgit Schulte vom Osthaus Museum und die Denkmalpflegerin Ina Hanemann alle Hagenerinnen und Hagener, die Erinnerungen, Unterlagen oder Fotos aus dieser Phase der Nutzung besitzen oder auch aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der der Hohenhof noch Frauenklinik war, sich unter E-Mail ina.hanemann@stadt-hagen.de oder Telefon 02331/207-3154 zu melden.

Hagener Antifaschisten putzen Stolpersteine

29. Januar 2020

Wieder blank: Stolpersteine in Hagen. Foto: AK Antifa Hagen.

Am Holocaust-Gedenktag am Montag und 75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau putzten Hagener Antifaschisten die Stolpersteine in der Innenstadt, um der Hagener Opfer des Holocaust zu gedenken.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, bei der kleine Namensschilder vor der letzten, vor der Deportation bekannten Wohnstätte der Opfer in den Boden eingelassen sind. Die ursprünglich messingfarbenden Steine waren mittlerweile teilweise stark verschmutzt.

Gerade in diesen Zeiten, wo nur noch wenige Augenzeugen der NS-Verbrechen am Leben sind und der aktuelle Rechtsruck in der Gesellschaft sich auch durch einen wiedererstarkten Antisemitismus bemerkbar macht, gilt es die Erinnerung wach zu halten.

„Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts ähnliches geschehe.“ (Theodor W. Adorno)

In Ergänzung dazu:

Datenbank mit 507 Namen Hagener Holocaust-Opfer

Berücksichtigt sind jüdische Personen, deren Geburtsort Hagen war oder ihr Wohnsitz vor dem 2. Weltkrieg oder ihr Aufenthaltsort während des Krieges. Die Datenbank der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem enthält nur jüdische Opfer, andere aus rassischen, politischen u.a. Gründen Verfolgte und Vernichtete sind nicht Bestandteil der Datenbank.

 

Hagen gedenkt der Opfer des Faschismus

29. Januar 2020

„Heute stellen wir uns öffentlich und gemeinsam gegen Antisemitismus, Faschismus, Verhetzung und jede Form von Ausgrenzung“, erklärt Oberbürgermeister Erik O. Schulz in seiner Rede zur Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Theodor-Heuss-Gymnasium.

„Wer im Namen der Demokratie arbeitet und lebt, muss sich aktiv dafür einsetzen, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger in unserem Land akzeptiert und sicher fühlen“, so Schulz weiter. Neben Musik- und Redebeiträgen von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums, unter anderem zum sogenannten „Buchenwälder Marsch“ von Fritz Löhner-Beda, hielt auch Rudolf Damm, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, eine Gedenkrede. Er ließ dabei persönliche Erfahrungen einfließen und mahnte die Schülerinnen und Schüler zur Wachsamkeit, damit sich solche abscheulichen Taten nicht wiederholen.

Anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt.

Nachruf auf ein Hagener NS-Opfer

27. Januar 2020

Die Schüler des Projektkurses Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kollegs haben anlässlich des 27. Januar 2020, Tag zur Erinnerung an die NS-Opfer und 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz einen Nachruf auf eine Hagenerin verfasst, die 1939 an den Folgen einer Zwangssterilisation starb.

Die Angaben beruhen im Wesentlichen auf Archivakten, die Rainer Stöcker, Autor des 2. Bandes von „Vergessene Opfer. NS-Steriliserungen in Hagen“ zur Verfügung gestellt hat. Die Schüler haben aus mehreren Biographien eine gewählt und zusammengefasst. Kleine Ergänzungen kommen von Internetrecherchen.

Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf diese Opfergruppe zu lenken. Sie war bisher in Hagen kaum bekannt, wie auch die „Fremdarbeiter“, Sinti oder Deserteure. Wenn alles gut geht, wird eine Schulausstellung zum Thema im Mai entstehen.

Übrigens wird das Thema auch kurz in dem neuen Heft über Emst behandelt. Besonders schockierend war es hier, dass ein Opfer und der Täter, Dr. Scheulen, wenige Meter entfernt voneinander wohnten.

NACHRUF

Gerda Oberbeck
geb. am 5.11.1921 in Hagen
gestorben am 24.6.1939 im Allgemeinen Krankenhaus

Liebe Gerda,

wir kennen dich nicht, aber wir wissen, dass du ein sehr kurzes Leben hattest. Du wohntest in der Albrechtstraße auf dem Kuhlerkamp und musstest schon in jungen Jahren arbeiten, um deine Familie finanziell zu unterstützen.

Du wurdest nach einem Test des Gesundheitsamtes der Stadt Hagen als „minderwertig“ und „erbbelastet“ eingestuft. Dies wurde dir wenige Tage später per Brief mitgeteilt. Du hast nie erfahren, wer dich angezeigt hatte.

Die Ärzte entschieden, dass du keine Kinder bekommen, nie heiraten, keine Familie gründen, keine weiterführende Schule besuchen, keine sozialen Leistungen bekommen durftest. Was dachtest du, als du den Brief gelesen hast, der alle deine Lebenspläne zerstörte? Und du wusstest auch: Sobald es sich herumspricht, werden Freunde und Kollegen dir aus dem Weg gehen.

In weiteren Briefen wurdest du dazu aufgefordert, dich im Allgemeinen Krankenhaus zu melden. Du hast die Briefe ignoriert, vielleicht zerstört oder versteckt.

Am 3.6.1939 fuhrst du wie jeden Tag zur Arbeit mit der Straßenbahn zur Ketten- und Munitionsfabrik Ruberg und Renner im Klosterviertel. Bei der Arbeit erschienen Polizisten, um dich ins Allgemeine Krankenhaus zu bringen. Wie fühltest du dich, als du vor all deinen Kolleginnen als „minderwertig“ bloßgestellt wurdest?

Drei Tage später wurdest du zwangssterilisiert. Musstest du auf den OP-Tisch gezerrt werden, wie einige andere Frauen, oder akzeptiertest du, dass deine Verstümmlung nicht mehr zu vermeiden war?

Nach der Operation ging es dir immer schlechter. Du hast vielleicht Gerüchte von anderen Frauen gehört, die hier gestorben sind, auch wenn man versucht hat, es zu vertuschen. Hattest du Angst? Konnte deine Mutter dich trösten? Am 24 Juni bist du gestorben.

Du bist nur 17 Jahre alt geworden, Opfer der Rassenpolitik der Nazis und ihrer Helfer. Das Gesundheitsamt beglich die vom Allgemeinen Krankenhaus gestellte Rechnung. Ein lohnendes Geschäft: Hunderte von Hagenerinnen wurden hier zwangssterilisiert oder zur Abtreibung gezwungen. Und danach vergessen. Bis heute.

VHS-Gesprächsabend: Kinos im Wandel der Zeit

26. Januar 2020

Die großformatige Anzeigetafel kündigt einen Hubert-Marischka-Film von 1942 an. Foto: Strunk.

Um das Thema „Hagener Kinos im Wandel der Zeit“ dreht sich der nächste Gesprächsabend der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Uli Weishaupt am Freitag, 31. Januar, um 17 Uhr im Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30.

Auch der „10. Kino-Gesprächsabend“ beschäftigt sich mit der Glanzzeit der Hagener Kinos in den 1950er und 60er Jahren. Im Mittelpunkt steht diesmal das „ODEON“ in Boele, Schwerter Straße 159, das von 1948 bis 1966 existierte. Zu Gast im Erzählcafé ist ein junger Fotograf aus Boele, der sich 2016 genau 50 Jahre nach der Schließung des großen Vorstadtkinos mit dessen Geschichte auseinandergesetzt und diese aufgearbeitet hat. Seine Präsentation enthält auch passende Fotos. Abschließend zeigt ein Farbtonfilm die Hagener Ingenieursschule von 1968.

Der Eintritt für die Veranstaltung beträgt 2 Euro. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Plätzen bittet das Serviceteam der VHS um eine frühzeitige Anmeldung mit Angabe der Kursnummer 1206 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

Gedenken für die Opfer des Faschismus

23. Januar 2020

Die Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Faschismus findet in diesem Jahr am Dienstag, 28. Januar um 12.30 Uhr in der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums, Humpertstraße 19, statt. Neben Musik- und Redebeiträgen von Schülerinnen und Schülern gestalten Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Rudolf Damm, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die Gedenkveranstaltung. Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Rückblende: Der Hagener Wochenmarkt 1903

15. Januar 2020

Ein reges Treiben auf dem Hagener Wochenmarkt zeigt die Postkarte von 1903. Die Stadt hatte damals etwa 70.000 Einwohner; Haspe, Boele, Vorhalle und die Lennedörfer waren noch nicht eingemeindet.

Heute befinden sich die Hagener Märkte in der Krise. „Händler und Kunden haben Angst um die Zukunft der Wochenmärkte. Es gibt dort immer weniger Lebensmittelstände“, beschrieb die WPWR 2016 die Lage. Und ein Jahr später titelte das Blatt zum Markt in Hohenlimburg: „Nur noch zwei Wochenmarkt-Stände“.

Im letzten Jahr erreichte das Thema auch Politik und Verwaltung. Alle fünf Bezirksvertretungen und der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigten sich mit der Situation. In einer Beschlussvorlage erläuterte die Verwaltung den Hintergrund des Schwächelns der Wochenmärkte:

In ganz Deutschland unterliegen die Wochenmärkte einem Wandel der dazu geführt hat, dass einige der über 3.000 Wochenmärkte in den letzten 10 Jahren um bis zu 50 % geschrumpft sind. Die Gründe hierfür sind vielfältig, insbesondere die Konkurrenz durch die Discounter und Vollsortimenter, die mit großen Parkflächen vor der Tür aufwarten und mit Öffnungszeiten bis 22.00 Uhr weitgehend die Versorgungsrolle übernommen haben, macht den Markthändlern zu schaffen. Diese Lebensmittelhändler haben für sich die Chance erkannt und bieten inzwischen vielfältige Produkte aus biologischer Landwirtschaft und regionaler Produktion an, bei denen die Markthändler auch preislich nicht mithalten können.

Ein anderes großes Problem liegt im altersbedingten Händler- und Kundenrückgang. Während die Markhändler wegen des vergleichsweise harten Jobs (früh aufstehen, bei jedem Wetter den Stand betreuen, schwer tragen) Nachfolgerprobleme haben, ist auch die Stammkundschaft älter geworden und mitunter auf komfortablere Einkaufsmöglichkeiten (kurze Gehwege, individuelle Transportmöglichkeiten) angewiesen. Das Einkaufsverhalten hat sich auch verändert bzw. sich an die geänderten Lebens- und Arbeitsbedingungen angepasst, so dass inzwischen selbst Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs online bezogen werden.

Der Schrumpfungsprozess wird sich aller Vorrausicht nach weiter fortsetzten und die Empfehlung der Verwaltung dürfte ein frommer Wunsch bleiben:

Die Funktionen der Märkte als Ort der Nahversorgung auf der einen Seite und als Treffpunkt für die Hagener Bürgerinnen und Bürger auf der anderen sollen miteinander gekoppelt werden, was letztendlich auch dem umgebenden Einzelhandel sowie der Gastronomie zu Gute kommen wird.

So wie es noch bis in die 1990er Jahre war und auch auf der historischen Postkarte zu sehen ist, wird es wohl nicht mehr werden mit den Hagener Wochenmärkten.

Führung durch das Stadtarchiv Hagen

12. Januar 2020

Eine Besichtigung des Stadtarchivs Hagen, Eilper Straße 132-136, bietet die Volkshochschule Hagen (VHS) im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „100 Jahre – 100 Begegnungen“ am Dienstag, 14. Januar, von 14 bis 16 Uhr an.

Das Stadtarchiv wurde 1929 gegründet und deckt mit seinen Beständen einen Zeitraum vom Mittelalter über die Frühe Neuzeit bis in die Gegenwart ab. Sie dokumentiert über 750 Jahre Geschichte der Stadt, ihrer Stadtteile und der gesamten Region. Heute zählt das Stadtarchiv Hagen zu den größten Kommunalarchiven in Nordrhein-Westfalen. Die Führung vermittelt, dass Archive heute keine staubigen Keller mehr sind, sondern Orte, an denen Geschichte wieder lebendig wird.

Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos, eine Anmeldung unter Angabe der Veranstaltungsnummer J204 auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 erforderlich.

Holocaust-Überlebender aus Hagen in Berlin verstorben

29. Dezember 2019

Herbert Shenkman wuchs in Hagen auf, wurde deportiert und entkam aus dem Vernichtungslager Auschwitz. Er starb am 15. Dezember in Berlin. (…)

Shenkmann wurde am 20. Dezember 1923 in Hagen geboren. Als er drei Jahre alt war, starb sein Vater. Bei der Mutter und den Großeltern wuchs er in der Stresemannstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs auf. Er besuchte einen christlichen Kindergarten in Wehringhausen. Eingeschult wurde er an der jüdischen Volksschule ab der Potthofstraße, dort, wo sich heute die Synagoge der Jüdischen Gemeinde befindet. Später wechselte er an die Mittelschule Altenhagen.

Ab 1937 aber ist es jüdischen Kindern verboten, Schulen zu besuchen. Herbert Shenkman beginnt eine Vorlehre als Schlosser in Köln, erlebt hier in einer Pension die Reichspogromnacht. „Meine Mutter war an jenem Tag zu mir gekommen und hatte mich gewarnt, nach Hagen zurückzukehren. Mein Onkel, der als Zahnarzt in Priorei arbeitete, musste fliehen, als die Gestapo an seine Tür klopfte. Sie glaubte nun, dass es die Gestapo als nächstes auf mich abgesehen hätte.“

Nach seiner Rückkehr nach Hagen arbeitet Herbert Shenkman als Hilfsarbeiter beim Bauunternehmen Reiß in Delstern. Mehrfach gelingt es seinem Chef, ihn vor der Deportation zu bewahren, weil der den Nationalsozialisten erklärt, dass Shenkman unabkömmlich sei. 1940 wird er gezwungen, die eigene Wohnung zu verlassen und in ein Judenhaus an der Potthofstraße zu ziehen. Am 30. Juli 1942 kann auch sein Chef ihn nicht mehr retten. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Dazu:

Zum Tod von Herbert Shenkmann: Interview aus dem Jahr 2012

In Hagen hat sich ein Bündnis gegen Rechts formiert. Sorgt Sie der Rechtsradikalismus in Deutschland?

Shenkman: Die Ratten, die sich nach 1945 plötzlich alle verkrochen hatten, kommen jetzt wieder hervor – mit all ihren Ideologien und ihrem Hass. Aber ich glaube und hoffe, dass es nicht mehr so sein kann, wie es einst gewesen ist. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Anmerkung: Selbst diesen nicht nur historisch wichtigen Beitrag, der zu mindestens 90 Prozent aus Originalton Shenkmann besteht und bereits sieben Jahre alt ist, nutzt die Funke-Gruppe dazu, um ihre Kasse aufzufüllen. Bemerkenswertes findet sich in einem Bericht der Berliner Zeitung (ohne Bezahlschranke) anlässlich der Beisetzung Herbert Shenkmans:

Bei einem Besuch im Hagener Rathaus wird ausgerechnet er gefragt, ob es nicht schade sei, dass der Bürgermeister aus Nazi-Zeiten nicht wie die anderen Bürgermeister mit Foto an der Wand verewigt sei. Eben jener Mann, der die Deportationen anordnete. „Diese Frage an mich!“, schreibt Shenkman an einer Stelle. „Ich hatte den Eindruck, in ein Nazi-Nest zu kommen…“

Das war 1960 und dieser Eindruck ließ sich nicht ganz von der Hand weisen. Ein damaliger Liebling der veröffentlichten Meinung in Hagen, der Brauereibesitzer, Großwildjäger und SS-Mann Carl-Horst Andreas, hatte zwei Führungspositionen seines Unternehmens mit Gesinnungskumpanen und hochrangigen Offizieren der Verbrecherorganisation besetzt: SS-Brigadeführer Kurt Meyer („Panzermeyer“) fungierte als Vertriebschef der Braustätte und SS-Hauptsturmführer Oskar Pahnke war Werbeleiter.

Pahnke, der es nahtlos zum CDU-Funktionär gebracht hatte und mit Morden in den Niederlanden in Verbindung gebracht wird, wurde anlässlich seines Todes 2009 von Parteifreunden ausgerechnet mit einem Zitat des von den Nazis hingerichteten Theologen Dietrich Bonhoeffer „geehrt“. Der Eindruck Shenkmans hatte sich also auch fünf Jahrzehnte später nicht verflüchtigt.

Weitere Hintergründe sind in dem Blog eines nicht bekannten aber offenbar gut informierten Autors nachzulesen: https://deutschegeschichtenblog.wordpress.com/

Eine Biografie Herbert Shenkmans hat das Hagener Stadtmuseum veröffentlicht (siehe hier).

Hagen zwischen 1954 und 1964

28. Dezember 2019

Einen stadtgeschichtlichen Kurs zum Wiederaufbau und Umbau Hagens nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltet die Volkshochschule Hagen (VHS) ab Mittwoch, 15. Januar, einmal wöchentlich bis Mittwoch, 19. Februar 2020, jeweils von 19.30 bis 21 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38.

Mitte der 1950er Jahre fand der Wiederaufbau in Hagen statt. Ihm schloss sich bald das Wirtschaftswunder an. 1954 und noch einmal 1964 (Abb.) erschienen in der Volmestadt zwei Bücher zum Thema „Hagen baut auf“. In dem Kurs führt Michael Eckhoff anhand dieser zwei Bände sowie mithilfe zahlreicher weiterer Fotos das Jahrzehnt zwischen 1954 und 1964 insbesondere in städtebaulicher Hinsicht vor Augen. Dabei kommt auch die Wirtschaftsgeschichte zur Sprache, denn Hagen war in dieser Phase eine überaus bedeutende Industriestadt mit einem neuen Rathaus, das äußerlich als Symbol der „Stahlstadt Hagen“ gestaltet war.

Mehr Informationen und Anmeldung zum Kurs mit der Veranstaltungsnummer 1012 gibt es beim Team der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung.

Weihnachten vor 100 Jahren in Hagen: Kohlemangel und Alltagssorgen trübten die Festtagsfreude

25. Dezember 2019

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

In der Hagener Bevölkerung wollte Weihnachten 1919, ein Jahr nach dem Großen Krieg, der später der Erste Weltkrieg heißen sollte, keine rechte Festtagsfreude aufkommen. Das berichtete die Hagener Zeitung in ihrer Ausgabe vom 24. Dezember 1919. Selbst in den schlimmen Kriegsjahren sei das Fest nie so traurig gewesen. (…)

Quelle: Lokalkompass

Architektur spiegelt Leitbild der Zeit

14. Dezember 2019

Am Sonntag Führung über das Industriedenkmal Koepchenwerk – Förderverein droht die Auflösung

In der Industrie setzte sich Strom Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst nur schleppend durch. Ab den 1920er Jahre jedoch eroberte der elektrische Antrieb langsam, aber stetig auch die Fabriken. In den Jahren 1927 bis 1930 wurde das Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk in Herdecke gebaut. Es gilt als bedeutendes nationales Monument der Energiewirtschaft.

Am Sonntag (15.12.) haben Besucher die Möglichkeit, im Rahmen einer Führung der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur das Bauwerk zu besichtigen und mehr über seine Geschichte und die Technik, die es beherbergt, zu erfahren.

Die Anlagen des Koepchenwerks (Foto: Klaus-Peter Schneider) sind dem Stil der Zeit folgend geradlinig und rechtwinklig. Diese Bauform sollte Modernität, Funktionalität und Rationalität betonen. Die Merkmale waren in den 1920er Jahren ein Leitbild für Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Großteil des Krafthauses ist aus Beton und oberhalb der Fensterbänke aus verputztem Ziegelmauerwerk. Für die Stadt Herdecke und Umgebung ist das Koepchenwerk mit seinem auffallenden Rohrbahnen und dem RWE-Schriftzug eine unverwechselbare Landmarke geworden.

Führung Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk:

Sonntag (15.12.) um 14 Uhr, Dauer: ca. 90 Minuten,
Preis: 8 Euro pro Person, Kinder unter 12 Jahren frei
Treffpunkt: Haupteingang, Im Schiffwinkel 43, 58313 Herdecke

Dem Förderverein Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk e.V. droht derweil die Auflösung. Der öffentliche Aufschrei beim Abrissantrag war ein wichtiges Argument 2015 und 2016 für potientielle Investoren und Retter, sich auf das gefährdete Denkmal einzulassen.

AG-Initiatorin Regina Schrader möchte nach fünf Jahren intensiver Arbeit das Amt der Vorsitzenden an Jüngere weitergeben und als Gästeführerin noch über Geschichte und technische Ideen ihres Großonkels Arthur Koepchen berichten, solange ihr Alter das zulässt.

Leider konnte sich trotz mehrerer Rückmeldungen bisher niemand zu einer Bewerbung entschließen. Bürgerinnen und Bürger sollten aber nicht die Arbeit zur Sanierung und Nutzung allein der neuen Eigentümerin überlassen.

Bis Donnerstag, dem 16.01.2020 kann der Vorstand noch Bewerbungen für die Kandidatur entgegennehmen, die 29 Vereinsmitglieder haben noch Zeit bis zum 01.02.2020 für einen schriftlichen Vorschlag bei kontakt@ag-koepchenwerk.de. Falls sich niemand dazu bereiterklärt, ist der satzungsgemäße Schritt die Auflösung des Vereins.

Ehrengrabschild für jüdischen Kinderarzt

10. Dezember 2019

Ein Ehrengrabschild auf dem Friedhof Delstern, Am Berghang 30, erinnert jetzt an das tragische Schicksal des jüdischen Kinderarztes Dr. Julius Isidor Stargardter, der entrechtet und bis zu seinem Tod von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Dr. Stargardter war hier am 9. Dezember 1944 bestattet worden.

Der 1881 in Westpreußen geborene Internist und Kinderarzt Dr. Julius Isidor Stargardter praktizierte seit 1911 in Hagen. Da Stargardter nach nationalsozialistischem Recht durch seine Ehe mit einer Christin in „privilegierter Mischehe“ lebte, blieb er bis 1944 von der Deportation aus Hagen verschont. Doch erlebte der bis zur Aberkennung seiner Approbation durch das nationalsozialistische Unrechtsregime in Hagen geschätzte Arzt alle antisemitischen und diskriminierenden Maßnahmen.

Als er im November 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde und deportiert werden sollte, verstarb er an einer in suizidaler Absicht eingenommenen Medikamentenvergiftung und wurde am 4. Dezember 1944 im Hagener Krematorium eingeäschert und am 9. Dezember auf dem Friedhof Delstern beigesetzt.

Hagener am Bauhaus

24. November 2019

Zu einem Bildervortrag mit Dr. Friedrich-Wilhelm Geiersbach über Hagener Personen am Bauhaus, der berühmten Hochschule für Gestaltung, laden die Stadtbücherei auf der Springe und die Volkshochschule Hagen (VHS) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hagen <w>örtlich“ am Donnerstag, 5. Dezember, um 18 Uhr in die Räumlichkeiten der Stadtbücherei ein.

Eine Frau und fünf Männer aus Hagen sind an das Bauhaus nach Weimar oder Dessau gegangen, um dort zu studieren und ihre durch Ausbildung oder Beruf erworbenen Kenntnisse zu erweitern. Zum Beispiel Max Gebhard, der 1932 die Urform des Antifa-Zeichens entwarf (s. Abb.).

Damit ist Hagen weit überproportional als Heimatstadt der Bauhaus-Studierenden vertreten. In dem Bildervortrag stellt Dr. Geiersbach die sechs Hagenerinnen und Hagener mit ihrem beruflichen Werdegang vor. Sein Fokus liegt dabei auf der Bedeutung der Hagener Berufsschule als Impulsgeberin für ein Studium am Bauhaus.

Der Eintritt kostet 5 Euro. Eine Anmeldung ist unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1000 beim Serviceteam der VHS auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622 erforderlich.

Mehr zu Max Gebhard: 100 Jahre Bauhaus: Hagener entwarf Antifa-Logo

Das Schicksal eines jüdischen Arztes in Hagen

21. November 2019

Bereits die frühen Jahre der Bundesrepublik waren eine Fortsetzung des Unrechts und der Diskriminierung

In den vergangenen Jahren gehören Antisemitismus und rechtsextremes Gedankengut wieder verstärkt zu den gesellschaftlichen und politischen Problemen in Deutschland. Wie jüdische Lebenswege während der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 bis 1945 verliefen, zeigt am Mittwoch, 27. November, um 18.30 Uhr ein Vortrag von Dr. Reinold Busch im Auditorium des Kunstquartiers Hagen, Museumsplatz 1, auf.

Anschläge und Angriffe auf Synagogen, antisemitische Äußerungen und Klischees, Bedrohungen und Anfeindungen gegen Juden nehmen in unserer Gesellschaft zu. Feststellungen wie „aus der Geschichte nichts gelernt“ helfen nur bedingt weiter. Der Antisemitismus einst und jetzt zieht weite Kreise in der Bevölkerung. Er beschränkt sich nicht nur auf rechtsextreme Gruppierungen und Parteigänger – Rassismus, Moslem- und Judenfeindlichkeit reichen heute weit bis in die immer wieder gern verklärte „Mitte der Gesellschaft“ hinein.

Was Antisemitismus anrichtet und welche Folgen er hat, zeigte die nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945. Der Holocaust mit vielen Millionen von ermordeten Menschen war auch ein Ergebnis der Pöbeleien und antisemitischen Maßnahmen in Deutschland zu Beginn der dreißiger Jahre.

Die südwestfälische Großstadt Hagen war davon nicht ausgenommen. Auch hier kam es früh zu antisemitischen Vorfällen. Auch hier führte der Boykott-Tag am 1. April 1933 über einschlägige Gesetze und dem Judenpogrom in der Nacht zum 10. November 1938 auf direktem Weg in den Massenmord. Fast 500 Hagener Juden mussten ins Ausland fliehen, mehr als 200 wurden Opfer der Shoa.

Der 1881 in Westpreußen geborene Internist und Kinderarzt Dr. Julius Isodor Stargardter (Foto: OH) praktizierte seit 1911 in Hagen. Da Stargardter nach nationalsozialistischem Recht durch seine Ehe mit einer Christin in „privilegierter Mischehe“ lebte, blieb er bis 1944 von der Deportation aus Hagen verschont. Doch erlebte der bis zur Aberkennung seiner Approbation durch das nationalsozialistische Unrechtsregime in Hagen geschätzte Arzt alle antisemitischen und diskriminierenden Maßnahmen. Als er im November 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde und deportiert werden sollte, verstarb er an einer in suizidaler Absicht eingenommenen Medikamentenvergiftung.

Der Referent zeichnet den Lebensweg des jüdischen Kinderarztes und seiner Familie nach. Er wirft auch einen Blick auf die Nachkriegszeit. Für viele Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und des Holocaust waren die frühen Jahre der Bundesrepublik eine Fortsetzung des Unrechts und der Diskriminierung.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der „Geschichtsfreunde Hagen e.V. – Museums- und Archivverein“, der Jüdischen Gemeinde Hagen, dem Verein der Ärzte zu Hagen und dem Fachbereich Kultur der Stadt Hagen. Der Eintritt beträgt 2 Euro.

Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht 1938

7. November 2019

Anlässlich der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wird es auch in diesem Jahr eine offizielle Gedenkveranstaltung geben. Diese findet am kommenden Samstag, 9. November, um 18 Uhr an der Synagoge in der Potthofstraße statt.

Gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Hagen ruft Oberbürgermeister Erik O. Schulz die Hagenerinnen und Hagener dazu auf, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Nach einer Ansprache seitens der Stadt Hagen durch OB Schulz, werden weitere Redebeiträge sowie Musik und Theater durch Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Gesellschaften folgen.

Die Gedenkstunde wird in diesem Jahr gestaltet von der Jüdischen Gemeinde Hagen in Kooperation mit der Stadt Hagen, dem Theater Hagen und dem Theaterprojekt „Zeitlos“, dem Verein East West East Germany, dem Kultopia und dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Hagen mit Vertretern von Kultur- und Kultusvereinen.

„Lebendiges Judentum“

6. November 2019

Besuch der Ausstellung in der Alten Synagoge

Zu einer Besichtigung der Dauerausstellung „Lebendiges Judentum“ in der Alten Synagoge Hohenlimburg, Jahnstraße 46, lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Samstag, 9. November, von 10.30 bis 12 Uhr ein.

Rudolf Damm, ehemaliger Gesamtschullehrer für Deutsch, Geschichte und Religion sowie ehemaliger Vorsitzender der Hagener Stolpersteine e.V. und Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. führt Interessierte sachkundig durch die Ausstellung. Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen Überblick über die verschiedenen Kultgegenstände sowie die jüdischen Feste. Zudem lernen sie Beschneidungsbesteck, Gebetsmantel, Gebetsriemen, einen jüdischen Hochzeitsring, Hochzeitsverträge und verschiedene Gegenstände zu den Festen kennen. Im Mittelpunkt steht die Torarolle. Leittexte, Fotos und Zeichnungen ergänzen die Ausstellungsstücke.

Der Eintritt ist frei. Anmeldungen sind unter der Veranstaltungsnummer 1360 beim Team der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung möglich.

Ausnahmsweise: Hagen First!

4. November 2019

Neue RVR-Themenroute Industriekultur widmet sich dem Bauhaus

Es kommt nicht gerade häufig vor, dass Hagen in der überregionalen Wahrnehmung positiv an erster Stelle genannt wird. Eine der seltenen Ausnahmen ist die neue Themenroute des Regionalverbands Ruhr (RVR) nebst der dazu gehörigen Broschüre.

Bauhaus, Bauhausstil, Neue Sachlichkeit, Neues Bauen und Industrie im Ruhrgebiet – mit der neuen Themenroute führt die Autorin Dr. Ruth Hanisch auf Bauhaus-Spuren durch die Region. Im Rahmen des Programms „Bauhaus im Westen“ hat der RVR das Verbandsgebiet auf Verbindungen zu „100 Jahre Bauhaus“ untersuchen lassen.

Die Ergebnisse der Recherche liegen jetzt vor. Was das Verhältnis von Bauhaus und Industriekultur besonders macht, kann man online unter www.route-industriekultur.ruhr (Themenroute 31) entdecken.

In der Themenroute werden drei Schwerpunktbereiche – beginnend mit Hagen/Wetter, es folgen Essen/Bottrop und  Oberhausen/Duisburg – mit insgesamt 18 Orten beschrieben, die beispielhaft die Zusammenhänge zwischen Bauhaus und Industriekultur aufzeigen.

Die Broschüre soll neugierig machen und gleichermaßen zum Stöbern anregen sowie zu Erkundungen vor Ort. Sie ist als Printausgabe erhältlich im für fünf Euro im Online-Shop des RVR unter www.shop.rvr.ruhr sowie an einigen der beschriebenen Standorte oder zum kostenlosen Download unter www.route-industriekultur.ruhr.

Die „Schauburg“ in Haspe

2. November 2019

Gesprächsabend rund um Hagener Kinos im Wandel der Zeit

„Hagener Kinos im Wandel der Zeit“ ist das Thema beim nächsten Gesprächsabend der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Uli Weishaupt am Freitag, 8. November, um 17 Uhr im Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30.

Der Schwerpunkt liegt diesmal auf der „Schauburg“ in Haspe. Dieses Lichtspieltheater existierte von 1920 bis 1963. Beim Gesprächsabend sind Hasper Zeitzeugen zu Gast. Während ihren Erzählungen zeigt der Referent alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Abschließend geht es in einem kurzen Dokumentarfilm um Haspes berühmtesten „Sohn“ Friedrich Harkort, der vor genau 200 Jahren als Industriepionier seine „Mechanische Werkstätte“ gründete.

Der Eintritt zur Veranstaltung beträgt 2 Euro. Weil die Anzahl der Plätze begrenzt ist, bittet das Serviceteam der VHS um eine Anmeldung mit Angabe der Kursnummer 1202 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

90 Jahre Hagen bei Haspe

30. Oktober 2019

Fotoausstellung wird verlängert

Die Fotoausstellung „90 Jahre Hagen bei Haspe“ wird aufgrund des großen Interesses bis Sonntag, 1. Dezember, verlängert. Sie ist täglich von 10 bis 17 Uhr im Alten Stadtbad Haspe, Berliner Straße 115, zu besichtigen. Das Stadtarchiv Hagen wählte für die Ausstellung historische Fotos aus, die einen Einblick in Haspes bewegte Geschichte geben.

Hagens Geschichte zwischen 1919 und 1929

29. Oktober 2019

Um Architektur, Städtebau und Hagens Geschichte zwischen 1919 und 1929 dreht sich ein Seminar mit Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff ab Mittwoch, 30. Oktober, von 19.30 bis 21 Uhr bei der Volkshochschule Hagen (VHS) in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38. Der Kurs findet insgesamt sechsmal statt.

Die zehn Jahre zwischen 1919 und 1929 sind in Hagen von erheblichen Veränderungen geprägt. Architektonisch steht diese Epoche im Spannungsfeld zwischen traditionellem Bauen, Expressionismus und dem „Neuen Bauen“. Dies wurde unter anderem durch das 1919 gegründete Bauhaus repräsentiert.

In der Volmestadt entstanden damals zahlreiche neue Siedlungen. Dazu gehörten zum Beispiel der Cuno-Hof auf dem Kuhlerkamp, das Hallenbad in Haspe (Foto: Stadt Hagen) und das Finanzamt. Eine Rolle spielten hierbei auch die großen Wohnungsbaugesellschaften. Politisch war es die Zeit des Oberbürgermeisters Willi Cuno und des Stadtbaurats Ewald Figge, die beide vor dem Weltkrieg eng mit dem Kunstförderer Karl Ernst Osthaus zusammengearbeitet hatten. Diese und zahlreiche weitere Aspekte zur Geschichte Hagens, darunter auch die Eingemeindung Haspes und Boeles im Jahr 1929, stehen im Fokus des Kurses.

Informationen zur Anmeldung für den Kurs mit der Nummer 1010 erhalten Interessierte auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622.

Rundgang durch Wehringhausen fällt aus

8. Oktober 2019

Der geplante Rundgang durch Wehringhausen der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Dr. Elisabeth May am morgigen Mittwoch, 9. Oktober, muss leider wegen Krankheit abgesagt werden.

Ein Hagener Anachronismus

6. Oktober 2019

Rundgang durch Wehringhausen

Lange Straße in Wehringhausen. Foto: Dieter Faßdorf.

Während die GWG mit einem Freifahrtschein des Stadtrats gerade einen ganzen Gründerzeitblock dem Erdboden gleichmacht, lädt die Volkshochschule der Stadt zu einem Rundgang durch Wehringhausen mit Dr. Elisabeth May zur „abwechslungsreichen Architektur um 1900“ ein.

Treffpunkt ist am Mittwoch, 9. Oktober, 16 Uhr vor der Springmann-Villa, Christian-Rohlfs-Straße 49.

Zutreffend erklärt die VHS: Die topografischen Gegebenheiten des Stadtteils Wehringhausen finden eine städtebauliche Entsprechung in dem gesellschaftlich-hierarchischen Aufbau des Wohnviertels. Oben, an den Stadtgarten grenzend, entstand ein exponiertes Baugebiet nach den Gründerjahren. Im Buschey-Viertel zeugen prächtige Villen von einer glanzvollen Zeit.

Die Beamtenwohnhäuser im mittleren Bereich des Viertels sind ebenso ansehnlich wie die weiter bergab gelegenen Arbeiterwohnhäuser mit den ansprechenden Fassadengestaltungen, von denen aktuell gleich ein ganzes Karree trotz begründeter Bürgerproteste vernichtet wird.

Während die VHS verdienstvollerweise immer wieder auf die wenigen Highlights der Stadt aufmerksam macht, sorgen die berüchtigten Hagener Seilschaften aus Politik, Verwaltung, Unternehmen und Monopolpresse für irreversible Tatsachen. Angesichts der steigenden Beliebtheit gründerzeitlicher Viertel, die in anderen Städten gehegt und gepflegt werden, ein Anachronismus.

Die Teilnahmegebühr von 6 Euro wird vor Ort in bar kassiert. Anmeldungen nimmt das Team der VHS unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1084 unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung entgegen.


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