Archive for the ‘05 Geschichte Hagen’ Category

Hagen vor 100 Jahren

22. Februar 2020

Um „Hagen vor 100 Jahren“ geht es am Donnerstag, 27. Februar, um 18 Uhr in einem Vortrag der Volkshochschule Hagen (VHS) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hagen <w>örtlich“ mit Dr. Ralf Blank in der Stadtbücherei auf der Springe.

Die Zwanziger Jahre waren in Hagen ein Zeitabschnitt, der durch politische, soziale und gesellschaftliche Umbrüche sowie städtebauliche und kommunale Wandlungsprozesse geprägt war. Auch wirtschaftliche Umorientierungen und Krisen – am Anfang und am Ende – bestimmten diese Zeit. Wenn überhaupt, dann sind nur die Jahre von 1925 bis 1929 als „Goldene Zwanziger“ zu bezeichnen. Dennoch waren auch in Hagen die kulturellen, architektonischen und wirtschaftlichen Strömungen und Neuerungen spürbar. Der Vortrag gibt einen Überblick über die historische Entwicklung in Hagen zwischen 1919 und 1933.

Der Eintritt beträgt an der Abendkasse 5 Euro. Die VHS bittet um eine Anmeldung mit Angabe der Kursnummer 1004 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung. Weitere Informationen erhalten Interessierte unter Telefon 02331/207-3622.

Damals: Ausflugslokale rund um Hagen

10. Februar 2020

Um das Thema „Ausflugslokale rund um Hagen Teil 1 – West und Nord“ dreht sich der nächste Gesprächsabend der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Jens Bergmann am Freitag, 14. Februar, um 17 Uhr im Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30.

Bis zur allgemeinen Motorisierung waren Ausflugslokale auf den Höhen und in den romantischen Tälern rund um Hagen ein beliebtes Ziel für Wochenenden oder Ferien. Mit ausgesuchten Bildern aus dem Archiv des Hagener Heimatbundes erinnert Jens Bergmann an bekannte und weniger bekannte Einrichtungen und lässt auch die Besucher mit ihren Erinnerungen sowie Geschichten zu Wort kommen. Wegen des umfangreichen Materials stehen zuerst die Ausflugslokale westlich und nördlich von Hagen im Fokus.

Der Eintritt für die Veranstaltung beträgt 2 Euro. Informationen zur Anmeldung für den Kurs 1210 erhalten Interessierte beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622.

„Hagen wörtlich“: Elektromobilität in Deutschland

3. Februar 2020

Adolf Müller, Direktor der Accumulatorenfabrik AG, in seinem Studebaker Runabout. Foto: Sammlung Hartwig Willmes.

Elektromobilität in Deutschland von circa 1888 bis etwa 1990 ist das Thema eines Bildervortrags des Diplom-Ingenieurs Hartwig Willmes am Donnerstag, 6. Februar, um 18 Uhr im Rahmen der gemeinsamen Vortragsreihe „Hagen <w>örtlich“ der Volkshochschule Hagen (VHS) und der Stadtbücherei auf der Springe in den Räumlichkeiten der Stadtbücherei.

Elektroautos scheinen die Zukunft der Mobilität zu sein, aber die Elektromobile haben in Deutschland schon eine lange Tradition. Bereits der erste Direktor der Accumulatorenfabrik AG (AFA), Adolf Müller, kaufte 1893 in Amerika ein Elektromobil der Marke Studebaker Runabout. Dieses war das erste fahrtüchtige Elektrofahrzeug in Deutschland. Adolf Müller dachte an seinen Batterie-Umsatz und stellte das Fahrzeug der deutschen Industrie vor, die aber nicht interessiert war.

So gibt es viele Parallelen aus der Vergangenheit im Vergleich zur heutigen Einführung von Elektrostraßenfahrzeugen. Allerdings haben sich einige Pro- und Kontra-Argumente zur Elektromobilität verändert und andere sind bis heute gültig. Im Laufe der Geschichte zeigen sich etliche bekannte Automobilfirmen wie zum Beispiel Porsche, Opel oder Volkswagen, die in den vergangenen 100 bis 125 Jahren mit Elektromobilen experimentiert haben.

Im Vortrag stellt Hartwig Willmes verschiedene historische E-Automobile und deren Hersteller vor. Den Abschluss bildet eine Übersicht über die Bemühungen, den öffentlichen Nahverkehr in einigen Stadtzentren auf elektrische Omnibusse umzustellen und zu erproben.

Der Eintritt zum Bildervortrag beträgt 5 Euro. Die VHS bittet um Anmeldung unter der Veranstaltungsnummer 1002 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

Der Garten des Hohenhofs birgt noch viele Geheimnisse – Stadt sucht Zeitzeugen

31. Januar 2020

Ausgrabungen auf dem Gelände des Hohenhofs. Foto: Michael Kaub/Stadt Hagen.

Der Hagener Hohenhof, das ehemalige Wohnhaus von Karl Ernst Osthaus und seiner Familie, ist ein bedeutendes Gesamtkunstwerk und damit dieses wieder in Gänze erlebbar wird, finden seit April 2019 im weitläufigen Garten archäologische Grabungen statt. Ist der Garten, der noch viele Geheimnisse birgt, doch untrennbar mit den Gebäuden verbunden.

Archäologische Grabungen bei einem Bauwerk des 20. Jahrhunderts sind ein ungewöhnliches, aber dennoch nicht minder spannendes Unterfangen. Wie spannend diese Grabungen auch für „Nicht-Experten“ sind, wurde am Denkmaltag im September des Vorjahres deutlich, als zahlreiche Besucher aus Hagen und der Region den Archäologen über die Schulter schauten.

Die Landschaftsarchitektin Susanne Weisser aus Wuppertal beschäftigt sich seit mehr als einem Jahr mit der Frage, was von den ursprünglichen und fotografisch gut dokumentierten Außenanlagen am Hohenhof noch zu finden ist, nachdem die Natur an vielen Stellen das Regiment übernahm. Im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) im Jahr 2027 soll der Garten soweit möglich unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wieder hergestellt sein, damit das Gesamtkunstwerk „Hohenhof“ nach den Entwürfen des belgischen Architekten Henry van de Velde wieder begeh- und damit erlebbar wird.

Es ist bereits allgemein bekannt, dass noch ein anderer bedeutender Landschaftsarchitekt, Leberecht Migge, Einfluss auf die Gestaltung des Gartens hatte. Aus der Literatur ist bekannt, dass Karl Ernst Osthaus kurz nach Fertigstellung des Van de Veldeschen Entwurfs Migge beauftragte, den Garten zu überarbeiten, sehr zum Unwillen von van de Velde, wie aus ausgiebigen Briefwechsel deutlich wird. Deshalb nahm man an, dass sich van de Velde auch zum größten Teil durchsetzte.

Erste Grabungsergebnisse der Archäologen stellten diese Annahme aber schon sehr früh in Frage. Überall wo man Spuren von van de Velde vermutete, stieß man auf Reste von Anlagen, die den Entwürfen Migges entsprachen. Im November wurde deshalb beschlossen, weiter zu graben, um noch mehr Klarheit zu erhalten.

Dabei kamen Funde jüngeren Datums zu Tage. Neben Orden und Patronenhülsen, die eindeutig der Zeit des Dritten Reichs zugeordnet werden konnten, legten die Archäologen rund um das Team von Frau Dr. Eva Cichy (LWL-Archäologie) eine große Sandsteinstufe und verschiedene Beeteinfassungen frei, die weder auf Plänen verzeichnet sind, noch auf historischen Fotografien festgehalten wurden. Die Beteiligten vermuten, dass es sich um Überformungen handelt, die nach dem Verkauf des Hohenhofs, evtl. in der Zeit als der Hohenhof als Gauleiterschule genutzt wurde, entstanden.

Erste Recherchen im Hagener Stadtarchiv waren ergebnislos und auch der Hagener Experte für die Nazizeit Dr. Ralf Blank konnte dazu keine Aussagen treffen.

Daher bitten Dr. Birgit Schulte vom Osthaus Museum und die Denkmalpflegerin Ina Hanemann alle Hagenerinnen und Hagener, die Erinnerungen, Unterlagen oder Fotos aus dieser Phase der Nutzung besitzen oder auch aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der der Hohenhof noch Frauenklinik war, sich unter E-Mail ina.hanemann@stadt-hagen.de oder Telefon 02331/207-3154 zu melden.

Hagener Antifaschisten putzen Stolpersteine

29. Januar 2020

Wieder blank: Stolpersteine in Hagen. Foto: AK Antifa Hagen.

Am Holocaust-Gedenktag am Montag und 75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau putzten Hagener Antifaschisten die Stolpersteine in der Innenstadt, um der Hagener Opfer des Holocaust zu gedenken.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, bei der kleine Namensschilder vor der letzten, vor der Deportation bekannten Wohnstätte der Opfer in den Boden eingelassen sind. Die ursprünglich messingfarbenden Steine waren mittlerweile teilweise stark verschmutzt.

Gerade in diesen Zeiten, wo nur noch wenige Augenzeugen der NS-Verbrechen am Leben sind und der aktuelle Rechtsruck in der Gesellschaft sich auch durch einen wiedererstarkten Antisemitismus bemerkbar macht, gilt es die Erinnerung wach zu halten.

„Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts ähnliches geschehe.“ (Theodor W. Adorno)

In Ergänzung dazu:

Datenbank mit 507 Namen Hagener Holocaust-Opfer

Berücksichtigt sind jüdische Personen, deren Geburtsort Hagen war oder ihr Wohnsitz vor dem 2. Weltkrieg oder ihr Aufenthaltsort während des Krieges. Die Datenbank der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem enthält nur jüdische Opfer, andere aus rassischen, politischen u.a. Gründen Verfolgte und Vernichtete sind nicht Bestandteil der Datenbank.

 

Hagen gedenkt der Opfer des Faschismus

29. Januar 2020

„Heute stellen wir uns öffentlich und gemeinsam gegen Antisemitismus, Faschismus, Verhetzung und jede Form von Ausgrenzung“, erklärt Oberbürgermeister Erik O. Schulz in seiner Rede zur Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Theodor-Heuss-Gymnasium.

„Wer im Namen der Demokratie arbeitet und lebt, muss sich aktiv dafür einsetzen, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger in unserem Land akzeptiert und sicher fühlen“, so Schulz weiter. Neben Musik- und Redebeiträgen von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums, unter anderem zum sogenannten „Buchenwälder Marsch“ von Fritz Löhner-Beda, hielt auch Rudolf Damm, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, eine Gedenkrede. Er ließ dabei persönliche Erfahrungen einfließen und mahnte die Schülerinnen und Schüler zur Wachsamkeit, damit sich solche abscheulichen Taten nicht wiederholen.

Anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt.

Nachruf auf ein Hagener NS-Opfer

27. Januar 2020

Die Schüler des Projektkurses Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kollegs haben anlässlich des 27. Januar 2020, Tag zur Erinnerung an die NS-Opfer und 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz einen Nachruf auf eine Hagenerin verfasst, die 1939 an den Folgen einer Zwangssterilisation starb.

Die Angaben beruhen im Wesentlichen auf Archivakten, die Rainer Stöcker, Autor des 2. Bandes von „Vergessene Opfer. NS-Steriliserungen in Hagen“ zur Verfügung gestellt hat. Die Schüler haben aus mehreren Biographien eine gewählt und zusammengefasst. Kleine Ergänzungen kommen von Internetrecherchen.

Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf diese Opfergruppe zu lenken. Sie war bisher in Hagen kaum bekannt, wie auch die „Fremdarbeiter“, Sinti oder Deserteure. Wenn alles gut geht, wird eine Schulausstellung zum Thema im Mai entstehen.

Übrigens wird das Thema auch kurz in dem neuen Heft über Emst behandelt. Besonders schockierend war es hier, dass ein Opfer und der Täter, Dr. Scheulen, wenige Meter entfernt voneinander wohnten.

NACHRUF

Gerda Oberbeck
geb. am 5.11.1921 in Hagen
gestorben am 24.6.1939 im Allgemeinen Krankenhaus

Liebe Gerda,

wir kennen dich nicht, aber wir wissen, dass du ein sehr kurzes Leben hattest. Du wohntest in der Albrechtstraße auf dem Kuhlerkamp und musstest schon in jungen Jahren arbeiten, um deine Familie finanziell zu unterstützen.

Du wurdest nach einem Test des Gesundheitsamtes der Stadt Hagen als „minderwertig“ und „erbbelastet“ eingestuft. Dies wurde dir wenige Tage später per Brief mitgeteilt. Du hast nie erfahren, wer dich angezeigt hatte.

Die Ärzte entschieden, dass du keine Kinder bekommen, nie heiraten, keine Familie gründen, keine weiterführende Schule besuchen, keine sozialen Leistungen bekommen durftest. Was dachtest du, als du den Brief gelesen hast, der alle deine Lebenspläne zerstörte? Und du wusstest auch: Sobald es sich herumspricht, werden Freunde und Kollegen dir aus dem Weg gehen.

In weiteren Briefen wurdest du dazu aufgefordert, dich im Allgemeinen Krankenhaus zu melden. Du hast die Briefe ignoriert, vielleicht zerstört oder versteckt.

Am 3.6.1939 fuhrst du wie jeden Tag zur Arbeit mit der Straßenbahn zur Ketten- und Munitionsfabrik Ruberg und Renner im Klosterviertel. Bei der Arbeit erschienen Polizisten, um dich ins Allgemeine Krankenhaus zu bringen. Wie fühltest du dich, als du vor all deinen Kolleginnen als „minderwertig“ bloßgestellt wurdest?

Drei Tage später wurdest du zwangssterilisiert. Musstest du auf den OP-Tisch gezerrt werden, wie einige andere Frauen, oder akzeptiertest du, dass deine Verstümmlung nicht mehr zu vermeiden war?

Nach der Operation ging es dir immer schlechter. Du hast vielleicht Gerüchte von anderen Frauen gehört, die hier gestorben sind, auch wenn man versucht hat, es zu vertuschen. Hattest du Angst? Konnte deine Mutter dich trösten? Am 24 Juni bist du gestorben.

Du bist nur 17 Jahre alt geworden, Opfer der Rassenpolitik der Nazis und ihrer Helfer. Das Gesundheitsamt beglich die vom Allgemeinen Krankenhaus gestellte Rechnung. Ein lohnendes Geschäft: Hunderte von Hagenerinnen wurden hier zwangssterilisiert oder zur Abtreibung gezwungen. Und danach vergessen. Bis heute.

VHS-Gesprächsabend: Kinos im Wandel der Zeit

26. Januar 2020

Die großformatige Anzeigetafel kündigt einen Hubert-Marischka-Film von 1942 an. Foto: Strunk.

Um das Thema „Hagener Kinos im Wandel der Zeit“ dreht sich der nächste Gesprächsabend der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Uli Weishaupt am Freitag, 31. Januar, um 17 Uhr im Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30.

Auch der „10. Kino-Gesprächsabend“ beschäftigt sich mit der Glanzzeit der Hagener Kinos in den 1950er und 60er Jahren. Im Mittelpunkt steht diesmal das „ODEON“ in Boele, Schwerter Straße 159, das von 1948 bis 1966 existierte. Zu Gast im Erzählcafé ist ein junger Fotograf aus Boele, der sich 2016 genau 50 Jahre nach der Schließung des großen Vorstadtkinos mit dessen Geschichte auseinandergesetzt und diese aufgearbeitet hat. Seine Präsentation enthält auch passende Fotos. Abschließend zeigt ein Farbtonfilm die Hagener Ingenieursschule von 1968.

Der Eintritt für die Veranstaltung beträgt 2 Euro. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Plätzen bittet das Serviceteam der VHS um eine frühzeitige Anmeldung mit Angabe der Kursnummer 1206 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

Gedenken für die Opfer des Faschismus

23. Januar 2020

Die Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Faschismus findet in diesem Jahr am Dienstag, 28. Januar um 12.30 Uhr in der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums, Humpertstraße 19, statt. Neben Musik- und Redebeiträgen von Schülerinnen und Schülern gestalten Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Rudolf Damm, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die Gedenkveranstaltung. Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Rückblende: Der Hagener Wochenmarkt 1903

15. Januar 2020

Ein reges Treiben auf dem Hagener Wochenmarkt zeigt die Postkarte von 1903. Die Stadt hatte damals etwa 70.000 Einwohner; Haspe, Boele, Vorhalle und die Lennedörfer waren noch nicht eingemeindet.

Heute befinden sich die Hagener Märkte in der Krise. „Händler und Kunden haben Angst um die Zukunft der Wochenmärkte. Es gibt dort immer weniger Lebensmittelstände“, beschrieb die WPWR 2016 die Lage. Und ein Jahr später titelte das Blatt zum Markt in Hohenlimburg: „Nur noch zwei Wochenmarkt-Stände“.

Im letzten Jahr erreichte das Thema auch Politik und Verwaltung. Alle fünf Bezirksvertretungen und der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigten sich mit der Situation. In einer Beschlussvorlage erläuterte die Verwaltung den Hintergrund des Schwächelns der Wochenmärkte:

In ganz Deutschland unterliegen die Wochenmärkte einem Wandel der dazu geführt hat, dass einige der über 3.000 Wochenmärkte in den letzten 10 Jahren um bis zu 50 % geschrumpft sind. Die Gründe hierfür sind vielfältig, insbesondere die Konkurrenz durch die Discounter und Vollsortimenter, die mit großen Parkflächen vor der Tür aufwarten und mit Öffnungszeiten bis 22.00 Uhr weitgehend die Versorgungsrolle übernommen haben, macht den Markthändlern zu schaffen. Diese Lebensmittelhändler haben für sich die Chance erkannt und bieten inzwischen vielfältige Produkte aus biologischer Landwirtschaft und regionaler Produktion an, bei denen die Markthändler auch preislich nicht mithalten können.

Ein anderes großes Problem liegt im altersbedingten Händler- und Kundenrückgang. Während die Markhändler wegen des vergleichsweise harten Jobs (früh aufstehen, bei jedem Wetter den Stand betreuen, schwer tragen) Nachfolgerprobleme haben, ist auch die Stammkundschaft älter geworden und mitunter auf komfortablere Einkaufsmöglichkeiten (kurze Gehwege, individuelle Transportmöglichkeiten) angewiesen. Das Einkaufsverhalten hat sich auch verändert bzw. sich an die geänderten Lebens- und Arbeitsbedingungen angepasst, so dass inzwischen selbst Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs online bezogen werden.

Der Schrumpfungsprozess wird sich aller Vorrausicht nach weiter fortsetzten und die Empfehlung der Verwaltung dürfte ein frommer Wunsch bleiben:

Die Funktionen der Märkte als Ort der Nahversorgung auf der einen Seite und als Treffpunkt für die Hagener Bürgerinnen und Bürger auf der anderen sollen miteinander gekoppelt werden, was letztendlich auch dem umgebenden Einzelhandel sowie der Gastronomie zu Gute kommen wird.

So wie es noch bis in die 1990er Jahre war und auch auf der historischen Postkarte zu sehen ist, wird es wohl nicht mehr werden mit den Hagener Wochenmärkten.

Führung durch das Stadtarchiv Hagen

12. Januar 2020

Eine Besichtigung des Stadtarchivs Hagen, Eilper Straße 132-136, bietet die Volkshochschule Hagen (VHS) im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „100 Jahre – 100 Begegnungen“ am Dienstag, 14. Januar, von 14 bis 16 Uhr an.

Das Stadtarchiv wurde 1929 gegründet und deckt mit seinen Beständen einen Zeitraum vom Mittelalter über die Frühe Neuzeit bis in die Gegenwart ab. Sie dokumentiert über 750 Jahre Geschichte der Stadt, ihrer Stadtteile und der gesamten Region. Heute zählt das Stadtarchiv Hagen zu den größten Kommunalarchiven in Nordrhein-Westfalen. Die Führung vermittelt, dass Archive heute keine staubigen Keller mehr sind, sondern Orte, an denen Geschichte wieder lebendig wird.

Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos, eine Anmeldung unter Angabe der Veranstaltungsnummer J204 auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 erforderlich.

Holocaust-Überlebender aus Hagen in Berlin verstorben

29. Dezember 2019

Herbert Shenkman wuchs in Hagen auf, wurde deportiert und entkam aus dem Vernichtungslager Auschwitz. Er starb am 15. Dezember in Berlin. (…)

Shenkmann wurde am 20. Dezember 1923 in Hagen geboren. Als er drei Jahre alt war, starb sein Vater. Bei der Mutter und den Großeltern wuchs er in der Stresemannstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs auf. Er besuchte einen christlichen Kindergarten in Wehringhausen. Eingeschult wurde er an der jüdischen Volksschule ab der Potthofstraße, dort, wo sich heute die Synagoge der Jüdischen Gemeinde befindet. Später wechselte er an die Mittelschule Altenhagen.

Ab 1937 aber ist es jüdischen Kindern verboten, Schulen zu besuchen. Herbert Shenkman beginnt eine Vorlehre als Schlosser in Köln, erlebt hier in einer Pension die Reichspogromnacht. „Meine Mutter war an jenem Tag zu mir gekommen und hatte mich gewarnt, nach Hagen zurückzukehren. Mein Onkel, der als Zahnarzt in Priorei arbeitete, musste fliehen, als die Gestapo an seine Tür klopfte. Sie glaubte nun, dass es die Gestapo als nächstes auf mich abgesehen hätte.“

Nach seiner Rückkehr nach Hagen arbeitet Herbert Shenkman als Hilfsarbeiter beim Bauunternehmen Reiß in Delstern. Mehrfach gelingt es seinem Chef, ihn vor der Deportation zu bewahren, weil der den Nationalsozialisten erklärt, dass Shenkman unabkömmlich sei. 1940 wird er gezwungen, die eigene Wohnung zu verlassen und in ein Judenhaus an der Potthofstraße zu ziehen. Am 30. Juli 1942 kann auch sein Chef ihn nicht mehr retten. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Dazu:

Zum Tod von Herbert Shenkmann: Interview aus dem Jahr 2012

In Hagen hat sich ein Bündnis gegen Rechts formiert. Sorgt Sie der Rechtsradikalismus in Deutschland?

Shenkman: Die Ratten, die sich nach 1945 plötzlich alle verkrochen hatten, kommen jetzt wieder hervor – mit all ihren Ideologien und ihrem Hass. Aber ich glaube und hoffe, dass es nicht mehr so sein kann, wie es einst gewesen ist. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Anmerkung: Selbst diesen nicht nur historisch wichtigen Beitrag, der zu mindestens 90 Prozent aus Originalton Shenkmann besteht und bereits sieben Jahre alt ist, nutzt die Funke-Gruppe dazu, um ihre Kasse aufzufüllen. Bemerkenswertes findet sich in einem Bericht der Berliner Zeitung (ohne Bezahlschranke) anlässlich der Beisetzung Herbert Shenkmans:

Bei einem Besuch im Hagener Rathaus wird ausgerechnet er gefragt, ob es nicht schade sei, dass der Bürgermeister aus Nazi-Zeiten nicht wie die anderen Bürgermeister mit Foto an der Wand verewigt sei. Eben jener Mann, der die Deportationen anordnete. „Diese Frage an mich!“, schreibt Shenkman an einer Stelle. „Ich hatte den Eindruck, in ein Nazi-Nest zu kommen…“

Das war 1960 und dieser Eindruck ließ sich nicht ganz von der Hand weisen. Ein damaliger Liebling der veröffentlichten Meinung in Hagen, der Brauereibesitzer, Großwildjäger und SS-Mann Carl-Horst Andreas, hatte zwei Führungspositionen seines Unternehmens mit Gesinnungskumpanen und hochrangigen Offizieren der Verbrecherorganisation besetzt: SS-Brigadeführer Kurt Meyer („Panzermeyer“) fungierte als Vertriebschef der Braustätte und SS-Hauptsturmführer Oskar Pahnke war Werbeleiter.

Pahnke, der es nahtlos zum CDU-Funktionär gebracht hatte und mit Morden in den Niederlanden in Verbindung gebracht wird, wurde anlässlich seines Todes 2009 von Parteifreunden ausgerechnet mit einem Zitat des von den Nazis hingerichteten Theologen Dietrich Bonhoeffer „geehrt“. Der Eindruck Shenkmans hatte sich also auch fünf Jahrzehnte später nicht verflüchtigt.

Weitere Hintergründe sind in dem Blog eines nicht bekannten aber offenbar gut informierten Autors nachzulesen: https://deutschegeschichtenblog.wordpress.com/

Eine Biografie Herbert Shenkmans hat das Hagener Stadtmuseum veröffentlicht (siehe hier).

Hagen zwischen 1954 und 1964

28. Dezember 2019

Einen stadtgeschichtlichen Kurs zum Wiederaufbau und Umbau Hagens nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltet die Volkshochschule Hagen (VHS) ab Mittwoch, 15. Januar, einmal wöchentlich bis Mittwoch, 19. Februar 2020, jeweils von 19.30 bis 21 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38.

Mitte der 1950er Jahre fand der Wiederaufbau in Hagen statt. Ihm schloss sich bald das Wirtschaftswunder an. 1954 und noch einmal 1964 (Abb.) erschienen in der Volmestadt zwei Bücher zum Thema „Hagen baut auf“. In dem Kurs führt Michael Eckhoff anhand dieser zwei Bände sowie mithilfe zahlreicher weiterer Fotos das Jahrzehnt zwischen 1954 und 1964 insbesondere in städtebaulicher Hinsicht vor Augen. Dabei kommt auch die Wirtschaftsgeschichte zur Sprache, denn Hagen war in dieser Phase eine überaus bedeutende Industriestadt mit einem neuen Rathaus, das äußerlich als Symbol der „Stahlstadt Hagen“ gestaltet war.

Mehr Informationen und Anmeldung zum Kurs mit der Veranstaltungsnummer 1012 gibt es beim Team der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung.

Weihnachten vor 100 Jahren in Hagen: Kohlemangel und Alltagssorgen trübten die Festtagsfreude

25. Dezember 2019

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

In der Hagener Bevölkerung wollte Weihnachten 1919, ein Jahr nach dem Großen Krieg, der später der Erste Weltkrieg heißen sollte, keine rechte Festtagsfreude aufkommen. Das berichtete die Hagener Zeitung in ihrer Ausgabe vom 24. Dezember 1919. Selbst in den schlimmen Kriegsjahren sei das Fest nie so traurig gewesen. (…)

Quelle: Lokalkompass

Architektur spiegelt Leitbild der Zeit

14. Dezember 2019

Am Sonntag Führung über das Industriedenkmal Koepchenwerk – Förderverein droht die Auflösung

In der Industrie setzte sich Strom Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst nur schleppend durch. Ab den 1920er Jahre jedoch eroberte der elektrische Antrieb langsam, aber stetig auch die Fabriken. In den Jahren 1927 bis 1930 wurde das Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk in Herdecke gebaut. Es gilt als bedeutendes nationales Monument der Energiewirtschaft.

Am Sonntag (15.12.) haben Besucher die Möglichkeit, im Rahmen einer Führung der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur das Bauwerk zu besichtigen und mehr über seine Geschichte und die Technik, die es beherbergt, zu erfahren.

Die Anlagen des Koepchenwerks (Foto: Klaus-Peter Schneider) sind dem Stil der Zeit folgend geradlinig und rechtwinklig. Diese Bauform sollte Modernität, Funktionalität und Rationalität betonen. Die Merkmale waren in den 1920er Jahren ein Leitbild für Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Großteil des Krafthauses ist aus Beton und oberhalb der Fensterbänke aus verputztem Ziegelmauerwerk. Für die Stadt Herdecke und Umgebung ist das Koepchenwerk mit seinem auffallenden Rohrbahnen und dem RWE-Schriftzug eine unverwechselbare Landmarke geworden.

Führung Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk:

Sonntag (15.12.) um 14 Uhr, Dauer: ca. 90 Minuten,
Preis: 8 Euro pro Person, Kinder unter 12 Jahren frei
Treffpunkt: Haupteingang, Im Schiffwinkel 43, 58313 Herdecke

Dem Förderverein Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk e.V. droht derweil die Auflösung. Der öffentliche Aufschrei beim Abrissantrag war ein wichtiges Argument 2015 und 2016 für potientielle Investoren und Retter, sich auf das gefährdete Denkmal einzulassen.

AG-Initiatorin Regina Schrader möchte nach fünf Jahren intensiver Arbeit das Amt der Vorsitzenden an Jüngere weitergeben und als Gästeführerin noch über Geschichte und technische Ideen ihres Großonkels Arthur Koepchen berichten, solange ihr Alter das zulässt.

Leider konnte sich trotz mehrerer Rückmeldungen bisher niemand zu einer Bewerbung entschließen. Bürgerinnen und Bürger sollten aber nicht die Arbeit zur Sanierung und Nutzung allein der neuen Eigentümerin überlassen.

Bis Donnerstag, dem 16.01.2020 kann der Vorstand noch Bewerbungen für die Kandidatur entgegennehmen, die 29 Vereinsmitglieder haben noch Zeit bis zum 01.02.2020 für einen schriftlichen Vorschlag bei kontakt@ag-koepchenwerk.de. Falls sich niemand dazu bereiterklärt, ist der satzungsgemäße Schritt die Auflösung des Vereins.

Ehrengrabschild für jüdischen Kinderarzt

10. Dezember 2019

Ein Ehrengrabschild auf dem Friedhof Delstern, Am Berghang 30, erinnert jetzt an das tragische Schicksal des jüdischen Kinderarztes Dr. Julius Isidor Stargardter, der entrechtet und bis zu seinem Tod von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Dr. Stargardter war hier am 9. Dezember 1944 bestattet worden.

Der 1881 in Westpreußen geborene Internist und Kinderarzt Dr. Julius Isidor Stargardter praktizierte seit 1911 in Hagen. Da Stargardter nach nationalsozialistischem Recht durch seine Ehe mit einer Christin in „privilegierter Mischehe“ lebte, blieb er bis 1944 von der Deportation aus Hagen verschont. Doch erlebte der bis zur Aberkennung seiner Approbation durch das nationalsozialistische Unrechtsregime in Hagen geschätzte Arzt alle antisemitischen und diskriminierenden Maßnahmen.

Als er im November 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde und deportiert werden sollte, verstarb er an einer in suizidaler Absicht eingenommenen Medikamentenvergiftung und wurde am 4. Dezember 1944 im Hagener Krematorium eingeäschert und am 9. Dezember auf dem Friedhof Delstern beigesetzt.

Hagener am Bauhaus

24. November 2019

Zu einem Bildervortrag mit Dr. Friedrich-Wilhelm Geiersbach über Hagener Personen am Bauhaus, der berühmten Hochschule für Gestaltung, laden die Stadtbücherei auf der Springe und die Volkshochschule Hagen (VHS) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hagen <w>örtlich“ am Donnerstag, 5. Dezember, um 18 Uhr in die Räumlichkeiten der Stadtbücherei ein.

Eine Frau und fünf Männer aus Hagen sind an das Bauhaus nach Weimar oder Dessau gegangen, um dort zu studieren und ihre durch Ausbildung oder Beruf erworbenen Kenntnisse zu erweitern. Zum Beispiel Max Gebhard, der 1932 die Urform des Antifa-Zeichens entwarf (s. Abb.).

Damit ist Hagen weit überproportional als Heimatstadt der Bauhaus-Studierenden vertreten. In dem Bildervortrag stellt Dr. Geiersbach die sechs Hagenerinnen und Hagener mit ihrem beruflichen Werdegang vor. Sein Fokus liegt dabei auf der Bedeutung der Hagener Berufsschule als Impulsgeberin für ein Studium am Bauhaus.

Der Eintritt kostet 5 Euro. Eine Anmeldung ist unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1000 beim Serviceteam der VHS auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622 erforderlich.

Mehr zu Max Gebhard: 100 Jahre Bauhaus: Hagener entwarf Antifa-Logo

Das Schicksal eines jüdischen Arztes in Hagen

21. November 2019

Bereits die frühen Jahre der Bundesrepublik waren eine Fortsetzung des Unrechts und der Diskriminierung

In den vergangenen Jahren gehören Antisemitismus und rechtsextremes Gedankengut wieder verstärkt zu den gesellschaftlichen und politischen Problemen in Deutschland. Wie jüdische Lebenswege während der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 bis 1945 verliefen, zeigt am Mittwoch, 27. November, um 18.30 Uhr ein Vortrag von Dr. Reinold Busch im Auditorium des Kunstquartiers Hagen, Museumsplatz 1, auf.

Anschläge und Angriffe auf Synagogen, antisemitische Äußerungen und Klischees, Bedrohungen und Anfeindungen gegen Juden nehmen in unserer Gesellschaft zu. Feststellungen wie „aus der Geschichte nichts gelernt“ helfen nur bedingt weiter. Der Antisemitismus einst und jetzt zieht weite Kreise in der Bevölkerung. Er beschränkt sich nicht nur auf rechtsextreme Gruppierungen und Parteigänger – Rassismus, Moslem- und Judenfeindlichkeit reichen heute weit bis in die immer wieder gern verklärte „Mitte der Gesellschaft“ hinein.

Was Antisemitismus anrichtet und welche Folgen er hat, zeigte die nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945. Der Holocaust mit vielen Millionen von ermordeten Menschen war auch ein Ergebnis der Pöbeleien und antisemitischen Maßnahmen in Deutschland zu Beginn der dreißiger Jahre.

Die südwestfälische Großstadt Hagen war davon nicht ausgenommen. Auch hier kam es früh zu antisemitischen Vorfällen. Auch hier führte der Boykott-Tag am 1. April 1933 über einschlägige Gesetze und dem Judenpogrom in der Nacht zum 10. November 1938 auf direktem Weg in den Massenmord. Fast 500 Hagener Juden mussten ins Ausland fliehen, mehr als 200 wurden Opfer der Shoa.

Der 1881 in Westpreußen geborene Internist und Kinderarzt Dr. Julius Isodor Stargardter (Foto: OH) praktizierte seit 1911 in Hagen. Da Stargardter nach nationalsozialistischem Recht durch seine Ehe mit einer Christin in „privilegierter Mischehe“ lebte, blieb er bis 1944 von der Deportation aus Hagen verschont. Doch erlebte der bis zur Aberkennung seiner Approbation durch das nationalsozialistische Unrechtsregime in Hagen geschätzte Arzt alle antisemitischen und diskriminierenden Maßnahmen. Als er im November 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde und deportiert werden sollte, verstarb er an einer in suizidaler Absicht eingenommenen Medikamentenvergiftung.

Der Referent zeichnet den Lebensweg des jüdischen Kinderarztes und seiner Familie nach. Er wirft auch einen Blick auf die Nachkriegszeit. Für viele Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und des Holocaust waren die frühen Jahre der Bundesrepublik eine Fortsetzung des Unrechts und der Diskriminierung.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der „Geschichtsfreunde Hagen e.V. – Museums- und Archivverein“, der Jüdischen Gemeinde Hagen, dem Verein der Ärzte zu Hagen und dem Fachbereich Kultur der Stadt Hagen. Der Eintritt beträgt 2 Euro.

Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht 1938

7. November 2019

Anlässlich der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wird es auch in diesem Jahr eine offizielle Gedenkveranstaltung geben. Diese findet am kommenden Samstag, 9. November, um 18 Uhr an der Synagoge in der Potthofstraße statt.

Gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Hagen ruft Oberbürgermeister Erik O. Schulz die Hagenerinnen und Hagener dazu auf, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Nach einer Ansprache seitens der Stadt Hagen durch OB Schulz, werden weitere Redebeiträge sowie Musik und Theater durch Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Gesellschaften folgen.

Die Gedenkstunde wird in diesem Jahr gestaltet von der Jüdischen Gemeinde Hagen in Kooperation mit der Stadt Hagen, dem Theater Hagen und dem Theaterprojekt „Zeitlos“, dem Verein East West East Germany, dem Kultopia und dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Hagen mit Vertretern von Kultur- und Kultusvereinen.

„Lebendiges Judentum“

6. November 2019

Besuch der Ausstellung in der Alten Synagoge

Zu einer Besichtigung der Dauerausstellung „Lebendiges Judentum“ in der Alten Synagoge Hohenlimburg, Jahnstraße 46, lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Samstag, 9. November, von 10.30 bis 12 Uhr ein.

Rudolf Damm, ehemaliger Gesamtschullehrer für Deutsch, Geschichte und Religion sowie ehemaliger Vorsitzender der Hagener Stolpersteine e.V. und Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. führt Interessierte sachkundig durch die Ausstellung. Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen Überblick über die verschiedenen Kultgegenstände sowie die jüdischen Feste. Zudem lernen sie Beschneidungsbesteck, Gebetsmantel, Gebetsriemen, einen jüdischen Hochzeitsring, Hochzeitsverträge und verschiedene Gegenstände zu den Festen kennen. Im Mittelpunkt steht die Torarolle. Leittexte, Fotos und Zeichnungen ergänzen die Ausstellungsstücke.

Der Eintritt ist frei. Anmeldungen sind unter der Veranstaltungsnummer 1360 beim Team der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung möglich.

Ausnahmsweise: Hagen First!

4. November 2019

Neue RVR-Themenroute Industriekultur widmet sich dem Bauhaus

Es kommt nicht gerade häufig vor, dass Hagen in der überregionalen Wahrnehmung positiv an erster Stelle genannt wird. Eine der seltenen Ausnahmen ist die neue Themenroute des Regionalverbands Ruhr (RVR) nebst der dazu gehörigen Broschüre.

Bauhaus, Bauhausstil, Neue Sachlichkeit, Neues Bauen und Industrie im Ruhrgebiet – mit der neuen Themenroute führt die Autorin Dr. Ruth Hanisch auf Bauhaus-Spuren durch die Region. Im Rahmen des Programms „Bauhaus im Westen“ hat der RVR das Verbandsgebiet auf Verbindungen zu „100 Jahre Bauhaus“ untersuchen lassen.

Die Ergebnisse der Recherche liegen jetzt vor. Was das Verhältnis von Bauhaus und Industriekultur besonders macht, kann man online unter www.route-industriekultur.ruhr (Themenroute 31) entdecken.

In der Themenroute werden drei Schwerpunktbereiche – beginnend mit Hagen/Wetter, es folgen Essen/Bottrop und  Oberhausen/Duisburg – mit insgesamt 18 Orten beschrieben, die beispielhaft die Zusammenhänge zwischen Bauhaus und Industriekultur aufzeigen.

Die Broschüre soll neugierig machen und gleichermaßen zum Stöbern anregen sowie zu Erkundungen vor Ort. Sie ist als Printausgabe erhältlich im für fünf Euro im Online-Shop des RVR unter www.shop.rvr.ruhr sowie an einigen der beschriebenen Standorte oder zum kostenlosen Download unter www.route-industriekultur.ruhr.

Die „Schauburg“ in Haspe

2. November 2019

Gesprächsabend rund um Hagener Kinos im Wandel der Zeit

„Hagener Kinos im Wandel der Zeit“ ist das Thema beim nächsten Gesprächsabend der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Uli Weishaupt am Freitag, 8. November, um 17 Uhr im Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30.

Der Schwerpunkt liegt diesmal auf der „Schauburg“ in Haspe. Dieses Lichtspieltheater existierte von 1920 bis 1963. Beim Gesprächsabend sind Hasper Zeitzeugen zu Gast. Während ihren Erzählungen zeigt der Referent alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Abschließend geht es in einem kurzen Dokumentarfilm um Haspes berühmtesten „Sohn“ Friedrich Harkort, der vor genau 200 Jahren als Industriepionier seine „Mechanische Werkstätte“ gründete.

Der Eintritt zur Veranstaltung beträgt 2 Euro. Weil die Anzahl der Plätze begrenzt ist, bittet das Serviceteam der VHS um eine Anmeldung mit Angabe der Kursnummer 1202 auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

90 Jahre Hagen bei Haspe

30. Oktober 2019

Fotoausstellung wird verlängert

Die Fotoausstellung „90 Jahre Hagen bei Haspe“ wird aufgrund des großen Interesses bis Sonntag, 1. Dezember, verlängert. Sie ist täglich von 10 bis 17 Uhr im Alten Stadtbad Haspe, Berliner Straße 115, zu besichtigen. Das Stadtarchiv Hagen wählte für die Ausstellung historische Fotos aus, die einen Einblick in Haspes bewegte Geschichte geben.

Hagens Geschichte zwischen 1919 und 1929

29. Oktober 2019

Um Architektur, Städtebau und Hagens Geschichte zwischen 1919 und 1929 dreht sich ein Seminar mit Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff ab Mittwoch, 30. Oktober, von 19.30 bis 21 Uhr bei der Volkshochschule Hagen (VHS) in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38. Der Kurs findet insgesamt sechsmal statt.

Die zehn Jahre zwischen 1919 und 1929 sind in Hagen von erheblichen Veränderungen geprägt. Architektonisch steht diese Epoche im Spannungsfeld zwischen traditionellem Bauen, Expressionismus und dem „Neuen Bauen“. Dies wurde unter anderem durch das 1919 gegründete Bauhaus repräsentiert.

In der Volmestadt entstanden damals zahlreiche neue Siedlungen. Dazu gehörten zum Beispiel der Cuno-Hof auf dem Kuhlerkamp, das Hallenbad in Haspe (Foto: Stadt Hagen) und das Finanzamt. Eine Rolle spielten hierbei auch die großen Wohnungsbaugesellschaften. Politisch war es die Zeit des Oberbürgermeisters Willi Cuno und des Stadtbaurats Ewald Figge, die beide vor dem Weltkrieg eng mit dem Kunstförderer Karl Ernst Osthaus zusammengearbeitet hatten. Diese und zahlreiche weitere Aspekte zur Geschichte Hagens, darunter auch die Eingemeindung Haspes und Boeles im Jahr 1929, stehen im Fokus des Kurses.

Informationen zur Anmeldung für den Kurs mit der Nummer 1010 erhalten Interessierte auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622.

Rundgang durch Wehringhausen fällt aus

8. Oktober 2019

Der geplante Rundgang durch Wehringhausen der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Dr. Elisabeth May am morgigen Mittwoch, 9. Oktober, muss leider wegen Krankheit abgesagt werden.

Ein Hagener Anachronismus

6. Oktober 2019

Rundgang durch Wehringhausen

Lange Straße in Wehringhausen. Foto: Dieter Faßdorf.

Während die GWG mit einem Freifahrtschein des Stadtrats gerade einen ganzen Gründerzeitblock dem Erdboden gleichmacht, lädt die Volkshochschule der Stadt zu einem Rundgang durch Wehringhausen mit Dr. Elisabeth May zur „abwechslungsreichen Architektur um 1900“ ein.

Treffpunkt ist am Mittwoch, 9. Oktober, 16 Uhr vor der Springmann-Villa, Christian-Rohlfs-Straße 49.

Zutreffend erklärt die VHS: Die topografischen Gegebenheiten des Stadtteils Wehringhausen finden eine städtebauliche Entsprechung in dem gesellschaftlich-hierarchischen Aufbau des Wohnviertels. Oben, an den Stadtgarten grenzend, entstand ein exponiertes Baugebiet nach den Gründerjahren. Im Buschey-Viertel zeugen prächtige Villen von einer glanzvollen Zeit.

Die Beamtenwohnhäuser im mittleren Bereich des Viertels sind ebenso ansehnlich wie die weiter bergab gelegenen Arbeiterwohnhäuser mit den ansprechenden Fassadengestaltungen, von denen aktuell gleich ein ganzes Karree trotz begründeter Bürgerproteste vernichtet wird.

Während die VHS verdienstvollerweise immer wieder auf die wenigen Highlights der Stadt aufmerksam macht, sorgen die berüchtigten Hagener Seilschaften aus Politik, Verwaltung, Unternehmen und Monopolpresse für irreversible Tatsachen. Angesichts der steigenden Beliebtheit gründerzeitlicher Viertel, die in anderen Städten gehegt und gepflegt werden, ein Anachronismus.

Die Teilnahmegebühr von 6 Euro wird vor Ort in bar kassiert. Anmeldungen nimmt das Team der VHS unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1084 unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung entgegen.

Vor 100 Jahren: „Republik im Bürgerkrieg“

4. Oktober 2019

LWL veröffentlicht Buch über den Kapp-Putsch und die Gegenbewegung an Ruhr und Lippe

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat in einem jetzt veröffentlichten Buch „Republik im Bürgerkrieg“ den Kapp-Putsch und die Gegenbewegung an Ruhr und Lippe 1919/20 dokumentiert (Foto: LWL). Auch Hagen spielte im Ruhrkampf eine wichtige Rolle.

Die Konflikte der jungen Weimarer Republik wurden sowohl in den parlamentarischen Versammlungen als auch auf der Straße mit der Waffe in der Hand ausgetragen. Sie eskalierten bis zum Bürgerkrieg. Vor rund 100 Jahren schlossen sich im östlichen und im rechtsrheinischen Ruhrgebiet die Gegner der antirepublikanischen Putschisten um den Verwaltungsbeamten Wolfgang Kapp und den Oberbefehlshaber der vorläufigen Reichswehr, Walther Freiherr von Lüttwitz, zusammen.

„Für einige Wochen im März und April 1920 richtete sich das Augenmerk der deutschen und internationalen Öffentlichkeit auf den industriell geprägten Teil Westfalens und das damit verflochtene rechtsrheinische Industriegebiet“, sagt Prof. Dr. Rainer Pöppinghege, Historiker und Autor des im LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte erschienenen Bandes.

Als die Nachrichten vom Kapp-Lüttwitz-Putsch aus Berlin eintrafen, sahen sich viele Arbeiter bestätigt: Die schon lange befürchtete Konterrevolution hatte begonnen. Unterstützt von rechten Industriellen und Reichswehrtruppen, wollten die Putschisten die Errungenschaften der Novemberrevolution von 1918 kassieren und die Arbeiter unterdrücken, so deren Befürchtung.

Auch auf der Hagener Springe strömten die Menschen zusammen. Die „Volksstimme“, die örtliche USPD-Zeitung, beschreibt die Atmosphäre wie folgt: Zehntausende „jubelten den Rednern zu, als diese betonten, daß in dieser bitter ernsten Stunden jeder bereit sein müsse, auch die schwersten Opfer zu bringen […] Nieder mit der Verbrecherbande! Nieder mit der Reaktion!“

Daraufhin formierte sich die „Rote Ruhrarmee“, um den Putsch zu bekämpfen und die Novemberrevolution von 1918 doch noch zu einer sozialistischen Revolution zu machen. Bewaffnete Kräfte von links und rechts trafen aufeinander. Es folgten blutige Wochen mit einer ideologisch aufgeladenen, äußerst brutalen Kampfweise.

Am 15. März geriet der Hagener Raum ins Visier der Putschisten. Ein mit Kanonen bestückter Zug des Freikorps Lichtschlag fuhr in den Bahnhof der Nachbarstadt Wetter ein. Die Nachricht schlug in Hagen wie eine Bombe ein. Fabriksirenen lösten Alarm aus, Autos wurden beschlagnahmt, und Straßenbahnen, die wegen den Generalstreiks in den Depots standen, wurden ausgefahren, um bewaffnete und unbewaffnete Arbeiter nach Wetter zu bringen.

Nach erbittertem Kampf, der auf beiden Seiten Tote und Verwundete kostete, nahm man die Soldaten gefangen. Mit den erbeuteten Waffen zog ein Teil der Arbeiter weiter in Richtung Ruhrgebiet und stellte sich auch hier den Putschisten entgegen.

Der Sieg in Wetter war mehr als nur von lokaler Bedeutung. Als sich Tage später die Niederlage der Militärverbände abzeichnete, bedankte sich Philipp Scheidemann vor der in Stuttgart tagenden Nationalversammlung bei denen, die den Putsch niedergeschlagen hatten, wobei er besonders auch den Anteil der Hagener herausstellte.

„Das Ruhrgebiet war der zentrale Schauplatz jener gewaltsamen Ereignisse und der vorhergehenden Massenstreiks. Zugleich waren aber auch die Menschen in Ostwestfalen, im Sauerland und in Lippe von den Ereignissen der Jahre 1919 und 1920 betroffen“, erläutert Pöppinghege. „Das Resultat bestand in vermutlich mehr als 1.000 Toten auf Seiten der Arbeiterschaft, 500 umgekommenen Angehörigen der Reichswehr, Freikorps und Sicherheitspolizei sowie mindestens 80 getöteten Zivilisten.“

In seiner Studie bündelt Pöppinghege die Ereignisse an den einzelnen Schauplätzen Westfalens und bietet eine regionalhistorische Gesamtperspektive, die mit den Geschehnissen im Deutschen Reich eng verknüpft ist. Dass dabei das Ruhrgebiet stärker im Fokus steht als beispielsweise das Sauer- oder Münsterland und Ostwestfalen, ergibt sich aus der Ereignisgeschichte des gewaltsamen Konflikts.

„Die regional unterschiedlich ausgeprägte Gewaltgeschichte war nicht zuletzt auf die heterogene sozioökonomische und politische Struktur Westfalens zurückzuführen. Das Gesamtbild soll Antworten darauf geben, wie es zur Eskalation der gewaltsamen Ereignisse im Frühjahr 1920 kommen konnte und welche Handlungsoptionen die damaligen Akteure wählten beziehungsweise welche sie ausschlugen“, so Pöppinghege.

Rainer Pöppinghege:
Republik im Bürgerkrieg
Kapp-Putsch und Gegenbewegung an Ruhr und Lippe 1919/20

Ardey-Verlag, Münster 2019, 152 Seiten, Klappenbroschur,
ISBN 978-3-87023-443-0, Preis: 12,90 Euro

Vergessene NS-Opfer

2. Oktober 2019

Zwangssterilisierungen in Hagen

Am Montag, den 7.10.2019 um 18.00 Uhr findet im Rathaus an der Volme (Ratssaal) eine Veranstaltung des Hagener Geschichtsvereins, des Friedenszeichens und des Rahel-Varnhagen-Kollegs statt. Vorgestellt wird das Buch Rainer Stöckers mit dem o. a. Titel.

In Vertretung des Oberbürgermeisters wird Bürgermeister Horst Wisotzki das einleitende Grußwort halten.

Die Zeitzeugin Evarista Böttcher, geb, Furgeri, schildert den Rassenwahn der Nazis am Beispiel der eigenen Familie. Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs stellen ausgewählte Opferbiographien vor. Der Autor Rainer Stöcker gibt einen Einblick in historische Zusammenhänge. Parallel zu den einzelnen Beiträgen werden zeitgenössische Fotos gezeigt.

Zum Buchinhalt:

Aufgrund des „Erbgesundheitsgesetzes“ von 1933 wurden allein in Hagen etwa 1000 Personen zwangssterilisiert. Mit dem Buch soll an das Schicksal und die Leiden dieser Menschen erinnert werden, die von den Nazis als „schwachsinnig“ und „erbkrank“ eingestuft wurden und deren Fortpflanzung zum „Schutz der Rasse“ verhindert werden sollte.

Betroffen waren in der Regel „einfache Leute“. Wer die „Hilfsschule“ besucht hatte oder als Fabrikarbeiter einer vermeintlich niedrigen Tätigkeit nachging, war besonders gefährdet, zumal dann, wenn er etwa uneheliche Kinder hatte oder sonstwie negativ aufgefallen war. Unzählige Menschen wurden zu Unrecht sterilisiert, selbst nach den Maßstäben der NS-Rassengesetzgebung. Soziale Vorurteile, Willkür und Opportunismus führten dazu, dass im Zweifelsfall gegen die Betroffenen entschieden wurde. Grundsätzlich konnte jeder ins Visier der Rassenfanatiker geraten.

Karrierebewusst stellten sich besonders Ärzte und Juristen in den Dienst der Rassenideologie. Zentrale Instanz des sogenannten Erbgesundheitsverfahrens war das städtische Gesundheitsamt. Hier wurden die Erbkrankverdächtigen „untersucht“ und einem höchst fragwürdigen Intelligenztest unterzogen. Hier wurde das „belastende“ Material gesammelt, das diverse Ämter, Behörden und Dienststellen auf Anordnung des Amtsarztes hinter dem Rücken der Opfer erschnüffelt hatten. Dazu gehörten auch Informationen – etwa zum Arbeits- und Sozialverhalten -, die beim betreffenden Arbeitgeber eingeholt wurden.

Schließlich stellte der Leiter des Gesundheitsamtes beim Hagener Erbgesundheitsgericht den Antrag auf Unfruchtbarmachung. Ihm wurde in der Regel entsprochen. Der Eingriff geschah entweder im Allgemeinen Krankenhaus oder im Evangelischen Krankenhaus Haspe. Widersetzte sich jemand der Anordnung, dann wurde die widerspenstige Person von zu Hause oder auf der Arbeitsstelle abgeholt und von der Polizei zwangsweise dem Krankenhaus zugeführt.

Nach erfolgter Sterilisierung setzte sich die Diskriminierung fort. Einmal registriert und als minderwertig abgestempelt, standen die Betroffenen weiterhin im Abseits und wurden streng überwacht. In Gefahr gerieten selbst Familienangehörige, Freunde und Bekannte. Die Gesundheitsbürokratie arbeitete unermüdlich weiter, selbst als weite Teile Hagens bereits in Schutt und Asche lagen und sich das Ende des Regimes abzeichnete.

Bezeichnend ist das Schicksal von Else Neuhaus und Hermann Weißenborn. Else Neuhaus war 1936 zwangssterilisiert worden. Eine Heirat wurde verwehrt, weil diese als „in volksbiologischer Hinsicht“ unerwünscht war. 1943 nahm Else Neuhaus ihren Lebensgefährten bei sich auf, als dieser ausgebombt wurde. Auf Druck der Behörden sollten sie ihre Beziehung beenden. Im Oktober 1944 musste Hermann Weißenborn bei der Polizei erscheinen. Laut Protokoll erklärte er: „Mir ist eröffnet worden, dass das Zusammenleben mit der Frau Neuhaus nicht gestattet werden kann und ich evtl. in ein Konzentrationslager eingewiesen werde, wenn ich diese außereheliche Gemeinschaft fortsetze.“ Dazu kam es jedoch nicht mehr. Else Neuhaus und Hermann Weißenborn starben Anfang November 1944 bei einem Bombenangriff. Ihre Akte konnte geschlossen werden.

Nach dem Ende der NS-Diktatur kamen die Täter ungeschoren davon und konnten ihre berufliche Tätigkeit fortsetzen. Den Opfern blieb die Rehabilitierung verwehrt. Sie erfolgte erst nach Jahrzehnten, für fast alle kam sie zu spät.

Das Buch ist ab dem 7.10.2019 zum Preis von 12 Euro in den Hagener Buchhandlungen erhältlich.

Archäologen entdecken erneut über 11.500 Jahre alte Funde

28. September 2019

Abschluss der jüngsten Grabungskampagne in und vor der Blätterhöhle

Die Blätterhöhle in Hagen-Holthausen ist für die Steinzeit einer der wichtigsten Fundplätze in Westfalen und darüber hinaus. Jetzt sind Archäologen kurz davor die fünfte Grabungskampagne unter der Leitung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) abzuschließen. Und sie haben dabei erneut besondere Funde wie Pfeilspitzen aus Feuerstein gemacht, die einen Einblick in die Welt der Menschen vor über 11.500 Jahren erlauben.

Zum Abschluss der fünften Grabungskampagne präsentierten sie ihre Funde jetzt der Öffentlichkeit. Zu den wichtigsten Entdeckungen zählen Pfeilspitzen aus Feuerstein. In ihrer Form seien diese noch völlig unbekannt und ungewöhnlich, so die Wissenschaftler. Außerdem bargen die Archäologen vor der Höhle auch Teile der bearbeiteten Werkzeuge, Reste erlegter Tiere und mehrere Holzkohlen. In der Höhle legten sie auch einige weitere Menschenknochen frei.

2004 waren in der Blätterhöhle erstmals Menschenreste aus der Mittel- und Jungsteinzeit entdeckt worden. Seitdem gab es 13 Grabungskampagnen.

Erstes Design-Museum im modernen Sinn

23. September 2019

Führung durch das „Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe“ im Hohenhof

Zu einer Führung durch die Ausstellungsräume des Hohenhofs im Zeichen des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“ mit Dr. Elisabeth May lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) am Mittwoch, 25. September, von 16 bis 17 Uhr ein. Der Treffpunkt ist vor dem Hohenhof, Stirnband 10.

Das von Karl Ernst Osthaus gemeinsam mit dem Deutschen Werkbund initiierte „Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe“ war ein innovativer Museumstyp im 20. Jahrhundert. Als erstes Design-Museum im modernen Sinn reformierte es das traditionelle Kunstgewerbemuseum. Anstelle der Sammlung historischer Bestände sollte in erster Linie die aktuelle Produktion gefördert werden. Ausgehend von der Kritik an den ästhetisch überformten Gegenständen des Historismus, verfolgten Osthaus und der Deutsche Werkbund das Ziel, die Herstellung und Verbreitung modernen „Designs“ voranzutreiben und in Ausstellungen zu zeigen.

Das „Deutsche Museum“ war mit der ersten Sammlung zeitgenössischen Designs ein entscheidendes Ereignis in der Geschichte des „Industrial Designs“. In den Ausstellungsräumen des Hohenhofs erinnern unter anderem Exponate der Hagener Handfertigkeitsseminare oder der Hagener Silberschmiede an dieses ungewöhnliche Museum, die in der Führung vorgestellt werden. Der Eintritt kostet 9 Euro und wird vor Ort in bar kassiert. Weitere Informationen und Anmeldung unter Angabe der Veranstaltungsnummer 1082 erhalten Interessierte beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Seite www.vhs-hagen.de/anmeldung.

Führung im Hohenhof und am Stirnband

17. September 2019

Hagener Schätze des Jugendstils

Mittwoch, 18.09.2019 von 16:00 Uhr – 18:00 Uhr

Tor zum Hohenhof, Fotografie: Willy Moll, Hagen

Nachdem der Kunstmäzen und Kulturreformer Karl Ernst Osthaus (1874-1921) 1902 sein privates Museum Folkwang in Hagen eingeweiht hatte, begründete er 1906 die Künstlerkolonie Hohenhagen.

Bezug nehmend auf die Idee des Großherzogs Ernst Ludwig in Darmstadt, der die Mathildenhöhe initiiert hatte, lud Osthaus ausgewählte Künstler und Architekten nach Hagen ein, um deren individuelle Gebäude-entwürfe in die Tat umzusetzen.

Osthaus ließ sein Wohnhaus, den Hohenhof, von dem belgischen Künstler-Architekten Henry van de Velde 1906/08 erbauen. Heute zählt der Hohenhof architekturgeschichtlich zu den bedeutendsten Gebäuden Europas kurz nach der Jahrhundertwende und ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele für ein Jugendstil-Gesamtkunstwerk.

Von der Architektur bis zur kompletten Inneneinrichtung gestaltete Henry van de Velde in Absprache mit dem Bauherrn Osthaus das Gebäude „aus einem Guss“.

Anmeldung unter 0 23 31/207 2740. Treffpunkt ist der Hohenhof, Stirnband 10, 58093 Hagen. Eintritt: plus Führungsgebühr 9 Euro

2.000 Besucher beim Hagener Denkmaltag

12. September 2019

OB Erik O. Schulz wollten nur Wenige hören

Ina Hanemann, Leiterin der Denkmalbehörde, präsentiert einen bei den Ausgrabungen auf dem Außengelände des Hohenhofs gefundenen Ziegelstein. (Foto: Michael Kaub/Stadt Hagen)

Mit diesem Ansturm haben die Veranstalter des Tag des offenen Denkmals nicht gerechnet: Mit rund 2.000 Besucherinnen und Besuchern gilt der Hagener Denkmaltag 2019 als der erfolgreichste der letzten Jahre. Zur offiziellen Eröffnung durch Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Baudezernent Hennig Keune am Sonntagvormittag (8. September) hatten sich dagegen nur 100 Besucher am Hohenhof eingefunden. Doch den großen Erfolg der Veranstaltung mindert ein Diebstahl auf dem Gelände des Hohenhofs.

Ein bei den Ausgrabungen auf dem Außengelände gefundener historischer Ziegelstein ist während einer der Führungen entwendet worden. Es handelt sich dabei um einen archäologischen Fund, der dem Land Nordrhein-Westfalen gehört. Seine Entwendung ist daher als Straftat zu bewerten. Zudem gilt das Verschwinden des Ziegelsteins als Verlust für die Archäologie und für die bisher sehr erfolgreichen Maßnahmen im Außengelände des Hohenhofs. Womöglich war sich die Person, die den Ziegelstein mitgenommen hat, dessen nicht bewusst. Die Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadtarchäologie Hagen fordern daher zu einer anonymen Rückgabe des Ziegelsteins bei der Denkmalbehörde der Stadt Hagen im Rathaus auf.

Insgesamt spiegeln die Besucherzahlen das große Interesse an den Kulturdenkmälern der Stadt und das eher geringe an den Ansprachen des Oberbürgermeisters wider. Insbesondere der Hohenhof besitzt nach wie vor eine besondere Anziehungskraft und sorgt für Begeisterung bei den Besucherinnen und Besuchern.

Ina Hanemann, Leiterin der Denkmalbehörde Hagen, Dr. Birgit Schulte vom Osthaus Museum und Miriam Weber aus dem Architektenbüro Spital-Frenking+Schwarz aus Dortmund haben bis zum Nachmittag durchgängig Führungen durch das Gebäude gegeben. Parallel dazu gab es Gelegenheit, sich im Theaterzimmer des Hohenhof einen Film des LWL zu Karl-Ernst Osthaus und zur Geschichte des Hohenhofs anzusehen oder das ehemalige Wohnhaus der Familie Osthaus zu entdecken. Außerdem haben Dr. Eva Cichy von der LWL-Archäologie und Landschaftsarchitektin Susanne Weisser den ganzen Nachmittag Führungen durch den Garten zu den gartenarchäologischen und gartendenkmalpflegerischen Maßnahmen gegeben.

Nicht nur am Hohenhof war die Resonanz enorm, sondern auch das ehemalige Kesselhaus auf dem Elbersgelände und das ehemalige Umspannwerk in Haspe waren gut besucht. Am Umspannwerk berichteten Zeitzeugen und ein Film über die Zeiten, in denen das Werk noch aktiv war und eine Bahn durch das idyllische Tal Richtung Breckerfeld fuhr. Die von Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff angebotene Busrundfahrt durch das Stadtgebiet war restlos ausgebucht.

Gesprächsabend zum Thema Zweiter Weltkrieg

9. September 2019

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges ist das Thema beim nächsten Gesprächsabend der Volkshochschule Hagen (VHS) mit Jörg Fritzsche am Freitag, 13. September, um 17 Uhr im Erzählcafé „Altes Backhaus“, Lange Straße 30.

In den frühen Morgenstunden des 1. Septembers 1939 startete mit den Schüssen des Linienschiffs „Schleswig-Holstein“ auf die Westerplatte bei Danzig und Luftangriffen auf die Stadt Wielun der deutsche Überfall auf Polen. Lange vorbereitet und als Reaktion auf vermeintliche Grenzzwischenfälle getarnt, begann mit dem sogenannten „Fall Weiß“ der Zweite Weltkrieg. Die deutsche Bevölkerung nahm den Beginn der Kampfhandlungen mit gedrückter Stimmung auf. Der Begriff „Krieg“ war vom NS-Regime ausdrücklich untersagt. Die Skepsis wuchs noch, als Großbritannien sowie Frankreich ihre Verpflichtungen gegenüber Polen einlösten und Deutschland am 3. September den Krieg erklärten. Neben den Ereignissen dieser schicksalsträchtigen Tage sollen beim Gesprächsabend die Erlebnisse und Emotionen der Menschen im Vordergrund stehen. Wie wurde der Kriegsausbruch erlebt? Welche Veränderungen gab es im alltäglichen Leben?

Auch Zeitzeugen sind dazu eingeladen, ihre Erinnerungen einzubringen. Das Serviceteam der VHS bittet für den Kurs 1200 um eine Anmeldung auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung oder unter Telefon 02331/207-3622.

„Lieber Osthaus – lieber Gropius“

7. September 2019

Umfangreicher Briefwechsel zwischen dem Bauhausgründer und dem Hagener Folkwang-Gründer erschienen

Der Bauhausgründer Walter Gropius (1883-1969) erinnerte sich kurz vor seinem Tod daran, dass Karl Ernst Osthaus (1874-1921, Foto), der Hagener Folkwang-Gründer, sein naher Freund gewesen sei, dem er maßgeblich seine Berufung nach Weimar zu verdanken habe. Nachzulesen sind diese Sätze, formuliert in einem Brief nach Hagen im Mai 1969, nun in einem Buch, das im Rahmen des Jubiläumsjahres „Hagener Impulse“ vom Osthaus Museum Hagen herausgegeben wird.

Auf über 500 Seiten ist der vollständige Briefwechsel zwischen den beiden Protagonisten der Moderne transkribiert. Von der engen freundschaftlichen Verbindung zwischen Osthaus und Gropius zeugen rund 400 Dokumente im Karl Ernst Osthaus-Archiv Hagen. Sämtliche Dokumente werden nun erstmals im Zusammenhang veröffentlicht. Die Publikation „Karl Ernst Osthaus und Walter Gropius. Der Briefwechsel 1908-1920“, herausgegeben von Reinhold Happel und Birgit Schulte, erscheint im Klartext Verlag Essen.

Die starken Wurzeln des Bauhauses im westfälischen Hagen werden auch seitens der Verantwortlichen des NRW-Verbundes „100 jahre bauhaus im westen“ hervorgehoben. So betont Dr. Cornelia Bauer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, als Vertreterin des Lenkungskreises: „Der Standort Hagen spielt eine Schlüsselrolle im Narrativ des Bauhaus-Jubiläums in Nordrhein-Westfalen. Hier erzählen wir gewissermaßen die Vorgeschichte des Bauhauses.“

Dr. Birgit Schulte, Projektleiterin des Bauhausjahres in Hagen und Mitherausgeberin, beschreibt, wie spannend es ist, „sich in die Korrespondenz zwischen zwei Persönlichkeiten zu vertiefen, die gemeinsam mehr als ein Jahrzehnt lang wesentliche Projekte der Moderne diskutiert und entwickelt haben, und dabei feststellen zu können, wie kontinuierlich und energisch Osthaus seinen Freund Gropius gefördert und wie Gropius sich dieser Strategie dankbar bedient hat.“ Ihr Dank geht an die Kunstmuseen Krefeld, mit deren Leihgaben die Rekonstruktion der von Walter Gropius kuratierten Ausstellung „Vorbildliche Industriebauten“ möglich wurde, die ab 1911 als Wanderausstellung von Hagen aus auf Tournee geschickt wurde. Die rekonstruierte Ausstellung ist vom 7. September bis 12. Januar 2020 im Osthaus Museum Hagen zu sehen.

Der Kurator Prof. Dr. Reinhold Happel erläutert die Bedeutung der Industriebauten-Ausstellung: „Diese Präsentation mit Fotografien herausragender wegweisender Industriearchitektur, die in zahlreichen Städten in Deutschland sowie in Amsterdam und in den USA zu sehen war, dokumentiert einen wichtigen Diskurs über moderne Architektur am Beginn des 20. Jahrhunderts. Gropius und Osthaus haben diesen Diskurs maßgeblich mitbestimmt, und das Bauhausjahr ist der passende Anlass, in Hagen diese Ausstellung mit möglichst vielen Originalfotografien und Dokumenten zu rekonstruieren.“

Vorbildliche Industriebauten

6. September 2019

Die ökonomische Kraft der künstlerischen Idee

7. September 2019 – 12. Januar 2020, Osthaus-Museum Hagen

Karl Ernst Osthaus hat Ideen des Bauhauses vorgedacht und den Bauhausgründer Walter Gropius maßgeblich gefördert. „Osthaus was instrumental in supporting me“, resümmierte Gropius wenige Monate vor seinem Tod 1969. Von der engen freundschaftlichen Verbindung zwischen Gropius und Osthaus zeugen Hunderte, bisher nicht veröffentlichte Briefe im Karl Ernst Osthaus-Archiv Hagen. Der Hagener Mäzen war für Gropius ein wichtiger Mitstreiter in der Debatte um die Frage, in welcher Weise Kunst und Künstler in die Gesellschaft hineinwirken können und sollen.

Im Zusammenhang mit der Arbeit im Deutschen Werkbund diskutierten sie die Frage, wie sich der Fabrikbau mit dem künstlerischen Anspruch verbinden lässt. Osthaus erkannte und nutzte früh das kommunikative Potential der Fotografie, um vorbildliche Baukunst weithin bekannt zu machen. Schließlich erwirkte er für Gropius den Auftrag, eine Ausstellung „Vorbildlicher Industriebauten“ zusammenzustellen, die ab 1911 als Wanderausstellung des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“ von Hagen aus auf Tournee geschickt wurde.

Dieses gemeinsame Projekt von Gropius und Osthaus wird im Osthaus Museum Hagen rekonstruiert und durch die Publikation ihres Briefwechsels begleitet. Kooperationspartner sind die Krefelder Kunstmuseen, die 1922 die Bestände des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“ aus Hagen übernommen haben. Rund 40 Original-Abzüge der insgesamt 110 Fotografien sind in der Graphischen Sammlung der Krefelder Kunstmuseen verwahrt. Neue Abzüge nach den Originalnegativen aus dem Bildarchiv Marburg ermöglichen erstmals eine Komplettierung der Ausstellung, wie sie 1914 auf der Werkbundausstellung in Köln zu sehen war.

Anlässlich der Ausstellung wird der mehrere hundert Schriftstücke umfassende Briefwechsel zwischen Osthaus und Gropius, den das Osthausmuseum im Karl Ernst Osthaus-Archiv verwahrt, in einer wissenschaftlich kommentierten Edition unter dem Titel „‘Osthaus was instrumental in supporting me‘… – Walter Gropius, Karl Ernst Osthaus und das Bauhaus“ erscheinen.

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“

3. September 2019

Vielfältiges Programm zum Tag des offenen Denkmals in Hagen

Die Eröffnung des Programms findet am Hohenhof statt. Foto: Karsten Thilo-Raab/Stadt Hagen.

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ lautet das Motto zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz am Sonntag, 8. September. Die Abteilung Denkmalschutz und Stadtarchäologie der Stadt Hagen hat dazu ein spannendes Programm rund um Baudenkmäler aus der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts entwickelt, das zugleich Bezug auf das 100-jährige Bauhausjubiläum nimmt. Dazu bieten Privateigentümer und Initiatoren aus öffentlichen Einrichtungen ein eigenes Programm zu ihren Denkmälern an.

Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz eröffnet den Denkmaltag um 11 Uhr im Hohenhof. Im Anschluss werden Führungen zu aktuellen denkmalpflegerischen Maßnahmen und Restaurierungen in und am Hohenhof angeboten. Unter anderem gewähren Archäologin Dr. Eva Cichy und Kollegen von der Archäologie des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) Einblicke in die laufenden Ausgrabungen auf dem Außengelände. Für das leibliche Wohl sorgen die Muschelsalatretter. Der Hohenhof kann bis 18 Uhr besichtigt werden.

Neben dem Programm am Hohenhof öffnet auch das ehemalige Umspannwerk in Haspe, Voerder Straße 131 a, seine Türen. Von 10 bis 17 Uhr können die Besucherinnen und Besucher das Gebäude, das heute eine christliche Gemeinschaft beheimatet, besichtigen. Das ehemalige Umspannwerk diente ursprünglich der Hagener Straßenbahn AG für die Umstellung der Hochspannungsleitungen der Straßenbahn an der Strecke Hagen-Haspe-Ennepetal/Voerde-Breckerfeld. Es wurde zur Zeit des damaligen Hasper Stadtbaurates Günther Oberste-Berghaus entworfen und steht mit seiner Architektur in der Tradition des Bauhauses.

Auf dem Elbersgelände wird das ehemalige Kesselhaus für zwei geführte, kostenlose Rundgänge um 15 und 16.30 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung zu den Führungen ist per E-Mail an gabriele.fuchs@stadt-hagen.de bis zum 6. September erforderlich, da die Teilnahmezahl pro Führung auf 20 Teilnehmende begrenzt ist.

Der Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff bietet von 14 bis etwa 17.30 Uhr eine Busrundfahrt zu Orten und Denkmälern aus der Zeit des Jugendstils und des Bauhauses an. Die Fahrt führt unter anderem durch die Stadtteile Haspe, Emst, Eckesey und Wehringhausen vorbei am früheren Hallenbad an der Berliner Straße und der Christ-König-Kirche in Boelerheide. Die Teilnahme kostet 12 Euro pro Person und kann vor Ort gezahlt werden. Eine Anmeldung ist bis zum 6. September unter Telefon 02331/54654 oder per E-Mail an info@michaeleckhoff.de erforderlich. Treffpunkt ist die Villa Cuno, Haßleyerstraße/Ecke Stirnband.

Der Flyer zum Tag des offenen Denkmals liegt in den städtischen Gebäuden aus und steht unter www.hagen.de auf der Seite der Unteren Denkmalbehörde als PDF-Datei zur Verfügung. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei Mirjam Kötter, städtische Bodendenkmalpflege, unter Telefon 02331/207-3026.

Des Weiteren bieten einige Privateigentümer und öffentliche Einrichtungen ein eigenes Programm zum Denkmaltag an.

Die Liebfrauenkirche in Vorhalle, Liebfrauenstraße 23, ist von 13 bis 15 Uhr für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Interessierte können zudem an einer Führung teilnehmen. Erbaut zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den Bochumer Architekten Carl Pinnekamp, ist die Kirche ein Zeugnis der Neoromanik, zeigt aber auch Anklänge des Jugendstils. Um 15 Uhr findet noch eine 15-minütige Andacht statt.

Auch die evangelisch-reformierte Kirche in Hohenlimburg, Freiheitstraße 37, ist für Interessierte ab 12 Uhr geöffnet. Mitglieder der Gemeinde stehen für Fragen zur Verfügung. Um 17 Uhr veranstaltet die Kirche ein Orgelkonzert.

Am Denkmaltag kann ebenfalls der „Hof Niemeyer“ in Berchum, Tiefendorfer Straße 8, von 12 bis 16 Uhr besichtigt werden. Hier wird den Besucherinnen und Besuchern die Instandsetzung eines Fachwerkhauses unter denkmalrechtlichen Aspekten näher gebracht. Ein Höhepunkt der Besichtigung ist das eingerichtete Schustermuseum in einem Nebenraum der Tenne, einem gepflasterten Platz in der Scheuen zum Dreschen von Getreide.

Die Bewohner des 1705 errichteten und mehrfach erweiterten Bauernhauses Baukey in Vorhalle, Baukey 1, öffnen von 12 bis 16 Uhr die Diele und das Kaminzimmer des Hauses. Eine Diashow zeigt eindrucksvoll die Restaurierungen der vergangenen Jahre.

Hagener Geschichte(n) postkolonial erzählt

31. August 2019

Welche Spuren der Kolonialismus in der Stadtgeschichte und im Alltag hinterlässt, zeigt ein Forschungsprojekt der FernUni

Mitte der 1960er Jahre in Hagen: Der Brauereibesitzer Carl Horst Andreas schoss „auf großer Pirsch” auf allen Kontinenten exotische Jagdtrophäen für sein privates Museum, bis hin zum Elefantenfuß (Bildmitte). Für Werbezwecke setzte er Fotos von Menschen aus Afrika in diskriminierender Weise ein. Foto: Hagener Heimatbund.

Kolonialgeschichte streift ihre Nebenrolle ab: Klassischerweise wird sie als Geschichtsschreibung von oben angelegt, erzählt aus der Perspektive von Imperien, Kaisern, Ministerien. Mittlerweile etabliert sich eine Globalgeschichte „von unten“, drängt sich in die National- und insbesondere Lokalgeschichte. „Die historische Perspektive hat sich in den vergangenen Jahren verändert“, bestätigt Dr. Fabian Fechner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt an der FernUniversität in Hagen.

Mit Fokus auf die Stadt Hagen hat Fechner gemeinsam mit seiner Kollegin Barbara Schneider nach Verbindungen zwischen Kommune und Kolonialismus für die Zeit zwischen 1850 und 1960 gesucht, dabei Erstaunliches herausgefunden – und die Geschichte(n) in einem Seminar für Studierende verarbeitet. Nachlesbar sind sie in einer Publikation und einem Stadtplan.

Nach Bielefeld und Düsseldorf nun also Hagen: „Wir sind die dritte Uni bundesweit, die Spuren der Kolonialzeit vor Ort aufgespürt hat und dauerhaft dokumentiert“, sagt Fechner zu dem jungen Zweig der Lokalhistorie. „Deutschland war zur Zeit des Kolonialismus ein Auswanderungsland“, beschreibt der Historiker. „Die große Not, die in Deutschland herrschte, trieb überall Menschen dazu, nach Übersee zu gehen.“ Für Frauen etwa bedeutete die Missionsarbeit einen Sprung in der sozialen Hierarchie und mehr persönlichen Handlungsspielraum, wie Barbara Schneider erarbeitet hat.

Um in die lokale Geschichte einzutauchen, wühlten sich Barbara Schneider und Fabian Fechner durch Archive und sichteten Quellen, blätterten händisch alte Zeitungsausgaben durch und sortierten Fotos. Neben drei Hagener Archiven waren vor allem die Bestände der Archiv- und Museumsstiftung der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal ausschlaggebend.

Ansätze für Geschichten fanden Schneider und Fechner viele: Völkerschauen und palmengeschmückte Kolonialfeste als Unterhaltungsprogramm, revisionistische Heldenverehrung auf Straßenschildern, die Betrügereien durch den Hagener „Bund für Siedlung in Brasilien“, der zur Schau getragene Rassismus des Brauereibesitzers Carl Horst Andreas – und: Wie kam eigentlich der Kaffee nach Hagen?

Eine Anzeige in der Hagener Zeitung vom 15. Mai 1892 wirbt für eine Völkerschau, die damals das meist Bild des „Schwarzen” in der Öffentlichkeit verfestigte: wild, animalisch und kriegerisch zu sein. Foto: Stadtarchiv Hagen.

Hagens koloniale Spuren zeigen dabei einen Querschnitt durch die lokale Gesellschaft: vom Tagelöhner und der Zugehfrau bis zum Admiral und Millionenerben werden sie repräsentiert, ebenso wie durch Kolonialgesellschaften, Kriegervereine und Missionsorganisationen. „Letztere machten die Menschen mit dem kolonialen Gedankengut vertraut und sorgten für die koloniale Grundierung der Bevölkerung“, so Barbara Schneider. Denken und Handeln in dieser Kategorie war fest im Alltag verankert.

An dem Seminar, das das Lehrgebiet anbot, nahmen überdurchschnittlich viele Studierende teil. „Das Interesse an Lokalgeschichte und Zeithistorie ist offenkundig groß“, freut sich die Geschichtswissenschaftlerin über die Resonanz. Insgesamt 23 Bachelor- wie Promotionsstudierende zogen los, forschten ebenfalls in Archiven und Bibliotheken. Neben einigen Hausarbeiten schrieben alle einen Artikel zu ihrem Thema, die zu einer umfangreichen Broschüre mit Lokalkolorit zusammengefasst werden.

„Darin finden sich viele Aspekte, die so in Hagen noch nicht aufgearbeitet wurden und die vor allem das koloniale Erbe über Einzelpersonen, Institutionen, Kunstwerke, Sammlungen und symbolische Handlungen veranschaulichen“, so Schneider und Fechner.

Der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden die Forschungsergebnisse und das Buch „die welt in hagen – hagen in der welt“ am 17. September von 18 bis 20 Uhr im Kunstquartier Hagen, Museumsplatz 1.

Führung im Riemerschmid-Haus

26. August 2019

Mittwoch, 28.08.2019 von 16:00 – 17:00 Uhr

Ein eigenes kleines Haus mit Nutzgarten – um 1907 sollte das für die Hagener Textilarbeiter kein Traum bleiben müssen.

Karl Ernst Osthaus holte 1905 die Teilnehmer einer Konferenz für „Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen“ nach Hagen. In der Folge konnte er dem in München geborenen Künstler-Architekten Richard Riemerschmid einen Bauauftrag durch Elbers in Hagen verschaffen.

Riemerschmid ist bis heute berühmt für Projekte wie die erste deutsche Gartenstadt in Hellerau bei Dresden. Ab 1907 begann er den Bau einer Anlage für Arbeiterwohnungen in Hagen, die sogenannte „Walddorf-Siedlung“. Nur elf Häuser konnten realisiert werden. Bei der öffentlichen Führung durch Haus Nr. 17 erhält man Einblick in die Lebenswelt der Arbeiter dieser Zeit.

Treffpunkt ist die Walddorfsstr. 17, 58093 Hagen, Führungsgebühr 6 €. Eine Anmeldung ist erforderlich unter 0 23 31/207 – 3622 oder 207-3138

Rundgang zur Architektur der Gebrüder Ludwigs

20. August 2019

Mittwoch, 21.08.2019 von 16:00 Uhr – 17:00 Uhr

Denkmalgeschützte Villa in Hagen-Eppenhausen, Lohestraße 3. Ehemalige Villa des Hagener Unternehmers Gustav Adolf Kerckhoff (1878-1936). Entworfen 1922 von den Architekten Gebrüder Ludwigs. Foto: Klaus Bärwinkel, CC BY 3.0.

Hagener Architektenbrüder im Visier – Zwischen 1909 und 1938 realisierten die Gebrüder Ludwigs eine ganze Reihe unterschiedlicher Bauten im Hagener Stadtraum.

Dabei setzten sie sich intensiv mit dem „Neuen Stil“, wie ihn Karl Ernst Osthaus zum Teil in Hagen etablieren konnte, auseinander. Einflüsse des Jugendstils und der ästhetischen Erneuerungsversuche innerhalb der Reformbewegung nach 1900 sind bis heute im Hagener Stadtbild zu entdecken.

Anmeldung unter Tel.: 207 2740. 6 € Teilnahmegebühr sind vor Ort zu entrichten! Treffpunkt ist Haßleyerstraße 14, 58093 Hagen-Eppenhausen.

Führung durch die Villa Post und zur Cuno-Siedlung

19. August 2019

Zu einer Führung durch die Villa Post am Mittwoch, 21. August, von 16 bis 17.30 Uhr und zur sich anschließenden Besichtigung der Cuno-Siedlung von 17.30 bis 19 Uhr mit Jochen Becker, Leiter des städtischen Fachbereiches Bildung, lädt die Volkshochschule Hagen (VHS) ein. Der Treffpunkt für die beiden Veranstaltungen ist jeweils im Eingangsbereich der Villa Post, Wehringhauser Straße 38.

Die Villa Post wurde im spätklassizistischen Stil in Anlehnung an die Renaissance erbaut und diente als repräsentativer Wohnsitz der Familie Post. Die Stadt Hagen kaufte den kubischen und zweigeschossigen Backsteinbau, der danach unterschiedlichste Verwendung fand. Das Spektrum reichte von der Nutzung als Museum bis zum Stützpunkt der Volkszählung.

1994 beschloss der Stadtrat, die Villa Post zu restaurieren und der Volkshochschule Hagen zur Verfügung zu stellen. Die Eröffnung der restaurierten Villa Post erfolgte 1998. Während der Führung können sich die Teilnehmer selbst ein Bild davon machen, wie Denkmalschutz und neue Funktionalität in ein harmonisches Zusammenspiel gebracht wurden.

Für die zweite Führung geht es vom Treffpunkt an der Villa Post über die neue Ennepebrücke ein Stück bergauf zur Cuno-Siedlung am Kuhlerkamp (Foto: Rainer Halama, CC BY-SA 3.0). Von 1926 bis 1927 entstanden dort 121 Wohnungen in neun Gebäuden.

Die vom damaligen Stadtbaurat Ewald Figge geplante Siedlung verfügte über ein innovatives Wohnkonzept mit einem Vorgänger der Einbauküche, der sogenannten „Frankfurter Küche“, die durch eine Glastür vom Wohn- und Essbereich abgetrennt war. Auch eine von den Bewohnern gemeinschaftlich genutzte Wäscherei und eine Badeanstalt mit Brausen- und Wannenbädern gingen über den damaligen Standard hinaus. Die Gebäude der nach dem langjährigen Hagener Oberbürgermeister Willi Cuno benannten Siedlung sind streng sachlich gehalten und geometrisch strukturiert. An Hausecken und Toren finden sich Skulpturen des Hagener Künstlers Karel Niestrath und neben Eingängen sowie Einfahrten stehen Reliefs von Hans Dorn.

Für die Teilnahme an der Führung durch die Villa Post (Kursnummer 1070) und zur Cuno-Siedlung (Kursnummer 1071) ist eine Anmeldung beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder auf der Internetseite www.vhs-hagen.de/anmeldung notwendig.


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