Archive for the ‘07 Wissenschaft Hagen’ Category

Seuchen verstärkten langfristige Entwicklungen

28. September 2020

Pest, Cholera und Typhus suchen die Menschen heim, seit sie sesshaft wurden und eng mit ihren Tieren zusammenleben. Bereits Steinzeit-Menschen starben an der Pest, der letzte große Ausbruch war Anfang des 18. Jahrhunderts in Marseille.

Für PD Dr. Eva-Maria Butz, Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas an der FernUniversität in Hagen, wirkten Seuchen in der Geschichte eher schleichend und bereits bestehende Entwicklungen verstärkend denn als Revolutionen. Sie konnten sogar positive Folgen haben. (…)

In gewisser Weise – aber bei weitem nicht so, wie angesichts der Coronakrise heute oft vermutet wird – verstärkte auch 1918 die Spanische Grippe längerfristige Entwicklungen: „In Deutschland hatte sie, anders als oft kolportiert, nur sehr geringen Einfluss auf den negativen Verlauf des Ersten Weltkriegs, die November-Revolution und das Ende des Kaiserreichs“, so Butz. Die Deutschen betrachteten sie damals vielmehr als Teil der allgemeinen Verschlechterung der Volksgesundheit, die aber schon ab 1916 wahrgenommen wurde. Für die Hagener Historikerin war die Seuche nur ein Teil des Weltkriegsleids, das die Kriegsmüdigkeit und die Kritik am Versagen der politischen Führung verstärkte, die gegen die Krankheit nichts unternahm.

Nicht neu sind Quarantänemaßnahmen, die auch in heutigen Coronazeiten wieder eine Rolle spielen. Gegen das bis ins 19. Jahrhundert von Pestwellen heimgesuchte Osmanische Reich bildete Österreich im 18. Jahrhundert eine „Pestfront“, eine militärische Grenze: „Dieser Machtbildungsprozess ergab sich bereits am Ende des 16. Jahrhunderts.“

Die Grenze wurde als Seuchenprävention ausgebaut, mit einem ganz dezidierten Quarantänesystem an den einzelnen Grenzstationen, mit genauen Quarantäne- und Desinfektionsvorschriften. Wer über die Grenze wollte wie z.B. Händler, mussten erst einmal in eine Quarantäne. Und erneut nach dem Treffen mit ihrem Handelspartner. An einem Teil der Stationen wurden die Waren kontaktlos auf die andere Grenzseite gebracht. Sogar Briefe wurden ausgeräuchert und Münzen in Essig gespült.

Butz: „Was man heute kennt, hat man schon damals relativ erfolgreich versucht. Letztendlich konnten in diesem Bereich Ausbrüche regional eingegrenzt und ein Vordringen nach Westeuropa verhindert werden.“ (…)

Quelle: FernUni

FernUni Vorreiterin in der digitalen Lehre

8. September 2020

Kenntnisse könnten auf Schulunterricht übertragen werden

Als die Corona-Krise Deutschland mit voller Wucht traf, konnte die FernUniversität in Hagen ihre Lehrinhalte ohne große Umstellungen weiter zu ihren Studierenden hinbringen. Auf der Grundlage ihrer vielfältigen und langen Erfahrungen beim Einsatz der digitalen Lehre hat das Institut für wissenschaftliche Weiterbildung der FernUniversität (FeUW) ein Programm für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt, das digitale Kompetenzen und mediendidaktische Fähigkeiten stärken soll. Die Kenntnisse aus der Hochschullehre sollen damit auf den Schulunterricht übertragen werden.

Gut und gern kann man sagen, dass die FernUniversität in Hagen eine Vorreiterin in der digitalen Lehre ist. Über 40 Jahre Erfahrung mit Lernen auf Distanz und Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert im Digitalrat der Bundesregierung sprechen dafür. Davon machte sich jetzt der Vorsitzende des Ausschusses für Digitalisierung und Innovation im Düsseldorfer Landtag Thorsten Schick (CDU) an der FernUniversität ein Bild.

Die Corona-Krise kam für jeden überraschend. Der Schlag traf aber nicht alle gleich stark: „Für die FernUniversität war es eigentlich keine große Umstellung“, sagte Ada Pellert. Ganz anders sah es da bei den Schulen aus. Die Voraussetzungen für digitales Lernen variieren sehr stark zwischen einzelnen Schulen.

Nicht nur deshalb entwickelte das FeUW ein Programm für Lehrerinnen und Lehrer, das digitale Kompetenzen und mediendidaktische Fähigkeiten stärken soll. Das Ziel ist es, die Kenntnisse aus der Hochschullehre auf den Schulunterricht zu übertragen, was in einem ersten Durchlauf der Weiterbildung im Sommer bereits gelungen ist. Ab dem 5. Oktober geht der Kurs in die zweite Runde.

FernUni: Neuer Senatsvorsitzender

4. September 2020

Der Senat der FernUniversität in Hagen hat einen neuen Vorsitzenden: Prof. Dr. Robert Gaschler, Professor für Allgemeine Psychologie, wurde auf der konstituierenden Sitzung mit großer Mehrheit gewählt. Bedingt durch die Corona-Pandemie fand die Senatssitzung am 2. September im Videokonferenz-Format statt.

„Die FernUniversität bildet einen besonderen Kosmos, sowohl in der Lehre als auch in der Forschung“, sagte Robert Gaschler aus Anlass seiner Wahl. „Stärker als an anderen Universitäten identifizieren sich die meisten der Universitätsangehörigen mit der Institution insgesamt, nicht nur mit dem engeren Arbeitsumfeld.“

Die zentrale Rolle des Senats sieht Gaschler darin, die Weiterentwicklung der FernUniversität zu begleiten und zu unterstützten – und als Institution zu stärken. Neuer stellvertretender Vorsitzender ist Prof. Dr. Stefan Smolnik, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebliche Anwendungssysteme an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft.

„Viele, die so sind wie ich“ lockten vor 50 Jahren Zehntausende zum „europäischen Woodstock“

1. September 2020

Der Soziologe Prof. Frank Hillebrandt von der FernUniversität Hagen sieht in vielen Bereichen Folgen von Popmusik-Festivals – Auf Fehmarn hatte Jimi Hendrix 1970 seinen letzten großen Auftritt

Prof. Frank Hillebrandt und seine Mitarbeiterin Amela Radetinac mit einem „Schatz“ aus der Schallplattensammlung des Soziologen: Das Cover ist im Stil der 1960er Jahre gestaltet. Foto: FernUni.

Vor 50 Jahren, vom 4. bis 6. September 1970, fand das erste mehrtägige Popfestival auf dem europäischen Kontinent statt. Das „Love-and-Peace-Festival“ lockte 25.000 bis 30.000 Besucherinnen und Besucher auf die Ostseeinsel Fehmarn. Hier trat Jimi Hendrix letztmalig vor seinem Tod am 18. September 1970 vor einem großen Publikum auf – einer der Gründe, warum das Fehmarn-Festival heute noch für viele ein Begriff ist.

Die Musik der 1960-er und 1970-er Jahre und die Festival-Kultur haben jedoch viel mehr Veränderungen in Populärkultur, Gesellschaft, Politik und sogar der Wirtschaft ausgelöst, als gemeinhin bekannt ist. Prof. Dr. Frank Hillebrandt von der FernUniversität in Hagen erforscht sie in seinem Lehrgebiet Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie.

Für ihn und seine Mitarbeiterin Amela Radetinac hat hierbei das Festival auf Fehmarn große Bedeutung: Das Woodstock- und das Monterey-Festival in den USA sind schon vielfach untersucht worden. „Zeitzeugen erzählen vor allem mythische Heldengeschichten“, so Hillebrandt: „Diese Ereignisse sind für die empirische Forschung ‚verbrannt‘. Der Feldzugang zu Fehmarn ist leichter.“

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FernUni-Studie: Wegen Personalmangel in Kitas bleiben Bildung und Erziehung oft auf der Strecke

26. August 2020

Die Personalsituation in deutschen Kindertageseinrichtungen belastet Erzieherinnen und Kinder. Das zeigen die Ergebnisse des Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme 2020 von Bertelsmann Stiftung und Fernuniversität Hagen. Die Ergebnisse der Studie „Professionelles Handeln im System“ der Fernuni im Auftrag der Bertelsmann Stiftung bestätigen diese Befunde.

Demnach benötigen Kitas dringend mehr pädagogisches Personal, um eine kindgerechte Betreuung, Bildung und Erziehung leisten zu können. Für Krippengruppen wurde bundesweit ein Personalschlüssel von 1:4,2 festgestellt und für Kindergartengruppen von 1:8,8. Diese Werte überschreiten die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung von einem Personalschlüssel von 1:3 in Krippen- und von 1:7,5 in Kindergartengruppen.

Interviews mit 128 Erzieherinnen untermauern, welche Belastungen sich hieraus für die Kinder und das pädagogische Personal ergeben. Befragte berichten, dass sich ihr Fokus durch Personalmangel oft auf die Erfüllung der Aufsichtspflicht reduziert.

Nähere Infos und weiterführende Links: FernUni

FernUni: Kooperation mit Österreich erneuert

30. Juli 2020

Die Postsparkasse ist eines der bekanntesten Jugendstilgebäude Wiens, geplant und gebaut von Otto Wagner. Zukünftig Sitz des Studienzentrums Wien. Foto: Thomas Ledl (CC BY-SA 4.0).

Die FernUniversität in Hagen und die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) haben ihre Zusammenarbeit auf ein neues Fundament gestellt: Bereits seit 1994 werden Studierende der FernUniversität, die in Österreich leben, durch das Zentrum für Fernstudien der JKU und seine angegliederten Studienzentren betreut. Jetzt unterzeichneten beide Universitäten eine neue Kooperationsvereinbarung.

„Unser Studienangebot in Österreich ist ein echtes Erfolgsmodell. Das belegen die seit Jahren konstant hohen Studierendenzahlen“, sagt Prof. Dr. Ada Pellert, die Rektorin der FernUniversität in Hagen. „Die Partnerschaft mit der Johannes Kepler Universität ermöglicht uns, unseren rund 3.000 Studierenden in Österreich eine wohnortnahe Betreuung zu bieten. Diese ist ein elementarer Baustein des Blended Learning Konzepts der FernUniversität, das digitale und gedruckte Lehrmaterialien, Online-Lehre und Präsenzveranstaltungen kombiniert.“

Im Laufe der vergangenen Jahre haben sich sowohl Technik und Didaktik der Fernlehre als auch die Anforderungen der Fernstudierenden gewandelt – bedingt durch die zunehmende Digitalisierung und Flexibilisierung der Lebens- und Arbeitswelt. Auch die Organisation von Hochschulen hat sich verändert. Daher erschien es beiden Universitäten sinnvoll und notwendig, die bestehende Kooperationsvereinbarung zu optimieren. In einer rund einjährigen Übergangsphase erarbeitete eine gemeinsame Arbeitsgruppe den neuen Vertrag, den nun FernUni-Rektorin Ada Pellert und JKU-Rektor Prof. Dr. Meinhard Lukas unterzeichneten.

„Ich freue mich, dass unsere langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit fortgeführt wird“, sagt Stefan Koch, JKU Vizerektor für Lehre und Studierende. „Ziel der erneuerten Kooperation ist es, die Betreuung der Studierenden vor Ort weiter zu verbessern. Dazu planen wir unter anderem, mit unserem Wiener Studienzentrum in das historische Gebäude der ehemaligen Postsparkasse in zentraler Lage umzuziehen, das mit modernster Lehr- und Lerntechnik ausgestattet wird.“

Die Verbesserung der Studienbedingungen ist für die Studierenden nicht mit höheren Kosten verbunden, im Gegenteil: Die bisherige Servicegebühr für die Prüfungsteilnahme, die von der JKU erhoben wurde, entfällt. Für Studierende wird es zudem künftig leichter möglich sein, an der JKU erbrachte Studienleistungen durch die FernUniversität anerkennen zu lassen und ihr Studium teilweise als Präsenzstudium an der JKU zu absolvieren.

JKU und FernUni streben darüber hinaus an, ihre Zusammenarbeit in der Lehre insbesondere im digitalen Bereich weiter auszubauen und gemeinsame Studienprogramme zu entwickeln. Außerdem präzisiert die erneuerte Kooperationsvereinbarung die organisatorische Zusammenarbeit in den Bereichen Betreuung, Ausstattung der Studienzentren, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierung und Qualitätsmanagement.

35 „kluge Köpfe“ aus fünf Ländern

26. Juli 2020

Internationales Forschungsnetzwerk zu Kant mit Beteiligung der FernUniversität

35 „kluge Köpfe“ aus fünf Ländern vereint ein soeben ins Leben gerufenes neues Forschungsnetzwerk, das Alba Jiménez Rodríguez, Philosophieprofessorin an der größten spanischen Präsenzuniversität, der Universidad Complutense in Madrid, leitet und das dem deutschen Meisterdenker Immanuel Kant gewidmet ist. Der Titel des Projekts, das aus Mitteln der spanischen Forschungsförderung Kongresse und Tagungen, aber auch sonstigen Forschungsaustausch samt Fachpublikationen realisieren soll: „Die transzendentale Deduktion der Kategorien: Neue Perspektiven“.

„In dem Projekt geht es um nicht mehr und nicht weniger als um den harten Kern der Kantischen theoretischen Philosophie: um den Nachweis, dass Gegenstände durch eben die Formen, die ihre Thematisierung erlauben, in letzter Instanz auch erst sind, was sie sind“, erläutert Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann (Lehrgebiet Philosophie II an der FernUniversität in Hagen), den Jiménez Rodriguez zusammen mit seinem Mitarbeiter Dr. Fernando Moledo zur Kooperation eingeladen hat. Kant hat seine Lehre in diesem Punkt in seinem Hauptwerk, der „Kritik der reinen Vernunft“, vorgetragen.

Das neue Projekt will nun versuchen, ihre Spiegelungen in Kants Logik- und Metaphysikvorlesungen aufzuzeigen und auch die Wirkungsgeschichte des Kantischen Gedankens in seine Interpretation miteinzubeziehen. „Dabei werden wir auch bis jetzt eher unbekannte Zeitgenossen Kants in die Debatte berücksichtigen und zugleich versuchen, die praktisch-philosophischen Implikationen des neuen Ansatzes bei Kant herauszuarbeiten“, erläutert Moledo.

Hoffmann freut sich, dass neben den „klassischen“ Zentren der Kantforschung in Deutschland – also Mainz, Trier und Halle – auch die FernUniversität mit von der Partie ist und damit als Forschungsstandort in Sachen Kant international gewürdigt wird. „Von dem Austausch wird Hagen in Forschung und Lehre unbedingt profitieren“, ist er sich sicher.

FernUni: Prof. Annette Elisabeth Töller berät ab 1. Juli die Bundesregierung

26. Juni 2020

Der Anruf aus Berlin kam überraschend für Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller: Ob sie bereit wäre, zum 1. Juli Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) zu werden? Ein Angebot, dass man nicht ablehnt, denn die Bundesregierung in diesem äußerst anerkannten Gremium zu beraten, ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine große Anerkennung.

Und so wird die Politikwissenschaftlerin an der FernUniversität in Hagen in den nächsten vier Jahren auch zwei Tage pro Monat in Berlin arbeiten. Ausgewählt wurde die Leiterin des Lehrgebiets Politikfeldanalyse und Umweltpolitik vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), bestätigt vom Bundeskabinett. Mit dem SRU ebenso wie mit dem BMU ist Prof. Töller (Foto: Hardy Welsch) bereits seit mehreren Jahren als externe Expertin gelegentlich in Kontakt.

Im Kreise der sechs Kolleginnen und Kollegen fällt Annette Elisabeth Töller insofern „etwas aus dem Rahmen“, als sie sich nicht in erster Linie für bestimmte Umweltthemen interessiert, sondern vor allem für Querschnittsfragen zu politischer Prozesse und Institutionen: „Wie werden in der Umweltpolitik Entscheidungen getroffen? Wer hat welche Einflussmöglichkeiten? Wie wirken sich bestimmte institutionelle Regelungen aus? Warum haben umweltpolitische Maßnahmen in der Praxis oft nicht den gewünschten Erfolg? Dazu hat meine Disziplin, die Policyforschung, auch wissenschaftliche Instrumente anzubieten, nicht aber zur Beantwortung der Frage, ob etwa ein Immissionsgrenzwert bei 40 oder 50 µg/m3 liegen soll.“

Im Forschungsschwerpunkt Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit der FernUniversität etwa plant Töller insbesondere Forschungsprojekte zu den Auswirkungen von Verfahren, etwa auf den Windenergieausbau. Aber gerade weil sie sich als „Spezialistin fürs Allgemeine versteht“, hat sie auch schon zu vielen anderen umweltpolitische Themen gearbeitet, etwa zu Fracking, Bioökonomie oder Elektromobilität. Im Moment untersucht sie in verschiedenen Studien, ob die Klagen der Deutschen Umwelthilfe eigentlich in den betroffenen Städten zu einer Verbesserung der Luftqualität geführt haben.

Die Zeichen der digitalen Zeit früh erkannt

20. Juni 2020

Am Samstag, 20. Juni, wird Prof. Helmut Hoyer 70. Er leitete die FernUniversität von 1997 bis 2016 fast 19 Jahre lang. In dieser Zeit wurden u.a. entscheidende Weichen für die Digitalisierung der universitären Fernlehre gestellt.

„Heute sagen die Menschen: Wenn es die FernUni nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Ein größeres Lob kann es nicht geben.“ Mit diesem erfreulichen Fazit zog sich Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer (Foto: Veit Mette) im März 2016 in den Ruhestand zurück. Fast 19 Jahre lang hatte er die Geschicke der mit 76.000 Studierenden größten Hochschule in Deutschland als Rektor gelenkt. Am Samstag, 20. Juni, wird er 70 Jahre. Für seine vielfältigen Verdienste erhielt Hoyer das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Galt die FernUniversität nach der Aufnahme des Studienbetriebs 1975 noch als „Paradiesvogel“ in der deutschen Hochschullandschaft und als „sozialistisches Bildungsexperiment“, so konnte sie nicht zuletzt in der „Ära Hoyer“ ihren Ruf als erste Adresse für ein wissenschaftliches Studium neben Beruf und anderen Verpflichtungen weiter festigen und eine weltweite Vorreiterrolle beim digitalen Lehren und Lernen übernehmen.

Nach seiner Wahl zum Rektor im April 1997 forcierte Helmut Hoyer die Entwicklung ihres modernen, netzgestützten Studiensystems: Der „Lernraum Virtuelle Universität“, der auf Entwicklungen in der Hagener Elektrotechnik und der Informatik basierte, wurde fit gemacht für den Regelbetrieb und stetig weiterentwickelt. So erhielt die Digitalisierung der Fernlehre unter Hoyer und seiner Nachfolgerin Prof. Dr. Ada Pellert einen kräftigen Schub. Angesichts der Coronakrise konnte die FernUniversität im April 2020 sogar den deutschen Präsenzhochschulen anbieten, sie bei der Digitalisierung ihrer Lehre zu unterstützen.

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Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit

18. Juni 2020

Online-Ringvorlesung der FernUniversität

Industrie 4.0, Energiewende, Digitalisierung – große und wichtige Schlagworte, die im Kern das Ziel vereint, mit Hilfe von Automatisierung die Effizienz der Nutzung von Ressourcen zu erhöhen. Dabei kann die Steigerung der Ressourceneffizienz verschiedenste Ausprägungen annehmen.

Prototypische Beispiele wären die Reduktion des Ausschusses im Handel oder aber die Senkung des Energiebedarfs (und damit der Energiekosten) je produzierter Einheit in der Industrie. Aber auch die Integration erneuerbarer Energien oder die Minimierung des Zeitbedarfs und der Fehleranfälligkeit einzelner Aufgaben stellen Beispiele für Effizienzsteigerungen und die Schonung von Ressourcen dar.

Hierzu findet am Dienstag, 23. Juni, von 18 bis 20 Uhr eine öffentliche Vortragsveranstaltung in der Ringvorlesung Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit der FernUniversität in Hagen statt: „Machine Learning und Mathematische Optimierung als wesentliche Verfahren zur Umsetzung der Energiewende“. Die Online-Veranstaltung ist öffentlich, alle Interessierten sind willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Adobe-Connect-Meetingraum (https://fernuni.de/eun-panke) kann ab 17.50 Uhr betreten werden.

Im Rahmen seines Vortrags wird Dr. Timo Panke anhand praktischer Anwendungsfälle zeigen, wie Verfahren des Maschinellen Lernens und der Mathematischen Optimierung dazu beitragen können, die Ressourceneffizienz komplexer Systeme in Industrie, Handel und Gewerbe zu steigern. Zudem wird diskutiert, welche Hürden und Bedenken bei der Umsetzung bestehen und wie eine flexible IT-Architektur dazu beitragen kann, diese zu lösen bzw. zu mindern. Methodisch wird der Fokus insbesondere auf dem Gebiet des Constraint Programmings liegen.

Zurzeit arbeitet Timo Panke an der Neugründung eines Unternehmens, das die KI-basierte Digitalisierung von Planungs- und Entscheidungsprozessen im Energiesektor ermöglichen soll.

Weitere Informationen, auch zu Teilnahme und Technik: www.fernuni-hagen.de.

FernUni: Die Krise als Lernauslöser

15. Juni 2020

Digitaler Dialog: Corona-Schock im Bildungssektor

Einen Normalbetrieb wird es an Universitäten und Schulen erst einmal nicht geben. Die Bildungseinrichtungen sind weiter besonders gefordert und brauchen nachhaltige digitale Lösungen in der Krisensituation. Die Corona-Zeit zeigt, dass Politik, Wissenschaft und Institutionen sich schneller bewegen müssen als bisher – und das auch können! Prinzipiell notwendige Digitalisierungsprozesse im Bildungsbereich erscheinen plötzlich realisierbar oder wurden in den vergangenen drei Monaten bereits angepackt: Die Corona-Krise ist damit zum Lernauslöser geworden.

„Die Corona-Krise ist damit zum Lernauslöser im Bildungsbereich geworden“, sagt Prof. Dr. Ada Pellert, Rektorin der FernUniversität in Hagen und Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung: „Zum Digitaltag diskutieren wir die Frage: Wie können uns diese Erfahrungen auch in Zukunft als Wegweiser dienen, um wichtige Entwicklungen zügig voranzutreiben?“

Dazu veranstaltet die FernUniversität in ihrem YouTube-Kanal eine digitale Podiumsdiskussion:

„Corona-Schock im Bildungssektor. Die Krise als Lernauslöser”

Von der FernUniversität in Hagen diskutieren:

  • Dr. Ada Pellert, Rektorin
  • Dr. Julia Schütz, Professorin für Empirische Bildungsforschung
  • Dr. Uwe Elsholz, Professor für Lebenslanges Lernen
  • Dr. Claudia de Witt, Professorin für Bildungstheorie und Medienpädagogik
  • Annabell Bils, Referentin für Hochschulstrategie und Digitalisierung

Zudem werden im Rahmen des Digitaltages Studierende der FernUniversität in Hagen virtuell zu Wort kommen.

Interessierte sind herzlich eingeladen, per Chat teilzunehmen, mitzudiskutieren und Fragen zu stellen. Sie können sich dafür einfach mit Ihrem Google-Konto auf YouTube anmelden. Alternativ können sie aber auch vorab Ihre Fragen per E-Mail an js@mann-beisst-hund.de mitteilen. Zum Zuschauen ist keine Anmeldung erforderlich.

Die Initiative „Digital für alle“ hat den Digitaltag ins Leben gerufen. Der Digitaltag soll Digitalisierung mit zahlreichen Aktionen für alle Bürgerinnen und Bürger alltagsnah erlebbar machen. Durch verschiedene digitale Veranstaltungsformate und Online-Aktivitäten von Vereinen, Behörden und Unternehmen schafft der Digitaltag eine Plattform, um die unterschiedlichen Aspekte der Digitalisierung zu beleuchten und zu diskutieren.

Hagener Studie zeigt: Lehrende sehen Bildungsteilhabe durch Corona-Krise gefährdet

29. Mai 2020

Die Bildungsteilhabe an Schulen und Hochschulen ist durch die Corona-Krise deutlich gefährdet. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fernuni Hagen im Rahmen ihrer Studie zur Professionalität und Bildungsgerechtigkeit in der Pandemie-Zeit.

Knapp 840 Lehrende hatten sich an der Anfang April gestarteten Online-Umfrage zum Unterrichten und Lehren an allgemeinbildenden Schulen und Hochschulen in der Corona-Krise beteiligt. 87 Prozent der befragten Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen schätzen, dass der von ihnen vermittelte Unterrichtsstoff bei ihren Schülerinnen und Schülern ankommt. Im Hochschulbereich sind es 84 Prozent. Aber 78 bzw. 65 Prozent der Befragten sehen die gleichberechtigte Bildungsteilhabe ihrer Schützlinge gefährdet.

Interviews der Studie deuten darauf hin, dass der persönliche Kontakt als Faktor für das Gelingen von Lehr- und Lernprozessen benötigt wird. Zudem ist er ausschlaggebend für die Einschätzung darüber, ob angemessen, das heißt bildungsgerecht unterrichtet bzw. gelehrt wird. Online-Unterricht kann den persönlichen Kontakt nicht vollständig ersetzen.

Beeinflusst CoVid-19 Mieten und Immobilienpreise?

7. Mai 2020

FernUni-Wissenschaftler: Der steigende Trend bei Mieten und Immobilienpreisen könnte durchbrochen werden

CoVid-19 ändert vieles, aber nicht alles. Ein Problem, das die Öffentlichkeit schon lange vor der Corona-Krise bewegte, dürfte auch in Zukunft (wieder) ein „Aufreger“ sein, so der Makroökonom Prof. Dr. Helmut Wagner von der FernUniversität in Hagen: Mieten und Immobilienpreise.

Er sieht jedoch Chancen, dass die langfristigen Trends auf beiden Märkten durch das Virus für eine gewisse Zeit unterbrochen werden. Vor allem dann, wenn der Staat im Zuge des Wiederaufbaus der Wirtschaft in den sozialen Wohnungsbau investiert und damit wenigstens in einem Teil des Mietwohnungsmarktes den Druck mindert.

In bestimmten Bereichen hält Prof. Wagner sogar dauerhaft sinkende Mieten für möglich. Mini-Appartements etwa werden gerne von Studierenden und mobilen Beschäftigten gemietet, oft als Zweitwohnung. Angesichts des sicher steigenden Trends zum Arbeiten im Homeoffice infolge von Corona könnte die Nachfrage sinken, denn Millionen von Beschäftigten haben die Erfahrung gemacht, dass man auch in geeigneten Wohnungen arbeiten kann, entfernt von Metropolen. Am anderen Markt-Ende, bei luxuriösen Mietwohnungen, sieht Wagner ebenfalls sinkende Preise: wegen Einkommensminderungen und „Vorsichtssparen“.

Preistreiber Nummer eins bei Mieten und bei Immobilienpreisen ist der – oft beruflich motivierte – Umzug in Metropolen, wo der großen Nachfrage ein viel zu knappes Angebot gegenübersteht. Berlin, München und Hamburg haben in den letzten zehn Jahren ihre Einwohnerzahlen um zusammen 700.000 gesteigert (insgesamt gewannen die 66 deutschen Großstädte allein von 2010 bis 2016 1,35 Millionen Einwohner).

Gleichzeitig sind – Stand Januar 2020 – die Mieten bei Neuverträgen in Ballungsgebieten weiter stark gestiegen: „In München um 61 Prozent, in Berlin um 104 Prozent“, erläutert Wagner. In weniger attraktiven Städten wie Duisburg, Gelsenkirchen oder Hagen stiegen die Mieten um 17 bis 22 Prozent: „Die Diskrepanz zwischen den Metropolen und dem Rest wird immer größer!“

Wo sollte aus volkswirtschaftlicher Sicht angesetzt werden? „Der Staat sollte im Zuge des Wiederaufbaus der Wirtschaft auch in den Sozialen Wohnungsbau investieren“, rät Wagner, „Das würde wenigstens in den preiswerteren Bereichen für eine Entspannung sorgen.“

Allerdings ist die Baubereitschaft in Deutschland insgesamt nicht hoch, schon gar nicht im Sozialwohnungsbau: „Viele Kommunen haben bisher viel zu wenig Mittel dafür abgerufen. Ihre Begründungen: keine Baufirmen, keine Bauflächen, Widerstand gegen neue Baugebiete…“

Eine offene Frage ist für ihn, ob bei einer länger andauernden Krise und angesichts immer teureren Wohnens der Sog der Metropolen nachlassen könnte, die ja auch viele Schattenseiten haben: „Dafür müsste im Umland die Infrastruktur für den privaten und den beruflichen Bereich besser werden, etwa das Internet für das Homeoffice, aber auch Verkehrsanbindung, Bildung und Kinderbetreuung bis hin zu medizinischer Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten.“

Prof. Helmut Wagner war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand vor wenigen Wochen Inhaber des Hagener Lehrstuhls für Makroökonomie.

FernUni untersucht Bankinformationen

5. Mai 2020

Land fördert Verbraucherforschung an den Unis Bochum, Hagen und Siegen

Mit 125.000 Euro fördert das Land NRW vier Projekte zur Verbraucherforschung an den Universitäten Bochum, Hagen und Siegen (2). Die Hochschulen waren in der aktuellen Ausschreibungsrunde des Kompetenzzentrums Verbraucherforschung NRW (KVF NRW) erfolgreich.

Die Fernuniversität Hagen prüft die EU-Verordnung über die Verbraucherinformationen bei Finanzprodukten und untersucht, ob die Informationen der Banken objektiv, transparent und vergleichbar sind. Das Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum beschäftigt sich mit der produkt- und provisionsunabhängigen Honorarberatung und geht dabei der Frage nach, ob Provisionen der Produktanbieter zu vermehrten Fehlberatungen der Kunden führen.

Das KVF NRW ist ein Kooperationsprojekt der NRW-Ministerien für Wissenschaft und für Verbraucherschutz sowie der Verbraucherzentrale NRW.

Chancen der Arbeit im Homeoffice erkennen und nutzen

22. April 2020

Arbeits- und Organisationspsychologe Prof. Jan Dettmers von der FernUniversität arbeitet an einer Längsschnittstudie

Die durch die Corona-Krise rasant und für viele längerfristig veränderten Arbeitsbedingungen stellen hohe Anforderungen an Organisationstalent, Flexibilität und Psyche der Beschäftigten. Prof. Dr. Jan Dettmers, Leiter des Lehrgebietes Arbeits- und Organisationspsychologie an der FernUniversität in Hagen, konnte im März kurzfristig eine bereits längere Zeit laufende Längsschnittstudie erweitern, um aktuelle Daten zu erhalten.

Ihm ging es um Fragen wie „Wie wirken sich die veränderten Rahmenbedingungen auf die Psyche von Beschäftigten aus, die ohne ausreichende organisatorische und technische Vorbereitung ins kalte ‚Homeoffice-Wasser‘ geworfen wurden? Welche Beschäftigtentypen kommen damit gut zurecht? Wie beeinflusst das die Beschäftigten? Was können sie selbst tun, um mit der Situation besser umzugehen?“

Interessant ist, wie die nochmals befragten Teilnehmenden der Studie ihre eigene Produktivität im Homeoffice einschätzen, verglichen mit der Tätigkeit im Büro: 17 Prozent sehen sie als gleich hoch an, 28 Prozent gehen von 90 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung aus, 13,5 Prozent meinen, dass sie weniger als 50 Prozent leisten. Die meisten – 77 Prozent – sind relativ zufrieden mit dieser Form der Arbeit, eher zufrieden sind 50 Prozent.

Für die meisten „passt“ auch ihre technische Ausstattung, doch gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Koordination von Arbeit und Familienleben: „Das müssen wir noch genauer untersuchen“, so Dettmers. Obwohl viele keine Homeoffice-Erfahrungen haben und häufig die Bedingungen nicht optimal sind, erstaunt ihn der hohe Anteil an Zufriedenen.

Grundlage für die ersten neuen Erkenntnisse von Prof. Jan Dettmers ist eine Studie, in der rund 1.100 Beschäftigte allgemein zu psychologischen Belastungen durch ihre normale Arbeitssituation befragt worden waren. Daraus lagen Jan Dettmers bereits viele Daten vor.

Ende März befragte er dann ergänzend 838 der Teilnehmenden nochmals – nur Personen, die wirklich weiterarbeiten. Von ihnen sind 32,2 Prozent jetzt ausschließlich im Homeoffice tätig, 13 Prozent an zwei bis vier Tagen, 46 Prozent noch im Büro. „Dann habe ich mir diejenigen angeschaut, die jetzt im Homeoffice arbeiten und wie sie das belastet“, erläutert er. Fast zwei Drittel hatten vorher noch keine Homeoffice-Praxis. „Wir haben z.B. verglichen, welche Unterschiede es macht, ob man entsprechende Erfahrung hat oder nicht.“

Dettmers betont jedoch, dass die gewonnenen Daten noch intensiver ausgewertet werden müssen, als dies kurzfristig möglich war. Das gilt auch für die tatsächlichen Rahmenbedingungen: Was macht Arbeiten zuhause erfolgreich und was nicht?

Vortrag vor leeren Stühlen, aber nicht ohne Publikum

19. April 2020

Erstmals in der mehr als 32-jährigen Geschichte des Forum Philosophicum der FernUniversität in Hagen findet am Donnerstag, 23. April, eine seiner Vortragsveranstaltungen vor leeren Stühlen statt – aber nicht ohne Publikum: Der Vortrag von Prof. Dr. Matteo V. d‘Alfonso (Universität Ferrara) über „Die Metamorphose des Primats des Praktischen: Kant, Fichte, Schopenhauer, Nietzsche“ wird wegen der Corona-Krise ausschließlich als Livestream im Netz verbreitet.

Die Veranstaltung beginnt um 16.00 Uhr, der Link hierzu ist etwa zehn Minuten zuvor verfügbar (https://emeeting.fernuni-hagen.de/philosophicum). Prof. d’Alfonso hält seinen Vortrag von Italien aus.

Die traditionsreiche Vortragsreihe des Instituts für Philosophie setzt diese Technologie schon lange ein, denn zusätzlich zu den Vorträgen in Hagen vor einem physisch anwesenden Publikum werden die Vorträge schon seit einigen Jahren philosophisch Interessierten gleichzeitig per Livestream zugänglich gemacht.

FernUni fährt Betrieb „mit Augenmaß“ höher

18. April 2020

Bereits seit dem 18. März befindet sich die FernUniversität in Hagen im minimalen Präsenzbetrieb. Mit fortschreitender Dauer der Corona-Krise ergeben sich hierdurch für verschiedene Prozesse und Aufgaben Probleme. Daher hat die Hochschulleitung beschlossen, den reduzierten Präsenzbetrieb ab dem 20. April schrittweise zu normalisieren, soweit dies notwendig und möglich ist. Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 31. Mai.

„Wir werden sukzessive und mit Augenmaß vorgehen, höchste Priorität hat die Gesundheit unserer Beschäftigten und Studierenden!“, betont Prof. Dr. Ada Pellert, die Rektorin der nach der Zahl der Studierenden größten deutschen Universität. „Einerseits müssen wir – um ein Beispiel zu nennen – Menschen vor Ort haben, die die Belieferung unserer Studierenden mit Studienmaterial sicherstellen, andererseits wollen wir ein ausgewogenes Zusammenspiel von Home-Office und Anwesenheit vor Ort gewährleisten.“

Daher werden neben Änderungen von Betriebsabläufen und technischen Maßnahmen auch schrittweise mehr Beschäftigte auf dem Campus arbeiten: „In ihren jeweiligen Bereichen können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht einer der vom Robert-Koch-Institut genannten Risikogruppen angehören, untereinander vor Ort ablösen“, erläutert Prof. Ada Pellert. Immer mehr Beschäftigte sollen Dienst-Laptops erhalten oder – bei längerfristiger Arbeit zuhause – PCs aus ihren Büros mitnehmen können.

Grundsätzlich bleibt es allerdings dabei, dass persönliche Kontakte reduziert bleiben sollen. Daher haben auch weiterhin nur Beschäftigte der FernUniversität Zutritt zu den Dienstgebäuden. Es finden keine Veranstaltungen statt, auch keine Präsenzveranstaltungen und Präsenzmentoriate in der Lehre. Nach Möglichkeit bieten die Fakultäten jedoch digitale Alternativen hierzu an.

Lediglich Gremiensitzungen, mündliche Prüfungen (auch Videoprüfungen in den Regionalzentren), Disputationen, Habilitationen, Bewerbungsverfahren und Berufungsverfahren können in eigens vorbereiteten Seminarräumen durchgeführt werden, sofern sie nicht in digitaler Form möglich sind.

Sogar für das ganze Jahr 2020 gilt, dass es keine Alumnifeiern geben wird.

Neue Geschäftsführerin der Digitalen Hochschule NRW

16. April 2020

Wissenschaftlerin kehrt nach Hagen zurück

Die Digitale Hochschule NRW (DH NRW) hat eine neue Geschäftsführerin: Birgit Feldmann befasst sich seit vielen Jahren in Wissenschaft und Praxis mit dem Thema Digitalisierung: „Die Idee der Digitalen Hochschule NRW fasziniert mich schon seit ihrer Gründung.“ Die Digitale Hochschule NRW initiiert und fördert Lösungen und Strategien für die digitale Transformation. Dabei steht nicht allein das digital gestützte Lehren und Lernen im Fokus, sondern das Hochschulsystem als Ganzes mit all den unterschiedlichen Anforderungen in den einzelnen Themenfeldern.

Als Leiterin der Geschäftsstelle der DH NRW ist Birgit Feldmann jetzt wieder an der FernUniversität in Hagen tätig, wo 1997 ihre berufliche Laufbahn im Lehrgebiet Informationssysteme und Datenbanken begann. Hier wurde die „Virtuelle Universität“ – eines der wegweisenden Hagener Digitalisierungsprojekte – entwickelt. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Dr. Gunter Schlageter befasste sie sich u.a. mit E-Government, E-Learning, E-Kommunikation und E-Kollaboration, sie war im Management von Softwareprojekten und im Wissensmanagement sowie in Entwicklung, Projektleitung und Öffentlichkeitsarbeit in NRW, national und international tätig.

Von 2016 bis 2019 war sie Abteilungsleiterin für Digitale Medien Services und 2013 bis 2019 Vorsitzende des Wissenschaftlichen Personalrats in Hagen. Zum 1. März 2019 nahm sie ein Angebot der Universität Siegen an und wurde dort Geschäftsführerin des Zentrums für Medien- und Informationstechnologie. Der Hagener Hochschule, deren Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert auch Vorstandvorsitzende der DH NRW ist, blieb Feldmann jedoch weiterhin als Lehrbeauftragte verbunden.

Als interdisziplinäre E-Learning Pionierin war Birgit Feldmann schon vor ihrer Zeit als Mitarbeiterin der FernUniversität an der FH Magdeburg-Stendal als Projektleiterin eines E-Learning-Projekts tätig gewesen. Seit 1997 war sie zudem auch gleichzeitig freiberuflich tätig, als Lehrbeauftragte, im Krisenmanagement von IT-Projekten, in der Weiterbildung und in anderen Bereichen.

Seit 1. April 2020 hält die 51-Jährige Hagenerin nun die Fäden der Digitalen Hochschule NRW, deren Geschäftsstelle an der FernUniversität angesiedelt ist, in Händen: „Ich bin als junge Wissenschaftlerin nach Hagen gekommen, um die Digitalisierung der FernUni im Projekt Virtuelle Universität zu fördern. Nun kehre ich als Expertin hierhin zurück, um die Digitalisierung aller NRW-Hochschulen mit voranzutreiben.“

Neue Professorin an der FernUniversität ein bekanntes Gesicht

10. April 2020

Mit Dorett Funcke vertritt eine bisherige Junior-Professorin die immer wichtiger werdende Mikrosoziologie

Prof. Dorett Funcke (2.v.li.) wurde zur Ernennung durch Rektorin Prof. Ada Pellert von ihrem Mann Martin Gold (2.v.re.) begleitet. Die Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften vertrat Prof. Hubertus Busche. Foto: FernUni.

Den Vorsatz „Junior“ kann sie jetzt weglassen: Dr. Dorett Funcke ist zur neuen Professorin an der FernUniversität in Hagen ernannt worden. Bisher hatte sie die Ernsting’s family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften inne. Wie diese wird auch ihr neues Lehrgebiet für Mikrosoziologie von der EHG Service GmbH (Coesfeld) als Muttergesellschaft der Ernsting’s family GmbH & Co. KG gestiftet.

„Sie werden in höchst bewegten Zeiten zur Professorin ernannt“, sinnierte Prodekan Prof. Dr. Hubertus Busche als Vertreter der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften, als FernUni-Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert der bisherigen Junior-Professorin die Urkunde überreichte. Die Rektorin nahm seine Worte auf: „Zurzeit ist ja nur eine Disziplin gefragt, die Virologie. Alle anderen Fächer bleiben beim Thema Corona außen vor.“

Doch das wird sich ändern, ist sich Prof. Dr. Dorett Funcke sicher: „Die Soziologie wird zu Wort kommen, wenn wir z.B. die Prozesse analysieren können, mit denen die Menschen die Krise bewältigt haben. Dabei wird es nicht zuletzt um die Frage gehen, wie Familien mit den damit verbundenen Herausforderungen umgehen.“ Der Schwerpunkt ihrer Forschungsinteressen liegt auf Fragen rund um den Kinderschutz, etwa wie die Zusammenarbeit verschiedener Professionen in diesem Bereich weiter verbessert werden kann.

Das Interesse am Fach Mikrosoziologie ist stark, das zeigen auch die stetig steigenden Anmeldungen der Studierenden. Die Mikrosoziologie befasst sich mit den sozialen Abläufen in kleinen Gruppen, dazu zählen auch Familien, und wird als Fach immer wichtiger, weil sie tief ins private Leben eindringende Kräfte untersucht, die nur eine Wissenschaft erkennen kann. Andererseits zeigt sich das unter anderem am Erfolg der BürgerUniversität Coesfeld, die sich in vielfältiger Weise auch mit soziologischen Themen aus dem Forschungsfeld der privaten Beziehungen befasst.

Die „BürgerUni“ hat sich in Coesfeld und weit darüber hinaus fest etabliert und, so Funcke, die Diskussionskultur verändert: „Das Publikum diskutiert nach den Vorträgen nicht nur mit den Vortragenden, sondern auch miteinander. Die Rektorin nahm dies erfreut auf: „Wissenschaft wirkt hier also wirklich in die Gesellschaft hinein.“

Trotz Corona-Krise: FernUniversität in Hagen beginnt Studienbetrieb am 1.4.

1. April 2020

Fernuniversität bietet offenes Akademiestudium für alle an

Auch für die FernUniversität in Hagen bedeutet die Corona-Krise eine Herausforderung. Doch ihr Fernlehre-System ermöglicht es schon immer, zeit-und ortsunabhängig zu studieren. Kontaktsperren stellen für ein Fernstudium also keinen Hinderungsgrund dar.

Deshalb kann die FernUniversität am 1. April ganz normal in ihr Sommersemester starten. Die FernUniversität verfügt zudem über eine langjährige Expertise im digitalen Lehren und Lernen und setzt für ihr Studienangebot im Blended-Learning-Format auf die Kombination aus Bildungstechnologie und medienorientierten didaktischen Konzepten.

Für Studieninteressierte verlängert die FernUniversität in Hagen die Anmeldefrist in ihr Akademiestudium bis zum 30. April. Ähnlich wie ein so genanntes Gasthörer-Studium lässt sich das Akademiestudium individuell auf die persönlichen Lebensumstände und Bildungswünsche zuschneiden und eignet sich für:

  • Wissensdurstige, die die Corona-Krise nutzen möchten, um sich weiterzubilden oder neue Kompetenzen zu erwerben
  • Personen, die in das Fernstudium hineinschnuppern und testen möchten, ob ein Fernstudium zu ihnenpasst
  • Bachelor-Studierende, die noch fehlende Voraussetzungen für ein Masterstudium erwerben möchten
  • Schülerinnen und Schüler, insbesondere aus der Oberstufe.

Interessierte können nach der Anmeldung direkt in die gewünschten Kurse einsteigen. Für das Akademiestudium fallen nur moderate Gebühren von 20 Euro pro Semesterwochenstunde an. Ein komplettes Modul, das über ein gesamtes Semester läuft, kostet zwischen 120 und 160 Euro.

Dieses und weitere Angebote, etwa Tipps für das Lernen und Arbeiten zuhause, fasst die Seite „Corona-Krise: Angebote fürs Lernen und Lehren“ der FernUniversität in Hagen zusammen.

FH: Studienberatung weiter erreichbar

26. März 2020

Die Fachhochschule Südwestfalen befindet sich seit der letzten Woche im Notbetrieb. Die Gebäude sind geschlossen, gearbeitet wird vom Homeoffice aus.

Die Studienberatung der Hochschule ist aber weiterhin erreichbar. Zwar nicht mehr im direkten Kontakt, aber per Telefon, Mail oder Videokonferenz. Mit der Beratung über eine Videokonferenz geht die Studienberatung neue Wege. „Wir legen sehr viel Wert auf eine individuelle Beratung. Dabei spielt auch der persönliche Faktor eine große Rolle. Mit der Videoberatung möchten wir den persönlichen Kontakt auch in diesen Zeiten aufrechterhalten“, sagt Sabine Knipps, Leiterin der Studienberatung.

FernUniversität schränkt Betrieb ein

19. März 2020

Studienbetrieb läuft aber weiter

Die Corona-Krise zwingt auch die FernUniversität in Hagen zu bisher einmaligen Maßnahmen, um Beschäftigte, Studierende und Besucherinnen und Besucher zu schützen: Am Mittwoch, 18. März, hat sie zunächst bis einschließlich 19. April die Anwesenheit ihrer Beschäftigten aus Wissenschaft, Technik und Verwaltung auf ein Minimum eingeschränkt. Die meisten Beschäftigten arbeiten dann im Homeoffice. Nur Mitarbeitende, deren Anwesenheit für die Aufrechterhaltung von Sicherheit, Versorgung und Infrastruktur notwendig ist, dürfen ihre Arbeitsplätze aufsuchen.

Personen, die keine FernUni-Beschäftigten sind, dürfen seit dem 17. März die Gebäude der FernUniversität nicht mehr betreten. Ebenfalls seit dem 17. März ist die Mensa geschlossen, die Universitätsbibliothek bereits seit dem 16. März. Bis einschließlich 19. April sind auch alle öffentlichen Präsenzveranstaltungen abgesagt, ebenso alle Präsenzveranstaltungen für Studierende und Prüfungen.

Die FernUniversität stellt die Studienmaterialien ab dem Bearbeitungsbeginn auf den üblichen Wegen digital zur Verfügung, so dass die rund 76.000 Studierenden weiterstudieren können, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. So sind alle öffentlichen wie studienbezogenen Präsenzveranstaltungen, ebenso alle Klausuren und Prüfungen, die eine Anwesenheit vor Ort – in Hagen, in Regional- und Studienzentren oder an sonstigen Prüfungsorten – erfordern, abgesagt.

FernUniversität sagt Prüfungen und Veranstaltungen ab

12. März 2020

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie sagt die FernUniversität in Hagen von Freitag, 13, März, bis einschließlich 19. April, alle öffentlichen Veranstaltungen ebenso ab wie Klausuren und Prüfungen, die eine Anwesenheit von Studierenden erfordern.

Die Hochschulleitung möchte dazu beitragen, eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Zudem wurde bereits in einigen Bundesländern der Lehrbetrieb an Hochschulen eingestellt, mit denen die Hagener Hochschule zum Beispiel bei Klausuren kooperiert. Ständig aktualisierte Informationen sind auf der FernUni-Homepage www.fernuni-hagen.de zu finden.

Diese vorsorgliche Schutzmaßnahme gilt für Hagen, die Regional- und Studienzentren sowie sonstige Prüfungsorte und für sämtliche Präsenzveranstaltungen, auch im Ausland. Regionalzentren unterhält die FernUniversität in Berlin, Hamburg, Frankfurt, München, Leipzig, Bonn, Stuttgart, Hannover, Karlsruhe, Nürnberg, Hagen, Neuss und Coesfeld. Außerdem ist sie in der Schweiz, Österreich und Ungarn vertreten.

Sobald nähere Informationen – auch zu Ersatzterminen und alternativen Veranstaltungsformaten (digital) für Vorträge, Workshops, Seminare, Tagungen, Infoveranstaltungen, Mentoriate in Regionalzentren, Fortbildungen usw. – vorliegen, setzen sich die Prüfungsämter der FernUni-Fakultäten schnellstmöglich mit den betroffenen Studierenden in Verbindung. Diese bittet die FernUniversität um Verständnis und Geduld. Die Lehrenden, die Prüfungsämter, der Studierendenservice in Hagen und in den Regionalzentren sind für sie weiterhin vor Ort per Telefon, E-Mail und Post zu erreichen.

http://www.fernuni-hagen.de/

Lösungsansätze für eine nachhaltigere Zukunft

10. März 2020

Thema „Kunststoffe und Umwelt“ an der FernUni

Abgesagt!

Kunststoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – sie stehen jedoch zunehmend in der Kritik. Im Rahmen des 9. infernum-Tags, am Freitag, den 24. April an der FernUniversität in Hagen, werfen die Wissenschaftler einen aktuellen Blick auf das Thema. Führende Experten diskutieren gemeinsam mit den Teilnehmenden der Veranstaltung das Potenzial von Kunststoffen für die Gestaltung einer nachhaltigeren Zukunft und zeigen mögliche Lösungsansätze auf.

Für das diesjährige Thema des infernum-Tags »Kunststoffe und Umwelt – Lösungsansätze für eine nachhaltigere Zukunft« konnte der Studiengang infernum mit Dr. Ingo Sartorius (PlasticsEurope Deutschland e. V.) und Jürgen Bertling (Fraunhofer UMSICHT) zwei Referenten gewinnen, die die ambivalente Thematik aus unterschiedlichen Fachrichtungen kritisch betrachten. Die Teilnehmenden sind zur interdisziplinären Diskussion und einem angeregten Austausch über Kunststoffe und Umwelt eingeladen.

Eingeladen sind Interessierte aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung ebenso wie Absolventinnen und Absolventen, Lehrende, Studierende, Kooperationspartner sowie Vertreterinnen und Vertreter der Medien. Eine verbindliche Anmeldung ist bis zum 31. März erforderlich, die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro. Für Studierende im Weiterbildungsstudiengang infernum ist die Teilnahme kostenfrei.

Bereits seit dem Jahr 2000 bietet die FernUniversität in Hagen in wissenschaftlicher Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen und unter dem Dach der Fraunhofer Academy das weiterbildende Studium infernum (Interdisziplinäres Fernstudium Umweltwissenschaften) an. Mit dem Fernstudiengang bündeln das Fraunhofer UMSICHT und die FernUniversität aktuelles und praxisnahes Wissen aus den verschiedenen Gebieten der Umweltwissenschaften und gewährleisten den Transfer von theoretischem Wissen in die Praxis und umgekehrt.

Verzerrte Sichtweisen bei Wikipedia?

7. März 2020

Prof. Dr. Aileen Oeberst von der FernUniversität in Hagen untersuchte mit ihrem Team das Medium

Wikipedia liefert oft verzerrte Sichtweisen auf historische Konflikte – Schuld ist die Neigung des Menschen, die eigene Gruppe positiver zu bewerten als andere Gruppen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Fernuni Hagen. Die Psychologin Prof. Dr. Aileen Oeberst untersuchte mit ihrem Team, ob und wie sich auch in der digitalen Welt Gruppenzugehörigkeiten bilden und wie sie sich auswirken.

Ergebnis: Durch verschiedene Sprachversionen bilden sich trotz der Offenheit der Wikipedia-Plattform gewisse Gruppenzugehörigkeiten. So entsteht auch hier der sogenannte Eigengruppenfehler in der Bewertung.

Das Forscherteam hatte Wikipedia-Artikel zu militärischen Auseinandersetzungen von der frühen Neuzeit bis zur Moderne – darunter etwa der Falklandkrieg zwischen dem Vereinigten Königreich und Argentinien, der Atombombenabwurf der USA auf das japanische Hiroshima oder der Englisch-Spanische Krieg in jeweils zwei Sprachen untersucht.

Über alle 35 Konflikte hinweg zeigte sich der Eigengruppenfehler als eindeutiges Muster. In vielen Artikeln wurde die eigene Gruppe systematisch besser oder auch mächtiger dargestellt und die andere Konfliktpartei als unmoralischer und stärker verantwortlich für den Konflikt.

Ausnahmen gab es aber auch. So geht etwa der englische Eintrag über den Atombombenabwurf härter mit den US-Amerikanern ins Gericht als sein japanisches Pendant.

Hannah Arendts Republikanismus des Dissenses

13. Februar 2020

13.02.2020, 16:30 bis 20:00 Uhr
Seminargebäude der FernUniversität (Gebäude 2), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3

Referent: Prof. Dr. Christian Volk (Berlin)

Der Vortrag präsentiert Hannah Arendts politisches Denken als einen Republikanismus des Dissenses. Ein solches Denken stellt die Bedeutung von Institutionen, Recht und der Sichtbarmachung von Konflikt in den Vordergrund. Es entwirft den Republikanismus konflikt- und handlungsorientiert und entzieht sich zugleich der Orthodoxie der Volkssouveränität.

Arendt ist für die aktuelle republikanische Diskussion deshalb so relevant, da bei ihr die Idee von der Ordnung der Freiheit und der Selbsterneuerung des republikanischen Gemeinwesens im Zuge der politischen Auseinandersetzung ausbuchstabiert wird.

Der Vortrag wird zeigen, wie Arendts Verständnis von Republikanismus den Schwerpunkt auf zivilgesellschaftliches Engagement legt und insbesondere die Entstehungsbedingungen politischen Handelns thematisiert. So stellt Arendt eine Alternative zum neo-republikanischen und radikaldemokratischen Diskurs dar, der insbesondere für gegenwärtige demokratie¬theoretische Diskussionen, wie jene um den Nutzen, die Bedeutung und die Form von Politisierung, von großem Wert erscheint.

Die Veranstaltung ist öffentlich, alle Interessierten sind willkommen.

Quelle: FernUni

Autoverkehr digital verflüssigen?

11. Februar 2020

Eine etwas merkwürdige Definition von „Nachhaltigkeit“

von Heidi Wenke, VCD Hagen

Um „Nachhaltige urbane Mobilitätslösungen“ ging es in einem öffentlichen Vortrag am Mittwoch, 5. Februar in der Fernuniversität Hagen. Referent Prof. Dr. Lutz Heuser, CEO des „Urban Institute“ (ui) in Walldorf, ‚Ihr(em) Partner für innovative und bezahlbare Lösungen für neue Dienstleistungen im Bereich „Smart City“.

Angekündigt wurde der Vortrag auf der Fernuni-Seite folgendermaßen: „Klimawandel und Dieselskandal haben viele Städte und Regionen in Deutschland veranlasst, über eine Verkehrswende nachzudenken. Neue E-Scooter überfluten die ersten Großstädte, schier unüberschaubare Car- und Bike-Sharing-Angebote überfordern Verkehrs- und Städteplaner. Zwar empfiehlt die EU-Kommission Städten, einen Plan für nachhaltige urbane Mobilität aufzustellen. Jedoch liegen oftmals keine gesicherten Erkenntnisse über das individuelle Mobilitätsverhalten der Menschen vor. Prof. Heuser setzt in seinem Vortrag den politischen Rahmen durch die EU-Kommission in den Kontext der Digitalisierung der urbanen Mobilität und zeigt Lösungsansätze für nachhaltige urbane Mobilitätslösungen auf.“

Im Laufe der Vortrags stellte sich heraus, dass diese ‚nachhaltigen urbanen Mobilitätslösungen‘ nach den Vorstellungen des Referenten darin bestehen, dass durch digitale Datenerfassung der Autoverkehr verflüssigt werden soll, indem ‚gesicherte Erkenntnisse‘ (z.B. Wer parkt wann, wo, wie lange?) in digitale Maßnahmen umgesetzt werden; als Beispiele seien hier zu nennen: Sensoren mit Display, die Autofahrern anzeigen, mit welcher Geschwindigkeit sie an der nächsten Ampel bei Grün durchkommen; oder digitale Parkleitsysteme, die z.B. in Anwohner-Parkbereichen den Parksuchverkehr verringern und so die Belastung für die Anwohner reduzieren sollen. Es wurden einige konkrete Beispiele (Darmstadt, Bad Hersfeld) genannt, wo diese verkehrliche Digitalisierung mit Hilfe des ui bereits umgesetzt wurde.

Obwohl bei der Fragerunde nach dem Vortrag Professeur Heuser äußerte, dass die Städte vom Autoverkehr wegkommen müssten, verstand er ‚Verkehr‘ fast ausschließlich als Autoverkehr. Lediglich einmal kam der ÖPNV vor, das Fahrrad erschien lediglich als ein Wort auf einer Folie, Fußgänger wurden als Verkehrsteilnehmer gar nicht genannt. Alle vorgestellten Maßnahmen zielten auf den Komfort des Autofahrers ab und scheinen eher geeignet, den Autoverkehr zu steigern statt zu reduzieren: Warum soll jemand sein Auto stehen lassen, wenn er einen freien Parkplatz findet?

Wer also bei dem verheißungsvollen Titel ‚nachhaltig‘ erhofft hatte, bei diesem Vortrag z.B. etwas zur Verkehrswende (Umverteilung von Verkehrsflächen, Reduktion des Autoverkehrs, Fahrrad- und Fußverkehrskonzepte) zu erfahren, wurde enttäuscht. Prof. Heuser vertrat stattdessen den Standpunkt, dass man die automobilen Mobilitätswünsche der Menschen nicht ignorieren könne und dem entsprechend den Autoverkehr – elektrisch als unhinterfragte ökologische Alternative – optimieren müsse.

Klar wurde auch, dass die Digitalisierung viele Investitionen erfordert, damit also von Unternehmen wie SAP und dem ui ‚nachhaltig‘ gutes Geld verdient werden kann.

24 Stunden Politische Psychologie

2. Februar 2020

Eine Tagung in Hagen brachte über 100 Fachleute aus ganz Deutschland an der FernUniversität zusammen

Was macht politische Diskriminierung mit Menschen? Wie lassen sich Nationalstolz und Populismus erklären? Welche Rolle spielen Soziale Medien hierbei? Das sind einige der Fragen, denen die Politische Psychologie auf den Grund geht. Das Forschungsfeld wächst stetig, auch in Deutschland. Dabei bekommt es aus vielen verschiedenen Fachrichtungen Aufmerksamkeit – etwa aus der Soziologie, Psychologie, Kommunikationswissenschaft oder der Politikwissenschaft.

Doch obwohl sich viele Forschende für das Thema interessieren, tauschten sie sich bislang kaum aus. Gelegenheit dazu gab jetzt eine Fachtagung zur Politischen Psychologie an der FernUniversität in Hagen: „24-hours of Political Psychology“. (…)

Quelle: FernUni

Interdisziplinäre Tagung zur Politischen Psychologie

15. Januar 2020

Wie entwickeln sich Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus? Warum protestieren Menschen? Diese Fragen diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am 17. und 18. Januar an der FernUni

Es geht um die Strukturen von Macht und Herrschaft – und wie sich die Einzelnen darin bewegen und verhalten. Wie entwickeln sich Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus? Was motiviert Menschen dazu, zu protestieren? Warum passen andere sich an Herrschaftssysteme an? Das sind Fragen, mit denen sich die Politische Psychologie auseinandersetzt; sie ist auch in Deutschland ein wachsender Forschungsbereich.

Das Interesse an der Psychologie politischen Verhaltens zieht sich dabei durch verschiedene Disziplinen. „Inzwischen ist zwar die Zahl der fachübergreifenden Publikationen gestiegen, aber es gibt zwischen den Forscherinnen und Forschern selbst wenig Austausch“, findet die Politikwissenschaftlerin Dr. Jolanda van der Noll, die als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Community Psychology an der FernUniversität arbeitet.

Um gegen diesen für wissenschaftliches Arbeiten „unbefriedigenden Zustand“ anzugehen, organisiert sie gemeinsam mit Jun.-Prof. Dr. Kathrin Ackermann (Politikwissenschaften, Universität Heidelberg), Monika Verbalyte (Soziologie, FU Berlin) und Prof. Dr. Frank Asbrock (Sozialpsychologie, Technische Universität Chemnitz) am 17. und 18. Januar 2020 an der FernUniversität eine interdisziplinäre Tagung der politischen Psychologie in Deutschland. „Mit dieser Tagung möchten wir den Dialog zwischen verschiedenen Fachdisziplinen fördern und einen Beitrag zu einem wachsenden regionalen Netzwerk leisten“, sagt Van der Noll.

In ihrem Impulsvortrag „Quo vadis Politische Psychologie?“ wird Michaela Maier, Professorin für angewandte Kommunikationspsychologie an der Universität Koblenz-Landau, über die aktuelle Herausforderungen und Schwerpunkte der Forschung in Deutschland referieren. Thorsten Faas, Professor für politische Soziologie an der Freien Universität Berlin, spricht über „Wahlen und Politische Psychologie“.

Neben diesen beiden Impulsvorträgen werden rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen Forschungsprojekte in unterschiedlichen Phasen vorstellen: von der Idee über laufende Projekte bis hin zu abgeschlossenen Studien.

An der Tagung können alle Interessierten der FernUniversität teilnehmen. Darüber hinaus ist der Dinner-Talk „Quo vadis Political Psychology? Current Topics and Challenges for Research in Germany“ von Prof. Dr. Michaela Maier am Freitagabend sowie der Lunch-Talk über „Wahlen und Politische Psychologie“ von Prof. Dr. Thorsten Faas am Samstagmittag für die Öffentlichkeit zugänglich.

Programmheft (pdf)

Quelle: FernUni

Woher kommt die Furcht vor Geflüchteten?

26. Dezember 2019

Migration empfinden einige Menschen als bedrohlich. Die psychologische Erklärung ist komplex. FernUni-Forschende haben nun einen Weg gefunden, das Phänomen genauer zu untersuchen.

Einige Menschen haben Vorbehalte gegenüber Gruppen, zu denen sie selbst nicht gehören, zum Beispiel gegenüber Geflüchteten aus anderen Ländern. Die Psychologie erklärt das häufig mit einem Bedrohungsgefühl, das die Eigengruppe angesichts der Fremdgruppe empfindet.

„Das Phänomen ist weitaus vielseitiger als die Forschung bisher angenommen hat“, sagt Dr. Helen Landmann von der FernUniversität in Hagen. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Community Psychology. Gemeinsam mit Lehrgebietsleiterin Prof. Dr. Anette Rohmann und Prof. Dr. Robert Gaschler (Lehrgebiet Allgemeine Psychologie: Lernen, Motivation, Emotion) hat sie Studien zum Bedrohungserleben veröffentlicht. „Es gibt schon eine Menge Forschung dazu“, erklärt Helen Landmann. Ihre Ergebnisse werfen nun jedoch einen neuen Blick auf das Thema. (…)

(Danach) zeigt sich, dass das bisherige Schema nicht ausreicht, um die große Vielfalt an Bedrohungen abzudecken, die Menschen angesichts von Migration empfinden. Für künftige Untersuchungen schlagen die Forschenden zudem ein Modell vor, das in beide Richtungen durchlässig ist: Es soll nicht nur abbilden, wie Sorgen und Ängste Vorbehalte bedingen, sondern auch umgekehrt, wie schon bestehende negative Meinungen, das Bedrohungserleben befeuern können. Denn noch etwas fiel dem Forschungsteam auf: Wer angegeben hatte, sich Gedanken um die Versorgungslage der nach Deutschland geflohenen Menschen zu machen, befürworte oftmals auch in besonderem Maße eine restriktive Migrationspolitik.

Für Helen Landmann ist das kein Zufall: „Wenn Leute behaupten, sie sorgen sich um die Geflüchteten, kann ja niemand etwas dagegen sagen. Diese Einstellung ist gesellschaftlich akzeptiert.“ Wahrscheinlich verbergen einige Personen auf diese Weise ihre eigentlich negative Haltung gegenüber Migrantinnen und Migranten. (…)

Quelle: FernUni

Kolonialismus in Hagen auf dem Stadtplan

17. Dezember 2019

An der FernUniversität in Hagen haben Studierende und Lehrende Kolonialgeschichte lokal aufgearbeitet. Auf einem Stadtplan markieren 21 Orte ihre noch sichtbaren Spuren.

Es gab eine Zeit, in der Hagen eng mit der Welt verbunden war: während der Hochzeit des Kolonialismus zwischen der Mitte des 19. bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. Seine Spuren sind teilweise bis heute in der Stadt sichtbar. Das Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt der FernUniversität in Hagen hat in einem Forschungsprojekt gemeinsam mit Studierenden regionale Kolonialgeschichte(n) aufgearbeitet. Nach einer umfangreichen Broschüre „Koloniale Vergangenheiten der Stadt Hagen“ erscheint nun ein Stadtplan, der einen ungewohnten Blick auf die Industriestadt an der Volme wirft. (…)

Mehr zu „Hagen postkolonial”

Quelle: FernUni

China – die zerbrechliche Supermacht

15. Dezember 2019

Ist es für China überhaupt erstrebenswert, Hegemonialmacht zu werden? Diese Frage beantwortet der Volkswirtschafts-Professor Hans-Jörg Schmerer von der FernUniversität.

Will China die neue Nummer 1 in der Welt werden? „Das ist nicht sein wirkliches Ziel, und auch nicht das des Staatspräsidenten und KP-Generalsekretärs Xi Jinping“, ist die Ansicht von Prof. Dr. Hans-Jörg Schmerer. „Es geht eher darum, als gleichberechtigter Partner und wichtiger Mitspieler in der Weltpolitik wahrgenommen zu werden – neben den USA und Europa.“ Prof. Schmerer ist Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbes. Internationale Ökonomie an der FernUniversität in Hagen und einer der beiden Träger des Center for East Asia Macroeconomic Studies (CEAMeS) an der FernUniversität in Hagen.

Die Zeiten, in denen sich China als das „Reich der Mitte“ sah, haben sich nach seinen Erkenntnissen geändert. Daher stellt er für das Heute die Frage: „Warum sollte es für China überhaupt erstrebenswert sein, globale Vormacht zu werden?“ Seit einigen Jahrzehnten wisse es, dass das Miteinander sehr viele Vorteile bringt. Es strebe Partnerschaft an, wolle aber auch selbst respektiert werden. Dazu gehöre für die Volksrepublik, dass andere Länder sich nicht in ihre Innenpolitik einmischen.

„Unsere ‚westliche‘ Vorstellung ist, ein bisschen als ‚Weltpolizei‘ aufzutreten und anderen Ländern zu sagen, wie es bei ihnen innenpolitisch zu funktionieren hat. Etwa – und richtigerweise – mit der Achtung der Menschenrechte. Das ist jedoch ein ewiger Streitpunkt mit China und anderen Staaten, die nicht einsehen, dass sich andere Länder in ihre Innenpolitik einmischen.“

Außenpolitisch fühlt die Volksrepublik sich nach Schmerers Worten zu Recht stark, diese Stärke demonstriere sie mit seiner Wirtschaftspolitik: „Trump hat ja mit keiner seiner Maßnahmen wirklichen Erfolg gehabt. Allerdings kosten sie auch China viel Geld und behindern das Wachstum massiv. Beides wird aber gebraucht, um das Land zusammenzuhalten. Denn im Inneren ist China sehr zerbrechlich und entsprechend groß ist seine Nervosität.“ Nach wie vor sei Ungleichheit ein drängendes Problem, nur durch Wachstum könne die Kommunistische Partei ihr Regime legitimieren. Daher spiele die Wirtschaftspolitik auch innenpolitisch eine große Rolle.

Zentrifugalkräfte

Die Volksrepublik habe immer wieder Angst davor, dass Teile wegbrechen, dass das komplette Land auseinander fällt. Schmerer: „In China gibt es sehr viele Minderheiten. Nach Chinas Verständnis gehört Hongkong – das wir eher als eigenständig sehen – zu ihm. Das ist für Peking ebenso ein Riesenproblem wie die Unabhängigkeitsbestrebungen der Uiguren im Westen. Auch die Tibet-Frage ist offen.“ Seit Jahrzehnten ungelöst ist der Konflikt mit der „abtrünnigen“ Republik China auf der Insel Taiwan: „In Europa bekommen wir gar nicht so mit, dass die Volksrepublik eine zerbrechliche Supermacht ist.“

Ein Mittel, um diese Probleme zu überdecken, ist für China der wachsende Wohlstand. Immer wieder gerät es in den Verdacht, „falsch zu spielen“, um ihn zu sichern. Schon vor Trumps Präsidentschaft wurde es beschuldigt, für Exportsteigerungen Preisdumping zu betreiben und Wechselkurse zu manipulieren. Solche Sorgen hält Schmerer für berechtigt. Zwar gebe es keine Beweise, aber genügend Belege.

Weniger Abhängigkeit vom Export

„Aber diese Politik ist schon längst vorbei, seit 2005 ist der Wechselkurs freigegeben. China will nicht mehr unbedingt so viel exportieren, um unabhängiger vom Export zu werden.“ Die Finanzkrise habe gezeigt, wie gefährlich es ist, von ihm abhängig zu sein: „Wenn irgendwo in der Welt eine Krise losgetreten wird, hat das Folgen für die chinesische Wirtschaft, auch im Inland.“ Das eigentliche Interesse Pekings sei, stattdessen den eigenen Markt zu stärken und die wachsende Inlandsnachfrage durch heimische Produktionen zu befriedigen. (…)

Quelle: FernUni

Der Okkupation der Geschichte durch den Populismus entgegentreten

7. Dezember 2019

Prof. Felicitas Schmieder (FernUniversität) weiß, dass sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sich einer neuen gesellschaftspolitischen Herausforderung stellen müssen

Wissenschaft ist nicht statisch. Neue Erkenntnisse verändern nicht nur die Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ihre Forschungsgegenstände, sondern auch auf ihr eigenes wissenschaftliches Selbstverständnis. Prof. Dr. Felicitas Schmieder, Historikerin an der FernUniversität in Hagen, weiß, dass sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sich einer neuen gesellschaftspolitischen Herausforderung stellen und aktive Aufklärungsarbeit leisten müssen, um der Okkupation der Geschichte durch Populistinnen und Populisten entgegenzutreten. Damit erhält das Fach auch (wieder) eine politische und aktive demokratische Dimension.

Die Aufgabe von Historikerinnen und Historikern sei es nicht, z.B. eine „europäische Identität zu stiften“, sondern Populistinnen und Populisten zu widersprechen, die eindeutige, einfache Antworten geben wollen: „Dabei ge- oder missbrauchen sie die Geschichte.“ Die Geschichtswissenschaft müsse vielmehr möglichst vielen Leuten nahebringen, dass es immer Alternativerzählungen gibt und nie die eine Wahrheit: „Das ist Geschichtsvermittlung, und sie ist extrem wichtig für uns. Wenn wir friedlich zusammenleben wollen, müssen wir die Alternativerzählungen der anderen kennen und sehen, was und wie sie denken. Ich darf selbst überzeugt sein, dass meine Geschichte für mich die richtigere ist, aber ich muss wissen, dass es das Recht der anderen ist, ihre eigene Geschichte zu haben.“ (…)

Quelle: FernUni

„Abfallwirtschaft“ vermeidet Abfall nicht wirklich

30. November 2019

Über die Notwendigkeit der Kreislaufwirtschaft sprachen der Präsident und der zuständige Abteilungsleiter des Wuppertal Instituts in der FernUni Hagen

„Wir haben Glück gehabt und hohe wissenschaftliche Qualität hierher geholt – und das auch noch mit einem günstigen ökologischen ‚Fußabdruck‘“, freute sich Prof. Dr. Alfred Endres darüber, dass er den Präsidenten des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie und den Abteilungsleiter für Kreislaufwirtschaft in die FernUniversität in Hagen holen konnte: Prof. Dr. Uwe Schneidewind und Dr. Henning Wilts sprachen über die „Kreislaufwirtschaft als Zukunftskunst“ in der Ringvorlesung Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit des gleichnamigen FernUni-Forschungsschwerpunktes.

Den mehr als 50 konzentriert zuhörenden und diskussionsfreudigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern machten Prof. Schneidewind und Dr. Wilts deutlich, dass die mit einer Kreislaufwirtschaft verbundene Steigerung der Ressourceneffizienz nicht zuletzt auch viele Potenziale birgt, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu erhöhen. Weit über 80 Prozent der eingesetzten Rohstoffe sind jedoch noch immer ressourcenintensive Primärmaterialen.

Die deutsche Industrie ist hier alles andere als ein Vorbild: „Abfallwirtschaft ‚können wir‘ extrem gut“, so Henning Wilts, „sie ist extrem lukrativ, so wie wir sie betreiben“. Deutschland sei aber nur vordergründig Weltmeister bei der Abfallverwertung, es habe sich zu lange auf technologische Lösungen verlassen. Eine konsistente Kreislaufwirtschaftsstrategie fehle ebenso wie eine Abfallvermeidungskultur. Die Gleichung „mehr Wirtschaftswachstum gleich mehr Abfall“ müsse durch eine nachhaltige Ressourcennutzung, eine Kreislaufwirtschaft, durchbrochen werden.

Deutschland überlege – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – jedoch noch nicht einmal, eine konsistente Kreislaufwirtschaft einzuführen. Das Wort „Kreislauf“ werden von vielen nur als Alibi benutzt, um nicht über den hohen Verbrauch neuer Ressourcen nachdenken zu müssen, so Wilts. Beides werde „zusammengeworfen“, um den tatsächlichen Rohstoffverbrauch zu verschleiern.

Notwendig dafür sei ein nachhaltiges Ressourcenmanagement. Die Veränderungsprozesse lassen sich, so Schneidewind, auch mit Mitteln der Kunst wie z.B. persönlicher Energie, Rhythmus und Bewegung in ganz anderer Weise managen als mit Mitteln, die in der Wirtschaft zur Verfügung stehen. Daher müssten Technologie, Ökologie, Kunst und Institution hierbei gemeinsam gedacht und die verschiedenen Aspekte erfolgreicher Transformationen integriert betrachtet werden, um die Technikfixierung der Kreislaufwirtschaft kritisch zu hinterfragen.

Die digitale Entwicklung kann für die Einführung einer Kreislaufwirtschaft positiv sein. Das machte Wilts an einem Zukunftsszenario deutlich: Ein „smarter“ Kühlschrank erkennt, wann Lebensmittel nicht mehr verwendbar sind, unbrauchbare Geräte wandern in eine „intelligente“ Mülltonne, der den Wert seines Inhalts berechnen kann, den er dann im Internet verkauft.

Schneidewind ist an einer Forschungskooperation seines Instituts mit der FernUniversität und der Privaten Universität Witten/Herdecke sehr interessiert: „Im Bereich Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit schlummert unendlich viel. Wir haben hier Perlen des Wissenschaftssystems!“ Ein Weg, sich besser kennenzulernen und zu konkreten Kooperationen zu kommen, führt für Schneidewind über die Ringvorlesung Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit.

Quelle: FernUni

Verschiedene Stereotype über Migrantengruppen

22. November 2019

Deutsche nehmen Menschen mit Migrationshintergrund unterschiedlich wahr – je nach ethnischer Zugehörigkeit. Das zeigt eine Studie von FernUni-Psychologin Laura Froehlich

Psychologin Laura Froehlich forscht an der FernUniversität zu gesellschaftlichen Stereotypen. Foto: FernUni.

Frei von Vorurteilen aufeinander zuzugehen – das wäre wohl der beste Weg zu einem harmonischen Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Die Realität in Deutschland sieht anders aus: Die gegenseitige Wahrnehmung ist geprägt von Stereotypen.

Dass die ethnische Herkunft von Migrantengruppen starken Einfluss darauf hat, wie Deutsche über sie denken, belegt eine aktuelle Studie an der FernUniversität in Hagen. Hauptautorin ist Dr. Laura Froehlich, die im Lehrgebiet Sozialpsychologie von Prof. Dr. Stefan Stürmer tätig ist. Gemeinsam mit der Masterstudentin Isabel Wildförster veröffentlichte sie den Artikel „Warmth and competence stereotypes about immigrant groups in Germany” in der Open-Access-Zeitschrift PLoS ONE.

„Die deutsche Bevölkerung ist ethnisch heterogen“, erklärt Laura Froehlich. „Fast ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen hat einen Migrationshintergrund.” Soziale Spannung ist oft die Folge, sie zu vermeiden eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

Aus Sicht der Psychologin ist Integration jedoch keine Einbahnstraße: „Häufig wird von Migrantinnen und Migranten gefordert, sich zu integrieren. Dazu muss aber auch die deutsche ‚Mehrheitsgesellschaft‘ einen Beitrag leisten.“ Verallgemeinerungen stehen dabei im Weg. Die vorherrschenden Stereotype konkret zu erfassen, ist der erste Schritt zu ihrer Überwindung.

Hier setzten die beiden Autorinnen mit ihrer Studie an: 200 Teilnehmende schätzten ein, wie Deutsche auf 17 verschiedene, hier lebende Migrantengruppen blicken. Dabei bewerteten sie die Stereotype entlang zweier Dimensionen. Einerseits mit Blick auf die wahrgenommene Wärme – also den Grad, wie sympathisch und freundlich eine Gruppe erscheint. Andererseits in Bezug auf die wahrgenommene Kompetenz. Damit ist gemeint, wie zielstrebig und erfolgreich die Gruppe wirkt. Darüber hinaus fragte die Studie nach dem Verhalten, das Deutsche gegenüber den einzelnen Migrantengruppen tendenziell an den Tag legen.

Die Ergebnisse bildet ein Koordinatensystem mit den beiden Achsen Wärme und Kompetenz ab. Darin verteilen sich die Gruppen sehr unterschiedlich: „Gerade neu eingewanderte Gruppen aus Krisenregionen wie dem Balkan und Nordafrika werden negativ bewertet“, fasst Froehlich zusammen. So gelten unter Deutschen vor allem Menschen aus diesen Regionen als inkompetent und kalt. Etwa mittig auf dem Koordinatensystem finden sich Gruppen aus Polen, Russland und der Türkei wieder. Sich selbst sowie Migrantinnen und Migranten aus China schätzen die Deutschen als äußerst kompetent ein. Als ausgesprochen warm bewerten sie hingegen Personen mit griechischen oder italienischen Wurzeln.

Damit einher gehen die Befunde zum tendenziellen Umgang mit den Migrantengruppen: „Stereotype bestimmen maßgeblich, wie sich die meisten Deutschen verhalten. Je positiver eine Gruppe wahrgenommen wird, desto mehr Unterstützung ist für sie zu erwarten.“

Vorangegangene Forschungsarbeiten zeigten übrigens, dass sich das schlechte Image mancher Minderheiten wiederum auf sie selbst auswirkt, betont Froehlich: „Die Betroffenen kriegen die Stereotype natürlich auch mit! Das kann zum Beispiel dazu führen, dass sie schlechter im Bildungssystem abschneiden.“ Die neuen Daten liefern der sozialpsychologischen Forschung nun weitere Anhaltspunkte dazu, welche Migrantengruppen in Deutschland besonders benachteiligt sind und stärker in den Fokus rücken sollten.

Warum sie je nach Herkunft „besser“ oder „schlechter“ angesehen sind, muss indes weiter erforscht werden. Als wärmer werden Gruppen eingeschätzt, die Deutsche nicht als Konkurrenz oder Bedrohung wahrnehmen. Kompetent wirken sie wiederum, wenn sie einen hohen gesellschaftlichen Status haben.

„Interessant ist, dass die Migrationsgeschichte nicht alles aufklärt: Zum Beispiel sind Türkisch- und Italienischstämmige zur selben Zeit und mit demselben Zweck, nämlich zur Gastarbeit, nach Deutschland gekommen“, sagt Laura Froehlich. „Trotzdem werden Migrantinnen und Migranten aus Italien einfach positiver gesehen.“ Hieran lassen sich aus Sicht der Forscherin weitere Studien anschließen – etwa zu der Frage, welche Rolle die kulturelle Nähe von Gruppen zueinander spielt.

Zur Studie in der Open-Access-Zeitschrift PLoS ONE

Kreislaufwirtschaft als Zukunftskunst

17. November 2019

20.11.2019, 18:00 Uhr
FernUni, Seminargebäude (Gebäude 2), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3

Unsere künftigen Produktions- und Konsummuster müssen sich zu einer Kreislaufwirtschaft entwickeln. Die damit verbundene Steigerung der Ressourceneffizienz birgt viele Potenziale zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie in sich. Trotz immer wieder betonter Kosteneinsparpotentiale sind wir von einer solchen Kreislaufwirtschaft jedoch noch weit entfernt: Weit über 80% unserer eingesetzten Rohstoffe sind noch immer ressourcenintensive Primärmaterialen.

Deutschland hat sich hierbei lange auf technologische Lösungen verlassen, eine konsistente Kreislaufwirtschaftsstrategie fehlt ebenso wie eine Kultur der Abfallvermeidung, in der weniger und nicht mehr Abfall die Grundlage erfolgreicher Geschäftsmodelle bilden würde. Das Konzept der Zukunftskunst versucht diese verschiedenen Aspekte erfolgreicher Transformationen integriert zu betrachten und damit speziell die Technikfixierung der Kreislaufwirtschaft kritisch zu hinterfragen.

Die Veranstaltung im Rahmen des „Hagener Forschungsdialogs“ ist öffentlich und kostenfrei, alle Interessierten sind willkommen.

Referenten:
Prof. Dr. Uwe Schneidewind und Dr. Henning Wilts
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Prof. Schneidewind ist Präsident des Wuppertal Instituts

„Autoverkehr reduzieren und erneuerbare Energien fördern“

16. November 2019

Mit einem Abend über Fridays for Future endete die Reihe „ImPuls: Politischer Salon Hagen“ in 2019. Aufgrund der positiven Resonanz wird sie im kommenden Jahr fortgesetzt

Der Saal im Schumacher-Museum bot eine anregende Atmosphäre für die Veranstaltung. Foto: FernUni.

Sie sind jung, unnachgiebig, häufig scharfzüngig und gut informiert: Die Bewegung Fridays for Future – repräsentiert durch das Hashtag #fff – protestiert immer freitags dafür, dass die Politik mehr gegen den Klimawandel unternimmt. Was erreicht die Bewegung, was treibt sie an, weltweit wie vor Ort in Hagen?

Diese Fragen wurden in der Reihe „ImPuls: Politischer Salon Hagen“ diskutiert, einer Kooperation zwischen FernUniversität, Theater Hagen und Emil Schumacher Museum an wechselnden Orten der beteiligten Institutionen. Die Veranstaltung traf einen Nerv, rund 120 Interessierte waren ins Kunstquartier gekommen.

„Wir engagieren uns, weil es unsere Zukunft ist und weil uns das Thema am Herzen liegt“, fasste Janne Rosenbaum zusammen. Die 17-jährige Schülerin ist eines der Gesichter der lokalen Gruppe #fff. Sie stellte Motivation und Ziele der Jugendlichen vor, die sich vor allem an der Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausrichten. Insgesamt fordern sie, alle politischen Beschlüsse hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Klima zu überprüfen.

In Hagen haben sie schon etwas erreicht: Auf ihren Antrag hin hat der Rat der Stadt im September den Klimanotstand ausgerufen. Das bedeutet, dass alle Entscheidungen und Maßnahmen hinsichtlich ihrer Klimarelevanz zu prüfen sind. Als langjähriger Kommunalpolitiker und Vorsitzender des Umweltausschusses zeigte sich Hans-Georg Panzer beeindruckt davon, „wie strukturiert die Jugendlichen vorgehen“. Eine derart schnelle, einstimmige Reaktion der Politik habe er selten erlebt.

Von Seiten der Wissenschaft wird Fridays for Future gestärkt: „Sie sind so breit aufgestellt wie keine andere Umweltbewegung bisher und haben es geschafft, Fragen des Klimawandels in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen“, attestierte Bildungsforscherin Prof. Dr. Cathleen Grunert von der FernUniversität in Hagen. Sie arbeitet mit am aktuellen Engagementbericht der Bundesregierung, der sich auf das Engagement junger Menschen im digitalen Zeitalter konzentriert. Die hat auch die #fff in kurzer Zeit so stark werden lassen. Ob es sich auch um eine radikale Bewegung handelt? „Fridays for Future sind gut informiert und deshalb so kompromisslos“, antwortete Grunert.

Dabei fordern sie lediglich, die Politik möge nachhaltig handeln. „Dazu gehören eben die Felder Ökologie, Ökonomie und Soziales“, erläuterte Fabian Göke von der Hagener Gruppe #fff. „Nach der Ökonomie ist jetzt mal die Ökologie dran.“

In der Diskussion mit dem Publikum kam die Kritik, #fff sei gewissermaßen ein Wohlstandsphänomen, Jugendliche und junge Menschen seien vor allem in den Industrienationen engagiert. An dieser Stelle nahm FernUni-Wissenschaftlerin Grunert den Wind aus den Segeln: „Der Klimawandel ist ein globales Problem. Fridays for Future übernehmen stellvertretend Verantwortung für die ganze Welt.“

Wo Wetterextreme lokal bereits zu spüren sind, zeigte Janne Rosenbaum auf: „Das Fichtensterben ist massiv zu beobachten“, lenkte sie den Blick auf den Hagener Wald.

Für Verbesserungen und Engagement beim Klimaschutz in der Stadt warben die Kanzlerin und die Rektorin der FernUniversität beim Politischen Salon. „Wir müssen uns als Institution fragen, was wir beitragen können, um etwa den Autoverkehr zu reduzieren und erneuerbare Energien zu fördern. Ich werde mich dafür einsetzen, dass an der FernUniversität was passiert“, sagte Kanzlerin Birgit Rimpo-Repp. Für ein besseres Mobilitätskonzept in Hagen sprach sich Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert aus: „Ich sehe als Ergebnis eine attraktivere Stadt. Das sollte uns alle motivieren.“

Spielfilme beeinflussen Blick auf den Zweiten Weltkrieg

13. November 2019

Mit einer Studie zu Kriegsfilmen habilitierte sich Jun.-Prof. Irina Gradinari an der FernUni. Nun erhielt sie ihre Lehrbefugnis

Seit jeher beeinflusste das Kino die Erinnerungskultur und damit auch das Selbstbild von Gesellschaften. Das Foto von 1930 zeigt Dreharbeiten eines Tonfilms über den Ersten Weltkrieg. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-09557 / CC-BY-SA 3.0

Filme als Medien kollektiver Erinnerung, mit Fokus auf dem Zweiten Weltkrieg, waren das Thema der Habilitation von Prof. Dr. Irina Gradinari: „Ich habe sowjetische, ostdeutsche und bundesdeutsche Kriegsfilme verglichen – hauptsächlich aus dem Zeitraum von 1945 bis 1990.“

Aus Sicht der Forscherin bestimmen die Kriegsfilme maßgeblich, wie eine Gesellschaft ihre Vergangenheit wahrnimmt und ausdeutet. „Ohne dieses Medium, das so stereotyp und zitatenhaft ist, gäbe es das Phänomen des ‚kollektiven Gedächtnisses‘ gar nicht“, umreißt Gradinari die Ausgangsthese ihrer Habilitationsschrift.

Um ihre Annahme zu belegen, hat sie in über hundert Spielfilmen aus der DDR, UdSSR und BRD nach Strukturen gesucht, die auf die Erinnerung der Menschen in den jeweiligen Systemen eingewirkt haben. Dabei konzentrierte sie sich vor allem auf populäre Mainstream-Produktionen. Deren Stellenwert ist für sie unumstritten: Mit der Eingängigkeit und Reichweite von Kino und Fernsehen konnte es kein anderes zeitgenössisches Medium aufnehmen – auch nicht die Belletristik oder die wissenschaftliche Geschichtsschreibung.

Über die Jahre verfestigten die Filme in den drei Systemen bestimmte Konsensvorstellungen vom Zweiten Weltkrieg. Gewisse Muster wurden – mit kleinen Änderungen – immer wieder reproduziert. Egal ob in Russland, Ost- oder Westdeutschland: An die Kinokassen kam das Publikum stets mit vorgeformten Erwartungen, die es zu erfüllen galt. „Aufgrund der hohen Produktionskosten leistete man sich bei den Kriegsfilmen kaum Experimente. Die Regie schaute genau darauf, was bisher in den Ländern erfolgreich war.“

Gradinari betont jedoch, dass die Filme obwohl sie vom Zweiten Weltkrieg handeln, vor allem etwas über die Zeit aussagen, in der sie entstanden sind. „Was wir dort sehen, ist eigentlich nicht die Vergangenheit! Kriegsfilme werden immer in Bezug auf die aktuelle politische Ordnung produziert.“

Zwar ist im bundesdeutschen Kriegsfilm der Holocaust ein wiederkehrendes Thema, in sowjetischen Produktionen der „glorreiche Sieg“ über die Nazis und im DDR-Kriegsfilm die antifaschistische Idee. Eigentlich aber schreiben die Filme die vergangenen Ereignisse im „Dienst der Gegenwart“ um. So drehen sie sich im Grunde um Versöhnungsstrategien, verhandeln den Kalten Krieg, oder stellen die sowjetische Präsenz in der DDR in Frage.

Hegels Rechtsphilosophie im Kreuzverhör

12. November 2019

Elf Referentinnen und Referenten aus sieben Ländern diskutierten an der FernUni über die „Grundlinien der Philosophie des Rechts“

Georg Wilhelm Friedrich Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ gelten als Klassiker der Rechtsphilosophie. Das Werk feiert im kommenden Jahr seinen 200. Geburtstag und liefert nach wie vor Stoff für fächerübergreifende Diskussionen.

Die Tagung war Teil der Veranstaltungsreihe „Hagener Forschungsdialog“. Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler sowie Philosophinnen und Philosophen sind fachübergreifend in den Dialog getreten, um sich über zentrale Thesen der Hegelschen Rechtsphilosophie auszutauschen. In Vorträgen schilderten sie ihre jeweiligen Positionen und schafften Anknüpfungspunkte für kontroverse Diskussionen.

Die Tagung eröffnet hat der französische Hegel-Experte Prof. Dr. Jean-François Kervégan von der Sorbonne in Paris mit seinem Vortrag „Sittlichkeit und sittliches Leben in Hegels Lehre des objektiven Geistes“. Damit machte er auf aktuelle Brennpunkte der internationalen Hegel-Debatte aufmerksam. Das Stichwort „Moralität“ nahm die Regensburger Juristin Prof. Dr. Katrin Gierhake auf, die die Rolle moralischer Selbstreflexion in der Strafrechtsbegründung bei Hegel untersuchte.

Unterschiede zwischen Hegel und Kant zeigte Prof. Dr. Markus Rothhaar in seinem Vortrag „Hegels Kritik der Moralität und die Alternative der Sittlichkeit“ auf. Die Hegel-Tagung in Hagen war für den Forscher nicht nur thematisch ein Heimspiel. Von 2010 bis 2013 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der FernUniversität tätig und ist nun nach einer Professur an der KU Eichstätt als Privatdozent wieder zurück in Hagen.

Die ostdeutsche Zeitenwende als biographischer Umbruch

3. November 2019

Das Beispiel des Obertrikotagen-Betriebs VEB „Ernst Lück“ und seiner Mitarbeiterinnen

06.11.2019, 17:00 Uhr, Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9
Veranstalter: Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität und Kulturhaus Lüdenscheid

Edith Dahlke (Zeitzeugin) im Gespräch mit den Historikern Angelika Wolf und Arthur Schlegelmilch (FernUniversität in Hagen)

„Wittstock verändert sich“ lautete die Devise, als im Jahre 1973 der erste Film über die Frauen des neu entstehenden Obertrikotagenbetriebes „Ernst Lück“ in der kleinen Stadt Wittstock im nördlichen Brandenburg gedreht wurde. Sechs weitere sollten in den nächsten 25 Jahren folgen. Drei Frauen standen dabei stellvertretend für alle im Betrieb Beschäftigten: Edith, Elsbeth und Renate. Sie erlebten den Aufbau und auch den Niedergang ihres Betriebes, der einmal die große Hoffnung einer strukturschwachen Region war, am Ende aber als unwirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß abgewickelt wurde.

Für die betroffenen Frauen bedeutete dies nicht nur den Verlust des Arbeitsplatzes, sondern auch gravierende Einschnitte im sozialen und persönlichen Umfeld. Wenn sie nicht zu den Verliererinnen der „Wende“ gehören wollten, sahen sie sich gezwungen, ihr bisheriges Leben auf den Prüfstand zu stellen und nach neuen Lebensperspektiven Ausschau zu halten. Eine dieser Frauen ist Edith Dahlke, die den OTB nach zwanzigjähriger Tätigkeit im Jahr 1990 als Obermeisterin und Schichtleiterin verließ.

Der Eintritt ist frei.


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