Archive for the ‘07 Wissenschaft Hagen’ Category

Klima oder bloß Wetter?

17. September 2018

VHS Hagen eröffnet neues Semester mit Klimapolitik

Klimapolitisch geht es beim Start ins neue Semester an der Volkshochschule Hagen am Donnerstag, 4. Oktober, um 18.30 Uhr in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, zu. Informativ, aber ebenso unterhaltsam ist der Abend bei Wein und Snacks mit Vortrag und Musik geplant.

Um 19 Uhr stellt Prof. Dr. Alfred Endres, FernUniversität Hagen, in seinem Eröffnungsvortrag „Wirkungsvolle Klimapolitik“ die spannende Frage: Warum (zum Donnerwetter) ist das so schwierig? Dabei schaut er aus umweltökonomischer Perspektive auf das Zusammenwirken von Ökonomie und Ökologie. Bei Hunger essen Menschen, bei Kälte heizen sie, so die erforderlichen Ressourcen vorhanden sind.

Warum können diese äußerst unspektakulären Erwartungen über das Verhalten eines Menschen nicht einfach auf die Staaten im Kontext der globalen Erwärmung übertragen werden? Wenn die Staaten den Klimawandel als äußerst bedrohlich ansehen, wie sie immer behaupten, warum leiten sie dann nicht einfach die erforderlichen Gegenmaßnahmen ein? Beim abendlichen Vortrag werden Gegenstand und Methode der Umweltökonomie als wirtschaftswissenschaftliche Disziplin deutlich.

Nach dem informativen Input wird aus dem Professor ein Rocker, der gemeinsam mit dem Trio Rockato die Villa zum Rockpalast werden lässt. Mit seiner markanten Stimme interpretiert Endres Hits wie „Black Magic Woman“ (Santana) oder „Nights in White Satin“ (The Moody Blues) völlig neu. Diese Musik wird auf einzigartige Weise auf das Trio-Format destilliert, wobei die üppige Orchestrierung auf die essentielle musikalische Substanz reduziert wird. So entsteht ein kristallklarer Sound bei dem nichts im Lärm untergeht. Bei dem Bandprojekt „Trio Rockato“ wirken zwei fulminante Gitarristen mit dem Leadsänger zusammen: Der Hagener Gitarrist Wilfried Zoermer, Dozent an der Max-Reger-Musikschule, und das sauerländische Rock-Urgestein Wilfried Lübeck.

Der Eintritt ist frei, daher lohnt wie in den Vorjahren eine frühzeitige Anmeldung beim Serviceteam der VHS unter Telefon 02331/207-3622 oder www.vhs-hagen.de/anmeldung.

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Deutschlands unbewältigte Niederlage

4. September 2018

Wissenschaftlicher Vortrag zum Kriegsende 1918

Ein Vortrag zum Thema „Kriegsende 1918: Deutschlands unbewältigte Niederlage“ von Prof. Dr. Gerd Krumeich von der Heinrich Heine Universität Düsseldorf findet am Donnerstag, 13. September, um 18.30 Uhr im Auditorium des Kunstquartiers Hagen statt.

Am Tag des Waffenstillstands vom 11. November 1918 feierten die Menschen in Paris , London, New York – in Deutschland hingegen blieb das Ereignis fast unbemerkt, so sehr war man mit der überall ausbrechenden Revolution beschäftigt. Als dann die Waffenstillstandsbedingungen bekannt wurden, war das Entsetzen groß, denn niemand hatte sich vorstellen können, dass auf vier Jahre ununterbrochener Siegesnachrichten plötzlich eine nahezu bedingungslose Kapitulation unterzeichnet werden musste.

Der Vertrag von Versailles, der Deutschland verpflichtete, als Schuldiger am Krieg für alle Unkosten aufzukommen, war dann noch unerträglicher. Viele suchten eine Erklärung und fanden sie auch: Dem siegreichen Heer war die Heimat in den Rücken gefallen.

Die „Dolchstoß“-Legende war und blieb dann das Haupthindernis eines friedlichen Zusammenlebens in der neuen Republik. Eine Republik, die nicht einmal fähig war, den heimkehrenden Soldaten die versprochene Ehrung zu erweisen und auch kein gemeinsames Gedenken der 2 Millionen Kriegstoten zu Wege brachte.

Prof. Dr. Gerd Krumeich ist weltweit einer der führenden Historiker zum Ersten Weltkrieg, seinen Ursachen und den Verlauf sowie zu den sich nach 1918 ergebenen Folgen. Der Eintritt an der Abendkasse beträgt 3 Euro. Die Veranstaltung wird unterstützt vom Museums- und Archivverein Geschichtsfreunde Hagen e. V. und dem Karl-Ernst-Osthaus-Bund e. V.

Wohlhabende wollen einen starken Führer

2. September 2018

FernUni-Wissenschaftler befürchten: Demokratie enttäuschte Erwartungen

Einfluss zeigt sich ja nicht nur durch Regierungsmacht, sondern auch darin, dass „Mainstream-Politikerinnen und -Politiker“ populistische Argumentationsmuster übernehmen

Prof. Viktoria Kaina

Die Demokratie scheint in vielen ihrer Stammländer wie auch in Staaten, die sie sich hart erkämpft haben, schleichend zu erodieren. Großen Zulauf haben vorwiegend rechte populistische Parteien.

Gründe und Unterschiede diskutierten Prof. Dr. Viktoria Kaina, Leiterin des Lehrgebiets Politikwissenschaft I: Staat und Regieren an der FernUniversität in Hagen, und Prof. Dr. Ireneusz Pawel Karolewski vom Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der polnischen Universität Wroclaw (Breslau) im gemeinsamen Interview (Foto: FernUniversität).

Was sind die Gründe für den „schleichenden Demokratieabbau“?

Karolewski: Zunächst müssen wir unterscheiden zwischen einem Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit, mit dem wir es vor allem in Europa zu tun haben, und einem Abbau der Demokratie wie in der Türkei und in Russland. In der Türkei sitzen unter anderem mehr als 1.000 Journalistinnen und Journalisten im Gefängnis, in Russland werden Wahlen gefälscht. Auch Angriffe auf die Rechtstaatlichkeit tangieren demokratische Prozesse, führen aber nicht sofort zur kompletten Abschaffung von Demokratie. Was in Polen und Ungarn stattfindet, geschieht durch demokratisch gewählte Regierungen, was die Sache etwas komplizierter macht.

Nach Ansicht verschiedener Autorinnen und Autoren führt der Abbau von Rechtsstaatlichkeit zu einer „defekten“ Demokratie oder einer „semi-konsolidierten Demokratie“, wie es die internationale Nichtregierungsorganisation Freedom House bezeichnen würde (sie fördert weltweit liberale Demokratien). Dort können die Bürgerinnen und Bürger immer noch eine andere Regierung wählen, wobei die Regierungsparteien das politische System soweit modifizieren, dass ihre Wiederwahlchancen deutlich verbessert werden. Doch irgendwann kann es in „defekten Demokratien“ gefälschte Wahlen geben – und dies führt dann zum Autoritarismus.

Kaina: Das Wort „Demokratieabbau“ ist für mich eigentlich zu undifferenziert. Was wird abgebaut? Das liberale Element? Die Verfassungsstaatlichkeit? Der Minderheitenschutz? Von einem Abbau der Mitwirkungsrechte der Bürgerinnen und Bürger kann nämlich angesichts der Mobilisierung von Wählerinnen und Wählern durch Populistinnen und Populisten nicht unbedingt die Rede sein.

Allerdings dürften die Ursachen für den Abbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zum Teil recht ähnlich sein. Etwa bei der Mobilisierung der Unzufriedenen und Wütenden: Fast überall auf der Welt begehren die „Have nots“, die Zurückgelassenen und Enttäuschten, auf. Auch gegen die Heuchelei liberaler Eliten. Demokratie ist ein Versprechen auf Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen. Aber viele Menschen verstehen Demokratie auch als ein Versprechen auf Wohlstand und sind enttäuscht. Auf existentielle Verunsicherung und einen Mangel an Orientierung reagieren Menschen oft mit einer Sehnsucht in eine vermeintlich sichere Vergangenheit. Zygmunt Bauman nannte das die nostalgische Sehnsucht nach Retrotopia, die Rückbesinnung auf das wärmende Stammesfeuer.

Karolewski: Das glaube ich auch. Es sind auch Reaktionen auf Ausschlussprozesse, das Versprechen auf Wohlstand, die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Für die amerikanische Soziologin Liah Greenfeld ist der Nationalismus die erfolgreichste Ideologie der Moderne, weil er „Würde“ verspricht – die Würde der Vorstellung, ein gleichberechtigtes Mitglied einer Gemeinschaft zu sein, unabhängig von sozio-ökonomischen Unterschieden. Der Nationalismus ist als Ideologie extrem wirksam, weil er so stark ist, dass Menschen im Namen der Nation bereit sind, ihr Leben zu gestalten oder sogar zu opfern. Dies kennen wir sonst nur noch aus der Religionsforschung. Deswegen wird der Nationalismus oft als „säkulare Religion“ bezeichnet.

Kaina: Sich zu opfern ist in gewisser Weise eine Gratifikation – du hast etwas davon, weil du „dazu gehörst“ und aufgewertet wirst. Das ist auch einer der Gründe für die aktuelle „Weltbewegung der Zornigen“. Das hat viel mit der Einforderung von Respekt, Wertschätzung und Anerkennung zu tun.

Müssen andere europäische Staaten ähnliche Entwicklungen wie in Mittel- und Osteuropa befürchten?

Karolewski: Die Frage ist, ob die Populisten in den westlicheren EU-Staaten in Zukunft genügend Macht erreichen und damit das Regierungsgeschäft beeinflussen können. Da würde ich zunächst abwarten. Die skandinavischen Länder gelten als Paradebeispiele der demokratischen Konsolidierung. Dennoch gibt es dort sehr starke populistische Bewegungen bzw. nationalistisch-populistische Parteien in Parlamenten. Wir ignorieren das einfach, weil sie nicht an der Macht sind. Allerdings hat die Dänische Volkspartei 2001 bis 2011 als Mehrheitsbeschafferin der damaligen Minderheitenregierung in Kopenhagen erheblichen politischen Einfluss ausgeübt. Sie war sehr nahe daran, permanente Grenzkontrollen an der dänisch-deutschen Grenze zu erzwingen, was das Scheitern von Schengen zur Folge hätte.

Kaina: Einfluss zeigt sich ja nicht nur durch Regierungsmacht, sondern auch darin, dass „Mainstream-Politikerinnen und -Politiker“ populistische Argumentationsmuster übernehmen – wie der niederländische Ministerpräsident Rutte, Frankreichs Staatspräsident Macron und die britische Ministerpräsidentin May. Man sieht, wie Populismus wirkt: „Mainstream-Politik“ muss sich inzwischen zum Teil seiner Argumentationsmuster bedienen, um Wahlen gewinnen zu können. (more…)

Gegen Vater und Partei?

10. Juli 2018

Zwischen Studentenbewegung und traditionellem Sozialismus

Nach dem Ende des Historikergesprächs stellte sich Prof. Peter Brandt gerne den zahlreichen interessierten Fragen von Besucherinnen und Besuchern der Veranstaltung. Foto: FernUniversität.

Die politisch aufregenden 1960er Jahre erlebte der FernUni-Historiker Prof. Peter Brandt, Sohn von Willy Brandt, aktiv mit.

Aus dem eigenen Leben berichten und es gleichzeitig von außen betrachten, einerseits als Teil der „68er Bewegung“, andererseits mit dem distanzierten Blick des Wissenschaftlers auf die Geschehnisse damals: Dieser Herausforderung stellte sich Prof. Dr. Peter Brandt, bis zu seinem Ruhestand 2014 Professor an der FernUniversität in Hagen, in einem „Lüdenscheider Gespräch“ des Instituts für Geschichte und Biographie.

1948 geboren erlebte der Historiker die politisch und gesellschaftlich unruhigen Zeiten in West-Berlin ab Dezember 1964 mit – als politisch interessierter und aktiver Schüler und Student, als Mitglied der linkssozialdemokratischen „Falken“ und Mitbegründer einer trotzkistischen Organisation. Und als Sohn der sozialdemokratischen Ikone Willy Brandt, der 1957 bis 1966 Regierender Bürgermeister in Berlin war, anschließend Bundesaußenminister und ab 1969 Bundeskanzler.

Unter dem Veranstaltungstitel „Protest und Revolte in West-Berlin 1964/69. Betrachtungen aus der Perspektive des Zeitzeugen und Wissenschaftlers“ antwortete Peter Brandt auf Fragen seiner FernUni-Kollegen Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch und Edgar Liebermann M.A. Gleich zu Beginn betonte er hierzu: „Ich bin hier vor allem als Zeitzeuge. Als Wissenschaftler bin ich aber auch gehalten, mich von dem zu distanzieren, was ich selbst gemacht habe – jedenfalls analytisch.“

Studenten- versus Arbeiterbewegung

Mit 14 Jahren trat Peter Brandt, der aufgrund seines Alters kein SPD-Mitglied sein konnte, in deren Jugendorganisation „Die Falken“ ein, die in der Tradition der Arbeiterbewegung stand. Den darin vertretenen Parteien und Organisationen ging es um die politischen und sozialen Interessen der Arbeiterschaft und um die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Position – letztlich also um irgendeine Art von demokratischem Sozialismus.

Noch als Schüler kam Peter Brandt auch mit der „Vierten Internationalen“ in Berührung, einer 1938 von trotzkistischen Gruppen gegründeten linken Opposition gegen Stalin. Er wurde Ende 1966 für die „deutsche Sektion“ dieser halbkonspirativen Gruppe „rekrutiert“ und blieb einige Jahre Mitglied. Sie versuchte, die SPD, die „Falken“ und die Gewerkschaften zu beeinflussen und zu unterwandern.

Damit stand er im Widerspruch zur Politik seines in Berlin „ungemein populären“ Vaters: „Ich wollte ihm nie politisch schaden, wir hatten trotz politischer Differenzen ein ganz gutes Verhältnis.“ Willy Brandt akzeptierte, dass sein Sohn seinen eigenen politische Weg ging, hatte er doch selbst als junger Mann weit links von der SPD gestanden: „Erfahrungen muss man selbst machen.“

„Als Willy Brandt noch im Schöneberger Rathaus residierte, stand Peter, der Marx wie Marcuse verehrt und sich Trotzkist nennt, bereits gegen Papa und Partei“, schrieb der SPIEGEL in seiner Ausgabe 24/1968. Brandt korrigiert: „Mit Marcuse hatte ich nie etwas im Sinn.“

Politisierte Gesellschaft

West-Berlin sah sich damals als Bollwerk des Westens gegen den Kommunismus, auch den in der „Zone“ (der DDR). Das galt nicht nur für die Springer-Zeitungen, sondern ebenso für die SPD. Laut Peter Brandt hielten sie viele für „die CDU der Bundes-SPD“. Der Mauerbau und die ständige Gefahr, dass weltpolitische Spannungen wie die Kuba-Krise vom Oktober 1962 sich auf die Stadt auswirkten, schufen eine politische Optik, die alles durch den Filter „Ost-West-Konflikt“ wahrnehmen ließ.

Insgesamt waren die Menschen, auch die jungen, damals sehr viel stärker politisiert als heute. In der „Studentenbewegung“ gab es daher verschiedene Richtungen. Eine davon vertraten „Die Falken“, eine andere der „Sozialistische Deutsche Studentenbund“ (SDS), bis zu seinem Ausschluss aus der SPD 1961 deren Hochschulverband. Der SDS hatte großen Einfluss auf die „Studentenbewegung“ und verstand sich als Teil der deutschen Außerparlamentarischen Opposition.

„Im SDS fand sich vor 1968 ein wachsender Kern von kritischer Intelligenz zusammen. Man konnte hier markante Leute links vom Mainstream persönlich kennenlernen.“ Besonders faszinierte das „hohe Niveau der Redeschlachten mit und gegen Rudi Dutschke“, erinnerte sich Brandt.

War Peter Brandt Teil der 68er-Bewegung? wollte Prof. Schlegelmilch wissen. „Jein“, antwortete dieser. Seine damalige Position ist nicht einfach zu definieren. Er war politisch aktiv, aber nicht in seiner Eigenschaft als Student. Brandt und Dutschke schätzten sich, doch unterstützte Brandt nicht alle Positionen Dutschkes. Vielmehr stand er von den Falken – einem der Stränge der „Außerparlamentarischen Opposition“ (APO) – kommend geistig in der Tradition der Arbeiterbewegung. Der SDS war ein anderer Strang. Das in die APO mündende Rinnsal der alten Arbeiterbewegung und der SDS hatten aber auch Überschneidungen, sie waren antikapitalistisch und antistalinistisch, „gegen Ulbricht und gegen Adenauer bzw. dessen Nachfolger“, so Brandt.

„Meine Gruppe hat nicht, wie manche frisch politisierten Studierenden, gedacht, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse innerhalb kurzer Zeit geändert werden könnten – ich habe eher mit Jahrzehnten gerechnet.“ Sie versuchte, ihre Ziele auf dem Weg langfristig angelegter Aufklärungs-, Organisierungs- und Mobilisierungsarbeit zu erreichen.

Nach dem Ende der 68er Bewegung gingen die Protagonisten verschiedene Wege: Manche gingen zu den Sowjet-Kommunisten oder gründeten maoistische Kleinparteien, andere ein Vierteiljahrhundert später zu den Grünen. Einige wurden Linksterroristen. Viele wurden SPD-Mitglieder. 1994 auch der Sohn von Willy Brandt.

FernUni gründet eigene Fakultät für Psychologie

29. Juni 2018

Der Weg ist frei für eine Fakultät für Psychologie. Damit schafft die FernUniversität für das Fach neue Entwicklungsmöglichkeiten in Studium, Lehre und Forschung.

Neue Entwicklungsmöglichkeiten in den Studien-, Lehr- und Forschungsbedingungen im Fach Psychologie erreichen, das ist das Ziel der Psychologie an der FernUniversität in Hagen. Nach einer breiten Diskussion in der Universität hat das Rektorat die Gründung einer Fakultät für Psychologie beschlossen und damit den Weg frei gemacht, dass das große Institut künftig eigene Wege geht.

Der Bachelor Sc. / Master Sc.-Psychologie der FernUniversität ist mit aktuell über 14.000 Studierenden der größte universitäre Studiengang in Psychologie im deutschen Sprachraum. Bislang ist das Institut für Psychologie Teil der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften. Die zukünftige Fakultät für Psychologie ermöglicht es, die Organisations- und Arbeitsabläufe passgenauer auf die Besonderheiten des Fachs in Studium, Lehre und Forschung anzupassen und damit den hohen Standards noch besser gerecht zu werden.

40-jährige Geschichte

Das Fach Psychologie hat an der FernUniversität eine 40-jährige Geschichte. Der erste Lehrstuhl für Psychologie wurde bereits kurz nach der Gründung der Universität im Jahr 1978 eingerichtet, zwei weitere Lehrstühle folgten 1983 und 1991. Angeboten wurde ein Haupt- oder Nebenfachstudium im Rahmen eines sozialwissenschaftlich orientierten Magisterstudiengangs.

Der Ausbau zur heutigen Größe mit zehn Lehrstühlen und zwei befristeten Professuren erfolgte erst mit der Einführung des Bachelorstudiengangs Psychologie, der 2008 akkreditiert wurde. Heute bietet das Institut mit den B.Sc.-/M.Sc.-Studiengängen in Psychologie die einzigen universitären Fernstudiengänge dieses Faches an, und den einzigen Bachelor-Fernstudiengang, der mit dem Qualitätssiegel der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ausgezeichnet worden ist.

Das Curriculum vereint eine bundesweit einzigartige Kombination traditioneller und innovativer Grundlagen- und Anwendungsfächer im nicht-klinischen Spektrum der Psychologie. Damit übernimmt das Institut eine Vorreiterrolle in Deutschland. Denn auch das an der FernUniversität praktizierte Blended-Learning-Konzept mit einer Kombination von gedruckten Lehrmaterialien, einem großen Portfolio von Online-Angeboten und umfangreichem kommunikativem Austausch wurde für die Psychologie weiter entwickelt und weist bereits heute Perspektiven für eine Psychologie-Didaktik der Zukunft auf.

Für Diversität sensibilisieren

Die FernUniversität in Hagen zeigt seit ihrer Gründung eine große Heterogenität ihrer Studierenden, die auch im Psychologiestudium deutlich wird. Neben der Enkulturation der Studierenden in den wissenschaftlichen Studienalltag erfordert eine zunehmende sozio-demografische Vielfalt der Gesellschaft auch einen Blick auf die Herausforderungen, denen die Absolventinnen und Absolventen in ihrem beruflichen Alltag begegnen werden.

Die Hagener Psychologie hat Studienangebote entwickelt, um die Studierenden für studien- und berufsrelevante Aspekte sozialer und kultureller Diversität zu sensibilisieren. Durch das besondere, zumeist berufstätige Studierendenklientel der FernUniversität, sein Eingebunden-Sein in das persönliche berufliche Umfeld, entwickelt sich in der Regel bereits während des Studiums ein reger Austausch zwischen Wissenschaft und beruflicher Praxis. Es entsteht ein einzigartiges Forum für Praxistransfer und Dialog.

Prof. Dr. Stefan Stürmer, Rektoratsbeauftragter für die Fakultätsgründung und zukünftiger Gründungsdekan ergänzt: „Das Hagener Institut für Psychologie ist forschungs- und drittmittelstark, und mit überwiegend englischsprachigen Publikationen international präsent. Mit der Fakultätsgründung erhöht die FernUniversität nicht nur ihre Sichtbarkeit als bundesweit erste Adresse für ein Fernstudium in Psychologie, sondern auch ihre Sichtbarkeit als forschende Universität.“

Fakultätsgründung

Als formales Gründungsdatum für die neue Fakultät ist der 1. Oktober 2018 geplant. In der Zwischenzeit wird der „Umzug“ der Studierenden und Lehrenden in die neue Fakultät vorbereitet. Zur Gründungsfeier im November soll zugleich das 20-jährige Gründungsjubiläum des Psychologiegeschichtlichen Forschungsarchivs der FernUniversität gefeiert werden.

Das Forschungsarchiv archiviert psychologiegeschichtliche Dokumente, wie Nachlässe von wissenschaftlich und praktisch arbeitenden Psychologinnen und Psychologen, Briefwechsel, Apparate, Tests, Vorlesungsmitschriften, Manuskripte und Dokumente zur Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen der Gründungsfeier der Fakultät ist eine kleine Sonderausstellung von Exponaten geplant.

Vorsatz oder Fahrlässigkeit?

22. Juni 2018

Raser töteten 2016 in Berlin einen Unbeteiligten. Handelten sie vorsätzlich? Die Rechtswissenschaft ist sich uneins. Zwei Strafrechtler der FernUniversität diskutieren den Fall.

Im Februar 2016 jagten zwei Männer mit ihren Autos durch Berlin, lieferten sich ein Straßenrennen mit Geschwindigkeiten bis zu 170 Kilometern pro Stunde. Dabei donnerten sie über Kreuzungen und rote Ampeln, bis eines der Fahrzeuge schließlich den Geländewagen eines 69-Jährigen rammte. Das Unfallopfer starb noch vor Ort. Das Landgericht Berlin verurteilte die beiden Fahrer im vorigen Jahr zu lebenslangen Haftstrafen. Doch das deutschlandweit erste Mordurteil dieser Art wurde Anfang 2018 vom Bundesgerichtshof (BGH) zurückgewiesen.

In der Rechtswissenschaft sorgte die Entscheidung für Aufsehen. Auch zwei Lehrstuhlinhaber der FernUniversität beschäftigen sich mit dem Fall: Prof. Dr. Osman Isfen (Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Internationales Strafrecht) und Prof. Dr. Stephan Stübinger (Strafrecht, Strafrechtsgeschichte und Rechtsphilosophie) diskutierten das Thema zuletzt in einem öffentlichen Vortrag auf dem Hagener Campus.

Für die beiden Experten liegt die entscheidende Frage in der Abgrenzung zwischen vorsätzlicher und fahrlässiger Tötung. Denn um überhaupt zum Urteil „Mord“ zu gelangen, muss ein Gericht zuerst eine „vorsätzliche Tötung“ feststellen. Hier bleibt Spielraum für abweichende Wertungen. So widersprach der BGH dem Berliner Gericht unter anderem, weil es dessen Annahme einer vorsätzlichen Tat nicht plausibel fand. „Es ist ein Problem, den Rasern einen Fremdtötungsvorsatz zu unterstellen, denn diese nähmen damit ja gleichzeitig eine Eigengefährdung in Kauf“, erklärt Prof. Stübinger. „Man schreibt den Rasern somit quasi eine Selbstmordabsicht zu.“ Die Vorstellung, die Temposünder hätten sich selbst schaden wollen, findet Stübinger abwegig und teilt damit die Einschätzung des BGH.

„Russisches Roulette“ auf der Straße

Prof. Isfen zeigt sich offener gegenüber der Vorsatzannahme. Seiner Meinung nach billigten die Berliner Raser, bei ihrem Rennen Menschenleben zu gefährden. Ihr grob ignorantes Verhalten ließe sich durchaus als vorsätzliches Handeln deuten. „Man könnte sagen: Wer so viele Kreuzungen überquert und rote Ampeln missachtet, der musste einfach damit rechnen, dass es irgendwann tödlich ausgeht“, so der Strafrechtler. „Die Fahrer haben Russisch-Roulette gespielt, und am Ende hat es tatsächlich geknallt.“ Das Urteil „Mord“ findet Isfen jedoch ebenfalls unangemessen.

Neue Gesetzeslage als Reaktion

Das Rennen in der Hauptstadt ist kein Einzelfall. „Es ist leider ein trauriges Phänomen, dass sich in vielen deutschen Städten eine Raser-Szene ausgebildet hat“, klagt Stephan Stübinger. Der Bundestag reagierte 2017 mit einem strengeren Gesetz, wonach illegales Rasen mit bis zu zehn Jahren Haft, der Beschlagnahme des Fahrzeugs und Führerscheinentzug geahndet werden kann. Die neuen Regeln verfeinern das strafrechtliche Instrumentarium. Gerichte können nun genauer zwischen absichtlicher und unabsichtlicher Tötung skalieren. Gerade mit Blick auf die Unstimmigkeiten im Berliner Fall begrüßen die beiden Rechtswissenschaftler die Sondervorschrift. „Eine Raserei mit Todesfolge ist eben kein Mord. Sie ist aber auch keine bloße fahrlässige Tötung – sondern mehr“, urteilt Osman Isfen. Eine Meinung, die auch sein Kollege teilt: „Die neue Vorschrift hat sicherlich ihre Schwächen. Aber dennoch schließt das Gesetz eine große Lücke.“

Bezug zum Hagener Raser-Fall

So wie die Berliner Raserfahrt fiel auch die in Hagen von 2016 noch unter die alte Gesetzeslage. Isfen hat die beiden Prozesse miteinander verglichen, weist jedoch auf erhebliche Unterschiede hin: „Auch in Hagen waren verantwortungslose Menschen unterwegs. Sie haben sich auf der Feithstraße zum Rasen verleiten lassen. Aber in Berlin war es qualitativ noch einmal eine andere Stufe. In Hagen stand zu keinem Zeitpunkt die Frage im Raum, ob sich die Raser der vorsätzlichen Tötung strafbar gemacht haben könnten.“ Der Jurist hatte der Verhandlung im Hagener Landgericht als Beobachter beigewohnt und auf seinem strafrechtlichen Blog „audiatur et altera pars“ davon berichtet.

Das Hagener Landgericht verurteilte die beiden Täter damals wegen fahrlässiger Körperverletzung. Während der ältere Fahrer mit einem Jahr auf Bewährung davonkam, muss der jüngere ein Jahr und zehn Monate im Gefängnis verbringen. Lesen Sie hier mehr zur damaligen Einschätzung von Prof. Isfen.

Engagement für Geflüchtete

18. Mai 2018

Psychologinnen der FernUni setzen sich dafür ein, dass das Wissen aus der Forschung in der Praxis und somit bei Menschen ankommt, die mit Geflüchteten arbeiten

Dr. Laura Froehlich (li.) und Dr. Helen Landmann engagieren sich im Fachnetzwerk Sozialpsychologie zu Flucht und Integration. Foto: FernUni

In den vergangenen Jahren sind über eine Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, politischer Verfolgung, Diskriminierung oder Armut nach Deutschland gekommen. Sowohl für die Geflüchteten als auch für die Gesellschaft bringt dies zahlreiche neuer Herausforderungen mit sich. Wie kann Integration gelingen? Wie lassen sich Ängste und Vorurteile sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Geflüchteten reduzieren? Wie motiviere ich Ehrenamtliche?

An der FernUniversität in Hagen befassen sich gleich mehrere psychologische Lehrgebiete mit Gruppensituationen. Für die Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dr. Laura Froehlich (Sozialpsychologie), Dr. Helen Landmann (Community Psychology) und Sarina Schäfer (Psychologische Methodenlehre und Evaluation) lag es daher nahe, sich bei der Gründung des Fachnetzwerks Sozialpsychologie zu Flucht und Integration zu engagieren.

Seit wenigen Wochen ist die Webseite des Netzwerks online. „Da es inhaltlich so gut passt, sehen wir uns in der Pflicht, uns einzubringen. Unser Ziel ist ein Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Wir setzen uns dafür ein, dass das Wissen aus der Forschung auch bei denjenigen ankommt, die mit den geflüchteten Menschen arbeiten“, sagt Helen Landmann. Sie ist die Sprecherin des im April 2016 gegründeten Netzwerks. An ihm beteiligen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler acht verschiedener Forschungseinrichtungen, unterstützt wird es von der Fachgruppe Sozialpsychologie in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Die Psychologinnen und Psychologen möchten Fragen aus der Praxis wissenschaftlich fundiert und dennoch praxisnah beantworten. „Dafür haben wir gezielt Praktikerinnen und Praktiker kontaktiert und einen Fragenkatalog erstellt. Anschließend haben Forschende die Fragen allgemeinverständlich beantwortet“, erklärt Laura Froehlich. Die Ergebnisse stehen jetzt auf der Webseite des Fachnetzwerks. Das erste Feedback darauf war bereits sehr positiv.

Zukünftig möchte das Netzwerk seine Aktivitäten noch weiter ausbauen und den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis fördern. So sind beispielsweise Treffen zwischen Forschenden und Menschen, die mit Geflüchteten arbeiten, geplant. Helen Landmann: „Davon profitieren letztlich beide Seiten. Denn die Ergebnisse haben wiederum Einfluss auf unsere Forschung.“ Laura Froehlich forscht an der FernUniversität zu Stereotypen über verschiedene kulturelle Gruppen im Bildungssystem, Helen Landmann zur Rolle von Emotionen für das soziale Zusammenleben und Sarina Schäfer zu positivem und negativem Intergruppenkontakt.

Rückhalt für ihr Engagement finden die drei Wissenschaftlerinnen auch in ihren jeweiligen Lehrgebieten. „Das Fachnetzwerk ist eine sehr gute Initiative zur Förderung des Austausches zwischen Wissenschaft und Praxis“, unterstützt Prof. Dr. Anette Rohmann, Leiterin des Lehrgebiets Community Psychology, ihre Mitarbeiterin.

Fachhochschule möchte auf den Campus der Fernuni ziehen

20. April 2018

Die Fachhochschule ist zu eng geworden und hat in ihrem Gebäude einen argen Sanierungsstau. Daher soll auf dem Fernuni-Campus investiert werden. (…)

Quelle: wp.de

„Nationalstaat nicht unausweichliches Schicksal“

19. April 2018

FernUni: Auszeichnung für zukunftsgewandten Historiker

Preisträger Wolfgang Reinhard sprach über Europa und seine eigene wissenschaftliche Biographie. Foto: FernUni.

An der FernUniversität in Hagen wurde jetzt der „Dimitris Tsatsos-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Europäischen Verfassungswissenschaften“ verliehen. In diesem Jahr ging er an den Historiker Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Reinhard.

Der 81-Jährige ist Professor emeritus für neuere Geschichte am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und assoziierter Fellow des Max-Weber-Kollegs für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt.

„Ich fühle mich außerordentlich geehrt“, sagte Prof. Reinhard nach der Überreichung des Preises durch Prof. Dr. Andreas Haratsch, Direktor des Tsatsos-Instituts der FernUniversität, und Prof. Dr. Spyros Tsantinis, Vorstandsmitglied des Centre for European Constitutional Law. Obwohl Reinhards wissenschaftliches Werk schon mehrfach mit Auszeichnungen – darunter auch dem sogenannten „Historikerpreis“ – gewürdigt wurde, habe ihn der „Dimitris Tsatsos-Preis“ besonders gefreut: „Der europäische Charakter des Preises macht es für mich aus. Das ist der Punkt.“

Prof. Reinhard thematisierte in seiner Rede die Expansivität Europas, indem er die Frage stellte: „Wieviel Zukunft hat Europas Vergangenheit?“ Zum Ende seines Vortrags plädierte er für den „Europäischen Bundesstaat“ – nicht zuletzt weil verschiedene Aspekte wie die öffentliche Sicherheit, eine umfassende Daseinsvorsorge oder die Organisation des Gemeinwesens mittlerweile einer Regelung auf überstaatlicher Ebene bedürften. „Der Nationalstaat mag zwar dominant sein, aber er muss deswegen nicht unser unausweichliches Schicksal bleiben.“

Der „Dimitris Tsatsos-Preis“ ist nach dem Rechtswissenschaftler und Europa-Parlamentarier Prof. Dr. Dimitris Th. Tsatsos (1933 bis 2010) benannt. Verliehen wird er vom Centre for European Constitutional Law (CECL, Themistokles und Dimitris Tsatsos-Stiftung) in Athen und dem Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften (DTIEV) der FernUniversität. Im zweijährigen Rhythmus soll der Preis abwechselnd in Athen und Hagen vergeben werden und das Gesamtwerk von Forschenden würdigen, die sich mit der Verfassungsentwicklung auf nationaler und europäischer Ebene befassen.

FernUni: Forschung zur Bioökonomie

26. März 2018

Ein wissenschaftliches Team aus Hagen und Magdeburg untersucht politische Prozesse zur Gestaltung einer Bioökonomie in Deutschland im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie

Die Weltbevölkerung wächst, gleichzeitig werden Ressourcen knapper und das Klima wandelt sich. Die Herausforderungen können nur bewältigt werden, wenn vorhandene Ressourcen effizienter genutzt und gleichzeitig der Ausstoß klimaschädigender Emissionen von der Wirtschaftsleistung entkoppelt wird.

„Hierzu kann die Bioökonomie einen entscheidenden Beitrag leisten, wenn es um die Weiterentwicklung der mineralölbasierten zu einer biobasierten Wirtschaft und Gesellschaft abzielt“, betont Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller von der FernUniversität in Hagen. Jedoch gibt es nach ihren Worten noch großen Forschungsbedarf, etwa zur Produktion ausreichender Biomassemengen, mit denen die stofflichen und energetischen Bedarfe gedeckt werden können.

Auch die Implementierung ressourceneffizienter Prozessabläufe sowie die Bewertung sozio-ökologischer Auswirkungen einer biobasierten Wirtschaftsweise müssten weiter untersucht werden. Darüber hinaus fehle es bislang an empirisch fundierten theoriegeleiteten Studien über politische Prozesse zur Initiierung, Förderung oder Regulierung bioökonomischer Techniken, Verfahren und Produkte.

Zusammen mit Prof. Dr. Michael Böcher will sie diese politikwissenschaftliche Forschungslücke ein Stück weit füllen: Ihr gemeinsames Projekt „Politische Prozesse der Bioökonomie zwischen Ökonomie und Ökologie – Bio-Ökopoli“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) drei Jahre lang gefördert. Die Leiterin des Lehrgebiets Politikwissenschaft III: Politikfeldanalyse & Umweltpolitik an der FernUniversität in Hagen ist Projektkoordinatorin, ihr Kooperationspartner hat den Lehrstuhl für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg inne.

Anbetung der „schwarzen Null“ ein Irrweg

24. März 2018

Volkswirtschaftslehre für alle an der VHS

Am Montag, 9. April, beginnt an der Volkshochschule Hagen in der Villa Post, Wehringhauser Straße 38, ein Seminar zum Thema „Wirtschaftspolitik – Volkswirtschaftslehre (VWL) für alle“. Der Kurs findet insgesamt 13 Mal montags von 19.30 bis 21 Uhr statt.

Wer an Wirtschaftspolitik interessiert ist, muss auch wissen, wie eine Volkswirtschaft funktioniert! Nur dann kann man die wahren Ursachen für Fehlentwicklungen wie Arbeitslosigkeit oder Inflation erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen auswählen.

Genau dieses Wissen zu vermitteln, ist das Ziel dieses Kurses. Außer der Kenntnis der Grundrechenarten gibt es keine weiteren Anforderungen. Alle Fachbegriffe und Zusammenhänge, die für das Verständnis der wirtschaftspolitischen Diskussionsbeiträge in Zeitungen, Talkshows und Parlamenten relevant sind, werden ausführlich und anschaulich mit Hilfe einfacher Zahlen-Beispiele und Grafiken vermittelt.

Am Ende dieses Kurses werden die Teilnehmer bedeutend mehr von Volkswirtschaft verstehen. Sie werden unter anderem erfahren, warum aus wissenschaftlicher Sicht, eine Umverteilung „von unten nach oben“ schlecht ist für die Wirtschaft, eine Erhöhung des Mindestlohns die Beschäftigung fördert, die Anbetung der „schwarzen Null“ ein Irrweg ist und warum Trump das deutsche Recht auf seiner Seite hat, wenn er die deutschen Export-Überschüsse bekämpfen will.

Kursleiter Fritz Helms ist von Beruf Diplom-Volkswirt und war 30 Jahre lang an der FernUniversität Hagen als Wirtschaftsdidaktiker beschäftigt. Nähere Informationen: unter fritz.helms@gmx.net.

Das Serviceteam der Volkshochschule bittet um Anmeldung unter Kursnummer 1963. Informationen hierzu erhalten Interessierte online unter www.vhs-hagen.de/anmeldung oder beim Serviceteam unter Telefon 02331/2073622.

FernUniversität Hagen erleichtert Studienzugang für Flüchtlinge

21. März 2018

Die FernUniversität Hagen hat eine Kooperation mit der gemeinnützigen Organisation „Kiron Open Higher Education“ geschlossen. Ziel ist es, Flüchtlingen den nahtlosen Übergang in ein Fernstudium zu erleichtern. Ein erster Schwerpunkt liegt dabei auf dem Studiengang Informatik.

Die Bildungsplattform Kiron ermöglicht es Menschen, online ohne sprachliche, finanzielle oder bürokratische Hürden ins Studium einsteigen – unabhängig von ihrem jeweiligen Aufenthaltsort. Künftig können Kiron-Module fließend in die Studieneingangsphase an der Hagener Fakultät für Mathematik und Informatik eingebracht werden.

Mehr zum Angebot der FernUniversität für Geflüchtete

Röspel in den Senat der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen berufen

29. Dezember 2017

Der Hagener SPD-Bundestagsabgeordnete René Röspel ist in den Senat der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V (AiF) berufen worden.

Die Arbeitsgemeinschaft ist eine von der Industrie getragene Organisation mit dem Ziel, Forschung für den Mittelstand anzustoßen, den wissenschaftlichen Nachwuchs und Fachkräfte auf innovativen Gebieten zu qualifizieren sowie den Austausch über die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zu organisieren.

Neben vier Politikern sitzen im Senat Unternehmer und Vertreter der Wissenschaft, führender Wirtschaftsverbände sowie von Fördermittelgebern. Der Senat berät den Vorstand der AiF in strategischen und forschungspolitischen Fragen und bringt sich in die Diskussion von langfristigen Zielen und Leitsätzen für die Arbeit der AiF ein.

„Ich freue mich sehr über die Berufung in den Senat der AiF“, sagt Röspel, „nicht zuletzt, weil ich die industrielle Gemeinschaftsforschung und Programme wie das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) für wichtige Forschungsförderinstrumente halte.“ Gerade im Bereich des Transfers wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft und insbesondere den Mittelstand spiele die AiF eine herausragende Rolle.

Bereits seit vielen Jahren ist René Röspel Senator der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren sowie Mitglied in den Kuratorien des Max Planck Instituts (MPI) für Molekulare Physiologie Dortmund und des MPI für Chemische Energiekonversion Mülheim an der Ruhr.

Der Abgeordnete legt Wert auf die Feststellung, dass es sich bei all diesen Engagements um rein ehrenamtliche Tätigkeiten ohne Vergütung handelt.

Denkerin, die nicht leicht in ein Raster passt

14. Dezember 2017

Namhafte Forschende stellten Grundbegriffe und -phänomene Edith Steins bei einer Fachtagung der FernUniversität vor

Der Titel der Tagung „Grundbegriffe und -phänomene Edith Steins“ zeigte den 75 Teilnehmenden bereits, dass Philosophie „Arbeit am Begriff“ ist und den Phänomenen gerecht werden muss. Motto der Veranstaltung könnte daher, so Dr. Marcus Knaup, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der FernUniversität, Edith Steins Aussage „Es gibt ein Ziel, auf das alle philosophische Einzelforschungen hinarbeiten und zu dessen Erreichung sie zusammenwirken: das Ziel, die Welt zu verstehen“ sein.

Namhafte europäische Forschende stellten unterschiedliche Grundbegriffe und -phänomene Edith Steins vor. Es gab Vorträge zur Phänomenologie, zur Anthropologie, zur Religionsphilosophie und zur Frage, „wie wir heute Stein lesen können“, so Knaup weiter.

Aus FernUni-Sicht war gerade auch die Anknüpfung an den Schwerpunkt „Phänomenologie“ des Hagener Instituts für Philosophie interessant: „Wir konnten das bisherige Spektrum durch die religionsphilosophischen Fragen einer Denkerin, die nicht leicht in ein Raster zu stecken ist, erweitern“, resümiert Knaup. „Insofern war die Veranstaltung in mehrfacher Hinsicht wegweisend.“

Prof. Dr. Andreas Kleine, Prorektor der FernUniversität für Forschung und wissenschaftliche Nachwuchsförderung, stellte in seinem Grußwort einen Bezug zu dem Leben und Wirken Edith Steins und der Veranstaltung her: „Für ihre religiösen, philosophischen und ethischen Überzeugungen trat Edith Stein mit Leidenschaft ein. Schließlich wurde sie von den Nationalsozialisten ermordet. Auch mit Blick auf dieses Schicksal ist Ihre Teilnahme an der heute beginnenden Tagung so wichtig: Indem Sie Edith Steins Werk Aufmerksamkeit schenken, es analysieren, diskutieren und ins rechte Licht rücken, zeigen sie nicht nur vor großen Ideen, sondern auch vor einer beeindruckenden Persönlichkeit Achtung.“

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch das „Edith Stein-Lexikon“ vorgestellt. Im Anschluss an die 27-bändige Edith Stein-Gesamtausgabe soll es das denkerische Erbe Steins und ihre philosophiegeschichtliche wie ihre systematisch-phänomenologische Bedeutung weiter erschließen. Mehr als 40 Stein-Forscherinnen und -Forscher aus verschiedenen Ländern und Generationen haben daran gearbeitet. Herausgegeben wird es von Dr. Marcus Knaup und Prof. Dr. Harald Seubert (432 Seiten, Verlag Herder, ISBN 978-3-451-34550-0)

Eine öffentliche Wanderausstellung über das Leben der Philosophin, Frauenrechtlerin und späteren Ordensfrau in der Universitätsbibliothek wurde in der Universitätsbibliothek eröffnet.

Gibt es eine Krise der sozialen Marktwirtschaft, wie gerecht ist das Wirtschaftssystem?

23. November 2017

28. Hagener Hochschulgespräche 2017/18
Montag, 27.11.2017 von 17:30 Uhr – 20:00 Uhr
Fachhochschule, Haldener Str. 182, 58095 Hagen

Die Zielsetzung der sozialen Marktwirtschaft ist, »die Vorteile einer freien Marktwirtschaft wie wirtschaftliche Leistungsfähigkeit oder hohe Güterversorgung zu verwirklichen, gleichzeitig aber deren Nachteile wie zerstörerischer Wettbewerb, Ballung wirtschaftlicher Macht oder unsoziale Auswirkungen von Marktprozessen (z.B. Arbeitslosigkeit) zu vermeiden« (Bundeszentrale für politische Bildung).

In den vergangenen Jahren ist die Aktualität und tatsächliche Wirksamkeit der sozialen Marktwirtschaft jedoch vermehrt in Frage gestellt worden. Ein zentraler Kritikpunkt ist dabei, dass die fortschreitende gesellschaftliche Spaltung einer sozialen Gestaltung des Wirtschaftssystems gegenübersteht. Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer, der Mittelstand bröckelt und immer mehr Menschen fürchten den sozialen Abstieg, der vom Staat nicht mehr aufgefangen werden kann.

Kommt das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft zu kurz? Sind wir auf dem Weg in einen ungebremsten Kapitalismus?

Zur Rhetorik des politischen Ressentiments

19. November 2017

Vortragsreihe „wissenschaftsgespräche“ der FernUni

22.11.2017 um 16:00 Uhr, Seminargebäude der FernUniversität, R. 1 – 3, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Referent: Prof. Dr. Thomas Bedorf (Institut für Philosophie)

Die Politisierung unserer Gegenwart zieht ihre Kraft aus einem Aufbrechen affektiver Artikulationsformen des Politischen, und zwar sowohl in aktivierender („Wutbürger“) als auch in regierender, gouvernementaler Perspektive („governing by affect“). Ein solcher Affekt ist das Ressentiment, dessen Rhetorik uns allerorten begegnet: auf der Straße, in den digitalen Netzen und nicht zuletzt im Parlament. Mit Nietzsche und Scheler kann man verstehen, daß das Ressentiment ein spezifisch demokratischer Affekt ist. Je nachdem wie man damit umgeht, läßt sich darauf mit einem ressentimentalen bzw. einem emanzipatorischen Populismus antworten.

Die Veranstaltung unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität richtet sich sowohl an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie an wissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Hagen ist Heimat

15. November 2017

Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität begleitet ein Kooperationsprojekt mit dem Rahel-Varnhagen-Kolleg zum Thema Migration

Sie erzählen von Krieg und Flucht, von traumatischen Erlebnissen und davon, wie sie in einem anderen Land ankommen. Viele von ihnen bezeichnen das fremde Land inzwischen als Heimat. Hagen ist Heimat geworden.

Das hat eine Klasse des Hagener Rahel-Varnhagen-Kollegs mit dem Institut für Geschichte und Biografie an der FernUniversität in Hagen im Rahmen des Kooperationsprojekts „Migration und Integration. Migrationserfahrungen.“ erfahren. Die Klasse führte Interviews mit Vertriebenen und Kriegsflüchtlingen, die nach Hagen migriert sind. Begleitet wurden die Schülerinnen und Schüler dabei durch ihren Geschichtslehrer Pablo Arias und Dr. Eva Ochs, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut.

„In einer ersten Phase haben wir die Klasse mit den Möglichkeiten biografischer Forschung und mit den Formen des lebensgeschichtlichen, narrativen Interviews vertraut gemacht“, berichtet Historikerin Eva Ochs. Anschließend interviewten die Schülerinnen und Schüler, die den Abendrealschulzweig besuchen, mehrere Menschen aus Hagen. Zu ihnen hatte Pablo Arias den Kontakt hergestellt.

Zu den Interviewten zählten der Großvater einer Schülerin, Frauen aus Sri Lanka und Bosnien, die vor Bürgerkriegen geflüchtet waren. Ein junger Russlanddeutscher aus Sibirien war ebenso darunter wie ein indischer Designer, der eine deutsche Frau geheiratet und in Hagen einen beruflichen Neustart gewagt hat. Eine Schülerin steuerte ein Kurzinterview mit einem syrischen Flüchtling – ihrem WG-Mitbewohner – bei.

Die Auswertungen der Interviews, die aktuell läuft, sollen in eine kleine Broschüre einfließen. Die soll auch einen historischen Rundgang durch den Hagener Stadtteil Wehringhausen zum Thema Migration enthalten, den Pablo Arias mit der Klasse erarbeitet.

Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

13. November 2017

Hagener Woche der Philosophie an der FernUni

Im Rahmen der „Hagener Woche der Philosophie 2017“, den das Institut für Philosophie der FernUniversität in Hagen veranstaltet, findet auch ein öffentlicher Vortrag statt: Am Mittwoch, 15. November, hält Prof. Dr. Dr. Brigitte Falkenburg (TU Dortmund) von 15.30 bis 17.00 Uhr den Festvortrag „Natur und Technik: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?“. Veranstaltungsort ist das AVZ-Gebäude auf dem Campus der FernUniversität in Hagen, Universitätsstr. 21, 58097 Hagen.

Der Klimawandel im Wandel

10. November 2017

„Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme im Krisenmodus“ ist das zentrale Thema der 28. Hagener Hochschulgespräche

Die Fachhochschule Südwestfalen und der Verein Deutscher Ingenieure laden auch in diesem Wintersemester zu den Hagener Hochschulgesprächen ein. Die diesjährige Reihe steht unter dem Titel „Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme im Krisenmodus“ und startet am Montag, 13. November, mit einer Diskussion zum Thema „Klimawandel in Umwelt und Gesellschaft“.

Heutzutage ist ja eigentlich gefühlt alles irgendwie immer im Wandel. Sogar der Wandel selbst. Beispiel Klimawandel: Was lange als sicher galt, wird plötzlich wieder diskutiert. Leben wir nun mitten in einer sich zuspitzenden Umweltkrise oder eben nicht? Im Taumel zwischen Fakten und Fiktion kann man schnell die Orientierung verlieren. „Es fällt vielen Menschen auch zunehmend schwerer, Tatsachen und Verdrehungen in der Berichter­stattung der Medien zu unterscheiden“, vermutet Prof. Dr. André Coners, Organisator der Hagener Hochschulgespräche.

Was sind nun die gesicherten Erkenntnisse zum Klimawandel? Woran liegt es, dass die Erkenntnisse zumindest Teile der Gesellschaft nicht erreichen? Warum gelingt es bestimmten Interessengruppen, Zerrbilder in den Medien zu platzieren? Grundsätz­lich gefragt: Was bedeutet es für eine Demokratie, wenn die Gesellschaft das Vertrauen in die Medien verliert?

Die Antworten auf diese und sicher viele weitere Fragen kommen beim ersten Hagener Hochschulgespräch dieses Wintersemesters von Prof. Dr. Martin Faulstich, ehemaliger Vorsitzender des Sachverständigenrats der Bundesregierung für Umweltfragen sowie von Christian Scherg. Er vertritt  Revolvermänner Düsseldorf, die sich als Online-Reputationsagentur bezeichnen.

Der Vortrag beginnt am 13. November um 17.30 Uhr im Audimax der Fachhochschule Südwestfalen, Haldener Str. 182, in Hagen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Vortragstermine sind der 27.11., der 11.12. sowie der 15.1.. Die Veranstaltungsreihe wird gefördert vom Verein der Freunde der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen e.V.. Das komplette Programm der 28. Hagener Hochschulgespräche ist unter www.fh-swf.de zu finden.

Erfahrungen mit der Politisierung der Gegenwart

28. September 2017

FernUni: Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für phänomenologische Forschung

Es geht rund auf dem politischen Parkett: In Europa brodelt es, populistische Strömungen sind auf dem Vormarsch, weltweit suchen Menschen ihr Heil in der Flucht und die Weltmacht USA gibt viele Rätsel auf. All das sind Phänomene, die in der Öffentlichkeit angeregt diskutiert werden – aber wie lassen sie sich philosophisch einordnen?

An der FernUniversität in Hagen befassten sich Expertinnen und Experten auf einer internationalen Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für phänomenologische Forschung (DGPF) über vier Tage hinweg mit dem Thema „Die Phänomenologie und das Politische“.

Als große philosophische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum verfolgt die DGPF das Ziel, die Phänomenologie als Methode des Philosophierens zu fördern. Zu ihren Mitgliedern gehören Forschende aus über 25 Ländern. Die Phänomenologie versteht sich dabei als Wissenschaft, der es darum geht, Erfahrungen aus der Ersten-Person-Perspektive zu beschreiben und zu analysieren.

Grundsätzliche Denkanstöße zur spannungsreichen Beziehung zwischen „Phänomenologie“ und „Politik“ erhielten die Teilnehmer in Prof. Thomas Bedorfs Eröffnungsrede. „Die Phänomenologie kann als eine Philosophie gelten, die sich mit politischen Gegenständen schwertut“, erklärte der DGPF-Präsident in Rückbezug auf Edmund Husserls philosophisches Verständnis: Der Gründungsvater der phänomenologischen Strömung stellte das wahrnehmende Subjekt in den Mittelpunkt seines Denkens. Bedorf legte den Finger auf einen neuralgischen Punkt: „Politische, staatliche, institutionelle und kollektive soziale Tatsachen zeichnen sich jedoch vor allem dadurch aus, dass sie sich einer allein subjektiven Hervorbringung entziehen.“

Mit einer kontroversen Fragestellung hat sich ebenso der Nachwuchs-Phänomenologe Paul Helfritzsch (Universität Jena) auseinandergesetzt. Für seinen Aufsatz zur Frage „Ist die Phänomenologie eine realistische Philosophie?“ wurde dem Doktoranden von Thomas Bedorf der Essaypreis der DGPF verliehen.

Im Laufe der Tagung stellten auch Forschende der FernUniversität ihre Ergebnisse zur Diskussion. So referierte Selin Gerlek zum Thema „Die (In)Stabilität des politischen Feldes und die Rolle des Habitus“. In ihrem Vortrag untersuchte die Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie in Deutschland noch unpublizierte Vorlesungen des französischen Philosophen Maurice Merleau-Ponty. Gerlek ist Doktorandin bei Prof. Bedorf und Mitbegründerin des phänomenologischen Blogprojekts „et al.“.

Dr. Steffen Herrmann nahm in seinem Vortrag „Kritische Theorie und politische Phänomenologie. Eine Verhältnisbestimmung“ einen Vergleich vor: Auf den Prüfstand kamen Hannah Arendts und Jürgen Habermas‘ Modelle politischer Urteilskraft – eine Gegenüberstellung, die im Anschluss auch von der internationalen Zuhörerschaft intensiv diskutiert wurde.

„Arbeit 4.0“? „Digitale Arbeit“?

23. September 2017

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Qualität von Arbeit

27.09.2017 um 16:00 Uhr
Seminargebäude der FernUni, Raum 6, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen
Referent: Prof. Dr. Frank Kleemann (Universität Duisburg-Essen)

„Digitalisierung“ fungiert aktuell als catch-all term für die zunehmende Diffusion digitaler Geräte und Medien, mit der eine umfassende Transformation (bzw. Revolution) gesellschaftlicher Lebensbereiche assoziiert wird. Der Begriff „digitale Arbeit“ steht als Kürzel dafür, dass Arbeit in Arbeits- und Produktionsprozessen im Wechselspiel mit digitalen bzw. digitalisierten Arbeitsmitteln im Kontext von Organisationen vollzogen wird. Es zeigt sich aber, dass der Prozess der Digitalisierung von Arbeit heterogene, ungleichzeitig einsetzende und längerfristige technologische Entwicklungen umfasst.

Der Vortrag argumentiert, dass damit verbundene Prozesse des Wandels von Arbeit und Produktion sich im Wechselspiel mit (divergenten) organisationalen und institutionellen Bedingungen vollziehen. Insofern gibt es nicht „die“ digitale Arbeit, sondern es sind unterschiedliche Ausprägungen zu unterscheiden, und der Wandel von Arbeitsprozessen vollzieht sich überwiegend inkrementell und nicht „disruptiv“.

Folglich gilt es, Konstellationen digitaler Arbeit in der Prozessperspektive und mit Fokus auf die alltägliche Arbeitspraxis differenziert zu betrachten, um strukturierende Wirkungen der Digitalisierung auf die Qualität von Arbeit, auf betriebliche (und überbetriebliche) Arbeitsorganisation und den sich verändernden Stellenwert menschlicher Subjektivität im Arbeitsprozess systematisch zu erfassen.

Die Veranstaltung unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität richten sich sowohl an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie an wissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger. Die Teilnahme ist kostenfrei.

„Die Phänomenologie und das Politische“

14. August 2017

Fachtagung an der Fernuniversität Hagen

Die Gegenwart politisiert sich: Der drohende Zerfall Europas, der Aufstieg des Rechtspopulismus, die Verachtung des demokratischen Systems, die Rolle von Fake News und der abweisende Umgang mit Geflüchteten an den Grenzen Europas bestimmen in den letzten Monaten die mediale Berichterstattung.

Wie können politische Ereignisse wie diese mithilfe der Phänomenologie besser analysiert werden? Mit dieser Frage befassen sich mehr als 50 Vortragende aus aller Welt bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für phänomenologische Forschung (DGPF) an der FernUniversität in Hagen. Die Fachtagung „Die Phänomenologie und das Politische“ findet vom 13. bis 16. September an der FernUniversität in Hagen statt.

Die offizielle Eröffnung der Tagung ist am Mittwoch, 13. September, 17.00 Uhr, im Emil Schumacher Museum Hagen, Museumsplatz 1 – 3, 58095 Hagen. Alle anderen Veranstaltungen finden im Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, statt: Der Auftaktworkshop „Traditionslinien der Phänomenologie“ beginnt hier am 13. September um 10.30 Uhr, an den anderen Tagen ist um 9.30 Uhr Beginn.

Das Programm und alle weiteren Informationen sind unter http://www.phaenundpolitik.de/ zu finden. Wissenschaftlich interessierte Gäste sind willkommen.

Die Veranstaltung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgerichtet, sie findet im Hagener Forschungsdialog der FernUniversität statt.

„Affekt und Politik“

29. Juni 2017

Heute im Forum Philosophicum der FernUni

Das jüngste Aufkommen und der Erfolg rechtspopulistischer Bewegungen in Europa und den USA lassen die Frage nach dem Verhältnis von „Affekt und Politik“ dringlich werden. Darauf geht Prof. Dr. Jan Slaby (Freie Universität Berlin) am Donnerstag, 29. Juni, in seinem gleichnamigen Vortrag in der Vortragsreihe Forum Philosophicum der FernUniversität in Hagen ein. Beginn ist um 18.30 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstraße 33, 58097 Hagen. Interessierte sind willkommen, der Eintritt ist frei.

Das jüngste Aufkommen und der Erfolg rechtspopulistischer Bewegungen in Europa und den USA lassen die Frage nach dem Verhältnis von Affekt und Politik dringlich werden. Welche Rolle spielen Affekte und Emotionen im politischen Geschehen?

Im Vortrag wird es zunächst um eine kritische Sondierung aktueller Positionen zu diesem Thema gehen, vor allem aber soll eine ontologisch grundlegende Verhältnisbestimmung von Affektivität und Politik unternommen werden. Das Politische betrifft die kollektive Gestaltung menschlicher Angelegenheiten, sofern diese kontingent und somit veränderbar sind. Die menschliche Affektivität ist ihrerseits nur verstehbar, wenn sie sowohl auf die Kontingenz und Endlichkeit des Lebens bezogen wird als auch in jenem „Bezugsgewebe der menschlichen Angelegenheiten“ (Arendt) situiert wird, das allein die Sinnhaftigkeit und damit Verstehbarkeit menschlicher Lebensvollzüge ermöglicht. Damit ergibt sich die Möglichkeit einer wechselseitigen Bestimmung von Affekt und Politik, und auf dieser Grundlage sowohl eine Politisierung der Affektforschung als auch eine affekttheoretisch fundierte Analyse politischer Vorgänge und deren Voraussetzungen. Es werden u.a. Arbeiten von Arendt, Butler, Massumi, Mohrmann, Nussbaum und Protevi angesprochen.

Prof. Dr. Jan Slaby ist Professor für Philosophie des Geistes an der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Philosophie der Emotionen, im Bereich sozialer Theorien des Geistes, in einer kritischen Philosophie der Humanwissenschaften sowie in der Sozial- und politischen Philosophie.

„Geschichte Europas“

28. Juni 2017

Neuer Masterstudiengang an der FernUniversität

Die bewegte Vergangenheit Europas vom Heimatort aus studieren? Das geht ab dem kommenden Wintersemester an der FernUniversität in Hagen: Das Historische Institut bietet den neuen Masterstudiengang „Geschichte Europas – Epochen, Umbrüche, Verflechtungen“ an. Interessierte können sich noch bis zum 31. Juli einschreiben. Das Wintersemester 2017/18 beginnt am 1. Oktober.

Der Studiengang behandelt die Geschichte Europas in ihren wesentlichen Phasen, Entwicklungen, Identitäten und Verflechtungen. Dabei nehmen die Studierenden eine epochen-, kultur- und grenzüberschreitende Perspektive ein. Auf diese Weise wird ein breiter Zugang zur modernen wissenschaftlichen Theorie und Forschungspraxis vermittelt.

Den ersten Teil des Studiengangs bildet ein Grundlagenbereich, der in den Studiengang und die drei vorgegebene Schwerpunkte einführt. Danach können die Studierenden in einem Vertiefungsbereich mit Modulen aller Lehrgebiete des Historischen Instituts („Geschichte der Europäischen Moderne“, „Geschichte und Gegenwart Alteuropas“ und „Geschichte Europas in der Welt“) entweder eine breite fachliche Ausrichtung wählen, oder sich spezialisieren.

Neben den wissenschaftlichen Inhalten vermittelt das Studium grundsätzliche Kompetenzen – etwa die Fähigkeit zum analytischen Denken oder Routine im Aufarbeiten komplexer Sachverhalte. Dadurch qualifizieren sich die Studierenden zum Beispiel für Berufslaufbahnen in Museen, Archiven, Bibliotheken, NGOs oder im Medienbereich.

„Der Baum und der Hirsch“

21. Juni 2017

Eine Veranstaltung mit den FDP-Politikern Gerhart Baum, Bundesminister a.D., und Dr. Burkhard Hirsch, Vizepräsident des Deutschen Bundestages a.D.

FernUni-Vortragsreihe „Lüdenscheider Gespräche“
22.06.2017 um 18:00 Uhr
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Kaum zu glauben aber wahr: Diese beiden Herren gehörten mal zum Mainstream der schon lange zur reinen Lobbytruppe verkommenen FDP: Gerhart Baum und Burkhard Hirsch sind seit sechzig Jahren politische Weggefährten. Seit Jahrzehnten sind sie Vorkämpfer für Bürger- und Freiheitsrechte in Deutschland und gelten als „liberales Gewissen“ der Republik.

Vehement und erfolgreich streiten sie gegen Vorratsdatenspeicherung, Lauschangriffe oder Online-Durchsuchungen, aber auch für eine humane Asylpolitik und die universelle Geltung der Menschenrechte. So erreichten Gerhart Baum und Burkhard Hirsch zusammen mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Jahr 2004, dass wesentliche Teile des Gesetzes zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (Großer Lauschangriff) als Verstoß gegen die Menschenwürde und deshalb als verfassungswidrig eingestuft wurden. Mit einer weiteren Verfassungsbeschwerde, erneut gemeinsam mit Burkhard Hirsch, griff Baum 2005/06 erfolgreich das Luftsicherheitsgesetz an.

Dr. Burkhard Hirsch (* 29. Mai 1930 in Magdeburg), Rechtsanwalt und seit 1949 Mitglied der FDP, war von 1975 bis 1980 Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Von 1972 bis 1975 und von 1980 bis 1998 war er Mitglied sowie von 1994 bis 1998 zugleich Vizepräsident des Deutschen Bundestages.

Gerhart Baum (* 28. Oktober 1932 in Dresden), Rechtsanwalt, seit 1954 Mitglied der FDP, 1966 bis1998 in den Führungsgremien der Partei vertreten, von 1982 bis 1991 Stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1972 bis1994, war von 1978 bis 1982 Bundesminister des Innern.

Wie in ihrer 2016 erschienenen Veröffentlichung „Der Baum und der Hirsch. Deutschland von seiner liberalen Seite“ berichten beide Politiker an diesem Abend über die wichtigsten Wegmarken ihrer privaten und politischen Biographie vor dem Hintergrund der wechselvollen bundesdeutschen Geschichte mehrerer Jahrzehnte. Zum Ende der Veranstaltung wird es wie gewohnt Gelegenheit geben, Fragen aus dem Publikum zu stellen.

Vom Kaufmanns- zum Finanzmarktkapitalismus

14. Juni 2017

Vortragsreihe „wissenschaftsgespräche“ der FernUni

21.06.2017 um 16:00 Uhr
Seminargebäude der FernUniversität, R. 1 – 3, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen

In den „wissenschaftsgesprächen“ der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen geht es am 21. Juni um das Thema „Vom Kaufmanns- zum Finanzmarktkapitalismus. Zur Herausbildung eines Transformationsprozesses mithilfe der Kategorie ‚Organisation‘“. Referent ist Dr. Thomas Matys vom Lehrgebiet Soziologie II / Soziologische Gegenwartsdiagnosen (Prof. Dr. Uwe Vormbusch). Der Vortrag richtet sich in erster Linie an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende der FernUniversität. Weitere Interessierte sind gerne willkommen.

Der Vortrag hat aktuelle Forschungen im Rahmen des Habilitationsprojektes von Dr. Thomas Matys zum Inhalt. Grundlage ist die gegenwartsdiagnostische Feststellung, dass die derzeitige Phase der kapitalistischen Gesellschaftsformation als „Finanzmarktkapitalismus“ bezeichnet werden muss und dieser sich deutlich von der vorherigen Form eines Kapitalismus, der – nicht selten familienzentriert – Vermögen, ehrbare Kaufmannstätigkeit und persönliche Haftungen beinhaltete, unterscheidet.

Im Zentrum des Befundes des Finanzmarktkapitalismus steht der empirisch auffällige Sachverhalt, dass eben jener Finanzmarkt eine weltweite strukturelle Dominanz erlangt hat, die ihrerseits nationalstaatliche oder sonstige Einflussgrößen auf Gesellschaft erodiert bzw. weit hinter sich lässt. Es ist wohl davon ausgehen, dass „das Regime des Finanzmarktkapitalismus“ (Vormbusch 2017) so gar nicht funktionieren würde, ohne die „massiven weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte, die zur Bildung gewaltiger privater Kapitalvermögen“ (ebd.) geführt haben.

Nach Matys‘ Erachten ist es daher notwendig, eine querliegende Variable als machtvolle Bedingungsinstanz für finanzmarktliche Prozesse freizulegen: Die Kategorie der Organisation. Es dürfte relativ leicht Einigkeit erzielt werden können darüber, dass bestimmte Organisationen im Zentrum eines Finanzmarktkapitalismus wirken, ohne die sich dieses empirische Feld wahrscheinlich so nicht zeigen würde, man denkt hier schnell etwa an Banken, aber nicht zuletzt auch an Rating-Agenturen.

Wie selbstverständlich nehmen wir diese Organisationen bzw. deren Handlungen wahr, als seien sie alternativlos. Doch gerade Selbstverständlichkeiten nachzuspüren, ist eine der ersten Aufgaben der Soziologie. Wie ist also etwas entstanden, was heute selbstverständlich erscheint? Das bedingt eine historische Perspektive, die danach fragt, worin die Bedeutung von Geschichtlichem für aktuelle Phänomene liegt.

Am Beispiel von Rating-Agenturen kann aufgezeigt werden, dass diese zu mächtigen Organisationen innerhalb des finanzmarktlichen Settings geworden sind, indem sie Finanzprodukte, Banken oder sogar ganze Staaten „bewerten“. Ihre historischen Vorläufer fanden die Rating-Agenturen in den sog. „mercentile agencies“ (Handelsagenturen) in den USA des 19. Jhds. Jene bereiteten den Weg dafür, dass Großhändler erstmals auf Maßzahlen zur kategorisierenden Organisationsbewertung ihrer Schuldner vertrauten.

Spätere erste Rating-Agenturen entwickelten daraus im Laufe der Zeit komplexe Beurteilungskriterien, die heute in besonderer Weise, neben den Praxen von Banken, zum Inventar eines organisationalen Zahlengebrauchs gehören. Als ein aufschlussreiches Dokument kann in diesem Kontext bspw. das „Poor´s Manual on Railroads“ von 1865 gelten.

China zu Gast in Hagen

8. Juni 2017

Neues Forschungszentrum an der FernUni

Intensive Gespräche und Diskussionen in einem kleinen Kreis von Expertinnen und Experten: Der erste Workshop des neuen Forschungszentrums für volkswirtschaftliche Studien zu Ostasien an der FernUniversität war ein voller Erfolg. „Das zweitägige Programm ist exzellent angekommen. Unsere Gäste aus China waren begeistert“, zog Prof. Helmut Wagner Bilanz. Zusammen mit Prof. Hans-Jörg Schmerer hatte er das Center for East Asian Macroeconomic Studies (CEAMeS) im vergangenen an der FernUniversität gegründet. Die Forschungsmitglieder waren nun zum ersten persönlichen Kennenlernen auf den Campus in Hagen eingeladen.

China quo vadis? Auf dem Weg zum Regierungsbesuch in Peking legte China-Experte Dr. Markus Rodlauer einen Zwischenstopp an der FernUniversität ein. Der Vize-Direktor der Abteilung für Asien und Pazifik beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington hielt eine einstündige Key Note zur aktuellen wirtschaftlichen Lage Chinas sowie zu möglichen zukünftigen Entwicklungsszenarien.

Auch die FernUniversität als Gastgeberin war stark vertreten. Rektorin Prof. Ada Pellert und Prof. Helmut Wagner hießen die Gäste zu Beginn willkommen. Linda Glawe, Michael Murach und Antonia Reinecke aus den Lehrgebieten Makroökonomik und Internationale Ökonomie beleuchteten in ihren Vorträgen unterschiedliche Fragestellungen des übergeordneten Themas „Macroeconomic Development and Trade in East Asia“.

Auch eine Delegation des „Center for Macroeconomic Research“ der Xiamen-Universität aus China war zu Gast. Deren Leiter, Prof. Wenpu Li, kündigte an, den nächsten Workshop im Frühjahr 2018 in China auszurichten. Dann soll die Veranstaltung auch für weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus China und Japan geöffnet werden.

Die Aufbauarbeit des internationalen Netzwerks von Forschenden ist mit dem Gründungsworkshop in Hagen weitgehend abgeschlossen. Erste Kooperationen und Projekte mit ostasiatischen Universitäten und Institutionen sind angestoßen. In Zukunft wollen Prof. Wagner und Prof. Schmerer das Forschungszentrum als internationale Anlauf- und Informationsstelle zur Volkswirtschaft China etablieren, unter anderem über den Ausbau der Web-Plattform mit aktuellen Inhalten rund um die chinesische Wirtschaft. Außerdem sollen Gastdozentinnen und -dozenten regelmäßig in Hagen begrüßt werden. „Um die Strahlkraft unserer Forschung zu erhöhen, müssen wir im nächsten Schritt das Center auf eigene Füße stellen“, kündigt Wagner an. Die Gespräche zur Finanzierung und Ausstattung laufen.

Chancen der Energiewende nutzen

2. Juni 2017

Interdisziplinäres Projekt der FernUni

Die Energiewende bietet Unternehmen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen: „Energieflexible Fabriken“ etwa können ihren Stromverbrauch optimal an das schwankende Stromangebot anpassen. Vier Professoren aus drei Fakultäten der FernUniversität wollen die Wirtschaft in der Region Hagen dabei unterstützen.

Ihr interdisziplinäres Projekt „Management Energieflexibler Fabriken“ (MaXFab) stößt bei Unternehmen in der Region bereits auf reges Interesse. Und weil die Wissenschaftler gleichzeitig auch die industrieorientierte Forschung der Hochschule stärken wollen, unterstützt die FernUniversität in Hagen ihr Vorhaben mit Mitteln ihres Internen Forschungsförderprogramms 2016 – 2020.

FernUni-Wissenschaftler und Praktiker arbeiten beim MaXFab-Projekt gemeinsam daran, durch innovative Planungssystematiken und IT-Systeme Flexibilitätspotenziale der Unternehmen bestmöglich nutzen zu können. Ziel ist, Lastverläufe optimal an das schwankende Stromangebot anzupassen, um von der Entwicklung des „Strommarkts 2.0“ mit seinen wechselnden Preisen zu profitieren. Diese Potenziale schlummern bereits in vielen Unternehmen. Unerkannt und ohne enge Zusammenarbeit mit den Energieversorgern sind sie jedoch wertlos.

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„Es kann auch um versuchten Mord gehen“

23. Mai 2017

Strafrechts-Experte Prof. Osman Isfen bloggt über Hagener Raserfall

19. Mai 2016: Nicht weit vom Campus der FernUniversität in Hagen liefern sich zwei Männer ein illegales Autorennen und verursachen einen schweren Verkehrsunfall. Eine Mitarbeiterin der FernUni ist als Ersthelferin vor Ort. Vier Menschen werden schwer verletzt. Ein sechsjähriger Junge ist erst nach mehreren Tagen außer Lebensgefahr. Gut ein Jahr später beginnt am 29. Mai vor dem Hagener Landgericht der Prozess zum Unfall auf der Hagener Feithstraße.

Im Gerichtssaal wird auch Prof. Dr. Osman Isfen sitzen, Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht an der FernUniversität. Er wird die Hauptverhandlung gegen die beiden Angeklagten mit einem Monitoring wissenschaftlich begleiten und nach jedem der fünf geplanten Verhandlungstage einen Beitrag in sein strafrechtliches Blog einstellen. Neben einer Zusammenfassung der Verhandlung will der Jurist auch eine erste rechtliche Einordnung vornehmen. Geplant ist zudem ein wissenschaftlicher Aufsatz, in dem Prof. Isfen einen Vergleich zum Berliner Raserfall ziehen wird.

Zur Erinnerung: Im Prozess um das illegale tödliche Autorennen in Berlin war erstmals in Deutschland in einem Autorennen-Fall Anklage wegen Mordes erhoben worden. Ein 69-jähriger Mann war auf dem Ku‘damm noch am Unfallort gestorben. Die beiden Angeklagten wurden im Februar dieses Jahres wegen Mordes verurteilt. Ihre Strafe lautet: lebenslange Haft, lebenslanger Führerscheinentzug.

Mit einer Prognose für den Hagener Raserfall hält sich Osman Isfen bewusst zurück. „Ob es eine Gefängnisstrafe geben wird, ist nicht abzuschätzen. Es wird spannend, wie das Berliner Urteil rezipiert wird“, sagt der Experte für Strafrecht.

Die Anklage in Hagen lautet auf vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässige Körperverletzung. „Selbstverständlich kann es aber dabei nach einem entsprechenden Hinweis des Gerichts auch um versuchten Mord gehen“, so Osman Isfen.

Insgesamt fünf Verhandlungstermine sind angesetzt, im Anschluss daran ist jeweils ein Blogbeitrag geplant: Montag, 29. Mai, Donnerstag, 1. Juni, Montag, 12. Juni, Donnerstag, 29. Juni, Montag, 3. Juli.

Zum strafrechtlichen Blog „Audiatur et altera pars“ von Osman Isfen

Was bringt gesellschaftliche Diversität?

16. Mai 2017

Im „wissenschaftsgespräch“ am 17. Mai analysiert Prof. Miles Hewstone von der Universität Oxford, welche Rolle gesellschaftliche Diversität für das Zusammenleben hat.

Welche Chancen und Risiken birgt die zunehmende Diversität in Gesellschaften für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion? Dieser Frage geht Prof. Dr. Miles Hewstone im „wissenschaftsgespräch“ der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen am Mittwoch, 17. Mai, nach.

Hewstone ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Oxford und Direktor des Oxford Centre for the Study of Intergroup Conflict. Seinen Vortrag hält er auf Englisch, anschließend können Fragen auf Deutsch gestellt werden. Interessierte sind im Seminargebäude der FernUniversität, Raum 1 bis 3, Universitätsstraße 33, 58097 Hagen, um 16 Uhr willkommen. Der Eintritt ist frei.

Das „wissenschaftsgespräch“ findet im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt.

Wie lässt sich das europäische Asylsystem verbessern?

16. Mai 2017

An welchen Stellen weist das europäische Asylsystem Defizite auf? Inwiefern sollte man es reformieren?

Der Asylrechtsexperte Kay Hailbronner hält am Donnerstag, 18. Mai, einen Vortrag in der FernUniversität in Hagen zum Thema „Das Gemeinsame Europäische Asylsystem aus der Perspektive des deutschen Asylrechts“. Die Veranstaltung ist Teil der öffentlichen Vortragsreihe „Europäische Verfassungswissenschaften“ des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften.

Der Vortrag beginnt um 17 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, in den Räumen 1 und 2, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen. Nach dem Referat ist noch Zeit für eine Diskussion eingeplant. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt.

„Dunkle Seele, feiges Maul“

14. Mai 2017

Entnazifizierung zwischen 1945 und 1951

Eine Veranstaltung im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität

Das nächste „Lüdenscheider Gespräch“ beschäftigt sich am Mittwoch, 17. Mai, mit der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Autor und Journalist Niklas Frank referiert zum Thema „‚Dunkle Seele, feiges Maul‘ – Entnazifizierung zwischen 1945 und 1951“. Im Fokus stehen für ihn besonders die Unterstützer des Nationalsozialismus, die sich scheinbar problemlos mit dem neuen System arrangieren konnten.

Neben Prominenten wie Lina Heydrich, Oskar von Hindenburg, Emmy Göring, Winifred Wagner und anderen interessiert sich Frank vor allem für die vielen unbekannten Nazis, die das unmenschliche System gestützt und bejubelt haben, ihre Mitmenschen denunzierten, bei der Judenverfolgung wegsahen und sich bei den Mächtigen anbiederten, nun aber für ihre Gesinnung geradestehen sollten.

Anhand zahlloser Akten erzählt Niklas Frank empörende, aber auch absurd komische Fälle voller Lug und Trug aus der Zeit der Entnazifizierung zwischen 1945 und 1951. Dreist verkauften damals Mitglieder und Nutznießer der NSDAP die Spruchkammern für dumm und retteten sich ohne Reue ins demokratische Deutschland.

Frank gewährt uns befremdliche Einblicke in den giftig-süßen Beginn der bundesdeutschen Demokratie und erschreckende in den Alltag des „Dritten Reichs“. Böse analysiert er, dass ein direkter Weg von damals zum heutigen Verhalten der schweigenden Mehrheit der Deutschen führt.

Niklas Frank, geboren 1939, ist Journalist und Buchautor. Er war über zwei Jahrzehnte Reporter beim STERN und ist Verfasser der familiären Aufarbeitungs-Trilogie „Der Vater“, „Meine Deutsche Mutter“ und „Bruder Norman!“.

Die öffentliche Veranstaltung der FernUniversität in Hagen beginnt um 18 Uhr im Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid. Die Teilnahme an der Vortragsreihe des Instituts für Geschichte und Biografie ist kostenlos.

Rudimentäres Wissen an der Wahlurne

2. Mai 2017

Wer keine Ahnung von Politik hat, wählt eher europaskeptische Parteien… Tatsächlich?

Angesichts jüngster Wahlerfolge populistischer Parteien – wie bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich – scheint es gesellschaftlicher Konsens zu sein, dass deren Wählerinnen und Wähler politisch eher unwissend sind. Der Sozialwissenschaftler Dr. Markus Tausendpfund von der FernUniversität in Hagen (Foto: Bernhard Kreutzer) fragte sich, ob das stimmt: Wie wirkt sich politisches Wissen von Bürgerinnen und Bürgern auf deren Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung aus?

Gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Dr. Daniela Braun von der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchte Tausendpfund mit Daten der European Election Study 2014 das Wahlverhalten der Bürgerinnen und Bürger bei der Europawahl 2014. Mit 42,6 Prozent war die Beteiligung an der EU-Wahl 2014 die niedrigste bei Direktwahlen des Europäischen Parlaments. Gleichzeitig erreichten euroskeptische Parteien den höchsten Stimmenanteil seit 1979.

„Je größer das politische Wissen, desto eher wird sich eine Person auch an einer Wahl beteiligen“, erläutert Dr. Tausendpfund, „das ist relativ gut erforscht“. Politisch Gebildete beteiligen sich auch eher an EU-Wahlen, weil sie deren Bedeutung erkennen. Nur wer das entsprechende Wissen hat, kann die hochkomplexen politischen und strukturellen Zusammenhänge der EU verstehen und die Bedeutung der Brüsseler Entscheidungen für alle EU-Bürgerinnen und EU-Bürger einschätzen.

Falsch wäre jedoch der Schluss, „dass jemand mit viel politischem Wissen nicht euroskeptisch wählt“, haben die Wissenschaftler festgestellt. „Wer zufrieden mit der Europäischen Union ist, tendiert seltener zu EU-kritischen Parteien. Wer mit der EU hadert, neigt ihnen eher zu“, sagt Tausendpfund.

Es gibt einen weiteren Grund, antieuropäisch zu wählen: Unzufriedenheit mit der eigenen nationalen Regierung: „Es kann auch um Denkzettel für nationale Eliten gehen“, sagt Tausendpfund.

Für den Wissenschaftler im Arbeitsbereich Quantitative Methoden der Hagener Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften ist die bisherige Vernachlässigung des politischen Wissens überraschend und besorgniserregend, „weil es für die politischen Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürgerinnen und Bürger außerordentlich bedeutend ist“.

Die Neigung zu Protestwahlen dürfte auf der EU-Ebene größer sein als etwa bei einer Bundestagswahl. Tausendpfund: „Die EU-Wahl wird als weniger wichtige ‚Nebenwahl‘ wahrgenommen. In Deutschland zum Beispiel liegt die Beteiligung daran mit etwa 45 Prozent auf eher schwachem Niveau.“ Das sei allerdings fatal, weil auf der EU-Ebene immer mehr Entscheidungen fallen, die auch für die Bürgerinnen und Bürger in den Nationalstaaten wichtig sind. „Die Bedeutung des Europäischen Parlaments wächst, die Beteiligung bei seiner Wahl sinkt. Der Bundestag wird als viel wichtiger wahrgenommen.“

Die Ergebnisse für die EU-Wahl sind, so Tausendpfund, nicht ohne weiteres auf die Bundestagswahl zu übertragen. Doch auch das bundespolitische Wissen der Deutschen sei „überschaubar“: „In Deutschland und in vielen anderen Staaten ist es mittelmäßig bis schwach und zudem auf niedrigem Niveau weit gespreizt. Den Homo Politicus gibt es eher nicht.“ Das sei problematisch, weil „rudimentäres Wissen an der Wahlurne“ im Gegensatz zur gesellschaftlich-politischen Erwartungshaltung stehe, sich im Sinn einer direkteren Demokratie immer stärker zu beteiligen.

Nur 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger wissen zum Beispiel, dass die Zweitstimme wichtiger ist als die Erststimme. Auch um weiteres Basiswissen – etwa zu Wahlgeheimnis oder 5-Prozent-Hürde – „ist es erschreckend bestellt“, so Tausendpfund, „vor allem bei Bürgerinnen und Bürgern, die sich im Alltag nicht mit Politik beschäftigen.“ Nicht besser sieht es aus, wenn es um Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker geht: Nur 20 Prozent der Befragten konnten zum Beispiel anlässlich der Europawahl 2014 Jean-Claude Juncker (Europäische Volkspartei) und Martin Schulz (Europäische Sozialdemokraten) ihren Fraktionen im Europäischen Parlament richtig zuordnen.

Beeinflusst wird das politische Wissen von Fähigkeiten wie Bildung, von Motivation wie das politische Interesse sowie von Gelegenheit wie der Nachrichtenkonsum. Dabei spielen die öffentlich-rechtlichen Medien und die Qualitätspresse eine große Rolle. Sie liefern ein großes Maß an politischem Wissen, während der Nachrichtenkonsum der privaten Fernsehsender, so Tausendpfund, einen eher schwachen bis negativen Effekt auf das politisches Wissen hat. Im Internet, auf Facebook & Co., könnten die Menschen „sich ihre eigene Medienwelt schaffen“.

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Bevor die Schlote rauchten

30. April 2017

Wirtschaftsgeschichte an Rhein und Ruhr

Wie sah die Wirtschaft an Ruhr und Rhein aus, bevor große Hochöfen brannten und überall Schornsteine qualmten? Dieser Frage wendet sich am Freitag, 5. Mai, die Fachtagung „Gespräche zur Regionalgeschichte an Rhein und Ruhr“ an der FernUniversität in Hagen zu.

Von 14.15 bis 18.30 Uhr wird das Thema „Wie man in vorindustrieller Zeit an Rhein und Ruhr wirtschaftete“ in verschiedenen Vorträgen beleuchtet. Tagungsort ist das Seminargebäude der FernUniversität, Räume 1 und 2, Universitätsstraße 33, 58097 Hagen.

Prof. Dr. Felicitas Schmieder (Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas an der FernUniversität in Hagen) und Dr. Stefan Pätzold (Ruhr-Universität Bochum) moderieren die Veranstaltung. Die Tagung findet im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können an der wissenschaftlichen Veranstaltung teilnehmen.

Programmübersicht: Von der Grafschaft Mark auf dem Weg zur Industrialisierung bis zur Falschmünzerei im südlichen Westfalen

„Die Türkei ist mein Land!“

21. April 2017

Dr. Utku Sayin sprach an der FernUni über die Lage in der Türkei

„Die Türkei ist nicht Erdoğans Land. Sie ist mein Land!“ Irgendwann, so ist Dr. Utku Sayin (Foto: FernUni) optimistisch, wird er wieder gefahrlos in seine Heimat zurückkehren können. Der Unterzeichner einer Petition gegen die Politik der türkischen Regierung im kurdischen Teil des Landes muss dort mit Repressalien rechnen.

Kurz vor dem Ende seiner dreimonatigen Arbeit als Gastwissenschaftler im Lehrgebiet Bildung und Differenz von Prof. Dr. Katharina Walgenbach vermittelte Sayin 40 Interessierten aus allen Bereichen der FernUniversität in Hagen einen Eindruck von der aktuellen Situation türkischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nicht auf der Erdoğan-Linie liegen. Sein Vortrag hatte den Titel „Human Rights in the Academy. Zur aktuellen Situation von Hochschulangehörigen in der Türkei“.

Der Sonderpädagoge war bis zum 18. August 2016 Assistent Professor an der staatlichen Mustafa Kemal University (MKU). Als einer von 1.128 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hatte er zuvor die Petition „Wir werden nicht Teil des Verbrechens sein“ unterzeichnet. Nach neuen heftigen Beleidigungen Präsident Erdoğans gegen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Petition stieg deren Zahl sogar auf 2.212.

Durch die Kampfhandlungen im kurdischen Gebiet starben in den Jahren 2015 und 2016 rund 2.000 Menschen, davon 800 Zivilisten. 6.500 Menschen wurden verletzt, 1,5 Millionen verloren ihre Heimat. Sayin zeigte hierzu Bilder von Panzern in Innenstädten und von Menschen, die auf grausamste Weise getötet wurden.

„Jagd“ auf Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Petition

Nach seinen Worten begann an allen türkischen Universitäten nun „eine Jagd“. Gegen 492 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien disziplinarische Ermittlungsverfahren eingeleitet und 75 entlassen worden, 25 von sich aus ausgeschieden. Folge seien große Probleme in der Lehre. Auch gegen Sayin leitete das neue MKU-Rektorat eine Untersuchung ein: Sein Vertrag wurde nicht mehr erneuert.

Die MKU übergab Sayins Akte der staatlichen Ermittlungsbehörde. Den Petitionsunterstützern drohen auch von dort Maßnahmen. 306 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien mit einem staatlichen Einstellungsverbot für die öffentlichen Dienste belegt, 50 in Untersuchungshaft genommen und vier inhaftiert worden, so der Referent. Auch ihm wurde bescheinigt, dauerhaft disqualifiziert für den öffentlichen Dienst zu sein. Ebenfalls Repressalien wie Zwangsversetzungen sind Promovierende in staatlichen Forschungsprogrammen ausgesetzt.

Viele Studierende könnten ihre Studien nicht aufnehmen oder fortsetzen, laufende Stipendien würden eingestellt, staatlich geförderte Auslandsaufenthalte beendet und Abschlussarbeiten unterbrochen, so Sayin. Es gäbe zwar keine amtlichen Zahlen, „aber wir wissen, dass 2.459 Studierende 2014 in Haft waren – diese Zahl hat sich drastisch erhöht. Ein zerbrochener roter Schirm oder das Mitführen des ‚Kommunistischen Manifests‘ können ausreichen.“

Würde Sayin heute zurückkehren, drohen ihm – wie anderen – Inhaftierung und zwangsweise Arbeitslosigkeit. Sein Name stehe auf einer Liste mit Personen, die per Dekret für Jobs im öffentlichen Dienst gesperrt sind. Private Arbeitgeber, die so geächtete einstellen, müssten selbst mit Repressalien rechnen. Wieder ausreisen aus der Türkei dürfte Sayin aber wohl auch nicht mehr. Aus Sorge, seinen Reisepass abgenommen zu bekommen, beteiligte er sich in Deutschland nicht am Referendum über eine Präsidialverfassung in der Türkei.

Weitere konkrete Gefahren sind die Sperrung seines Bankkontos und die Beschlagnahmung seines Vermögens. „Das wäre sein ‚sozialer Tod‘“, kommentierte Katharina Walgenbach. Das türkische Konsulat in Essen verweigerte dem türkischen Staatsbürger sogar die Unterstützung bei der Visa-Beantragung für seine Frau und seine beiden Kinder.

„Europa verschließt die Augen!“

Sayin hat jetzt begonnen, Deutsch zu lernen. Für die nächsten drei Monate ist er durch eine weitere Tätigkeit an der Universität Bielefeld sicher. Danach will er versuchen, eine Unterstützung der Philipp Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung zu bekommen, mit der Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland gefährdete Forschende für 24 Monate aufnehmen können (https://www.humboldt-foundation.de/web/philipp-schwartz-initiative.html). Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Organisationen – unter ihnen die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) – haben sich vernetzt, um verfolgten türkischen Kolleginnen und Kollegen zu helfen: „Der Bedarf ist enorm gestiegen“, betont Katharina Walgenbach. Über Kolleginnen hatte sie im Herbst 2016 vom Schicksal Sayins erfahren und spontan ihre Hilfe angeboten.

Sayins ist überzeugt, dass über solche wertvollen Einzelinitiativen hinaus die europäischen Universitäten das zentrale staatliche Kontrollgremium türkischer Hochschulen YÖK dazu bewegen müssen, gesetzliche Vorschriften, akademische Rechte und wissenschaftliche Ethik zu respektieren: „Statt die Augen zu verschließen muss Europa mit den türkischen Wissenschaftlern solidarisch sein!“ Dennoch: „Ich bin traurig, aber auch zuversichtlich, dass ich von hier aus etwas bewegen kann!“

Utku Sayin hielt seinen Vortrag auf Türkisch. Übersetzt ins Deutsche wurde er von Nurten Karakaş, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim. Die – angesichts der Urlaubszeit erstaunlich vielen – Interessierten diskutierten mit Sayin ausführlich auf Englisch.

„Wir werden nicht Teil des Verbrechens sein“

12. April 2017

Verfolgter Wissenschaftler spricht über die Situation an türkischen Hochschulen

Wenn Dr. Utku Sayin (Foto: FernUni) am heutigen Mittwoch, 12. April, in der FernUniversität in Hagen die aktuelle Situation der Wissenschaft in der Türkei darstellt, dann spricht er darüber als ein selbst Betroffener. Zu seinem Vortrag „Human Rights in the Academy. Zur aktuellen Situation von Hochschulangehörigen in der Türkei“ sind alle Hochschulangehörigen eingeladen, auch externe Gäste sind willkommen.

Der türkische Wissenschaftler war bis zum 18. August 2016 Assistent Professor an der staatlichen Mustafa Kemal University (MKU). Er hatte – wie 1.127 Kolleginnen und Kollegen – die Petition „Wir werden nicht Teil des Verbrechens sein“ unterzeichnet, die sich gegen die Politik der türkischen Regierung gegen kurdische Zivilisten im Südosten des Landes richtete, bei der 800 Menschen starben und 1,5 Millionen ihre Heimat verloren. Nach heftigen Vorwürfen von Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Zahl der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner auf 2.212. Laut Sayin begann an allen türkischen Universitäten nun „eine Jagd“ auf sie.

Gegen ihn leitete das neue MKU-Rektorat eine disziplinarische Untersuchung ein. In der Folge wurde sein Vertrag nicht mehr erneuert und ihm wurde bescheinigt, dauerhaft disqualifiziert für den öffentlichen Dienst zu sein.

Bereits zuvor hatte die türkische Strafverfolgungsbehörde ihn der Propaganda für die terroristische PKK bezichtigt. Nun droht ihm in der Türkei sogar die Inhaftierung. Die türkische Regierung ihn von allen öffentlichen und privaten Arbeitsmöglichkeiten ausgeschlossen und ihm wichtige Bürgerrechte aberkannt. Sein Reisepass ist ungültig. Die Regierung kann sein Bankkonto und seinen Besitz beschlagnahmen.

Die Informationsveranstaltung findet am 12. April von 14 bis 16 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 4 und 5, statt. Sie richtet sich an alle Hochschulangehörigen. Auch externe Gäste sind willkommen. Veranstalter ist das Lehrgebiet Bildung und Differenz von Prof. Dr. Katharina Walgenbach, bei der Dr. Sayin seit Januar als Gastwissenschaftler tätig ist. Seinen Vortrag hält er auf Türkisch, für eine Übersetzung ins Deutsche ist gesorgt.

FernUni: Psychologie vorerst weiter ohne Numerus Clausus

11. April 2017

Für den hoch nachgefragten Masterstudiengang Psychologie wird die FernUniversität in Hagen im kommenden Wintersemester keinen Numerus Clausus (NC) einführen. Das ist das Ergebnis eines Gespräches von Hochschulleitung, Vertretern der Psychologie und dem nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium. Es gelten weiterhin die bisherigen Zugangsvoraussetzungen.

Mit Unterstützung der Hochschulleitung und zusätzlichen befristeten Professuren und Mitarbeitenden werden die psychologischen Lehrgebiete versuchen, die Überlast im kommenden Semester zu bewältigen und dabei die Qualität in der Lehre sicher zu stellen.

Unstrittig ist zwischen allen Seiten, dass die Belastungssituation im Fach Psychologie die Grenze des Erträglichen erreicht hat. Das gilt gleichermaßen für die Lehrenden wie für die Studierenden. Denn auch im Fernstudium werden für das berufsqualifizierende Masterstudium diagnostisch ausgerichtete Praktikumsplätze benötigt und Seminare in kleineren Gruppen veranstaltet werden. Nicht zuletzt sind für die empirisch ausgerichteten Masterthesen entsprechende Betreuungskapazitäten erforderlich. Auch die Studierenden im Studiengang spüren mittlerweile die Engpässe.

Nachdem ein ganzes Bündel von Maßnahmen keinen dauerhaften Erfolg gezeigt hat und Kapazitäten endlich sind, sollte ein Numerus Clausus die Zahl der Einschreibungen in den Masterstudiengang reduzieren. Allerdings bietet das Hochschulzulassungsgesetz, nach dem dieses Verfahren abgewickelt werden müsste, für die Besonderheiten der FernUniversitäts-Studierenden keinen geeigneten Rahmen. Aus diesem Grund ist die schnelle Einführung eines NCs zum kommenden Wintersemester in einer für die FernUniversität und ihre Studierenden angemessenen Form nicht möglich.

Die FernUniversität wird daher mit dem Wissenschaftsministerium weiter über ein für Hochschule und Studierenden passendes NC-Verfahren verhandeln und plant dessen Einführung zum Wintersemester 2018/19. Parallel dazu wird sie ihre Anstrengungen verstärken, eine höhere Grundfinanzierung für die Hochschule zu erwirken, um den Lehrkörper z.B. in der Psychologie dauerhaft aufzustocken.

Der Druck steigt weiter

31. März 2017

FernUni: Zur aktuellen Situation türkischer Hochschulen

In der Türkei wächst der Druck auf die Hochschulen und ihre Beschäftigten. Dr. Utku Sayin, zurzeit Gastwissenschaftler an der FernUniversität in Hagen, berichtet am Mittwoch, 12. April, aus eigenem Erleben über die aktuelle Situation in seiner Heimat.

Zu seinem Vortrag „Human Rights in the Academy. Zur aktuellen Situation von Hochschulangehörigen in der Türkei“ von 14 bis 16 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 4 und 5, sind alle Hochschulangehörigen eingeladen. Auch externe Gäste sind willkommen. Veranstalter ist das Lehrgebiet Bildung und Differenz.

Dr. Utku Sayin, früherer Assistent Professor an der türkischen Mustafa Kemal Universität, ist einer von über 2.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern der Academics for Peace-Petition. Viele von ihnen wurden festgenommen oder aus dem Dienst entlassen, anderen wurde die Teilnahme an akademischen Aktivitäten im Ausland verweigert. Auch Sayin ist massiven beruflichen Nachteilen ausgesetzt.

Er wurde hierzu bereits von deutschen und türkischen Medien interviewt. Von Januar bis April 2017 ist er als Gastwissenschaftler im Lehrgebiet Bildung und Differenz von Prof. Dr. Katharina Walgenbach tätig. Seinen Vortrag hält er auf Türkisch, für eine Übersetzung ins Deutsche ist gesorgt.

In der Türkei werden Universitäten geschlossen, Hochschulangehörige entlassen, Rektoren und Dekane abgesetzt, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Ausreise verboten. Hunderte Beschäftigte an Hochschulen wurden verhaftet.

Zahlreiche Wissenschaftsorganisationen wie der DAAD oder die European University Association äußerten sich besorgt über die Einschränkung akademischer Freiheiten und Menschenrechte an türkischen Universitäten. „Die tiefen, offenbar skrupellosen Einschnitte in die akademischen Freiheiten durch die türkische Regierung machen uns alle fassungslos. Wir protestieren gegen dieses Vorgehen auf das Schärfste“, so der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Horst Hippler, im Juli 2016.

FernUni: Aus für Eintrittsgeld

29. März 2017

Oberverwaltungsgericht Münster erklärt Grundgebühr der FernUniversität für unzulässig

Die Grundgebühr im alten Gebührenmodell der FernUniversität in Hagen ist nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts in Münster zwar von der Hochschulabgabenverordnung aber nicht vom Gesetz gedeckt. Das machte das Gericht nach der Anhörung am Dienstag, 28.März 2017, in seiner mündlichen Urteilsverkündung klar. Die schriftliche Begründung liegt noch nicht vor. Das Gericht hat damit das Urteil des Verwaltungsgerichtes Arnsberg vom April 2015 bestätigt.

Die FernUniversität in Hagen hatte zum Sommersemester 2014 im damaligen Gebührenmodell die Kosten für die allen Studierenden gleichermaßen zur Verfügung stehende Infrastruktur in einer Grundgebühr von 50 Euro pro Semester zusammengefasst. Gleichzeitig war der Beitrag für Studienmaterial und Betreuung von 20 Euro auf 12,50 Euro je belegter Semesterwochenstunde reduziert worden. Vor allem die große Mehrheit der in der Regelstudienzeit Studierenden profitierte von dieser neuen Regelung.

Allerdings hatten sieben Studierende gegen die Grundgebühr vor dem Verwaltungsgericht in Arnsberg geklagt und gewonnen. Die FernUniversität in Hagen hatte nach Prüfung der Urteilsbegründung zwar Berufung eingelegt. Sie hatte aber ebenso ihr Gebührenmodell wieder auf ein Verfahren ohne Grundgebühr umgestellt. Die Studierenden zahlen seit dem Wintersemester 2015/16 wieder 20 Euro pro belegter Semesterwochenstunde.

Für die klagenden Studierenden bedeutet das Urteil, dass sie die Grundgebühr nicht zahlen müssen. Für alle anderen Studierenden hat das Urteil jedoch keine Auswirkungen, da sich seine Wirkung unmittelbar nur auf die Kläger erstreckt.

LautSprecher Hitler

19. März 2017

Vortragsreihe „wissenschaftsgespräche“ der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften

22.03.2017 um 16:00 Uhr
Seminargebäude der FernUniversität, R. 1 – 3, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen

Referentin: Dr. Cornelia Epping-Jäger Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte der Medienkulturen

Der Vortrag analysiert die Stimmpolitiken des Nationalsozialismus, wobei die Frage im Vordergrund steht, inwieweit der NS wesentlich phonozentrisch agierte und seine politische Wirkung über akustische Evidenzstrategien organisierte. Die Verknüpfung von technischen Apparaturen, Stimmen der Redner, Instanzen der ideologisch-rhetorischen Aufrüstung sowie von Formen der Massenadressierung wird als ein von der NSDAP konzipierter medialer Großversuch beschrieben, in dessen Verlauf sich das der performativen Inszenierung von politischen Stimmen dienende Mediendispositiv LautSprecher herausbildete.

Die politisch-propagandistische Wirkung des NS wird also über visuelle Medien und das Medium Rundfunk hinaus vor allem dem Dispositiv LautSprecher zugeschrieben.


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