Archive for the ‘07 Wissenschaft Hagen’ Category

Selbstbewußtsein und Zeit: Friedrich Hölderlin

24. September 2021

Im Jahre 2020 jährte sich der Geburtstag des Ausnahmedichters Friedrich Hölderlin (1770-1843) zum 250. Mal. Bedingt durch die Pandemie fielen zahlreiche Veranstaltungen, die an ihn erinnern sollten, aus.

Das „Forum philosophicum“ der FernUniversität in Hagen holt eine auch für Hagen geplante Hommage jetzt mit einer Veranstaltung nach, die Hölderlin als Dichter, zugleich aber auch als Denker würdigt. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der Verschränkung von Selbstbewusstsein und Zeitbewusstsein bei einem Meister der Sprache, dem die philosophischen Koryphäen seiner Zeit nicht unbekannt waren.

Der Referent, Dr. Werner Schmitt, war der letzte Assistent des Frankfurter Sprachphilosophen Bruno Liebrucks (1911-1986), der dem Werk Friedrich Hölderlins den stattlichen siebten Band seines Hauptwerkes „Sprache und Bewußtsein“ gewidmet hat.

Liebrucks wie auch Schmitt sind dabei konsequent der Frage nachgegangen, inwiefern erst ein Verständnis des Hegelschen „Begriffs des Begriffs“ die logischen wie auch die unausweichlich mythischen Räume erschließen kann, die Hölderlins Dichtung aufrufen. Sie sind dabei bis zu der Frage vorgestoßen, ob Hölderlin nicht Zeuge einer absoluten Sprachlichkeit ist, die unsere logischen Welten noch einmal auf eine eigene Fülle-Erfahrung hin übersteigt.

Die Veranstaltung findet am 30. September ab 16.30 Uhr in der FernUniversität in Hagen, Universitätsstr. 33, Gebäude 2, Raum 1 bis 3, 58097 Hagen, statt. Alle Interessierten sind willkommen, der Eintritt ist frei, Corona-Regeln sind zu befolgen.

Rassismus und Ausgrenzung – ein Beitrag zur Prävention

23. September 2021

Antisemitismus-Beauftragte informierte sich über den Forschungsverbund CoVio von FernUni und Ruhr-Universität

Drei Jahre lang entwickeln Forschende im Rahmen einer Forschungskooperation der FernUniversität in Hagen und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) den neuen weiterbildenden Masterstudiengang „Kollektive Gewalt, Antisemitismus und Prävention“. Der Forschungsverbund CoVio (Collective Violence) wird vom Land NRW mit 1 Million Euro gefördert. Über den Stand der Planungen hat sich die Antisemitismus-Beauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger jetzt an der RUB informiert.

Leutheusser-Schnarrenberger sieht einen breiten Bedarf für den Master – bei Lehrerinnen und Lehrern, in Verwaltungen des Öffentlichen Dienstes oder der Justiz, bei Polizei und Sicherheitsbehörden.

Mit dem Institut für Diaspora- und Genozidforschung der RUB und seiner fachübergreifenden Vernetzung sowie der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften an der FernUniversität stehen die Forschung und künftige Lehre auf einer breiten wissenschaftliche Basis, um das Thema Antisemitismus und kollektive Gewalt zu bearbeiten.

FernUni unterstützt „Zukunftszentrum KI NRW“

22. September 2021

Mit menschlicher Kompetenz Künstliche Intelligenz für Unternehmen besser nutzen

Künstliche Intelligenz (KI) in mittelständischen Unternehmen erproben, in Betrieben vor Ort einführen und daraus Lehr- und Lernkonzepte für andere Unternehmen ableiten: Das sind die Aufgaben des „Zukunftszentrums KI NRW“. Die FernUniversität in Hagen bringt ihre Expertise für innovative Lehr-Lern-Konzepte auf Grundlage neuester technologischer und pädagogischer Erkenntnisse in dieses Projekt ein.

Ziel des Zukunftszentrums Künstliche Intelligenz NRW (ZuZ KI NRW) ist es, vor allem produzierende kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dahingehend zu beraten, KI-Verfahren und digitale Transformation für neue und optimierte Arbeits- und Geschäftsprozesse zu nutzen. Doch ohne die Einbindung der beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auch die besten Konzepte wertlos, daher richtet sich das Angebot auch an Betriebsräte und Beschäftigte.

„Es geht um die Erprobung innovativer Lehr-Lern-Konzepte, mit denen Kompetenzen für den digitalen Wandel erworben werden können“, so Dr. Sylke Lützenkirchen, die zusammen mit Natán Azabal im FernUni-Referat für Transfer und Alumni an der praktischen Umsetzung des Vorhabens arbeitet.

Für die Bewältigung des digitalen Wandels auf der betrieblichen Ebene müssen innovative Lernsettings bzw. Lern- oder Qualifizierungsinhalte entwickelt werden. „Das können zum Beispiel auch innovative Methoden und Möglichkeiten der Beteiligung von Beschäftigten an der Gestaltung sein“, erläutert Lützenkirchen.

Hinter dem ZuZ KI NRW stehen die beiden Bildungswerke der NRW-Sozialpartnerinnen und -Sozialpartner, die TBS Technologieberatungsstelle beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und das Bildungswerk der NRW-Wirtschaft (BW.NRW), die Gewerkschaften IG-Metall und IG BCE NRW sowie ZENIT als Innovations- und Technologie-Transferagentur des Mittelstands und des Landes NRW.

Die Agentur Mark vertritt in diesem Kreis die NRW-Regionalagenturen, die FernUniversität in Hagen und die Universität Siegen bringen ihre wissenschaftliche Kompetenz in das Gemeinschaftsprojekt ein, das von Unternehmer.NRW und DGB NRW unterstützt wird. Konsortialführer ist die nordrhein-westfälische Innovations- und Technologie-Transferagentur Zenit GmbH.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW fördern das Vorhaben für zunächst zwei Jahre mit rd. 5,3 Mio. EUR. Insgesamt soll das Projekt bis 2027 laufen.

Transferbüro der FernUniversität: https://www.fernuni-hagen.de/forschung/transfer/transferbuero-hagen.shtml
Kurzvorstellung ZuZ KI NRW: http://www.zenit.de/wp-content/uploads/One-Pager-ZuZ-ZENIT.pdf

Ada Pellert bleibt Rektorin der FernUniversität

19. September 2021

pellert-wiederwahl-vortragIn der hybriden Hochschulwahlversammlung stellte FernUni-Rektorin Ada Pellert das Arbeitsprogramm für ihre zweite Amtszeit vor. Foto: Fernuni.

Die 59-jährige österreichische Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin steht seit 2016 an der Spitze der einzigen staatlichen Fernuniversität Deutschlands.

Hochschulrat und Senat der FernUniversität hatten Ada Pellert dazu aufgefordert, erneut für das Amt der Rektorin zu kandidieren. Bei der Wahl gab es keine Gegenkandidatinnen oder ‑kandidaten. Mit 93% Ja-Stimmen erzielte die Rektorin ein deutliches Wahlergebnis. Nach ihrer ersten, sechsjährigen Amtszeit, die im März 2016 begann, schließt sich ab März 2022 nun, entsprechend der Grundordnung der FernUniversität, eine zweite, vierjährige Amtszeit bis 2026 an.

In ihrer Bewerbungsrede skizzierte die amtierende Rektorin ihr Arbeitsprogramm für die Zeit von 2022 bis 2026. Im Mittelpunkt steht für Pellert die Mission des lebenslangen Lernens: „Wir sind die Universität des lebenslangen Lernens. Wenn es uns gelingt, die inhaltliche Qualität und das Themenspektrum einer öffentlichen Universität mit der Flexibilität, der Servicequalität und dem offensiven Außenauftritt der privaten Hochschulen zu verknüpfen, dann sind wir unschlagbar!“

Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin Ada Pellert (Jahrgang 1962) ist seit März 2016 Rektorin der FernUniversität. Zuvor war sie von 2009 bis 2015 Gründungspräsidentin der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin. Zudem war sie von 2011 bis Februar 2016 Präsidentin der Carl Benz Academy in Peking. Als Hochschullehrerin und -managerin war sie davor in verschiedenen Funktionen an der Donau-Universität Krems, der Universität Klagenfurt und der Universität Graz tätig.

Seit den 1990er Jahren ist sie in der international vergleichenden Bildungs- und Hochschulforschung, der Weiterbildung von Hochschullehrenden sowie der Beratung von Hochschuleinrichtungen aktiv. Promoviert zur Doktorin der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften hatte Ada Pellert 1987 an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Seit September 2016 ist Ada Pellert Vorsitzende der Kooperationsplattform Digitale Hochschule NRW (DH-NRW), seit August 2018 Mitglied des Digitalrates der Bundesregierung.

Arbeit gegen Antisemitismus

15. September 2021

Mit dem Thema Antisemitismus befasst sich ein neuer Weiterbildungsstudiengang, den die Ruhr-Uni Bochum und die Fernuni Hagen gemeinsam konzipieren. Unter dem Titel „Kollektive Gewalt, Antisemitismus und Prävention“ entwickeln Forschende der Hagener Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und des Bochumer Instituts für Diaspora- und Genozidforschung derzeit ein digitales Studienangebot.

Der Masterstudiengang richtet sich an Lehrkräfte, Mitarbeitende in Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen, Mitarbeitende in Verwaltung, Justiz und Politik.

Corona und Klima – zwei Krisen, eine Strategie?

14. September 2021

Der gut besuchte Politische Salon Hagen lieferte unter dem Titel „Klimaneutraler Umbau der Wirtschaft“ einen konstruktiv-kontroversen Diskussionsabend im Emil Schumacher Museum

politischer-salon-töllerProf. Annette Elisabeth Töller und Andreas Meyer-Lauber saßen auf dem Podium. Foto: FernUni.

In ihrem Buch „Covid-19: Der große Um­bruch“ – 2020 vom Weltwirtschaftsforum herausgegeben – fordern die Autoren Klaus Schwab und Thierrey Malleret eine Neugestaltung der weltweiten Gesellschaft und Wirtschaft nach ökologischen, solidarischen, inklusiven und ethischen Prinzipien. Schon die literarische Grundlage des Abends, zu dem FernUniversität, Schumacher Museum und Theater Hagen eingeladen hatten, gab Anlass zu kritischer Auseinandersetzung: Ist das Buch bloß trivial und polemisch oder meinungsstark und leidenschaftlich?

Leidenschaftlich und lebhaft war auf jeden Fall die Diskussion entlang der großen Linien Klimaschutz, Energieressourcen und -träger, Ordnungspolitik und Umverteilung – im Kleinen wie auf globaler Ebene. Die Corona-Krise bildete dafür den Hintergrund.

Klimaschutzgesetz: Maßnahmen unzureichend

Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller von der FernUniversität dämpfte den aufkeimenden Optimismus des Buches, dass nun alles anders und vor allem besser werden könne. „Langfristig führen Krisen nicht zu Veränderungen. Die Pandemie hat uns allerdings gravierende Einschnitte vor Augen geführt und sensibilisiert uns für Gefahren, die auch durch den Klimawandel auf uns zukommen.“

Auf die wiederum reagiere die Politik zu inkonsequent. Beispiel Klimaschutzgesetz: Das wurde auf Druck des Bundesgerichtshofs-Urteils angepasst, allerdings ohne die dringend erforderlichen Maßnahmen dafür festzulegen. „So sind die Reduktionsziele nicht zu erreichen“, kritisiert Töller. Sie ist Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen, der Empfehlungen für die Umweltpolitik der Bundesregierung erarbeitet. „Ausgerechnet in der Klima- und Umweltpolitik kommt immer was dazwischen. Dann wird die Industrie im Kanzleramt vorstellig und die Maßnahmen verschwinden aus dem Programm.“

„Klein-klein“ versus globale Lösungen

Kommt es im Kampf um den Klimawandel überhaupt auf Deutschland an? Wie steht es mit der Verantwortlichkeit: Staat, Industrie, Einzelne? An diesen Fragen schieden sich ebenfalls die Geister auf dem Podium und im Auditorium, das sich rege beteiligte. Die Empfehlungen zu Reduktion und Verzicht stoßen auf Forderungen nach einem Weiter-so und mehr Wachstum. Während die einen auf Technologie setzen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern, mahnen die anderen den schonenderen Umgang mit Ressourcen an.

Prof. Dr. Görge Deerberg appellierte: „Wir brauchen den Austausch, den Diskurs zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft – so wie heute Abend hier.“ Der Chemieingenieur, der an der FernUniversität in den Studiengang Umweltwissenschaften eingebunden ist, spricht sich für globale Lösungen und finanzielle Anreize aus, um den Umstieg auf andere Energieträger voranzubringen. Für den Umbau der Wirtschaft sei künftig mehr Strom notwendig – aus welcher Ressource am nachhaltigsten?

Wasserstoff-Hype

Die regionale Stahlindustrie setzt dabei auf Wasserstoff. Das Hagener Kaltwalzwerk hat bereits ein eigenes Netz aufgebaut und plant weiter auszubauen. Podiumsteilnehmer Dr. Heino Buddenberg, Technischer Geschäftsführer bei C. D. Wälzholz. „Wir wollen Klimaneutralität im eigenen Unternehmen.“

Wasserstoff als zukunftsträchtiger Ersatz für fossile Brennstoffe oder doch nur heiße Luft? Wissenschaftlerin Töller zieht ein aktuelles Gutachten des Sachverständigenrats heran. Es warne vor dem „Wasserstoffhype“ und plädiere dafür, den Einsatz stark zu begrenzen – „und insbesondere auf ökologische sowie soziale Kriterien zu achten“.

Fazit

Zum Ende des Politischen Salons fasste Schirmherr Andreas Meyer-Lauber zusammen: „Die Lage ist offenkundig so komplex, dass wir sie nur gemeinschaftlich bewältigen können. Wir brauchen den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Das ist wohl der gemeinsame Nenner beider Krisen.

FernUni-Podcast „Lernen neu denken“ gestartet

21. August 2021

Bildungspolitik unter der Lupe: Expertinnen und Experten der Parteien zur Bundestagswahl im Vier-Augen-Gespräch

BTW 2021„Lernen neu denken“ heißt der neue Podcast der FernUniversität in Hagen. Zur Bundestagswahl am 26. September hat sich Rektorin und Bildungsexpertin Ada Pellert die Programme der Parteien genau angeschaut und führende Bildungspolitikerinnen und -politiker aus dem Deutschen Bundestag gefragt, wie sie sich für lebensbegleitendes Lernen einsetzen wollen. Jetzt ist die erste Folge der Interview-Reihe erschienen (https://newlearning.fernuni-hagen.de/).

Klimakrise, Digitalisierung, Globalisierung – unsere Lebens- und Arbeitswelt verändert sich rasant. Lebenslanges Lernen wird immer mehr zu einem Stützpfeiler sowohl für individuellen Erfolg als auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Denn Deutschland lebt vom Wissen, und wir werden immer wieder und immer schneller Neues lernen müssen.

„Wir stehen vor einer Richtungswahl – auch was die Bildung in unserem Land angeht“, stellt Ada Pellert fest. „Wenn wir die Zukunft aktiv gestalten wollen, müssen wir über die entsprechenden Kompetenzen und das Know-how verfügen. Deshalb wollte ich von führenden deutschen Bildungspolitikerinnen und -politikern wissen: Wie können wir Lernen neu denken?“

Der Blick in die Wahlprogramme der Parteien zeigt: Sie haben recht unterschiedliche Vorstellungen davon, wie lebensbegleitendes Lernen aussehen soll. Ada Pellert, auch Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung, sprach mit den bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprechern von Die Linke, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, SPD und CDU/CSU. „Wir brauchen eine mutige Bildungspolitik, die Wandel ermöglicht und die nötigen finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen schafft“, fordert Pellert.

Im Podcast befragt sie ihre Gäste zu den bildungspolitischen Versprechen der Parteien zur Bundestagswahl und spricht mit ihnen über Lernerlebnisse, Fehlerkultur und die Tücken des deutschen Bildungssystems. „Die neue Bundesregierung muss zusammen mit den Ländern die Ärmel hochkrempeln. Bildungspolitik ist Zukunftspolitik. Wir brauchen eine nationale Strategie des lebensbegleitenden Lernens“, so Pellert.

Folge 1, ab 19. August: Ada Pellert im Gespräch mit Dr. Birke Bull-Bischoff MdB (Die Linke), Bildungspolitische Sprecherin

Bull-Bischoff fordert ein „Recht auf Weiterbildung“ und sagt, die bildungspolitischen Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern sollten neu verhandelt werden. Die Bildungsfinanzierung solle für den Bund keine Kann-Frage mehr sein, sondern zur Pflichtaufgabe werden.

Folge 2, ab 26. August: Ada Pellert im Gespräch mit Dr. Jens Brandenburg MdB (FDP), Sprecher für Studium, berufliche Bildung und Lebenslanges Lernen

Brandenburg schlägt eine digitale Bildungsarena vor, in der der Zugang zur Weiterbildung per Smartphone so einfach wird wie das Online-Shopping. Zudem setzt er sich für eine European Digital University ein, die über die Grenzen der Bildungssysteme und Länder hinweg die beste Lehre aus ganz Europa bündeln solle.

Folge 3, ab 02. September: Ada Pellert im Gespräch mit Kai Gehring MdB (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule

Gehring setzt sich für einen individuellen Rechtsanspruch auf Weiterbildung sowie eine Grundsicherung für Menschen in Studium und Ausbildung ein. Mehr Bildungsgerechtigkeit und eine bessere Kooperationskultur im Bildungssystem seien die Voraussetzung für klimagerechten Wohlstand, gesellschaftliche und technische Innovationen.

Folge 4, ab 09. September: Ada Pellert im Gespräch mit Oliver Kaczmarek MdB (SPD), Bildungspolitischer Sprecher

Kaczmarek fordert ein Ende des Kooperationsverbots im Bildungsbereich. Er möchte mehr Geld für Bildung ausgeben, in die digitale Infrastruktur sowie in die Aus- und Weiterbildung investieren – beispielsweise in bezahlte Bildungszeiten für Beschäftigte, ein Bafög ohne Altersgrenzen und eine nationale Bildungsplattform.

Folge 5, ab 16. September: Ada Pellert im Gespräch mit Katrin Staffler MdB (CDU/CSU), Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung

Staffler möchte den Bildungsföderalismus nicht abschaffen. Aber sie wünscht sich niedrigere bürokratische Hürden, damit Ideen in Zukunft leichter umgesetzt werden können. Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen und niedrigschwellige Bildungsangebote schaffen, dafür möchte sie sich einsetzen.

Blog zu New Learning

Zeitgleich mit dem Podcast „Lernen neu denken“ hat die FernUniversität in Hagen ihren neuen New-Learning-Blog an den Start gebracht: Unter newlearning.fernuni-hagen.de/ bloggen Bildungsexpertinnen und –experten der FernUni und der New-Learning-Community regelmäßig zu aktuellen bildungsrelevanten Themen.

Erstaunliche Gemeinsamkeiten

9. August 2021

FernUni-Professor Robert Schmidt hat Parallelen zwischen Klima- und Corona-Krise erkannt

schmidt_robert FernuniCorona-Pandemie und Klimakrise: Bei aller Unterschiedlichkeit haben beide viel mehr miteinander gemein als nur die Tatsache, dass sie die ganze Welt vor riesige Herausforderungen stellen. Das Klimaproblem analysiert Prof. Dr. Robert Schmidt (Foto: privat) bereits seit Jahren aus ökonomischer Sicht, jetzt hat der Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Mikroökonomie an der FernUniversität in Hagen „erstaunliche Parallelen zwischen Klima- und Coronakrise“ erkannt: „Die Coronakrise kann als ‚Lehrstück‘ dafür betrachtet werden, wie insbesondere demokratische Staaten mit Problemen einer bestimmten Art umgehen.“

Da die beiden Probleme unterschiedlich schnell verlaufen, werden etwaige Fehler der Politik beim Umgang mit der Coronakrise schon nach einigen Wochen sichtbar, wohingegen der dramatische Mangel an adäquater Bekämpfung des Klimawandels erst mit vielen Jahren Verzögerung sichtbar wird: „Vielleicht können aus der Coronakrise Lehren für den Umgang mit dem Klimawandel gezogen werden“, hofft Prof. Schmidt.

Eine von mehreren Gemeinsamkeiten zwischen Corona-Pandemie und Klimawandel ist, dass bei beiden Krisen frühzeitige Anstrengungen entscheidend sind, um spätere Schäden – wirtschaftliche wie menschliche – drastisch zu reduzieren. Daher ist frühzeitiges, sehr vorausschauendes Handeln der Politik gefragt.

Der Umgang mit dem Klimawandel wird offensichtlich durch die zeitliche Verzögerung zwischen den Anstrengungen zur Senkung der Emissionen und ihren Früchten, die vor allem zukünftigen Generationen zugutekommen, erschwert. „Auch bei Corona gibt es eine zeitliche Verzögerung zwischen den Anstrengungen, die Verbreitung des Virus einzudämmen, und den möglichen Erfolgen“, so Robert Schmidt. „Während der Klimawandel jedoch auf einer Zeitskala von Jahrzehnten abläuft, verläuft das Geschehen bei Corona quasi im Zeitraffer.“

Dennoch ist die zeitliche Verzögerung auch bei Corona ein massives Problem. „Harte, zeitlich begrenzte Maßnahmen Anfang Februar 2020 hätten womöglich eine globale Ausbreitung des Virus, also die Pandemie, noch verhindern können und es eventuell gestattet, das neuartige Corona-Virus vollständig auszurotten.“

Dafür wären jedoch zeitnah nach dem Ausbruch der Epidemie in China massive Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Menschen zwischen Ländern oder Regionen, wo das Virus bereits grassierte, und solchen, wo dies nicht der Fall war, von Nöten gewesen, sowie drastische Maßnahmen in den betroffenen Regionen. Als Beispiel nennt Schmidt Neuseeland, das das Virus mit frühzeitigen massiven Einreise- und Quarantänebestimmungen in Schach halten konnte.

Prof. Schmidt erklärt sich das – aus seiner Sicht – globale Versagen in der (sehr) frühen Phase der Corona-Krise zudem durch Fehlanreize für Politiker, sich des Problems anzunehmen. „Die Bevölkerungen der noch nicht betroffenen Länder haben die Notwendigkeit harter Maßnahmen damals noch nicht eingesehen“, sagt Schmidt rückblickend auf die frühe Phase der Corona-Epidemie.

„Ein Zyniker könnte sagen, dass die Schäden der Epidemie erst für jedermann sichtbar gemacht werden mussten, also die Pandemie musste zunächst ihren Lauf nehmen, bevor entschiedenes Handeln in einer Demokratie eine Mehrheit gewinnen konnte. Anschließend konnten sich Politiker sogar als Krisenmanager profilieren, während drastische Maßnahmen noch vor dem Auftreten erster Fälle in noch nicht betroffenen Staaten zu der Zeit drakonisch und unverhältnismäßig gewirkt hätten.“

Ähnliches gilt auch für die Klimakrise. „Auch hier, so scheint es, müssen die Schäden erst sichtbar für jedermann gemacht werden, bevor entschiedenes Handeln in einer Demokratie möglich wird.“

FernUni-Thema „Kolonialismus und Hagen“

4. Juni 2021

Online-Buchvorstellung: „Fernes Hagen. Kolonialismus und wir“

Hagen postkolonialHintersinniges Titelbild der Publikation: „Lüderitzbucht von der Haifisch-Insel gesehen“. Im Vordergrund der Montage die Behausungen der „Haifische“ – Rathaus, die gleichnamige Einkaufs-Galeere und SIHK. Foto: FernUniversität / Klaus Bärwinkel / Klaus Ehlers.

Exotisches liegt nicht nur in der Ferne, es ist häufig ganz nah. Kolonialismus und Stadthistorie sind immer noch eng miteinander verschränkt: über materielle Zeugnisse, Geschichten und Geschichte.

Sie wirken immer noch nach in Unternehmensportraits, über Sammelobjekte wie großformatige Wandbilder der deutschen „Schutzgebiete“ aus einer Hasper Schule. Am Nachlass eines Hagener Missionars wird die Beziehung zwischen Ostafrika und Nordrhein-Westfalen greifbar.

Barbara Schneider und Dr. Fabian Fechner aus dem Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt an der FernUniversität in Hagen forschen zu dem Thema Kolonialismus und Hagen. Sie haben ein Buch darüber herausgegeben, das am 10. Juni von 16 bis 17.30 Uhr online über die Plattform Zoom vorgestellt wird.

Anlass für die Publikation ist eine geplante Ausstellung im Rahmen des 275-jährigen Hagener Stadtjubiläums, die im Herbst in der Bibliothek der FernUniversität zu sehen sein wird.

Für die Onlineveranstaltung ist eine Anmeldung vorab notwendig, um die Zugangsdaten zu bekommen: veranstaltungen.ub@fernuni-hagen.de

Wissenschaftliche Bildungskompetenz gegen frischen Wind aus der Praxis tauschen

14. Mai 2021

Fünf Startups aus der Bildungsbranche erhielten von Fachleuten auf der Basis ihrer Erfahrungen im Lehrbetrieb der FernUniversität fundiertes Feedback zu ihren Plänen und Projekten

Gemeinsam die Bildung der Zukunft gestalten: Dazu lud die FernUniversität in Hagen fünf hochinnovative Startups aus dem Bildungsbereich ein, um mit ihnen über ihre Ideen und Vorhaben zu digitaler Lehre ins Gespräch zu kommen und ihnen Rückmeldungen aus der Wissenschaft zu ihren Projekten zu geben.

Gleichzeitig erhoffte sich die FernUniversität auch, von den innovativen Ideen der Gründerinnen und Gründern Anregungen für ihre eigene Arbeit zu erhalten und so mit der Veranstaltung „‚Start UP!‘ – Gemeinsam morgen denken“ den Wissenstransfer in beide Richtungen zu befördern.

Fachleute der FernUniversität – unter anderem aus Didaktik, Marketing, Usability, Datenschutz und Personalführung – gaben den fünf ausgewählten Unternehmen aus dem Bildungswesen fundierte Rückmeldungen. Studierende brachten die Perspektive der Lernenden ein.

„Wir sind zwar keine Business Angels, die Ihnen ein Investment bieten können, aber wir können Ihre Ideen auf der Basis unserer Erfahrungen im Lehrbetrieb bewerten“, erläuterte die FernUni-Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert die Intentionen der Vorreiterin der digitalen Lehre. „Wir hoffen, für Sie ist es ein Gewinn, so eine Rückmeldung aus der Wissenschaft in dieser differenzierten Sicht zu bekommen.“

„Generation Startup“: Mutig und zielorientiert

Startup-Gründerinnen und Gründer stellt man sich häufig als unkonventionelle, unkomplizierte, kommunikative Turnschuh-Trägerinnen und -Träger vor, die ihre „sportlich“ gesteckten Ziele mutig, überlegt und selbstbewusst angehen. Vorurteile, die durchaus überzeugend bestätigt wurden.

Alle wollen aber auch hochmotiviert zeigen, dass ihre Idee erfolgreich umgesetzt werden kann. Sie suchten Marktlücken, entwickeln Apps und Browseranwendungen oder bieten Beratungen an. Sie wollen das konkrete Lernen und seine Rahmenbedingungen verbessern oder die Effizienz von Verwaltungsvorgängen bei Bildungseinrichtungen steigern.

Bei aller Unterschiedlichkeit haben alle einen gemeinsamen Nenner: Sie wollen Bildung besser machen.

Interessante Partner für die FernUniversität

Das macht sie auch als Partner für die FernUniversität interessant: „Als Fernuniversität beschäftigen wir uns schon sehr lange mit der Frage, wie Lehre und Lernen sein müssen, damit gut gelernt werden kann“, betonte deren Rektorin bereits in der Begrüßung. Und, ganz wichtig für die Hagener Bildungsexpertin: „Wie kann Lernen auch Spaß machen? Gute Online-Lehre vereint für mich all das!“

Lernen muss neu gedacht werden

Damit schloss sich die Veranstaltung an das im Jahr 2020 von der FernUniversität auf den Weg gebrachte „Hagener Manifest zu New Learning“ an. Es fordert, Lernen im Rahmen der digitalen Transformation noch einmal völlig neu zu denken, weil die Digitalisierung die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen des Lernens verändert. Das neue Lernen ist viel selbstgesteuerter und stellt die einzelnen Lernenden stärker in den Mittelpunkt.

Lernen neu zu denken umfasst weit mehr als digitale Technik. Gefragt sind auch hybride Lehr- und Lernkonzepte, zukunftsfähige kooperative Organisationsformen und innovative Konzepte. Pellert: „Wir brauchen Menschen wie Sie, die uns mit Ihren Ideen bereichern!“

Am Ende der Veranstaltung stand für die Beteiligten fest, dass dies keineswegs das Ende der Veranstaltung sein sollte. Vielmehr sollen die Gespräche, vielleicht auch in größeren Runden mit mehr Fachleuten, fortgesetzt werden. Gerne in Präsenzform, denn auch das persönliche Zusammenkommen behält im Zeitalter der Digitalisierung seinen Sinn.

FernUni: Deutschlands Klimaneutralität 2050

9. Mai 2021

Ringvorlesung „Energie, Umwelt & Nachhaltigkeit“

Welche politischen Entscheidungen müssen heute getroffen werden, um im Jahr 2050 das Ziel der Klimaneutralität Deutschlands zu erreichen?

Mit dieser Frage befasst sich Dr. Patrick Graichen von Agora Energiewende, Smart Energy for Europe Platform (SEFEP) gGmbH, am Dienstag, 11. Mai. Sein Online-Vortrag findet ab 18 Uhr in der Ringvorlesung „Energie, Umwelt & Nachhaltigkeit“ des gleichnamigen Forschungsschwerpunktes der FernUniversität in Hagen statt.

Wie ist es möglich, ein Deutschland ohne Kohle, Erdöl und Erdgas zu schaffen? Und was ist dafür in den kommenden zehn Jahren nötig?

Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und die Stiftung Klimaneutralität haben die Prognos AG, Basel, das Öko-Institut, Freiburg, und das Wuppertal Institut damit beauftragt, ein machbares Szenario für ein klimaneutrales Deutschland zu entwickeln. Dabei bilden Wirtschaftlichkeit, Wahrung der Investitionszyklen und Akzeptanz die Kernkriterien.

Zu der öffentlichen Veranstaltung „Deutschlands Klimaneutralität 2050: Welche politischen Entscheidungen müssen heute getroffen werden, um das Ziel zu erreichen?“ sind alle Interessierten willkommen.

Anmeldung

Digitale Bildung im Fokus

1. Mai 2021

FernUniversität startet virtuelle Vortragsreihe

Die Corona-Krise hat digitale Bildung mehr denn je zur Herausforderung für Schulen und Hochschulen gemacht. Wichtig ist das Thema aber auch abseits von Bildungsinstitutionen. Es betrifft die Menschen privat wie beruflich – und beeinflusst z.B. den Arbeitsmarkt. Im Raum steht dabei immer die Frage nach neuen Formen des Lernens.

Diesem Komplex wendet sich jetzt die virtuelle Vortragsreihe „Digitale Bildung im Fokus“ der FernUniversität in Hagen zu. Das Format gliedert sich in drei Teile, in denen sich Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachrichtungen zu einem bestimmten Stichwort austauschen.

Der erste Teil der Reihe startet am Donnerstag, 6. Mai, mit dem Thema „Lebenslanges Lernen“. Dazu liefert Prof. Dr. Uwe Elsholz (FernUniversität) wissenschaftlichen Input. Ayad Al-Ani (Einstein Center Digital Future, Berlin) kommentiert den Vortrag.

Die Veranstaltung findet online von 18 bis 19 Uhr statt. Alle Interessierten sind herzlich einladen, am ZOOM Meeting teilzunehmen.

Einwahllink für ZOOM: Meeting-ID: 861 8333 1974, Kenncode: 08724833

Der nächste Teil am 27. Mai nimmt „Digitale Kompetenzen“ in den Blick. Inhaltlich knüpft die Reihe an das Hagener Manifest zu New Learning an, um die damit angestoßene Debatte weiterzubefördern und zu vertiefen. Weitere Infos zur Reihe

Für Rückfragens steht das Berlin-Büro für Transfer & Kooperation der FernUniversität gerne zur Verfügung. (Mail: berlin-büro@fernuni-hagen.de).

Auf dem „dritten Bildungsweg“

28. März 2021

Fernuni Hagen hat bundesweit die meisten Erstsemester ohne Abitur

Die Fernuni Hagen bleibt weiterhin die erste Adresse für Studienanfängerinnen und -anfänger ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife. 1.400 Einschreibungen von Erstsemestern, die sich über den sogenannten „dritten Bildungsweg“ qualifiziert hatten, zählte die Fernuniversität laut aktuellen Berechnungen des CHE Centrum für Hochschulentwicklung 2019. Damit liegt sie bundesweit an der Spitze.

Mit rund 64.000 nutzen so viele Menschen wie noch nie in Deutschland die Möglichkeit, über ihre berufliche Qualifikationen einen Studienplatz zu erhalten. Darunter seien zunehmend mehr Frauen, so das CHE.

Erinnerung an etwas, das nie passiert ist

25. März 2021

FernUni-Professorin Aileen Oeberst ist Hauptautorin einer Studie zur Korrektur falscher Erinnerungen

Viele kennen solche Szenen aus dem Fernsehen: Ein Patient liegt auf einer Couch. Die Psychiaterin stellt ihm Fragen, gräbt in seinem Unterbewusstsein. Plötzlich löst sie etwas in ihm aus. Der Patient ist überwältigt von Bildern, die er lange verdrängt hatte.

Mit dem tatsächlichen Erkenntnisstand der Psychologie sind solche Fiktionen schwer in Einklang zu bringen. Längst ist bekannt: Das menschliche Gedächtnis funktioniert anders. Erinnerungen werden weder von einem inneren Recorder aufgenommen und bei Bedarf im Hirn abgespult, noch sind sie als unveränderliche Aufnahmen in einer Schublade des Unterbewusstseins versteckt. Vielmehr sind sie situative Rekonstruktionen, die sich sogar aus fremden Quellen speisen können.

Manche Kindheitserinnerungen setzen sich zum Beispiel allein aus anschaulichen Erzählungen der Eltern zusammen. So können sich unbemerkt auch falsche Erinnerungen ins Gedächtnis einschleichen. „Das ist höchst relevant für die psychologische Praxis“, erklärt Prof. Dr. Aileen Oeberst von der FernUniversität in Hagen.

Die Leiterin des Lehrgebiets Medienpsychologie hat unlängst eine Studie zu dem Thema veröffentlicht. Mitverfassende waren ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Merle Wachendörfer, Prof. Dr. Roland Imhoff (Mainz) und Dr. Hartmut Blank (Portsmouth, UK). Zudem wirkten einige Studierende bei der Studie mit.

Die Studie bildet eine wichtige Grundlage für die weitere Forschung. Mehr Erkenntnisse zu gewinnen, aufzuklären und die Sensibilität zu erhöhen, ist aus Sicht der FernUni-Psychologinnen von großer Bedeutung. Denn die suggestive Beeinflussbarkeit von Erinnerungen birgt handfeste Risiken – etwa, wenn es im juristischen Kontext zu Aussagen aufgrund falscher Erinnerungen kommt.

Aber auch in klassischen Therapie-Situationen: Sind Therapierende überzeugt von einer bestimmten Theorie, könnten sie den Patienten versehentlich die dazu passenden Erinnerungen einpflanzen. „Über die Hälfte unserer Versuchspersonen hat in nur zwei Wochen falsche Erinnerungen entwickelt. Was macht dann eine suggestive Therapie mit einem, die über Monate und Jahre geht?“, zeigt sich Oeberst besorgt. „Leuten, die erst nach vielen Jahren in der Therapie anfangen zu glauben, ihnen sei in der Kindheit dieses und jenes passiert, muss man also sagen: es ist nicht unwahrscheinlich, dass es sich dabei um falsche Erinnerungen handelt.“

Impfstoffe nicht dem freien Markt überlassen

1. März 2021

Prof. Orsolya Friedrich. Foto: Volker Wiciok.

Unter bestimmten Bedingungen hat der Schutz der Allgemeinheit Vorrang vor dem individuellen Schutz, sagt die Medizinethikern Jun.-Prof. Orsolya Friedrich von der FernUniversität

Frau Prof. Friedrich, ist es ethisch zu rechtfertigen, bestimmte Personen oder Personengruppen zu bevorzugen, nur weil sie besonders alt sind oder einer sonstigen Risikogruppe angehören?

Jun.-Prof. Orsolya Friedrich: „Durchaus. Bei knappen Impfstoff-Ressourcen und damit verbundenen Priorisierungsentscheidungen gilt zwar weiterhin die ärztliche Pflicht, das Wohl jeder einzelnen Patientin und jedes einzelnen Patienten bestmöglich zu unterstützen. Diese wird aber niedriger angesetzt als die Pflichten gegenüber besonders stark von der Erkrankung betroffenen Gruppen.“

Ist das gerecht?

„Bei der Priorisierungsentscheidung der Impfreihenfolge geht es darum, Schäden zu vermeiden und dabei gleichzeitig bestimmte Gerechtigkeitsgrundsätze zu beachten. Es sollen also Menschen mit gleicher Gefährdungslage gleichen Impfstoffzugang haben.

Für die Schadensvermeidung wurden in dem Vorschlag zur Impfreihenfolge der Ständigen Impfkommission (STIKO) sowohl direkte gesundheitliche Schäden an der Person als auch Schäden durch Übertragung von Krankheitserregern sowie durch Gefährdung von relevanten gesellschaftlichen Prozessen diskutiert. Dringlichkeit spielt für die Umsetzung dieser Grundsätze eine wichtige Rolle. Dringlichkeit bedeutet in diesem Fall eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit, an der Infektion zu versterben oder intensivmedizinische Behandlung zu benötigen oder einen besonders exponierten Beruf auszuüben, sodass eine Erkrankung an vulnerable Gruppen übertragen werden kann.

Man sieht aber an den Aktualisierungen der Impfempfehlung der STIKO, dass es konkret sehr schwer sein kann, zu definieren, was Dringlichkeit bedeutet.

Auf individueller Ebene können Priorisierungsentscheidungen auch immer zu Ungerechtigkeit führen. Wobei die STIKO auch darauf hinweist, dass in einer solchen Pauschalzuordnung nicht alle Impfindikationen berücksichtigt werden können, sodass Impfverantwortliche auch Einzelfallentscheidungen treffen könnten, etwa bei seltenen, schweren Vorerkrankungen.“

Gibt es Alternativen zur Priorisierung?

„Gesundheit ist ein sehr hohes Gut, sodass es aus meiner Sicht grundsätzlich wichtig ist, allen den gleichen Zugang zu Gesundheitsleistungen zu ermöglichen. Lassen sich keine Wege finden, akute Knappheit an bestimmten Gesundheitsgütern wie an Impfstoffen zu beseitigen, scheint mir eine allgemeine, für alle geltende und sich an ethischen Grundsätzen ausrichtende Priorisierung alternativlos zu sein.

Die theoretische Alternative, die Verteilung von knappen Gesundheitsgütern dem freien Markt zu überlassen und sich dabei an individuellen gesundheitsbezogenen Präferenzen oder individueller Zahlungsfähigkeit auszurichten, ist mit Gerechtigkeitsgrundsätzen aus meiner Sicht nicht zu rechtfertigen. Eine andere mögliche Alternative, Impfstoffe beispielsweise zu verlosen, berücksichtigt hingegen die medizinischen Faktoren nicht, nämlich, dass manche Gruppen besonders schwer von der Erkrankung betroffen sind.“

Welche Gründe dürfen bei der Priorisierung eine Rolle spielen?

(…)

Quelle: FernUni

Wie wo gewählt wurde

19. Februar 2021

Hagener Informatiker entwickelt Tool zur geografischen Darstellung von Wahlergebnissen

2021 wird in Deutschland ein „Superwahljahr“. Neben der Bundestagswahl stehen in etlichen Ländern Landtags- und Kommunalwahlen an. Da kommt die Entwicklung des Hagener Informatikabsolventen Kevin Arutyunyan gerade richtig. In seiner Bachelorarbeit hat der Student der Fachhochschule Südwestfalen die erste Webanwendung entwickelt, die Wahlergebnisse mithilfe offener Wahldaten visualisiert und für jedermann transparent macht.

Die Wahl des Oberbürgermeisters, des Stadtrats, der Bezirksvertretungen oder des sogenannten Ruhrparlaments – alle Ergebnisse sind jetzt auch geografisch ablesbar, ohne dass sich Interessierte durch Tabellen arbeiten müssen. Auf einer Karte der Stadt Hagen sind die Daten abrufbar, ob Stadtbezirke, Wahlbezirke oder sogar einzelne Stimmbezirke.

Arutyunyan hatte 2019 auch schon einen sehr benutzerfreundlichen schematischen ÖPNV-Linienplan entwickelt, mit dem die tatsächliche Abfahrtzeit unter Berücksichtigung von Verspätungen und Ausfällen aller in Hagen verkehrenden Bus- und Bahnlinien von jedem Haltepunkt in der Stadt abgerufen werden kann.

Interaktive geographische Darstellung von Wahlergebnissen

Kulturelle „Leitplanken“ für das eigene Leben

5. Dezember 2020

Frank Hillebrandt, Soziologieprofessor an der FernUniversität, fordert angesichts der Pandemie eine Struktur für kulturelle Veranstaltungen

Welche Bedeutung hat die Kultur für die Gesellschaft? Ist sie tatsächlich „systemrelevant“? Beides sind grundsätzliche Fragen, sie stellen sich jedoch verschärft im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Der Soziologie-Professor Dr. Frank Hillebrandt von der FernUniversität in Hagen sagt hierzumit großem Nachdruck: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Lebensführung nicht vorgegeben ist, etwa durch die Geburt. Um die Form, in der wir ganz persönlich leben wollen, zu finden, brauchen wir das Kulturelle als Orientierungshilfe. Kultur ist damit grundsätzlich eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass wir unser Leben selbst nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten können. Sie ist nicht nur systemrelevant, sie ist existentiell für unsere Gesellschaft!“

Beispielhaft macht der Leiter des Hagener Lehrgebietes Soziologie 1 – Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie das an Konzerten und Festivals fest: „Sie sind höchst wichtig, weil wir da genau die Menschen finden, mit denen zusammen wir unsere kulturellen Vorstellungen verwirklichen können. Wenn das nicht möglich ist, geht enorm viel verloren und letztendlich könnte unsere Gesellschaftan den Abgrund geführt werden.“ Soweit ist die Situation für den Wissenschaftler zurzeit aber nicht.

Dass es die Diskussion über die Systemrelevanz der Kultur überhaupt gibt, ist für den Soziologen eine Folge der heutigen Überbewertung des Wirtschaftlichen. Jeden Abend werde zur besten Sendezeit im Fernsehen für fünf Minuten zur Börse geschaltet, kritisiert er: „Alles Mögliche, was auf der Welt geschieht, wird mit den Aktienkursen in Verbindung gebracht: Was hat die Börse jetzt dazu gesagt? Alles muss bewertet und ‚eingeordnet‘ werden, ohne den Sinn zu hinterfragen.“

Demgegenüber werde über gesellschaftliche Themen viel zu wenig diskutiert: „Kultur kommt gar nicht mehr vor.“ Und das wirkt sich sehr negativ auf die Kultur aus, wenn es um deren Systemrelevanz geht: „Die Frage nach der ‚Systemrelevanz‘ hat ihren Ursprung eindeutig in einer ökonomischen Logik. Es gibt jedoch erste Anzeichen dafür, dass die ‚neoliberale Phase‘ langsam zu Ende geht und es auch Diskurse über andere Themen gibt als wirtschaftliche. Wir müssen daran arbeiten, die Kultur wieder aus der Defensive zu holen!“

Kultur ist aus soziologischer Sicht also höchstrelevant für das (Gesellschafts-)System, eine existenzielle Grundlage für pluralistisches, offenes Zusammenleben.

Deshalb hat Hillebrandt auch große Probleme mit der Diskussion über die Systemrelevanz: „Wer sagt, dass die Kultur diese Relevanz nicht hat, hat überhaupt keine Ahnung, in welcher Gesellschaft wir leben. Kultur und alle expressiven Formen, die wir darunter fassen, sind einfach unbedingt notwendig für unsere Gesellschaft.“

Seine große Sorge ist, dass – wenn sich die Situation nicht bessert – viele Veranstalter und Veranstalterinnen pleitegehen: „Und die kommen nicht wieder zurück, darüber müssen wir uns im Klaren sein.“ Eine längerfristige Lockdown-Situation würde damit auch Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstlern die Chancen nehmen, bekannt zu werden, sich weiterzuentwickeln, erfolgreich zu werden und zu wirken.

Arbeiten im Homeoffice

25. November 2020

FernUni Hagen startet zweite Befragungswelle

Das Fachgebiet Arbeits- und Organisationspsychologie der FernUniversität Hagen hat mit dem zweiten Lockdown die erneute Befragungswelle seiner Homeoffice-Studie gestartet.

Während derzeit noch die vollständige Auswertung der Ergebnisse aus dem Frühjahr läuft, erhalten Interessenten nun die Möglichkeit, neu dazu zu kommen und an der Befragung teilzunehmen.

Die Top Drei der größten Vor- und Nachteile des Arbeitens im Homeoffice stehen bereits fest. So schätzen die Teilnehmenden vor allem den Wegfall von Pendelzeiten, eine größere Flexibilität und ein konzentriertes und störungsfreies Arbeiten. Zu den Nachteilen gehören soziale Aspekte wie der fehlenden Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, außerdem eine ungenügend räumliche und technische Ausstattung und die fehlende Abgrenzung zwischen Privat- und Berufsleben.

Zur Umfrage: ww2.unipark.de/uc/HomeSweetHome/

Soziologie-Vorlesungen jetzt online

21. November 2020

Die Vorträge der erfolgreichen Veranstaltungsreihe der FernUniversität sind jetzt allen zugänglich, die wissen wollen, was die Wissenschaft – vor allem die Soziologie – zu vielen aktuellen Themen sagt

Die Pandemie hat viele negative Folgen, sie eröffnet aber auch neue Chancen. Etwa die, neue Zielgruppen zu erreichen. So können die beliebten öffentlichen Vorlesungen und Seminare der BürgerUniversität Coesfeld (BUC) zu aktuellen Themen aus der Welt der Wissenschaft vorerst nicht in Präsenzform stattfinden.

Daher macht das Veranstaltungsteam der FernUniversität die Inhalte jetzt – über die regionale Öffentlichkeit hinaus – allen Interessierten online zugänglich: aus BUC wird BUD. Das D steht für „Digital“. Referentinnen und Referenten des Wintersemesters 2020/21 haben ihre Vorlesungen aufgezeichnet. Die Videos sind jeweils ab dem ursprünglichen Vortragstermin online in der Mediathek unter https://e.feu.de/mediathek zugänglich.

Der erste Vortrag der digitalen BürgerUni ist bereits freigeschaltet:

  • „Israel und der ‚Orient‘: Eine Hassliebe?“ (Referentin: Julia Gosert, M.A.)
  • Hinzukommen wird, passend zur Weihnachtszeit, ab 2. Dezember 2020 „‚Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft‘ – Schenken als offenkundige, aber auch vertrackte Form der Reziprozität“ (Referent: Dr. Thomas Loer).
  • Wenig später werden „Vom Pilgern und Fasten: Gelebte Religion in der späten Moderne“ (Aschermittwoch, 17. Februar 2021, Referent: Dr. Patrick Heiser) und
  • „Politisches Wissen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland“ (10. März 2021, Referent: Dr. Markus Tausendpfund) freigeschaltet.

Inhaltliche Informationen zu diesen Vorträgen des Wintersemesters 2020/2021 enthält der Flyer https://fernuni.de/bu-2021

Noch vor Publikum konnten 2020 „Was hat Theater in der Psychiatrie verloren?“ und „Klimapolitik, Ziele, Konflikte“ in der BürgerUni Coesfeld gehalten werden. Sie gehören – zusammen mit Aufzeichnungen aus den letzten Jahren – zu den bereits fast 50 Videos der Mediathek.

Zusammen auf Entfernung

17. November 2020

FernUniversität feiert Dies Academicus

Rektorin Prof. Ada Pellert (o.re.) gratulierte den Preisträgerinnen und Preisträgern für herausragende Bachelor- und Masterarbeiten per Videokonferenz. Foto: FernUni.

Am 13. November veranstaltete die FernUniversität in Hagen ihre akademische Jahresfeier – den Dies Academicus. Statt auf den Campus lud die größte Universität Deutschlands diesmal ins Internet.Urkundenübergaben inklusive Händeschütteln, mit Prominenz aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft sowie vielen Angehörige und Freunde der FernUniversität im Publikum – das alles war in diesem Pandemie-Herbst natürlich undenkbar. Aber genauso undenkbar war es, den Dies Academicus einfach ausfallen zu lassen. Zum Glück ist die FernUniversität dank ihres Studienmodells mit Videotechnik in TV-Qualität ausgestattet und hat Profis, die damit umzugehen wissen.

FernUni-Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert betonte in ihrer Begrüßung, wie wichtig es gerade in der aktuellen Situation eines gesellschaftlichen Lockdowns für sie war, den Dies Academicus zu veranstalten: „Gerade jetzt, wo wir im Alltag immer öfter Abstand voneinander nehmen müssen, sind gemeinsame Erlebnisse wichtig. Ich finde den Ausdruck ,social distancing‘ – soziales Distanzieren – deshalb ganz schrecklich. Wir sollten ihn besser umkehren zu ,distant socialising‘ – also auf Entfernung zusammen sein.“

In ihrem Jahresrückblick ließ die Rektorin ein außergewöhnliches Jahr mit einer besonderen Zeitrechnung – „vor Corona“ und „seit Corona“ – Revue passieren. Die FernUniversität war mit ihrembesonderen Studienmodell zwar besser für die Pandemie gerüstet als die Präsenzuniversitäten, dennoch musste auch sie mit vielen Einschränkungen auf dem Campus und in ihren Regionalzentren zurechtkommen.

Für das „entfernte Zusammensein“ hat sich in diesem Jahr das Medium der Videokonferenz allgemein etabliert. Die Rektorin nutzte es beim Dies Academicus für ein Gespräch mit dem Ehrengast Dr. Jörg Dräger über die Gegenwart des Bildungssystems und die Zukunft des Lernens. Der Vorstand der Bertelsmann Stiftung zählt gemeinsam mit anderen führenden Bildungsexpertinnen und -experten zu den Erstunterzeichnern des von der FernUniversität initiierten „Hagener Manifests zu New Learning“.

„New Learning bedeutet, auch heute schon so zu lernen, wie wir morgen leben und arbeiten wollen“, fasste Dräger zusammen, worauf es ihm dabei im Wesentlichen ankommt. Die Rektorin und der Manager waren sich darüber einig, dass die Digitalisierung große Chancen dafür biete, das Lernen in Zukunft viel stärker auf die persönlichen Bedürfnisse der Lernenden auszurichten und damit auch mehr Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Hochschulen seien dabei herausgefordert, „die Verzahnung von leben, lernen und arbeiten“ noch besser hinzubekommen, als es bisher der Fall sei, so Dräger. „Menschen sind in unterschiedlichen Lebensphasen und wir müssen sie dort begleiten, als Partnerin im lebenslangen Lernen“, ergänzte Pellert.

Über den Link https://fernuni.de/dies20 kann die Aufzeichnung des Dies Academicus im YouTube-Channel der FernUniversität aufgerufen werden. Im Infotext sind die einzelnen Programmpunkte verlinkt.

Schwarze Null und Rote Zahlen – Finanzpolitik in Krisenzeiten

11. November 2020

Online-Vortrag des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften der FernUniversität Hagen

11.11.2020, 17:00 Uhr

Im Gefolge der internationalen Finanzkrise 2007/2008 legte die staatliche Verschuldung auch in Deutschland deutlich zu. Um einen weiteren Anstieg zu bremsen, wurde das Grundgesetz geändert. Im Zuge der Covid-19 Pandemie werden die Folgen der „schwarzen Null“ neu bewertet. Die einen sehen darin eine Investitionsbremse. Kaum jemand argumentiert, dass die Verschuldungsbremse zur Entlastung der nächsten Generation notwendig ist. Umdenken ist angesagt.

Prof. Dr. Mechthild Schrooten zeigt, wie und warum die renditeorientierte Geldwirtschaft durch die „schwarze Null“ an ihre Grenzen kommt. Die Konsequenzen sind gerade in Krisenzeiten gravierend.

Mechthild Schrooten ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen „Geld“ und „Internationale Integration“. Sie ist Sprecherin der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik („Memogruppe“).

Die Veranstaltung wird öffentlich gestreamt und aufgezeichnet. Es ist beabsichtigt, eine Aufzeichnung im Nachgang zu veröffentlichen. Mit Betreten des virtuellen Raumes erklären Sie sich mit der Aufzeichnung und deren Veröffentlichung einverstanden.

Link zur Zoom-Veranstaltungsadresse – Bitte geben Sie anschließend den Kenncode 5U%SQ^YB (per Copy and Paste) ein, um teilnehmen zu können | mehr

Quelle: FernUni

Defizite in Schulen und Medien verantwortlich für geringes politisches Wissen

9. November 2020

Dr. Markus Tausendpfund von der FernUniversität hat mit einer Kollegin eine Bevölkerungsumfrage ausgewertet

„Das politische Wissen in Deutschland ist insgesamt auf einem eher geringen Niveau, aber je nach sozialen Gruppen sehr heterogen“, sagt Dr. Markus Tausendpfund von der FernUniversität in Hagen (Foto: Bernhard Kreutzer). Dabei steht politisches Wissen in engem Zusammenhang mit der Qualität einer Demokratie und hat großen Einfluss auf die politische Chancengleichheit

.Die Gründe für die Defizite bei Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland sieht der Leiter der FernUni-Arbeitsstelle Quantitative Methoden zunächst einmal in fehlendem Politikunterricht, dann aber auch in der Struktur der Medienlandschaft. Zum politischen Wissen in Deutschland haben Tausendpfund und Prof. Dr. Bettina Westle (Philipps-Universität Marburg) gerade ein Buch herausgegeben.

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Corona: Kita- und Schulschließungen in Europa

15. Oktober 2020

FernUni-Wissenschaftlerin hat 28 Länder miteinander verglichen

In der Corona-Pandemie waren Schulen und Kitas in Deutschland ab Mitte März geschlossen und wurden in den Wochen vor den Sommerferien schrittweise wieder geöffnet. In Schweden hingegen waren sie nie zu und Italien hat sie gerade erst wieder geöffnet. Jedes Land hat hinsichtlich Schul- und Kita-Schließungen unterschiedlich auf die Corona-Bedrohung reagiert. Die FernUni-Politikwissenschaftlerin Dr. Sonja Blum hat sich die Reaktionen von 28 europäischen Ländern genauer angeschaut und miteinander verglichen (Foto: FernUni).

„Schweden stand sehr im Fokus der Medien. Es gab aber noch einige weitere Länder, die ihre Schulen und Kitas offengelassen oder sehr schnell wieder geöffnet haben“, erklärt die Habilitandin im Lehrgebiet Politikfeldanalyse und Umweltpolitik der FernUniversität in Hagen. So blieben auch in Island Schulen und Kitas oder in Finnland die Kitas geöffnet.

Ein Grund für die jeweiligen Entscheidungen waren die Infektionszahlen in den Ländern. „Darüber hinaus kann man aber auch festhalten, dass die allgemeine Präventionsstrategie des jeweiligen Landes die Schließungen beziehungsweise Wiedereröffnungen beeinflusst hat“, erläutert die Politikwissenschaftlerin.

Länder, die das primäre Ziel hatten, die Hochrisikogruppen zu schützen – zu denen Kinder nun einmal nicht gehören – haben sich eher dazu entschlossen, die Einrichtungen nicht zu schließen beziehungsweise schnell wieder zu öffnen. Länder, bei denen gemeinsame Präventionsmaßnahmen der Gesamtbevölkerung im Vordergrund standen, haben sich eher für Schließungen entschieden.

Insgesamt hat Blum festgestellt, dass es bei den Reaktionen nicht nur schwarz oder weiß, also geöffnet oder geschlossen, sondern dazwischen auch sehr viele Graustufen gab.

In Deutschland konnten die Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen weiterhin die Einrichtungen besuchen, in Österreich alle Kinder, für die es keine Betreuungsalternative gab. Bei der Wiedereröffnung haben sich einige Länder zunächst für eingeschränkte Öffnungszeiten entschieden, andere haben die Gruppen geteilt.

Welche Strategien hier gefahren wurden, hing auch davon ab, welcher Aspekt der Kinderbetreuung als besonders wichtig angesehen wurde. Denn Kitas und Grundschulen ermöglichen Kindern nicht nur Bildung, sondern geben ihren Eltern auch Zeit zu arbeiten und verringern soziale Ungleichheiten.

Was den Ländervergleich in Hinblick auf Kinderbetreuung angeht, ist die FernUni-Wissenschaftlerin eine Expertin. Sie ist bereits seit zehn Jahren im Netzwerk „Leave network“ aktiv. Das interdisziplinäre Netzwerk ist aus einem EU-Projekt hervorgegangen und schaut sich in aktuell 45 Länder die Themenbereiche Elterngeld und Elternzeit an.

Einmal im Jahr veröffentlicht es einen Bericht, in dem der Status quo in 45 Ländern dargestellt und miteinander verglichen wird. Blum ist eine der Herausgeberinnen des Berichts. „Er wird viel für weitere Forschungen, aber auch von nationalen Verbänden und internationalen Organisationen genutzt, so zum Beispiel von der Europäischen Kommission oder der Internationalen Arbeitsorganisation.“

FernUni: Hagener Manifest zu New Learning

2. Oktober 2020

Wie wollen, wie können, wie müssen wir zukünftig lernen? Diesen Fragen widmet sich das Hagener Manifest zu New Learning.

Das Manifest entstand in einem kollaborativen Arbeitsprozess von 37 Bildungsexpertinnen und -experten aus ganz Deutschland. Initiiert hat es die FernUniversität in Hagen. Die Autorinnen und Autoren wollen die bildungspolitische Debatte um neue Formen des Lernens in Zeiten der digitalen Transformation vorantreiben.

Das Hagener Manifest zu New Learning formuliert in zwölf Thesen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für einen neuen Lernbegriff, der dem digitalen Wandel der Gesellschaft Rechnung trägt. New Learning ist die entscheidende Fähigkeit, diesen Wandel zu verstehen und ihn aktiv mitzugestalten. Es stellt die Lernenden in den Mittelpunkt und befähigt sie, in ihrer digitalen Lebensrealität lebenslang zu lernen.

Mit diesem Ziel beleuchten die Autorinnen und Autoren im Manifest Fragen von lebenslanger Bildung und Chancengerechtigkeit, von digitalen Kompetenzen und Lernsettings, von Technologie und Datenschutz und thematisieren bildungspolitische Rahmenbedingungen des Lernens.

Webseite zum Hagener Manifest

Seuchen verstärkten langfristige Entwicklungen

28. September 2020

Pest, Cholera und Typhus suchen die Menschen heim, seit sie sesshaft wurden und eng mit ihren Tieren zusammenleben. Bereits Steinzeit-Menschen starben an der Pest, der letzte große Ausbruch war Anfang des 18. Jahrhunderts in Marseille.

Für PD Dr. Eva-Maria Butz, Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas an der FernUniversität in Hagen, wirkten Seuchen in der Geschichte eher schleichend und bereits bestehende Entwicklungen verstärkend denn als Revolutionen. Sie konnten sogar positive Folgen haben. (…)

In gewisser Weise – aber bei weitem nicht so, wie angesichts der Coronakrise heute oft vermutet wird – verstärkte auch 1918 die Spanische Grippe längerfristige Entwicklungen: „In Deutschland hatte sie, anders als oft kolportiert, nur sehr geringen Einfluss auf den negativen Verlauf des Ersten Weltkriegs, die November-Revolution und das Ende des Kaiserreichs“, so Butz. Die Deutschen betrachteten sie damals vielmehr als Teil der allgemeinen Verschlechterung der Volksgesundheit, die aber schon ab 1916 wahrgenommen wurde. Für die Hagener Historikerin war die Seuche nur ein Teil des Weltkriegsleids, das die Kriegsmüdigkeit und die Kritik am Versagen der politischen Führung verstärkte, die gegen die Krankheit nichts unternahm.

Nicht neu sind Quarantänemaßnahmen, die auch in heutigen Coronazeiten wieder eine Rolle spielen. Gegen das bis ins 19. Jahrhundert von Pestwellen heimgesuchte Osmanische Reich bildete Österreich im 18. Jahrhundert eine „Pestfront“, eine militärische Grenze: „Dieser Machtbildungsprozess ergab sich bereits am Ende des 16. Jahrhunderts.“

Die Grenze wurde als Seuchenprävention ausgebaut, mit einem ganz dezidierten Quarantänesystem an den einzelnen Grenzstationen, mit genauen Quarantäne- und Desinfektionsvorschriften. Wer über die Grenze wollte wie z.B. Händler, mussten erst einmal in eine Quarantäne. Und erneut nach dem Treffen mit ihrem Handelspartner. An einem Teil der Stationen wurden die Waren kontaktlos auf die andere Grenzseite gebracht. Sogar Briefe wurden ausgeräuchert und Münzen in Essig gespült.

Butz: „Was man heute kennt, hat man schon damals relativ erfolgreich versucht. Letztendlich konnten in diesem Bereich Ausbrüche regional eingegrenzt und ein Vordringen nach Westeuropa verhindert werden.“ (…)

Quelle: FernUni

FernUni Vorreiterin in der digitalen Lehre

8. September 2020

Kenntnisse könnten auf Schulunterricht übertragen werden

Als die Corona-Krise Deutschland mit voller Wucht traf, konnte die FernUniversität in Hagen ihre Lehrinhalte ohne große Umstellungen weiter zu ihren Studierenden hinbringen. Auf der Grundlage ihrer vielfältigen und langen Erfahrungen beim Einsatz der digitalen Lehre hat das Institut für wissenschaftliche Weiterbildung der FernUniversität (FeUW) ein Programm für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt, das digitale Kompetenzen und mediendidaktische Fähigkeiten stärken soll. Die Kenntnisse aus der Hochschullehre sollen damit auf den Schulunterricht übertragen werden.

Gut und gern kann man sagen, dass die FernUniversität in Hagen eine Vorreiterin in der digitalen Lehre ist. Über 40 Jahre Erfahrung mit Lernen auf Distanz und Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert im Digitalrat der Bundesregierung sprechen dafür. Davon machte sich jetzt der Vorsitzende des Ausschusses für Digitalisierung und Innovation im Düsseldorfer Landtag Thorsten Schick (CDU) an der FernUniversität ein Bild.

Die Corona-Krise kam für jeden überraschend. Der Schlag traf aber nicht alle gleich stark: „Für die FernUniversität war es eigentlich keine große Umstellung“, sagte Ada Pellert. Ganz anders sah es da bei den Schulen aus. Die Voraussetzungen für digitales Lernen variieren sehr stark zwischen einzelnen Schulen.

Nicht nur deshalb entwickelte das FeUW ein Programm für Lehrerinnen und Lehrer, das digitale Kompetenzen und mediendidaktische Fähigkeiten stärken soll. Das Ziel ist es, die Kenntnisse aus der Hochschullehre auf den Schulunterricht zu übertragen, was in einem ersten Durchlauf der Weiterbildung im Sommer bereits gelungen ist. Ab dem 5. Oktober geht der Kurs in die zweite Runde.

FernUni: Neuer Senatsvorsitzender

4. September 2020

Der Senat der FernUniversität in Hagen hat einen neuen Vorsitzenden: Prof. Dr. Robert Gaschler, Professor für Allgemeine Psychologie, wurde auf der konstituierenden Sitzung mit großer Mehrheit gewählt. Bedingt durch die Corona-Pandemie fand die Senatssitzung am 2. September im Videokonferenz-Format statt.

„Die FernUniversität bildet einen besonderen Kosmos, sowohl in der Lehre als auch in der Forschung“, sagte Robert Gaschler aus Anlass seiner Wahl. „Stärker als an anderen Universitäten identifizieren sich die meisten der Universitätsangehörigen mit der Institution insgesamt, nicht nur mit dem engeren Arbeitsumfeld.“

Die zentrale Rolle des Senats sieht Gaschler darin, die Weiterentwicklung der FernUniversität zu begleiten und zu unterstützten – und als Institution zu stärken. Neuer stellvertretender Vorsitzender ist Prof. Dr. Stefan Smolnik, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebliche Anwendungssysteme an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft.

„Viele, die so sind wie ich“ lockten vor 50 Jahren Zehntausende zum „europäischen Woodstock“

1. September 2020

Der Soziologe Prof. Frank Hillebrandt von der FernUniversität Hagen sieht in vielen Bereichen Folgen von Popmusik-Festivals – Auf Fehmarn hatte Jimi Hendrix 1970 seinen letzten großen Auftritt

Prof. Frank Hillebrandt und seine Mitarbeiterin Amela Radetinac mit einem „Schatz“ aus der Schallplattensammlung des Soziologen: Das Cover ist im Stil der 1960er Jahre gestaltet. Foto: FernUni.

Vor 50 Jahren, vom 4. bis 6. September 1970, fand das erste mehrtägige Popfestival auf dem europäischen Kontinent statt. Das „Love-and-Peace-Festival“ lockte 25.000 bis 30.000 Besucherinnen und Besucher auf die Ostseeinsel Fehmarn. Hier trat Jimi Hendrix letztmalig vor seinem Tod am 18. September 1970 vor einem großen Publikum auf – einer der Gründe, warum das Fehmarn-Festival heute noch für viele ein Begriff ist.

Die Musik der 1960-er und 1970-er Jahre und die Festival-Kultur haben jedoch viel mehr Veränderungen in Populärkultur, Gesellschaft, Politik und sogar der Wirtschaft ausgelöst, als gemeinhin bekannt ist. Prof. Dr. Frank Hillebrandt von der FernUniversität in Hagen erforscht sie in seinem Lehrgebiet Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie.

Für ihn und seine Mitarbeiterin Amela Radetinac hat hierbei das Festival auf Fehmarn große Bedeutung: Das Woodstock- und das Monterey-Festival in den USA sind schon vielfach untersucht worden. „Zeitzeugen erzählen vor allem mythische Heldengeschichten“, so Hillebrandt: „Diese Ereignisse sind für die empirische Forschung ‚verbrannt‘. Der Feldzugang zu Fehmarn ist leichter.“

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FernUni-Studie: Wegen Personalmangel in Kitas bleiben Bildung und Erziehung oft auf der Strecke

26. August 2020

Die Personalsituation in deutschen Kindertageseinrichtungen belastet Erzieherinnen und Kinder. Das zeigen die Ergebnisse des Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme 2020 von Bertelsmann Stiftung und Fernuniversität Hagen. Die Ergebnisse der Studie „Professionelles Handeln im System“ der Fernuni im Auftrag der Bertelsmann Stiftung bestätigen diese Befunde.

Demnach benötigen Kitas dringend mehr pädagogisches Personal, um eine kindgerechte Betreuung, Bildung und Erziehung leisten zu können. Für Krippengruppen wurde bundesweit ein Personalschlüssel von 1:4,2 festgestellt und für Kindergartengruppen von 1:8,8. Diese Werte überschreiten die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung von einem Personalschlüssel von 1:3 in Krippen- und von 1:7,5 in Kindergartengruppen.

Interviews mit 128 Erzieherinnen untermauern, welche Belastungen sich hieraus für die Kinder und das pädagogische Personal ergeben. Befragte berichten, dass sich ihr Fokus durch Personalmangel oft auf die Erfüllung der Aufsichtspflicht reduziert.

Nähere Infos und weiterführende Links: FernUni

FernUni: Kooperation mit Österreich erneuert

30. Juli 2020

Die Postsparkasse ist eines der bekanntesten Jugendstilgebäude Wiens, geplant und gebaut von Otto Wagner. Zukünftig Sitz des Studienzentrums Wien. Foto: Thomas Ledl (CC BY-SA 4.0).

Die FernUniversität in Hagen und die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) haben ihre Zusammenarbeit auf ein neues Fundament gestellt: Bereits seit 1994 werden Studierende der FernUniversität, die in Österreich leben, durch das Zentrum für Fernstudien der JKU und seine angegliederten Studienzentren betreut. Jetzt unterzeichneten beide Universitäten eine neue Kooperationsvereinbarung.

„Unser Studienangebot in Österreich ist ein echtes Erfolgsmodell. Das belegen die seit Jahren konstant hohen Studierendenzahlen“, sagt Prof. Dr. Ada Pellert, die Rektorin der FernUniversität in Hagen. „Die Partnerschaft mit der Johannes Kepler Universität ermöglicht uns, unseren rund 3.000 Studierenden in Österreich eine wohnortnahe Betreuung zu bieten. Diese ist ein elementarer Baustein des Blended Learning Konzepts der FernUniversität, das digitale und gedruckte Lehrmaterialien, Online-Lehre und Präsenzveranstaltungen kombiniert.“

Im Laufe der vergangenen Jahre haben sich sowohl Technik und Didaktik der Fernlehre als auch die Anforderungen der Fernstudierenden gewandelt – bedingt durch die zunehmende Digitalisierung und Flexibilisierung der Lebens- und Arbeitswelt. Auch die Organisation von Hochschulen hat sich verändert. Daher erschien es beiden Universitäten sinnvoll und notwendig, die bestehende Kooperationsvereinbarung zu optimieren. In einer rund einjährigen Übergangsphase erarbeitete eine gemeinsame Arbeitsgruppe den neuen Vertrag, den nun FernUni-Rektorin Ada Pellert und JKU-Rektor Prof. Dr. Meinhard Lukas unterzeichneten.

„Ich freue mich, dass unsere langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit fortgeführt wird“, sagt Stefan Koch, JKU Vizerektor für Lehre und Studierende. „Ziel der erneuerten Kooperation ist es, die Betreuung der Studierenden vor Ort weiter zu verbessern. Dazu planen wir unter anderem, mit unserem Wiener Studienzentrum in das historische Gebäude der ehemaligen Postsparkasse in zentraler Lage umzuziehen, das mit modernster Lehr- und Lerntechnik ausgestattet wird.“

Die Verbesserung der Studienbedingungen ist für die Studierenden nicht mit höheren Kosten verbunden, im Gegenteil: Die bisherige Servicegebühr für die Prüfungsteilnahme, die von der JKU erhoben wurde, entfällt. Für Studierende wird es zudem künftig leichter möglich sein, an der JKU erbrachte Studienleistungen durch die FernUniversität anerkennen zu lassen und ihr Studium teilweise als Präsenzstudium an der JKU zu absolvieren.

JKU und FernUni streben darüber hinaus an, ihre Zusammenarbeit in der Lehre insbesondere im digitalen Bereich weiter auszubauen und gemeinsame Studienprogramme zu entwickeln. Außerdem präzisiert die erneuerte Kooperationsvereinbarung die organisatorische Zusammenarbeit in den Bereichen Betreuung, Ausstattung der Studienzentren, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierung und Qualitätsmanagement.

35 „kluge Köpfe“ aus fünf Ländern

26. Juli 2020

Internationales Forschungsnetzwerk zu Kant mit Beteiligung der FernUniversität

35 „kluge Köpfe“ aus fünf Ländern vereint ein soeben ins Leben gerufenes neues Forschungsnetzwerk, das Alba Jiménez Rodríguez, Philosophieprofessorin an der größten spanischen Präsenzuniversität, der Universidad Complutense in Madrid, leitet und das dem deutschen Meisterdenker Immanuel Kant gewidmet ist. Der Titel des Projekts, das aus Mitteln der spanischen Forschungsförderung Kongresse und Tagungen, aber auch sonstigen Forschungsaustausch samt Fachpublikationen realisieren soll: „Die transzendentale Deduktion der Kategorien: Neue Perspektiven“.

„In dem Projekt geht es um nicht mehr und nicht weniger als um den harten Kern der Kantischen theoretischen Philosophie: um den Nachweis, dass Gegenstände durch eben die Formen, die ihre Thematisierung erlauben, in letzter Instanz auch erst sind, was sie sind“, erläutert Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann (Lehrgebiet Philosophie II an der FernUniversität in Hagen), den Jiménez Rodriguez zusammen mit seinem Mitarbeiter Dr. Fernando Moledo zur Kooperation eingeladen hat. Kant hat seine Lehre in diesem Punkt in seinem Hauptwerk, der „Kritik der reinen Vernunft“, vorgetragen.

Das neue Projekt will nun versuchen, ihre Spiegelungen in Kants Logik- und Metaphysikvorlesungen aufzuzeigen und auch die Wirkungsgeschichte des Kantischen Gedankens in seine Interpretation miteinzubeziehen. „Dabei werden wir auch bis jetzt eher unbekannte Zeitgenossen Kants in die Debatte berücksichtigen und zugleich versuchen, die praktisch-philosophischen Implikationen des neuen Ansatzes bei Kant herauszuarbeiten“, erläutert Moledo.

Hoffmann freut sich, dass neben den „klassischen“ Zentren der Kantforschung in Deutschland – also Mainz, Trier und Halle – auch die FernUniversität mit von der Partie ist und damit als Forschungsstandort in Sachen Kant international gewürdigt wird. „Von dem Austausch wird Hagen in Forschung und Lehre unbedingt profitieren“, ist er sich sicher.

FernUni: Prof. Annette Elisabeth Töller berät ab 1. Juli die Bundesregierung

26. Juni 2020

Der Anruf aus Berlin kam überraschend für Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller: Ob sie bereit wäre, zum 1. Juli Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) zu werden? Ein Angebot, dass man nicht ablehnt, denn die Bundesregierung in diesem äußerst anerkannten Gremium zu beraten, ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine große Anerkennung.

Und so wird die Politikwissenschaftlerin an der FernUniversität in Hagen in den nächsten vier Jahren auch zwei Tage pro Monat in Berlin arbeiten. Ausgewählt wurde die Leiterin des Lehrgebiets Politikfeldanalyse und Umweltpolitik vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), bestätigt vom Bundeskabinett. Mit dem SRU ebenso wie mit dem BMU ist Prof. Töller (Foto: Hardy Welsch) bereits seit mehreren Jahren als externe Expertin gelegentlich in Kontakt.

Im Kreise der sechs Kolleginnen und Kollegen fällt Annette Elisabeth Töller insofern „etwas aus dem Rahmen“, als sie sich nicht in erster Linie für bestimmte Umweltthemen interessiert, sondern vor allem für Querschnittsfragen zu politischer Prozesse und Institutionen: „Wie werden in der Umweltpolitik Entscheidungen getroffen? Wer hat welche Einflussmöglichkeiten? Wie wirken sich bestimmte institutionelle Regelungen aus? Warum haben umweltpolitische Maßnahmen in der Praxis oft nicht den gewünschten Erfolg? Dazu hat meine Disziplin, die Policyforschung, auch wissenschaftliche Instrumente anzubieten, nicht aber zur Beantwortung der Frage, ob etwa ein Immissionsgrenzwert bei 40 oder 50 µg/m3 liegen soll.“

Im Forschungsschwerpunkt Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit der FernUniversität etwa plant Töller insbesondere Forschungsprojekte zu den Auswirkungen von Verfahren, etwa auf den Windenergieausbau. Aber gerade weil sie sich als „Spezialistin fürs Allgemeine versteht“, hat sie auch schon zu vielen anderen umweltpolitische Themen gearbeitet, etwa zu Fracking, Bioökonomie oder Elektromobilität. Im Moment untersucht sie in verschiedenen Studien, ob die Klagen der Deutschen Umwelthilfe eigentlich in den betroffenen Städten zu einer Verbesserung der Luftqualität geführt haben.

Die Zeichen der digitalen Zeit früh erkannt

20. Juni 2020

Am Samstag, 20. Juni, wird Prof. Helmut Hoyer 70. Er leitete die FernUniversität von 1997 bis 2016 fast 19 Jahre lang. In dieser Zeit wurden u.a. entscheidende Weichen für die Digitalisierung der universitären Fernlehre gestellt.

„Heute sagen die Menschen: Wenn es die FernUni nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Ein größeres Lob kann es nicht geben.“ Mit diesem erfreulichen Fazit zog sich Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer (Foto: Veit Mette) im März 2016 in den Ruhestand zurück. Fast 19 Jahre lang hatte er die Geschicke der mit 76.000 Studierenden größten Hochschule in Deutschland als Rektor gelenkt. Am Samstag, 20. Juni, wird er 70 Jahre. Für seine vielfältigen Verdienste erhielt Hoyer das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Galt die FernUniversität nach der Aufnahme des Studienbetriebs 1975 noch als „Paradiesvogel“ in der deutschen Hochschullandschaft und als „sozialistisches Bildungsexperiment“, so konnte sie nicht zuletzt in der „Ära Hoyer“ ihren Ruf als erste Adresse für ein wissenschaftliches Studium neben Beruf und anderen Verpflichtungen weiter festigen und eine weltweite Vorreiterrolle beim digitalen Lehren und Lernen übernehmen.

Nach seiner Wahl zum Rektor im April 1997 forcierte Helmut Hoyer die Entwicklung ihres modernen, netzgestützten Studiensystems: Der „Lernraum Virtuelle Universität“, der auf Entwicklungen in der Hagener Elektrotechnik und der Informatik basierte, wurde fit gemacht für den Regelbetrieb und stetig weiterentwickelt. So erhielt die Digitalisierung der Fernlehre unter Hoyer und seiner Nachfolgerin Prof. Dr. Ada Pellert einen kräftigen Schub. Angesichts der Coronakrise konnte die FernUniversität im April 2020 sogar den deutschen Präsenzhochschulen anbieten, sie bei der Digitalisierung ihrer Lehre zu unterstützen.

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Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit

18. Juni 2020

Online-Ringvorlesung der FernUniversität

Industrie 4.0, Energiewende, Digitalisierung – große und wichtige Schlagworte, die im Kern das Ziel vereint, mit Hilfe von Automatisierung die Effizienz der Nutzung von Ressourcen zu erhöhen. Dabei kann die Steigerung der Ressourceneffizienz verschiedenste Ausprägungen annehmen.

Prototypische Beispiele wären die Reduktion des Ausschusses im Handel oder aber die Senkung des Energiebedarfs (und damit der Energiekosten) je produzierter Einheit in der Industrie. Aber auch die Integration erneuerbarer Energien oder die Minimierung des Zeitbedarfs und der Fehleranfälligkeit einzelner Aufgaben stellen Beispiele für Effizienzsteigerungen und die Schonung von Ressourcen dar.

Hierzu findet am Dienstag, 23. Juni, von 18 bis 20 Uhr eine öffentliche Vortragsveranstaltung in der Ringvorlesung Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit der FernUniversität in Hagen statt: „Machine Learning und Mathematische Optimierung als wesentliche Verfahren zur Umsetzung der Energiewende“. Die Online-Veranstaltung ist öffentlich, alle Interessierten sind willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Adobe-Connect-Meetingraum (https://fernuni.de/eun-panke) kann ab 17.50 Uhr betreten werden.

Im Rahmen seines Vortrags wird Dr. Timo Panke anhand praktischer Anwendungsfälle zeigen, wie Verfahren des Maschinellen Lernens und der Mathematischen Optimierung dazu beitragen können, die Ressourceneffizienz komplexer Systeme in Industrie, Handel und Gewerbe zu steigern. Zudem wird diskutiert, welche Hürden und Bedenken bei der Umsetzung bestehen und wie eine flexible IT-Architektur dazu beitragen kann, diese zu lösen bzw. zu mindern. Methodisch wird der Fokus insbesondere auf dem Gebiet des Constraint Programmings liegen.

Zurzeit arbeitet Timo Panke an der Neugründung eines Unternehmens, das die KI-basierte Digitalisierung von Planungs- und Entscheidungsprozessen im Energiesektor ermöglichen soll.

Weitere Informationen, auch zu Teilnahme und Technik: www.fernuni-hagen.de.

FernUni: Die Krise als Lernauslöser

15. Juni 2020

Digitaler Dialog: Corona-Schock im Bildungssektor

Einen Normalbetrieb wird es an Universitäten und Schulen erst einmal nicht geben. Die Bildungseinrichtungen sind weiter besonders gefordert und brauchen nachhaltige digitale Lösungen in der Krisensituation. Die Corona-Zeit zeigt, dass Politik, Wissenschaft und Institutionen sich schneller bewegen müssen als bisher – und das auch können! Prinzipiell notwendige Digitalisierungsprozesse im Bildungsbereich erscheinen plötzlich realisierbar oder wurden in den vergangenen drei Monaten bereits angepackt: Die Corona-Krise ist damit zum Lernauslöser geworden.

„Die Corona-Krise ist damit zum Lernauslöser im Bildungsbereich geworden“, sagt Prof. Dr. Ada Pellert, Rektorin der FernUniversität in Hagen und Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung: „Zum Digitaltag diskutieren wir die Frage: Wie können uns diese Erfahrungen auch in Zukunft als Wegweiser dienen, um wichtige Entwicklungen zügig voranzutreiben?“

Dazu veranstaltet die FernUniversität in ihrem YouTube-Kanal eine digitale Podiumsdiskussion:

„Corona-Schock im Bildungssektor. Die Krise als Lernauslöser”

Von der FernUniversität in Hagen diskutieren:

  • Dr. Ada Pellert, Rektorin
  • Dr. Julia Schütz, Professorin für Empirische Bildungsforschung
  • Dr. Uwe Elsholz, Professor für Lebenslanges Lernen
  • Dr. Claudia de Witt, Professorin für Bildungstheorie und Medienpädagogik
  • Annabell Bils, Referentin für Hochschulstrategie und Digitalisierung

Zudem werden im Rahmen des Digitaltages Studierende der FernUniversität in Hagen virtuell zu Wort kommen.

Interessierte sind herzlich eingeladen, per Chat teilzunehmen, mitzudiskutieren und Fragen zu stellen. Sie können sich dafür einfach mit Ihrem Google-Konto auf YouTube anmelden. Alternativ können sie aber auch vorab Ihre Fragen per E-Mail an js@mann-beisst-hund.de mitteilen. Zum Zuschauen ist keine Anmeldung erforderlich.

Die Initiative „Digital für alle“ hat den Digitaltag ins Leben gerufen. Der Digitaltag soll Digitalisierung mit zahlreichen Aktionen für alle Bürgerinnen und Bürger alltagsnah erlebbar machen. Durch verschiedene digitale Veranstaltungsformate und Online-Aktivitäten von Vereinen, Behörden und Unternehmen schafft der Digitaltag eine Plattform, um die unterschiedlichen Aspekte der Digitalisierung zu beleuchten und zu diskutieren.

Hagener Studie zeigt: Lehrende sehen Bildungsteilhabe durch Corona-Krise gefährdet

29. Mai 2020

Die Bildungsteilhabe an Schulen und Hochschulen ist durch die Corona-Krise deutlich gefährdet. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fernuni Hagen im Rahmen ihrer Studie zur Professionalität und Bildungsgerechtigkeit in der Pandemie-Zeit.

Knapp 840 Lehrende hatten sich an der Anfang April gestarteten Online-Umfrage zum Unterrichten und Lehren an allgemeinbildenden Schulen und Hochschulen in der Corona-Krise beteiligt. 87 Prozent der befragten Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen schätzen, dass der von ihnen vermittelte Unterrichtsstoff bei ihren Schülerinnen und Schülern ankommt. Im Hochschulbereich sind es 84 Prozent. Aber 78 bzw. 65 Prozent der Befragten sehen die gleichberechtigte Bildungsteilhabe ihrer Schützlinge gefährdet.

Interviews der Studie deuten darauf hin, dass der persönliche Kontakt als Faktor für das Gelingen von Lehr- und Lernprozessen benötigt wird. Zudem ist er ausschlaggebend für die Einschätzung darüber, ob angemessen, das heißt bildungsgerecht unterrichtet bzw. gelehrt wird. Online-Unterricht kann den persönlichen Kontakt nicht vollständig ersetzen.

Beeinflusst CoVid-19 Mieten und Immobilienpreise?

7. Mai 2020

FernUni-Wissenschaftler: Der steigende Trend bei Mieten und Immobilienpreisen könnte durchbrochen werden

CoVid-19 ändert vieles, aber nicht alles. Ein Problem, das die Öffentlichkeit schon lange vor der Corona-Krise bewegte, dürfte auch in Zukunft (wieder) ein „Aufreger“ sein, so der Makroökonom Prof. Dr. Helmut Wagner von der FernUniversität in Hagen: Mieten und Immobilienpreise.

Er sieht jedoch Chancen, dass die langfristigen Trends auf beiden Märkten durch das Virus für eine gewisse Zeit unterbrochen werden. Vor allem dann, wenn der Staat im Zuge des Wiederaufbaus der Wirtschaft in den sozialen Wohnungsbau investiert und damit wenigstens in einem Teil des Mietwohnungsmarktes den Druck mindert.

In bestimmten Bereichen hält Prof. Wagner sogar dauerhaft sinkende Mieten für möglich. Mini-Appartements etwa werden gerne von Studierenden und mobilen Beschäftigten gemietet, oft als Zweitwohnung. Angesichts des sicher steigenden Trends zum Arbeiten im Homeoffice infolge von Corona könnte die Nachfrage sinken, denn Millionen von Beschäftigten haben die Erfahrung gemacht, dass man auch in geeigneten Wohnungen arbeiten kann, entfernt von Metropolen. Am anderen Markt-Ende, bei luxuriösen Mietwohnungen, sieht Wagner ebenfalls sinkende Preise: wegen Einkommensminderungen und „Vorsichtssparen“.

Preistreiber Nummer eins bei Mieten und bei Immobilienpreisen ist der – oft beruflich motivierte – Umzug in Metropolen, wo der großen Nachfrage ein viel zu knappes Angebot gegenübersteht. Berlin, München und Hamburg haben in den letzten zehn Jahren ihre Einwohnerzahlen um zusammen 700.000 gesteigert (insgesamt gewannen die 66 deutschen Großstädte allein von 2010 bis 2016 1,35 Millionen Einwohner).

Gleichzeitig sind – Stand Januar 2020 – die Mieten bei Neuverträgen in Ballungsgebieten weiter stark gestiegen: „In München um 61 Prozent, in Berlin um 104 Prozent“, erläutert Wagner. In weniger attraktiven Städten wie Duisburg, Gelsenkirchen oder Hagen stiegen die Mieten um 17 bis 22 Prozent: „Die Diskrepanz zwischen den Metropolen und dem Rest wird immer größer!“

Wo sollte aus volkswirtschaftlicher Sicht angesetzt werden? „Der Staat sollte im Zuge des Wiederaufbaus der Wirtschaft auch in den Sozialen Wohnungsbau investieren“, rät Wagner, „Das würde wenigstens in den preiswerteren Bereichen für eine Entspannung sorgen.“

Allerdings ist die Baubereitschaft in Deutschland insgesamt nicht hoch, schon gar nicht im Sozialwohnungsbau: „Viele Kommunen haben bisher viel zu wenig Mittel dafür abgerufen. Ihre Begründungen: keine Baufirmen, keine Bauflächen, Widerstand gegen neue Baugebiete…“

Eine offene Frage ist für ihn, ob bei einer länger andauernden Krise und angesichts immer teureren Wohnens der Sog der Metropolen nachlassen könnte, die ja auch viele Schattenseiten haben: „Dafür müsste im Umland die Infrastruktur für den privaten und den beruflichen Bereich besser werden, etwa das Internet für das Homeoffice, aber auch Verkehrsanbindung, Bildung und Kinderbetreuung bis hin zu medizinischer Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten.“

Prof. Helmut Wagner war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand vor wenigen Wochen Inhaber des Hagener Lehrstuhls für Makroökonomie.

FernUni untersucht Bankinformationen

5. Mai 2020

Land fördert Verbraucherforschung an den Unis Bochum, Hagen und Siegen

Mit 125.000 Euro fördert das Land NRW vier Projekte zur Verbraucherforschung an den Universitäten Bochum, Hagen und Siegen (2). Die Hochschulen waren in der aktuellen Ausschreibungsrunde des Kompetenzzentrums Verbraucherforschung NRW (KVF NRW) erfolgreich.

Die Fernuniversität Hagen prüft die EU-Verordnung über die Verbraucherinformationen bei Finanzprodukten und untersucht, ob die Informationen der Banken objektiv, transparent und vergleichbar sind. Das Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum beschäftigt sich mit der produkt- und provisionsunabhängigen Honorarberatung und geht dabei der Frage nach, ob Provisionen der Produktanbieter zu vermehrten Fehlberatungen der Kunden führen.

Das KVF NRW ist ein Kooperationsprojekt der NRW-Ministerien für Wissenschaft und für Verbraucherschutz sowie der Verbraucherzentrale NRW.

Chancen der Arbeit im Homeoffice erkennen und nutzen

22. April 2020

Arbeits- und Organisationspsychologe Prof. Jan Dettmers von der FernUniversität arbeitet an einer Längsschnittstudie

Die durch die Corona-Krise rasant und für viele längerfristig veränderten Arbeitsbedingungen stellen hohe Anforderungen an Organisationstalent, Flexibilität und Psyche der Beschäftigten. Prof. Dr. Jan Dettmers, Leiter des Lehrgebietes Arbeits- und Organisationspsychologie an der FernUniversität in Hagen, konnte im März kurzfristig eine bereits längere Zeit laufende Längsschnittstudie erweitern, um aktuelle Daten zu erhalten.

Ihm ging es um Fragen wie „Wie wirken sich die veränderten Rahmenbedingungen auf die Psyche von Beschäftigten aus, die ohne ausreichende organisatorische und technische Vorbereitung ins kalte ‚Homeoffice-Wasser‘ geworfen wurden? Welche Beschäftigtentypen kommen damit gut zurecht? Wie beeinflusst das die Beschäftigten? Was können sie selbst tun, um mit der Situation besser umzugehen?“

Interessant ist, wie die nochmals befragten Teilnehmenden der Studie ihre eigene Produktivität im Homeoffice einschätzen, verglichen mit der Tätigkeit im Büro: 17 Prozent sehen sie als gleich hoch an, 28 Prozent gehen von 90 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung aus, 13,5 Prozent meinen, dass sie weniger als 50 Prozent leisten. Die meisten – 77 Prozent – sind relativ zufrieden mit dieser Form der Arbeit, eher zufrieden sind 50 Prozent.

Für die meisten „passt“ auch ihre technische Ausstattung, doch gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Koordination von Arbeit und Familienleben: „Das müssen wir noch genauer untersuchen“, so Dettmers. Obwohl viele keine Homeoffice-Erfahrungen haben und häufig die Bedingungen nicht optimal sind, erstaunt ihn der hohe Anteil an Zufriedenen.

Grundlage für die ersten neuen Erkenntnisse von Prof. Jan Dettmers ist eine Studie, in der rund 1.100 Beschäftigte allgemein zu psychologischen Belastungen durch ihre normale Arbeitssituation befragt worden waren. Daraus lagen Jan Dettmers bereits viele Daten vor.

Ende März befragte er dann ergänzend 838 der Teilnehmenden nochmals – nur Personen, die wirklich weiterarbeiten. Von ihnen sind 32,2 Prozent jetzt ausschließlich im Homeoffice tätig, 13 Prozent an zwei bis vier Tagen, 46 Prozent noch im Büro. „Dann habe ich mir diejenigen angeschaut, die jetzt im Homeoffice arbeiten und wie sie das belastet“, erläutert er. Fast zwei Drittel hatten vorher noch keine Homeoffice-Praxis. „Wir haben z.B. verglichen, welche Unterschiede es macht, ob man entsprechende Erfahrung hat oder nicht.“

Dettmers betont jedoch, dass die gewonnenen Daten noch intensiver ausgewertet werden müssen, als dies kurzfristig möglich war. Das gilt auch für die tatsächlichen Rahmenbedingungen: Was macht Arbeiten zuhause erfolgreich und was nicht?

Vortrag vor leeren Stühlen, aber nicht ohne Publikum

19. April 2020

Erstmals in der mehr als 32-jährigen Geschichte des Forum Philosophicum der FernUniversität in Hagen findet am Donnerstag, 23. April, eine seiner Vortragsveranstaltungen vor leeren Stühlen statt – aber nicht ohne Publikum: Der Vortrag von Prof. Dr. Matteo V. d‘Alfonso (Universität Ferrara) über „Die Metamorphose des Primats des Praktischen: Kant, Fichte, Schopenhauer, Nietzsche“ wird wegen der Corona-Krise ausschließlich als Livestream im Netz verbreitet.

Die Veranstaltung beginnt um 16.00 Uhr, der Link hierzu ist etwa zehn Minuten zuvor verfügbar (https://emeeting.fernuni-hagen.de/philosophicum). Prof. d’Alfonso hält seinen Vortrag von Italien aus.

Die traditionsreiche Vortragsreihe des Instituts für Philosophie setzt diese Technologie schon lange ein, denn zusätzlich zu den Vorträgen in Hagen vor einem physisch anwesenden Publikum werden die Vorträge schon seit einigen Jahren philosophisch Interessierten gleichzeitig per Livestream zugänglich gemacht.


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