Archive for the ‘07 Wissenschaft Hagen’ Category

„Der Baum und der Hirsch“

21. Juni 2017

Eine Veranstaltung mit den FDP-Politikern Gerhart Baum, Bundesminister a.D., und Dr. Burkhard Hirsch, Vizepräsident des Deutschen Bundestages a.D.

FernUni-Vortragsreihe „Lüdenscheider Gespräche“
22.06.2017 um 18:00 Uhr
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Kaum zu glauben aber wahr: Diese beiden Herren gehörten mal zum Mainstream der schon lange zur reinen Lobbytruppe verkommenen FDP: Gerhart Baum und Burkhard Hirsch sind seit sechzig Jahren politische Weggefährten. Seit Jahrzehnten sind sie Vorkämpfer für Bürger- und Freiheitsrechte in Deutschland und gelten als „liberales Gewissen“ der Republik.

Vehement und erfolgreich streiten sie gegen Vorratsdatenspeicherung, Lauschangriffe oder Online-Durchsuchungen, aber auch für eine humane Asylpolitik und die universelle Geltung der Menschenrechte. So erreichten Gerhart Baum und Burkhard Hirsch zusammen mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Jahr 2004, dass wesentliche Teile des Gesetzes zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (Großer Lauschangriff) als Verstoß gegen die Menschenwürde und deshalb als verfassungswidrig eingestuft wurden. Mit einer weiteren Verfassungsbeschwerde, erneut gemeinsam mit Burkhard Hirsch, griff Baum 2005/06 erfolgreich das Luftsicherheitsgesetz an.

Dr. Burkhard Hirsch (* 29. Mai 1930 in Magdeburg), Rechtsanwalt und seit 1949 Mitglied der FDP, war von 1975 bis 1980 Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Von 1972 bis 1975 und von 1980 bis 1998 war er Mitglied sowie von 1994 bis 1998 zugleich Vizepräsident des Deutschen Bundestages.

Gerhart Baum (* 28. Oktober 1932 in Dresden), Rechtsanwalt, seit 1954 Mitglied der FDP, 1966 bis1998 in den Führungsgremien der Partei vertreten, von 1982 bis 1991 Stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1972 bis1994, war von 1978 bis 1982 Bundesminister des Innern.

Wie in ihrer 2016 erschienenen Veröffentlichung „Der Baum und der Hirsch. Deutschland von seiner liberalen Seite“ berichten beide Politiker an diesem Abend über die wichtigsten Wegmarken ihrer privaten und politischen Biographie vor dem Hintergrund der wechselvollen bundesdeutschen Geschichte mehrerer Jahrzehnte. Zum Ende der Veranstaltung wird es wie gewohnt Gelegenheit geben, Fragen aus dem Publikum zu stellen.

Vom Kaufmanns- zum Finanzmarktkapitalismus

14. Juni 2017

Vortragsreihe „wissenschaftsgespräche“ der FernUni

21.06.2017 um 16:00 Uhr
Seminargebäude der FernUniversität, R. 1 – 3, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen

In den „wissenschaftsgesprächen“ der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen geht es am 21. Juni um das Thema „Vom Kaufmanns- zum Finanzmarktkapitalismus. Zur Herausbildung eines Transformationsprozesses mithilfe der Kategorie ‚Organisation‘“. Referent ist Dr. Thomas Matys vom Lehrgebiet Soziologie II / Soziologische Gegenwartsdiagnosen (Prof. Dr. Uwe Vormbusch). Der Vortrag richtet sich in erster Linie an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende der FernUniversität. Weitere Interessierte sind gerne willkommen.

Der Vortrag hat aktuelle Forschungen im Rahmen des Habilitationsprojektes von Dr. Thomas Matys zum Inhalt. Grundlage ist die gegenwartsdiagnostische Feststellung, dass die derzeitige Phase der kapitalistischen Gesellschaftsformation als „Finanzmarktkapitalismus“ bezeichnet werden muss und dieser sich deutlich von der vorherigen Form eines Kapitalismus, der – nicht selten familienzentriert – Vermögen, ehrbare Kaufmannstätigkeit und persönliche Haftungen beinhaltete, unterscheidet.

Im Zentrum des Befundes des Finanzmarktkapitalismus steht der empirisch auffällige Sachverhalt, dass eben jener Finanzmarkt eine weltweite strukturelle Dominanz erlangt hat, die ihrerseits nationalstaatliche oder sonstige Einflussgrößen auf Gesellschaft erodiert bzw. weit hinter sich lässt. Es ist wohl davon ausgehen, dass „das Regime des Finanzmarktkapitalismus“ (Vormbusch 2017) so gar nicht funktionieren würde, ohne die „massiven weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte, die zur Bildung gewaltiger privater Kapitalvermögen“ (ebd.) geführt haben.

Nach Matys‘ Erachten ist es daher notwendig, eine querliegende Variable als machtvolle Bedingungsinstanz für finanzmarktliche Prozesse freizulegen: Die Kategorie der Organisation. Es dürfte relativ leicht Einigkeit erzielt werden können darüber, dass bestimmte Organisationen im Zentrum eines Finanzmarktkapitalismus wirken, ohne die sich dieses empirische Feld wahrscheinlich so nicht zeigen würde, man denkt hier schnell etwa an Banken, aber nicht zuletzt auch an Rating-Agenturen.

Wie selbstverständlich nehmen wir diese Organisationen bzw. deren Handlungen wahr, als seien sie alternativlos. Doch gerade Selbstverständlichkeiten nachzuspüren, ist eine der ersten Aufgaben der Soziologie. Wie ist also etwas entstanden, was heute selbstverständlich erscheint? Das bedingt eine historische Perspektive, die danach fragt, worin die Bedeutung von Geschichtlichem für aktuelle Phänomene liegt.

Am Beispiel von Rating-Agenturen kann aufgezeigt werden, dass diese zu mächtigen Organisationen innerhalb des finanzmarktlichen Settings geworden sind, indem sie Finanzprodukte, Banken oder sogar ganze Staaten „bewerten“. Ihre historischen Vorläufer fanden die Rating-Agenturen in den sog. „mercentile agencies“ (Handelsagenturen) in den USA des 19. Jhds. Jene bereiteten den Weg dafür, dass Großhändler erstmals auf Maßzahlen zur kategorisierenden Organisationsbewertung ihrer Schuldner vertrauten.

Spätere erste Rating-Agenturen entwickelten daraus im Laufe der Zeit komplexe Beurteilungskriterien, die heute in besonderer Weise, neben den Praxen von Banken, zum Inventar eines organisationalen Zahlengebrauchs gehören. Als ein aufschlussreiches Dokument kann in diesem Kontext bspw. das „Poor´s Manual on Railroads“ von 1865 gelten.

China zu Gast in Hagen

8. Juni 2017

Neues Forschungszentrum an der FernUni

Intensive Gespräche und Diskussionen in einem kleinen Kreis von Expertinnen und Experten: Der erste Workshop des neuen Forschungszentrums für volkswirtschaftliche Studien zu Ostasien an der FernUniversität war ein voller Erfolg. „Das zweitägige Programm ist exzellent angekommen. Unsere Gäste aus China waren begeistert“, zog Prof. Helmut Wagner Bilanz. Zusammen mit Prof. Hans-Jörg Schmerer hatte er das Center for East Asian Macroeconomic Studies (CEAMeS) im vergangenen an der FernUniversität gegründet. Die Forschungsmitglieder waren nun zum ersten persönlichen Kennenlernen auf den Campus in Hagen eingeladen.

China quo vadis? Auf dem Weg zum Regierungsbesuch in Peking legte China-Experte Dr. Markus Rodlauer einen Zwischenstopp an der FernUniversität ein. Der Vize-Direktor der Abteilung für Asien und Pazifik beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington hielt eine einstündige Key Note zur aktuellen wirtschaftlichen Lage Chinas sowie zu möglichen zukünftigen Entwicklungsszenarien.

Auch die FernUniversität als Gastgeberin war stark vertreten. Rektorin Prof. Ada Pellert und Prof. Helmut Wagner hießen die Gäste zu Beginn willkommen. Linda Glawe, Michael Murach und Antonia Reinecke aus den Lehrgebieten Makroökonomik und Internationale Ökonomie beleuchteten in ihren Vorträgen unterschiedliche Fragestellungen des übergeordneten Themas „Macroeconomic Development and Trade in East Asia“.

Auch eine Delegation des „Center for Macroeconomic Research“ der Xiamen-Universität aus China war zu Gast. Deren Leiter, Prof. Wenpu Li, kündigte an, den nächsten Workshop im Frühjahr 2018 in China auszurichten. Dann soll die Veranstaltung auch für weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus China und Japan geöffnet werden.

Die Aufbauarbeit des internationalen Netzwerks von Forschenden ist mit dem Gründungsworkshop in Hagen weitgehend abgeschlossen. Erste Kooperationen und Projekte mit ostasiatischen Universitäten und Institutionen sind angestoßen. In Zukunft wollen Prof. Wagner und Prof. Schmerer das Forschungszentrum als internationale Anlauf- und Informationsstelle zur Volkswirtschaft China etablieren, unter anderem über den Ausbau der Web-Plattform mit aktuellen Inhalten rund um die chinesische Wirtschaft. Außerdem sollen Gastdozentinnen und -dozenten regelmäßig in Hagen begrüßt werden. „Um die Strahlkraft unserer Forschung zu erhöhen, müssen wir im nächsten Schritt das Center auf eigene Füße stellen“, kündigt Wagner an. Die Gespräche zur Finanzierung und Ausstattung laufen.

Chancen der Energiewende nutzen

2. Juni 2017

Interdisziplinäres Projekt der FernUni

Die Energiewende bietet Unternehmen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen: „Energieflexible Fabriken“ etwa können ihren Stromverbrauch optimal an das schwankende Stromangebot anpassen. Vier Professoren aus drei Fakultäten der FernUniversität wollen die Wirtschaft in der Region Hagen dabei unterstützen.

Ihr interdisziplinäres Projekt „Management Energieflexibler Fabriken“ (MaXFab) stößt bei Unternehmen in der Region bereits auf reges Interesse. Und weil die Wissenschaftler gleichzeitig auch die industrieorientierte Forschung der Hochschule stärken wollen, unterstützt die FernUniversität in Hagen ihr Vorhaben mit Mitteln ihres Internen Forschungsförderprogramms 2016 – 2020.

FernUni-Wissenschaftler und Praktiker arbeiten beim MaXFab-Projekt gemeinsam daran, durch innovative Planungssystematiken und IT-Systeme Flexibilitätspotenziale der Unternehmen bestmöglich nutzen zu können. Ziel ist, Lastverläufe optimal an das schwankende Stromangebot anzupassen, um von der Entwicklung des „Strommarkts 2.0“ mit seinen wechselnden Preisen zu profitieren. Diese Potenziale schlummern bereits in vielen Unternehmen. Unerkannt und ohne enge Zusammenarbeit mit den Energieversorgern sind sie jedoch wertlos.

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„Es kann auch um versuchten Mord gehen“

23. Mai 2017

Strafrechts-Experte Prof. Osman Isfen bloggt über Hagener Raserfall

19. Mai 2016: Nicht weit vom Campus der FernUniversität in Hagen liefern sich zwei Männer ein illegales Autorennen und verursachen einen schweren Verkehrsunfall. Eine Mitarbeiterin der FernUni ist als Ersthelferin vor Ort. Vier Menschen werden schwer verletzt. Ein sechsjähriger Junge ist erst nach mehreren Tagen außer Lebensgefahr. Gut ein Jahr später beginnt am 29. Mai vor dem Hagener Landgericht der Prozess zum Unfall auf der Hagener Feithstraße.

Im Gerichtssaal wird auch Prof. Dr. Osman Isfen sitzen, Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht an der FernUniversität. Er wird die Hauptverhandlung gegen die beiden Angeklagten mit einem Monitoring wissenschaftlich begleiten und nach jedem der fünf geplanten Verhandlungstage einen Beitrag in sein strafrechtliches Blog einstellen. Neben einer Zusammenfassung der Verhandlung will der Jurist auch eine erste rechtliche Einordnung vornehmen. Geplant ist zudem ein wissenschaftlicher Aufsatz, in dem Prof. Isfen einen Vergleich zum Berliner Raserfall ziehen wird.

Zur Erinnerung: Im Prozess um das illegale tödliche Autorennen in Berlin war erstmals in Deutschland in einem Autorennen-Fall Anklage wegen Mordes erhoben worden. Ein 69-jähriger Mann war auf dem Ku‘damm noch am Unfallort gestorben. Die beiden Angeklagten wurden im Februar dieses Jahres wegen Mordes verurteilt. Ihre Strafe lautet: lebenslange Haft, lebenslanger Führerscheinentzug.

Mit einer Prognose für den Hagener Raserfall hält sich Osman Isfen bewusst zurück. „Ob es eine Gefängnisstrafe geben wird, ist nicht abzuschätzen. Es wird spannend, wie das Berliner Urteil rezipiert wird“, sagt der Experte für Strafrecht.

Die Anklage in Hagen lautet auf vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässige Körperverletzung. „Selbstverständlich kann es aber dabei nach einem entsprechenden Hinweis des Gerichts auch um versuchten Mord gehen“, so Osman Isfen.

Insgesamt fünf Verhandlungstermine sind angesetzt, im Anschluss daran ist jeweils ein Blogbeitrag geplant: Montag, 29. Mai, Donnerstag, 1. Juni, Montag, 12. Juni, Donnerstag, 29. Juni, Montag, 3. Juli.

Zum strafrechtlichen Blog „Audiatur et altera pars“ von Osman Isfen

Was bringt gesellschaftliche Diversität?

16. Mai 2017

Im „wissenschaftsgespräch“ am 17. Mai analysiert Prof. Miles Hewstone von der Universität Oxford, welche Rolle gesellschaftliche Diversität für das Zusammenleben hat.

Welche Chancen und Risiken birgt die zunehmende Diversität in Gesellschaften für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion? Dieser Frage geht Prof. Dr. Miles Hewstone im „wissenschaftsgespräch“ der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen am Mittwoch, 17. Mai, nach.

Hewstone ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Oxford und Direktor des Oxford Centre for the Study of Intergroup Conflict. Seinen Vortrag hält er auf Englisch, anschließend können Fragen auf Deutsch gestellt werden. Interessierte sind im Seminargebäude der FernUniversität, Raum 1 bis 3, Universitätsstraße 33, 58097 Hagen, um 16 Uhr willkommen. Der Eintritt ist frei.

Das „wissenschaftsgespräch“ findet im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt.

Wie lässt sich das europäische Asylsystem verbessern?

16. Mai 2017

An welchen Stellen weist das europäische Asylsystem Defizite auf? Inwiefern sollte man es reformieren?

Der Asylrechtsexperte Kay Hailbronner hält am Donnerstag, 18. Mai, einen Vortrag in der FernUniversität in Hagen zum Thema „Das Gemeinsame Europäische Asylsystem aus der Perspektive des deutschen Asylrechts“. Die Veranstaltung ist Teil der öffentlichen Vortragsreihe „Europäische Verfassungswissenschaften“ des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften.

Der Vortrag beginnt um 17 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, in den Räumen 1 und 2, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen. Nach dem Referat ist noch Zeit für eine Diskussion eingeplant. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt.

„Dunkle Seele, feiges Maul“

14. Mai 2017

Entnazifizierung zwischen 1945 und 1951

Eine Veranstaltung im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität

Das nächste „Lüdenscheider Gespräch“ beschäftigt sich am Mittwoch, 17. Mai, mit der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Autor und Journalist Niklas Frank referiert zum Thema „‚Dunkle Seele, feiges Maul‘ – Entnazifizierung zwischen 1945 und 1951“. Im Fokus stehen für ihn besonders die Unterstützer des Nationalsozialismus, die sich scheinbar problemlos mit dem neuen System arrangieren konnten.

Neben Prominenten wie Lina Heydrich, Oskar von Hindenburg, Emmy Göring, Winifred Wagner und anderen interessiert sich Frank vor allem für die vielen unbekannten Nazis, die das unmenschliche System gestützt und bejubelt haben, ihre Mitmenschen denunzierten, bei der Judenverfolgung wegsahen und sich bei den Mächtigen anbiederten, nun aber für ihre Gesinnung geradestehen sollten.

Anhand zahlloser Akten erzählt Niklas Frank empörende, aber auch absurd komische Fälle voller Lug und Trug aus der Zeit der Entnazifizierung zwischen 1945 und 1951. Dreist verkauften damals Mitglieder und Nutznießer der NSDAP die Spruchkammern für dumm und retteten sich ohne Reue ins demokratische Deutschland.

Frank gewährt uns befremdliche Einblicke in den giftig-süßen Beginn der bundesdeutschen Demokratie und erschreckende in den Alltag des „Dritten Reichs“. Böse analysiert er, dass ein direkter Weg von damals zum heutigen Verhalten der schweigenden Mehrheit der Deutschen führt.

Niklas Frank, geboren 1939, ist Journalist und Buchautor. Er war über zwei Jahrzehnte Reporter beim STERN und ist Verfasser der familiären Aufarbeitungs-Trilogie „Der Vater“, „Meine Deutsche Mutter“ und „Bruder Norman!“.

Die öffentliche Veranstaltung der FernUniversität in Hagen beginnt um 18 Uhr im Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid. Die Teilnahme an der Vortragsreihe des Instituts für Geschichte und Biografie ist kostenlos.

Rudimentäres Wissen an der Wahlurne

2. Mai 2017

Wer keine Ahnung von Politik hat, wählt eher europaskeptische Parteien… Tatsächlich?

Angesichts jüngster Wahlerfolge populistischer Parteien – wie bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich – scheint es gesellschaftlicher Konsens zu sein, dass deren Wählerinnen und Wähler politisch eher unwissend sind. Der Sozialwissenschaftler Dr. Markus Tausendpfund von der FernUniversität in Hagen (Foto: Bernhard Kreutzer) fragte sich, ob das stimmt: Wie wirkt sich politisches Wissen von Bürgerinnen und Bürgern auf deren Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung aus?

Gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Dr. Daniela Braun von der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchte Tausendpfund mit Daten der European Election Study 2014 das Wahlverhalten der Bürgerinnen und Bürger bei der Europawahl 2014. Mit 42,6 Prozent war die Beteiligung an der EU-Wahl 2014 die niedrigste bei Direktwahlen des Europäischen Parlaments. Gleichzeitig erreichten euroskeptische Parteien den höchsten Stimmenanteil seit 1979.

„Je größer das politische Wissen, desto eher wird sich eine Person auch an einer Wahl beteiligen“, erläutert Dr. Tausendpfund, „das ist relativ gut erforscht“. Politisch Gebildete beteiligen sich auch eher an EU-Wahlen, weil sie deren Bedeutung erkennen. Nur wer das entsprechende Wissen hat, kann die hochkomplexen politischen und strukturellen Zusammenhänge der EU verstehen und die Bedeutung der Brüsseler Entscheidungen für alle EU-Bürgerinnen und EU-Bürger einschätzen.

Falsch wäre jedoch der Schluss, „dass jemand mit viel politischem Wissen nicht euroskeptisch wählt“, haben die Wissenschaftler festgestellt. „Wer zufrieden mit der Europäischen Union ist, tendiert seltener zu EU-kritischen Parteien. Wer mit der EU hadert, neigt ihnen eher zu“, sagt Tausendpfund.

Es gibt einen weiteren Grund, antieuropäisch zu wählen: Unzufriedenheit mit der eigenen nationalen Regierung: „Es kann auch um Denkzettel für nationale Eliten gehen“, sagt Tausendpfund.

Für den Wissenschaftler im Arbeitsbereich Quantitative Methoden der Hagener Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften ist die bisherige Vernachlässigung des politischen Wissens überraschend und besorgniserregend, „weil es für die politischen Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürgerinnen und Bürger außerordentlich bedeutend ist“.

Die Neigung zu Protestwahlen dürfte auf der EU-Ebene größer sein als etwa bei einer Bundestagswahl. Tausendpfund: „Die EU-Wahl wird als weniger wichtige ‚Nebenwahl‘ wahrgenommen. In Deutschland zum Beispiel liegt die Beteiligung daran mit etwa 45 Prozent auf eher schwachem Niveau.“ Das sei allerdings fatal, weil auf der EU-Ebene immer mehr Entscheidungen fallen, die auch für die Bürgerinnen und Bürger in den Nationalstaaten wichtig sind. „Die Bedeutung des Europäischen Parlaments wächst, die Beteiligung bei seiner Wahl sinkt. Der Bundestag wird als viel wichtiger wahrgenommen.“

Die Ergebnisse für die EU-Wahl sind, so Tausendpfund, nicht ohne weiteres auf die Bundestagswahl zu übertragen. Doch auch das bundespolitische Wissen der Deutschen sei „überschaubar“: „In Deutschland und in vielen anderen Staaten ist es mittelmäßig bis schwach und zudem auf niedrigem Niveau weit gespreizt. Den Homo Politicus gibt es eher nicht.“ Das sei problematisch, weil „rudimentäres Wissen an der Wahlurne“ im Gegensatz zur gesellschaftlich-politischen Erwartungshaltung stehe, sich im Sinn einer direkteren Demokratie immer stärker zu beteiligen.

Nur 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger wissen zum Beispiel, dass die Zweitstimme wichtiger ist als die Erststimme. Auch um weiteres Basiswissen – etwa zu Wahlgeheimnis oder 5-Prozent-Hürde – „ist es erschreckend bestellt“, so Tausendpfund, „vor allem bei Bürgerinnen und Bürgern, die sich im Alltag nicht mit Politik beschäftigen.“ Nicht besser sieht es aus, wenn es um Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker geht: Nur 20 Prozent der Befragten konnten zum Beispiel anlässlich der Europawahl 2014 Jean-Claude Juncker (Europäische Volkspartei) und Martin Schulz (Europäische Sozialdemokraten) ihren Fraktionen im Europäischen Parlament richtig zuordnen.

Beeinflusst wird das politische Wissen von Fähigkeiten wie Bildung, von Motivation wie das politische Interesse sowie von Gelegenheit wie der Nachrichtenkonsum. Dabei spielen die öffentlich-rechtlichen Medien und die Qualitätspresse eine große Rolle. Sie liefern ein großes Maß an politischem Wissen, während der Nachrichtenkonsum der privaten Fernsehsender, so Tausendpfund, einen eher schwachen bis negativen Effekt auf das politisches Wissen hat. Im Internet, auf Facebook & Co., könnten die Menschen „sich ihre eigene Medienwelt schaffen“.

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Bevor die Schlote rauchten

30. April 2017

Wirtschaftsgeschichte an Rhein und Ruhr

Wie sah die Wirtschaft an Ruhr und Rhein aus, bevor große Hochöfen brannten und überall Schornsteine qualmten? Dieser Frage wendet sich am Freitag, 5. Mai, die Fachtagung „Gespräche zur Regionalgeschichte an Rhein und Ruhr“ an der FernUniversität in Hagen zu.

Von 14.15 bis 18.30 Uhr wird das Thema „Wie man in vorindustrieller Zeit an Rhein und Ruhr wirtschaftete“ in verschiedenen Vorträgen beleuchtet. Tagungsort ist das Seminargebäude der FernUniversität, Räume 1 und 2, Universitätsstraße 33, 58097 Hagen.

Prof. Dr. Felicitas Schmieder (Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas an der FernUniversität in Hagen) und Dr. Stefan Pätzold (Ruhr-Universität Bochum) moderieren die Veranstaltung. Die Tagung findet im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können an der wissenschaftlichen Veranstaltung teilnehmen.

Programmübersicht: Von der Grafschaft Mark auf dem Weg zur Industrialisierung bis zur Falschmünzerei im südlichen Westfalen

„Die Türkei ist mein Land!“

21. April 2017

Dr. Utku Sayin sprach an der FernUni über die Lage in der Türkei

„Die Türkei ist nicht Erdoğans Land. Sie ist mein Land!“ Irgendwann, so ist Dr. Utku Sayin (Foto: FernUni) optimistisch, wird er wieder gefahrlos in seine Heimat zurückkehren können. Der Unterzeichner einer Petition gegen die Politik der türkischen Regierung im kurdischen Teil des Landes muss dort mit Repressalien rechnen.

Kurz vor dem Ende seiner dreimonatigen Arbeit als Gastwissenschaftler im Lehrgebiet Bildung und Differenz von Prof. Dr. Katharina Walgenbach vermittelte Sayin 40 Interessierten aus allen Bereichen der FernUniversität in Hagen einen Eindruck von der aktuellen Situation türkischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nicht auf der Erdoğan-Linie liegen. Sein Vortrag hatte den Titel „Human Rights in the Academy. Zur aktuellen Situation von Hochschulangehörigen in der Türkei“.

Der Sonderpädagoge war bis zum 18. August 2016 Assistent Professor an der staatlichen Mustafa Kemal University (MKU). Als einer von 1.128 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hatte er zuvor die Petition „Wir werden nicht Teil des Verbrechens sein“ unterzeichnet. Nach neuen heftigen Beleidigungen Präsident Erdoğans gegen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Petition stieg deren Zahl sogar auf 2.212.

Durch die Kampfhandlungen im kurdischen Gebiet starben in den Jahren 2015 und 2016 rund 2.000 Menschen, davon 800 Zivilisten. 6.500 Menschen wurden verletzt, 1,5 Millionen verloren ihre Heimat. Sayin zeigte hierzu Bilder von Panzern in Innenstädten und von Menschen, die auf grausamste Weise getötet wurden.

„Jagd“ auf Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Petition

Nach seinen Worten begann an allen türkischen Universitäten nun „eine Jagd“. Gegen 492 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien disziplinarische Ermittlungsverfahren eingeleitet und 75 entlassen worden, 25 von sich aus ausgeschieden. Folge seien große Probleme in der Lehre. Auch gegen Sayin leitete das neue MKU-Rektorat eine Untersuchung ein: Sein Vertrag wurde nicht mehr erneuert.

Die MKU übergab Sayins Akte der staatlichen Ermittlungsbehörde. Den Petitionsunterstützern drohen auch von dort Maßnahmen. 306 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien mit einem staatlichen Einstellungsverbot für die öffentlichen Dienste belegt, 50 in Untersuchungshaft genommen und vier inhaftiert worden, so der Referent. Auch ihm wurde bescheinigt, dauerhaft disqualifiziert für den öffentlichen Dienst zu sein. Ebenfalls Repressalien wie Zwangsversetzungen sind Promovierende in staatlichen Forschungsprogrammen ausgesetzt.

Viele Studierende könnten ihre Studien nicht aufnehmen oder fortsetzen, laufende Stipendien würden eingestellt, staatlich geförderte Auslandsaufenthalte beendet und Abschlussarbeiten unterbrochen, so Sayin. Es gäbe zwar keine amtlichen Zahlen, „aber wir wissen, dass 2.459 Studierende 2014 in Haft waren – diese Zahl hat sich drastisch erhöht. Ein zerbrochener roter Schirm oder das Mitführen des ‚Kommunistischen Manifests‘ können ausreichen.“

Würde Sayin heute zurückkehren, drohen ihm – wie anderen – Inhaftierung und zwangsweise Arbeitslosigkeit. Sein Name stehe auf einer Liste mit Personen, die per Dekret für Jobs im öffentlichen Dienst gesperrt sind. Private Arbeitgeber, die so geächtete einstellen, müssten selbst mit Repressalien rechnen. Wieder ausreisen aus der Türkei dürfte Sayin aber wohl auch nicht mehr. Aus Sorge, seinen Reisepass abgenommen zu bekommen, beteiligte er sich in Deutschland nicht am Referendum über eine Präsidialverfassung in der Türkei.

Weitere konkrete Gefahren sind die Sperrung seines Bankkontos und die Beschlagnahmung seines Vermögens. „Das wäre sein ‚sozialer Tod‘“, kommentierte Katharina Walgenbach. Das türkische Konsulat in Essen verweigerte dem türkischen Staatsbürger sogar die Unterstützung bei der Visa-Beantragung für seine Frau und seine beiden Kinder.

„Europa verschließt die Augen!“

Sayin hat jetzt begonnen, Deutsch zu lernen. Für die nächsten drei Monate ist er durch eine weitere Tätigkeit an der Universität Bielefeld sicher. Danach will er versuchen, eine Unterstützung der Philipp Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung zu bekommen, mit der Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland gefährdete Forschende für 24 Monate aufnehmen können (https://www.humboldt-foundation.de/web/philipp-schwartz-initiative.html). Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Organisationen – unter ihnen die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) – haben sich vernetzt, um verfolgten türkischen Kolleginnen und Kollegen zu helfen: „Der Bedarf ist enorm gestiegen“, betont Katharina Walgenbach. Über Kolleginnen hatte sie im Herbst 2016 vom Schicksal Sayins erfahren und spontan ihre Hilfe angeboten.

Sayins ist überzeugt, dass über solche wertvollen Einzelinitiativen hinaus die europäischen Universitäten das zentrale staatliche Kontrollgremium türkischer Hochschulen YÖK dazu bewegen müssen, gesetzliche Vorschriften, akademische Rechte und wissenschaftliche Ethik zu respektieren: „Statt die Augen zu verschließen muss Europa mit den türkischen Wissenschaftlern solidarisch sein!“ Dennoch: „Ich bin traurig, aber auch zuversichtlich, dass ich von hier aus etwas bewegen kann!“

Utku Sayin hielt seinen Vortrag auf Türkisch. Übersetzt ins Deutsche wurde er von Nurten Karakaş, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim. Die – angesichts der Urlaubszeit erstaunlich vielen – Interessierten diskutierten mit Sayin ausführlich auf Englisch.

„Wir werden nicht Teil des Verbrechens sein“

12. April 2017

Verfolgter Wissenschaftler spricht über die Situation an türkischen Hochschulen

Wenn Dr. Utku Sayin (Foto: FernUni) am heutigen Mittwoch, 12. April, in der FernUniversität in Hagen die aktuelle Situation der Wissenschaft in der Türkei darstellt, dann spricht er darüber als ein selbst Betroffener. Zu seinem Vortrag „Human Rights in the Academy. Zur aktuellen Situation von Hochschulangehörigen in der Türkei“ sind alle Hochschulangehörigen eingeladen, auch externe Gäste sind willkommen.

Der türkische Wissenschaftler war bis zum 18. August 2016 Assistent Professor an der staatlichen Mustafa Kemal University (MKU). Er hatte – wie 1.127 Kolleginnen und Kollegen – die Petition „Wir werden nicht Teil des Verbrechens sein“ unterzeichnet, die sich gegen die Politik der türkischen Regierung gegen kurdische Zivilisten im Südosten des Landes richtete, bei der 800 Menschen starben und 1,5 Millionen ihre Heimat verloren. Nach heftigen Vorwürfen von Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Zahl der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner auf 2.212. Laut Sayin begann an allen türkischen Universitäten nun „eine Jagd“ auf sie.

Gegen ihn leitete das neue MKU-Rektorat eine disziplinarische Untersuchung ein. In der Folge wurde sein Vertrag nicht mehr erneuert und ihm wurde bescheinigt, dauerhaft disqualifiziert für den öffentlichen Dienst zu sein.

Bereits zuvor hatte die türkische Strafverfolgungsbehörde ihn der Propaganda für die terroristische PKK bezichtigt. Nun droht ihm in der Türkei sogar die Inhaftierung. Die türkische Regierung ihn von allen öffentlichen und privaten Arbeitsmöglichkeiten ausgeschlossen und ihm wichtige Bürgerrechte aberkannt. Sein Reisepass ist ungültig. Die Regierung kann sein Bankkonto und seinen Besitz beschlagnahmen.

Die Informationsveranstaltung findet am 12. April von 14 bis 16 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 4 und 5, statt. Sie richtet sich an alle Hochschulangehörigen. Auch externe Gäste sind willkommen. Veranstalter ist das Lehrgebiet Bildung und Differenz von Prof. Dr. Katharina Walgenbach, bei der Dr. Sayin seit Januar als Gastwissenschaftler tätig ist. Seinen Vortrag hält er auf Türkisch, für eine Übersetzung ins Deutsche ist gesorgt.

FernUni: Psychologie vorerst weiter ohne Numerus Clausus

11. April 2017

Für den hoch nachgefragten Masterstudiengang Psychologie wird die FernUniversität in Hagen im kommenden Wintersemester keinen Numerus Clausus (NC) einführen. Das ist das Ergebnis eines Gespräches von Hochschulleitung, Vertretern der Psychologie und dem nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium. Es gelten weiterhin die bisherigen Zugangsvoraussetzungen.

Mit Unterstützung der Hochschulleitung und zusätzlichen befristeten Professuren und Mitarbeitenden werden die psychologischen Lehrgebiete versuchen, die Überlast im kommenden Semester zu bewältigen und dabei die Qualität in der Lehre sicher zu stellen.

Unstrittig ist zwischen allen Seiten, dass die Belastungssituation im Fach Psychologie die Grenze des Erträglichen erreicht hat. Das gilt gleichermaßen für die Lehrenden wie für die Studierenden. Denn auch im Fernstudium werden für das berufsqualifizierende Masterstudium diagnostisch ausgerichtete Praktikumsplätze benötigt und Seminare in kleineren Gruppen veranstaltet werden. Nicht zuletzt sind für die empirisch ausgerichteten Masterthesen entsprechende Betreuungskapazitäten erforderlich. Auch die Studierenden im Studiengang spüren mittlerweile die Engpässe.

Nachdem ein ganzes Bündel von Maßnahmen keinen dauerhaften Erfolg gezeigt hat und Kapazitäten endlich sind, sollte ein Numerus Clausus die Zahl der Einschreibungen in den Masterstudiengang reduzieren. Allerdings bietet das Hochschulzulassungsgesetz, nach dem dieses Verfahren abgewickelt werden müsste, für die Besonderheiten der FernUniversitäts-Studierenden keinen geeigneten Rahmen. Aus diesem Grund ist die schnelle Einführung eines NCs zum kommenden Wintersemester in einer für die FernUniversität und ihre Studierenden angemessenen Form nicht möglich.

Die FernUniversität wird daher mit dem Wissenschaftsministerium weiter über ein für Hochschule und Studierenden passendes NC-Verfahren verhandeln und plant dessen Einführung zum Wintersemester 2018/19. Parallel dazu wird sie ihre Anstrengungen verstärken, eine höhere Grundfinanzierung für die Hochschule zu erwirken, um den Lehrkörper z.B. in der Psychologie dauerhaft aufzustocken.

Der Druck steigt weiter

31. März 2017

FernUni: Zur aktuellen Situation türkischer Hochschulen

In der Türkei wächst der Druck auf die Hochschulen und ihre Beschäftigten. Dr. Utku Sayin, zurzeit Gastwissenschaftler an der FernUniversität in Hagen, berichtet am Mittwoch, 12. April, aus eigenem Erleben über die aktuelle Situation in seiner Heimat.

Zu seinem Vortrag „Human Rights in the Academy. Zur aktuellen Situation von Hochschulangehörigen in der Türkei“ von 14 bis 16 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 4 und 5, sind alle Hochschulangehörigen eingeladen. Auch externe Gäste sind willkommen. Veranstalter ist das Lehrgebiet Bildung und Differenz.

Dr. Utku Sayin, früherer Assistent Professor an der türkischen Mustafa Kemal Universität, ist einer von über 2.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern der Academics for Peace-Petition. Viele von ihnen wurden festgenommen oder aus dem Dienst entlassen, anderen wurde die Teilnahme an akademischen Aktivitäten im Ausland verweigert. Auch Sayin ist massiven beruflichen Nachteilen ausgesetzt.

Er wurde hierzu bereits von deutschen und türkischen Medien interviewt. Von Januar bis April 2017 ist er als Gastwissenschaftler im Lehrgebiet Bildung und Differenz von Prof. Dr. Katharina Walgenbach tätig. Seinen Vortrag hält er auf Türkisch, für eine Übersetzung ins Deutsche ist gesorgt.

In der Türkei werden Universitäten geschlossen, Hochschulangehörige entlassen, Rektoren und Dekane abgesetzt, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Ausreise verboten. Hunderte Beschäftigte an Hochschulen wurden verhaftet.

Zahlreiche Wissenschaftsorganisationen wie der DAAD oder die European University Association äußerten sich besorgt über die Einschränkung akademischer Freiheiten und Menschenrechte an türkischen Universitäten. „Die tiefen, offenbar skrupellosen Einschnitte in die akademischen Freiheiten durch die türkische Regierung machen uns alle fassungslos. Wir protestieren gegen dieses Vorgehen auf das Schärfste“, so der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Horst Hippler, im Juli 2016.

FernUni: Aus für Eintrittsgeld

29. März 2017

Oberverwaltungsgericht Münster erklärt Grundgebühr der FernUniversität für unzulässig

Die Grundgebühr im alten Gebührenmodell der FernUniversität in Hagen ist nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts in Münster zwar von der Hochschulabgabenverordnung aber nicht vom Gesetz gedeckt. Das machte das Gericht nach der Anhörung am Dienstag, 28.März 2017, in seiner mündlichen Urteilsverkündung klar. Die schriftliche Begründung liegt noch nicht vor. Das Gericht hat damit das Urteil des Verwaltungsgerichtes Arnsberg vom April 2015 bestätigt.

Die FernUniversität in Hagen hatte zum Sommersemester 2014 im damaligen Gebührenmodell die Kosten für die allen Studierenden gleichermaßen zur Verfügung stehende Infrastruktur in einer Grundgebühr von 50 Euro pro Semester zusammengefasst. Gleichzeitig war der Beitrag für Studienmaterial und Betreuung von 20 Euro auf 12,50 Euro je belegter Semesterwochenstunde reduziert worden. Vor allem die große Mehrheit der in der Regelstudienzeit Studierenden profitierte von dieser neuen Regelung.

Allerdings hatten sieben Studierende gegen die Grundgebühr vor dem Verwaltungsgericht in Arnsberg geklagt und gewonnen. Die FernUniversität in Hagen hatte nach Prüfung der Urteilsbegründung zwar Berufung eingelegt. Sie hatte aber ebenso ihr Gebührenmodell wieder auf ein Verfahren ohne Grundgebühr umgestellt. Die Studierenden zahlen seit dem Wintersemester 2015/16 wieder 20 Euro pro belegter Semesterwochenstunde.

Für die klagenden Studierenden bedeutet das Urteil, dass sie die Grundgebühr nicht zahlen müssen. Für alle anderen Studierenden hat das Urteil jedoch keine Auswirkungen, da sich seine Wirkung unmittelbar nur auf die Kläger erstreckt.

LautSprecher Hitler

19. März 2017

Vortragsreihe „wissenschaftsgespräche“ der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften

22.03.2017 um 16:00 Uhr
Seminargebäude der FernUniversität, R. 1 – 3, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen

Referentin: Dr. Cornelia Epping-Jäger Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte der Medienkulturen

Der Vortrag analysiert die Stimmpolitiken des Nationalsozialismus, wobei die Frage im Vordergrund steht, inwieweit der NS wesentlich phonozentrisch agierte und seine politische Wirkung über akustische Evidenzstrategien organisierte. Die Verknüpfung von technischen Apparaturen, Stimmen der Redner, Instanzen der ideologisch-rhetorischen Aufrüstung sowie von Formen der Massenadressierung wird als ein von der NSDAP konzipierter medialer Großversuch beschrieben, in dessen Verlauf sich das der performativen Inszenierung von politischen Stimmen dienende Mediendispositiv LautSprecher herausbildete.

Die politisch-propagandistische Wirkung des NS wird also über visuelle Medien und das Medium Rundfunk hinaus vor allem dem Dispositiv LautSprecher zugeschrieben.

Globalisierung bedrängt Rechtskultur – Rechtskultur begrenzt Globalisierung

12. März 2017

Die 57. Assistententagung Öffentliches Recht an der FernUniversität setzte sich mit aktuellen Fragestellungen sowie dem Spannungsverhältnis von Rechtskultur und Globalisierung auseinander

Der wissenschaftliche Nachwuchs aus dem Öffentlichen Recht tagte an der FernUniversität und in Hagen: Drei Tage beschäftigen sich die Juristinnen und Juristen in Panels und einer Podiumsdiskussion mit hochaktuellen Fragen zur „Rechtskultur und Globalisierung“. Mit dem Thema hatte das Organisationsteam der traditionsreichen 57. Assistententagung ein hochaktuelles gewählt.

Die sieben jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FernUniversität waren sich nach der Konferenz einig: „Globalisierung und Rechtskultur stehen in einem gewissen Spannungsverhältnis. Durch die Globalisierung können sich zwar zum einen Universalwerte aus verschiedenen Rechtskulturen herauskristallisieren oder es kann mit der Zeit eine gemeinsame Rechtskultur erwachsen, wie es in den letzten 60 Jahren beispielsweise in Europa der Fall war – und hoffentlich weiter ist.“

Zum anderen setzten nationale Rechtskulturen der Globalisierung in gewisser Weise auch Grenzen: Wenn man sich etwa vor Augen führe, was die Verfassungsidentität eines Staates – also etwa einen unverrückbaren Kernbestand von Werten, Strukturen oder Institutionen – ausmache. „Auch der in einigen Staaten derzeit gegenläufige Renationalisierungstrend steht in diesem Kontext“, ergänzen die Juristinnen und Juristen. (…)

Quelle: FernUni

Bilder machen historische Übergänge deutlich

3. März 2017

Für Prof. Alexandra Przyrembel können durch die Analyse moralpolitischer Wertvorstellungen, „Feindgefühle“ und moralischer Handlungen Brüche in der Geschichte Europas beobachtet werden

„Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist eine Geschichte von Krieg und Gewalt. Gewalt wird dabei auf verschiedenste Weise symbolisch dargestellt.“ Nicht zuletzt angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in den USA ist für Prof. Dr. Alexandra Przyrembel die Analyse von moralpolitischen Wertvorstellungen, von „Feindgefühlen“ und von moralischen Handlungen eine Möglichkeit, die Übergänge und Brüche in der Geschichte Europas wachsam zu beobachten: „An ihnen lassen sich Übergänge von einer alten in eine neue Zeit festmachen“, so die Leiterin des Lehrgebiets Geschichte der Europäischen Moderne an der FernUniversität in Hagen.

In ihrer Antrittsvorlesung „Moralpolitik und die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert“ ging es ihr vor allem auch um die Frage, wie die Geschichte der Europäischen Moderne vor dem Hintergrund moralischer Wertvorstellungen und Emotionen geschrieben werden könnte, die immer auch visuell in Szene gesetzt werden. (…)

Quelle: FernUni

„Moden der Kleidung – Moden des Geistes?“

22. Februar 2017

Tagung im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs
9. – 11. März 2017, FernUni, Anmeldung bis 2. März

Die interdisziplinäre Tagung „Moden der Kleidung – Moden des Geistes?“ geht der Vermutung nach, dass sich die Kurzlebigkeit von Moden nur aus gewissen sozialen Bedürfnissen erklären lässt, die auch auf den Feldern geisti­ger Prinzipien den ständigen Wechsel von Moden hervorrufen.

Wie nicht wenige philoso­phi­sche und soziologische Theorien der Mode im 20. Jahrhundert annahmen (z.B. Georg Simmel und Pierre Bourdieu), dürften die treibenden Faktoren für die Bildung von Modezyklen einerseits in Bedürfnissen nach Zugehörigkeit zu einer bestimmten Statusgruppe sowie nach Abgrenzung gegen andere Gruppen liegen, andererseits in Bedürfnissen nach einem Sich-Abheben des Individuums vom Allgemeinen. Beide Arten des Strebens nach sozialer Geltung erfolgen über die öffentliche Kommunikation von Zeichen der Distinktion bzw. der Nachahmung.

Die Tagung soll Hypothesen darüber diskutieren, ob sich auch in den Wissenschaf­ten, in den Künsten, in der Philosophie und sogar in der Religion – trotz aller Orientierung an Prinzipien – solche spezifischen Muster einer der Karriere, dem Sozialprestige oder anderen Motiven dienlichen Kommunikation von Exklusivität und Inklusivität identifizieren lassen; diese Muster wären gleichsam die immer neuen Kleider, in denen die Repräsentanten der einzelnen geistigen Teilgebiete sich sowohl füreinander als auch einem fachfremden Publikum darstellen.

Die Tagung richtet sich an alle Studierenden und Lehrenden der FernUniversität sowie an alle Interessierte.

Zum Programm und zur Anmeldung (bitte bis 2. März)

Fernuni scheitert mit NC für das Psychologie-Studium

18. Februar 2017

Die Leitung der Fernuniversität ist vorerst mit ihrem Vorhaben gescheitert, die Zulassung zum Masterstudiengang Psychologie über einen Numerus Clausus (NC) zu beschränken. Im Fakultätsrat der Kultur- und Sozialwissenschaften fand sich nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit.

Zwar gab es in dem von Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern, Uni-Angestellten und Studenten beschickten Gremium acht Jastimmen (drei Neinstimmen, vier Enthaltungen), doch die einfache Mehrheit reichte nicht aus, weil sich zuvor der Studienbeirat nicht zu einer NC-Empfehlung hatte durchringen können. „Ich bin froh, dass das zunächst verhindert werden konnte“, war Asta-Vorsitzende Petra Lambrich erleichtert. (…)

Quelle: wp.de (kostenpflichtig)

Dazu die Stellungnahme der FernUni:

NC für Psychologie wird weiter geprüft

Das Verfahren zur Einführung eines Numerus Clausus (NC) an der FernUniversität für den Masterstudiengang Psychologie wird fortgeführt. Denn entgegen der Meinung der Studierenden, dass der Fakultätsrat mit 2/3-Mehrheit der Satzung für das Auswahlverfahren zustimmen müsse, ist die Hochschule der Auffassung, dass eine einfache Mehrheit ausreicht. Hintergrund ist, dass sich die Vorgabe der 2/3-Mehrheit auf eine Änderung der Prüfungsordnung bezieht, das in diesem Fall nicht Gegenstand ist.

Unstrittig ist zwischen Hochschulleitung, Fakultät und Studierenden, dass die Studiensituation im Fach Psychologie immer schwieriger wird. Denn im Gegensatz zu anderen Hochschulen gibt es an der FernUniversität keinen Numerus Clausus. Der Zugang zum Psychologiestudium ist frei. (…)

Quelle: FernUni

FernUniversität gründet Forschungszentrum für volkswirtschaftliche Studien zu Ostasien

15. Februar 2017

An der FernUniversität in Hagen entsteht mit dem neuen Center for East Asia Macroeconomic Studies (CEAMeS) eine internationale Informations- und Anlaufzentrale für volkswirtschaftliche Studien zu Ostasien.

Dafür wurde ein internationales Netz von Forschern aus Universitäten in Japan, China, Hongkong, England, Deutschland und Dänemark geknüpft. Hinzu kommen Experten von internationalen Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.

Ziel ist es, den wissenschaftlichen Austausch zu verstärken. Mittelfristig sollen verstärkt gemeinsame volkswirtschaftliche Forschungsprojekte zu Ostasien initiiert werden. Ein Schwerpunkt soll u.a. die Frage sein, welche Auswirkungen eine bessere Vernetzung Chinas auf den internationalen Handel hat.

Die Macht der Reizthemen

15. Februar 2017

Sorgt politische Lagerbildung für mehr Partizipation?

Das „Wissenschaftsgespräch“ am 15. Februar widmet sich der Frage, ob die Polarisierung von Einstellungen zu einer größeren Beteiligung am politischen Leben führt.

Die Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen begrüßt alle Interessierten am Mittwoch, 15. Februar, zu ihrem nächsten „Wissenschaftsgespräch“. Die Politikwissenschaftlerin Dr. Tuuli-Marja Kleiner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet „Politikwissenschaft I: Staat und Regieren (Prof. Dr. Viktoria Kaina), referiert über „Polarisierung und politische Partizipation“. Die Veranstaltung findet um 16 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, Räume 1 bis 3, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, statt.

Die individuelle politische Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern wird von Bedingungen ihrer sozialen Umgebung beeinflusst. Eine Spaltung politischer Einstellungen in unterschiedliche „Lager“ kann eine solche Umweltbedingung darstellen. Bislang ist jedoch wenig darüber bekannt, ob die Polarisierung von Einstellungen Individuen dazu mobilisieren kann, sich politisch zu beteiligen.

In dem Vortrag in der Reihe „wissenschaftsgespräche der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften“ wird daher der Frage nachgegangen, ob eine Polarisierung hinsichtlich politisch aufgeladener Themen (Homosexualität, Zuwanderung, Europäisierung, soziale Ungleichheit) Einfluss darauf hat, ob Bürgerinnen und Bürger sich beispielsweise häufiger an Demonstrationen beteiligen, Kontakt zu Politikern aufnehmen, eine Petition unterschreiben oder politischen Aktionsgruppen anschließen. Mit Hilfe quantitativer Analysen können entsprechende Mobilisierungseffekte aufgezeigt werden.

Der Eintritt ist frei.

Wirtschaftspolitik mit der Brechstange

9. Februar 2017

„Trump hat anscheinend von Volkswirtschaft nicht viel Ahnung. Er denkt zu sehr als Unternehmer und ist nicht weitsichtig genug.“ So Hans-Jörg Schmerer, VWL-Professor an der FernUniversität. (…)

Quelle: FernUni

Nachhaltiges Wirtschaften – lokal und global

6. Februar 2017

Ungebremstes Wachstum versus Nachhaltigkeit: Diese Widersprüchlichkeit wurde bei der Tagung „Nachhaltige Entwicklungspolitik – lokal – global“ an der FernUniversität intensiv diskutiert

Nicht zuletzt das Handelsabkommen TTIP hat die Debatte über die Beziehungen zwischen Handel und nachhaltiger Entwicklung neu entfacht. Auf der einen Seite argumentieren viele Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Effizienzgewinnen, auf der anderen Seite verweisen Kritikerinnen und Kritiker auf Verdrängungseffekte und Einbußen für die Umwelt.

„Eine Begrenzung allein auf den Umweltfaktor wäre in der Nachhaltigkeitsdebatte zu eng“, unterstrich Gastgeber Prof. Dr. Helmut Wagner in seiner Begrüßung. Der Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Makroökonomik an der FernUniversität rief zur kritischen Auseinandersetzung mit den oft kurzfristigen Maßnahmen von Wirtschaft und Politik auf.

Mit Jens Martens (Global Policy Forum, Bonn und New York) und Dr. Tilmann Altenburg (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Bonn) hatte er zwei Experten aus der Praxis zur Veranstaltung innerhalb der Reihe „Nachhaltiges Wirtschaften“ eingeladen. Das zahlte sich aus. „Wir haben anschließend positives Feedback erhalten, das insbesondere auch die fachübergreifende, praxisnahe Ausrichtung der Thematik betonte“, fasste Prof. Wagner zusammen. (…)

Quelle: FernUni

Ein Unpolitiker an den Hebeln der Macht

2. Februar 2017

Wie können sich die Außen- und Sicherheitspolitik der USA unter Präsident Trump verändern? Was bedeutet das für Deutschland und Europa? Zwei Politikwissenschaftler der FernUni äußern sich dazu.

trump_donald_offizielles_foto_des_weissen_hausesSteht die Welt am Ende ihrer bisherigen Ordnung durch die Wahl von Donald John Trump zum 45. Präsidenten der USA? Oder wird es sich „nur“ um eine scharfe Zäsur handeln? Steuert die Weltmacht auf einen neuen Isolationismus zu? Welche Auswirkungen werden sich für die Außen- und Sicherheitspolitik der NATO, der Europäischen Union und Deutschlands ergeben? Und was treibt Trump wirklich an? Das offizielle Foto des Weißen Hauses von Präsident Trump (links) sagt mehr als 1.000 Worte.

„Ja, in der politischen Realität erleben wir wohl das Ende einer Weltordnung“, bestätigt Dr. Christopher Kaan. „In der Forschungsperspektive kann man aber sagen, dass wir nach einer Übergangsperiode in eine neue Weltordnung übergehen. Wir haben aber nicht jetzt die scharfe Zäsur, eine entscheidende Änderung gab es ja bereits in den 1990er Jahren.“ In seinem Buch „Das Ende der Geschichte“ stellte der Politikwissenschaftler Francis Fukujama dar, dass nach dem Zerfall des Ostblocks eine „Harmonie der Interessen“ herrschen und sich Liberalismus und Markwirtschaft überall und endgültig durchsetzen würden. Kaan: „Heute stellen wir fest: Offensichtlich ist das ‚Ende der Geschichte‘ doch nicht mehr gegeben“, weil bestimmte Akteure jetzt ihre Eigeninteressen verstärkt wahrnehmen, Russland zum Beispiel und jetzt auch die USA. (…)

Trump ist für List „kein wirklicher Politiker, sondern ein Unpolitiker, ein Machtmensch, der politisch nicht interessiert ist.“ Dass er die Weltmacht USA führen will wie einen Konzern, verheißt für den Wissenschaftler nichts Gutes: „Bei aller Vorsicht bei Ferndiagnosen: Was wohl jeder erkennen kann ist ein kleines Ego, das er mit ‚sichtbaren‘ Scheinerfolgen übertünchen möchte.“ Für Trump sei das Image des höchst erfolgreichen Unternehmers „wahnsinnig wichtig“. (…)

„Als er mit Casinos und Hotels beinahe gescheitert war, kam er ‚auf den Trichter‘: Ökonomisch kann ich mich öffentlich nicht mehr besonders gut profilieren. Aber mein Name ist ja schon in allen Medien – als großer Medien-Guru könnte ich also noch etwas werden.“ Lists Meinung nach ist er so auch in die Politik „hineingerutscht“: ohne konkrete politische Vorstellungen oder Gestaltungswillen. Und ohne irgendeine Ahnung von den Komplexitäten der internationalen Politik. List: „Öffentlich Personen abzuwatschen scheint ja sein Ding zu sein – das hat wieder mit dem kleinen Ego zu tun.“ Dass er seine Steuererklärung nicht veröffentlicht, lasse jedenfalls an seinem ökonomischen Erfolg zweifeln: „Man könnte zumindest vermuten, dass er zu viele Kredite hatte, als dass die Banken ihn hätten fallenlassen können. Das kennen wir aus der Finanzkrise – to big to fail“, zieht der Politikwissenschaftler Schlüsse aus der Vergangenheit.

Die Kompensation eines kleinen Ego durch Äußerlichkeiten zeigt sich für List auch daran, dass es für Trump an seinem ersten Amtstag nichts Wichtigeres gab als immer wieder zu bekräftigen, dass die Zuschauerzahl bei seiner Amtseinführung die größte aller Zeiten gewesen sei. Viele Präsidenten arbeiteten vor allem in ihrer zweiten Amtsperiode intensiv an dem Bild von sich, das sie später in den Geschichtsbüchern haben möchten. „Im Gegensatz dazu scheint der Zeithorizont Trumps sehr viel kurzfristiger zu sein.“ (…)

Quelle: FernUni

Dazu passend:

Neuer Rekord!

us-praesidentenTage, die es dauerte, bis mehr als 50 Prozent der US-Amerikaner die Politik ihres Präsidenten missbilligten.

Quelle: Katapult Magazin

Realismus als Herausforderung der Gegenwartsphilosophie

31. Januar 2017

Vortragsreihe forum philosophicum

02.02.2017 um 16:30 Uhr
Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3
Referentin: Inga Römer (Grenoble)

In den Debatten der Gegenwartsphilosophie sticht die Rede vom „Realismus“ besonders heraus. Obgleich die „Realisten“ immer zahlreicher zu werden scheinen, vertreten sie keineswegs denselben Realitätsbegriff. Vielmehr sind ihre Ansätze so heterogen, dass die Frage entsteht, weshalb sie sich überhaupt unter demselben Titel zusammenfinden. Neben einem gemeinsamen Gegner, dem sogenannten „Korrelationismus“, scheint es jedoch außerdem eine Reihe von nicht rein philosophischen Motiven zu geben, die die verschiedenen Autoren verbinden.

Der Vortrag fragt in einem ersten Teil danach, welche Motive es sein könnten, die dem „Realismus“ der Gegenwartsphilosophie zugrunde liegen und inwiefern diese erklären könnten, weshalb plötzlich nahezu jedermann „Realist“ sein zu wollen scheint. Der zweite Teil verlässt die Vogelperspektive und widmet sich der von den gegenwärtigen „Realisten“ formulierten Kritik am „Korrelationismus“.

Einer kritischen Diskussion der Korrelationismuskritik folgt eine Auseinandersetzung mit Kants differenziertem Realitätsbegriff, dessen Weiterentwicklungen in der zeitgenössischen Phänomenologie aufgezeigt werden.

„Der Westen braucht eine neue Strategie“

24. Januar 2017

Vortragsreihe „Europäische Verfassungs­wissenschaften“

26.01.2017 um 17:00 Uhr
Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 und 2
Referent: Prof. Dr. Heinz Theisen

Der Vortrag „Selbstbegrenzung und Selbstbehauptung. Warum der Westen eine neue Strategie braucht“ von Prof. Dr. Heinz Theisen mit anschließender Diskussion stützt sich auf folgende Thesen:

Die westliche Politik, sich offensiv in die Angelegenheiten des Orients und der Ukraine einzumischen und umgekehrt in Europa auf schützende Grenzen gegenüber seinen Nachbarn zu verzichten, ist gescheitert. Sie hat zu einer doppelten Überdehnung nach außen und innen geführt.

Von den Interventionen in Afghanistan, im Irak und in Libyen bis zu Lockangeboten an die Ukraine hatte der Westen zu Destabilisierungen beigetragen, Flüchtlingsströme zu sich gelenkt, die Sicherheitspartnerschaft mit Russland ruiniert und den Kampf der Islamisten gegen den Westen angefeuert.

Diese Überdehnungen, Entgrenzungen und Verstrickungen machen eine neue Strategie der Selbstbegrenzung und Selbstbehauptung des Westens notwendig. Nach der Eindämmung des extremen Islamismus muss eine durch Grenzen bewehrte Koexistenz mit den anderen Kulturen aufgebaut werden. Die Selbstbegrenzung nach außen bedarf der Selbstbehauptung durch eine Wehrhaftigkeit der Demokratien nach innen.

Gerade angesichts wirtschaftlicher und technischer Verflechtungen werden politische Grenzen als Grundlage für eine steuernde Politik gebraucht.

Rating-Agenturen in Zeiten globaler Finanzkrisen

21. Januar 2017

Vortragsreihe Kolloquien des Instituts für Soziologie

25.01.2017 um 16:00 Uhr
FernUniversität, KSW-Gebäude, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Raum B 0.025
Referent: Dr. Thomas Matys

Das Habil.-Projekt geht kritisch-organisationssoziologisch von der zentralen These aus, dass Rating-Agenturen ein doppelter Herrschaftscharakter zukommt:

a) Rating-Agenturen, als Organisationen (im Plural), sind im Rahmen eines globalen Finanz-Settings maßgeblich dafür verantwortlich, Handlungen zwischen Menschen, anderen Organisationen – u. U. sogar Staaten – zu produzieren und zu konfigurieren. Dies können sie nur deshalb so tun, weil sie zu Orten der Bündelung von ökonomischen und macht-politischen Ressourcen geworden sind;

b) Nicht nur die Rating-Prozesse selbst, sondern auch andere „Handlungen“ der Rating-Agenturen verlaufen im Modus Organisation (im Singular, als „Form“): Hiermit ist die spezifische Art und Weise gemeint, vermittels derer Herrschafts-Praktiken innerhalb der globalen Finanzwelt produziert und reproduziert werden, die alternative Formen sozialer Interaktion marginalisieren, wie selbstverständlich ersetzen oder sogar verdrängen.

Weitere Informationen: FernUni

„Inzwischen empfinde ich die Wiedervereinigung auch als Gewinn“

14. Januar 2017

Dr. Gregor Gysi brillierte im „Lüdenscheider Gespräch“ der FernUni

„Die DDR ist kein Unrechtsstaat, aber es hat viel grobes Unrecht gegeben.“ Dr. Gregor Gysi vertrat klare Positionen. Diese hatte er sich für den Abschluss aufgehoben. Nach etwas über anderthalb Stunden beendete der Privatmensch und Politiker Gysi einen gleichsam unterhaltenden wie informativen Abend in der Reihe „Lüdenscheider Gespräche“ der FernUniversität im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs.

Die Moderation übernahmen Prof. Dr. Alexandra Przyrembel, Leiterin des Lehrgebiets Europäische Moderne, und Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, Direktor des Instituts für Geschichte und Biographie an der FernUniversität.

Bereits eine Dreiviertelstunde vor Beginn ist der Vortragssaal bis auf den letzten Platz besetzt. Auch der zweite Saal füllt sich schnell, in den die Gesprächsrunde mit Gregor Gysi per Video übertragen wurde. Um drei Minuten nach dem offiziellen Beginn rauscht Gysi herein: Die Show kann beginnen.

Gysi beherrscht das Podium – nicht laut und grell, sondern mit Witz und Charme. Der Bundestagabgeordnete und führende Kopf der Partei Die Linke brilliert als der bekannte Rhetoriker. Sich zu entziehen fällt schwer. (…)

Quelle: FernUni (dort auch eine Video-Aufzeichnung der Veranstaltung)

Gregor Gysi und die DDR

10. Januar 2017

„Lüdenscheider Gespräche“ im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUni

11.01.2017 um 19:30 Uhr
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid
Referent: Dr. Gregor Gysi

In der Zeit der Wende 1989/90 setzte sich Gysi für den Erhalt der DDR ein, die er auch im Abstand von einem Vierteljahrhundert nicht als „Unrechtsstaat“ bezeichnet wissen möchte. Mit seiner kritischen Sicht auf die gängige Praxis der Aufarbeitung der Geschichte der DDR stand und steht er stellvertretend für die Gefühlslage vieler Ostdeutscher, bis hin dazu, dass er selbst sich immer wieder gezwungen sah, seine eigene Biographie zu rechtfertigen.

Im Mittelpunkt des „Lüdenscheider Gesprächs“ stehen Gregor Gysis DDR-Erfahrungen und deren Deutung, wobei Gysis Engagement für eine Reform des DDR-Sozialismus aus eigener Kraft besonders hervorgehoben und hinterfragt werden soll. Im zweiten Teil der Veranstaltung besteht für das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Diskussionsbeiträge zu leisten.

Dr. Gregor Gysi: Gregor Gysi, Jahrgang 1948, Sohn des DDR-Kulturministers Klaus Gysi, vertrat als Rechtsanwalt Rudolf Bahro, Robert Havemann und Bärbel Bohley. Gysi war seit 1967 Mitglied der SED, von 1989-1993 Parteivorsitzender der SED-PDS und von 2005-2015 Fraktionsvorsitzender der Partei „Die Linke“ im Deutschen Bundestag.

Einführende Worte / Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch / Prof. Dr. Alexandra Przyrembel (beide FernUniversität Hagen)
Veranstalter: Institut für Geschichte und Biographie der FernUni

Nachhaltige Entwicklungspolitik – lokal – global

3. Januar 2017

In der Vortragsreihe „Nachhaltiges Wirtschaften“ der FernUniversität in Hagen geht es am Donnerstag, 12. Januar 2017, um „Nachhaltige Entwicklungspolitik – lokal – global“. Die Veranstaltung von Prof. Dr. Helmut Wagner, Inhaber des Hagener Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Makroökonomik, beginnt um 17 Uhr im Seminargebäude der Hochschule, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 4 und 5.

Referenten sind Prof. Wagner selbst, Dipl.-Volkswirt Jens Martens (Geschäftsführer des Global Policy Forum – GPF, Bonn und New York), und Dr. Tilmann Altenburg (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Bonn, Abteilungsleiter „Nachhaltige Wirtschafts- und Sozialentwicklung“). Der Eintritt ist frei, alle Interessierten sind willkommen, Anmeldungen erbeten.

Auskünfte und Anmeldungen: Dipl.-Kff. Helga Gösling, E-Mail Helga.Goesling@FernUni-Hagen.de.

Mit den Maßnahmen der Entwicklungspolitik werden staatliche Programme umgesetzt, um die politische, wirtschaftliche und soziale Situation insbesondere der Entwicklungs- und Schwellenländer zu verbessern und so ihre Bürger aus der Armut zu führen und deren Wohlstand anzuheben.

Wie nachhaltig ist eine solche Politik, um die Länder langfristig zu stabilisieren und den Bürgern und nachfolgenden Generationen ein Leben in Würde und relativem Wohlstand zu ermöglichen? Und zwar, ohne deren Ressourcen heute schon zu verbrauchen und die Umwelt über Gebühr zu schädigen? Hat das Wirtschaftswachstum Grenzen?

Sowohl Industrieländer als Hauptverursacher des Klimawandels mit den damit einhergehenden Katastrophen, sind in der Pflicht umzusteuern und eine nachhaltige Entwicklungspolitik umzusetzen. Gleiches gilt auch für die Entwicklungs- und Schwellenländer, deren Anteil am Klimawandel rasant steigt.

Die Reihe „Nachhaltiges Wirtschaften“ findet im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt.

Europa eine nichtfinanzielle Seele geben

15. Dezember 2016

Workshop im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs der FernUni

Der Selbstbesinnung Europas und Deutschlands soll der „Ernst-Cassirer-Workshop: Europa eine nichtfinanzielle Seele geben – Ernst Cassirers kosmopolitisches Konzept“ am Donnerstag, 15. Dezember, in der FernUniversität in Hagen dienen.

Veranstalter ist das Dimitris-Tsatsos-Institut für Deutsche und Europäische Verfassungswissenschaften. Der Workshop findet in seiner Reihe „Europäische Verfassungswissenschaften“ ab 14.30 Uhr im TGZ-Gebäude, Universitätsstr. 11, 58097 Hagen, Erdgeschoss, Raum Ellipse, statt.

„Europa“ – Nur Finanzen, Wirtschaft und geopolitische Strategie? Idealistische Europäer reiben sich immer wieder die Augen: Das Friedens- und Versöhnungsprojekt stolpert von Krise zu Krise. Immer wieder entsteht der Eindruck, viele Mitgliedstaaten seien vor allem aus wirtschaftlichen, nicht aus altruistisch-europäischen Gründen dabei; die Briten wollen sogar austreten.

Die mehr oder weniger verhüllte Weigerung, Flüchtlinge aufzunehmen, die zuvor Deutschland aufgenommen hatte, hat hierzulande die Ernüchterung über den Idealismus der anderen Mitgliedstaaten gesteigert. Die Tagung soll der Selbstbesinnung Europas und Deutschlands durch vier Projekte dienen.

Interessierte Gäste sind willkommen, um Anmeldung per E-Mail an dtiev@fernuni-hagen.de wird gebeten.

Ausführliche Informationen sind unter http://www.fernuni-hagen.de/imperia/md/content/rewi/iev/3589_hfd_cassirer_a5-einladung15-12-2016web.pdf zu finden.

Der Dschihad – eine Erfindung Kaiser Wilhelms II.?

12. Dezember 2016

FernUni-Historiker Prof. Dr. Jürgen G. Nagel befasst sich mit den aufrührerischen Aktivitäten des Deutschen Reichs im Nahen und Mittleren Osten während des Ersten Weltkriegs

von Anja Wetter

Als Historiker schüttelt Prof. Dr. Jürgen G. Nagel den Kopf über Erklärungsansätze, die die Wurzeln des modernen Dschihads in die Zeit des deutschen Kaiserreiches zurückführen wollen und eine Verbindung zum Geschehen im 1. Weltkrieg ziehen.

Der Leiter des Lehrgebiets „Geschichte Europas in der Welt“ am Historischen Institut der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften befasst sich mit den Aktivitäten des Deutschen Reichs im Nahen und Mittleren Osten während des Ersten Weltkriegs sowie deren Wiederentdeckung um den 100. Jahrestag des Kriegsbeginns.

Diplomatischer Dienst

Die Idee schien bestechend: Muslime in Afrika und Asien anzustacheln, einen Aufstand gegen die unterdrückenden Besatzungsmächte zu entfesseln und so die Entente-Mächte England, Frankreich und Russland zu schwächen. Daraus rechneten sich die Achsenmächte Deutschland, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich einen Kriegsvorteil aus.

Wilhelm II. wollte die ,muslimischen Massen‘ mobilisieren und spannte seinen Diplomaten Max von Oppenheim ein. Ein ausgewiesener Kenner des Orients, der Arabisch sprach und gute Kontakte zu den Beduinen pflegte.

Er zog durch Syrien, Palästina, bereiste die Halbinsel Sinai und Nordwestarabien und suchte in Sultan-Kalif Mehmed V. einen (vermeintlich) einflussreichen Verbündeten. Von Oppenheim versorgte die islamische Welt mit Propagandamaterial – unter anderem mit comichaften Hetzblättern, die auch Analphabeten verstanden. Dazu hatte von Oppenheim sogenannte Nachrichtensäle im Osmanischen Reich eingerichtet. „Ihr Einfluss ist kaum messbar“, sagt Nagel.

Muslimische Kriegsgefangene wurden in Deutschland bevorzugt behandelt, um sie für sich zu gewinnen. Im „Halbmondlager“ in Wünsdorf bei Berlin entstand die erste Moschee auf deutschem Boden.

,Dschihad made in Germany‘

Die Rechnung ging allerdings nicht auf. Von Oppenheim verklärte die Muslime zu „stolzen Wüstenkriegern“, so Jürgen G. Nagel. „Das hatte keine Relevanz in der damaligen politischen Situation.“ Der deutsche Dschihad erstickte im Keim. „Es gab keine Aufstände muslimischer Gruppen“, so der Fernuni-Historiker. „Der ,Dschihad made in Germany‘ ist an seinen romantisierten Vorstellungen gescheitert. Es gab nicht die homogene Gruppe von edlen, wilden Rittern des Orient, die Oppenheim plakativ zeichnete.“

Stattdessen sei die islamische Welt um 1914 stark fragmentiert gewesen – durch Aufstände und Erneuerungsbewegungen. „Muslime dachten damals nicht ständig an Dschihad – eher an einen arabischen Nationalstaat.“

Keine Kontinuität

Diese schon damals konstruierten Konzepte eines Heiligen Krieges auf heute zu übertragen, scheitert. „Der Islam ist eben keine einheitliche Kultur, der Dschihad nicht ihr essenzieller Bestandteil und der Kalif war nicht als d a s Oberhaupt anerkannt“, sagt Nagel. Daher sei es nicht legitim, eine Linie vom 1. Weltkrieg bis heute zu ziehen. „Das ist nicht belastungsfähig.“

Doch Nagel bleibt nicht hier stehen: „Was lehrt uns das?“ Der Wissenschaftler formuliert es als Appell: „Wir müssen kritischer und differenzierter mit dem Dschihad-Begriff umgehen. Es gibt eine Vielfalt und Varianten, die stets in Abhängigkeit der historischen Situation und Glaubensrichtung zu sehen sind.“ Der verschiedenen Erscheinungsformen des Dschihads können über Epochen und regionale Unterschiede interpretiert werden.

Terrorinstrument

So eben auch als Propagandaformel zur Unterfütterung panislamischer Rhetorik oder in seiner extrem-radikalen Ausprägung als globales Terrorinstrument zur Destabilisierung. Hier schlägt Nagel den Bogen zum IS, Islamischer Staat. „Der IS will einen Nationalstaat ausrufen, das macht seine ,Attraktivität‘ aus und fällt aktuell auf fruchtbaren Boden.“ Heute gebe es quasi viele, kleine Kalifate mit begrenzter Reichweitem, aber globalen Auswirkungen.

FernUniversität in Hagen tritt Rahmenvertrag mit Verwertungsgesellschaft nicht bei

10. Dezember 2016

von Anja Wetter

Die Nutzung online bereitgestellter Lehr- und Lernmaterialien ist für das Studiensystem an der FernUniversität in Hagen unabdingbar – insbesondere auch Werke von Autorinnen und Autoren, die nach § 52a Urheberrechtsgesetz (UrhG) geschützt sind.

Da Blended Learning den Grundpfeiler für das Studium an der FernUniversität bildet, hat die FernUniversität in Hagen seit Mitte 2014 eine eigene Regelung getroffen, um Fremdtexte verlässlich zur Verfügung stellen zu können: Die Hochschule erwirbt für sämtliche genutzte Fremdmaterialien die erforderlichen Lizenzen direkt von den jeweiligen Rechteinhaberinnen und -inhabern. Das sind in der Regel Verlage.

Keine Auswirkungen für Studierende

An dieser Praxis hält die FernUniversität ausdrücklich fest und wird dem zwischen den Ländern und der Verwertungsgesellschaft Wort am 28. September 2016 geschlossenen Rahmenvertrag nicht beitreten. Damit ändert sich für die Studierenden an der FernUniversität in Hagen nichts.

Der Rahmenvertrag sieht die Einführung eines neuen Meldeverfahrens für urheberrechtlich geschützte Schriftwerke vor, das für die Hochschulen mit erheblichen organisatorischen, technischen und finanziellen Aufwänden verbunden wäre. Anstelle der bisher von den Ländern getragenen Pauschalvergütung soll die Vergütung ab dem 1. Januar 2017 auf Basis einer von den einzelnen Hochschulen zu leistenden Einzelerfassung erfolgen.

Aus Sicht der Hagener Hochschule birgt § 52 UrhG nach wie vor rechtliche Unsicherheiten und Risiken, die auch der Rahmenvertrag nicht beseitige. Hochschulen anderer Bundesländer – etwa Niedersachsen, Bayern, Thüringen, Hamburg – sowie die Hochschulrektorenkonferenz haben bereits erklärt, dem Vertrag nicht beitreten zu wollen.

FernUni: Europäische Governance in der Krise

7. Dezember 2016

Jahrestagung 2016 des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften (DTIEV) der FernUniversität

EU eine Rendite-orientierte Volkswirtschaft?

dtiev-jahrestagung_2016_prof_schrootenProf. Mechthild Schrooten hielt einen Vortrag, der viele Diskussionsbeiträge initiierte. Prof. Dr. Peter Schiffauer (DTIEV) moderierte die Abendveranstaltung. Foto: FernUni

Welche Methoden und Instrumente wirtschaftspolitischer Steuerung können die Folgen der Krise der Europäischen Union nachhaltig bekämpfen und dem Auseinanderdriften der Volkswirtschaften und der nationalen Wirtschaftspolitiken entgegenwirken?

Um „Europäische Governance in der Krise“ ging es bei der Jahrestagung 2016 des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften (DTIEV) der FernUniversität in Hagen. Das interdisziplinäre Kolloquium „Patentrezept oder Antworten nach Maß? Historische, ökonomische und juristische Aspekte Europäischer Governance in der Krise“ des Dimitris-Tsatsos-Instituts fand dieses Mal gemeinsam mit der Università del Salento in Lecce und der Group of Lecce statt.

„Ist es wirklich sinnvoll, für einen großen und heterogenen Wirtschaftsraum wie die EU generelle Konzepte auf konstitutioneller Ebene festzuschreiben und für deren strikte Anwendung in allen Regionen zu sorgen?“ fragte der Direktor des Instituts, Prof. Dr. Peter Brandt, in seiner Eröffnungsrede.

Er stellte den Bezug zu einer aktuellen Entwicklung her, die 2016 die EU erschütterte – und sie noch lange beschäftigen wird: „Der Brexit hat wohl dem letzten Optimisten verdeutlicht, dass das europäische Einigungsprojekt in eine tiefe Krise geraten ist.“ Schon die ablehnenden Voten zum Verfassungsvertrag in Frankreich und in den Niederlanden vor rund einem Jahrzehnt hätten deutlich gemacht, dass die Legitimität EU-Europas für einen großen Teil der Bürgerinnen und Bürger in der Union aus unterschiedlichen Gründen im Schwinden begriffen war.

Es ging, so Brandt weiter, dabei nicht allein um nationalistische Affekte: „Man durfte schon damals fragen, ob die Art und Weise, wie die EU-Institutionen darauf reagiert haben, angemessen war. Dabei sind gerade wir im DTIEV uns bewusst, wie doppelbödig manche nationalstaatliche, nicht zuletzt deutsche Politiker operieren, indem sie in Brüssel mit durchsetzen, was sie dann zuhause als EU-Oktroi kritisieren, wenn es unpopulär zu sein scheint.“

Eingeleitet wurde die Tagung mit einem Vortrag, der die aktuellen ökonomischen Grundfragen diskutierte: In ihrem Eröffnungspaneel „Strukturvielfalt und wirtschaftliches Gleichgewicht in einer Währungsunion“ schilderte Prof. Dr. Mechthild Schrooten, Volkswirtschaftlerin an der Hochschule Bremen, die Entwicklung der Europäischen Union und ihre Wandlung zu einer „Rendite-orientierten Volkswirtschaft“.

Eine ihrer Thesen war: Es gehe Unternehmen heute weniger darum zu produzieren als vielmehr darum, bestimmte Renditeziele, bestimmte Renditeziele zu erreichen. Solche „konkreten Zahlen“ könnten sie – aber auch der Staat, die EU und die Regierungen – kommunizieren. Private Haushalte dagegen könnten nicht sagen, sie wollten eine bestimmte Menge Nutzen erziehen, „17 Nutzen“ zum Beispiel. Damit seien sie bei der Kommunikation ihnen wichtiger Anliegen klar im Nachteil. Daher müssten, so Schrooten, neben monetären Indikatoren auch sozialpolitische gestärkt werden.

Wenn das „Prinzips des Wettbewerbs“ gelte, sei es selbstverständlich, dass „Europa auseinanderfliegt“, so die Volkswirtschaftlerin, „weil es im Wettbewerb nur Gewinner und Verlierer gibt. Es wird langsam deutlicher, dass Solidarität wichtiger ist!“ Auch wenn es anders dargestellt werde: Europa könne nur aus politischen Gründen geeint werden, nicht aus ökonomischen.

Bücherflohmarkt in der Universitätsbibliothek

5. Dezember 2016

Die Universitätsbibliothek in Hagen, Universitätsstraße 23, lädt zu ihrem mittlerweile traditionellen Adventsbücherflohmarkt ein. Er findet am Donnerstag, 8. Dezember, von 16 bis 19 Uhr im Foyer der Unibibliothek statt.

Die Besucherinnen und Besucher können aus einem vielfältigen und sehr preisgünstigen Bestand von Lehrbüchern und wissenschaftlicher Spezialliteratur ihre Auswahl treffen.

„Wie aus Asche Gold wird“

30. November 2016

Gold zu machen versuchten im Mittelalter die Alchimisten. Erfolglos. Den umgekehrten Weg ging der Bundesgerichtshof im Jahr 2015: Er erklärte Asche zu Gold.

Mitarbeiter eines Krematoriums, die Goldzähne im Wert von 300.000 Euro an sich genommen hatten, konnten nun wegen „Störung der Totenruhe“ verurteilt werden. Mit diesem Fall hat sich Prof. Dr. Stephan Stübinger wissenschaftlich befasst.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafrechtsgeschichte und Rechtsphilosophie an der FernUniversität in Hagen hält hierzu am Donnerstag, 1. Dezember, einen Vortrag: „Wie aus Asche Gold wird.“ Veranstalterin ist die Juristische Gesellschaft Hagen, Veranstaltungsort ab 17 Uhr die FernUniversität, TGZ-Gebäude, Universitätsstr. 11, 58097 Hagen (Raum F09 im Erdgeschoss).

Interessierte Gäste sind herzlich willkommen.

Die Ruinen des Römischen Reiches

21. November 2016

Über „Imperiales Bauen – Architektur und Stadtplanung im Kontext großer Reiche“ sprachen Historikerinnen und Historiker auf einer Fachtagung an der FernUniversität in Hagen

von Anja Wetter

Das Kolosseum in Rom, die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau, Opernhäuser in Brasilien oder Ägypten, sozialistische Monumentalgebäude – Weltreiche haben stets eine Bandbreite an architektonischen Repräsentationsformen entwickelt und hinterlassen. Die baulichen Zeugnisse großer Imperien, die ihre Herrschaft weit über die eigenen Grenzen ausgedehnt haben, finden sich noch heute.

Die Tagung „Imperiales Bauen – Architektur und Stadtplanung im Kontext großer Reiche“ beschäftigte sich unter anderem mit den langfristigen und epochenübergreifenden Entwicklungen, die die Repräsentation des imperialen Gedankens in Bauten durchlaufen hat.

Prof. Dr. Jürgen G. Nagel, Leiter des Lehrgebiets Geschichte Europas in der Welt am Historischen Institut der FernUniversität in Hagen, und der Verein für Geschichte des Weltsystems hatten die Tagung gemeinsam organisiert.

In den Diskussionsrunden stand vor allem im Mittelpunkt, ob sich imperiales Denken in Bauprogrammen niederschlägt und ob dies an Stilistik sowie Bauformen festzumachen ist oder sich in der Planung niederschlägt. Darüber hinaus wurde auch die Bedeutung einzelner Akteure der ,Imperien‘ und der jeweils spezifische historische Kontext angesprochen. Die Tagungsbeiträge werden in einem Sammelband publiziert.

FernUni-Wissenschaftler Jürgen G. Nagel hatte die Tagung nach Hagen geholt, denn: „Es gibt viele inhaltliche Bezüge zwischen der Ausrichtung meines Lehrgebiets und den Ansätzen, für die sich der Verein einsetzt.“ Über das Thema seiner Dissertation lernte Nagel den Historiker Prof. Dr. Hans-Heinrich Nolte kennen. „Nolte hat das Thema Weltsystem in Deutschland bekannt gemacht. Es kommt ursprünglich aus dem angloamerikanischen Raum.“

Während seiner Professur an der Universität Hannover beschäftigte sich Hans-Heinrich Nolte schon schwerpunktmäßig mit Weltgeschichte. Inzwischen ist Nolte emeritiert und setzt sich über den Verein dafür ein, die Forschungen zur Welt- und Globalgeschichte in Deutschland zu fördern und eine stärkere universitäre Verankerung des Fachgebietes anzuregen.

„Wir möchten die Geschichten aller Gesellschaften in sämtlichen Zeiten und Regionen unter dem Aspekt ihrer Verflechtung miteinander rekonstruieren“, führt Hans-Heinrich Nolte, der den Verein gegründet hat, aus. „Der Begriff Weltsystem wurde von dem amerikanischen Gelehrten Immanuel Wallerstein geprägt – wir verstehen darunter die Geschichte des sozialen Systems der Menschheit im Rahmen des Systems ihrer natürlichen Umwelt.“

Imperiales Bauen

4. November 2016

Architektur und Stadtplanung im Kontext großer Reiche
05.11.2016 – 06.11.2016, jeweils ab 10:00 Uhr

Seminargebäude der FernUniversität, R. 4. und 5, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen

Das expansive Denken großer Reiche und Imperien umfasste stets ein Bedürfnis nach Repräsentation, das nicht zuletzt in ihren Bauprogrammen Ausdruck fand. Dieses Erbe ist bis heute in Gestalt architektonischer Denkmäler präsent. Ihr Anblick fordert die Frage nach Kontinuitäten, Mustern und Umbrüchen in den imperialen Erscheinungsformen von Architektur und Städtebau heraus.

Dieser Frage widmet sich das Symposium „Imperiales Bauen“ (s. Tagungsprogramm), das in Zusammenarbeit mit dem „Verein für Geschichte des Weltsystems“ veranstaltet wird. Vertreterinnen und Vertreter der Geschichtswissenschaft, der Archäologie und der Kunstgeschichte stellen Fallbeispiele vor, die vom Römischen Kaiserreich bis zum Staatssozialismus der 1950er Jahre reichen, und diskutieren epochenübergreifende Grundmuster sowie regionale und epochale Besonderheiten imperialer Bauprogramme.

Die Veranstaltung unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität richtet sich sowohl an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie an wissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger. Die Teilnahme ist kostenfrei.

In Syrien Dozentin und Doktorandin, in Hagen Praktikantin

5. Oktober 2016

kouja_ali_-_webAmani Kouja Ali hat einen Herzenswunsch: Die Syrerin möchte unbedingt wieder in ihrem Beruf arbeiten. Vor der Flucht hat sie in ihrer Heimat als Bankerin und Uni-Dozentin gearbeitet. Foto: FernUni

Der Weg in ein neues Leben ist lang und beschwerlich. In Syrien ist Amani Kouja Ali die Karriereleiter Schritt für Schritt nach oben geklettert. Die 28-Jährige hat in Syrien einen Master-Abschluss in Wirtschaft mit Schwerpunkt Finanzen und Versicherungen gemacht. Sie hat bei einer Bank und als Uni-Dozentin gearbeitet. Und sie hatte mit ihrer Promotion begonnen.

Doch dann musste sie von heute auf morgen ihre Heimat Edleb verlassen. 2014 floh sie wegen des Krieges nach Deutschland. „Man konnte und kann nie wissen, wann die nächste Bombe kommt“, sagt sie. In Hagen hat sie mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter ein neues Zuhause gefunden. Seit Anfang September sammelt sie als erste syrische Praktikantin in der FernUni-Verwaltung wichtige Erfahrungen für den Einstieg ins deutsche Berufsleben. Die Caritas in Hagen hatte die qualifizierte Syrerin beraten und stellte den Kontakt zur FernUni her.

Noch bis zum 7. Oktober ist Amani Kouja Ali Praktikantin in der Abteilung Organisations- und Personalentwicklung im Dezernat 3. Die junge Frau ist neugierig, wie eine Fernuniversität in Deutschland funktioniert. Sie selbst hat an einer Präsenzuniversität in der syrischen Hauptstadt Damaskus studiert, Fernstudienangebote gebe es in ihrer Heimat aber auch. Ihr erster Eindruck an der FernUni: „Die Arbeit ist hier sehr gut organisiert. Das gefällt mir. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ich freue mich wirklich sehr, hier arbeiten zu dürfen.“

Beim Vorstellungsgespräch im Frühjahr dieses Jahres lernte auch Personalentwickler Jürgen Deitelhoff dazu. „Ich kannte bislang ja noch niemanden aus Syrien.“ Beten während der Arbeitszeit, gemeinsames Arbeiten mit Männern im Büro – diese Themen sprach er offen an. Amani Kouja Ali musste angesichts seiner Fragen herzhaft lachen. „Ich habe in Syrien doch ganz normal studiert und gearbeitet. Als Bankerin und Dozentin an der Uni.“ Und genau das möchte sie in Deutschland auch so schnell wie möglich. „Ich kann unmöglich den ganzen Tag zu Hause sitzen und möchte unbedingt wieder in meinem Beruf arbeiten“, sagt sie.

Ihre Zeit an der FernUni will sie so effektiv wie möglich nutzen. Derzeit prüft sie, in welchen Fällen Stellenausschreibungen der FernUniversität erfolgreich sind und in welchen nicht. Die Ergebnisse wertet sie mit Hilfe statischer Modelle aus. „Das hat einen Mehrwert und bringt uns weiter“, sagt Jürgen Deitelhoff.

Darüber hinaus möchte Amani Kouja Ali an der FernUniversität Kontakte knüpfen. Sehr gerne würde sie mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ihrem Fachgebiet ins Gespräch kommen und sich mit Akademikerinnen und Akademikern aus dem arabischen Raum vernetzen.

Ihre berufliche Perspektive ist nach dem Ende ihres Praktikums ungewiss. Dabei ist sie bereits viele Schritte gegangen. Ihr Aufenthaltsstatus in Deutschland ist geklärt, sie darf mit ihrer Familie bleiben. Ihre syrischen Zeugnisse liegen übersetzt vor. Die Deutschprüfung B1 hat sie bereits bestanden, aktuell steht sie kurz vor der B2-Prüfung. Ihre kleine Tochter wird bei einer Tagesmutter der Caritas betreut. Sie hat bereits ein Praktikum bei der Axa-Versicherung in Arnsberg gemacht. Und sie ist bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend gemeldet, hat aber bislang noch kein Angebot erhalten.

„Es wäre zu schade, wenn Frau Kouja Ali keine Chance bekommt“, sagt Jürgen Deitelhoff. „Sie ist eine sehr kluge Frau und wäre eine sehr gute Unterstützung in vielen Bereichen, insbesondere in der Wissenschaft.“


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