Archive for the ‘07 Wissenschaft Hagen’ Category

Trotz Corona-Krise: FernUniversität in Hagen beginnt Studienbetrieb am 1.4.

1. April 2020

Fernuniversität bietet offenes Akademiestudium für alle an

Auch für die FernUniversität in Hagen bedeutet die Corona-Krise eine Herausforderung. Doch ihr Fernlehre-System ermöglicht es schon immer, zeit-und ortsunabhängig zu studieren. Kontaktsperren stellen für ein Fernstudium also keinen Hinderungsgrund dar.

Deshalb kann die FernUniversität am 1. April ganz normal in ihr Sommersemester starten. Die FernUniversität verfügt zudem über eine langjährige Expertise im digitalen Lehren und Lernen und setzt für ihr Studienangebot im Blended-Learning-Format auf die Kombination aus Bildungstechnologie und medienorientierten didaktischen Konzepten.

Für Studieninteressierte verlängert die FernUniversität in Hagen die Anmeldefrist in ihr Akademiestudium bis zum 30. April. Ähnlich wie ein so genanntes Gasthörer-Studium lässt sich das Akademiestudium individuell auf die persönlichen Lebensumstände und Bildungswünsche zuschneiden und eignet sich für:

  • Wissensdurstige, die die Corona-Krise nutzen möchten, um sich weiterzubilden oder neue Kompetenzen zu erwerben
  • Personen, die in das Fernstudium hineinschnuppern und testen möchten, ob ein Fernstudium zu ihnenpasst
  • Bachelor-Studierende, die noch fehlende Voraussetzungen für ein Masterstudium erwerben möchten
  • Schülerinnen und Schüler, insbesondere aus der Oberstufe.

Interessierte können nach der Anmeldung direkt in die gewünschten Kurse einsteigen. Für das Akademiestudium fallen nur moderate Gebühren von 20 Euro pro Semesterwochenstunde an. Ein komplettes Modul, das über ein gesamtes Semester läuft, kostet zwischen 120 und 160 Euro.

Dieses und weitere Angebote, etwa Tipps für das Lernen und Arbeiten zuhause, fasst die Seite „Corona-Krise: Angebote fürs Lernen und Lehren“ der FernUniversität in Hagen zusammen.

FH: Studienberatung weiter erreichbar

26. März 2020

Die Fachhochschule Südwestfalen befindet sich seit der letzten Woche im Notbetrieb. Die Gebäude sind geschlossen, gearbeitet wird vom Homeoffice aus.

Die Studienberatung der Hochschule ist aber weiterhin erreichbar. Zwar nicht mehr im direkten Kontakt, aber per Telefon, Mail oder Videokonferenz. Mit der Beratung über eine Videokonferenz geht die Studienberatung neue Wege. „Wir legen sehr viel Wert auf eine individuelle Beratung. Dabei spielt auch der persönliche Faktor eine große Rolle. Mit der Videoberatung möchten wir den persönlichen Kontakt auch in diesen Zeiten aufrechterhalten“, sagt Sabine Knipps, Leiterin der Studienberatung.

FernUniversität schränkt Betrieb ein

19. März 2020

Studienbetrieb läuft aber weiter

Die Corona-Krise zwingt auch die FernUniversität in Hagen zu bisher einmaligen Maßnahmen, um Beschäftigte, Studierende und Besucherinnen und Besucher zu schützen: Am Mittwoch, 18. März, hat sie zunächst bis einschließlich 19. April die Anwesenheit ihrer Beschäftigten aus Wissenschaft, Technik und Verwaltung auf ein Minimum eingeschränkt. Die meisten Beschäftigten arbeiten dann im Homeoffice. Nur Mitarbeitende, deren Anwesenheit für die Aufrechterhaltung von Sicherheit, Versorgung und Infrastruktur notwendig ist, dürfen ihre Arbeitsplätze aufsuchen.

Personen, die keine FernUni-Beschäftigten sind, dürfen seit dem 17. März die Gebäude der FernUniversität nicht mehr betreten. Ebenfalls seit dem 17. März ist die Mensa geschlossen, die Universitätsbibliothek bereits seit dem 16. März. Bis einschließlich 19. April sind auch alle öffentlichen Präsenzveranstaltungen abgesagt, ebenso alle Präsenzveranstaltungen für Studierende und Prüfungen.

Die FernUniversität stellt die Studienmaterialien ab dem Bearbeitungsbeginn auf den üblichen Wegen digital zur Verfügung, so dass die rund 76.000 Studierenden weiterstudieren können, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. So sind alle öffentlichen wie studienbezogenen Präsenzveranstaltungen, ebenso alle Klausuren und Prüfungen, die eine Anwesenheit vor Ort – in Hagen, in Regional- und Studienzentren oder an sonstigen Prüfungsorten – erfordern, abgesagt.

Lösungsansätze für eine nachhaltigere Zukunft

10. März 2020

Thema „Kunststoffe und Umwelt“ an der FernUni

Abgesagt!

Kunststoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – sie stehen jedoch zunehmend in der Kritik. Im Rahmen des 9. infernum-Tags, am Freitag, den 24. April an der FernUniversität in Hagen, werfen die Wissenschaftler einen aktuellen Blick auf das Thema. Führende Experten diskutieren gemeinsam mit den Teilnehmenden der Veranstaltung das Potenzial von Kunststoffen für die Gestaltung einer nachhaltigeren Zukunft und zeigen mögliche Lösungsansätze auf.

Für das diesjährige Thema des infernum-Tags »Kunststoffe und Umwelt – Lösungsansätze für eine nachhaltigere Zukunft« konnte der Studiengang infernum mit Dr. Ingo Sartorius (PlasticsEurope Deutschland e. V.) und Jürgen Bertling (Fraunhofer UMSICHT) zwei Referenten gewinnen, die die ambivalente Thematik aus unterschiedlichen Fachrichtungen kritisch betrachten. Die Teilnehmenden sind zur interdisziplinären Diskussion und einem angeregten Austausch über Kunststoffe und Umwelt eingeladen.

Eingeladen sind Interessierte aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung ebenso wie Absolventinnen und Absolventen, Lehrende, Studierende, Kooperationspartner sowie Vertreterinnen und Vertreter der Medien. Eine verbindliche Anmeldung ist bis zum 31. März erforderlich, die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro. Für Studierende im Weiterbildungsstudiengang infernum ist die Teilnahme kostenfrei.

Bereits seit dem Jahr 2000 bietet die FernUniversität in Hagen in wissenschaftlicher Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen und unter dem Dach der Fraunhofer Academy das weiterbildende Studium infernum (Interdisziplinäres Fernstudium Umweltwissenschaften) an. Mit dem Fernstudiengang bündeln das Fraunhofer UMSICHT und die FernUniversität aktuelles und praxisnahes Wissen aus den verschiedenen Gebieten der Umweltwissenschaften und gewährleisten den Transfer von theoretischem Wissen in die Praxis und umgekehrt.

Verzerrte Sichtweisen bei Wikipedia?

7. März 2020

Prof. Dr. Aileen Oeberst von der FernUniversität in Hagen untersuchte mit ihrem Team das Medium

Wikipedia liefert oft verzerrte Sichtweisen auf historische Konflikte – Schuld ist die Neigung des Menschen, die eigene Gruppe positiver zu bewerten als andere Gruppen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Fernuni Hagen. Die Psychologin Prof. Dr. Aileen Oeberst untersuchte mit ihrem Team, ob und wie sich auch in der digitalen Welt Gruppenzugehörigkeiten bilden und wie sie sich auswirken.

Ergebnis: Durch verschiedene Sprachversionen bilden sich trotz der Offenheit der Wikipedia-Plattform gewisse Gruppenzugehörigkeiten. So entsteht auch hier der sogenannte Eigengruppenfehler in der Bewertung.

Das Forscherteam hatte Wikipedia-Artikel zu militärischen Auseinandersetzungen von der frühen Neuzeit bis zur Moderne – darunter etwa der Falklandkrieg zwischen dem Vereinigten Königreich und Argentinien, der Atombombenabwurf der USA auf das japanische Hiroshima oder der Englisch-Spanische Krieg in jeweils zwei Sprachen untersucht.

Über alle 35 Konflikte hinweg zeigte sich der Eigengruppenfehler als eindeutiges Muster. In vielen Artikeln wurde die eigene Gruppe systematisch besser oder auch mächtiger dargestellt und die andere Konfliktpartei als unmoralischer und stärker verantwortlich für den Konflikt.

Ausnahmen gab es aber auch. So geht etwa der englische Eintrag über den Atombombenabwurf härter mit den US-Amerikanern ins Gericht als sein japanisches Pendant.

Hannah Arendts Republikanismus des Dissenses

13. Februar 2020

13.02.2020, 16:30 bis 20:00 Uhr
Seminargebäude der FernUniversität (Gebäude 2), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3

Referent: Prof. Dr. Christian Volk (Berlin)

Der Vortrag präsentiert Hannah Arendts politisches Denken als einen Republikanismus des Dissenses. Ein solches Denken stellt die Bedeutung von Institutionen, Recht und der Sichtbarmachung von Konflikt in den Vordergrund. Es entwirft den Republikanismus konflikt- und handlungsorientiert und entzieht sich zugleich der Orthodoxie der Volkssouveränität.

Arendt ist für die aktuelle republikanische Diskussion deshalb so relevant, da bei ihr die Idee von der Ordnung der Freiheit und der Selbsterneuerung des republikanischen Gemeinwesens im Zuge der politischen Auseinandersetzung ausbuchstabiert wird.

Der Vortrag wird zeigen, wie Arendts Verständnis von Republikanismus den Schwerpunkt auf zivilgesellschaftliches Engagement legt und insbesondere die Entstehungsbedingungen politischen Handelns thematisiert. So stellt Arendt eine Alternative zum neo-republikanischen und radikaldemokratischen Diskurs dar, der insbesondere für gegenwärtige demokratie¬theoretische Diskussionen, wie jene um den Nutzen, die Bedeutung und die Form von Politisierung, von großem Wert erscheint.

Die Veranstaltung ist öffentlich, alle Interessierten sind willkommen.

Quelle: FernUni

Autoverkehr digital verflüssigen?

11. Februar 2020

Eine etwas merkwürdige Definition von „Nachhaltigkeit“

von Heidi Wenke, VCD Hagen

Um „Nachhaltige urbane Mobilitätslösungen“ ging es in einem öffentlichen Vortrag am Mittwoch, 5. Februar in der Fernuniversität Hagen. Referent Prof. Dr. Lutz Heuser, CEO des „Urban Institute“ (ui) in Walldorf, ‚Ihr(em) Partner für innovative und bezahlbare Lösungen für neue Dienstleistungen im Bereich „Smart City“.

Angekündigt wurde der Vortrag auf der Fernuni-Seite folgendermaßen: „Klimawandel und Dieselskandal haben viele Städte und Regionen in Deutschland veranlasst, über eine Verkehrswende nachzudenken. Neue E-Scooter überfluten die ersten Großstädte, schier unüberschaubare Car- und Bike-Sharing-Angebote überfordern Verkehrs- und Städteplaner. Zwar empfiehlt die EU-Kommission Städten, einen Plan für nachhaltige urbane Mobilität aufzustellen. Jedoch liegen oftmals keine gesicherten Erkenntnisse über das individuelle Mobilitätsverhalten der Menschen vor. Prof. Heuser setzt in seinem Vortrag den politischen Rahmen durch die EU-Kommission in den Kontext der Digitalisierung der urbanen Mobilität und zeigt Lösungsansätze für nachhaltige urbane Mobilitätslösungen auf.“

Im Laufe der Vortrags stellte sich heraus, dass diese ‚nachhaltigen urbanen Mobilitätslösungen‘ nach den Vorstellungen des Referenten darin bestehen, dass durch digitale Datenerfassung der Autoverkehr verflüssigt werden soll, indem ‚gesicherte Erkenntnisse‘ (z.B. Wer parkt wann, wo, wie lange?) in digitale Maßnahmen umgesetzt werden; als Beispiele seien hier zu nennen: Sensoren mit Display, die Autofahrern anzeigen, mit welcher Geschwindigkeit sie an der nächsten Ampel bei Grün durchkommen; oder digitale Parkleitsysteme, die z.B. in Anwohner-Parkbereichen den Parksuchverkehr verringern und so die Belastung für die Anwohner reduzieren sollen. Es wurden einige konkrete Beispiele (Darmstadt, Bad Hersfeld) genannt, wo diese verkehrliche Digitalisierung mit Hilfe des ui bereits umgesetzt wurde.

Obwohl bei der Fragerunde nach dem Vortrag Professeur Heuser äußerte, dass die Städte vom Autoverkehr wegkommen müssten, verstand er ‚Verkehr‘ fast ausschließlich als Autoverkehr. Lediglich einmal kam der ÖPNV vor, das Fahrrad erschien lediglich als ein Wort auf einer Folie, Fußgänger wurden als Verkehrsteilnehmer gar nicht genannt. Alle vorgestellten Maßnahmen zielten auf den Komfort des Autofahrers ab und scheinen eher geeignet, den Autoverkehr zu steigern statt zu reduzieren: Warum soll jemand sein Auto stehen lassen, wenn er einen freien Parkplatz findet?

Wer also bei dem verheißungsvollen Titel ‚nachhaltig‘ erhofft hatte, bei diesem Vortrag z.B. etwas zur Verkehrswende (Umverteilung von Verkehrsflächen, Reduktion des Autoverkehrs, Fahrrad- und Fußverkehrskonzepte) zu erfahren, wurde enttäuscht. Prof. Heuser vertrat stattdessen den Standpunkt, dass man die automobilen Mobilitätswünsche der Menschen nicht ignorieren könne und dem entsprechend den Autoverkehr – elektrisch als unhinterfragte ökologische Alternative – optimieren müsse.

Klar wurde auch, dass die Digitalisierung viele Investitionen erfordert, damit also von Unternehmen wie SAP und dem ui ‚nachhaltig‘ gutes Geld verdient werden kann.

24 Stunden Politische Psychologie

2. Februar 2020

Eine Tagung in Hagen brachte über 100 Fachleute aus ganz Deutschland an der FernUniversität zusammen

Was macht politische Diskriminierung mit Menschen? Wie lassen sich Nationalstolz und Populismus erklären? Welche Rolle spielen Soziale Medien hierbei? Das sind einige der Fragen, denen die Politische Psychologie auf den Grund geht. Das Forschungsfeld wächst stetig, auch in Deutschland. Dabei bekommt es aus vielen verschiedenen Fachrichtungen Aufmerksamkeit – etwa aus der Soziologie, Psychologie, Kommunikationswissenschaft oder der Politikwissenschaft.

Doch obwohl sich viele Forschende für das Thema interessieren, tauschten sie sich bislang kaum aus. Gelegenheit dazu gab jetzt eine Fachtagung zur Politischen Psychologie an der FernUniversität in Hagen: „24-hours of Political Psychology“. (…)

Quelle: FernUni

Interdisziplinäre Tagung zur Politischen Psychologie

15. Januar 2020

Wie entwickeln sich Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus? Warum protestieren Menschen? Diese Fragen diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am 17. und 18. Januar an der FernUni

Es geht um die Strukturen von Macht und Herrschaft – und wie sich die Einzelnen darin bewegen und verhalten. Wie entwickeln sich Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus? Was motiviert Menschen dazu, zu protestieren? Warum passen andere sich an Herrschaftssysteme an? Das sind Fragen, mit denen sich die Politische Psychologie auseinandersetzt; sie ist auch in Deutschland ein wachsender Forschungsbereich.

Das Interesse an der Psychologie politischen Verhaltens zieht sich dabei durch verschiedene Disziplinen. „Inzwischen ist zwar die Zahl der fachübergreifenden Publikationen gestiegen, aber es gibt zwischen den Forscherinnen und Forschern selbst wenig Austausch“, findet die Politikwissenschaftlerin Dr. Jolanda van der Noll, die als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Community Psychology an der FernUniversität arbeitet.

Um gegen diesen für wissenschaftliches Arbeiten „unbefriedigenden Zustand“ anzugehen, organisiert sie gemeinsam mit Jun.-Prof. Dr. Kathrin Ackermann (Politikwissenschaften, Universität Heidelberg), Monika Verbalyte (Soziologie, FU Berlin) und Prof. Dr. Frank Asbrock (Sozialpsychologie, Technische Universität Chemnitz) am 17. und 18. Januar 2020 an der FernUniversität eine interdisziplinäre Tagung der politischen Psychologie in Deutschland. „Mit dieser Tagung möchten wir den Dialog zwischen verschiedenen Fachdisziplinen fördern und einen Beitrag zu einem wachsenden regionalen Netzwerk leisten“, sagt Van der Noll.

In ihrem Impulsvortrag „Quo vadis Politische Psychologie?“ wird Michaela Maier, Professorin für angewandte Kommunikationspsychologie an der Universität Koblenz-Landau, über die aktuelle Herausforderungen und Schwerpunkte der Forschung in Deutschland referieren. Thorsten Faas, Professor für politische Soziologie an der Freien Universität Berlin, spricht über „Wahlen und Politische Psychologie“.

Neben diesen beiden Impulsvorträgen werden rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen Forschungsprojekte in unterschiedlichen Phasen vorstellen: von der Idee über laufende Projekte bis hin zu abgeschlossenen Studien.

An der Tagung können alle Interessierten der FernUniversität teilnehmen. Darüber hinaus ist der Dinner-Talk „Quo vadis Political Psychology? Current Topics and Challenges for Research in Germany“ von Prof. Dr. Michaela Maier am Freitagabend sowie der Lunch-Talk über „Wahlen und Politische Psychologie“ von Prof. Dr. Thorsten Faas am Samstagmittag für die Öffentlichkeit zugänglich.

Programmheft (pdf)

Quelle: FernUni

Woher kommt die Furcht vor Geflüchteten?

26. Dezember 2019

Migration empfinden einige Menschen als bedrohlich. Die psychologische Erklärung ist komplex. FernUni-Forschende haben nun einen Weg gefunden, das Phänomen genauer zu untersuchen.

Einige Menschen haben Vorbehalte gegenüber Gruppen, zu denen sie selbst nicht gehören, zum Beispiel gegenüber Geflüchteten aus anderen Ländern. Die Psychologie erklärt das häufig mit einem Bedrohungsgefühl, das die Eigengruppe angesichts der Fremdgruppe empfindet.

„Das Phänomen ist weitaus vielseitiger als die Forschung bisher angenommen hat“, sagt Dr. Helen Landmann von der FernUniversität in Hagen. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Community Psychology. Gemeinsam mit Lehrgebietsleiterin Prof. Dr. Anette Rohmann und Prof. Dr. Robert Gaschler (Lehrgebiet Allgemeine Psychologie: Lernen, Motivation, Emotion) hat sie Studien zum Bedrohungserleben veröffentlicht. „Es gibt schon eine Menge Forschung dazu“, erklärt Helen Landmann. Ihre Ergebnisse werfen nun jedoch einen neuen Blick auf das Thema. (…)

(Danach) zeigt sich, dass das bisherige Schema nicht ausreicht, um die große Vielfalt an Bedrohungen abzudecken, die Menschen angesichts von Migration empfinden. Für künftige Untersuchungen schlagen die Forschenden zudem ein Modell vor, das in beide Richtungen durchlässig ist: Es soll nicht nur abbilden, wie Sorgen und Ängste Vorbehalte bedingen, sondern auch umgekehrt, wie schon bestehende negative Meinungen, das Bedrohungserleben befeuern können. Denn noch etwas fiel dem Forschungsteam auf: Wer angegeben hatte, sich Gedanken um die Versorgungslage der nach Deutschland geflohenen Menschen zu machen, befürworte oftmals auch in besonderem Maße eine restriktive Migrationspolitik.

Für Helen Landmann ist das kein Zufall: „Wenn Leute behaupten, sie sorgen sich um die Geflüchteten, kann ja niemand etwas dagegen sagen. Diese Einstellung ist gesellschaftlich akzeptiert.“ Wahrscheinlich verbergen einige Personen auf diese Weise ihre eigentlich negative Haltung gegenüber Migrantinnen und Migranten. (…)

Quelle: FernUni

Kolonialismus in Hagen auf dem Stadtplan

17. Dezember 2019

An der FernUniversität in Hagen haben Studierende und Lehrende Kolonialgeschichte lokal aufgearbeitet. Auf einem Stadtplan markieren 21 Orte ihre noch sichtbaren Spuren.

Es gab eine Zeit, in der Hagen eng mit der Welt verbunden war: während der Hochzeit des Kolonialismus zwischen der Mitte des 19. bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. Seine Spuren sind teilweise bis heute in der Stadt sichtbar. Das Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt der FernUniversität in Hagen hat in einem Forschungsprojekt gemeinsam mit Studierenden regionale Kolonialgeschichte(n) aufgearbeitet. Nach einer umfangreichen Broschüre „Koloniale Vergangenheiten der Stadt Hagen“ erscheint nun ein Stadtplan, der einen ungewohnten Blick auf die Industriestadt an der Volme wirft. (…)

Mehr zu „Hagen postkolonial”

Quelle: FernUni

China – die zerbrechliche Supermacht

15. Dezember 2019

Ist es für China überhaupt erstrebenswert, Hegemonialmacht zu werden? Diese Frage beantwortet der Volkswirtschafts-Professor Hans-Jörg Schmerer von der FernUniversität.

Will China die neue Nummer 1 in der Welt werden? „Das ist nicht sein wirkliches Ziel, und auch nicht das des Staatspräsidenten und KP-Generalsekretärs Xi Jinping“, ist die Ansicht von Prof. Dr. Hans-Jörg Schmerer. „Es geht eher darum, als gleichberechtigter Partner und wichtiger Mitspieler in der Weltpolitik wahrgenommen zu werden – neben den USA und Europa.“ Prof. Schmerer ist Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbes. Internationale Ökonomie an der FernUniversität in Hagen und einer der beiden Träger des Center for East Asia Macroeconomic Studies (CEAMeS) an der FernUniversität in Hagen.

Die Zeiten, in denen sich China als das „Reich der Mitte“ sah, haben sich nach seinen Erkenntnissen geändert. Daher stellt er für das Heute die Frage: „Warum sollte es für China überhaupt erstrebenswert sein, globale Vormacht zu werden?“ Seit einigen Jahrzehnten wisse es, dass das Miteinander sehr viele Vorteile bringt. Es strebe Partnerschaft an, wolle aber auch selbst respektiert werden. Dazu gehöre für die Volksrepublik, dass andere Länder sich nicht in ihre Innenpolitik einmischen.

„Unsere ‚westliche‘ Vorstellung ist, ein bisschen als ‚Weltpolizei‘ aufzutreten und anderen Ländern zu sagen, wie es bei ihnen innenpolitisch zu funktionieren hat. Etwa – und richtigerweise – mit der Achtung der Menschenrechte. Das ist jedoch ein ewiger Streitpunkt mit China und anderen Staaten, die nicht einsehen, dass sich andere Länder in ihre Innenpolitik einmischen.“

Außenpolitisch fühlt die Volksrepublik sich nach Schmerers Worten zu Recht stark, diese Stärke demonstriere sie mit seiner Wirtschaftspolitik: „Trump hat ja mit keiner seiner Maßnahmen wirklichen Erfolg gehabt. Allerdings kosten sie auch China viel Geld und behindern das Wachstum massiv. Beides wird aber gebraucht, um das Land zusammenzuhalten. Denn im Inneren ist China sehr zerbrechlich und entsprechend groß ist seine Nervosität.“ Nach wie vor sei Ungleichheit ein drängendes Problem, nur durch Wachstum könne die Kommunistische Partei ihr Regime legitimieren. Daher spiele die Wirtschaftspolitik auch innenpolitisch eine große Rolle.

Zentrifugalkräfte

Die Volksrepublik habe immer wieder Angst davor, dass Teile wegbrechen, dass das komplette Land auseinander fällt. Schmerer: „In China gibt es sehr viele Minderheiten. Nach Chinas Verständnis gehört Hongkong – das wir eher als eigenständig sehen – zu ihm. Das ist für Peking ebenso ein Riesenproblem wie die Unabhängigkeitsbestrebungen der Uiguren im Westen. Auch die Tibet-Frage ist offen.“ Seit Jahrzehnten ungelöst ist der Konflikt mit der „abtrünnigen“ Republik China auf der Insel Taiwan: „In Europa bekommen wir gar nicht so mit, dass die Volksrepublik eine zerbrechliche Supermacht ist.“

Ein Mittel, um diese Probleme zu überdecken, ist für China der wachsende Wohlstand. Immer wieder gerät es in den Verdacht, „falsch zu spielen“, um ihn zu sichern. Schon vor Trumps Präsidentschaft wurde es beschuldigt, für Exportsteigerungen Preisdumping zu betreiben und Wechselkurse zu manipulieren. Solche Sorgen hält Schmerer für berechtigt. Zwar gebe es keine Beweise, aber genügend Belege.

Weniger Abhängigkeit vom Export

„Aber diese Politik ist schon längst vorbei, seit 2005 ist der Wechselkurs freigegeben. China will nicht mehr unbedingt so viel exportieren, um unabhängiger vom Export zu werden.“ Die Finanzkrise habe gezeigt, wie gefährlich es ist, von ihm abhängig zu sein: „Wenn irgendwo in der Welt eine Krise losgetreten wird, hat das Folgen für die chinesische Wirtschaft, auch im Inland.“ Das eigentliche Interesse Pekings sei, stattdessen den eigenen Markt zu stärken und die wachsende Inlandsnachfrage durch heimische Produktionen zu befriedigen. (…)

Quelle: FernUni

Der Okkupation der Geschichte durch den Populismus entgegentreten

7. Dezember 2019

Prof. Felicitas Schmieder (FernUniversität) weiß, dass sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sich einer neuen gesellschaftspolitischen Herausforderung stellen müssen

Wissenschaft ist nicht statisch. Neue Erkenntnisse verändern nicht nur die Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ihre Forschungsgegenstände, sondern auch auf ihr eigenes wissenschaftliches Selbstverständnis. Prof. Dr. Felicitas Schmieder, Historikerin an der FernUniversität in Hagen, weiß, dass sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sich einer neuen gesellschaftspolitischen Herausforderung stellen und aktive Aufklärungsarbeit leisten müssen, um der Okkupation der Geschichte durch Populistinnen und Populisten entgegenzutreten. Damit erhält das Fach auch (wieder) eine politische und aktive demokratische Dimension.

Die Aufgabe von Historikerinnen und Historikern sei es nicht, z.B. eine „europäische Identität zu stiften“, sondern Populistinnen und Populisten zu widersprechen, die eindeutige, einfache Antworten geben wollen: „Dabei ge- oder missbrauchen sie die Geschichte.“ Die Geschichtswissenschaft müsse vielmehr möglichst vielen Leuten nahebringen, dass es immer Alternativerzählungen gibt und nie die eine Wahrheit: „Das ist Geschichtsvermittlung, und sie ist extrem wichtig für uns. Wenn wir friedlich zusammenleben wollen, müssen wir die Alternativerzählungen der anderen kennen und sehen, was und wie sie denken. Ich darf selbst überzeugt sein, dass meine Geschichte für mich die richtigere ist, aber ich muss wissen, dass es das Recht der anderen ist, ihre eigene Geschichte zu haben.“ (…)

Quelle: FernUni

„Abfallwirtschaft“ vermeidet Abfall nicht wirklich

30. November 2019

Über die Notwendigkeit der Kreislaufwirtschaft sprachen der Präsident und der zuständige Abteilungsleiter des Wuppertal Instituts in der FernUni Hagen

„Wir haben Glück gehabt und hohe wissenschaftliche Qualität hierher geholt – und das auch noch mit einem günstigen ökologischen ‚Fußabdruck‘“, freute sich Prof. Dr. Alfred Endres darüber, dass er den Präsidenten des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie und den Abteilungsleiter für Kreislaufwirtschaft in die FernUniversität in Hagen holen konnte: Prof. Dr. Uwe Schneidewind und Dr. Henning Wilts sprachen über die „Kreislaufwirtschaft als Zukunftskunst“ in der Ringvorlesung Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit des gleichnamigen FernUni-Forschungsschwerpunktes.

Den mehr als 50 konzentriert zuhörenden und diskussionsfreudigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern machten Prof. Schneidewind und Dr. Wilts deutlich, dass die mit einer Kreislaufwirtschaft verbundene Steigerung der Ressourceneffizienz nicht zuletzt auch viele Potenziale birgt, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu erhöhen. Weit über 80 Prozent der eingesetzten Rohstoffe sind jedoch noch immer ressourcenintensive Primärmaterialen.

Die deutsche Industrie ist hier alles andere als ein Vorbild: „Abfallwirtschaft ‚können wir‘ extrem gut“, so Henning Wilts, „sie ist extrem lukrativ, so wie wir sie betreiben“. Deutschland sei aber nur vordergründig Weltmeister bei der Abfallverwertung, es habe sich zu lange auf technologische Lösungen verlassen. Eine konsistente Kreislaufwirtschaftsstrategie fehle ebenso wie eine Abfallvermeidungskultur. Die Gleichung „mehr Wirtschaftswachstum gleich mehr Abfall“ müsse durch eine nachhaltige Ressourcennutzung, eine Kreislaufwirtschaft, durchbrochen werden.

Deutschland überlege – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – jedoch noch nicht einmal, eine konsistente Kreislaufwirtschaft einzuführen. Das Wort „Kreislauf“ werden von vielen nur als Alibi benutzt, um nicht über den hohen Verbrauch neuer Ressourcen nachdenken zu müssen, so Wilts. Beides werde „zusammengeworfen“, um den tatsächlichen Rohstoffverbrauch zu verschleiern.

Notwendig dafür sei ein nachhaltiges Ressourcenmanagement. Die Veränderungsprozesse lassen sich, so Schneidewind, auch mit Mitteln der Kunst wie z.B. persönlicher Energie, Rhythmus und Bewegung in ganz anderer Weise managen als mit Mitteln, die in der Wirtschaft zur Verfügung stehen. Daher müssten Technologie, Ökologie, Kunst und Institution hierbei gemeinsam gedacht und die verschiedenen Aspekte erfolgreicher Transformationen integriert betrachtet werden, um die Technikfixierung der Kreislaufwirtschaft kritisch zu hinterfragen.

Die digitale Entwicklung kann für die Einführung einer Kreislaufwirtschaft positiv sein. Das machte Wilts an einem Zukunftsszenario deutlich: Ein „smarter“ Kühlschrank erkennt, wann Lebensmittel nicht mehr verwendbar sind, unbrauchbare Geräte wandern in eine „intelligente“ Mülltonne, der den Wert seines Inhalts berechnen kann, den er dann im Internet verkauft.

Schneidewind ist an einer Forschungskooperation seines Instituts mit der FernUniversität und der Privaten Universität Witten/Herdecke sehr interessiert: „Im Bereich Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit schlummert unendlich viel. Wir haben hier Perlen des Wissenschaftssystems!“ Ein Weg, sich besser kennenzulernen und zu konkreten Kooperationen zu kommen, führt für Schneidewind über die Ringvorlesung Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit.

Quelle: FernUni

Verschiedene Stereotype über Migrantengruppen

22. November 2019

Deutsche nehmen Menschen mit Migrationshintergrund unterschiedlich wahr – je nach ethnischer Zugehörigkeit. Das zeigt eine Studie von FernUni-Psychologin Laura Froehlich

Psychologin Laura Froehlich forscht an der FernUniversität zu gesellschaftlichen Stereotypen. Foto: FernUni.

Frei von Vorurteilen aufeinander zuzugehen – das wäre wohl der beste Weg zu einem harmonischen Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Die Realität in Deutschland sieht anders aus: Die gegenseitige Wahrnehmung ist geprägt von Stereotypen.

Dass die ethnische Herkunft von Migrantengruppen starken Einfluss darauf hat, wie Deutsche über sie denken, belegt eine aktuelle Studie an der FernUniversität in Hagen. Hauptautorin ist Dr. Laura Froehlich, die im Lehrgebiet Sozialpsychologie von Prof. Dr. Stefan Stürmer tätig ist. Gemeinsam mit der Masterstudentin Isabel Wildförster veröffentlichte sie den Artikel „Warmth and competence stereotypes about immigrant groups in Germany” in der Open-Access-Zeitschrift PLoS ONE.

„Die deutsche Bevölkerung ist ethnisch heterogen“, erklärt Laura Froehlich. „Fast ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen hat einen Migrationshintergrund.” Soziale Spannung ist oft die Folge, sie zu vermeiden eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

Aus Sicht der Psychologin ist Integration jedoch keine Einbahnstraße: „Häufig wird von Migrantinnen und Migranten gefordert, sich zu integrieren. Dazu muss aber auch die deutsche ‚Mehrheitsgesellschaft‘ einen Beitrag leisten.“ Verallgemeinerungen stehen dabei im Weg. Die vorherrschenden Stereotype konkret zu erfassen, ist der erste Schritt zu ihrer Überwindung.

Hier setzten die beiden Autorinnen mit ihrer Studie an: 200 Teilnehmende schätzten ein, wie Deutsche auf 17 verschiedene, hier lebende Migrantengruppen blicken. Dabei bewerteten sie die Stereotype entlang zweier Dimensionen. Einerseits mit Blick auf die wahrgenommene Wärme – also den Grad, wie sympathisch und freundlich eine Gruppe erscheint. Andererseits in Bezug auf die wahrgenommene Kompetenz. Damit ist gemeint, wie zielstrebig und erfolgreich die Gruppe wirkt. Darüber hinaus fragte die Studie nach dem Verhalten, das Deutsche gegenüber den einzelnen Migrantengruppen tendenziell an den Tag legen.

Die Ergebnisse bildet ein Koordinatensystem mit den beiden Achsen Wärme und Kompetenz ab. Darin verteilen sich die Gruppen sehr unterschiedlich: „Gerade neu eingewanderte Gruppen aus Krisenregionen wie dem Balkan und Nordafrika werden negativ bewertet“, fasst Froehlich zusammen. So gelten unter Deutschen vor allem Menschen aus diesen Regionen als inkompetent und kalt. Etwa mittig auf dem Koordinatensystem finden sich Gruppen aus Polen, Russland und der Türkei wieder. Sich selbst sowie Migrantinnen und Migranten aus China schätzen die Deutschen als äußerst kompetent ein. Als ausgesprochen warm bewerten sie hingegen Personen mit griechischen oder italienischen Wurzeln.

Damit einher gehen die Befunde zum tendenziellen Umgang mit den Migrantengruppen: „Stereotype bestimmen maßgeblich, wie sich die meisten Deutschen verhalten. Je positiver eine Gruppe wahrgenommen wird, desto mehr Unterstützung ist für sie zu erwarten.“

Vorangegangene Forschungsarbeiten zeigten übrigens, dass sich das schlechte Image mancher Minderheiten wiederum auf sie selbst auswirkt, betont Froehlich: „Die Betroffenen kriegen die Stereotype natürlich auch mit! Das kann zum Beispiel dazu führen, dass sie schlechter im Bildungssystem abschneiden.“ Die neuen Daten liefern der sozialpsychologischen Forschung nun weitere Anhaltspunkte dazu, welche Migrantengruppen in Deutschland besonders benachteiligt sind und stärker in den Fokus rücken sollten.

Warum sie je nach Herkunft „besser“ oder „schlechter“ angesehen sind, muss indes weiter erforscht werden. Als wärmer werden Gruppen eingeschätzt, die Deutsche nicht als Konkurrenz oder Bedrohung wahrnehmen. Kompetent wirken sie wiederum, wenn sie einen hohen gesellschaftlichen Status haben.

„Interessant ist, dass die Migrationsgeschichte nicht alles aufklärt: Zum Beispiel sind Türkisch- und Italienischstämmige zur selben Zeit und mit demselben Zweck, nämlich zur Gastarbeit, nach Deutschland gekommen“, sagt Laura Froehlich. „Trotzdem werden Migrantinnen und Migranten aus Italien einfach positiver gesehen.“ Hieran lassen sich aus Sicht der Forscherin weitere Studien anschließen – etwa zu der Frage, welche Rolle die kulturelle Nähe von Gruppen zueinander spielt.

Zur Studie in der Open-Access-Zeitschrift PLoS ONE

Kreislaufwirtschaft als Zukunftskunst

17. November 2019

20.11.2019, 18:00 Uhr
FernUni, Seminargebäude (Gebäude 2), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3

Unsere künftigen Produktions- und Konsummuster müssen sich zu einer Kreislaufwirtschaft entwickeln. Die damit verbundene Steigerung der Ressourceneffizienz birgt viele Potenziale zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie in sich. Trotz immer wieder betonter Kosteneinsparpotentiale sind wir von einer solchen Kreislaufwirtschaft jedoch noch weit entfernt: Weit über 80% unserer eingesetzten Rohstoffe sind noch immer ressourcenintensive Primärmaterialen.

Deutschland hat sich hierbei lange auf technologische Lösungen verlassen, eine konsistente Kreislaufwirtschaftsstrategie fehlt ebenso wie eine Kultur der Abfallvermeidung, in der weniger und nicht mehr Abfall die Grundlage erfolgreicher Geschäftsmodelle bilden würde. Das Konzept der Zukunftskunst versucht diese verschiedenen Aspekte erfolgreicher Transformationen integriert zu betrachten und damit speziell die Technikfixierung der Kreislaufwirtschaft kritisch zu hinterfragen.

Die Veranstaltung im Rahmen des „Hagener Forschungsdialogs“ ist öffentlich und kostenfrei, alle Interessierten sind willkommen.

Referenten:
Prof. Dr. Uwe Schneidewind und Dr. Henning Wilts
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Prof. Schneidewind ist Präsident des Wuppertal Instituts

„Autoverkehr reduzieren und erneuerbare Energien fördern“

16. November 2019

Mit einem Abend über Fridays for Future endete die Reihe „ImPuls: Politischer Salon Hagen“ in 2019. Aufgrund der positiven Resonanz wird sie im kommenden Jahr fortgesetzt

Der Saal im Schumacher-Museum bot eine anregende Atmosphäre für die Veranstaltung. Foto: FernUni.

Sie sind jung, unnachgiebig, häufig scharfzüngig und gut informiert: Die Bewegung Fridays for Future – repräsentiert durch das Hashtag #fff – protestiert immer freitags dafür, dass die Politik mehr gegen den Klimawandel unternimmt. Was erreicht die Bewegung, was treibt sie an, weltweit wie vor Ort in Hagen?

Diese Fragen wurden in der Reihe „ImPuls: Politischer Salon Hagen“ diskutiert, einer Kooperation zwischen FernUniversität, Theater Hagen und Emil Schumacher Museum an wechselnden Orten der beteiligten Institutionen. Die Veranstaltung traf einen Nerv, rund 120 Interessierte waren ins Kunstquartier gekommen.

„Wir engagieren uns, weil es unsere Zukunft ist und weil uns das Thema am Herzen liegt“, fasste Janne Rosenbaum zusammen. Die 17-jährige Schülerin ist eines der Gesichter der lokalen Gruppe #fff. Sie stellte Motivation und Ziele der Jugendlichen vor, die sich vor allem an der Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausrichten. Insgesamt fordern sie, alle politischen Beschlüsse hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Klima zu überprüfen.

In Hagen haben sie schon etwas erreicht: Auf ihren Antrag hin hat der Rat der Stadt im September den Klimanotstand ausgerufen. Das bedeutet, dass alle Entscheidungen und Maßnahmen hinsichtlich ihrer Klimarelevanz zu prüfen sind. Als langjähriger Kommunalpolitiker und Vorsitzender des Umweltausschusses zeigte sich Hans-Georg Panzer beeindruckt davon, „wie strukturiert die Jugendlichen vorgehen“. Eine derart schnelle, einstimmige Reaktion der Politik habe er selten erlebt.

Von Seiten der Wissenschaft wird Fridays for Future gestärkt: „Sie sind so breit aufgestellt wie keine andere Umweltbewegung bisher und haben es geschafft, Fragen des Klimawandels in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen“, attestierte Bildungsforscherin Prof. Dr. Cathleen Grunert von der FernUniversität in Hagen. Sie arbeitet mit am aktuellen Engagementbericht der Bundesregierung, der sich auf das Engagement junger Menschen im digitalen Zeitalter konzentriert. Die hat auch die #fff in kurzer Zeit so stark werden lassen. Ob es sich auch um eine radikale Bewegung handelt? „Fridays for Future sind gut informiert und deshalb so kompromisslos“, antwortete Grunert.

Dabei fordern sie lediglich, die Politik möge nachhaltig handeln. „Dazu gehören eben die Felder Ökologie, Ökonomie und Soziales“, erläuterte Fabian Göke von der Hagener Gruppe #fff. „Nach der Ökonomie ist jetzt mal die Ökologie dran.“

In der Diskussion mit dem Publikum kam die Kritik, #fff sei gewissermaßen ein Wohlstandsphänomen, Jugendliche und junge Menschen seien vor allem in den Industrienationen engagiert. An dieser Stelle nahm FernUni-Wissenschaftlerin Grunert den Wind aus den Segeln: „Der Klimawandel ist ein globales Problem. Fridays for Future übernehmen stellvertretend Verantwortung für die ganze Welt.“

Wo Wetterextreme lokal bereits zu spüren sind, zeigte Janne Rosenbaum auf: „Das Fichtensterben ist massiv zu beobachten“, lenkte sie den Blick auf den Hagener Wald.

Für Verbesserungen und Engagement beim Klimaschutz in der Stadt warben die Kanzlerin und die Rektorin der FernUniversität beim Politischen Salon. „Wir müssen uns als Institution fragen, was wir beitragen können, um etwa den Autoverkehr zu reduzieren und erneuerbare Energien zu fördern. Ich werde mich dafür einsetzen, dass an der FernUniversität was passiert“, sagte Kanzlerin Birgit Rimpo-Repp. Für ein besseres Mobilitätskonzept in Hagen sprach sich Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert aus: „Ich sehe als Ergebnis eine attraktivere Stadt. Das sollte uns alle motivieren.“

Spielfilme beeinflussen Blick auf den Zweiten Weltkrieg

13. November 2019

Mit einer Studie zu Kriegsfilmen habilitierte sich Jun.-Prof. Irina Gradinari an der FernUni. Nun erhielt sie ihre Lehrbefugnis

Seit jeher beeinflusste das Kino die Erinnerungskultur und damit auch das Selbstbild von Gesellschaften. Das Foto von 1930 zeigt Dreharbeiten eines Tonfilms über den Ersten Weltkrieg. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-09557 / CC-BY-SA 3.0

Filme als Medien kollektiver Erinnerung, mit Fokus auf dem Zweiten Weltkrieg, waren das Thema der Habilitation von Prof. Dr. Irina Gradinari: „Ich habe sowjetische, ostdeutsche und bundesdeutsche Kriegsfilme verglichen – hauptsächlich aus dem Zeitraum von 1945 bis 1990.“

Aus Sicht der Forscherin bestimmen die Kriegsfilme maßgeblich, wie eine Gesellschaft ihre Vergangenheit wahrnimmt und ausdeutet. „Ohne dieses Medium, das so stereotyp und zitatenhaft ist, gäbe es das Phänomen des ‚kollektiven Gedächtnisses‘ gar nicht“, umreißt Gradinari die Ausgangsthese ihrer Habilitationsschrift.

Um ihre Annahme zu belegen, hat sie in über hundert Spielfilmen aus der DDR, UdSSR und BRD nach Strukturen gesucht, die auf die Erinnerung der Menschen in den jeweiligen Systemen eingewirkt haben. Dabei konzentrierte sie sich vor allem auf populäre Mainstream-Produktionen. Deren Stellenwert ist für sie unumstritten: Mit der Eingängigkeit und Reichweite von Kino und Fernsehen konnte es kein anderes zeitgenössisches Medium aufnehmen – auch nicht die Belletristik oder die wissenschaftliche Geschichtsschreibung.

Über die Jahre verfestigten die Filme in den drei Systemen bestimmte Konsensvorstellungen vom Zweiten Weltkrieg. Gewisse Muster wurden – mit kleinen Änderungen – immer wieder reproduziert. Egal ob in Russland, Ost- oder Westdeutschland: An die Kinokassen kam das Publikum stets mit vorgeformten Erwartungen, die es zu erfüllen galt. „Aufgrund der hohen Produktionskosten leistete man sich bei den Kriegsfilmen kaum Experimente. Die Regie schaute genau darauf, was bisher in den Ländern erfolgreich war.“

Gradinari betont jedoch, dass die Filme obwohl sie vom Zweiten Weltkrieg handeln, vor allem etwas über die Zeit aussagen, in der sie entstanden sind. „Was wir dort sehen, ist eigentlich nicht die Vergangenheit! Kriegsfilme werden immer in Bezug auf die aktuelle politische Ordnung produziert.“

Zwar ist im bundesdeutschen Kriegsfilm der Holocaust ein wiederkehrendes Thema, in sowjetischen Produktionen der „glorreiche Sieg“ über die Nazis und im DDR-Kriegsfilm die antifaschistische Idee. Eigentlich aber schreiben die Filme die vergangenen Ereignisse im „Dienst der Gegenwart“ um. So drehen sie sich im Grunde um Versöhnungsstrategien, verhandeln den Kalten Krieg, oder stellen die sowjetische Präsenz in der DDR in Frage.

Hegels Rechtsphilosophie im Kreuzverhör

12. November 2019

Elf Referentinnen und Referenten aus sieben Ländern diskutierten an der FernUni über die „Grundlinien der Philosophie des Rechts“

Georg Wilhelm Friedrich Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ gelten als Klassiker der Rechtsphilosophie. Das Werk feiert im kommenden Jahr seinen 200. Geburtstag und liefert nach wie vor Stoff für fächerübergreifende Diskussionen.

Die Tagung war Teil der Veranstaltungsreihe „Hagener Forschungsdialog“. Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler sowie Philosophinnen und Philosophen sind fachübergreifend in den Dialog getreten, um sich über zentrale Thesen der Hegelschen Rechtsphilosophie auszutauschen. In Vorträgen schilderten sie ihre jeweiligen Positionen und schafften Anknüpfungspunkte für kontroverse Diskussionen.

Die Tagung eröffnet hat der französische Hegel-Experte Prof. Dr. Jean-François Kervégan von der Sorbonne in Paris mit seinem Vortrag „Sittlichkeit und sittliches Leben in Hegels Lehre des objektiven Geistes“. Damit machte er auf aktuelle Brennpunkte der internationalen Hegel-Debatte aufmerksam. Das Stichwort „Moralität“ nahm die Regensburger Juristin Prof. Dr. Katrin Gierhake auf, die die Rolle moralischer Selbstreflexion in der Strafrechtsbegründung bei Hegel untersuchte.

Unterschiede zwischen Hegel und Kant zeigte Prof. Dr. Markus Rothhaar in seinem Vortrag „Hegels Kritik der Moralität und die Alternative der Sittlichkeit“ auf. Die Hegel-Tagung in Hagen war für den Forscher nicht nur thematisch ein Heimspiel. Von 2010 bis 2013 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der FernUniversität tätig und ist nun nach einer Professur an der KU Eichstätt als Privatdozent wieder zurück in Hagen.

Die ostdeutsche Zeitenwende als biographischer Umbruch

3. November 2019

Das Beispiel des Obertrikotagen-Betriebs VEB „Ernst Lück“ und seiner Mitarbeiterinnen

06.11.2019, 17:00 Uhr, Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9
Veranstalter: Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität und Kulturhaus Lüdenscheid

Edith Dahlke (Zeitzeugin) im Gespräch mit den Historikern Angelika Wolf und Arthur Schlegelmilch (FernUniversität in Hagen)

„Wittstock verändert sich“ lautete die Devise, als im Jahre 1973 der erste Film über die Frauen des neu entstehenden Obertrikotagenbetriebes „Ernst Lück“ in der kleinen Stadt Wittstock im nördlichen Brandenburg gedreht wurde. Sechs weitere sollten in den nächsten 25 Jahren folgen. Drei Frauen standen dabei stellvertretend für alle im Betrieb Beschäftigten: Edith, Elsbeth und Renate. Sie erlebten den Aufbau und auch den Niedergang ihres Betriebes, der einmal die große Hoffnung einer strukturschwachen Region war, am Ende aber als unwirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß abgewickelt wurde.

Für die betroffenen Frauen bedeutete dies nicht nur den Verlust des Arbeitsplatzes, sondern auch gravierende Einschnitte im sozialen und persönlichen Umfeld. Wenn sie nicht zu den Verliererinnen der „Wende“ gehören wollten, sahen sie sich gezwungen, ihr bisheriges Leben auf den Prüfstand zu stellen und nach neuen Lebensperspektiven Ausschau zu halten. Eine dieser Frauen ist Edith Dahlke, die den OTB nach zwanzigjähriger Tätigkeit im Jahr 1990 als Obermeisterin und Schichtleiterin verließ.

Der Eintritt ist frei.

Zwischen Ökonomie und Moral

30. Oktober 2019

FernUni: Lehrgebiet Geschichte der Europäischen Moderne erforscht der Motive und der Ausbreitung der Anti-Sklaverei-Bewegung

Postdoc Saskia Geisler und Prof. Alexandra Przyrembel. Foto: FernUni.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. In keinem Land der Welt ist Sklaverei heute noch gesetzlich legitimiert. Auf den ersten Blick erscheint die Anti-Sklaverei-Bewegung als eine große Erfolgsgeschichte. Genauer hinsehen möchte das Lehrgebiet Geschichte der Europäischen Moderne der FernUniversität in Hagen. Sein Forschungsprojekt „Zwischen Ökonomie und Moral: Die Anti-Sklaverei-Bewegungen als transnationales Netzwerk im ‚langen 19. Jahrhundert“ wird durch die Gerda Henkel Stiftung gefördert.

„Wir freuen uns sehr darüber, dass unser Antrag genehmigt wurde. Die Kooperation zweier Standorte und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind bei der Stiftung sehr gut angekommen“, erklärt die Leiterin des Lehrgebiets Prof. Dr. Alexandra Przyrembel. Gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan Berger vom Institut für Soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum hatte sie den Antrag bei der Gerda Henkel Stiftung eingereicht. Für drei Jahre stehen nun Gelder für ein Doktorandenstipendium in Bochum und ein Postdocstipendium in Hagen zur Verfügung.

Die Postdoc-Position an der FernUniversität übernimmt Saskia Geisler. Dabei wird sie ihren Fokus insbesondere auf den transnationalen Aspekt legen. „Die Anti-Sklaverei-Bewegung ist zwar auf vielen Ebenen schon sehr gut erforscht, insbesondere im angelsächsischen Gebiet. Der räumliche Fokus ist hingegen neu.“ In Europa liegt der Anfang der Anti-Sklaverei-Bewegung in Großbritannien. „Ich möchte beispielsweise erforschen, wie Praktiken, die sich dort bewährt haben, in die anderen Länder gekommen sind.“

Das Promotionsprojekt in Bochum wird sich dem Zusammenhang zwischen Arbeiterbewegung und Sklaverei widmen. „Insgesamt möchten wir keine reine Erfolgsgeschichte erzählen, sondern auch die Widerstände in den Blick nehmen“, erläutert Alexandra Przyrembel.

„Stella“ – Erzwungener Verrat

22. Oktober 2019

Jüdische „Greifer“ im Dienst der Gestapo 1943–1945

23.10.2019, 18:00 Uhr
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Im März 1943 lebten etwa 5.000 Juden versteckt in Berlin. Zu ihnen gehörte auch Stella Kübler-Isaaksohn, geb. Goldschlag. Nach ihrer wiederholten Verhaftung durch die Gestapo versuchte sie, ihrer Deportation durch Kollaboration zu entgehen. Dabei nutzte sie ihre Zugehörigkeit zur Gruppe der Verfolgten, um andere Juden aufzuspüren und der Gestapo auszuliefern.

Sie zählte damit zu rund 25 „jüdischen Fahndern“, den sogenannten „Greifern“.

Nach Kriegsende von den Alliierten verhaftet, verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal sie zu zehn Jahren Zwangsarbeit. Nach Ableistung dieser Strafe erfolgten weitere Anklagen vor dem Landgericht Berlin. Die Presse widmete den Verfahren mit zum Teil reißerischen Berichten über den „Schrecken des Kurfürstendamms“, den „Todesengel“ oder auch das „blonde Gift“ hohe Aufmerksamkeit.

Auch in den folgenden Jahrzehnten erschienen neben Fernsehinterviews und einem Theaterstück zahlreiche Publikationen über „Stella“, zuletzt 2019 das gleichnamige Buch des Spiegel-Journalisten Takis Würger.

Im Mittelpunkt des Vortrages stehen die Rekonstruktion der historischen Ereignisse und der Umgang der Nachkriegsjustiz mit den Fahndern.

Die Referentin Dr. Doris Tausendfreund ist Historikerin und promovierte 2005 mit der Arbeit „Erzwungener Verrat. Jüdische ‚Greifer‘ im Dienst der Gestapo 1943-1945“ am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Seit 2006 arbeitet sie an der Freien Universität Berlin mit lebensgeschichtlichen Erinnerungsberichten zum Nationalsozialismus und deren digitaler Aufbereitung.

Veranstalter: Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen

Aus aktueller Hagener Perspektive ist das Thema auch interessant vor dem Hintergrund des – nicht erzwungenen – Zusammenwirkens zwischen Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde Hagen und der örtlichen AfD (Siehe dazu: AfD – keine Alternative für Juden!).

Im historischen Kontext ist dazu der „Verband nationaldeutscher Juden“ (VnJ) in den 1920er und 3oer Jahren erwähnenswert, der zwar nie besonders bedeutsam war (ähnlich wie die Jüdische Gemeinde Hagen heute), aber die „provokanten Positionen und hetzerischen Äußerungen dieser extrem rechten Randgruppe erregten viel Aufsehen in der deutschjüdischen Öffentlichkeit“ (Siehe: Wikipedia).

In der Vereinssatzung schrieb der VnJ:

„Der Verband nationaldeutscher Juden bezweckt den Zusammenschluß aller derjenigen Deutschen jüdischen Stammes, die bei offenem Bekennen ihrer Abstammung sich mit deutschem Wesen und deutscher Kultur so unauflöslich verwachsen fühlen, dass sie nicht anders als deutsch empfinden und denken können. Er bekämpft alle Äußerungen und Betätigungen undeutschen Geistes, mögen sie von Juden oder Nichtjuden ausgehen, die das Wiedererstarken deutscher Volkskraft, deutscher Rechtlichkeit und deutschen Selbstgefühls beeinträchtigen und damit den Wiederaufstieg Deutschlands zu einer geachteten Stellung in der Welt gefährden.“

Das Programm der AfD beschreibt es ähnlich in zeitgemäßer Diktion:

„Die Ideologie des Multikulturalismus, die importierte kulturelle Strömungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur gleichstellt und deren Werte damit zutiefst relativiert, betrachtet die AfD als ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit. Ihr gegenüber müssen der Staat und die Zivilgesellschaft die deutsche kulturelle Identität als Leitkultur selbstbewusst verteidigen.“

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hagen, Hagay Feldheim, bewegt(e) sich in seinen Aktivitäten in einem ähnlichen Spektrum, da er sich von der AfD einspannen liess (Siehe: Nicht ganz koscher) und sich bis heute in der Öffentlichkeit nicht deutlich von seinen Verbindungen distanziert hat.

Rückkehr nach Weimar?

20. Oktober 2019

Deutsche Verfassungsidentität 1919 – 2019 von außen gesehen

22.10.2019, 17:00 Uhr
Seminargebäude der FernUniversität (Gebäude 2), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 4 und 5 (Obergeschoss)

Nach 100 Jahren ist die Weimarer Verfassung (1919) noch heute von großem Interesse für das Verständnis der Entwicklung demokratischer politischer Institutionen in Deutschland und in Europa.

Nach den Vorstellungen der Gründungsväter hätte die Weimarer Verfassung die demokratischste der Welt sein sollen, doch ihr Ende fiel mit dem Beginn des nationalsozialistischen Regimes zusammen. Trotz des dramatischen Epilogs der ersten deutschen Demokratie war die Weimarer Verfassung Ausdruck außergewöhnlich moderner Prinzipien und Werte, die die deutsche Verfassungsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Wiedervereinigung von 1990 prägten.

Die Weimarer Verfassung wird weitgehend überschattet von ihrem tragischen Ausgang. Der tiefe Wert der Weimarer Republik liegt in der Erkenntnis einer allgegenwärtigen Gefahr des Zusammenbruchs von Gesellschaft und demokratischer Institutionen ohne breiten gesellschaftlichen Konsens.

Der Vortrag wird die historische Bedeutung der Weimarer Verfassung für die Kontinuität und Gegenkontinuität der Entwicklung der Verfassungsidentität Deutschlands sowie für die Geschichte der deutschen Demokratie im 20. Jahrhundert schildern.

Der Referent, Dr. habil. Ubaldo Villani-Lubelli, ist Historiker für die Geschichte politischer Institutionen an der Università del Salento (Lecce). Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeit sind die deutsche politische Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts sowie die Geschichte der europäischen Integration.

Veranstalter: Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften, FernUniversität in Hagen

Wie viel ist uns gute Kita-Qualität wert?

12. Oktober 2019

Das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung ist zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit der FernUniversität in Hagen erschienen

Prof. Julia Schütz leitet das Lehrgebiet Empirische Bildungsforschung an der FernUniversität. Foto: FernUni.

Wie hat sich die Anzahl der pädagogischen Kita-Fachkräfte in Deutschland in den vergangenen Jahren entwickelt und wie sind diese qualifiziert? Für wie viele Kinder sind die Kita-Fachkräfte zuständig? Wie viel Zeit wird in Kindertageseinrichtungen für Leitungsarbeit zur Verfügung gestellt? Welche Unterschiede existieren zwischen den Bundesländern?

Antworten auf diese und eine Vielzahl weiterer zentraler gesellschafts- und bildungspolitischer Fragen bietet das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung. Dieses ist zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit der FernUniversität in Hagen erschienen. Das Lehrgebiet Empirische Bildungsforschung kooperiert unter Leitung von Prof. Dr. Julia Schütz seit September 2018 mit der Bertelsmann Stiftung.

Die im Ländermonitor und -report Frühkindliche Bildungssysteme 2019 dargestellten Auswertungen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik, die von der FernUniversität in Hagen durchgeführt wurden, zeigen: Es hat zwar eine quantitative Zunahme des pädagogischen Personals in Kitas stattgefunden. Jedoch ist weiterhin eine deutliche Verbesserung des Personalschlüssels erforderlich, um Qualität und eine kindgerechte Bildung, Erziehung und Betreuung gewährleisten zu können.

Ungünstige Personalschlüssel sorgen dafür, dass in zahlreichen Kitas nicht kindgerecht gearbeitet werden kann. Die aktuelle Personalsituation in den Einrichtungen belastet neben der Kita-Qualität zudem auch die Erzieherinnen und Erzieher. Darüber hinaus erschweren es die Arbeitssituation und die strukturellen Rahmenbedingungen der Fachkräfte, mehr Menschen für den Beruf zu begeistern.

Zentrales strukturelles Qualitätsmerkmal von Kitas ist der Personalschlüssel. Nach Empfehlung der Bertelsmann Stiftung sind für eine gute Kita auch bundeseinheitliche Standards für eine professionelle Leitungsausstattung, berufsbegleitende Beratung sowie Aus-, Fort- und Weiterbildung der Fachkräfte wichtig.

Seit 2008 berichtet das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung über den Status quo und die Entwicklung der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland. Grundlage des jährlich aktualisierten Monitorings sind Auswertungen unter anderem von Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik.

Die diesjährigen Berechnungen wurden auf Grundlage des zwölf Jahre bestehenden Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme von Julia Schütz und ihren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Jana Viola Frings und Felicitas Kempf vorgenommen.

„…wie im Mittelalter!“

10. Oktober 2019

Gewaltkonzeptionen zwischen Vormoderne und Gegenwart

10.10.2019, 18:15 Uhr (bis 19.45 Uhr)
Seminargebäude (Gebäude 2) der FernUniversität, Universitätsstr. 33., 58097 Hagen, Räume 1 bis 3

Das vielbeschworene Bild vom „finsteren Mittelalter“ ist nicht zuletzt mit der Vorstellung verknüpft, dass diese Epoche von exzessiver Gewaltausübung geprägt war, seien es durch Kriege, Hinrichtungen oder Fälle alltäglicher Kriminalität. Das derart als gewalttätig imaginierte Mittelalter übt dabei auf moderne Beobachter eine ambivalente Faszination aus: Es erscheint uns einerseits als Zeit durchsetzungsstarker Helden und andererseits als Ära einer blutigen Herrschaft des Stärkeren. Gerade beim Nachdenken über historische Gewalttaten übertragen wir dabei – beinahe unabdingbar – moderne Wertmaßstäbe, so dass mancher Held als tapfer und mutig erscheint, eine obrigkeitliche Hinrichtung jedoch als grausam.

Ausgehend von mittelalterlichen Fallbeispielen und ihrer modernen Rezeption möchte der Vortrag aufzeigen, welche Möglichkeiten historischer Gewaltforschung es heute gibt und wo möglicherweise die Vor- und Nachteile einzelner Zugänge liegen. Dabei wird auch danach gefragt, ob und wie sich abstrakte Konzepte wie „Gewalt“ oder moralische Wertungen wie „Grausamkeit“ überhaupt historisieren lassen.

Zu der Veranstaltung sind externe Interessierte willkommen.

Veranstalter: Historisches Institut der FernUniversität
Referent: Dr. Christoph Mauntel

200 Jahre Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts”

9. Oktober 2019

Tagung der Zeitschrift für Rechtsphilosophie an der FernUni

Die „Zeitschrift für Rechtsphilosophie” widmet den vierten Jahrgang ihrer „Neuen Folge” der Hegelschen Rechtsphilosophie, deren 200-jähriges Jubiläum 2020/21 naht.

Von Donnerstag, 10. Oktober, bis Samstag, 12. Oktober, gibt eine Tagung an der FernUniversität in Hagen Anreize zum Austausch über die für die Publikation vorgesehenen Beiträge. Gemeinsam können hier Autorinnen und Autoren, der Wissenschaftliche Beirat der Zeitschrift und interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer vor Veröffentlichung der Texte miteinander ins Gespräch kommen.

Die Tagung ist öffentlich, die Teilnahme kostenlos.

Weitere Infos und Programm im Flyer der Tagung

„Der Frieden ist der Horizont“

8. Oktober 2019

Der Friedensprozess in Kolumbien im Vortrag an der FernUni

Prof. Juan Ramon Martínez Vargas, Richter für Sondergerichtsbarkeit, sprach an der FernUniversität über Menschenrechte, Verfassungs- und Völkerrecht.

Auf Einladung der FernUniversität hielt Prof. Juan Ramon Martínez Vargas von der Universidade del Rosario in Kolumbien einen Vortrag über die Rolle der Sondergerichtsbarkeit im Friedensprozess in Kolumbien: von den Anfängen des Konflikts hin bis zum Friedensvertrag 2016. Die eingerichtete Sondergerichtsbarkeit bildet dabei das Rückgrat des Friedensprozesses. Sie sieht für Verbrechen im Zusammenhang mit dem über 50 Jahre währenden bewaffneten Konflikt Strafminderung im Gegenzug gegen Aufklärung der Wahrheit, Reparation und bei Nichtwiederholung der Straftaten vor. Als Richter der Sondergerichtsbarkeit ging Martínez Vargas insbesondere auf diese drei grundlegenden Prinzipien ein.

Er schilderte einige Einzelschicksale, durch die deutlich wurde, wie wichtig für die Angehörigen der Opfer die komplette Aufklärung der Geschehnisse ist und dass Wiedergutmachung nicht nur darin besteht, die Täter zu inhaftieren. Dabei stellte er sowohl verfassungsrechtliche als auch völkerrechtliche Aspekte heraus. So ist die Sondergerichtsbarkeit durch eine Änderung der kolumbianischen Verfassung für 15 Jahre garantiert und unabhängig von einem möglicherweise eintretenden Regierungswechsel.

In der anschließenden Diskussion gab der Jurist seine Einschätzung dazu ab, ob der Frieden in Kolumbien erreicht werden könne: „Der Frieden ist der Horizont, auf den wir uns Schritt für Schritt zu bewegen.“ Mit der kolumbianischen Sondergerichtsbarkeit sei auch die Hoffnung verbunden, als „best practice“ für Ländern mit ähnlichen Konflikten zu dienen.

Der Vortrag fand in Kooperation des Instituts für Internationale Rechtsbeziehungen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sowie des Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften an der FernUniversität statt und wurde aufgezeichnet.

Tiere als Täter?

5. Oktober 2019

„Problemtiere“ der Kolonialgeschichte

08.10.2019, 18:15 Uhr (bis 19.45 Uhr), FernUni
Seminargebäude (Gebäude 2), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3

Wenn es in der Geschichte der Tier-Mensch-Beziehungen um das Töten und Fressen geht, so sind damit zumeist Nutztierhaltung und Jagd angesprochen. Doch einzelne Raubtiere oder Tiergruppen sind in der Lage dies umzukehren, Menschen also zu töten und sogar zu verspeisen.

Waren gefährliche Tiere wie Bären in Europa im langen 19. Jahrhundert weitgehend ausgerottet, trafen Kolonialregierungen etwa in Afrika, Indien und Südamerika abermals auf potentielle „Menschenfresser“ wie Löwen, Leoparden, Krokodile oder große Primaten. Diese Tiere forderten den kolonialen Zivilisierungsanspruch infolgedessen gewaltsam heraus und lokale Aktivisten wussten diese Attacken politisch zu nutzen.

Der Vortrag wird sich diesen kolonialen „Problemtieren“ umwelt-, kolonial- und tiergeschichtlich widmen und die Fälle transkontinental vergleichen.

Veranstalter: Historisches Institut der FernUniversität in Hagen
Referentin: Jun.-Prof. Dr. Stefanie Zehnle (Kiel)

Repräsentationen der Gewalt und politische Ordnung

3. Oktober 2019

Podiumsdiskussion an der FernUni

07.10.2019, 18:15 Uhr (bis 19.45 Uhr)
Seminargebäude (Gebäude 2), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3

Der Begriff Gewalt ist wie kaum ein anderes Wort dazu geeignet, um politische Debatten auszulösen bzw. auf die Spitze zu treiben. Wer Gewalt sagt, klagt an, oder muss sich verteidigen. Vor diesem Hintergrund ist es für die Geschichtswissenschaft von besonderem Interesse danach zu fragen, wie zu verschiedenen Zeiten mit diesem Thema umgegangen wurde. Wie sind historische (Um-)Deutungen und Leugnungen von Gewalt zu verstehen? Was können (Nicht-)Repräsentationen von Gewalt über den jeweiligen historischen Kontext aussagen?

Zum Auftakt der diesjährigen Geschichtswoche diskutiert Prof. Dr. Alexandra Przyrembel (FernUniversität) diese Fragen mit ihren Gästen: Prof. Dr. Christoph Marx (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Maren Lorenz (Ruhr-Universität Bochum) und Prof. Dr. Habbo Knoch (Universität zu Köln).

Interessierte sind zur Teilnahme eingeladen, Anmeldungen unter sekretariat.przyrembel@fernuni-hagen.de sind notwendig.

Dieselfahrverbote in deutschen Städten. Eine politikwissenschaftliche Ursachensuche

29. September 2019

01.10.2019, 18:00 Uhr (bis ca. 20 Uhr), FernUni, Seminargebäude (Gebäude 2), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 1 bis 3

Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge sind aktuell in 34 deutschen Städten entweder beschlossen oder eingeführt worden, hätten eingeführt werden müssen, oder es ist – u. a. für Hagen und 13 weitere Städte in Nordrhein-Westfalen – mit ihrer Einführung in absehbarer Zeit zu rechnen. Wie konnte es zu dieser höchst unwahrscheinlichen Entwicklung kommen? Der Vortrag gibt auf diese Frage eine Antwort.

Mit Hilfe eines theoretischen Ansatzes aus der Politikfeldanalyse werden vier notwendige und eine hinreichende Bedingung identifiziert: Der Beschluss der Europäischen Luftqualitätsrichtlinie (1), das aus dem Aarhus-Protokoll stammende Klagerecht anerkannter Umweltverbände (2), die systematische Nutzung dieses Rechts durch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) für ihren „Kampf für saubere Luft“ (3) sowie das Versagen auf allen Ebenen, mit anderen Maßnahmen als Fahrverboten die Einhaltung der NO2-Immissionsgrenzwerte zu erreichen (4), sind allesamt notwendige Bedingungen.

Im Gegensatz zur weit verbreiteten Wahrnehmung hat der Abgasskandal keinen identifizierbaren kausalen Effekt auf die Fahrverbote. Hingegen erweist sich die Art und Weise, wie die deutschen Verwaltungsgerichte die Klagen der DUH entschieden haben – mit großem Interesse an Gesundheitsschutz und der Einhaltung des europäischen Rechts – als hinreichende Bedingung für die Situation, die erklärt werden soll.

Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei, alle Interessierten sind willkommen.

Siehe dazu auch:

„Ein Versagen auf allen Ebenen“
Interview mit der Referentin Prof. Annette Elisabeth Töller

Empowerment?

24. September 2019

Selbstbestimmung und bürgerschaftliches Engagement in der DDR

27.09.2019 — 28.09.2019, Seminargebäude der FernUniversität (Gebäude 2), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Räume 4 und 5

Das Institut für Geschichte und Biographie in Hagen (IGB) begeht in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen mit einem kleinen Festakt. Dieser wird von einer wissenschaftlichen Tagung eingerahmt, die sich – aus Anlass eines aktuellen Forschungsprojektes am IGB – mit kulturellen Gestaltungsräumen und Formen der Selbstermächtigung in der DDR auseinandersetzen wird.

Das Hauptanliegen besteht darin, Einblick in biographische Prozesse zu gewinnen, in denen Bürger der DDR sich mit dem Ziel zusammenfanden, einen Teil ihres persönlichen und sozialen Lebens selbst in die Hand zu nehmen und damit in Bereiche der öffentlichen Sphäre vorzudringen, deren Regelung nominell durch das Regime beansprucht wurde. Derartige Verhaltensweisen liegen einerseits deutlich über dem Niveau des nischengesellschaftlichen Rückzugs, lassen sich andererseits durch Begrifflichkeiten der politischen Dissidenz und Opposition wiederum nicht auf den Punkt bringen.

Im Gegensatz zur Vorverurteilung der ostdeutschen Lebenswelt als einer „durchherrschten Gesellschaft“ gehen wir davon aus, dass Phänomene von zivil- und bürgerschaftlich geprägtem „Eigen-Sinn“ in der DDR verbreitet waren, jedoch stellt sich die Frage, wie man sie auffindet und wissenschaftlich nachweist. Nur selten gibt es dazu eine institutionalisierte Erinnerungskultur und die einschlägigen Akten des Ministeriums für Staatssicherheit bilden naturgemäß nur einen unvollkommenen und gefärbten Ausschnitt der dort als deviantes Verhalten wahrgenommenen Wirklichkeit ab.

Die Veranstaltung ist öffentlich, alle Interessierten sind willkommen. Eine Anmeldung unter eva.engelhardt@fernuni-hagen.de oder Telefon 02331 987- 4010 ist notwendig.

Das Tagungsprogramm

Willkommen in Hagen?!

23. September 2019

Vier Jahre nach dem Sommer des Willkommens

24.09.2019, 16:00 Uhr, FernUni Gebäude 3, Universitätsstraße 11, 58097 Hagen

Im Rahmen der Interkulturellen Woche in Hagen diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FernUniversität in Hagen mit Betroffenen und Akteurinnen wie Akteuren der Stadt Hagen über die Ergebnisse einer Studie im Lehrgebiet Community Psychology der FernUniversität. Anfang 2019 wurden in Hagen lebende Syrerinnen und Syrer befragt, wie sie das Aufnahmeklima wahrnehmen. Welche Herausforderungen sehen sie für das Zusammenleben? Fühlen sie sich verbunden mit der Stadt? Wie sehen sie ihre Zukunftsperspektiven?

Kooperationspartner für die Studie und die Diskussion sind die Integrationsagenturen der Arbeiterwohlfahrt Hagen/Märkischer Kreis und der Dikaonie Mark-Ruhr sowie der Verein Freiwillige Hände.

Um Anmeldung wird gebeten.

CO2 an der Quelle besteuern

22. September 2019

Der Volkswirt Prof. Robert Schmidt (FernUniversität) spricht sich deutlich für eine CO2-Steuer aus: Sie schafft ideale Bedingungen für Investitionen in emissionsarme Technologien.

Im Gegensatz zur Bundesregierung präferiert Prof. Robert Schmidt statt eines Emissionshandels eine CO2-Steuer. Einstiegspreis: 80 Euro pro Tonne CO2. Foto: FernUni.

„Erstaunlich einfach und seit Langem bekannt“ ist nach den Worten von Prof. Dr. Robert Schmidt ein ökonomisches Instrument, das wirksam den Klimawandel bekämpfen kann. Damit meint der Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Mikroökonomie an der FernUniversität in Hagen die umfassende Festlegung von einheitlichen Preisen für alle Emissionen, insbesondere von Kohlendioxid („CO2-Steuer“).

Ein solcher Markteingriff ist seiner Ansicht nach berechtigt und unter Umständen sogar zwingend erforderlich. Darüber hinaus hält er eine gezielte Förderung grüner Technologien (z.B. erneuerbare Energien, Speichertechnologien) für sinnvoll. „Die Bereitstellung emissionsarmer Technologien hat – ähnlich wie die Senkung der Emissionen – z.T. Eigenschaften eines globalen öffentlichen Gutes!“ Wenn Deutschland eine umfassende CO2-Bepreisung einführe, könne es zudem andere Länder mit an Bord holen und so einen wichtigen Impuls in Richtung einer globalen Bepreisung geben.

Hinsichtlich der Bepreisung von CO2-Emissionen setzt Prof. Schmidt sich vehement für eine Quellenbesteuerung ein, also eine Kohlenstoffsteuer. Dabei würden die fossilen Brennstoffe direkt bei ihrer Förderung bzw. bei ihrem Import entsprechend ihrem Kohlenstoffgehalt besteuert. Schmidt: „Das ist einfacher und unbürokratischer, als riesige Zahlen von CO2-Emittenten einzeln zu erfassen. Ökonomisch ist es eigentlich egal, wo man die Steuer ansetzt. Pragmatisch ist es, wenn man wirklich an der Quelle, also bei oder möglichst direkt nach der Extraktion der fossilen Brennstoffe aus dem Erdreich sowie beim Import ansetzt. Damit kann man theoretisch eine hundertprozentige Abdeckung der CO2-Emissionen erreichen.“

Denn nicht nur Auto fahren, heizen oder Güter und Dienstleistungen verursachen durch Betrieb und Erzeugung CO2, sondern z.B. auch der energieaufwändige Bau eines Hauses („Graue Emissionen“). Hier müssten z.B. Zementgewinnung und Betonherstellung berücksichtigt werden.

Im Gegensatz zu einer solchen umfassenden CO2-Steuer sind im EU ETS, dem EU-Emissionshandel (European Union Emissions Trading System), nur die großen Emittenten wie Industrieunternehmen und Energieerzeuger erfasst und damit lediglich ca. 45 Prozent der Emissionen in der EU. Schmidt: „Wenn man nur den Energieverbrauch der Heizung besteuern würde, bliebe außer Acht, wie energieaufwändig das Gebäude hergestellt wurde. Bei einer umfassenden Kohlenstoffbesteuerung würde das alles berücksichtigt. Und wenn ein Produzent sieht, dass seine Produkte durch die Besteuerung teurer werden, wird er versuchen, kohlenstoffarm zu produzieren.“

Industrieunternehmen und Energieerzeuger könnten – und würden – die höheren Belastungen an ihre Kunden weitergeben. Schmidt: „Es ist egal, wo man die Steuer ansetzt; direkt beim Verbraucher oder in der Produktionskette. Es ist ja auch gewollt, dass das Preissignal sich entlang der Wertschöpfungskette fortpflanzt. Die Verbraucherin, der Verbraucher soll sehen: Dieses Produkt oder diese Dienstleistung ist jetzt teurer, weil da mehr CO2 ‚drinsteckt‘. Also weiche ich auf eine andere Dienstleistung oder ein anderes Produkt aus. Auf den Apfel, der nicht aus Argentinien eingeflogen wurde, sondern hier gewachsen ist.“

Und Produzenten emissionsärmerer Produkte können diese vergleichsweise billiger anbieten, und dadurch ihre Marktanteile steigern. Somit entstehen entsprechende Investitionsanreize in emissionsärmere Produktionsprozesse und Technologien. Um Wettbewerbsnachteile für die heimische Wirtschaft auszuschließen, sollte eine CO2-Bepreisung mit steuerlichem Grenzausgleich (sog. Border Carbon Adjustment – BCA) gekoppelt werden: Exporte würden vom heimischen CO2-Preis befreit und Importe damit belastet.

Da das EU ETS bereits existiert, plädiert Schmidt dafür, die CO2-Steuer zusätzlich einzuführen und die Kosten der Zertifikate an die beteiligten Firmen zurückzuerstatten, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden: „Die Steuer wirkt dann wie ein Mindestpreis für Emissionen und ergänzt das EU ETS.“

Prof. Schmidt spricht sich entschieden für die Steuer aus und gegen eine Ausweitung des Zertifikatehandels auf bisher nicht erfasste Sektoren. „Die Steuer setzt ein stabiles Preissignal und schafft somit ideale Bedingungen für Investitionen in emissionsarme Technologien, während der Preis im EU ETS schwankt. Dabei sind sowohl unerwartet geringe als auch sehr hohe Zertifikatepreise nicht wünschenswert. Bei geringen Preisen fehlen Anreize, die Emissionen weiter zu reduzieren, sehr hohe Preise bergen konjunkturelle Risiken.“

Prof. Schmidt schlägt einen Einstiegspreis von 80 Euro pro Tonne CO2 vor, was vergleichbar ist mit der Schweizer CO2-Steuer. Die CO2-Steuer sollte im Anschluss kontinuierlich über die Zeit ansteigen.

Ein Teil der Erlöse aus der CO2-Bepreisung sollte seiner Ansicht nach für Regenwald-Schutzprogramme verwendet werden. Das hält Schmidt für noch dringender als das Abschalten von Kohlekraftwerken oder die Entschädigung von Stromkonzernen, weil so neben der Emissionsminderung auch noch ein unermesslicher Beitrag für den Erhalt der globalen Artenvielfalt geleistet würde.

„Antworten auf zentrale Fragen zur Einführung von CO2-Preisen“ gibt Prof. Robert Schmidt zusammen mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen in „Diskussionsbeiträge der Scientists for Future 2, 2019, Version 1.1, doi:10.5281/zenodo.3371150“. In der Veröffentlichung geht es um „Gestaltungsoptionen und ihre Auswirkungen für den schnellen Übergang in die klimafreundliche Gesellschaft“.

„Ein Versagen auf allen Ebenen“

17. September 2019

Prof. Annette Elisabeth Töller (FernUniversität) hat untersucht, warum überhaupt mit Dieselfahrverboten zu rechnen ist. Am 1. Oktober hält sie hierzu einen öffentlichen Vortrag.

In Hamburg, Stuttgart und Darmstadt gibt es bereits Dieselfahrverbote, im Oktober folgt Berlin als Nummer 4. In 30 weiteren Städten drohen Fahrverbote, weil die Grenzwerte für Stickstoffdioxid-Emissionen nicht eingehalten werden. Nach einer Berechnung der Europäischen Umweltagentur von 2018 gab es in 2015 in Deutschland 13.000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von NO2-Immissionen.

Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller von der FernUniversität in Hagen hat untersucht, warum überhaupt mit Dieselfahrverboten zu rechnen ist. Die Leiterin des Lehrgebiets Politikwissenschaft III: Politikfeldanalyse und Umweltpolitik wird hierzu am 1. Oktober einen öffentlichen Vortrag in der FernUniversität halten. Im Interview erläutert sie einige ihrer Untersuchungsergebnisse.

Frau Prof. Töller, kommen Dieselfahrverbote auf breiter Front?

Prof. Töller: Ich kenne zwar alle bisherigen Gerichtsurteile, aber ich habe keine Glaskugel. Ob weitere Fahrverbote kommen, kann ich wirklich nicht sagen – aber es ist jedenfalls nicht auszuschließen!

Die entsprechenden Klagen der Deutschen Umwelthilfe laufen schon seit 2011, und in allen Fällen haben die Gerichte festgestellt, dass der Luftreinhalteplan des Landes für die jeweilige Stadt nicht ausreicht. Es gibt aber große Unterschiede, wie konkret die Gerichte Fahrverbote als einzige Möglichkeit vorgeschrieben haben und ob diese flächendeckend oder nur streckenbezogen sein müssen.

Nach dem richtungsweisenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2018 waren die Urteile klarer in Richtung Fahrverbot. Jedoch ist selbst bei einem so klaren Urteil – wie es jetzt für Köln ergangen ist – nicht sicher, dass auch bald ein Fahrverbot kommt. Erstens hat das OVG Münster die Revision zugelassen. Sollte das Land NRW Revision beim Bundesverwaltungsgericht einlegen, so hätte dies aufschiebende Wirkung. Zweitens kann man Fahrverbote nicht per Knopfdruck verhängen. Vielmehr muss dazu das Land den Luftreinhalteplan für Köln erneut fortschreiben und mit den Fahrverboten auch z.B. Ausnahmeregelungen prüfen, um die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Und drittens gibt es eine Reihe von Städten, darunter München und Düsseldorf, für die schon lange rechtsgültige Urteile vorliegen, die Fahrverbote für notwendig erklären, die gleichwohl immer noch kein Fahrverbot haben. Der Grund ist, dass sich einige Länder – trotz teilweise verhängter Zwangsgelder – bislang erfolgreich geweigert haben, die Gerichtsurteile zu befolgen.

Ist in den letzten Jahren zu wenig passiert?

Definitiv! Man hätte schon lange Maßnahmen beschließen müssen, die etwas bringen, um die Luftqualität zu verbessern. Die europäische Luftqualitätsrichtlinie ist bereits zum Januar 2010 in Kraft getreten. In Deutschland ist die Umsetzung von europäischem Recht aufgrund des Föderalismus immer schwierig.

Der Bund ist zwar verpflichtet, diese europäische Richtlinie umzusetzen, er ist ja auch 2018 zusammen mit anderen EU-Mitgliedern von der Europäischen Kommission verklagt worden, weil die Richtlinie nicht ordentlich umgesetzt wird. Der Bund hat die Grenzwerte in Bundesrecht umgesetzt, ist aber für die Implementation gar nicht zuständig. Hier sind die Länder gefragt, die wiederum unterschiedliche Zuständigkeitsstrukturen haben. In einigen Ländern wie Hessen und Bayern sind es die Umweltministerien, die die Luftreinhaltepläne zur Verbesserung der Luftqualität erarbeiten, in anderen wie in Niedersachsen die Kommunen. In NRW und Baden-Württemberg sind die Bezirksregierungen zuständig. Sie müssen zusammen mit den Städten die Luftreinhaltepläne erarbeiten und beraten, wie man mit sinnvollen Maßnahmen die Emissionen reduzieren kann.

Anfangs hat man das Problem gelinde gesagt ignoriert bzw. angenommen, dass es sich von selbst löst. Jetzt jedoch müssen die Kommunen die mitunter weitreichenden Maßnahmen umsetzen. Bei einigen Maßnahmen, die die Bürgerinnen und Bürger oder die lokale Wirtschaft einschränken, haben sie auch mit erheblichen Widerständen zu kämpfen. Erst 2017 hat der Bund im Rahmen des „Sofortprogramms saubere Luft“ viel Geld für Maßnahmen wie die Elektrifizierung des ÖPNV zur Verfügung gestellt, weil erste Fahrverbote drohten. Erst dann hat man das Problem ernst genommen.

Trotzdem sehen wir immer noch, wie problematisch es ist, vor allem weil die Kommunen einen bestimmten Anteil der Kosten selbst tragen müssen – 10 Prozent und mehr. Und das ist in Zeiten „klammer Haushalte“, gerade in NRW, immer noch „schwer zu stemmen“. Und letztlich brauchen diese Maßnahmen Zeit, um zu wirken, aber die haben wir jetzt nicht mehr.

Wir sehen also ein Versagen auf allen Ebenen!

Gibt es Zusammenhänge zwischen Fahrverboten und Dieselskandal?

Das ist in der Literatur umstritten. Ich sehe keinen direkten Einfluss. Man wusste schon vor dem Skandal sehr genau, dass die Emissionen der Dieselfahrzeuge die Hauptverursacher der Grenzwertüberschreitung bei den Stickstoffdioxid-Immissionen sind. Im Mahnschreiben der EU-Kommission vom Juni 2015 standen z.B. hierzu ganz klare Zahlen. Die ersten Gerichtsverfahren begannen schon 2011, der Dieselskandal erst im Herbst 2015.

Allerdings hat der Dieselskandal die Aufmerksamkeit auf das Problem gelenkt. Vor ihm wurden die nicht eingehaltenen Luftqualitätsgrenzwerte und die hochgradige Gesundheitsschädlichkeit als ein Problem der betroffenen Städte gesehen, seither als gesamtgesellschaftliches und nationales Problem. Und man versteht besser, warum diese Werte einfach nicht eingehalten werden können: Weil die Fahrzeuge eben viel mehr emittieren, als erlaubt ist.

Vortrag am 1. Oktober

Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller gibt auf diese und weitere Fragen am Dienstag, 1. Oktober, von 18 bis 20 Uhr ausführliche Antworten. Ihr Vortrag „Dieselfahrverbote in deutschen Städten. Eine politikwissenschaftliche Ursachensuche“ findet in der Ringvorlesung Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit der FernUniversität im Seminargebäude (Gebäude 3), Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, statt. Die Veranstaltung ist öffentlich, alle Interessierten sind willkommen.

Hagener Geschichte(n) postkolonial erzählt

31. August 2019

Welche Spuren der Kolonialismus in der Stadtgeschichte und im Alltag hinterlässt, zeigt ein Forschungsprojekt der FernUni

Mitte der 1960er Jahre in Hagen: Der Brauereibesitzer Carl Horst Andreas schoss „auf großer Pirsch” auf allen Kontinenten exotische Jagdtrophäen für sein privates Museum, bis hin zum Elefantenfuß (Bildmitte). Für Werbezwecke setzte er Fotos von Menschen aus Afrika in diskriminierender Weise ein. Foto: Hagener Heimatbund.

Kolonialgeschichte streift ihre Nebenrolle ab: Klassischerweise wird sie als Geschichtsschreibung von oben angelegt, erzählt aus der Perspektive von Imperien, Kaisern, Ministerien. Mittlerweile etabliert sich eine Globalgeschichte „von unten“, drängt sich in die National- und insbesondere Lokalgeschichte. „Die historische Perspektive hat sich in den vergangenen Jahren verändert“, bestätigt Dr. Fabian Fechner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt an der FernUniversität in Hagen.

Mit Fokus auf die Stadt Hagen hat Fechner gemeinsam mit seiner Kollegin Barbara Schneider nach Verbindungen zwischen Kommune und Kolonialismus für die Zeit zwischen 1850 und 1960 gesucht, dabei Erstaunliches herausgefunden – und die Geschichte(n) in einem Seminar für Studierende verarbeitet. Nachlesbar sind sie in einer Publikation und einem Stadtplan.

Nach Bielefeld und Düsseldorf nun also Hagen: „Wir sind die dritte Uni bundesweit, die Spuren der Kolonialzeit vor Ort aufgespürt hat und dauerhaft dokumentiert“, sagt Fechner zu dem jungen Zweig der Lokalhistorie. „Deutschland war zur Zeit des Kolonialismus ein Auswanderungsland“, beschreibt der Historiker. „Die große Not, die in Deutschland herrschte, trieb überall Menschen dazu, nach Übersee zu gehen.“ Für Frauen etwa bedeutete die Missionsarbeit einen Sprung in der sozialen Hierarchie und mehr persönlichen Handlungsspielraum, wie Barbara Schneider erarbeitet hat.

Um in die lokale Geschichte einzutauchen, wühlten sich Barbara Schneider und Fabian Fechner durch Archive und sichteten Quellen, blätterten händisch alte Zeitungsausgaben durch und sortierten Fotos. Neben drei Hagener Archiven waren vor allem die Bestände der Archiv- und Museumsstiftung der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal ausschlaggebend.

Ansätze für Geschichten fanden Schneider und Fechner viele: Völkerschauen und palmengeschmückte Kolonialfeste als Unterhaltungsprogramm, revisionistische Heldenverehrung auf Straßenschildern, die Betrügereien durch den Hagener „Bund für Siedlung in Brasilien“, der zur Schau getragene Rassismus des Brauereibesitzers Carl Horst Andreas – und: Wie kam eigentlich der Kaffee nach Hagen?

Eine Anzeige in der Hagener Zeitung vom 15. Mai 1892 wirbt für eine Völkerschau, die damals das meist Bild des „Schwarzen” in der Öffentlichkeit verfestigte: wild, animalisch und kriegerisch zu sein. Foto: Stadtarchiv Hagen.

Hagens koloniale Spuren zeigen dabei einen Querschnitt durch die lokale Gesellschaft: vom Tagelöhner und der Zugehfrau bis zum Admiral und Millionenerben werden sie repräsentiert, ebenso wie durch Kolonialgesellschaften, Kriegervereine und Missionsorganisationen. „Letztere machten die Menschen mit dem kolonialen Gedankengut vertraut und sorgten für die koloniale Grundierung der Bevölkerung“, so Barbara Schneider. Denken und Handeln in dieser Kategorie war fest im Alltag verankert.

An dem Seminar, das das Lehrgebiet anbot, nahmen überdurchschnittlich viele Studierende teil. „Das Interesse an Lokalgeschichte und Zeithistorie ist offenkundig groß“, freut sich die Geschichtswissenschaftlerin über die Resonanz. Insgesamt 23 Bachelor- wie Promotionsstudierende zogen los, forschten ebenfalls in Archiven und Bibliotheken. Neben einigen Hausarbeiten schrieben alle einen Artikel zu ihrem Thema, die zu einer umfangreichen Broschüre mit Lokalkolorit zusammengefasst werden.

„Darin finden sich viele Aspekte, die so in Hagen noch nicht aufgearbeitet wurden und die vor allem das koloniale Erbe über Einzelpersonen, Institutionen, Kunstwerke, Sammlungen und symbolische Handlungen veranschaulichen“, so Schneider und Fechner.

Der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden die Forschungsergebnisse und das Buch „die welt in hagen – hagen in der welt“ am 17. September von 18 bis 20 Uhr im Kunstquartier Hagen, Museumsplatz 1.

Interdisziplinäres Symposium zur Lage Europas

5. Juli 2019

Das Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften befasste sich mit den Herausforderungen für die EU angesichts der Ergebnisse der Europawahl

Zu Gast war auch FernUni-Professor Peter Brandt (re.), von 2003 bis 2017 Direktor, seitdem Ehrendirektor des DTIEV. Foto: FernUni.

Im Mai 2019 wurden die politischen Weichen in der EU neu gestellt: Mit der Wahl des Europäischen Parlaments haben sich gewohnte Machtverhältnisse geändert, bestehende Gräben vertieft und neue Konfliktfelder aufgetan. Um eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme und Interpretation der Wahlergebnisse ging es bei einem Symposium an der FernUniversität in Hagen, ausgerichtet vom Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften (DTIEV). An zwei Tagen suchten Expertinnen und Experten aus Forschung, Politik und Wirtschaft den Austausch, diskutierten und zogen Bilanz zur übergeordneten Frage: „Europa bedroht von innen und von außen?“

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Jürgen Nagel, Dekan der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, richtete sich Prof. Dr. Schiffauer an die Gäste. Der stellvertretende Direktor des DTIEV unterstrich die Brisanz der aktuellen Lage: „Im globalen ökonomischen Wettbewerb – insbesondere mit den Vereinigten Staaten und mit China – zeichnen sich neue Formen der Auseinandersetzung ab, in denen die europäischen Volkswirtschaften keineswegs sicher sein können, sich zu behaupten.“ Zudem generierten der Klimawandel und seine Folgen unwägbare Risiken. „Europa ist weit davon entfernt, solchen Gefahren geschlossen entgegentreten zu können.“

Rund ein Drittel der Wählerstimmen seien zudem für Parteien abgegeben worden, die die Grundordnung der EU ablehnen; viele Wählerinnen und Wähler seien von Europa enttäuscht. Mit Blick auf die politische Zukunft der EU betonte Prof. Schiffauer deshalb: „Die Frage, der dieses Symposium nachgehen soll, ist nicht, ob es wünschenswert ist, den europäischen Einigungsprozess fortzusetzen.“ Vielmehr sei darüber zu diskutieren, was sich ändern müsse, damit Europa sozial, sicher und wirtschaftlich gesund fortbestehen kann.

„Europa bedroht von innen und von außen?“

13. Juni 2019

Fachtagung an der FernUni, 14.06.2019 — 15.06.2019

Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften

Die Wahlen zum Europäischen Parlament des Jahres 2019 finden vor einem Horizont von tieferen Spaltungen in der Gesellschaft, von Ungewissheit über die Anerkennung gemeinsamer Werte und von gewachsener Unsicherheit in den globalen Macht- und Kräfteverhältnissen statt. Die Europawahlen und die darauf folgende Bildung einer neuen Europäischen Kommission sind jedes Mal eine Zäsur in den politischen Prozessen der Europäischen Union, Gelegenheit zu kritischer Bestandsaufnahme, zur Interpretation des Wählerwillens und seiner Hintergründe, zur Diskussion möglicher und notwendiger Neuanfänge.

In Kenntnis des Votums der Bürger der Union, seiner absehbaren Auswirkungen auf die Zusammensetzung der nächsten Unionsexekutive und die während der kommenden fünf Jahre zu erwartenden gesetzgeberischen Gestaltungsmehrheiten wird das Symposion eine Reihe zentraler Problemfelder der europäischen Integration diskutieren.

Die wissenschaftliche Veranstaltung dauert bis Samstag, 15. Juni, 13.30 Uhr. Sie richtet sich in erster Linie an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie an Studierende der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität in Hagen. Darüber hinaus sind die gesamte Hochschulöffentlichkeit, externe Fachleute und am Fach bzw. Thema interessierte Bürgerinnen und Bürger willkommen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Weitere Informationen hier

Anmeldungen sind erforderlich (per Mail an dtiev@fernuni-hagen.de)

Schicksale von Verschleppten im Zweiten Weltkrieg

12. Juni 2019

Das Archiv des Instituts für Geschichte und Biographie der FernUniversität und die russische Checkov-Hochschule kooperieren bei der Aufarbeitung von Zwangsarbeiter-Interviews

Um die Schicksale russischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter geht es bei einem Projekt der Hochschule A.P. Checkov im südrussischen Taganrog, dem Ge-Denkzellen-Verein und der Friedensgruppe Lüdenscheid.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden aus Taganrog und Umgebung rund 27.000 meist sehr junge Menschen nach Deutschland verschleppt. Ihren Schicksalen spüren Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Geschichtsstudierende der Hochschule nach. In einer zweisprachigen Ausstellung soll 2021 in Taganrog und in seiner südwestfälischen Partnerstadt Lüdenscheid anhand 20 exemplarischer Schicksale gezeigt werden, was die Verschleppten erdulden mussten.

Im Rahmen ihrer Recherchereise nach Deutschland besuchte die Forschungsgruppe unter Leitung von Dr. Valentina Aggeeva und Dr. Viktor Kulikov auch das Institut für Geschichte und Biografie (IGB) der FernUniversität in Hagen. In dessen Archiv „Deutsches Gedächtnis“ befinden sich rund 600 Interviews mit ehemaligen russischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Darunter sind auch etwa 20 Interviews mit damals aus Taganrog Verschleppten, die 1993 Lüdenscheid besucht hatten.

Die russischsprachigen Dokumente sind jedoch kaum übersetzt. Im Rahmen des Besuchs vereinbarten das FernUni-Institut und die russischen Gäste daher, dass diese die Gesprächsaufnahmen übersetzen und die Übersetzungen dem IGB zur Verfügung stellen werden. Dafür erhielten sie Zugang zum IGB-Onlinearchiv und lernten, damit umzugehen. Das Hagener Institut und die russische Hochschule wollen die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit auf einer russischen Online-Plattform zugänglich machen.

Taganrog ist heute mit rund einer Viertelmillion Einwohnerinnen und Einwohnern ein bedeutendes Wirtschafts- und Kulturzentrum Südrusslands.

„Es hat immer Umbrüche gegeben“

5. Juni 2019

Interview mit dem FernUni-Philosophen Prof. Thomas Bedorf über die Folgen des medialen Wandels für gedruckte und digitale Medien

Nach 17 Jahren erscheint im Juni 2019 die letzte Ausgabe der Hochschulzeitung „FernUni Perspektive“. FernUni-Pressesprecher Stephan Düppe sprach aus diesem Anlass mit dem Sprecher des Forschungsschwerpunktes „digitale_kultur“, dem Philosophen Prof. Dr. Thomas Bedorf, über den medialen Wandel (Foto: FernUni).

Lieber Herr Professor Bedorf, Friedrich Nietzsche hat einmal gesagt „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken.“ Wie verhält es sich mit dem „Lesezeug“? Welche Bedeutung hat die Materialität eines Mediums für die Rezipientinnen und Rezipienten?

Prof. Thomas Bedorf: Lesen und Schreiben sind Kulturtechniken. Sie sind von der Menschheit zu einem bestimmten Zeitpunkt erfunden, und danach von Menschen erworben, verfeinert und weitergegeben worden. Diese Kulturtechniken sind natürlich einem historischen Wandel unterworfen. Es hat immer verschiedene Weisen gegeben, wie wir geschrieben und gelesen haben. Es hat auch Zeiten gegeben, in denen wir gar nicht geschrieben haben, sondern Teil einer mündlichen Kultur waren. Die griechische Überlieferung bestand aus Epen, die gereimt waren, weil man sich Reime besser merken konnte – denn die Epen wurden mündlich weitergegeben. Das muss man spätestens seit Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks nicht mehr.

Die Materialität der Dinge, mit denen wir lesen und schreiben, beeinflusste immer schon die Art und Weise, wie wir das tun. Nur liegen solche historischen Wandlungsprozesse so lange zurück, dass wir uns in unserer Generation nicht daran erinnern können. Deswegen erscheint uns der heutige Wandel hin zum Digitalen als neu und einzigartig, obwohl es historisch gesehen immer Umbrüche gegeben hat. Was konkret das Lesen angeht, so sind wir durch die Materialität von Papier und Buchdruck sozialisiert und kulturalisiert worden. Diese haben den Nachteil der Lokalisiertheit: Bücher liegen oder stehen irgendwo, zum Beispiel auf einem Tisch oder in der Bibliothek, im Bücherschrank oder am Strand im Liegestuhl. Bücher haben ein bestimmtes Gewicht, sie transportieren sich nicht von selbst, sie haben gegenüber den neuen Medien den Nachteil der Lokalisiertheit und Immobilität.

Auch die Hochschulzeitung mussten wir verschicken, Leserinnen und Leser musste sie postalisch zugeschickt bekommen oder sich holen. Eine gedruckte Zeitung ist nicht zwangsläufig dort verfügbar, wo ich bin.

Bedorf: Genau. Und demgegenüber haben bildschirmorientierte Lesepraktiken den Vorteil, dass wir sie überall anwenden können. Das war sozusagen die Revolution des iPhone vor zehn Jahren. Insofern spielen Leseorte wie die Bibliothek, der Schreibtisch oder das Café nicht mehr eine so wichtige Rolle. Die beiden zentralen Vorteile digitaler Medien sind Geschwindigkeit und Verfügbarkeit. Wir haben mittlerweile auf viele Texte mehr Zugriff. Das erscheint uns trivial, weil es uns so selbstverständlich geworden ist. Aber wir könnten niemals eine ganze Bibliothek mitnehmen.

Printmedien gelten heutzutage für manche Menschen als höherwertig gegenüber den digitalen Medien. So sehen es bei unserer Universitätszeitung bisweilen auch diejenigen Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler, über die wir berichten: Es wird als etwas Besonderes empfunden, dass man „in der Zeitung steht“. Für die bedeutenden überregionalen Zeitungen gilt das auch. Woran liegt das? Denn die Botschaft ist ja dieselbe, ob sie in gedruckter Form oder digital verbreitet wird.

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Umweltfreundlicher entscheiden und leben

2. Juni 2019

Wie Lernen und Motivation hierbei helfen können, erläutert Prof. Robert Gaschler (FernUniversität) am 6. Juni aus umweltpsychologischer Sicht. Alle Interessierten sind willkommen.

Um „Entscheidungen, Gewohnheiten und Gelegenheiten sie zu ändern – Lernen und Motivation als Faktoren“ geht es am 6. Juni 2019 von 18 bis 20 Uhr. Referent ist Prof. Dr. Robert Gaschler, Leiter des Hagener Lehrgebiets Allgemeine Psychologie: Lernen, Motivation, Emotion (Foto: Hardy Welsch). Zu der Veranstaltung im Gebäude 3, Raum Ellipse (EG), Universitätsstr. 11, 58097 Hagen, sind alle Interessierten eingeladen, der Eintritt ist frei, Anmeldungen sind nicht notwendig.

Umweltpsychologie erforscht einerseits, wie unterschiedliche Umwelten auf Menschen wirken. Andererseits beeinflussen Menschen Umweltbedingungen. Neben technischen Lösungen ist das Verhalten von Menschen in beruflichen und privaten Kontexten für Umweltschutz und Nachhaltigkeit ausschlaggebend. Der Vortrag beleuchtet anhand empirischer Studien, wie Gewohnheiten und Entscheidungen umweltgerechtes Verhalten bedingen und wie Gelegenheiten zum Ändern von Gewohnheiten identifiziert und genutzt werden können.

Der Vortrag findet im Rahmen der Ringvorlesung „Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“ der FernUniversität statt.


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