Archive for the ‘91 Nebenan’ Category

Herdecker legt Weinberg am Koepchenwerk an

1. August 2021

Koepchenwerk_Project_vino

Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, und Elias Sturm, Initiator des PROJECT:vino am Hang des Koepchenwerks zum offiziellen Start der Testphase des Projektes. Foto: Industriedenkmalstiftung.

Im Schieberhaus des Koepchenwerks – hoch oben am Hang des Ardeygebirges – genau dort, kann sich Elias Sturm sehr gut eine Weinprobe vorstellen: Einen kühlen Weißwein in der Hand, schweift dann der Blick in die schöne Landschaft am Hengsteysee…

So seine Idee, denn der junge Herdecker ist unter die Winzer gegangen und will auf dem Gelände des Industriedenkmals zwischen den beiden großen Druckrohrleitungen einen Weinberg anlegen. Erste Reben sind schon gepflanzt. Das PROJECT:vino ist mit einer Testphase gestartet.

Mit dem Koepchenwerk verbindet ihn Familiengeschichte. Sein Urgroßvater Wilhelm (Willi) Kranz leitete in der Vergangenheit das Koepchenwerk von 1945 bis 1962. Deshalb ist auch die spontane Eingebung, den Wein „Willi und Arthur“ zu nennen – Willi, der alte Verwandte, und Arthur nach Arthur Koepchen, dem Ideengeber dieses national bedeutsamen Industriedenkmals der Energiewirtschaft in Herdecke.

Über den Verein Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk e.V., der sich mit viel Herzblut für das Herdecker Denkmal engagiert, wurde der Kontakt zur Industriedenkmalstiftung als Eigentümerin hergestellt. Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, wird das Projekt auf jeden Fall konstruktiv begleiteten.

„Jeder unserer denkmalgeschützten Standorte inspiriert zu individuellen, neuen Nutzungen. Das macht den Reiz aus. Die Idee von Elias Sturm, Weinanbau gezielt in dieser industriell geprägten Landschaft zu betreiben, ist nicht nur originell, sondern bedarf auch eines starken Antriebs. Das passt sehr gut zu diesem Ort, zum Geist der Gründerväter des innovativen Pumpspeicherkraftwerks ebenso, wie zu unserem Stiftungsauftrag, das Denkmal angemessen zu nutzen und für eine neue Generation zu erschließen.“

Von Seiten der Stiftung wurde das Vorhaben behördlich mit der Unteren Denkmalbehörde, der Unteren Naturschutzbehörde, dem Regionalforstamt, dem Naturschutzbeirat der Stadt Herdecke sowie mit RWE abgestimmt. Für das Projekt sind also alle Wege geebnet.

Weitere Informationen zum Koepchenwerk und der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

Lokalpresse und AfD: Es geht auch anders

4. Juli 2021

Erfrischender Klartext in der WPWR-Ausgabe EN-Südkreis

Man kann nicht so richtig erahnen, was die Besatzung des Hagener Pressehauses wirklich umtreibt. Vieles wird an den dortigen Schreibtischen als vermeintliches Alleinstellungsmerkmal der Stadt erdacht: Müllprobleme, Schließungen irgendwelcher Läden und jede Art von Kleinkriminalität.

Lauter Dinge, die es so oder in ähnlicher Form in allen Städten dieser Größenordnung gibt – mit denen man aber das Publikum erschrecken kann, weil der Eindruck erweckt wird, das sei nur in Hagen so schlimm.

Eine ganz andere Betrachtungsweise legen die Stadtschreiber an den Tag, wenn es sich um fundamentale Bedrohungen der Demokratie in diesem Land und damit auch in dieser Stadt handelt. Es geht um die Präsentation der AfD im heimischen Blättchen – eine gewisse Schizophrenie dabei inbegriffen.

Letztere besteht darin, dass sich die Redakteure mit großem Engagement über eine abgehängte Staatsflagge Israels hermachen und ein Einknicken vor Islamisten sehen. Einerseits. Dem hiesigen AfD-Kandidaten für den Bundestag aber derweilen den blau-braunen Teppich ausrollen. Andererseits.

Während Redaktionsleiter Jens Stubbe mit viel Mitgefühl vom schwitzenden AfD-Mann Andreas Geitz berichtet und davon, dass dessen Kinder womöglich die Grünen wählen wollen („Menscheln mit der AfD“), schlägt sein Kollege Stefan Scherer von der WPWR-Ausgabe aus dem benachbarten EN-Südkreis (Schwelm/Ennepetal/Gevelsberg) ganz andere Töne an.

Mit Blick auf die Entwicklung der AfD schrieb er in einem Artikel am 02.07.2021 (Bezahlschranke):

Aus Europakritik wurde nationalsozialistisches Gedankengut, vom Liberal-Konservativen rutschte das ideologische Fundament der Partei ins Rechtsextreme. Der gemäßigte Gründer Bernd Lucke trat aus, Faschisten wie Björn Höcke wurden zu den neuen Gesichtern der Partei.

Scherer berichtet von einem “offen von nationalsozialistischer Rhetorik durchzogenes Parolen-Gedresche, das die AfD vor der Wahl mit Berichten aus dem Kreistag garniert“.

Scherer durchschaut auch die Abwehrreflexe eines Kreistagsmitglieds der AfD, der kundtat: „Ich kann dieses Gerede von Rechtsextremismus echt nicht mehr ertragen. Leute mit solchem Gedankengut wollen wir im Kreisverband nicht haben. Wir prüfen jeden Einzelnen sehr genau, haben schon einige abgelehnt.“

Zutreffend erkennt Scherer das „doppelte Spiel des AfD-Fraktionsvorsitzenden, versöhnlich zu wirken, um gleichzeitig doch Hass zu schüren“. Auch die Israel-Karte, die die AfD zieht, durchschaut der Redaktionsleiter EN-Südkreis (im Unterschied zu seinen Hagener Kollegen) sofort:

Die AfD stellte den Resolutionsantrag „Solidarität mit Israel und Wittens Partnergemeinde Lev Hasharon – Antisemitismus und Bombenterror gegen Israel verurteilen“. Unter der Überschrift, ein friedliches Ziel zu verfolgen und den Judenhass, den zahlreiche Muslime in Deutschland im Rahmen von Demonstrationen auf offener Straße verbreiteten, zu verurteilen, zeigt sich im Schreiben und der Begründung schnell ein anderer Kern: Hass und Hetze gegen den Islam insgesamt.

In einem Kommentar (Bezahlschranke) zieht Scherer ein Resümee: „Zwar ist die Zeit der plumpen Nazi-Skins (…) vorbei, doch nur weil Worte blumiger werden und der Sprecher Anzug anstatt Bomberjacke trägt, wird dies nicht menschenwürdiger. Im Gegenteil: Die Taktik, sich gewaltfrei, kämpferisch, in der Gesellschaft integriert und gut gebildet zu präsentieren, halte ich für wesentlich gefährlicher – und sie scheint zu funktionieren.“

Ein Klartext, den man in der Hagener Redaktionsstube vergeblich sucht.

PS.: Die Verkaufszahlen der Funke-Blätter liegen im EN-Südkreis, im Verhältnis zur Einwohnerzahl, um fast ein Fünftel über denen in Hagen. 

IGA-Bewerbung: Projektbüro wird gefördert

13. Mai 2021

Das Ruhrtal als Region, in der sich Einheimische und Gäste wohlfühlen: Dieses Ziel haben sich die Städte Witten, Hattingen, Wetter (Ruhr), Herdecke und Hagen gesetzt. Gemeinsam und als Teil der interkommunalen Entwicklungsstudie Mittleres Ruhrtal. Sie kooperieren im Rahmen der Bewerbung für die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027.

Das interkommunale Projektbüro, das die Zusammenarbeit koordinieren soll, wird nun mit gut 380.000 Euro gefördert. „Wir gehen mit dem Projekt gemeinsam mit den anderen Kommunen neue Wege und es ist schön, dass wir mit dieser Förderung nun darin bestärkt werden“, freut sich Wittens Bürgermeister Lars König.

Aufenthaltsqualität im Umfeld des Wohnorts

„Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Erlebnisräume mit hoher Aufenthaltsqualität nicht nur für Touristen wichtig sind, sondern auch für die vielen Menschen, die Ausflüge im direkten Umfeld ihres Wohnorts machen wollen – und zeitweise auch keine Alternative in der Ferne hatten“, ergänzt Stefan Rommelfanger, Stadtbaurat von Witten.

„In Hagen trifft die Ruhr auf das Ruhrgebiet. Der Hengsteysee soll zu einem Erlebnisraum für Touristen und Naherholungssuchende weiterentwickelt werden. Im ‚Seepark‘ und ‚Seebad‘ wollen wir Angebote sowohl für ruhesuchende, sportlich aktive und kulturinteressierte Besucherinnen und Besucher anbieten“, so Henning Keune, Hagens Technischer Beigeordneter.

Die historische Kulturlandschaft Mittleres Ruhrtal hat schon heute viele Qualitäten, sie benötigt aber auch neue Entwicklungsimpulse mit herausragenden Projekten, die geeignet sind, das Profil der Region zu schärfen – auch im Verhältnis zu anderen Teilen des Ruhrgebietes. Die fünf Städte haben sich auf den Weg gemacht, interkommunal Ideen für ihren Ruhrabschnitt zu entwickeln. Gemeinsam ist eine Perlenkette von Projekten entlang der Ruhr entstanden.

„Ruhrfenster“ und „Ruhrbänder“

Das Konzept umfasst daher „Ruhrbänder“, das sind etwa Rad- und Wanderwege, Bahnstrecken sowie die Ruhr als Wasserweg, und „Ruhrfenster“, das sind attraktive Ausflugsziele entlang der Ruhr. „Mit dem ‚Seepark‘, dem ‚Seebad‘ und dem auf Herdecker Seite liegenden Koepchenwerk wird ein schon heute eindrucksvoller Landschaftsraum überregionale Strahlkraft entfalten“, führt Hennig Keune aus.

Alle Partnerstädte bringen eigene IGA-Projekte in das Konzept Mittleres Ruhrtal ein. Die Ruhrbänder wie zum Beispiel der Ruhrtalradweg durchlaufen alle Stadtgebiete. Die gemeinsame und abgestimmte Weiterentwicklung dieser Projekte erfordert intensive Koordination und fachliche Begleitung durch ein interkommunales Projektbüro.

Die Förderung dafür hatte die Stadt Witten im Auftrag der anderen beteiligten Kommunen beantragt. Mitte April wurde das Projekt in das Stadterneuerungsprogramm des Landes NRW aufgenommen. Der Förderbescheid ist angekündigt.

Koordination der Gesamtschau

Für die nächsten drei Jahre stehen 480.000 Euro zur Verfügung, davon sind nur 20 Prozent Eigenanteil. Diesen Eigenanteil finanzieren die Partnerkommunen gemeinsam. Das Büro soll die einzelnen Projekte, vor allem aber die Gesamtschau koordinieren. Zu seinen Aufgaben gehört es daher, die Entwicklung der einzelnen Projekte zu unterstützen, Bürgerschaft und Politik zu beteiligen, Netzwerke mit internen und externen Akteuren zu pflegen sowie die interkommunale Zusammenarbeit weiter zu stärken.

Wirtschaft: Licht und Schatten

19. Januar 2021

Probleme im Einzelhandel und bei Dienstleistern – Lichtblicke in der Industrie

Nach dem dramatischen Konjunktureinbruch im Krisen-Jahr 2020 befindet sich die Wirtschaft im Märkischen Kreis, im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis und in Hagen weiterhin in schwerstem Fahrwasser. Zu dieser Einschätzung kommt Ralf Stoffels, Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), bei der Vorstellung der aktuellen SIHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2021.

Die aktuelle Lage ist so heterogen wie selten zuvor. Corona spaltet die Wirtschaft. Es gibt einerseits dunkle Schatten vor allem bei den vom Lockdown betroffenen Betrieben, von denen viele um ihr Überleben kämpfen. Fast die Hälfte der Einzelhändler, die sich an der Umfrage beteiligt haben, berichtet von einer schlechten Geschäftslage.

Ähnlich düster ist das Bild bei den personenbezogenen Dienstleistern: Hatten im Januar 2020 noch fast drei Viertel dieser Dienstleister gemeldet, sie hätten eine gute Geschäftslage, so sank dieser Wert innerhalb des Corona-Jahres auf jetzt nur noch sieben Prozent. Im Gegenzug steigt der Anteil mit einer schlechten Geschäftslage von sieben Prozent im Januar 2020 auf aktuell alarmierende 61 Prozent.

Auf der anderen Seite sind vor allem in der Industrie Lichtblicke zu verzeichnen: Etwa drei Viertel der Industriebetriebe schätzen ihre Geschäftslage gut oder befriedigend ein. Im vergangenen Herbst meldete noch mehr als die Hälfte der Industriebetriebe über eine schlechte Auslastung, aktuell nur noch jeder Vierte.

SIHK-Konjunkturbericht (pdf)

Hagen bleibt außen vor

17. Januar 2021

Dortmund kündigt Kooperation mit Südwestfalen an – Hagen wird nicht einmal mehr zur Kenntnis genommen

Hagen nannte sich einst „Tor zum Sauerland“ – längst vergangene Zeiten. Inzwischen ist die Stadt irgendwo im Nirwana gelandet, sie bildet keine Brücke mehr zwischen Ruhrgebiet und Südwestfalen. Dieser Niedergang wurde erst jüngst wieder eindrucksvoll belegt durch die Initiative der Stadt Dortmund, das sauerländische Hinterland besser an die einstige Stahl- und Bierbrauermetropole anzukoppeln.

Dortmund wendet sich ausschließlich an die fünf südwestfälischen Landkreise Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, den Märkischen Kreis und den Hochsauerlandkreis. Die Stadt Hagen wird nicht einmal mehr erwähnt. Deutlicher läßt sich der Bedeutungsverlust der Volmestadt kaum noch darstellen.

Nur auf den Strukturwandel mit dem Verlust der Stahlindustrie kann man den Niedergang der Stadt nicht mehr schieben. Das ist inzwischen 50 Jahre her, und den hatte Dortmund in noch viel stärkeren Maße zu verkraften. Es kommen also offensichtlich andere Ursachen hinzu.

So ist es Dortmund gelungen, sich im Laufe der Jahre als ein Wissenschafts- und Forschungsstandort zu etablieren, mit dem Hagen bei Weitem nicht mithalten kann – trotz FernUni und wegen einer im Vergleich zur früheren Fachhochschule Hagen mit aktuell nicht einmal 2.500 Studierenden auf Miniformat eingedampften Abteilung der FH Südwestfalen.

Neben der Technischen Universität mit 16 Fakultäten und mehr als 34.000 Studierenden sowie der Fachhochschule mit etwa 15.000 Studenten ist Dortmund auch Standort mehrerer außeruniversitärer Forschungeinrichtungen. Dazu zählen die Institute für Software- und Systemtechnik sowie für Materialfluss und Logistik der Fraunhofer-Gesellschaft, die beiden Leibniz-Institute für Analytische Wissenschaften und Arbeitsforschung und das Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie.

Der Dortmunder Oberbürgermeister Thomas Westphal, zuvor in seiner Stadt Chef der Wirtschaftsförderung, prescht mit seinem Südwestfalen-Bündnis jetzt nach vorn. Neben einer organisatorischen Vernetzung mit einer gemeinsamen Geschäftsstelle „rücken wir das Thema Fachkräfte und Arbeitsmarkt in den Blickpunkt“, wie er gegenüber der Westfalenpost sagte.

Außer Arbeitsmobilität und Plattformen der Zusammenarbeit gehe es um „konkrete Verknüpfung von IT-Kompetenzen. Mehrere Unternehmen könnten sich etwa in einer Initiative zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz zusammenschließen“.

Ein weiterer Bereich betreffe die Infrastruktur, so Westphal: „Wir in Dortmund sind es gewohnt, die Verkehrsbeziehungen im Ruhrgebiet zu thematisieren. Aber die Pendlerströme laufen zunehmend auch nach Süd- und Ostwestfalen. Dafür brauchen wir Lösungen.“

Was am Ende bei diesen Planungen herauskommen wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Aber Dortmund hat das Heft in die Hand genommen und könnte zum neuen „Tor zum Sauerland“ werden. Hagen würde in diesem Falle nicht mehr gebraucht.

Nebenan: Der Opa von Friedrich Merz

13. Januar 2021

Über den Briloner Bürgermeister Josef Paul Sauvigny (1875-1967), die „Einigung alles deutschen Blutes“ 1933 und ein Vorläuferkapitel der CDU-Parteigeschichte

Der Sauerländer Friedrich Merz hat (womöglich gleichermaßen als „Wunschkandidat“ von oppositionellen Linken wie auch der Nationalgesonnenen in der CDU) gute Chancen, nächster Vorsitzender der christdemokratischen Partei zu werden oder – wenn die Grünen der Gründergeneration vollständig von der Bildfläche verschwunden sind – sogar Bundeskanzler.

Vor nunmehr siebzehn Jahren gab es eine öffentliche Debatte, weil Merz seinen „rechtskatholischen“ Großvater Josef Paul Sauvigny (Briloner Bürgermeister bis 1937) als bewundernswertes Vorbild bezeichnete und dabei nicht nur aus meiner Sicht sein ignorantes Geschichtsverständnis regelrecht zur Schau stellte. Er musste etwas zurückrudern, nachdem kritische Journalisten (u.a. taz, Die Zeit) einschlägige Zeitungsquellen [1] (1933/1937) und die Entnazifizierungsakte des gerühmten Ahnen gesichtet hatten. [2]

Viele Millionen Deutsche haben Großväter, die den Nazis zu Diensten standen. Das ist kein persönlicher Makel. Entscheidend bleibt allein die 2004 von Patrik Schwarz gestellte Frage, wie man sich persönlich zu diesen Vorfahren stellt. Der vorliegende Beitrag soll – quellenbasiert – aufzeigen, warum vom möglicherweise nächsten Vorsitzenden der CDU heute eine unmissverständliche Klarstellung erwartet werden muss, die über eine Relativierung von tradierten Familienlegenden deutlich hinausgeht: Der Großvater war nicht nur „kein Vorbild“, sondern bot mit seinem Verhalten als Politiker eines der abstoßenden Beispiele in einem dunklen Vorläuferkapitel der CDU-Parteigeschichte. (…)

Quelle: Peter Bürger in zoom – Das Sauerland und mehr

SPD Schwelm einhellig für René Röspel

4. Dezember 2020

Nachdem sich der Vorstand der Schwelmer SPD bereits am 18. November für eine erneute Kandidatur René Röspels bei den Bundestagswahlen 2021 ausgesprochen hatte, schloss sich jetzt die Jahreshauptversammlung der Empfehlung des Ortsvorstands an.

Als Delegierte in die Aufstellungsversammlung am 4. Dezember entsendet der Ortsverein Schwelm Arnim Brux, Hannelore Elze und Carina Stobbe.

Die Stadt Schwelm gehört neben Hagen, Gevelsberg, Ennepetal und Breckerfeld ebenfalls zum Wahlkreis 138 Hagen/Ennepe-Ruhr I.

So geht Zivilcourage

11. November 2020

Solingen wehrt sich gegen Verbot der Klassenteilung

Während die Hagener Verwaltung unter der Regie von Oberbürgermeister E. Olaf Schulz sich darum bemüht, für ihre Lieblinge äußerst erfinderisch die Corona-Verordnungen des Landes zu umgehen, indem sie beispielsweise Parties in Diskotheken zulässt oder Angestellten der Phoenix GmbH & Co KGaA trotz angeordneter Quarantäne den Ausgang zur Arbeit genehmigt, zeigen Verantwortliche in anderen Städten Verantwortungsbewusstsein und gleichzeitig Zivilcourage.

Das belegt ein Blick nach Solingen. In der Klingenstadt sollten wegen der Seuchenkrise Schulklassen verkleinert werden, was von der schon lange und zunehmend überforderten NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ohne stichhaltige Begründung abgelehnt wurde. Die Landesregierung unter der Leitung des Ministerpräsidenten („Locker-Laschet“) schickte sogar eigens einen Verbotserlass nach Solingen.

Aber im Bergischen Land lässt man sich nicht so leicht einschüchtern. Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) hat mittlerweile offiziell Beschwerde gegen die Anweisung des Landes eingereicht, eine sogenannte Remonstration.

Eine „Remonstration“ bedeutet, dass Beamte Einwände gegen eine Entscheidung von Behörden haben, weil sie zum Beispiel gegen die Fürsorgepflicht des Staates verstoßen. Damit geht die Schadenshaftung automatisch an den Vorgesetzten über, hier an die Landesregierung. Das bedeutet, dass NRW die Verantwortung trägt für ein gefährliches Infektionsgeschehen an Schulen. Die Stadt kann dann sagen: Wir haben davor gewarnt.

Andreas Tempel, Schulleiter einer Solinger Gesamtschule, nahm deutlich Stellung in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Der Unterricht in kleineren Gruppen sei gerechter als mit 30 Schülern in einer Klasse zu sitzen und sich gegenseitig anzustecken, antwortete er auf den Vorwurf von Schulministerin Gebauer, der Solinger Weg würde Schüler aus sozial schwachen Verhältnissen benachteiligen.

„Falsch“, sagt Schulleiter Tempel zu Gebauers Behauptung. Das Solinger Modell sei ein Weg aus der Krise, „weil unsere Stadt die Digitalisierung früher als andere vorbereitet hat. Das sollte Frau Gebauer begeistern, gerade ihre FDP hat doch Wahlkampf gemacht für eine schnellere Digitalisierung. (…) Stattdessen aber bremst Frau Gebauer uns aus mit dem Argument, man wolle keine Sonderregeln. Früher nannte man so was sozialistische Gleichmacherei.“

Gebauers Verbot sei „mal wieder so unglaublich spät“ gekommen, da „haben wir das durchgezogen“. Und Tempel ergänzt: „Ich habe bei meiner Verbeamtung ja nicht mein Recht auf bürgerlichen Ungehorsam an der Garderobe des Schulministeriums abgegeben.“ Eine Abmahnung aus Düsseldorf wolle er sich in Gold gerahmt an die Wand hängen.

Nächster Vertrauensbruch bei den Wählern

2. November 2020

Die heimische SPD sendet den Menschen katastrophale Signale meint Redaktionsleiter Stefan Scherer*.

Zerlegen sich die Genossen nach Vorbild der Bundespartei jetzt auch vor Ort selbst? Dass die Delegierten im Rahmen der Wahlkreiskonferenz auch tatsächlich eine Wahl zwischen zwei Kandidaten haben, ist ja grundsätzlich erstmal eine gute Sache im Sinne der Demokratie. Wie das allerdings zustande kommt, ist beschämend. Auf der einen Seite der Amtsinhaber im Herbst seiner Karriere, auf der anderen Seite der brave Parteisoldat, der sein Zückerchen einfordert und möglicherweise seine berufliche Lebensplanung mit einer recht überschaubaren Erwerbstätigkeitsvita schon lange auf ein Mandat ausgerichtet hat. (…)

Die Entscheidung, wer die Menschen aus unseren Städten im höchsten demokratischen Gremium unseres Landes vertritt, hat nichts mit Demokratie, mit Delegiertenversammlungen oder den persönlichen Fähigkeiten der Kandidaten zu tun, sondern reduziert sich auf ein Hinterzimmergespräch unter vier Leuten. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

* Stefan Scherer ist Redaktionsleiter der Ausgabe Ennepetal-Gevelsberg-Schwelm.

Keine Unterstützung für Schisanowski

29. Oktober 2020

EN-SPD gibt keine Empfehlung ab

Timo Schisanowski muss auf eine vorauseilende Unterstützung des Vorstands der SPD des Ennepe-Ruhr-Kreises verzichten. „Wir geben unseren Delegierten keine Wahlempfehlung für den Bundestagskandidaten“, machte der SPD-Vorsitzende im Unterbezirk EN, Hubertus Kramer, gegenüber der Presse deutlich.

Der Hagener Unterbezirksvorstand hatte mit 16:0 Stimmen Schisanowski zum Kandidaten für die Bundestagswahl 2021 designiert und sich damit gegen den gewählten Abgeordneten René Röspel gestellt. Aber der gibt sich nicht geschlagen und tritt wieder zur Wahl an.

Der Bundestagswahlkreis 138 – Hagen/Ennepe-Ruhr-Kreis I umfasst neben Hagen den EN-Südkreis mit den Städten Gevelsberg, Ennepetal, Schwelm und Breckerfeld. Die Delegierten aus diesem Raum stellen bei der zum 4. Dezember anberaumten Vertreterversammlung zur Wahl des Bundestagskandidaten 18 von 53 Stimmen.

Breckerfeld: Nach Kinnschlag vollzieht Ratsherr Kehrtwende

11. Oktober 2020

Wolfgang Duchscherer wollte nach einem Kinnschlag vor der Kommunalwahl in Breckerfeld zurücktreten. Jetzt hat er seine Meinung geändert. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Anmerkung: Ein Panoptikum auf dem Dorfe in mehreren Akten. Bürgerengagement sei eine der Stärken der Hansestadt Breckerfeld (9.000 Einwohner) und das mache ihre Attraktivität aus, lobt sich die Gemeinde auf ihrer Website. Vor langer Zeit begehrt und berühmt gewesen sei ein Kurzdolch namens „Breckerfelder“. Später mag man sich auch nach festen Regeln mit Pistolen in romantischen Landschaften duelliert haben. Aber heute wird das „Bürgerengagement“ eher mit Fäusten auf öden Parkplätzen ausgetragen, wie man inzwischen weiß.

Der dort Kinngeschlagene, der Breckerfelder Ratsherr Jürgen Niehaus, rückte einst, es war 2009, auf dem Ticket der Grünen in die Bürgervertretung ein. Denen kehrte er 2017 den Rücken, nahm sein Mandat mit und schloss sich der ebenfalls im Rat vertretenen Wählergemeinschaft an. Die platzierte ihn vor der diesjährigen Kommunalwahl auf Platz 1 ihrer Reserveliste.

Der zweite Akteur im Breckerfelder Kuriositätenkabinett, der Kinnschläger Wolfgang Duchscherer, ist seit drei Jahrzehnten bei den dortigen Grünen aktiv und war bei der Kommunalwahl 2020 ihr Spitzenkandidat. Dann aber kam der 22. August, ein Samstag.

Es begab sich also zu der Zeit, dass wohl ein Gebot der Gattinnen ausging, dass Einkäufe für das Wochende zu erledigen seien. Diese Direktive endete in einem folgenschweren Zusammentreffen zwischen dem Ex-Grünen Niehaus und dem Noch-Grünen Duchscherer auf dem Parkplatz des örtlichen Edeka-Supermarktes.

Nach einer verbalen Auseinandersetzung setzte Duchscherer zu einem Hieb auf das Kinn seines Kontrahenten an und Niehaus ging in die Horizontale. Ob die Herren ihre Einkäufe schon erledigt hatten oder sie diese nach dem Showdown noch erledigen konnten, ist nicht überliefert.

Drei Tage nach dem Vorfall am „Windmühlencenter“ vor den Toren des Schlaf-Örtchens auf den Höhen oberhalb von Hagen erklärten die Grünen, dass Duchscherer sein Amt als Fraktionsvorsitzender niederlegen und ein neues Mandat nicht annehmen werde. Jetzt also der Rücktritt vom Rücktritt: Während die Breckerfelder Grünen-Fraktion ihren dann Ex-Chef zukünftig nicht mehr in ihren Reihen sehen will, wird Duchscherer, der mit 25,8 Prozent bei den Wahlen am 13. September das beste Ergebnis für die Grünen holte, wohl als fraktionsloses Ratsmitglied weitermachen.

Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass Jürgen Niehaus, der Kinngeschädigte vom Supermarkt-Parkplatz, nicht in den neuen Stadtrat einziehen wird. Der Niedergestreckte, der von seiner Wählergemeinschaft eigentlich als Fraktionsvorsitzender auserkoren war, gab nicht näher spezifizierte „gesundheitliche Gründe“ für seine Absage an.

Das ist schade, denn politische Auseinandersetzungen (wenn es sich denn im vorliegenden Falle um solche handeln sollte, was nicht so recht bekannt ist) wären auch im Breckerfelder Rat durchaus noch ausbaufähig, wie folgendes Beispiel zeigt:

Breckerfeld: Niehaus nimmt sein Ratsmandat nicht an

10. Oktober 2020

Jürgen Niehaus, Spitzenkandidat der Wählergemeinschaft Breckerfeld, nimmt sein Ratsmandat nicht an. Gesundheitliche Gründe geben den Ausschlag. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Anmerkung: Der Mann, der von einem grünen Fausthieb niedergestreckt wurde.

Nach Kinn-Schlag tritt Grünen-Politiker zurück

26. August 2020

Grünen-Politiker Wolfgang Duchscherer aus Breckerfeld hat seinen Rücktritt erklärt. Er hatte einen Kontrahenten vor das Kinn geschlagen. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Kinn-Schlag: Ermittlung gegen Breckerfelder Grünen-Politiker

25. August 2020

Wenige Wochen vor der Kommunalwahl schlagen in der Hagener Nachbarstadt Breckerfeld die politischen Wogen hoch. Nachdem der Grünen-Spitzenkandidat Wolfgang Duchscherer (74) am Samstag seinem Pendant Jürgen Niehaus (62) von der Wählergemeinschaft einen Schlag gegen das Kinn verpasst hat, ermittelt jetzt der Staatsschutz bei der Polizei Hagen gegen den Fraktionsvorsitzenden der Öko-Partei. Außerdem fordert die Wählergemeinschaft den sofortigen Rücktritt von Duchscherer. (…)

Quelle: wp.de

Anmerkung: Sicher war es nur eine Corona-Begrüßung, auf dem Lande ist man halt weniger zimperlich. Ähnlich wie es zwischen den AfD-Männern Andreas Kalbitz und Dennis Hohloch abging. Die FAZ bemerkte süffisant:

Wo Andreas Kalbitz seinem Parteifreund Hohloch doch nur freundschaftlich in die Seite geboxt haben will. Danach passte zwischen Leber und Milz aber nicht einmal mehr ein Pils. Hier sieht man, wie riskant die Corona-Begrüßungen mit Faust und Ellbogen sein können! Zum Glück setzte Kalbitz nicht die Fußspitze zum Hallo-Sagen ein, denn dann hätte es bei Hohloch noch an ganz anderen Stellen Risse und Sprünge geben können. (…)

Doch darf man das Ganze auch nicht zu einseitig sehen: Woher sollte Kalbitz denn wissen, dass der AfD-Kamerad nicht hart wie Kruppstahl, ja nicht einmal zäh wie Leder ist, sondern weich und wehleidig wie ein Windhund?

Peter Blindert – Neue Arbeiten auf Papier

18. Mai 2020

17. Mai bis 21. Juni 2020
Kunstraum EN, Bergstr. 32, 58256 Ennepetal

Auch nach seinem Tod lebt der Hagener Künstler Peter Blindert (Foto: privat) in seinen Werken weiter. Die Ausstellung „Neue Arbeiten auf Papier“ wird  nun in der Galerie Kunstraum EN gezeigt.

Was bei der Planung der Ausstellung niemand wissen konnte: Es sind die letzten Arbeiten von Peter Blindert, die er geschaffen hat, denn der überaus vielfältige und schaffensreiche Künstler ist im Dezember des vergangenen Jahres nach langer Krankheit verstorben. Und doch arbeitete er bis zu seinen letzten Lebenstagen trotz schwindender Kräfte unbeirrt weiter.

Es gelang ihm, mit Fragmenten von früheren Arbeiten zu spielen – so schuf er drei umfassende Serien von Collagen sowie zeichnerisch-malerisch überarbeiteten Fotos, die allesamt bisher noch nicht öffentlich gezeigt worden sind. Im Wesentlichen sind es eher kleine Formate, die sich in dieser Ausstellung zu überzeugenden großen Serien zusammenfügen und die ungeheure Kreativität des Künstlers widerspiegeln.

Die Kunstwelt hat nicht nur einen Künstler mit einer unglaublichen Schaffenskraft verloren, sondern einen Menschenfreund, eine durch und durch ehrliche Haut, gradlinig, offen, großzügig, jederzeit hilfsbereit und mit einer tiefen Achtung und Liebe der Natur, den Menschen und jeder Kreatur gegenüber.

Aufgrund der Corona-Krise ist folgender Zugang festgelegt:

Die Ausstellung kann in kleinen Gruppen bis max. 7 Personen besucht werden. Das Tragen von Gesichtsmasken und ein Abstand von 1,5 Metern müssen beachtet werden.

Öffnungszeiten (nur nach Anmeldung)

Mit. + Do. 17.00 bis 18.00 Uhr
Sa. +  So. 15.00 bis 16.00 Uhr

Andere Besuchszeiten auf Anfrage und nach Möglichkeit.

Anmeldung: 

info@kunstraum-en.de oder 0172 6107391 Reinhard Dedecek

„Wir brauchen mehr statt weniger Solidarität“

9. April 2020

50 Kinder aus Flüchtlingslager „nur ein erster Schritt“

Die SPD-Bundestagsabgeordneten in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis, Ralf Kapschack und René Röspel, kritisieren die langwierigen und mühsamen Verhandlungen zur Aufnahme von geflüchteten, vorwiegend behandlungsbedürftigen Kindern von den griechischen Inseln.

Sie freuen sich über jedes Kind, das nun endlich so schnell und unbürokratisch wie möglich aus den unsäglichen Zuständen auf den griechischen Inseln gerettet wird: „Dass jetzt die 50 ersten Kinder von insgesamt 350 nach Deutschland kommen sollen, ist gut so und war gerade im Hinblick auf die durch Corona verschärfte Situation lange überfällig.“ Dies könne aber nur ein erster, sehr kleiner Schritt in dieser Frage sein.

Bereits der Koalitionsbeschluss vom 8. März, dass insgesamt 1600 Personen auf aufnahmewillige EU-Länder verteilt werden sollen, sei nur ein „sehr kleiner Tropfen auf einem sehr heißen Stein“, gemessen an den gravierenden Zuständen an den EU-Außengrenzen, sagt René Röspel. Er halte es für unsäglich, dass CDU und CSU in einer so zentralen humanitären Frage, nämlich der Aufnahme besonders schutzbedürftiger Kinder in Not, regelmäßig zur Einhaltung christlicher Werte gezwungen werden müssten.

Ralf Kapschack ergänzt: „Die Aufnahme von 50 Kindern kann nur der Anfang sein, die weiteren mindestens 300 Schutzbedürftigen sollten sehr schnell ebenfalls von Deutschland aufgenommen und hier behandelt werden.“

Die Bundestagsabgeordneten werben weiter dafür, dass auch andere EN-Städte dem Beispiel vieler Kommunen, so z.B. Hagen und Wetter, folgen und sich zum „sicheren Hafen“ erklären – also bereit sind, zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen. „Es ginge um einige, wenige Menschen. Gerade im Hinblick auf Corona brauche wir nun mehr statt weniger Solidarität.“

Insgesamt acht EU-Staaten hatten sich zu einer Aufnahme bereit erklärt. Deutschland und Luxemburg gehen nun voran, die anderen sind (noch) nicht aktiv. René Röspel und Ralf Kapschack erwarten im Hinblick auf die anstehende EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands, dass diese Zeit intensiv dafür genutzt wird, um endlich zu langfristigen Lösungen für eine humane, solidarische und rechtssichere EU-Asylpolitik zu kommen. „Es kann nicht sein, dass immer wieder auf Krisen reagiert wird, statt zu versuchen, diese zu vermeiden.“

Peter Blindert: Letzte Arbeiten

8. März 2020

„Peter Blindert – neue Arbeiten auf Papier“  heißt die Ausstellung, die am Sonntag, 15.03.2020 um 14.00 Uhr in der Galerie des Kunstraums EN in Ennepetal eröffnet wird.

Was bei der Planung der Ausstellung niemand wissen konnte: Es sind die letzten Arbeiten von Peter Blindert, die nun gezeigt werden, denn der überaus vielfältige und schaffensreiche Hagener Künstler ist im Dezember des vergangenen Jahres nach langer Krankheit verstorben (Foto: privat).

Und doch arbeitete er bis zu seinen letzten Lebenstagen trotz schwindender Kräfte unbeirrt weiter. Es gelang ihm, mit Fragmenten von früheren Arbeiten zu spielen und schuf drei umfassende Serien von Collagen sowie zeichnerisch-malerisch überarbeiteten Fotos, die allesamt bisher noch nicht öffentlich gezeigt worden sind. Im Wesentlichen sind es eher kleine Formate, die sich in dieser Ausstellung zu überzeugenden großen Serien zusammenfügen und die ungeheure Kreativität des Künstlers widerspiegeln.

Die Kunstwelt hat nicht nur einen Künstler mit einer unglaublichen Schaffenskraft verloren, sondern einen Menschenfreund, eine durch und durch ehrliche Haut, gradlinig, offen, großzügig, jederzeit hilfsbereit und mit einer tiefen Achtung und Liebe der Natur, den Menschen und jeder Kreatur gegenüber.

Vernissage: Sonntag, 15. März 2020, 14.00 Uhr, Kunstraum EN, Bergstr.32, 58256 Ennepetal

Weitere Öffnungszeiten: 21. März bis 5. April, Sa. und So. 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr und nach Vereinbarung, Kontakt: 01726107391

www.kunstraum-en.de

„Flusslandschaft Mittleres Ruhrtal“: Hagen schließt sich den Ruhrtalstädten an

20. Februar 2020

Die Freiheit Wetter über dem Harkortsee. Foto: Holger1959, CC BY-SA 3.0.

Die „Flusslandschaft Mittleres Ruhrtal“ als Teil der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 – die Zusammenarbeit der Städte Witten, Wetter, Herdecke und Hattingen nimmt zunehmend Form an. Und das Quartett bekommt Verstärkung: Auch die Stadt Hagen wird nun Teil des Gesamtkonzepts.

Ursprünglich hatten die vier EN-Kreis-Städte ohne Hagen geplant. Wetters Bau-Fachbereichsleiter Manfred Sell äußerte sich im Juli 2017 noch skeptisch und nannte Hagens Ideen für die Bewerbung laut WPWR einen „bunten Ideenstrauß“, den er nicht kommentieren wolle: „Wir haben andere Fördertöpfe im Blick.“

Jetzt also soll die Kooperation in den Bereichen Tourismus, Städtebau, Industriekultur, Nutzung von Freiräumen sowie Naherholung verstärkt werden. Das vereinbarten die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister Sonja Leidemann (Witten), Dirk Glaser (Hattingen), Frank Hasenberg (Wetter), Dr. Katja Strauss-Köster (Herdecke) und Oberbürgermeister Erik O. Schulz (Hagen) sowie der Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises, Olaf Schade, bei ihrem gestrigen Treffen im Rathaus von Witten.

Alle fünf Städte liegen an der Ruhr – und wollen diese Stärke mit einem gemeinsamen Entwicklungskonzept noch viel mehr nutzen. Dazu gehört das Ziel, die Städte „an den Fluss zu bringen“, also den Zugang für die Bevölkerung zu erleichtern. Zugleich soll der Fluss ein verbindendes Element in diesem Erholungs-, Kultur- und Freizeitraum sein. Damit wollen die Städte Besucherinnen und Besucher sowohl aus der Region als auch darüber hinaus anlocken. Dies ist zudem eines der Ziele der IGA 2027.

Doch auch in weiteren Bereichen wollen die Städte sich entwickeln – individuell wie auch als Gemeinschaft: dazu gehören der Städtebau, die Industriekultur, die bessere Nutzung von Freiräumen sowie die Naherholung. So soll sich die Lebensqualität der Bevölkerung weiter verbessern.

Für diese Pläne wird allerdings finanzielle Förderung durch das Land notwendig sein. Eine Stärke des Konzepts ist der stadtgebietsübergreifende Ansatz und die interkommunale Zusammenarbeit. Deshalb haben die Städte vereinbart, sich um eine Förderung als Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) bemühen. Weitere Unterstützung erwarten sich die Kommunen durch die Städtebauförderung sowie für ihre Tourismuspläne im Rahmen der EU-Regionalfonds (EFRE). Eine erfolgreiche Bewerbung für die IGA 2027 soll weitere Zuschüsse einbringen.

Architektur spiegelt Leitbild der Zeit

14. Dezember 2019

Am Sonntag Führung über das Industriedenkmal Koepchenwerk – Förderverein droht die Auflösung

In der Industrie setzte sich Strom Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst nur schleppend durch. Ab den 1920er Jahre jedoch eroberte der elektrische Antrieb langsam, aber stetig auch die Fabriken. In den Jahren 1927 bis 1930 wurde das Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk in Herdecke gebaut. Es gilt als bedeutendes nationales Monument der Energiewirtschaft.

Am Sonntag (15.12.) haben Besucher die Möglichkeit, im Rahmen einer Führung der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur das Bauwerk zu besichtigen und mehr über seine Geschichte und die Technik, die es beherbergt, zu erfahren.

Die Anlagen des Koepchenwerks (Foto: Klaus-Peter Schneider) sind dem Stil der Zeit folgend geradlinig und rechtwinklig. Diese Bauform sollte Modernität, Funktionalität und Rationalität betonen. Die Merkmale waren in den 1920er Jahren ein Leitbild für Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Großteil des Krafthauses ist aus Beton und oberhalb der Fensterbänke aus verputztem Ziegelmauerwerk. Für die Stadt Herdecke und Umgebung ist das Koepchenwerk mit seinem auffallenden Rohrbahnen und dem RWE-Schriftzug eine unverwechselbare Landmarke geworden.

Führung Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk:

Sonntag (15.12.) um 14 Uhr, Dauer: ca. 90 Minuten,
Preis: 8 Euro pro Person, Kinder unter 12 Jahren frei
Treffpunkt: Haupteingang, Im Schiffwinkel 43, 58313 Herdecke

Dem Förderverein Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk e.V. droht derweil die Auflösung. Der öffentliche Aufschrei beim Abrissantrag war ein wichtiges Argument 2015 und 2016 für potientielle Investoren und Retter, sich auf das gefährdete Denkmal einzulassen.

AG-Initiatorin Regina Schrader möchte nach fünf Jahren intensiver Arbeit das Amt der Vorsitzenden an Jüngere weitergeben und als Gästeführerin noch über Geschichte und technische Ideen ihres Großonkels Arthur Koepchen berichten, solange ihr Alter das zulässt.

Leider konnte sich trotz mehrerer Rückmeldungen bisher niemand zu einer Bewerbung entschließen. Bürgerinnen und Bürger sollten aber nicht die Arbeit zur Sanierung und Nutzung allein der neuen Eigentümerin überlassen.

Bis Donnerstag, dem 16.01.2020 kann der Vorstand noch Bewerbungen für die Kandidatur entgegennehmen, die 29 Vereinsmitglieder haben noch Zeit bis zum 01.02.2020 für einen schriftlichen Vorschlag bei kontakt@ag-koepchenwerk.de. Falls sich niemand dazu bereiterklärt, ist der satzungsgemäße Schritt die Auflösung des Vereins.

Koepchenwerk-Verein sucht Vorstandsmitglieder

27. Oktober 2019

Engagierte Herdecker retteten Industriedenkmal vor dem Abriss

Blick auf das Koepchenwerk aus Richtung Hagen. Foto: Stadt Herdecke.

Die Vorsitzende der Herdecker Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk e.V., Regina Schrader, möchte nach fünf Jahren intensiver Arbeit ihr Amt an Jüngere weitergeben und als Gästeführerin noch über Geschichte und technische Ideen ihres Großonkels Arthur Koepchen berichten – solange ihr Alter das zulässt.

Der Verein sucht deshalb engagierte Mitstreiter, die seine bisher erfolgreiche Tätigkeit zum Erhalt des Industriedenkmals Koepchenwerk auf Vorstandsebene weiter vorantreiben wollen. Denn die Arbeit ist noch nicht beendet.

Interessierte können sich noch bis Donnerstag, den 31.10.2019 bewerben, Mitglieder haben noch Zeit bis zum 16.11.2019 für einen schriftlichen Vorschlag. Meldungen bitte an: kontakt@ag-koepchenwerk.de

Das Koepchenwerk ist eines der beiden ersten, gleichzeitig verwirklichten großen Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland. Eigentümer des nach seinem Planer benannten und 1930 in Betrieb genommenen Kraftwerks war bis Ende 2016 der Konzern RWE. Seit Januar 2017 befindet sich dieses Denkmal im Besitz der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.

2015 hatte der RWE-Konzern für das Koepchenwerk einen Abrissantrag gestellt, der einen entschiedenen Widerstand vieler Herdecker auslöste und zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk führte. Herdeckes Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster verteidigte das historische Kraftwerk und der Herdecker Rat sprach sich abschließend einstimmig für den vollständigen Erhalt des Denkmals aus.

In seiner gesamten Dimension ist das Koepchenwerk nur von der Hagener Seite des Hengsteysees zu erfassen. Das wäre Grund genug gewesen, die Herdecker in ihrem Bemühen zum Erhalt dieser Landmarke tatkräftig zu unterstützen. Aber Fehlanzeige. Verwundern muss das allerdings niemanden, der die geschichtsvergessene und kulturferne Mentalität eines großen Teils der Hagener Entscheidungsträger kennt.

Die haben erst in jüngster Vergangenheit in ihren Aggregatzuständen als Oberbürgermeister und Stadtratsmehrheit (Allianz des Grauens) eindrucksvoll demonstriert, wes Geistes Kind sie sind, indem sie der fälschlicherweise so genannten „gemeinnützigen“ GWG einen Freibrief für den Totalabriss eines ganzen historischen Wohnblocks in Hagen-Wehringhausen ausgestellt haben.

Dem Herdecker Koepchenwerk-Verein und ihrer rührigen Vorsitzenden Regina Schrader ist es – auch dank der Unterstützung der gesamten (!) Herdecker Politik – gelungen, in einem Zeiraum von nur zwei Jahren das Industriedenkmal vor der Zerstörung zu bewahren. Die Hagener Politik ist hingegen seit einem Jahrzehnt nicht dazu in der Lage, ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Entwicklung am Hengsteysee zu entwickeln – geschweige denn umzusetzen.

Dass die Koepchenwerk-Retter jetzt ein neues Vorstandsmitglied suchen, wäre ja vielleicht auch eine Möglichkeit für Engagierte, die man in Hagen vor die Wand hat laufen lassen. Schon direkt vor der Haustür weht ersichtlich ein anderer Wind. Also: Auf nach Herdecke.

Christian Anders kommt …

23. Oktober 2019

… in Witten wurde er ausgeladen

Als „großer Name, der für die großen Schlagerhits der 70er-Jahre steht“ kündigt die Hagener Volme-Galerie einen Auftritt des in die Jahre gekommenen Schlagersängers Christian Anders am heutigen Mittwoch (17 Uhr) an. Anders hatte sich in der Vergangenheit, so der Vorwurf zahlreicher Kritiker, vor allem als Verschwörungstheoretiker und mit antisemitischen Äußerungen einen Namen gemacht.

Das antifaschistische Bündnis „Ennepe-Ruhr stellt sich quer“ forderte deshalb von der Wittener Stadtgalerie, in der für Freitag ebenfalls ein Anders-Auftritt geplant war, den Termin abzusagen. In einem offenen Brief schrieb das Bündnis:

„Seit mindestens 15 Jahren ist über den Musiker bekannt, dass er neben seiner Schlagermusik antisemitische Verschwörungstheorien vertritt und diese verbreitet. So relativierte er den Holocaust, als er auf seiner Website schrieb: »George Bush ist viel schlimmer als Adolf Hitler, denn Hitler hat die Juden im Geheimen ermordet, Bush mordet die Iraker und andere Völker öffentlich.« Etwa zur gleichen Zeit dichtete er den Antisemitismus-Klassiker »Protokolle der Weisen von Zion« in einen Rap um.“

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtete inzwischen, dass das Wittener Galerie-Management reagiert und den Auftritt Christian Anders‘ abgesagt hat. Die Hagener Volme-Galerie hat sich auf ihren Medien bis zum Erscheinen dieses DW-Beitrags nicht geäußert.

„Stella“ – Erzwungener Verrat

22. Oktober 2019

Jüdische „Greifer“ im Dienst der Gestapo 1943–1945

23.10.2019, 18:00 Uhr
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Im März 1943 lebten etwa 5.000 Juden versteckt in Berlin. Zu ihnen gehörte auch Stella Kübler-Isaaksohn, geb. Goldschlag. Nach ihrer wiederholten Verhaftung durch die Gestapo versuchte sie, ihrer Deportation durch Kollaboration zu entgehen. Dabei nutzte sie ihre Zugehörigkeit zur Gruppe der Verfolgten, um andere Juden aufzuspüren und der Gestapo auszuliefern.

Sie zählte damit zu rund 25 „jüdischen Fahndern“, den sogenannten „Greifern“.

Nach Kriegsende von den Alliierten verhaftet, verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal sie zu zehn Jahren Zwangsarbeit. Nach Ableistung dieser Strafe erfolgten weitere Anklagen vor dem Landgericht Berlin. Die Presse widmete den Verfahren mit zum Teil reißerischen Berichten über den „Schrecken des Kurfürstendamms“, den „Todesengel“ oder auch das „blonde Gift“ hohe Aufmerksamkeit.

Auch in den folgenden Jahrzehnten erschienen neben Fernsehinterviews und einem Theaterstück zahlreiche Publikationen über „Stella“, zuletzt 2019 das gleichnamige Buch des Spiegel-Journalisten Takis Würger.

Im Mittelpunkt des Vortrages stehen die Rekonstruktion der historischen Ereignisse und der Umgang der Nachkriegsjustiz mit den Fahndern.

Die Referentin Dr. Doris Tausendfreund ist Historikerin und promovierte 2005 mit der Arbeit „Erzwungener Verrat. Jüdische ‚Greifer‘ im Dienst der Gestapo 1943-1945“ am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Seit 2006 arbeitet sie an der Freien Universität Berlin mit lebensgeschichtlichen Erinnerungsberichten zum Nationalsozialismus und deren digitaler Aufbereitung.

Veranstalter: Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen

Aus aktueller Hagener Perspektive ist das Thema auch interessant vor dem Hintergrund des – nicht erzwungenen – Zusammenwirkens zwischen Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde Hagen und der örtlichen AfD (Siehe dazu: AfD – keine Alternative für Juden!).

Im historischen Kontext ist dazu der „Verband nationaldeutscher Juden“ (VnJ) in den 1920er und 3oer Jahren erwähnenswert, der zwar nie besonders bedeutsam war (ähnlich wie die Jüdische Gemeinde Hagen heute), aber die „provokanten Positionen und hetzerischen Äußerungen dieser extrem rechten Randgruppe erregten viel Aufsehen in der deutschjüdischen Öffentlichkeit“ (Siehe: Wikipedia).

In der Vereinssatzung schrieb der VnJ:

„Der Verband nationaldeutscher Juden bezweckt den Zusammenschluß aller derjenigen Deutschen jüdischen Stammes, die bei offenem Bekennen ihrer Abstammung sich mit deutschem Wesen und deutscher Kultur so unauflöslich verwachsen fühlen, dass sie nicht anders als deutsch empfinden und denken können. Er bekämpft alle Äußerungen und Betätigungen undeutschen Geistes, mögen sie von Juden oder Nichtjuden ausgehen, die das Wiedererstarken deutscher Volkskraft, deutscher Rechtlichkeit und deutschen Selbstgefühls beeinträchtigen und damit den Wiederaufstieg Deutschlands zu einer geachteten Stellung in der Welt gefährden.“

Das Programm der AfD beschreibt es ähnlich in zeitgemäßer Diktion:

„Die Ideologie des Multikulturalismus, die importierte kulturelle Strömungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur gleichstellt und deren Werte damit zutiefst relativiert, betrachtet die AfD als ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit. Ihr gegenüber müssen der Staat und die Zivilgesellschaft die deutsche kulturelle Identität als Leitkultur selbstbewusst verteidigen.“

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hagen, Hagay Feldheim, bewegt(e) sich in seinen Aktivitäten in einem ähnlichen Spektrum, da er sich von der AfD einspannen liess (Siehe: Nicht ganz koscher) und sich bis heute in der Öffentlichkeit nicht deutlich von seinen Verbindungen distanziert hat.

Stromnetz-Ausbau ist laut Gutachter Jarass „kohle-getrieben“

3. Oktober 2019

Gutachter Prof. Jarass erklärt im Rat und vor Bürgern im Gymnasium, dass der Ausbau von Stromtrassen in Herdecke und generell unplausibel sei. (…)

Eingeladen hatten ihn die Prozessgemeinschaft Herdecke unter Strom und Bürgerinitiative (BI) Semberg, die gleichgesinnte Gruppen aus Hohenlimburg und aus Junkernhees im Kreis Siegen-Wittgenstein begrüßen konnten. Politiker und rund 120 Zuhörer im Gymnasium erfuhren, dass der Experte die Erforderlichkeit der neuen Leitungen, die der Netzbetreiber Amprion in Herdecke bereits vorbereitet, für fraglich hält. (…)

„Der geplante Netzausbau ist kohle-getrieben. Die neuen Leitungen dienen überwiegend dem Transport von überschüssigem Strom“, sagte der Professor. Der Gutachter bemängelt zudem, dass dabei die entstehenden Kosten von insgesamt rund 95 Milliarden Euro (sechs Milliarden pro Jahr) unberücksichtigt bleiben und vom Verbraucher bezahlt werde. (…)

Quelle: wp.de

Nicht überall ist Hagen – nicht überall ist GWG

2. September 2019

Eine dem Untergang geweihte Siedlung in Iserlohn erstrahlt heute in neuem Glanz

Schlieperblock, Frontansicht der restaurierten Gebäude Drosselweg 1-5. Foto: Asio otus, CC BY-SA 3.0

„Abriss ist unvermeidbar“ titelte das Lokalblatt. Das müsse aus Sicht der Wohnungsbaugenossenschaft nicht disktutiert werden. Die Wohnungen genügten den heutigen Anforderungen nicht einmal mehr in Ansätzen. Eine nachhaltige Modernisierung und Sanierung der Gebäude indes scheide aus wirtschaftlichen Gründen aus.

Das war im Jahr 2008 – und nein, es ging nicht um den unsäglichen Abriss des Wehringhauser „Block 1“ der GWG. Obwohl die Argumentation identisch ist. Was damals genauso vollmundig wie heute für Wehringhausen verkündet wurde, betraf den sogenannten „Schlieper-Block“ in Iserlohn.

Während in Hagen immer – gerne auch ohne Sinn und Verstand – munter abgerissen wird, ging dort die Geschichte ganz anders aus.

Der Schlieper-Block entstand in drei Bauabschnitten ab dem Jahr 1928 im Rahmen des städtischen Notwohnungsbaus für Erwerbslose. Architekt der über mehrere Straßen hinweg errichteten Wohnsiedlung war der im Bauamt der Stadt Iserlohn tätige Theodor Hennemann. Eigentümerin war die Stadt Iserlohn, bis die Wohnungen um 1941 an die Iserlohner gemeinnützige Wohnungsgesellschaft GmbH (IGW) übergingen.

Anders als viele in dieser Zeit entstandene Siedlungen orientierte sich Hennemann am „Neuen Bauen“, die Vorbilder sind in Dessau und Frankfurt zu sehen.

In einer Publikation des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe klärt der Architektur- und Sozialhistoriker Dr. Hans H. Hanke über den in der veröffentlichten Meinung „sehr verrufenen Schlieper-Block“ einiges auf. So sei es „nahezu unbekannt, dass die Siedlung einer der wenigen Iserlohner Orte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus war“.

Die Qualität des Schlieper-Blocks sowohl in architektonischer als auch sozialpolitischer Hinsicht wird von Hanke ausdrücklich gewürdigt: „Die Siedlung gehört in Westfalen, in dem überwiegend konservative Architekturformen rezipiert wurden, zu den ganz seltenen Baugruppen, die sich an der Moderne der Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts orientieren. … Auch als sozialpolitisches Beispiel einer Architektur, die sich der Moderne durch Bauaufgabe, städtebauliche Anordnung und schlichte Formen zuordnen lässt, ist die Siedlung außergewöhnlich in Westfalen. Sie gehört zu den gut ablesbaren Ergebnissen der Suche nach neuen Formen des Bauens für ärmere Schichten.“

Erhaltungsmaßnahmen blieben – wie beim GWG-Block in Wehringhausen – weitgehend aus, der Komplex verwahrloste zusehends und manifestierte den zunehmend schlechten Ruf des Schlieper-Blocks. So schien ein Abriss unaufhaltsam zu sein.

Die Wende kam im Jahr 2010. Auf Betreiben Iserlohner Bürger, insbesonders des inzwischen verstorbenen Peter Treudt und seines Mitstreiters Klaus Stinn (beide mussten sich im örtlichen Dumpfbackenmilieu auch noch als „Ideologen“ beschimpfen lassen), wurde der Schlieper-Block unter Denkmalschutz gestellt. Damit war die Wohnungsgesellschaft gezwungen, ihre Strategie zu ändern – einfach weg und was anderes auf das Grundstück zu stellen war jetzt nicht mehr möglich. Und siehe da: es ging.

Von „unwirtschaftlich“ und „Abriss unvermeidbar“ war plötzlich keine Rede mehr. In einer Pressemitteilung des Wohnungsunternehmens wurde die 180-Grad-Wende deutlich: „Für Geschäftsführer Olaf Pestl zählt dabei vor allem, dass der Schlieperblock nun endgültig vor dem Verfall gerettet ist.“

Die neue Linie lautete auf einmal: „Aufgrund der hohen baukulturellen Bedeutung der Wohnsiedlung ist die Zielsetzung für den weiteren Umgang mit dem Standort des Schlieperblockes ein weitestgehender Erhalt und eine Revitalisierung, die im Einklang mit den Denkmalschutzaspekten steht.“

Der Verein „Iserlohn – DenkMal“ kommentierte die Kehrtwende mit dem Satz: „Es hat sich also gelohnt, nicht zu schnell für einen Abriss zu votieren und denjenigen in Politik und Gesellschaft nicht nachzugeben, die eine kulturelle Ex-und Hopp Mentalität vertreten.“

In den Jahren 2015 bis 2017 wurde die Siedlung grundlegend saniert. Ein Teil wurde als Ausbauhäuser verkauft, im anderen Teil werden weiter Wohnungen vermietet. Vermarktet werden die Häuser inzwischen als „Bauhaus-Siedlung Schlieper“.

Stolz präsentierte Iserlohn die einst dem Untergang geweihte und inzwischen zum Vorzeigeobjekt mutierte Immobilie 2018 beim „Tag der Architektur“. Und auch in diesem Jahr wird auf den Stellenwert der Bauten hingewiesen: Besichtigt werden kann die Siedlung am „Tag des offenen Denkmals“ am kommenden Sonntag, den 8. September 2019 von 14 – 17 Uhr. Anlaufstelle: Meisenweg 6, 58644 Iserlohn.

Hagen wieder nicht dabei

30. Juni 2019

Autofreies Volmetal – Sonntag, den 30. Juni 2019

Es ist nur ein Tag im Jahr: 21 Kilometer Volmetal autofrei – und selbst dabei ist die Stadt Hagen nicht willens mitzumachen. Bis auf einen zaghaften Versuch der GRÜNEN im Jahr 2012 hat es aus Kreisen des Stadtrats nie Bemühungen gegeben, sich dieser Aktion anzuschließen.

Da ist der Landkreis weiter als das selbsternannte Oberzentrum mit all seinen „Leuchttürmen“, „Alleinstellungsmerkmalen“ und verunstalteten 3-Türme-Wegen: Das Autofreie Volmetal findet am 30. Juni wieder statt. Die Bundesstraße 54 (B54) wird zwischen Meinerzhagen und Schalksmühle auf ganzen 21 Kilometern für den motorisierten Verkehr gesperrt. Damit lädt der Märkische Kreis alle Radfahrer, Wanderer, Skater und Jogger zu einem ereignisreichen Tag ein. Auch wenn man mit dem Fahrrad nur anderthalb Stunden für die Strecke brauchen würde, beginnt der Aktionstag um 11 Uhr und endet um 18 Uhr.

Bei der letzten Auflage erlebten rund 22.000 Besucher das Volmetal und die, sonst stark befahrene B54, auf eine besondere Art. Viele Vereine, Organisationen und Privatleute bieten auf der Strecke Stände mit Verpflegungs- und Aktionsmöglichkeiten an. Ob sportliche Aktivitäten, Infostände, verschiedene gastronomische und musikalische Beiträge oder Spiel und Spaß für Jung und Alt – für alle ist etwas dabei.

Für den Straßenverkehr ist zu beachten, dass die Strecke bereits um halb elf gesperrt wird und die Sperrung erst eine Stunde nach Veranstaltungsende, um 19 Uhr, aufgehoben werden kann.

Autofreies Volmetal 2019 – Flyer

Ennepetal stellt sich quer!

11. April 2019

Protest gegen die AfD

Am 13.04. findet nur wenige Kilometer hinter der Hagener Stadtgrenze im Haus Ennepetal eine Veranstaltung der AfD statt. Als Redner tritt dort unter anderem Jörg Meuthen auf, einer der beiden Parteivorsitzenden der AfD und Spitzenkandidat für die Europawahl.

Ennepetaler wollen den Rechten zeigen, dass sie nicht in der Stadt erwünscht sind und dass Ennepetal weltoffen statt stumpf rassistisch ist.

Schwerter SPD will keine Schottergärten mehr

24. März 2019

Die Schwerter SPD-Fraktion möchte künftig die Neuanlage und Erweiterung von sogenannten “Schottergärten” untersagen. Fraktionsvorsitzende Angelika Schröder hat im Namen ihrer Fraktion einen entsprechenden Antrag an den Ausschuss für Infrastruktur, Stadtentwicklung und Umwelt gestellt. Das berichtet das dortige Lokalmedium Mein Schwerte.

In ihrer Begründung schreibt die Fraktion: „Gärten haben eine erhebliche Bedeutung für das Stadtklima, die Pflanzen- und Tierwelt, das Grundwasser und die Luftqualität. Die Anlage von sogenannten ‘Schottergärten’ bewirkt eine Qualitätsminderung in diesen genannten Bereichen. In allen Landesbauordnungen der Bundesrepublik Deutschland ist eine als Garten ausgewiesene Fläche ausdrücklich zu begrünen. Schottergärten erfüllen diese Auflage nicht. Deshalb sollte auch in Schwerte darauf verzichtet werden.”

In Hagen war ein entsprechender Vorstoß der Grünen nicht nur von der „Allianz des Grauens“ zurückgewiesen worden, sondern auch von der UnLinken, deren Anführer Ingo Hentschel in FDP-Manier von „mündigen Bürgern, die wissen, was sie tun“ schwadronierte.

Nicht weit davon entfernt bewegte sich auch die SPD, die von einem „Verbotsantrag, der ohne Not in das Eigentum und die Privatsphäre der Bürger eingreife“ sprach.

Der grüne Ratsherr und Vorsitzender des Umweltausschusses Hans-Georg Panzer ging daraufhin als treuer Gefolgsmann der „Allianz“ auf Tauchstation: „In erster Linie war es ja auch unser Ziel, eine Diskussion anzustoßen.“

Koepchenwerk: Landmarke leuchtet wieder

12. Dezember 2018

Sie leuchtet wieder, die RWE-Lichtlandmarke oberhalb des Koepchenwerks (Foto: Markus Bollen). Seit dem Ende der 1920er Jahre, als das Pumpspeicherkraftwerk nach Plänen von Arthur Koepchen gebaut wurde, steht sie für die Aktivität der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke am Hengsteysee. Der RWE-Schriftzug hat eine starke Symbolkraft, er steht für ungebrochene, wirtschaftliche Prosperität des Standortes und ist für die Herdecker Bürgerinnen und Bürger ein weithin sichtbares Symbol ihrer Heimat am Hengsteysee.

Seit die Industriedenkmalstiftung das Koepchenwerk im Jahr 2017 in ihren Bestand übernahm, hat sich viel getan. „Zwei arbeitsintensive Jahre liegen hinter uns“, sagt Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung. „Der historische RWE-Schriftzug wurde rekonstruiert; das 4000 m² große Dach der Maschinenhalle ist dicht, 40 Fenster sind repariert, das Gebäude ist trocken und bietet jetzt wieder einen Schutz für den wertvollen Maschinenbestand.“

Für Ulrich Heckmann, Leiter des Referats Industriekultur beim Regionalverband Ruhr, ist das Denkmal ein technikgeschichtlicher Meilenstein auf der Route der Industriekultur, die mit ihren 25 Ankerpunkten jährlich mehr als 7 Millionen Besucher anzieht:  „Das Koepchenwerk repräsentiert das industriekulturelle Erbe unserer Region und steht als technische Pionierleistung bei der Speicherung von Energie für ein nach wie vor brandaktuelles Thema.“

Regina Schrader, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk e.V. in Herdecke, will mit den Mitgliedern die Industriedenkmalstiftung tatkräftig unterstützen. Der Verein hat sich etwas Besonderes zur Aufgabe gemacht: die 12-Buchstaben-Spendenkampagne KOEPCHENWERK. Regina Schrader zufolge soll damit der historische Schriftzug an der Fassade wieder zum Leuchten gebracht werden: „Erst dann ist das Denkmal auch als Lichtlandmarke wieder komplett.“

Pro Buchstabe fallen 5000 Euro für die Instandsetzung inklusive Beleuchtung und Stromkosten an. Spenden ab 1 Euro sind möglich.

Spendenkonto:
Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
Volksbank Dortmund-Nordwest eG, IBAN: DE19 4406 0122 4168 6627 00, BIC: GENODEM1DNW
Verwendungszweck: Koepchenwerk leuchtet

Spendenquittungen werden ab 50 Euro automatisch und bei niedrigeren Beträgen auf Anfrage zugestellt.

„Der hat wenigstens ’n Arsch inne Hose“

28. November 2018

Dortmunder Bundestagsabgeordneter tritt aus der SPD aus

Marco Bülow (Foto: Willi Weber) kündigt seinen Austritt aus der SPD an. „Nach 26 Jahren Mitgliedschaft und 16 Jahren als Bundestagsabgeordneter trete ich aus der SPD aus. Ich tue dies nach reiflicher Überlegung, ohne Häme, aber ernüchtert und auch traurig“, schreibt der Dortmunder auf seiner Website. Der gelernte Journalist will sein Bundestagsmandat behalten.

Während aus den Reihen der SPD nur die übliche Forderung nach Rückgabe des Bundestagsmandats zu hören war, befragte der WDR auch Passanten in Bülows Dortmunder Wahlkreis, in dem er direkt und nicht über die Parteiliste gewählt worden war: „Der hat wenigstens ’n Arsch inne Hose. Weil die SPD, was die im Moment für ’ne Scheisse – auf deutsch gesagt – macht …“

Video: WDR (Verfügbar bis 04.12.2018)

In einer umfangreichen Stellungnahme begründet Marco Bülow seine Entscheidung. Hier ein (kleiner) Auszug:

Ich bin und bleibe Sozialdemokrat

Nach 26 Jahren Mitgliedschaft und 16 Jahren als Bundestagsabgeordneter trete ich aus der SPD aus. Ich tue dies nach reiflicher Überlegung, ohne Häme, aber ernüchtert und auch traurig. Viele Jahre habe ich mich aufgerieben, habe ich gegen die „Entsozialdemokratisierung“, gegen hierarchische, intransparente Strukturen, gegen die Orientierungslosigkeit in der SPD angekämpft. Immer wieder mit der Hoffnung, dass sie sich wandelt, dass sich die Basis gegen die Selbstzerstörung wehrt. Trotz unglaublicher Verluste und Niederlagen bei den Wahlen, trotz aller Lippenbekenntnisse, gab es und gibt es aber immer nur ein „Weiter-so“. Die konstruktiven, antreibenden Kräfte zogen sich entweder zurück, wurden immer weiter geschwächt und isoliert oder haben sich angepasst. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich mich selbst verleugne, meine Glaubwürdigkeit verliere, wenn ich keine Konsequenzen ziehe.

Ich bin voller Energie, voller Tatkraft und möchte Politik weiterhin gestalten. Diese Energie möchte ich aber dort einsetzen, wo sie auch Wirkung entfalten kann. Meine wichtigste Feststellung dabei ist: Auch außerhalb der SPD – ich bin und bleibe Sozialdemokrat. Gern wird der Spruch bemüht: Aus der Partei tritt man nicht aus, außer man stirbt. Dieser Satz ist unpolitisch und absurd, denn dann stellt man eine Struktur über die eigenen Ideale. Die SPD ist zwar mehr als nur eine Partei und sie hat so viel geleistet, so vielen Menschen geholfen. Deshalb zerreißt es mich, aber eine Partei darf nicht dauerhaft wichtiger sein als der Antrieb, warum ich mich politisch engagiere. Ich war in der SPD, weil sie sich vor allem für die sozialen Belange der Menschen einsetzt und nicht, weil sie sich mit einem neoliberalen System abfindet, nur noch an Symptomen rumdoktert und sich häufig mächtigen Lobbyinteressen beugt, die nur Wenigen nutzt. Jeder muss sich seine eigenen Grenzen setzen, aber meine sozialdemokratischen Ideale werden immer mehr verraten, mein Gewissen so stark beansprucht, dass ich die Partei nicht mehr über alles stellen darf – auch wenn es bedeutet meine berufliche Position und persönliche Perspektive zu gefährden.

Das Ideal der sozialen Demokratie wiegt mehr als Strukturen und Personen

Ich weiß, meine Art Politik zu machen, hat einigen das Leben schwergemacht. Zuletzt sind Kolleg*innen selten auf meine inhaltlichen Punkte eingegangen. Häufiger haben sie mich lieber persönlich kritisiert. Mir ist bewusst, dass ich auf der anderen Seite auch eine Reihe von Sozialdemokrat*innen enttäuschen werde. Bis zum Ende bin ich gegenüber der sozialdemokratischen Idee und der Basis der Partei immer solidarisch gewesen. Aus meiner Meinung habe ich nie einen Hehl gemacht, mich aber der Kritik auch immer gestellt. Mir war es wichtig, mich konstruktiv in die Debatten einzubringen, vielfach im Bereich Umwelt und Energiepolitik, aber auch zum Beispiel beim Thema Ungleichheit mit der Sozialtour, mit meinem Forderungspapier und der Kampagne zur Sozialwende. Vorschläge zur Erneuerung der Partei habe ich immer wieder eingebracht und die Progressive Soziale Plattform gegründet, um enttäuschte und kritische Sozialdemokrat*innen aufzufangen und engagierte Menschen außerhalb der Partei zu gewinnen. Die Ideale und Werte müssen verteidigt werden, nicht in erster Linie eine Struktur oder die Personen an der Spitze.

Ich wünsche der SPD und vor allem den wirklich überzeugten Sozialdemokrat*innen alles Gute und dass die Partei sich doch noch erneuert und mutige sozialdemokratische Politik vertritt. Ich bin immer noch der Meinung, dass die Menschen, dass unser Land und Europa eine starke Sozialdemokratie benötigen. Die Sehnsucht nach einer klaren, sozialen Alternative ist groß, aber die SPD steht leider nicht mehr dafür. Schlimmer noch, sie bindet Kräfte und Energie, die so viel zu wenig bewirken und woanders besser aufgehoben wären. (…)

Quelle: Marco Bülow

Gevelsberg für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt

5. November 2018

Hagen beschränkt sich auf Gedenken und blendet so die notwendigen Lehren für die Gegenwart aus

Die alte Synagoge in der Hagener Potthofstraße nach dem Pogrom am 9. November 1938. Der zerstörte Eingang ist mit einer Bretterwand provisorisch abgesperrt (Fotograf unbekannt). An der gleichen Stelle wurde 1960 die heutige Synagoge erbaut.

Gevelsberg beschreibt sich als eine tolerante Stadt mit vielen Farben und Lebensstilen. Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen zu bewahren und zu fördern, sei eine wichtige Aufgabe nicht nur der Politik, sondern auch der Bürgerschaft. Getragen von diesem Leitgedanken, so die Stadt, finde seit 2008 in Gevelsberg jährlich die Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt in Gevelsberg statt.

Mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm positioniert sich Hagens Nachbarstadt im Umfeld des 9. November, der als Reichspogromnacht unrühmlich in die deutsche Geschichte eingegangen ist. Einem Programm, das sich nicht allein in Gedenkkultur ergeht, sondern die historischen Ereignisse zum Anhalt nimmt, gefährliche aktuelle Tendenzen kritisch zu hinterfragen und Gegenbewegungen zu fördern.

Die Gevelsberger Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt kann sich auf eine wirklich breite Unterstützung der Bevölkerung verlassen. Getragen werden die Veranstaltungen von 40 (!) Gruppierungen und Institutionen der Stadt, die gerade einmal so viele Einwohner zählt wie jeder der Hagener Stadtbezirke Haspe oder Hohenlimburg einzeln aufzuweisen hat.

Vom Antifaschistischen Arbeitskreis über Gewerkschaften, Kirchengemeinden und sämtliche Ratsfraktionen bis hin zu Schulen und Sportvereinen ist so ziemlich alles vertreten, was in Gevelsberg etwas zu melden hat. Ganz anders sieht das Bild in Hagen aus, das von solchen Verhältnissen nur träumen kann.

Hagen blendet die Bedrohungen, die in diesen Zeiten durch wiedererstarkte nationalistische und faschistische Regungen auf die Tagesordnung geraten sind, weitestgehend aus. Hier gibt es zwar eine – sicherlich gut gemeinte – Kunstaktion der Kooperative K, die aber nicht über das historische Gedenken hinausweist und schon gar keine Bezüge zu den Gefahren der Gegenwart herstellt. Ein Grund für diesen Mangel dürfte in der Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Hagen liegen, die von der Kooperative K als Kooperationspartner genannt wird.

Das mag auf den ersten Blick erstaunen, war doch die Reichspogromnacht am 9. November 1938 gewissermaßen das Startsignal zur industriellen Vernichtung der Juden. Das Problem liegt auch nicht in der Jüdischen Gemeinde Hagen als solcher begründet, sondern in der Person ihres Vorsitzenden Hagay Feldheim.

Feldheim war in der Vergangenheit schon mit einem „Eklat im Forum der Religionen“ aufgefallen, wie die WPWR damals titelte. Der Gemeindevorsitzende und seine Gattin, die als Lehrerin am Rahel-Varnhagen-Kolleg unterrichtet, das auch als Kooperationspartner der Kooperative K auftritt, hatten die im Forum vertretenden Muslime pauschal als vermeintliche Hamas-Sympathisanten attackiert.

Feldheim und sein Sohn wurden – was noch erschreckender ist – zudem auch auf dem Ticket der rechtsextrem agierenden AfD in Ausschüssen des Hagener Stadtrats tätig; ausgerechnet jener Partei, die die Nazidiktatur als „Vogelschiss in unserer über 1000-jährigen Geschichte“ verniedlicht. Die AfD-Verbindung des Gemeindevorsitzenden hat auch dazu geführt, dass beispielsweise Mitglieder der von den Nazis ebenfalls verfolgten Sozialdemokraten sich weigerten, an Veranstaltungen teilzunehmen, an denen auch Feldheim beteiligt war.

Im Unterschied zur etwas eingeengten Betrachtungsweise der Hagener Akteure verstehen die Gevelsberger ihre Aktionwoche dagegen als breit angelegtes Forum gegen jede Art von Dämonisierung, „um das weltoffene Verständnis der Bürgerschaft weiter zu stärken und dafür Sorge zu tragen, dass in Gevelsberg alle Menschen gleich welcher Nationalität, Herkunft oder Religion friedvoll und ohne jede Diskriminierung zusammen leben können“.

Diese Haltung hätte – neben dem unverzichtbaren Gedenken – auch der Stadt Hagen gut angestanden.

„Wehret der Normalisierung“

24. September 2018

Das Mitglied des Europäischen Parlaments Dietmar Köster (SPD) aus Wetter hat wegen der Teilnahme eines AfDlers die Diskussion an einer Wittener Schule abgesagt. In einem Offenen Brief begründet er seine Entscheidung:

Sehr geehrter Herr Immenhauser,
liebe Schüler*innen,

zunächst bedanke ich mich für die Einladung zu Ihrer oben genannten Veranstaltung, an der ich gerne teilnehmen würde, um mit Ihnen und den Schüler*innen über die Zukunft Europas zu diskutieren.

Gestern erfuhr ich, dass an der Veranstaltung ein Vertreter der AfD teilnehmen soll. Wie ich Ihnen bereits telefonisch mitgeteilt habe, halte ich die AfD für eine antidemokratische und europafeindliche Partei, die völkisch-national ausgerichtet ist und menschenfeindlich agiert.

Mit Vertretern einer solchen Partei mache ich mich nicht gemein. Daher kann ich an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen. Sollte der Vertreter der AfD ausgeladen werden, bin ich natürlich gerne bereit, an der Diskussionsrunde mitzuwirken.

Ich halte es für falsch, solchen faschistoiden Parteien wie der AfD ein Forum zu bieten, wo sie Ihren Unsinn in Form von Verschwörungstheorien, Größenwahn und Hass verkünden können. Oft wird behauptet, man müsse die Argumente der Faschisten bloßstellen und sie so entkräften. Ich halte das für wenig überzeugend. Diese Strategie verfolgt man seit längerer Zeit und das Ergebnis ist ein Erstarken der Nationalisten. Natürlich muss man immer wieder darauf hinweisen, dass Rassismus, Deutschtümeleien und Nationalismus eine Gefahr für Demokratie und Frieden und Menschenrechte sind. Nationalisten haben nie die Lebenslagen der Menschen verbessert sondern Katastrophen herbeigeführt. Wenn ich die AfD als eine „normale“ demokratische Partei betrachte, mit der man sich wie mit anderen demokratischen Parteien auseinandersetzt, hat die Demokratie bereits verloren. Denn Faschismus ist keine Meinung. Faschismus ist ein Verbrechen.

Es darf keine Relativierung der Gefahren geben, die vom Rechtsextremismus ausgehen. Der Rechtsextremismusforscher Wilhelm Heitmeyer sagte kürzlich in einem Interview, die Formel “Wehret den Anfängen“ sei überholt. Heute müsse es heißen „Wehret der Normalisierung“. Eine Veranstaltung mit Vertretern der AfD würde zu einer Normalisierung des Rechtsextremismus beitragen.

Hinzu kommt, dass es der AfD gar nicht um die besseren Argumente geht. Sie instrumentalisiert Ängste vieler Menschen zum Beispiel vor sozialem Abstieg für ihre rassistischen Parolen gegen Menschen, die vor Kriegen oder politischer Verfolgung fliehen oder einfach nach Europa migrieren. Dieser Nationalismus hat Europa und die Welt bereits zweimal in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts in die Katastrophe gestürzt. Jetzt reicht es!

Spätestens seit den Vorfällen in Chemnitz müsste für jeden klar sein, dass die AfD keine normale demokratische Partei ist. Sie paktiert mit offen gewaltbereiten Faschisten und findet nichts dabei mit Leuten durch die Straßen zu ziehen, die „Adolf Hitler“ und „nationaler Sozialismus“ skandierten und Menschen, die als nichtzugehörig definiert werden, durch die Stadt jagten. Sie zeigt Verständnis für Aufmärsche, in deren Kontext wieder Steine in ein jüdisches Restaurant flogen. Alle scheinbaren Distanzierungen der AfD von gewaltbereiten Faschisten sind unglaubwürdig und taktisch. Sie spielen die Biedermänner. In Wirklichkeit wollen sie die Demokratie und Europa zerstören. Damit entfällt für mich jede Grundlage einer Diskussion. Wir können nach Chemnitz nicht einfach zur politischen Tagesordnung übergehen, als sei nichts geschehen! Schluss mit der Beschwichtigungsrhetorik! Der Faschismus muss geächtet werden! Er ist nicht Teil der demokratischen Gesellschaft!

Der Sozialphilosoph Adorno schrieb: „Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten“. Das ist so aktuell wie selten zuvor!

Mein politischer Antrieb war und ist nach wie vor das Versprechen nach dem 2. Weltkrieg „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ Dem bin ich verpflichtet!

Alle demokratisch gesinnten Menschen sollten den neuen und alten Nazis mitteilen, dass sie nicht willkommen sind. Weder in Schulen, noch bei politischen Debatten demokratischer Parteien oder anderswo!

Mit besten antifaschistischen Grüßen
Dietmar Köster

RWE-Schriftzug in Herdecke wird erneuert

8. September 2018

Bald wird eine der bekanntesten Landmarken des Ruhrgebiets wieder zu sehen sein: Der riesige denkmalgeschützte RWE-Schriftzug über dem Hengsteysee in Herdecke. Seit Freitag (07.09.2018) wird er dort wieder montiert. (…)

Quelle: WDR

Bundesmittel für Demokratieförderung in Hagen und EN langfristig gesichert

20. Juni 2018

Mit dem Förderprogramm „Demokratie leben!“ stärkt der Bund ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Zusammenleben in Deutschland. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat nun erklärt, dass das Programm entfristet und damit dauerhaft fortgeführt wird.

„Für Hagen und den südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis sind das gute Nachrichten: Projekte, die mit ,Demokratie leben!‘-Mitteln gefördert werden, bleiben nachhaltig erhalten oder können sich wieder bewerben“, teilt der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete René Röspel dazu mit.

Das gesellschaftliche Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit habe in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis eine lange Tradition, so Röspel. Gerade für Kinder und Jugendliche sei es wichtig, Demokratie früh zu erlernen und zu erkennen, wie wichtig der Zusammenhalt in der Gesellschaft ist.

Diese Kompetenzen werden durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ ebenso gestärkt, wie die Rassismus- und Extremismusprävention. „Gerade in Zeiten, in denen sich die Demokratie immer stärkeren Angriffen und Anfeindungen ausgesetzt sieht, ist es ein starkes Signal der sozialdemokratischen Bundesfamilienministerin, das Förderprogramm zu entfristen“, meint Röspel. Franziska Giffey mache damit klar, dass die Demokratieförderung ein langfristiges Projekt ist und eine kurzzeitige Finanzierung nicht ausreicht.

In Hagen, Gevelsberg und an über 260 weiteren Orten können sich Initiativen und Projekte weiterhin auf die Mitfinanzierung des Bundes verlassen. Allein für das Jahr 2018 sieht der Bundeshaushalt 115,5 Millionen Euro dafür vor.

Für bessere Bedingungen für Radfahrende

8. Mai 2018

Hagener ADFC lädt zur Fahrradsternfahrt Ruhr 2018

Am Sonntag, 13. Mai 2018 findet die Fahrradsternfahrt Ruhr statt. In diesem Jahr ist Bochum das Ziel. Alle Fahrradbegeisterten aus Hagen sind herzlich eingeladen, mit dem ADFC nach Bochum zu radeln und dann zusammen mit vielen Radfahrern und Radfahrerinnen aus dem gesamten Ruhrgebiet auf einer abgesperrten Strecke durch Bochum zu fahren.

Treffpunkt für die Radtour ist in Hagen am AllerWeltHaus in der Potthofstraße 22 um 8:45 Uhr. Ein zweiter Einstiegspunkt ist in Wetter um 9:40 Uhr an der Ruhrbrücke Ruhrstraße hinter der DEMAG am Ruhrtalradweg. Die Strecke nach Bochum beträgt 33 km plus 17 km für die Hauptroute durch Bochum.

Jedes Jahr rufen die Städte an der Ruhr dazu auf, im Verbund für bessere Bedingungen für Radfahrende zu demonstrieren. Alle Teilnehmenden können dabei mit viel Phantasie auf Radfahr-Interessen aufmerksam machen, auf geschmückten Rädern, Kleidung, Anhängern oder mit Musik. „Mobil mit Fahrrad“ ist das Motto.

Start der Bochumer Hauptroute ist dann um 12:00 Uhr auf dem Gerard-Motier-Platz am Westpark hinter dem Gewerkschaftshaus (Jahrhunderthaus). Diese wird polizeilich begleitet und zeigt Bochum mal ganz anders.

Die Tour endet beim Fahrradsommer der Industriekultur um etwa 13:30 Uhr. Rund um die Jahrhunderthalle gibt es dann viel Fahrrad-Programm für Groß und Klein, auch Kulinarisches zur Stärkung für die Rückfahrt.

Die Rückfahrt kann dann in Eigenregie erfolgen. Eine Rückfahrt nach Hagen ist ebenso mit der Bahn möglich.

SPD-Europapolitiker aus Wetter bekräftigt sein Nein zur GroKo

15. Januar 2018

„Politikwechsel in Europa mit Großer Koalition nicht möglich“

Nach dem Ende der Sondierungsgespräche bekräftigt der SPD-Europaabgeordnete Prof. Dr. Dietmar Köster, der in der unmittelbaren Hagener Nachbarschaft in Wetter (Ruhr) lebt, sein Nein zu einer erneuten Großen Koalition: „Nach dem katastrophalen SPD-Abschneiden bei der Bundestagswahl darf und kann es kein ‚weiter so’ geben. Die Ergebnisse der Gespräche reichen nicht aus, um endlich eine Politik einer sozialen und ökologischen Wende in Deutschland und Europa durchzusetzen,“ so Köster, der Mitglied im SPD-Landesvorstand und des Bundesvorstandes der Parteilinken in der DL.21 ist.

Köster betont: „Eine Erneuerung der SPD kann in einer Großen Koalition nicht gelingen.“ Gerade die zentrale Bedeutung Europas führt der SPD-Parlamentarier dabei als Hauptgrund für seine Gegnerschaft zur großen Koalition an: „Martin Schulz hat Anfang Dezember in Berlin erklärt, dass die ‚Vereinigten Staaten von Europa’ das Ziel der Sozialdemokratie sein müssen. Dieses Ziel wird jedoch mit der rechtspopulistischen CSU nicht ansatzweise durchsetzbar sein. Während gegen Ungarn auf europäischer Ebene Vertragsverletzungsverfahren laufen, wird Ministerpräsident Victor Orban in CSU-Kreisen für seine Politik gelobt. Eine vertiefte Integration der EU, die auf Solidarität und Humanität beruht, ist mit der CSU nicht möglich. Sie steht für Abschottung und eine Rückkehr nationalistischen Gedankengutes. Das ist eine Politik, die Europa schadet. “

Zudem bezweifelt Köster den Willen der Unionsparteien ernsthaftes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit der SPD zu haben: „Der Glyphosat-Alleingang von Bundes-Landwirtschaftsminister Schmidt und der skurrile Aufruf zur ‚bürgerlich-konservativen Revolution’ von CSU-Landesgruppenchef Dobrindt lassen nur den Schluss zu, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der CSU in Zukunft nicht möglich sein wird. Ich stelle ihr ernsthaftes Interesse an einer Fortführung einer Großen Koalition, in der die SPD auch ihre Forderungen durchsetzen kann, in Frage“, so Köster weiter.

Der SPD-Europapolitiker erhofft sich nun vom anstehenden Bundesparteitag am 21. Januar in Bonn, dass die Delegierten möglichen Koalitionsverhandlungen eine klare Absage erteilen: „Im Wahlkampf haben wir für einen Politikwechsel geworben. Für den gilt es nun weiter einzustehen. Eine sozialere Gesellschaft, der Weg hin zur europäischen Sozialunion, in der Sozialrechte mit wirtschaftlichen Interessen gelichgestellt werden – all das ist in einer Großen Koalition mit den Unionsparteien nicht umsetzbar. Die nun vorliegenden Ergebnisse genügen nicht unseren Ansprüchen. Ein Verzicht auf Koalitionsverhandlungen ist daher der einzig richtige Weg. CDU/CSU haben die Möglichkeit eine Minderheitsregierung zu bilden“, so Köster abschließend.

GroKo unbedingt stoppen!

13. Januar 2018

Während in Hagen bisher, wie nicht anders zu erwarten, kein politischer Akteur eine Stellungnahme zum Ergebnis der Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD veröffentlicht hat, war der Dortmunder Bundestagsabgeordnete Marco Bülow (SPD) wie meistens schnell und pointiert bei der Sache.

Seine Stellungnahme:

Die Große Koalition ist eindeutig abgewählt worden. ‚Wir werden auf keinen Fall in eine neue GroKo gehen‘, so die einhellige Aussage der gesamten Parteispitze nach der Bundestagswahl. Aus dem klaren Nein wurde ein Jein und nun ein klares Ja – und dies mit einem beschämenden Ergebnis. Von ergebnisoffenen Gesprächen konnte nie die Rede sein, es ging beispielsweise wohl nie um eine Minderheitsregierung oder andere Optionen. Die Glaubwürdigkeit der SPD wird weiter leiden und der Stillstand in der Politik wird sicher nicht durchbrochen.

Die Große Koalition muss gestoppt werden. Sie wird die große Ungleichheit nicht bekämpfen, sie wird weiter die Ränder stärken und beide Parteien, Union und SPD, die 13.8 % verloren haben, weiter schwächen. Sie ist alles andere als gut für unser Land.

Zudem: ‚Es geht um nichts Geringeres als um die Existenz der SPD‘, so die berechtigten Worte von Martin Schulz. Man kann nicht ein drittes Mal sehenden Auges in den Abgrund steuern. Wer jetzt auch noch von hervorragenden Ergebnissen spricht, der muss verblendet sein. Nun ist auch klar, eine Erneuerung der SPD ist damit beendet. Die SPD verliert so weiter an Vertrauen. Wir bekommen zu Recht das Image einer Umfaller-Partei.

Jetzt geht es darum, diese Große Koalition von Seiten der SPD zu stoppen. Dafür muss die Basis mobilisiert werden. Eine Koalition mit einer CSU, die sich als Freund des Antidemokraten Orban outet, die versucht, der AfD nachzueifern, kann für eine Sozialdemokratie nicht in Frage kommen. Ich werde alles dafür tun, diese Koalition noch zu verhindern.

Es gibt viele Punkte, die fehlen oder nicht akzeptabel sind. Zum Beispiel keine Bürgerversicherung, keine Erhöhung des Spitzensteuersatzes, kein Lobbyregister, keine Abkehr von Hartz-IV, keine Reform der Sozialsysteme, keine andere Finanzpolitik (Stichwort Cum-ex) oder das Aufgeben der fatalen Austeritätspolitik, keine andere Verteidigungs- und Rüstungspolitik. Dafür ist unter anderem CETA in dem Papier. Viel weiße Salbe, viele Versprechungen, viel Flickschusterei. Es ist kein Aufbruch, nicht mal ein Stillstand. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Union die progressiven Vorhaben verhindert. Damit droht die SPD als Juniorpartner weiter unter die Räder zu kommen.

Pressekonferenz zur Messerattacke auf den Bürgermeister von Altena am 28.11.17

28. November 2017

Pressekonferenz mit Gerhard Pauli (Oberstaatsanwalt) und Ralf Eickler (Kriminalhauptkommissar) zur Messerattacke auf Andreas Hollstein (Bürgermeister von Altena).

Messerattacke auf Bürgermeister von Altena

28. November 2017

Auf Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein ist ein Attentat verübt worden. Nach Informationen des SPIEGEL wurde der CDU-Politiker gegen 20 Uhr in einem Imbiss angegriffen: Ein 56-jähriger Mann rammte ihm ein etwa 30 Zentimeter langes Messer in den Hals. Der alkoholisierte Angreifer soll sich dabei lautstark und abfällig über Hollsteins liberale Flüchtlingspolitik geäußert haben. (…)

Altena ist dafür bekannt, dass es mehr Geflüchtete aufnimmt, als es eigentlich müsste. Im Mai war die 18.000-Einwohner-Stadt im Sauerland von Kanzlerin Angela Merkel mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet worden. „Ich glaube, wir kriegen Deutschland in eine gute Zukunft geführt – und die ist bunt“, hatte Hollstein damals verkündet. (…)

Im Oktober 2015 hatten ein Feuerwehrmann und ein Komplize in einem Flüchtlingsheim in Altena einen Brand gelegt. (…) Das Landgericht Hagen verurteilte ihn wegen schwerer Brandstiftung zu sechs Jahren Haft; seinen Bekannten zu einer fünfjährigen Haftstrafe.

Quelle: SPON

Anmerkung: DW hatte damals ausführlich sowohl zur Flüchtlingspolitik des Altenaer Bürgermeisters als auch zum Brandanschlag berichtet. Zum Nachsehen einfach mal das Stichwort „Altena“ in die Suchfunktion in der Marginalspalte auf der Startseite eingeben.

Gevelsberg für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt

5. November 2017

10. Aktionswoche vom 05.11. bis 12.11.2017

Allein der Hagener Stadtbezirk Haspe hat mit 30.000 Einwohnern etwa die Größe der benachbarten Stadt Gevelsberg. Geschichte und Zusammensetzung der Bevölkerung weisen große Parallelen auf: Starke Industrialisierung und Zuwanderung sind bestimmende Momente in beiden Gebieten.

Gewaltige Unterschiede bestehen allerdings im Bewusstsein der handelnden Akteure, vor allem bei den politischen Entscheidungsträgern. Während sich die Bezirksvertretung Haspe gerne mit Brauchtumsklimbim wie dem inflationären Aufstellen von „Kirmeseseln“ beschäftigt (z.B. hier), dafür aber die seit Jahrzehnten eingewanderten Hasper bis heute nicht zur Kenntnis nimmt und diese sogar punktuell bekämpft (siehe: Latenter Rassismus in der BV Haspe?), legt Gevelsberg Wert darauf, eine Stadt zu sein, die offen für kulturelle Vielfalt und für neue Ideen ist.

Um dieses tolerante und weltoffene Verständnis der Bürgerschaft weiter zu stärken, engagiert sich bereits seit 2008 das Gevelsberger Aktionsbündnis für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt. Dieses Bündnis wird von einer breiten Vielfalt unterschiedlicher Gruppierungen getragen.

Dazu zählen alle im Rat vertretenen Parteien, Gewerkschaften, die Volkshochschule, Kirchengemeinden, Schulen, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der Stadtsportbund, der Antifaschistische Arbeitskreis und viele andere mehr.

Jahr für Jahr möchte das Bündnis mit seinem Engagement das vielfältige, gewaltfreie und demokratische Miteinander in der Stadt fördern und darf in diesem Jahr voller Stolz die 10. Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt ausrichten.

Gemeinsam wollen die Bündnispartner mit einer Jubiläumsveranstaltung und den diesjährigen Programmpunkten an die Aktionen der vergangenen Jahre erinnern, die gegenwärtige Vielfalt in Gevelsberg feiern und auch in Zukunft Sorge dafür tragen, dass in dieser Stadt alle Menschen gleich welcher Nationalität, Herkunft oder Religion friedvoll und ohne jede Diskriminierung zusammen leben können.

Das umfangreiche Programm kann hier heruntergeladen werden (pdf)

58 Fragen an Hagens SPD-Bundestagsabgeordneten René Röspel

14. September 2017

58 Fragen, die die Bundestagsabgeordneten so noch nie gestellt bekommen haben. Vom ersten Zungenkuss bis zum Wahlprogramm.

Der Bundestagswahlkampf biegt auf die Zielgerade ein. Die Gesichter der Politiker sind allgegenwärtig – und der eine überbietet den anderen beim Phrasendreschen.

Die Stadtredaktion geht einen anderen Weg. Wir haben den Kandidaten von SPD und CDU für den Wahlkreis 138 (Hagen/EN-Süd) – in Anlehnung an die Postleitzahl – 58 Fragen gestellt, die sie so nie gestellt bekommen. René Röspel (SPD) macht den Anfang. (…)

Quelle: wp.de

Anmerkung: Auf dieses Machwerk der WPWR sei nur hingewiesen, weil es exemplarisch zeigt, in welcher Liga dieses Provinzblatt spielt. Obwohl am 24. September eine Entscheidung über die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland ansteht, mindestens die der kommenden vier Jahre, entblödet sich diese Gazette nicht, auf billigsten Boulevard herabzusinken.

So antwortet Röspel auf die Frage, was er nach 100 Tagen in der neuen Legislaturperiode erreicht haben will:Ich hoffe, dass wir bis dahin etwas mehr für die Entlastung der Kommunen auf Bundesebene erreicht haben werden.“ Die folgerichtige Nachfrage, was er und seine Partei denn bislang in dieser für die Stadt lebensnotwendige Angelegenheit erreicht haben, fehlt natürlich.

Stattdessen allerlei Klimbim auf Yellow-Press-Niveau. Typisch WPWR halt – Unterhaltung für Dorfbewohner. Und das Blatt droht schon mit Fortsetzungen.


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