Lokalpresse und AfD: Es geht auch anders

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Erfrischender Klartext in der WPWR-Ausgabe EN-Südkreis

Man kann nicht so richtig erahnen, was die Besatzung des Hagener Pressehauses wirklich umtreibt. Vieles wird an den dortigen Schreibtischen als vermeintliches Alleinstellungsmerkmal der Stadt erdacht: Müllprobleme, Schließungen irgendwelcher Läden und jede Art von Kleinkriminalität.

Lauter Dinge, die es so oder in ähnlicher Form in allen Städten dieser Größenordnung gibt – mit denen man aber das Publikum erschrecken kann, weil der Eindruck erweckt wird, das sei nur in Hagen so schlimm.

Eine ganz andere Betrachtungsweise legen die Stadtschreiber an den Tag, wenn es sich um fundamentale Bedrohungen der Demokratie in diesem Land und damit auch in dieser Stadt handelt. Es geht um die Präsentation der AfD im heimischen Blättchen – eine gewisse Schizophrenie dabei inbegriffen.

Letztere besteht darin, dass sich die Redakteure mit großem Engagement über eine abgehängte Staatsflagge Israels hermachen und ein Einknicken vor Islamisten sehen. Einerseits. Dem hiesigen AfD-Kandidaten für den Bundestag aber derweilen den blau-braunen Teppich ausrollen. Andererseits.

Während Redaktionsleiter Jens Stubbe mit viel Mitgefühl vom schwitzenden AfD-Mann Andreas Geitz berichtet und davon, dass dessen Kinder womöglich die Grünen wählen wollen („Menscheln mit der AfD“), schlägt sein Kollege Stefan Scherer von der WPWR-Ausgabe aus dem benachbarten EN-Südkreis (Schwelm/Ennepetal/Gevelsberg) ganz andere Töne an.

Mit Blick auf die Entwicklung der AfD schrieb er in einem Artikel am 02.07.2021 (Bezahlschranke):

Aus Europakritik wurde nationalsozialistisches Gedankengut, vom Liberal-Konservativen rutschte das ideologische Fundament der Partei ins Rechtsextreme. Der gemäßigte Gründer Bernd Lucke trat aus, Faschisten wie Björn Höcke wurden zu den neuen Gesichtern der Partei.

Scherer berichtet von einem “offen von nationalsozialistischer Rhetorik durchzogenes Parolen-Gedresche, das die AfD vor der Wahl mit Berichten aus dem Kreistag garniert“.

Scherer durchschaut auch die Abwehrreflexe eines Kreistagsmitglieds der AfD, der kundtat: „Ich kann dieses Gerede von Rechtsextremismus echt nicht mehr ertragen. Leute mit solchem Gedankengut wollen wir im Kreisverband nicht haben. Wir prüfen jeden Einzelnen sehr genau, haben schon einige abgelehnt.“

Zutreffend erkennt Scherer das „doppelte Spiel des AfD-Fraktionsvorsitzenden, versöhnlich zu wirken, um gleichzeitig doch Hass zu schüren“. Auch die Israel-Karte, die die AfD zieht, durchschaut der Redaktionsleiter EN-Südkreis (im Unterschied zu seinen Hagener Kollegen) sofort:

Die AfD stellte den Resolutionsantrag „Solidarität mit Israel und Wittens Partnergemeinde Lev Hasharon – Antisemitismus und Bombenterror gegen Israel verurteilen“. Unter der Überschrift, ein friedliches Ziel zu verfolgen und den Judenhass, den zahlreiche Muslime in Deutschland im Rahmen von Demonstrationen auf offener Straße verbreiteten, zu verurteilen, zeigt sich im Schreiben und der Begründung schnell ein anderer Kern: Hass und Hetze gegen den Islam insgesamt.

In einem Kommentar (Bezahlschranke) zieht Scherer ein Resümee: „Zwar ist die Zeit der plumpen Nazi-Skins (…) vorbei, doch nur weil Worte blumiger werden und der Sprecher Anzug anstatt Bomberjacke trägt, wird dies nicht menschenwürdiger. Im Gegenteil: Die Taktik, sich gewaltfrei, kämpferisch, in der Gesellschaft integriert und gut gebildet zu präsentieren, halte ich für wesentlich gefährlicher – und sie scheint zu funktionieren.“

Ein Klartext, den man in der Hagener Redaktionsstube vergeblich sucht.

PS.: Die Verkaufszahlen der Funke-Blätter liegen im EN-Südkreis, im Verhältnis zur Einwohnerzahl, um fast ein Fünftel über denen in Hagen. 

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