Archive for the ‘10 Rösners Hagen-Glosse’ Category

Sex mit Bob Dylan und der Feuerwehr

25. November 2018

von Christoph Rösner

Was haben zwei so unterschiedliche Gebäude wie eine Kirche und ein Feuerwehrgerätehaus gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Aber: Beide stehen in Hagen.

Und jetzt wird´s interessant.

Einschränkend muss konstatiert werden, dass das eine, die Johannis-Kirche, bereits als ältestes Gotteshaus an ihrem Platz steht. Gott sei Dank! (Man stelle sich vor, es müsste erst ein Bauantrag …) Das andere, das Feuerwehrgerätehaus in Halden, würde gerne stehen, darf aber nicht.

Ich will es mal so sagen: wir Älteren wissen, was es bedeutet, wenn etwas gerne stehen würde aber nicht darf oder kann. Ich denke, dieses Phänomen ist auch in Kantoreikreisen nicht ganz unbekannt.

Und deshalb hat nun am 24. November Roland Pröll, seines Zeichens neuer Chorleiter für sakrale Kirchenmusik, kraftvoll und mit Stütze stimmlich unterstützt von seinem Chorleiter Klaus Beermann, radikal klargestellt, dass Popmusik nicht in die Kirche gehört, denn, Zitat: „ … beim Pop gehe es um Sex.“ Wow!

Und deshalb, so der Vorkämpfer der reinen Hagener Kirchenlehre weiter im selben Artikel der WP vom 24.11.: „ …gehören Bob-Dylan-Songs nicht in die Kirche.“

Basta!

Nur mal für jene sexfreien Kirchenkreise zur Aufklärung oder zur Erhellung: Einer von Bob Dylans größten Songs lautet NICHT: Fuckin´on heavens floor …, er lautet: Knockin´on heavens door … in dem eine Strophe übersetzt soviel bedeutet wie:

Mama, leg meine Waffen auf den Boden
Ich kann mit ihnen nicht mehr schießen
Diese lange schwarze Wolke kommt herunter,
Ich fühle mich als klopfe ich an die Himmelspforte.

(Mama, put my guns in the ground
I can’t shoot them anymore
That long black cloud is comin‘ down
I feel I’m knockin‘ on Heaven’s door)

Jetzt kann es ja passieren, dass das Wort „Himmelspforte“ bei dem einen oder anderen Kantor oder Chorleiter unerlaubt sündige Assoziationen freisetzt – meinetwegen, geschenkt – aber dem Helden unserer Jugend und Literaturnobelpreisträger Dylan nun ein Hausverbot in der Johanniskirche zu erteilen, geht mir schlicht zu weit.

Auch wenn Roland Pröll „ … ein ganz anderes Verständnis von kirchlicher Musik hat“, das man ihm lassen sollte, muss er die Kirche doch im Dorf lassen!

Und wenn er überzeugt davon ist, „ … mit gottesdienstlichem Singen könne man den Glauben stärken“, soll ihm niemand seine Überzeugung nehmen.

Aber übertreiben sollte er seine sittenstrenge Haltung auch nicht. „Mit Popmusik geht das nicht, die führt sogar weg vom Glauben.“ Hat er gesagt.

Gut, dass man in Hagen wegen jedem Bauantrag – ob mit oder ohne popmusikalische Begleitung – den Glauben verlieren kann, ist ja hinlänglich bekannt. Aber wegen Pop-Musik derart aus der Zeit zu fallen wie der gute Sangeslehrer Pröll, ist schon ein wenig verhaltensauffällig.

Denn das Kürzel Pop kommt von populär und nicht von poppen. Hätten wir das jetzt geklärt?

Oder gehören die Herren Pröll und Beermann auch zu jenen Deutschen, die meinen, Erotik komme von erröten? Hoffe ich doch nicht.

Apropos erröten: Wenden wir uns bereits genanntem Feuerwehrgerätehaus in Halden zu.

Es darf nicht nur nicht stehen, es darf – vorerst –  nicht mal aufgerichtet, bzw errichtet werden. Warum nicht? Weil es der auch für die Feuerwehr zuständige Rechtsdezernent und unser Leib- und Magenbeigeordneter Thomas Huyeng versemmelt hat. Natürlich stellt er sich blitzschnell vor seine Beamten in der Stadtverwaltung und verbreitet die offizielle Sprachregelung: „Es sei ein Fehler in der Verwaltung passiert. Für das seit vielen Jahren geplante Objekt liege noch kein Bauantrag vor. Ich habe das eben erst erfahren, aber unter diesen Umständen ist es besser, Spatenstich und Grundsteinlegung zu verschieben. Ich kann nur sagen, dass es mir sehr leid tut.“ (Quelle: WP 24.11.18)

Da stehen Spaten bereit, eine Kupferhülse für den Grundstein samt Dokumenten, Geldmünzen und der Tageszeitung, 100 Feuerwehrleute freuen sich auf die Grundsteinlegung, und dann tut es Huyeng leid? Eigentlich kann man das nicht kommentieren. Eigentlich muss man das so stehen lassen.

Außer, man findet eine passende Zeile aus einem anderen, weltberühmten Sexpop-Song:

Deep in my heart I do believe: We shall overcome some day.

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Gegenwind besser als Flaute

18. November 2018

von Christoph Rösner

Endlich durften sich die Fraktionen bzw. ihre Vorsitzenden mal wieder so richtig echauffieren. Die böse „Verbotspartei“ hatte wieder fürchterlich zugeschlagen.

Wollten sie dem gebeutelten Häuslebauer doch tatsächlich vorschreiben, wie er seinen Vorgarten zu gestalten hat!

Irrsinn! Panik! Meins! Meins! Meins! Es lebe die Freiheit!

Leider – und so sieht derweil die noch eher altbackene Öffentlichkeitsarbeit der Grünen in Hagen aus – leider relativierten sie augenblicklich ihre angemessene, richtige und überfällige Forderung, weil ihnen augenblicklich ein kraftvoller Gegenwind parteiübergreifender Empörung ins Gesicht blies. Dies solle nur für Neubauten gelten.

„In erster Linie war es ja auch unser Ziel, eine Diskussion anzustoßen“, ließ sich der Vorsitzende des Umweltausschusses, der Alt-Grüne Hans-Georg Panzer in der WP zitieren. Subtext: ´Tschuldigung, war ja nicht so gemeint.´

Doch merke: Wenn alle ihr Wortegebläse anwerfen, ist Wegducken die Falscheste aller Reaktionen!

Diese Wegducken lässt sich sicherlich damit erklären, dass die Grünen in Hagen selbstbewusstes Auftreten und radikales Vertreten ihrer ureigenen Themen in den vergangenen Allianz-Jahren ein wenig verlernt haben … Dass ihnen aber exakt diese Tugenden im Bund inzwischen Traumzahlen in Wahlergebnissen und Umfragen bescheren, scheint irgendwie in die Hagener Diaspora noch nicht vorgedrungen zu sein. Aber sei´s drum, noch ist nicht aller Hoffnung Abend …

Ergo: Genau hinschauen und ruhig abkupfern, wenn andere etwas absolut richtig machen.

Herrlich konsequent dagegen die Reaktionen der anderen Fraktionen.

Stephan Ramrath, Fraktionschef der CDU, hält es „für zu hoch gegriffen, den Bürgern vorzuschreiben, wie sie ihren Garten zu gestalten haben.“ Und kreativ und in hohem Maße gesetzestreu schlägt er eine CDU-typische Lösung vor, man könne doch Bebauungsplänen den Hinweis, dass Steingärten ohnehin nicht im Sinne der Landesbauordnung seien, beifügen.

Als schlagender Beweis für Ramraths ausgewiesene Expertise hierzu nur Paragraph 9 aus der Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen – Landesbauordnung (BauO NRW)

§ 9 Nicht überbaute Flächen, Spielflächen, Geländeoberflächen

(1) Die nicht überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen, zu begrünen, zu bepflanzen und so zu unterhalten, soweit sie nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden. Werden diese Flächen als Zugänge, Zufahrten, Flächen für die Feuerwehr (§ 5), Stellplätze, Abstellplätze, Lagerplätze oder als Arbeitsfläche benötigt, so kann auch deren Wasseraufnahmefähigkeit, Begrünung und Bepflanzung verlangt werden, soweit es Art und Größe dieser Anlagen zulassen. Ist eine Begrünung oder Bepflanzung der Grundstücke nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich, so sind die baulichen Anlagen zu begrünen, soweit ihre Bauweise und Gestaltung es zulassen und die Maßnahme für die Bauherrin oder den Bauherrn wirtschaftlich zumutbar ist.

Ist das nicht niedlich? Ramrath schreibt ein Zettelchen und fügt es § 9 als kleinen, nicht wirklich verbindlichen Hinweis bei. So geht konsequente Politik!

Die SPD – ach ja, die SPD – die mischt natürlich auch mit und begründet ihr Nein zum Grünen-Vorstoß, der „ohne Not in das Eigentum und die Privatsphäre der Bürger eingreife.“ Richtig, liebe SPD, Not kennt nur Ihr. Die Natur, die Insekten und schlussendlich wir alle kennen diese Not natürlich nicht.

Und Josef Bücker von Hagen Aktiv präferiert einen Artenschutzexperten für Hagen. Was der wohl sagen würde, wenn er durch unsere Stadt flaniert … ´diese Steingärten, nein, überall diese abstoßenden Steingärten …`

Der gute Linke Ingo Hentschel salutiert:“ „Für mich ist das, was die Grünen da vorhaben, nicht nachvollziehbar. Wir haben mündige Bürger, die wissen, was sie tun.“ Das glaubt der tatsächlich …

Wie immer, schießt Claus Thielmann von der winzigen FDP-Fraktion den Vogel ab. „Wo kommen wir hin, wenn das Umweltamt beurteilt, was schön oder zeitgemäß ist?“

Wo wir da hinkämen, möchte ich Euch Gebläsebetreibern gerne mit auf den Schotterweg geben. Dahin nämlich, dass man ein kraftvolles Signal setzen könnte. Ein Signal, dass es in der weiten Wüstenei unseres Landes eine Stadt gibt, die § 9 der Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen – Landesbauordnung (BauO NRW) anwendet!

Und wir kämen sogar noch weiter. Wir könnten die permanente Beleidigung des ästhetischen Empfindens beenden – keine so schlechte Maßnahme in dieser Stadt –  könnten sogar erreichen, dass sich ganze Stadtbilder zum Besseren verändern.

Da, wo der stolze 280 PS SUV-Besitzer sich gerne seine eigene, winzige Schotterpiste baut, damit sein Umwelt vernichtendes, anachronistisches Geschoss wenigstens zuhause ein kleines bisschen Legitimation tanken kann, würden plötzlich Bienen und Insekten seinen Hochglanzpanzer umschwirren – welch eine wunderbare Vorstellung!

Lasst die mündigen Bürger*Innen ruhig aufjaulen, das legt sich wieder, zumal gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, sind sie doch endlich wieder damit abgelenkt, ihre hübschen Steinwüsten mit grell- bis blauweiß LED-illuminierten Plastiktannen zu bepflanzen.

Es gibt nicht so sehr viele Möglichkeiten, der Unvernunft, der Ignoranz und der grenzenlosen Gleichgültigkeit Einhalt zu gebieten. Hier gäbe es sie.

Also, frisches Grün ins Grau und nicht nur bei neuem Bau!

Ich verrat Euch was…

9. September 2018

von Christoph Rösner

Es geht gerade unaufhaltsam aufwärts mit Hagen. Hagen ist Frust- Schulden- und Nazifrei? Hagen ist beliebt wie nie!

Und alles wegen der NDW, oder dem, was noch von ihr übrig ist.

Ironie aus! Tolle Ausstellung im KEO, und ein herzlicher Dank an Heike Wahnbaeck, der wir diese nostalgisch, schöne NDW-Zeitreise mit Familienzusammenführungscharakter verdanken. So sehen Leute aus, die sich hier was trau´n und schaffen. Chapeau!

Ironie schleunigst wieder an: Hagen. Popstar. Glück. Glück! Und Hagen! … „Die Alptraumstadt, in der ich lebe, da wo die Menschen sich nicht trau´n“, „mal außer der Reihe, ihre Zukunft zu bau´n.“

Schöne, alte Zeilen, als solche Breiten-Songs als Fanal für eine neue Zeit, ein anderes Leben verstanden und gemeinsam geschmettert wurden.

Wobei wir bei Erik Olaf Schulz wären.

´Wie jetzt, singt der etwa auch solche subversiven Lieder mit?´

Eher nicht, weil dann die Songzeile etwas anders lauten müsste: „Die Alptraumstadt, in der ich lebe, da wo nur wenige sich trau´n, so wie ich, ihre eigene Zukunft zu bau´n … „

Eines muss man unserem OB aber lassen, so rein ästhetisch, modisch, meine ich.

Hier macht er sich verdammt gut in dieser Stadt. Beim weißen Dinner, bei der Einweihung der NDW-Ausstellung im KEO, beim Àuftakt` im Theater – immer schick und adrett, immer picco bello, unser OB. So ganz anders als die Masse modisch Derangierter hier, die er ebenfalls zu repräsentieren hat, aber das wäre schon wieder ein völlig anderes Thema…

Da hat doch dieser Tage seine Hauspostille eine Umfrage gestartet: „Schulz macht gute Arbeit“ versus „Schulz ist kein guter OB“.

Selbstverständlich habe ich die unzähligen Kommentare unter der FB-Seite der Westfalenpost gelesen und mir ungläubig die Augen reiben müssen ob der Lobpreisungen, die aus den Kommentarspalten trieften.

Unwillkürlich fiel mir Jean Baptiste Grenouille ein, der seiner Hinrichtung nur dadurch entkam, dass er huldvoll sein einzigartiges Parfüm unter die Massen zerstäubte, die daraufhin in beseelter Trance und sexueller Enthemmung übereinander herfielen.

Ja, hat denn unser OB auch son Zeug? Verbringt er etwa seine Zeit nicht nur vor dem Spiegel sondern auch damit, dieses benebelnde, paralysierende Zeug zusammen zu mixen, um es bei seinen täglichen Gängen durchs Städtchen mit seinem Einstecktüchlein unters lustvoll lechzende Volk zu wedeln?

Oder wie soll man jene an Ehrerbietung grenzenden Kommentare deuten? „…ein Glücksfall für Hagen…“, „Das Beste seit langen, was Hagen als Oberbürgermeister hatte.“, „unser OB […] macht sie schöner und besser und erfolgreicher, unsere Stadt…“, „Er persönlich ist ein Mann mit Format und sehr intelligent. Hatte das Vergnügen ihn kennen zu lernen.“ „ Hut ab – Top Job!“ Und, und und …

Jetzt mal ehrlich: Ist der wirklich so gut? Und ich bin mal wieder der Einzige, dem das partout nicht auffallen will?

Sterbende Quartiere – gibt´s gar nicht? Feinstaubbelastung nebst drohenden Fahrverboten – Illusion? ÖPNV – Vollversorgung? Versemmelte Fristen für Förderungen- Fehlinformation? Theaterdesaster vor zwei Jahren – nicht stattgefunden? Die Unzufriedenheit zahlreicher Unternehmer in Hagen – Einbildung? Vermüllung – hat er selbst weggemacht – noch was? Kitas, Schulden, Grundstücksmauscheleien und erst die Stimmung in Hagen – grandios?

Butter bei die Fische, weil ich auch morgen früh noch lächelnd in den Spiegel schauen will: Bisher hat als einzige Partei die Ja! – die FDP – öffentlich bekundet, dass sie Schulz im Kommunalwahlkampf unterstützen will. Ich bezweifle, dass sämtliche FB-Kommentatoren FDP-Anhänger sind, und dieses Häuflein repräsentiert wohl nicht irgendeine Mehrheit in Hagen.

CDU? SPD? Fehlanzeige.

Die CDU versucht gerade, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, indem sie sich mit der großen Frage beschäftigt, wie ein „Hagener Präventionsrat“ installiert werden könnte.

Und die SPD, dieser miese, kleine Intrigantenclub? Der schickt sich gerade an, jeglichen Rest von Menschlichkeit und Solidarität über Bord zu werfen. Beinharte Bübchen diktieren ihrem Schreiberling Martin Weiske das Vorgehen in Sachen Mark Krippner und „Unterwanderung“ in die verschrumpelte Feder und entblöden sich öffentlich, ihren Genossen aus Hohenlimburg mit Hilfe der Staatsanwaltschaft aufs Übelste in die Knie zwingen zu wollen, nur um den eigenen, verrotteten, postengeilen Arsch zu retten.

Und die Grünen? Nichts Genaues weiß man noch nicht  – klare Positionierung jedenfalls weit und breit nicht zu erkennen. Aber das kommt noch … weil irgendwas immer kommt.

Gemunkelt wird allerdings Folgendes: Aber PSSST! Nicht weitersagen! … ein altgedientes Schlachtross – seines Zeichens Eselliebhaber – soll sich bereitmachen, die Wahlkampfshow zu rocken, vermutlich im Schulterschluss mit der CDU, die ohnehin nur noch unter „Sonstiges“ firmiert.

Große Koalition also, die soll´s wuppen in Hagen. Mit Dietmar vorne weg! Herrlich!

Und Erik Olaf, der elegante Verräter? Vielleicht erinnert sich ja noch jemand, dass Erik O. Schulz es war, der für die Kandidatur zum OB-Posten seine langjährige Mitgliedschaft bei den Spezialdemokraten aufgekündigt hat, um sich von CDU, FDP und Grünen inthronisieren zu lassen.

Verräter sind in der SPD ganz schlecht angesehen, und ganz besonders bei Werner König, der zwar selbst schon mal Kollegin Nesrin Öcal nach einer Zwischenbemerkung mit dem Satz „Halt Dein Maul!“ maßregelt aber ansonsten doch eher als graue Eminenz Hof hält und die Strippen seiner Bübchen in seinen starken Händen hält. Solche Leute vergessen niemals. Schon gar nicht VERRAT!

Außer, Erik Olaf würde reuevoll und rechtzeitig zum Kommunalwahlkampf aus der kalten Parteilosigkeit seinen persönlichen Gang nach Canossa antreten, und die Eminenz um Verzeihung bitten, wiedereintreten ins warme Nest…. um dann gemeinsam – zur Verhinderung des Alten – sich erneut aufstellen zu lassen – bei DEM Sympathietsunami sicher eine sichere Bank.

Alles nur Hirngespinste? Wir werden sehen.

Auf jeden Fall, und damit wären wir wieder bei der Umfrage der WP, ich habe mir mein Urteil gebildet – aber ich verrat´s Euch nicht.

Eine überfällige Richtigstellung

13. Juni 2018

von Christoph Rösner

Ja Leute! Ist es denn wirklich so schwer, genau hinzuschauen oder mal ein Impressum zu lesen?

`Was will er denn jetzt schon wieder? `

Ich sag´s Euch. Ich möchte einfürallemal aufräumen. Und zwar mit diesem Durcheinander, die Urheberschaft und die Arbeit des Doppelwacholders betreffend.

Hierzu der Kommentar von Jürgen Schäfer:

Jürgen Schäfer Says:
9. Juni 2018 um 18:50 | Antwort

Sehr geehrter Herr Rössner,

vielen Dank für Ihre aufmerksam-kritische Sichtung des Zeitungsartikels. Sie haben es auf den Punkt gebracht: Wir wollten die Bebelstraße positiv in die Schlagzeilen bringen, damit deutlich wird, dass es dort mit der KiTa eben auch munteres Leben gibt. Ein türkischer Investor saniert mittlerweile die leergezogenen Häuser, so dass in einem halben Jahr dort neue Mieter kommen werden.

So froh wir über den Wegzug der rumänischen Familien sind, so wenig sehen wir einen Anlass, dies zu feiern. Unser Motto – das die Eltern ausgewählt haben, lautete ja: „Auf geht’s“. Also Zukunft in den Blick nehmen, die Vergangenheit brauchen wir nicht mehr in den Blick zu nehmen.

Von daher noch mal Dank für Ihre Kommentare im DW.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Schäfer

Selbstverständlich habe ich Herrn Schäfer geantwortet:

Christoph Rösner Says:
11. Juni 2018 um 15:20 | Antwort

Lieber Herr Schäfer. Die „Ehre“ und Ihr Dank gehören nicht mir, sondern Winfried Symanzik. Er ist der Verfasser und aufmerksam-kritischer Sichter des Artikels. Im Übrigen ist WS – so das Kürzel unter dem Titel – der unentwegte, fleißige, aufmerksame und vor allem hauptverantwortliche für den Doppelwacholder. Ich trage nur ab und zu und in unregelmäßigen Intervallen zum Gelingen des DW bei. Trotzdem herzlichen Dank für den Dank. Ihr Christoph Rösner

Und : […] Hansimäuschen Says:
11. Juni 2018 um 20:14 | Antwort

„Ich habe zwar keinerlei Kenntnisse bezgl. Hintergründen, Begleitumständen etc. beim DW […] es aber so, wie es Herr Rösner erklärt, vermutet. Jedenfalls dürfte es sich um eine Sauarbeit handeln, die Respekt verdient.“

Richtig ist, dass die tägliche Pflege dieser Website https://doppelwacholder.wordpress.com tatsächlich eine ordentliche „Sauarbeit“ ist.

Richtig ist, dass laut Impressum gemäß § 10 Absatz 3 MDStV folgende Autoren inhaltlich verantwortlich zeichnen:

Jörg Oberwahrenbrock (jo), Winfried Symanzik (ws), Christoph Rösner (chroesner). Presserechtlich verantwortlich für Gastbeiträge ist der jeweils genannte Autor (Anschrift wie oben).

Warum nun diese detaillierte Auf- bzw Richtigstellung?

Weil es nötig ist! Weil ich nicht dauernd in der Wahrnehmung unserer Leserinnen und Leser, die täglich mehr werden, als Macher des DW gelten und als solcher angesprochen werden will. Ich werde gerne gelobt, ja, und ich respektiere Kritik, selbstverständlich, aber dauernd mit fremden Lorbeeren rumlaufen, nervt.

Ja, ich haue vielleicht drei oder vier Glossen – pro Jahr! – raus, mit denen ich gerne, gewollt und völlig absichtlich bestimmten Leuten in HA auf die Füße trete, mehr aber auch nicht.

Ja, und auch das ist richtig, meine Glossen verfehlen ihr Ziel in den seltensten Fällen, vielleicht weil sie so geschrieben sind, wie sie es sind, vielleicht auch, weil ich mit ihnen einen Nerv treffe bei jenen, die noch kritisch hinterfragen, was ihnen von der Einheitspresse oder der Politik täglich untergejubelt wird.

Aber ich bin nicht der DW! Die Ehre gebührt einem Mann, der wirklich tagtäglich recherchiert, liest, kritisch sichtet, schreibt und publiziert, und das alles ohne jegliche Aufwandsentschädigung. Winfried Symanzik.

Dieser Winfried Symanzik – Kürzel WS! – unter beinahe jedem Artikel zu finden! – verrichtet diese unverzichtbare Arbeit tatsächlich täglich ohne jede Bezahlung, wie im Übrigen auch die anderen Autoren.

Ja, wir sind so bescheuert!

Wir zelebrieren keine Redaktionssitzungen, bei denen wir Polizeimeldungen oder die Fotos entlaufender Hundchen sichten oder andere wichtige Themen des Tages ausbaldowern. Wir kommunizieren unregelmäßig, mehr ist auch gar nicht vonnöten, weil wir uns einig sind. Einig im Umgang mit dieser Stadt, ihrem (Rest)-Medium und den Zuständen, die diese Stadt zu dem Gebilde machen, an dem so viele Hagener und Hagenerinnen zurecht verzweifeln.

Und da der DW wirklich UNABHÄNGIG ist, erlauben wir uns die schmerzenden Spitzen, die satirischen Rempler und die sauber recherchierten Texte.

Das ist auch der Grund, warum der Doppelwacholder geliebt und respektiert und gleichzeitig gehasst wird. Geliebt und respektiert von jenen, für die wir ein kleines aber bedeutendes Sprachrohr geworden sind, gehasst bei jenen, die es verabscheuen, wenn ihre Machenschaften, ihre (politischen) Dummheiten und ihr Dilettantismus offengelegt werden. Aber gerade bei jenen hat sich der Doppelwacholder inzwischen zur Tageslektüre gemausert… wunderbar!

Einigen politischen Freunden wird es nicht entgangen sein, dass wir durchaus auch sie nicht verschonen, wenn´s Not tut …

Also: Ehre, wem Ehre gebührt. Und sie gebührt nun mal dem Gründer und Betreiber des Doppelwacholder, Winfried Symanzik, der irgendwo in Haspe zwischen roten Eseln und nie versiegenden Schnapsrinnsalen (oder-bächen) einen Großteil seines Tages damit verbringt, Euch und uns ein wenig mehr Licht ins Dunkel dieser Stadt zu bringen.

Wer liest, ist klar im Vorteil. Die Autorenschaft wird bei uns immer klar gekennzeichnet, und … WS und ich sind uns doch nicht immer einig.

Er hasst nämlich Fatzebuck, ich liebe Fatzebuck.

Dort mache ich im Kleinen und viel regelmäßiger das, was ich im Doppelwacholder unregelmäßiger und ausschweifender mache: mich einmischen, freche Kommentare absondern, Leuten auf die Füße treten – und das mit ganz viel Freude!

https://www.facebook.com/christoph.rosner.50

Ist das jetzt endlich geklärt!!?? Na, hoffe ich doch.

Ihr/Euer Christoph Rösner

Gutsherren unter sich

18. Mai 2018

von Bürger Christoph Rösner

Tja, liebe Leute, es ist mal wieder soweit. Eine neue Glosse aus der Rubrik: „Für so’n Scheiß haben wir hier keine Zeit.“

Wobei, so ganz stimmt das diesmal nicht. Denn bestimmte Leute in Hohenlimburg haben offensichtlich ganz viel Zeit, sich mit richtigem Scheiß zu beschäftigen.

Worum geht’s?

Im Gotenweg in Hohenlimburg soll ein vergrößerter LIDL-Markt entstehen. Gegen diese Pläne wehren sich die Einzelhändler – versammelt in der Werbegemeinschaft Hohenlimburg e.V. unter der Ägide einer sehr engagierten Frau, Maibritt Engelhardt.

Leider leidet diese engagierte Frau unter einem fürchterlichen Makel: sie kommt aus Bochum! Und das täglich! Muss man sich mal vorstellen – täglich von Bochum nach Hohenlimburg, nur wegen eines alteingesessenen Uhren- und Schmuckgeschäftes, das sie in der Innenstadt betreibt, das muss doch Spuren hinterlassen … sei’s drum, sie tut es trotzdem und reibt sich förmlich auf für die Belange der Hohenlimburger Einzelhändler. Und gut vernetzt und informiert ist sie auch noch!

Aber: seit kurzem hat Maibritt Engelhardt die Schnauze voll. Weswegen? Wegen LIDL? Nein. Wegen einer desaströsen Abstimmung in der Hohenlimburger Bezirksvertretung vor gut zwei Wochen. Dort haben sich die Hohenlimburger CDU, die Bürger für Hohenlimburg und Hagen Aktiv mehrheitlich für den Neubau und die Erweiterung ausgesprochen.

Dass ein aus Steuergeldern finanziertes und von den Hohenlimburger Bezirksvertretern beschlossenes Einzelhandelskonzept für Hagen existiert, welches den beiden Hohenlimburger Zentren „City“ und „Möllerstrasse“ (Elsey) Schutz gewähren und weitere Einzelhandlungsansiedlungen außerhalb dieser Zentren verhindern soll, soll hier nur am Rande Erwähnung finden.

Wer aber jetzt glaubt, „Schnauze voll“ bedeute, dass diese Zugereiste ihre Selbige jetzt auch endlich hält, der irrt gewaltig. Denn die an viele Verteiler versendete Email des Herrn Peter Leisten – seines Zeichens EHRENAMTLICHER! Fraktionssprecher der CDU in Hohenlimburg, brachte nicht nur Engelhardts Blut in Wallung.

Dieser Peter Leisten – er kann sich´s halt leisten… (kleines Wortspiel) hat sich am 12. Mai wohl vorgenommen, seine Beliebtheit in diesem entzückenden Städtchen bis ins Unermessliche zu steigern mit oben genannter Mail, in der es u.a. wie folgt heißt:

[…] … ich lasse mir von einer Bochumerin nicht sagen : „Allen anderen (CDU, BfHo und Hagen Aktiv) kaufe ich ein ernsthaftes Interesse am Fortbestand der Innenstadt nicht länger ab. Investoreninteressen sind offenbar wichtiger als historisch gewachsene Zentren und die Einhaltung bindender Konzepte zu deren Schutz.“ Die Unterstellung des Lobbyismus für Investoreninteressen ist beleidigend und grundsätzlich lass ich mich auch von keinem Bochumer über Hohenlimburger Belange belehren. Von Arnsbergern im übrigen auch nicht.“ […]

Schon erhellend, nicht? Wie solche ehrenamtlich Tätigen, aus Steuergeldern Aufwandsentschädigte sich äußern, nicht? Nicht nur arrogant, sondern auch noch falsch.

(Zur Verdeutlichung der gesamten Thematik kann unten sowohl die Mail des Herrn Leisten, als auch die kluge wie unaufgeregte Replik Maibritt Engelhardts nachgelesen werden).

Dass die Werbegemeinschaft Hohenlimburg ein eingetragener Verein ist – also Gewinne entsprechend reinvestieren muss – interessiert Peter Leisten nicht. Stattdessen behauptet er lieber das Gegenteil: Zitat:

[…] „Ich sehe uns nicht als instrumentalisierte Marionetten eines einzelnen ehemaligen Stadtteiles oder gar einer kommerziellen und gewinnorientierten Vereinigung wie etwa der Werbegemeinschaft einiger Einzelhandelsbetreiber in der Innenstadt. Wir arbeiten streng ehrenamtlich und im Interesse aller.“

Soviel ertragloses Ehrenamt wünscht Bürger sich eigentlich von seinen Politikern, aber, ach, lassen wir das … man fühlt sich halt auf der sicheren Seite mit dem Geburtsrecht und der Mehrheit in der Bezirksvertretung im Rücken. Da kann mal schon mal den Gutsherren raushängen lassen – wieso fällt mir gerade eine schwarze, verdörrte Hand ein? … Egal …

Wir konstatieren: Verraten und verkauft werden wir sowieso – nur, und das mildert die ganze Sache gottlob etwas ab – von ehrenamtlichen Funktionären, die auch einen originalen Hohenlimburger Stammbaum vorzuweisen haben. Wär´ja noch schöner! Und schlimm, wenn´s anders wäre.

Und die „Arnsberger“? Die werden diese Äußerungen des mit Lennewasser getauften Gutsherren wohl mit Freude und hoffentlich auch mit angemessenem Interesse zur Kenntnis nehmen.

Aber es gibt auch Positives zu vermelden: Nicole Pfefferer (GRÜNE) und Mark Krippner (SPD) haben gegen diesen desaströsen Beschluss gestimmt. Das lässt hoffen, nicht nur für Hohenlimburg. Denn hier scheint sich die erste Allianz der Vernunft in Hagens Geschichte zu formieren.

Ach, und noch etwas, da fällt mir gerade ein Gedicht in die Hände, das Francois Villon vor mehr als einen halben Jahrtausend gedichtet hat, ein angemessenes, wie zeitloses Gedicht, wie ich finde …

Die Ballade vom Appell Villons an das Parlament

Als man den Galgen mir hat zudiktiert,
da hab ich an den Reichstag appelliert.
Denn jedes Tier, das hier auf Erden kraucht,
hält seinen Kopf nicht zum Vergnügen still,
wenn ihm ein Bösewicht ans Leder will;
da wirst du ganz gehörig angefaucht.
Und ich, ich soll in diesem kalten
verfluchten Hundeloch die Schnauze halten?

Wär ich ein feiner Herr in Gold und Samt,
dann hätt mich kein Gericht zu der Tortur verdammt.
Ich habe oft für einen guten Witz
mich in den Dreck aufs Hinterteil gesetzt,
Doch wenn der Henker jetzt mein Fleisch zerfetzt,
mit Schrauben und mit Nadeln lang und spitz,
an Ketten, die mich in der Schwebe halten:
Soll ich da mäuschenstill die Schnauze halten?

Und hätte ich im Kopf nur Häcksel drin
und wär ich dümmer noch, als ich schon bin:
den Schädel soll man mir in Stücke haun,
wenn ich nicht mit dem letzten Atemzug
noch protestier, daß man mich grundlos schlug.
Und wenn der Henker winkt und wie ein Zaun
Soldaten ihre Eisenlanzen halten:
Soll ich da wie ein Stein die Schnauze halten?

Ihr seht: Ich habe nicht vorbeigezielt
mit meinem Wisch. Denn hätte ich verspielt,
wär schon ein Strauch aus meinem Bauch
herausgewachsen, oder Bitterlauch.
Drum soll man nie vor den Gewalten
der hohen Obrigkeit die Schnauze halten.

Auf einen neuen, schönen, erfolgreichen Tag im virulenten, lebendigen, lebensbejahenden Städtchen Hohenlimburg – und keine Angst: wir sind in allerbesten Händen!

Anhang: E-Mail von Peter Leisten und die Antwort von Maibritt Engelhardt

(more…)

„Für so’n Scheiß haben wir hier keine Zeit.“

6. April 2018

von Christoph Rösner

Es begab sich zu der Zeit, als die Ortsverbandsvorsitzende der Grünen in Hohenlimburg und Sprecherin der Grünen-Fraktion im Hagener Rat, Nicole Pfefferer, sich Ende März aufmachte, nach erfolgreichen Gesprächen mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern in Hohenlimburg die gemeinsam erdachten und geplanten Projekte in die Tat umzusetzen.

Es war erörtert und beschlossen worden, mit Unterstützung der Grünen Hohenlimburg grüner werden zu lassen. Erste Maßnahmen waren schnell entwickelt:

– Hohenlimburg summt und brummt – für eine insektenfreundliche Stadt

– Baumscheibenpatenschaften

– ein visionärer ÖPNV mit E-Bike-Sharing, Ladestationen etc.

Tolle neue Projekte für einen dahinsiechenden Stadtteil. Und was lag näher, als dass Frau Pfefferer als Ratsfrau und Sprecherin ihrer Fraktion ihr Netzwerk und ihre Kenntnis der Gegebenheiten nutzte und Kontakt zum zuständigen Vorstandsbereich – VB 5 – für Stadtentwicklung, Bauen und Sport suchte.

Der Beigeordnete ist unser aller hochgeschätzter Baudezernent Thomas Grothe, der sich in der Vergangenheit  – wie lange hat er diese Funktion eigentlich schon inne? – durch innovative Bauvorhaben, absolut transparenten Verkauf von Grundstücken und  – wie könnte es auch anders sein – verantwortungsvollen Umgang mit Fakten und Tatsachen hervorgetan hat. Und dieser Herr Grothe hat selbstverständlich auch eine fähige Vorzimmerdame oder deren Vertretung – man weiß es nicht – an der jeder vorbei muss, der mit Herrn Grothe Wichtiges zu besprechen hat. Man könnte auch sagen: …die ihm den „Scheiß“ vom Hals hält.

Nun, auch Nicole Pfefferer musste an Frau Vorzimmerdame oder deren Vertretung – man weiß es nicht – vorbei, schaffte es aber leider nicht. Denn nachdem die Ratsfrau kurz ihr Anliegen in Sachen Baumscheibenpatenschaften geschildert hatte, entgegnete die Dame unserer Bittstellerin diesen einen, verräterischen Satz: „Für so’n Scheiß haben wie hier keine Zeit.“

Ach so, wenn Bürgerinnen, Bürger und Ratsfrauen sich um die Verschönerung ihres Stadtteils sorgen und Aktionen starten wollen, dann ist das in Ihren Augen also „Scheiß“, verehrte Frau Vorzimmerdame oder deren Vertretung?

Weil Sie es ja gewohnt sind – ganz im Sinne Ihrer Majestät Baudezernent – Grothes … Großes zu planen und zu realisieren? So was wie dämliche, naturzerstörende Baumwipfelpfade oder forensische Kliniken im Stadtwald oder – erinnert sich noch jemand? – ein dreigeschossiges Haus auf dem Vorplatz zur Johanniskirche, ist schon etwas länger her … sagen Sie mal, Verehrteste: Wer sind Sie eigentlich? Was nehmen Sie sich heraus, in dieser respektlosen Weise auf die Anfrage einer Ratsfrau zu reagieren, die im Auftrag engagierter Bürgerinnen und Bürger Informationen zu Genehmigungen etc. einholen will?

Ich will’s mal so sagen: Wundern darf uns das natürlich nicht. Wir wissen natürlich um die Abgehobenheit unserer politischen Kaste, die sich einen „Scheiß“ um die Belange ihrer Bürgerschaft kümmert.

Picknick in Weiß an der Volme, Weinfest ebenda, ja, solche wichtigen Dinge schmücken die Agenda der Abgehobenen an erster Stelle. Da wird Zeit investiert, da wird sich in Schale geworfen, da gefällt man sich und lächelt selig in die Kameras. Aber seine Arbeit zu verrichten, sich um die Belange der Bürgerschaft zu kümmern, für die man von eben jener Bürgerschaft bezahlt wird! – wird als „Scheiß“ abgetan, für die man seine wertvolle Zeit nicht vergeuden kann?

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die engagierten Bürgerinnen und Bürger von derlei Arroganz und Frechheit nicht entmutigen lassen und ihre berechtigte Politikerverdrossenheit in privates, bürgernahes Engagement umwandeln. Noch dem Motto: „Machen wir unseren Scheiß alleine!“

Schlussgedanken

31. Dezember 2017

von Christoph Rösner

Was war? Was kommt? Wer weiß das schon genau? Wir meinen, zu wissen, was war. Aber war das, was wir zu wissen meinen, auch wahr? Wahr im Sinne von authentisch, nachprüfbar, falsifizierbar?

Oder war das, was wir als wahr angenommen haben, nichts als gemachte Wahrheit, von der wir glauben, dass nur sie die ganze sein kann?

Fragen über Fragen am Ende eines Jahres, das wir so wohl noch nicht erlebt haben. Wahr ist wohl, dass sich das, was wir irgendwie überstanden zu haben glauben, sicher noch steigern lässt. Weil sich ja alles ins Unendliche steigern lässt: das Wachstum, die Renditen, die Aktiengewinne, der Profit … und eben auch der Irrsinn, die Paradoxien, die wir nur durch hektisches Nochmehr auszuhalten versuchen, weil man uns ja geschickt und allmächtig zwingt, dem Glücksversprechen hinterher zu hecheln, während sich Neofaschisten im bunt-schillernden Kostüm der Demokraten aufmachen, alles mühsam erlernte Wahre ins Gegenteil zu verkehren.

Von Dresden bis Washington, von Warschau bis Budapest, von Russland bis Pjöngjang werden neue Wahrheiten generiert, die wir fressen sollen. Bei unseren Luxusgütern und verdreckten Lebensmitteln funktioniert es ja schon blendend. Und auch sonst – schöne Bildchen auf Facebook oder Instagram, wunderbare Sinnsprüche für den Tag oder das Leben oder den Tod, egal, irgendeiner wird´s schon posten, dieses Gutgefühl für Sekundenbruchteile. Deshalb gibt es auch so viele davon.

Dauerfeuer aus der Wohlfühlflak.

Denn Denken darf nicht ablenken vom Eigentlichen. Denken macht unabhängig. Denken kann sogar frei machen. Und wer wollte sich schon freiwillig die glitzernden Ketten des Ichwillalles abstreifen? Wir kriegen doch alles. Unsere von blödbunt verkleideten Boten auf die Couch geknallten matschig-weichen Pizzen oder Fleischspieße oder Frühlingsrollen oder fetttriefende Schnitzel mit Sauce aus Plastikkübeln oder, oder … lauwarm serviert und drapiert auf schickem Styroporgeschirr.

Unsere Läppchen, Hemdchen, Schälchen, Höschen, billig und giftig zusammengestoppelt irgendwo JWD zum schnellen Strip für die anschließende und – bitteschön – baldige Entsorgung im Altkleidercontainer – fürs gute Gewissen.

Unseren Dekokrempel, der die Weihnachtsmärkte, Schaufenster und Köpfe überquellen lässt. Auch der muss irgendwo aus irgendwas hergestellt worden sein.

Aufstand gegen diesen Wahnsinn? Mit wem denn, bitteschön? Aufstand? Mit solchen degenerierten Pfeifen, die nur aufmucken, wenn der Akku ihres Handys sich nicht schnell genug aufladen lässt?

Die nicht einmal dann aufmucken, wenn kriminelle Autobauer ihnen Dreckschleudern als mobile Sauerstoffgeräte unterjubeln.

Aufstand? Mit solchen Typen?

Selten war mehr Notwendigkeit zum Aufstand als jetzt.

Und genauso selten war Aufstand machbar wie jetzt.

Dafür habt Ihr gesorgt, Ihr übelsten aller Dealer. Ihr habt Eure Junkies an der Leine und lasst sie nicht wieder los.

Aber, und das muss man Euch voller Bewunderung konzedieren, Ihr habt es fertiggebracht, dass sie es lieben, an Eurer Leine gehen.

An Euren Fraß habt Ihr sie gewöhnt. Sie tragen am Leib, was Ihr ihnen darauf schneidert. Sie schenken Euch freiwillig ihre intimsten Daten. Sie amüsieren sich zu Tode in Eurer Amüsiermaschinerie. Sie schrappen mit kleinstadtgroßen Kähnen vorbei an den Elendsvierteln der Welt, vollgefressen und lallend beim Kaptain`s Dinner – die Fotos vom Luxusfraß gleich online – und ein paar Münzen für die niedlichen Negerkinderlein sind selbstverständlich inklusive.

Und mit der bunten Leine um den Hals arbeiten sie sich für Euch krumm und blöd, um danach wieder Euren Dreck fressen, Eure Lappen anziehen, Euch noch mehr Daten schenken und sich noch mehr amüsieren zu können auf immer größer werdenden Gigalinern der Meere, die pro Fahrt Berge von Dreck rauslassen – aber immer gut geschminkt und mit halbmondlosen, neonlackierten Fingernägeln.

Derweil Ihr in Euern Tempeln am Rande der Welt Euch halbtot lacht – leider nur halbtot – über das Konsumvieh, das Ihr so schön, so wunderbar und so nachhaltig domestiziert habt.

Wachstum in Deutschland funktioniert auch ohne Regierung. Die Zahlen sprechen Bände. Denn wer will noch ernsthaft regiert werden von dauersondierenden Dilettanten und Wortbrechern?

Das Regiment haben längst andere übernommen. Und die Ikone all dessen regiert nun mit dem verlässlichen Instinkt des Kapitals und der Schamhaftigkeit einer abgehalfterten Nutte das Capitol in Washington. Weit habt Ihr es gebracht. Ihr könnt stolz auf Euch sein, Dealerpack des Mammons!

2018? Was soll schon werden? Ihr werdet weitermachen. Wir werden weitermachen. Aufstand? Niemals! Keine guten Aussichten also? Nein. Keine guten Aussichten, sorry – und – Frohes Neues Jahr!

Von Fallhämmern und Erlebniskiosken

28. Oktober 2017

von Christoph Rösner

Ja, es ist ganz wunderbar, dass der 3-Türme-Weg seine offizielle Wanderzulassung – sprich: Wandersiegel des Deutschen Wanderinstituts e.V. – erhalten hat.

Wunderbar ist ganz sicher, dass der 3-Türme-Weg der einzige Premium-Wanderweg in NRW ist und auch bleibt.

Noch besser wäre es gewesen, hätte man die Pflege und Erhaltung ausschließlich jenen überlassen, die sich seit Jahr und Tag damit auskennen: dem Sauerländischen Gebirgsverein – SGV – nämlich.

Aber nein, die HagenAgentur muss da jetzt auch noch drin rumfrickeln, weil sonst ja nicht viel „premium ist in Hagen und diese überflüssigste aller städtischen Firmen in der Regel mit „premium“ auch nicht wirklich in Verbindung gebracht werden darf.

Wer schon in seiner Jugend an der Hand seiner Eltern an den drei Türmen vorbei gezerrt wurde – damals noch OHNE! Tim Turmi – wird, so er dieser traumatischen Erfahrung konfrontationstherapeutisch etwas entgegen setzen will, diesen Weg heute erneut bezwingen und sich wundern, wie wenig sich verändert hat.

Heute heißt es eben ´Premiumwandern´ und nicht einfach im Wald spazieren gehen. Die Wildschweine von damals sind tot oder zu Gulasch verarbeitet, und geschnitzte „Kunst“ gab es damals auch noch nicht – wir sollten uns dringend mal über Kunst unterhalten, aber das später – und sonst? Wir hatten immer ein Messer dabei und haben dort geschnitzt, wo wir glaubten, uns verewigen zu müssen. Heute ein Schnitzmesser an der Kette – wenn das kein Symbol für unsere kaputte Zeit ist! –

Dass Kirsten Fischer – Prokuristin und Projektmanagerin der HagenAgentur ganz, ganz stolz ist, glauben wir ihr gerne, hat sie doch bis heute noch nicht wirklich was Ordentliches auf die Reihe bekommen. Doch so ein Premium-Wanderweg ist halt ein Marketing-Kracher, und Frau Fischer aus Lüdenscheid bringt jetzt Hagen marketingmäßig ganz weit nach vorne.

Gut, niemand weiß genau, woher die Kohle eigentlich kommt, mit der sie, ihre Mitstreiter und all die tollen Dinge wie Parkscheiben, Ferngläser und Wanderstempel bezahlt werden.

Die Sponsorenliste auf der nagelneuen Website https://3tuermeweg.de liest sich wie das Who is Who der heimischen Wirtschaft, und wir wollen doch nicht annehmen, dass die Firmen knauserig waren.

Eine Zwischenfrage zum Deutschen Wanderinstitut e.V.: ist dieser Verein eigentlich bestechend dämlich oder einfach nur bestechlich…? Man wird ja wohl noch fragen dürfen …

Immerhin, ein Original-Fallhammer vom Anfang des 19. Jahrhunderts als Leihgabe des Freilichtmuseums schenkt den „Kulturinteressierten nun Zeit für ein paar coole Fotos dieses Zeitzeugen eisengewerblicher Tätigkeit in der Region.“

Na, wenn das nichts ist? Aber es kommt noch besser. Lassen wir den einzigartigen Marketing-Poeten ihren freien Lauf und erfreuen uns an dieser Form der Premium-Vermarktung mit Fallbeilcharakter.

Ein Fallhammer schenkt uns also Zeit … und weiter: „Das gibt es nur im Ruhrgebiet. Mitten im wunderschönen Wald stoßen die Wanderer auf eine einzigartige Aussichtsplattform, die einer Industriebatterie nachempfunden wurde. Diese coole Inszenierung gewährt einen grandiosen Ausblick auf das Firmengebäude des alteingesessenen Hagener Unternehmens Hawker. Die Wanderer genießen den Ausblick durch das installierte Guckloch und nehmen sich Zeit, ihren Akku wieder voll aufzuladen. Und dann geht das muntere Wandern auf dem 3 Türme-WEG auch schon weiter.“

Das gibt es tatsächlich nur in Hagen. Einen grandiosen Blick aus einer Industriebatterie auf eine Batteriefirma. Klasse!

Akku aufladen ging bei uns damals irgendwie anders.

Heute ist aber auch alles so cool hier im Hagener Wald!

Coole Inszenierung, coole Fotos, coole Batterien, cooler Fallhammer – klassisch coole Ingredienzien für einen ganz coolen Waldspaziergang eben – sollte uns da etwas entgangen sein? Ist das wirklich alles ganz cool in Hagen, nur wir uncoolen Nörgler merken mal wieder nix und nässen uns ein, wenn da ein „Erlebnisort Kiosk Bismarckturm“ beinahe minnetauglich besungen wird, der „ gerne auf vorherige Anfrage für Besuchergruppen wie Schüler, Touristen und alle anderen Interessierten zu Sonderzeiten geöffnet“ wird?

„Ey, wir müssen noch beim Kiosk anrufen, bevor wir jetzt loswandern …“

Und von der dem „Mataré-Brunnen nachempfundenen Sitzecke“ – HÄ?! – mit Blick auf das mit mannshohen Gittern rundherum verrammelte Baudenkmal Bismarckturm ganz zu schweigen. Gut, man sagt, die Gitter sollen bald entfernt werden. Aber warum dann auf der offiziellen Seite dieses Bild mit Gitterzäunen veröffentlichen?

Als einziges, wirkliches Highlight kann unterwegs getrost die altehrwürdige Volkssternwarte Hagen besucht und bewundert werden. Immerhin lässt sich von hier ohne großen Aufwand weit, weit über die Grenzen dieses Premium-Elends hinwegschauen in die unendlichen Weiten des Universums auf der Suche nach intelligentem Leben, dem man beim Abwandern des 3-Türme-Premiumwanderweges wohl weiterhin nicht begegnen wird.

Intelligent statt lächerlich absurd wäre es, den Verlauf des Weges in seiner Natürlichkeit zu erhalten, ohne dämliche Batterieaussichtsnachbauplattformen, ohne Schnitzschweine, Kettenmesser und lächerlichste Marketing-Lyrik.

Gnade uns Gott, sollten Kirsten Fischer und ihre HagenAgentur eines guten Tages auf der Suche nach Beschäftigung auf die Idee kommen, sich Hagens sterbender Stadtteile anzunehmen, dann werden wir ihnen aber die geballte Hagener Stadtteillyrik entgegen schleudern und gemeinsam mit Tom Todi und den Alten vom SGV zum Marsch auf die Teppichetagen dieser Stadt blasen. Und dann wird´s richtig poetisch.

Ganz in Weiß – und alle singen mit …

28. August 2017

Hagens Zukunft? Dîner en blanc im Volmepark

„Fröhliche Menschen, ganz in weiß gekleidet, mit Picknickkörben ausgestattet, wandern am 26. und 27. August ans Volmeufer. Dort warten weiß gedeckte und schön dekorierte Tische, an denen man sein mitgebrachtes Picknick stilvoll aufbauen und verzehren kann. Oder aber man holt sich ein kühles Getränk am Versorgungsstand. Dazu gibt’s dezenten Sound von exzellenten Hagener Musikern, die Kinder können unbeschwert toben, und am Sonntag stimmt ein Gottesdienst um 11 Uhr die Besucher auf das Fest am Flußufer ein.“

So stellte sich die „Zukunftsschmiede“ das erste Ganz in Weiß–Picknick an der Volme am letzten Ferienwochenende vor. Nachdem diese Dîner en blanc-Veranstaltungen selbst Dörfer wie Lünern im Kreis Unna erreicht haben, soll also endlich auch in Hagen die „Zukunft“ ausgebrochen sein.

Die „Zukunftsschmiede“ ist ein gemeinsames Projekt des Unternehmervereins, der HAGENagentur und der Stadt Hagen, um „Hagens Potentiale deutlich herauszustellen und erlebbar zu machen“. Bürger und –innen wurden aufgefordert: „Bringen Sie sich in diesen spannenden Prozess aktiv mit ein und schmieden Sie gemeinsam mit an der Zukunft unserer Stadt Hagen! Machen Sie mit!“

Eine Aufforderung, die sich DW-Autor Christoph Rösner nicht zweimal sagen ließ, sich – wie gewünscht – „einbrachte“ und in einem „spannenden Prozess“ eine alte Schnulze des verblichenen Schmachtvirtuosen Roy Black passend zum OB-offiziellen „Event“ (sehr frei) um„schmiedete“:

Ganz in Weiß, sehr hipp und unrasiert
Traf man sich und trank ganz ungeniert.
Openair mit Hut und Hemd und Charme
Nach dem Motto, lieber weiß als arm.
Ganz in Weiß – Elitenfeierei –
Und die Volme fließt verzweifelt dran vorbei.

Fröhlich gibt man sich HighFive
Lächelt unbeschwert dabei
Ganz in Weiß, schon serienreif,
zeigt man froh sein Konterfei.
Keiner gibt sich ernst und steif.
Nur die Volme fließt wie Blei vorbei.

Ganz in Weiß, sehr heiter und charmant
Hält per se man sich für interessant.
Alle sind so froh gestimmt.
„Ganz in Weiß, im nächsten Jahr bestimmt!“

Und dann reicht man sich die Hand,
Es lallt geballter Sachverstand.
Der Fluss derweil ernüchtert glimmt,
Und – Ganz in Weiß – darin ein Plastikbecher schwimmt …

Ganz ohne Unternehmerverein und HAGENagentur findet bereits seit 10 Jahren in Wehringhausen die „Nacht der langen Tische“ statt (Foto: privat). Mit erheblich größerer Resonanz, wie man im Vergleich zum Dîner en blanc sieht.

Wir werden Sie vermissen.

14. Juli 2017

von Christoph Rösner

Hagen wird schöner! Ja, wirklich, unsere wunderbare, fantastische Stadt wird noch wunderbarer und fantastischer!

Und wem haben wir das zu verdanken? Ihr kommt selber drauf – natürlich: unserem allseits geschätzten, allseits verehrten, ja geradezu geliebten Oberbürgermeister Erik O. Schulz und seinen getreuen Aktivisten!!!

`Wie jetzt?! Dreht er jetzt völlig frei? Ist er dem unwiderstehlichen Charme des OBs jetzt auch erlegen? Ja, was hat er denn? Ist er etwa ernsthaft erkrankt?`

Ich will Euch gerne sagen, was ich habe. Ich habe Zynismus in fortgeschrittenem Stadium!

Gut, das ist jetzt in HA keine so außergewöhnliche Erkrankung. Bei manchen schlägt sie auch in die heftigere Spielart Sarkasmus um. Manche leben nur mit Zynismus in Hagen. Andere überleben hier nur mit ihr.

Ist das denn heilbar?

Leider nicht.

Jedenfalls nicht, so lange hier in lockerer Manier Weinfeste, Seefeste und andere Ablenkungsevents dem abgestumpften Wahlvolk als Identität erweiternder Drogencocktail ins vernebelte Hirn gedrückt wird.

Nein, solange hier nächtens persönliche Nachrichten, eigenhändig von Mitgliedern der sogenannten höheren Kreise in die Handys Hagener Bürgerinnen und Bürger flattern, die es wagen, in sozialen Medien oder sonst wo Kritik zu äußern.

Nein, solange hier weiterhin ehrbare Hagener Unternehmer höflich aufgefordert werden, ihr Engagement im „sogenannten“ UnternehmerRat Hagen zu beenden mit dem Verweis auf fehlende Transparenz selbigen Rates und dem nicht minder freundlichen Hinweis auf mögliche Repressalien. Nein, so etwas gibt es hier nicht!

Auch keine Heilung, solange unser aller lockerer OB seine Position weiterhin in unnachahmlicher Weise dafür missbraucht, bei Einwohnerfragestunden wie zum großen Aufreger-Thema „Deerth“ ehrbaren Bürgerinnen und Bürgern das Wort zu entziehen, oder ihnen zu attestieren, dass ihnen ihre Fragen nicht zustünden etc.

Nein, solange WBH-Vorstände jetzt auch Geschäfte mit sich selbst machen dürfen, abgesegnet selbstverständlich mit einer ordentlichen Ratsmehrheit (siehe: https://doppelwacholder.wordpress.com/2017/07/09/ausser-kontrolle/ ) Ein Stadtrat kann also mir nichts, dir nichts BGB-Recht aushebeln … interessant – aber lautstark die Machenschaften des Großen Sultans anprangern … [kurzer Diskurs: ich frage mich, was sie hier wohl anstellen würden, hätten sie die Machtfülle dieses Durchgeknallten vom Bosporus…]

Und mein Zynismus wird ganz sicher nicht heilbar sein, solange hier komplette Quartiere wie z. B. Hohenlimburg weiterhin als Kollateralschaden der Hagener Zentralpolitik achselzuckend ausgeblendet werden, bis auch die letzte Lebensform ihr Dasein ausgeröchelt hat, während man sich bei schicken Festen, selbstverständlich mit Schampus und Wein, selbst feiert und diesen unverzagten Stolz – WORAUF?!?! – im strahlendweißen Dinnerjacket im Abendschimmer über der Volme erstrahlen lässt.

Und vor allem kann dieser Hagener Zynismus nicht geheilt werden, solange nicht endlich ein paar Mutige aufstehen und diese „Koalition der Vernunft“ – welch ein grausiger Euphemismus!  – mit einem klaren Statement vernünftig zur finalen Implosion bringen.

Denn eines ist in Hagen so sicher wie der Verkauf von Bauerwartungsland zu Waldpreisen: jeder, der hier lebt oder es versucht, sollte sich klar machen, dass Hagen sich seinen katastrophalen Ruf bis weit in die Republik – nein, nicht durch ehrliche Arbeit – aber doch ehrlich verdient hat.

Ziele? Visionen? Einzigartige Projekte? Zukunftsorientiertes Handeln?

Fahrradstadt Hagen?
Car-Sharing-Stadt Hagen?
ÖPNV-Vorzeigestadt Hagen?
Umweltstadt Hagen?
Meinetwegen auch Bienen- oder Insektenstadt Hagen?
Oder Sauberstadt Hagen?
Motivationsstadt Hagen?
StartUp-Stadt Hagen?
Ideenstadt Hagen?
Transparenzstadt Hagen?

Fehlanzeige. Auf der ganzen Linie.

Stattdessen?

Rührend-peinliche Imagefilmchen, sterbende, in Gleichgültigkeit versinkende Stadtteile, ein Ruf, der einem die Schamesröte ins Gesicht treibt und eine Politik, die ihre Restkräfte ausschließlich darauf verwendet, ihre grenzenlose Phantasielosigkeit, ihren unkreativen, uninspirierten lächerlichen Aktionismus als verantwortliche Arbeit zum Wohle der Stadt denen zu verkaufen, die auch sonst jeden Dreck kaufen – und alles bei einem gekühlten Pinot Grigio, versteht sich. Und als Digestif eine lustige, vollmundige  „Zukunftsschmiede“ – Pfefferspray in die Augen der letzten Sehenden.

Zynismus! Fortschreitend. Was sonst?

Heilung? Denkbar, wobei derzeit wohl eher nicht, es sei denn … es geschieht ein Wunder. Spontanheilung, sozusagen.

Dann, wenn all die ehrbaren, engagierten Bürgerinnen und Bürger mit wahrem Gemeinsinn weiterhin wühlen, sammeln, dokumentieren, notieren, abspeichern. Und zwar bis ins Kleinste alles, was hier an Absurditäten, Mauscheleien und anderen destruktiven Umtrieben uns als Realpolitik oder geschmiedete Zukunft verhökert werden soll.

Vielleicht dann, wenn diese ehrbaren Bürgerinnen und Bürger sich nie wieder das Fragen verbieten lassen von diesen … ach, lassen wir das.

Ja, es geschieht bereits in den unbekannten Räumen fern jeglicher Kontrolle und Beobachtung. Wichtige, haarsträubenden Informationen, werden gesammelt, gebündelt und vernetzt und dann gewürzt mit einer ordentlichen Portion Zorn und der krönenden Prise Widerstand – so wurden schon ganz andere marode Konstrukte zum Einsturz gebracht.

Sammeln wir alle bienenfleißig für ein Abschiedsgeschenk in Form eines Überraschungspäckchens, bündeln und schnüren wir es ordentlich, verpacken es bruchsicher und versenden es per Einschreiben mit der Aufschrift: Wir werden Sie vermissen.

Dann könnten wir das Wunder der Spontanheilung feiern und Hagen – locker – zum Wallfahrtsort ausbauen, für all die Belasteten, von Kommunalpolitik Gebeutelten und von Zynismus Dahingerafften.

Und – der Weg wäre frei für die Richtigen und Fähigen, sich an die Genesung dieser Stadt machen.

Was wird aus Hohenlimburg?

14. Mai 2017

Von Christoph Rösner

Was wird aus Hohenlimburg? Nichts Gutes, könnte man mit einiger Berechtigung antworten, wenn man sich dort so umsieht. Leerstände zuhauf, menschenleerer Innenstadtbereich und eine Internet-Einkaufskultur, die offensichtlich voll durchschlägt bei Städtchen oder Dörfern wie Hohenlimburg.

Eine an ignoranter Untätigkeit kaum zu überbietende Stadtverwaltung – und ich will hier einige städtische Mitarbeiterinnen ausdrücklich ausnehmen, die offensichtlich in der Lage sind, Genehmigungen mündlich zu erteilen, weil selbst ihnen die von anderen Ämtern auferlegte Wartezeit den Hals anschwellen lässt – dieser Stadtverwaltung, der es immer wieder mit traumwandlerischer Sicherheit gelingt, neuen Mutigen sämtliche rumliegenden Knüppel zwischen die Gründerbeine zu werfen.

Und dann diese merkwürdigen Menschen, die, reich an Lob und Wort, doch irgendwie arm an Tat, die Zustände beklagen, ohne selbst tätig zu werden. Sprich, das Einzelhandel- und Gastroangebot auch zu nutzen, zu unterstützen.

Mit Kritik scheint der Hohenlimburger – oder der Hagener an sich – schnell bei der Hand zu sein. Das spricht sich ja so flott aus, erzeugt kurzfristig einige Solidarisierung im vertrauten Nest– man ist dann nicht mehr so alleine in seinem Elend – doch wer zieht die notwendige Konsequenz? Wer gründet die neuen kleinen Geschäfte und Kneipen und Gemüseläden?

Wer fährt denn weiterhin mit seinem City-Panzer Richtung Groß-Discounter, lädt all die wunderbaren Konsumgüter in seinen weit geöffneten Kofferraum und rauscht wieder ganz schnell nach Hause? Immer nur die Anderen?

Nee, nee, das seid Ihr schon alle selbst. Ihr selbst seid es, die AUCH dazu beitragen, dass Euer geliebtes Nest zur Einöde verkommt. Jeder kann diesem Trend etwas entgegenhalten. Jeder kann einen kleinen Teil seines Geldes in die kleinen Läden tragen, um Flagge zu zeigen, ehrliche Empathie oder Solidarität zu dokumentieren. Jeder Einzelne kann sich dafür stark machen, dass wieder Leben in die Bude kommt.

Sicher, so viele schlimme Fehlentwicklungen haben diesen bedauernswerten Zustand heraufbeschworen.

Und sicher, alles fing an mit der Eingemeindung – man kann diesem dummen Akt sicher weiter hinterherheulen. Kann man machen. Oder man fügt sich in diesen – zugegeben – nicht unbedingt erstrebens- oder erhaltenswerten Zustand – wer möchte schon freiwillig von einer Stadt wie Hagen einverleibt werden? Aber es ist nicht zu ändern. Punkt. Auch wenn der Stachel der Eingemeindung bei einigen ganz tief zu sitzen scheint – nach mehr als 40 Jahren! – rausziehen, Jod drauf und nach vorne kucken! Nur so kann man etwas ändern!

Und da gibt es Möglichkeiten zuhauf: Sein Konsumverhalten, sein Solidaritätsverhalten, sein soziales Verhalten kann man ändern. Man kann Verantwortung übernehmen für seinen Heimatort, so gebeutelt er auch sein mag, oder gerade, weil er es ist.

Und man kann  – aber dazu braucht es etwas Courage – den Mund aufmachen und jenen, die untätig und ignorant Hohenlimburg als unvermeidbaren Kollateralschaden abtun, gehörig auf die Finger klopfen. Von ihnen ultimativ verlangen, sich gefälligst nicht nur für die paar Quadratmeter Innenstadt stark zu machen und Weinfeste in verdächtiger Nähe zur Teppichetage zu organisieren, sondern sich mit aller Kraft für die Reanimierung z.B Hohenlimburgs oder anderer Stadtteile einsetzen.

Doch will mir scheinen, in Wahrheit existiert nur eine echte Liebe. Nicht zu Hagen, nicht zu Hohenlimburg, sondern einzig die Liebe zum Lamento. Das hält lebendig, das ist geradezu viral. Da spürt man das Leben, da kann man mal so richtig aus sich raus und Dampf ablassen. In der Disziplin des Lamentierens sind alle irgendwie Meister ihrer Klasse. Doch das ist alles andere als meisterlich. Von Meisterschaft könnte man reden, wenn das Lamentieren nur dazu dienlich wäre, die erste Brennstufe zu zünden und diesem Grauen ein Ende zu bereiten.

Lamentieren um des Lamentierens Willen ist, als warte man am Bahnhof auf den nächsten Ausflugdampfer.

Nein, es muss sich etwas – ach, was sage ich, vieles muss sich ändern, wollen wir nicht alle irgendwann in gar nicht mehr so ferner Zeit mit tränendem Auge vorbeiflanieren an den Mahnmalen des finalen Niedergangs, um dann mit der Frage „warum haben wir das nicht aufgehalten“ dem urbanen Ruinenfeld endgültig den Rücken zu kehren.

Es braucht die harte Auseinandersetzung, dringend, es braucht ein zielorientiertes Brainstorming, das nicht in endlosen Betroffenen- oder Anwohnertreffen zerquatscht wird. Es braucht die Man-Power, der man Veränderungen zutrauen kann.

Das Erzählte reicht eben nicht. Nur das Erreichte zählt.

Sind wir denn alle tastsächlich derart lethargisch geworden, dass wir jammernd dem Niedergang zusehen, ohne ein Fingerglied, geschweige den kompletten Körper – um nicht den Arsch zu sagen – hochzukriegen? Ich will das nicht glauben. Ich will mich nicht damit abfinden. Ich will, dass wir – meinetwegen auch „denen da oben“ zeigen, was eine Harke ist. Ich will, dass wir den Beweis antreten, dass noch etwas funzt, wenn es die Richtigen anpacken. Und wenn das Resultat bedeutet, dass wir den Falschen zeigen, dass sie absolut überflüssig sind.

Aus Ruinen ein ökonomisch starkes Land machen, das konnten wir bzw unsere Vorfahren. Und wir heute? Nur noch dazu da, diese Konsum-Demokratie irgendwie am Laufen zu halten und uns ansonsten raushalten? Wirklich?

Der Schaumgeborene

27. Januar 2017

Eine kurze Bildanalyse

von Christoph Rösner

obotticelliDer Schaumgeborene mit einer allegorischen Darstellung seiner Unterstützer CDU, FDP und GRÜNE zu Füßen (Hagen aktiv gehört ja offiziell nicht dazu). Screenshot: Osthaus-Museum via Fakebook.

Zur Eröffnung der Ausstellung #Participate. MachDichKunst. im Osthaus-Museum am 21. Januar fanden sich viele Hagenerinnen und Hagener ein, um sich selbst zum Kunstwerk zu machen.

Das Junge Museum im Osthaus Museum stellt seine Ausstellung unter das Motto „Kunst zum Mitmachen“. Und viele machten mit. Unter ihnen auch unser Oberbürgermeister Erik O. Schulz.

Auch er nutzte einige der 24 interaktiven Exponate, um sich selbst zu inszenieren. Dass er sich vor den beiden Auftragskillern Jules Winnfield und Vincent Vega aus Pulp Fiction mit einer Bansky-Banane ablichten ließ, war ein durchaus witziger Einfall.

Was allerdings unseren OB geritten hat, sich als schaumgeborene Venus ins berühmte Bild von Sandro Botticelli hineinzubegeben, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Diesen Einfall könnte man getrost als Ausdruck kurzfristig galoppierender Hybris abtun, wenn da nicht zu Füßen unseres Volmegetauchten, drei Grazien – blond, brünett und dunkelhaarig – im auffällig knappen Cheerleaderfummel samt Winkepüschel vom Phönix Hagen Dance Team sich in Botticellis Jakobsmuschel aalten und ihn – man kennt das aus der Autowerbung – halbnackt und ihrer Haltung am Boden entsprechend – von unten nach oben anhimmelten.

Da hat der Muschelentstiegene wohl ein wenig danebengegriffen, ist doch diese Art der Bildsprache – zurecht – nicht nur in Feministinnenkreisen schon seit Längerem mehr als verpönt.

Und es darf gefragt werden, ob diese (Selbst)-Darstellung eines Oberbürgermeisters angemessen ist.

Nun wird der OB sicher entgegnen, dass ihm eine solche Assoziation völlig fremd und von ihm nicht beabsichtigt gewesen sei.

Doch wir wissen: ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und die Psyche wählt oft verschlungene Pfade.

Und so kann es nicht verwundern, dass genau solche Assoziationen durch unser irritiertes Betrachterhirn flitzen, ob wir das wollen oder nicht.

Was sehen wir? Einen Mann im dunkelblauen Anzug, die rechte Hand in der Hosentasche, die linke hinter einem anhimmelnden Jungmädchengesicht wohl locker baumelnd. Der Mann steht aufrecht, blickt – nicht ganz selbstsicher – in Richtung Kamera, während sich zu seinen Füßen die drei Genannten räkeln und ihn mit wenig verhohlener, beinahe lüsterner Bewunderung anschauen.

Botticellis Venus symbolisiert trotz ihrer Nacktheit, nur wallend umflort von ihrem langen, roten Haar, nicht die körperliche, sondern die geistige Liebe. Und es ist gerade ihre keusche Pose, die sie für uns so anziehend macht.

Von zarter, keuscher Pose jedoch keine Spur. Hier inszeniert sich ein Amtsträger in Macherpose und Designeranzug, einzig umflort von drei blaugelben Bikiniperlen mit Winkelementen.

Hätte Erik O. Schulz sich stattdessen – beispielsweise – in Michelangelos Erschaffung des Adam begeben um sich nach der Unternehmerklatsche einige Tage zuvor eine ordentliche Portion Inspiration abzuholen, hätte man bewundernd konstatieren können: der Mann verfügt über das hohe Gut der Selbstironie, der Mann kann über sich selbst lachen, der Mann weiß, worum es geht.

Aber nein! Der Vierflüssegewaschene lässt Mädels in die Muschel kriechen!

Auch oder gerade ein ennepeumspülter Oberbürgermeister sollte sich der Macht des inszenierten Bildes bewusst sein und das Glatteis der Kunst nicht unterschätzen. Sonst kann es geschehen, dass der so Abgebildete vom Westwind Zephyr an unbekannte Gestade geblasen wird, wo die Flüsse fremd und auch alles andere abweisend und unvertraut ist.

Hurz!

Obacht auf allen Bahnen – jetzt kommen die Schamanen!

23. Januar 2017

von Christoph Rösner

Da haben doch neulich Hagener Unternehmer unseren Oberbürgermeister Erik 0 – sorry – jetzt bin ich wieder auf meiner Tastatur ausgerutscht – Erik O. Schulz öffentlich an ihren Marterpfahl geheftet und ihm und seiner Verwaltung schlimme Dinge unterstellt.

Sie seien „nicht verbindlich, orientierungslos, zerstritten, arrogant, hätten keine Ziele, seien verkrustet und behäbig.“ Und auch, dass die Stadt keinem Leitbild folge und orientierungslos in der Verfolgung ihrer Ziele sei, wurde unterstellt. Und, was noch schwerer wiegt, Mike Fiebig von der Westfalenpost berichtete genüsslich über diese Klatsche.

Selbst ernannter Häuptling dieses versprengten Hagener Unternehmerstammes ist Winfried Bahn, seines Zeichens Brillenbauer, Unternehmensberater, Geschäftsführer der Optiker Gilde Servicegesellschaft mbH und, aufgemerkt, Schamane.

Wie jetzt, werdet Ihr fragen, liebe Doppelwacholderleserinnen und – leser, ein Schamane, mitten unter uns? Und so einer liest unserem OB die Leviten? Wie kann das sein?

Ganz einfach: Dieser Winfried Bahn ist „Gesellschafter von Unternehmen in Deutschland, die sich mit dem Human- Management beschäftigen. Er ist der Gründer des Internationalen Therapeutenzentrums in Hagen-Dahl und Mitglied im Convent des Internationalen Therapeutenzentrums.“

Und er hat, ganz im Sinne seiner eigenen Visionen von einer besseren Welt, u.a. „ein spezielles Medizinrad für Einzelpersonen, Firmen, Gruppen und Organisationen entwickelt. Es können Themen behandelt werden wie zum Beispiel: Familienkonflikte, Lebensabschnittsthemen, Krankheitsbilder, Persönlichkeitsentwicklung, Vergangenheitsbewältigung, Depressionsbilder, Nutzen von Erfolgspotenzialen für Personen und komplette Unternehmensprozesse/-entwicklungen bis hin zur Unternehmenskultur und -philosophie (Aktivieren von Power und Kreativitätspotenzialen).“ [Auszug aus der Website: http://www.medizinrad.com/der-referent-winfried-bahn/]

„Durch die Arbeit mit dem Medizinrad wird versucht, alle Beteiligten ganzheitlich zu fördern.“

Nun hat der Hagener Unternehmerrat, ganzheitlich angeführt von Häuptling Bahn, unserem OB und seiner Verwaltung  – wie gesagt – ordentlich die Leviten gelesen. Dass das mal nötig war, darf in keinem Fall bestritten werden, und Unternehmer denken nun mal zuallererst an ihr Unternehmen und ihre Profite. Das ist ihre Natur.

Die Frage ist nur, wie weit sind wir in Hagen eigentlich abgestiegen, dass inzwischen irgendwelche selbsternannte Heiler und Schamanen sich erdreisten, unsere Stadt, in der wahrlich viele Räder gedreht werden müssten, nur eben keine Medizinräder, in ihre Hand zu bekommen? Denn diesen Anschein hat es, verehrte Leserinnen und Leser. Gut. Vieles muss sich hier tatsächlich ändern. Das kann niemand bestreiten. Themen? Ohne Ende.

Aber sollen wir demnächst mit Höhlenmeditation zur Wintersonnenwende, völlig verräuchert und beduselt im links- oder rechtsdrehenden Medizinrad, mit schamanistisch erweitertem Bewusstsein das Grauen in dieser Stadt grinsend und tiefenentspannt mitverfolgen und uns stattdessen in die heilenden Hände des Winfried Bahn und seiner Mitheiler begeben? Ich weiß nicht …

Nicht, dass Erik O. Schulz in seiner Zerrüttung und Hilflosigkeit noch auf die Idee kommt, sich in die uralten Praktiken der Maya einweisen zu lassen, weil er einen anderen Ausweg nicht mehr findet. Deren blöder Kalender hat auch schon nicht gefunzt! Aber vielleicht existiert ja ein spezieller Maya-Kalender nur für Hagen, in dem der Untergang für das Jahr 2020 vorausgesagt wird?

2020, na? Blitzt da was auf? Kommunalwahl …na?

Es wäre nicht das erste Mal, dass merkwürdige Gestalten mit Sendungsbewusstsein sich aufmachen, das Ruder zu übernehmen.

Das sinkende Schiff Hagen braucht stattdessen gestandene Pragmatiker wie z. B. unseren allseits geschätzten Baudezernenten Thomas Grothe. Der lässt sich nicht reinräuchern in seine Amtsgeschäfte, der produziert selbst genug Qualm, mit dem er die Gehirne seiner Hagener vernebelt. Zitat, zu lesen in der WP vom 21.1.2017 zur Kritik an hunderten unbearbeiteten Bauanträgen in seinem Amt: „Unbearbeitete Anträge gibt es bei uns überhaupt nicht. Es stimmt, dass wir uns mit den Baubescheiden im Verzug befinden. Wir versuchen jetzt, den Rückstand aufzuholen.“

So macht man praktische Politik, und wir lassen dieses Zitat bei ein paar tiefen Zügen aus der Friedenspfeife meditativ auf uns wirken bis ins Jahr 2020.

Und vielleicht besinnt sich Erik O. derweil auf seine von Bad-News, übler Stimmung und fehlgeleiteten Visionen befleckten Amtsgeschäfte und packt die Sache noch mal neu an. Mit Verve, Mut und der Bereitschaft, auf seine Kritiker zuzugehen, damit wir in 2020 nicht zur Wintersonnenwende in irgendeiner Dahler Räucherhöhle aufwachen.

Skol!

Intrigantenklatsche mit Gastroverstand

9. November 2016

von Christoph Rösner

Ja, ja, ich höre Euch schon: `und wieder einer dieser unqualifizierten und tendenziösen Texte von Rösner zum Dauerthema Theater. (Würg) Wir können es nicht mehr lesen.`

Dann lasst es! Niemand zwingt Euch, Texte zu lesen, deren Inhalt Euch nicht interessiert. So wie niemand gezwungen ist, eine blöde Partei oder die falscheste aller falschen Intendantinnen zu wählen, ein noch blöderes Fernsehprogramm anzuschauen oder mit dem Blick aufs Display vor einen Laternenmast zu knallen.

Unsere – also die Doppelwacholder-Texte – richten sich in erster Linie an jene Menschen in Hagen, die bewusst hinschauen, die ganz bewusst teilnehmen an den zum Teil grotesken und haarsträubenden Dingen, die sich hier zutragen.

Und die Anderen? Bitteschön – weiter zappen oder klicken und sich auf der Fatzebuck-Seite „Hagener Katzenkinder stehen endlich auf“ … oder so, mal so richtig reinhängen. Wer´s braucht …

Stünde diese Stadt nur wirklich endlich auf!

Ließen sich die Hagener Grünen doch endlich nicht länger am Nasenring durch die Arena des Grauens ziehen!

Würden doch endlich die Alarmsignale wahrgenommen von all jenen, denen eine vernünftige Wahrnehmung noch zuzutrauen ist – auch wenn wir hier von Zahlen im Promille-Bereich sprechen müssen – und würden am 24. November doch all jene nach ihrem Gewissen abstimmen!

Das funktioniert und befreit ungemein, glaubt es ruhig.

Viele können es ja nicht mehr sein, weil alle irgendwie mit irgendwem verbandelt sind und mit drin hängen in dieser Politjauchegrube. Und vor allem, weil die meisten, wenn nicht alle, meinen, von dem zu erwartenden Fiasko profitieren zu können.

Die einen, weil sie vielleicht hoffen, endlich ein leidiges Thema los zu sein und ein paar Kröten für anderen Schwachsinn dazu zu bekommen.

Andere, weil sie sich vielleicht noch schämen, so tief drin zu stecken und sie spüren, dass es gewaltig müffelt und dass sie ohne Hilfe da nie wieder rauskommen, diese potentielle Hilfe aber ebenso tief drinsteckt und mitmüffelt wie sie selbst.

Apropos Scham: haben unsere Berichte über Sven Söhnchens Verhalten Sven Söhnchen selbst wohl die Schamesröte aufs Gesicht gezaubert?

Oder war es doch nur Zornesröte ob seines publizierten Fehlverhaltens?

Bei der ersten Rotvariante hätten wir noch etwas Hoffnung.

Und erinnert sich Herr Söhnchen möglicherweise noch an ein Telefonat mit Urs-Michael Theus – treue DoppelwacholderleserInnen erinnern sich an das Interview vom 8. Oktober – in dem er von Theus über Dominique Caron und seine Erfahrungen mit ihr in Eutin vor der maßgeblichen Aufsichtsratssitzung aufgeklärt wurde?

Und erinnert sich Herr Söhnchen möglicherweise auch noch an seinen eigenen Schlusssatz, mit dem er das Gespräch mit Theus beendete, den wir hier – telefonisch dem Verfasser am 5.11.2016 persönlich von Urs-Michael Theus zur Veröffentlichung freigegeben – einstellen?

„Herr Theus, dieses Gespräch hat niemals stattgefunden.“

Und ist Söhnchens einstweilige Verfügung in unheiliger Allianz mit Dominique Caron gegen den heute 75-jährigen ehemaligen Generalintendanten des Nationaltheaters Mannheim und praktizierenden Rechtsanwalt, Ulrich Schwab, die lächerliche Panikreaktion eines in die Ecke getriebenen Kommunalpolitikers, der die Grenzen seiner Kompetenzen weit über das erträgliche und gebilligte Maß überschritten hat?

Und, merkt Herr Söhnchen selbst noch, was er sich und vor allem dem Theater, dessen Aufsichtsrat er vorsteht, antut oder bereits angetan hat?

Und es darf weiter gefragt werden: wird Herr Söhnchen die gebotenen Konsequenzen ziehen? Oder steht es zu vermuten, dass er sich, Seit´ an Seit´ mit den gerade sich anbiedernden Politikkumpels, egal aus welcher Partei, neue Strategien ausdenken wird, um seine Ämter zu verteidigen?

Sie könnten folgendermaßen vorgehen, verehrter Herr Söhnchen – nur ein Vorschlag, ausgebrütet von einem völlig verquasten Schreiberhirn:

Diesem komischen Theus unterstellen Sie einfach persönliche Rachegelüste gegen Caron wegen seiner Gagengeschichte in Eutin. Über diesen tüddeligen 75-jährigen Ex-Theaterrentner Schwab streuen Sie hie und da die These von einer fortgeschrittenen Altersdemenz – soll ja bei 75-Jährigen keine Seltenheit sein. Vielleicht auch mal in den eigenen Reihen nachschauen … und Menschen aus dem privaten Umfeld Carons sollten sie grundsätzlich und von Haus aus das Allerböseste unterstellen.

Na, wär das nichts? Gleich drei Fliegen mit einer Intrigantenklatsche?

Aber klar, wär das was! Und so könnte man sich doch wunderbar zukünftiger Angriffe erwehren mit Hinweis auf deren Unzurechnungsfähigkeit auf der einen und kindischem Nachtreten auf der anderen Seite.

Und raus aus dem Schneider und weitermachen wie bisher, weil die dumpfe Hagener Mehrheit ja sowieso nichts mitbekommt? Kann man alles tun.

Man könnte sich aber auch mit Gastroverstand auf seine Arbeit als Gastronomie-Sachverständiger konzentrieren und versuchen, sich hier ehrliche Meriten zu verdienen. Nur so als Tipp. http://www.gastroverstand.de/impressum.htm

In der Türkei säßen Leute wie wir vom Doppelwacholder längst im Knast, aber hier ist eben – Gott sei Dank – nicht Türkei, und deshalb schreiben Leute wie wir solange gegen Euer unerträgliches Gebaren an, bis vielleicht der eine oder die andere die blöden Katzenbildchen wegklickt, von seinem oder ihrem Display aufblickt und mutig der Realität ins Auge schaut.

Aber Achtung! Das kann fürchterlich ins Selbige gehen.

Ach, übrigens, ich wollte immer schon mal am Ende einer Glosse einen klassischen Mafia-Satz raushauen. Heute passt er. „Liebe Leserin, lieber Leser, diese Glosse hat niemals stattgefunden.“

Lasst das Theater mit diesen Leuten nicht alleine!

5. November 2016

von Christoph Rösner

Wenn ich Karikaturist wäre, würde ich unser aller Sven Söhnchen als freundliche, unrasierte Kugel mit Künstlerschal zeichnen. Bin ich aber nicht, und so muss seine Beschreibung über das geschriebene Wort in Euren Köpfen lebendig werden.

Nun haben sich, sagen wir, eher unschöne Dinge um den Kulturausschussvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden des Theaters ergeben, die wohl nach unvermeidlichen Konsequenzen schreien.

Wichtige Informationen über die Intendanten-Aspirantin hat er zurückgehalten und somit die Entscheidungsfindung wissentlich manipuliert. Und die längst wegen eklatanter und belegter Unfähigkeit in die Tonne gekloppte Bewerbung Dominique Carons hat er mit einer an Genialität nicht zu überbietenden Begründung wieder hervor gekramt „Lieber eine schlechte, als gar keine Intendantin.“ (Zitat Schutzschrift Ulrich Schwab)

Dass ehemalige Generalintendanten, Generalmusikdirektoren, Regisseure, Dirigenten und Anwälte aus der gesamten Republik sich bemüßigt fühlten, sich persönlich nach Hagen zu begeben und heftigste Warnungen auszusprechen, schien und scheint die Findungskommission und den parteipolitischen Teil des Aufsichtsrates nicht zu kratzen. Im Gegenteil: vermutlich suhlen sie sich in der seltenen Erfahrung, als erfolglose, verantwortliche Politikfiguren einer im Desaster versinkenden Stadt von derart geballter Kompetenz angesprochen und bekniet zu werden, ihre Entscheidung zu überdenken und zu revidieren.

Aber, und das kennt man hier nur allzu gut, das schlichte Gemüt wertet diese kompetenten Einlassungen natürlich mal wieder als unbotmäßige Einmischung von außen, pflegt lieber seine kindische Renitenz und stimmt jetzt aber erst Recht und mit Schmackes für die falscheste aller Lösungen. Und das parteiübergreifend.

Die Konsequenzen aus diesem Fehlverhalten – ob bewusst oder unbewusst in Kauf genommen, wollen wir mal dahin gestellt sein lassen – sind allerdings gravierend.

Und hier ziehen wir gerne den von Caron und Söhnchen mit einer Einstweiligen Verfügung belegten ehemaligen Generalintendanten des Nationaltheaters Mannheim, Ulrich Schwab, zu Rate, der eine 14-seitige Schutzschrift gegen die Einstweilige Verfügung Caron/Söhnchen verfasst hat. Übrigens: Ulrich Schwab war vier Jahre Dominique Carons Vorgesetzter in Mannheim.

Und damit Euer Glossenschreiber hier nicht alles selbst umformulieren muss, die drei wichtigsten Konsequenzen im Originalwortlaut:

„[…]Zumindest drei Konsequenzen aus diesem von Ratsherrn Söhnchen zu verantwortenden schweren Versäumnis sind für das Theater – und den Kämmerer ! – irreparabel:

2.1  In der Spielzeit 2017/2018 also bis Ende August 2018 kann in den Monaten Januar – August 2018 entgegen der derzeitigen Planung aus dem Bereich Künstlerbudget ein anteiliger 2/3 Einsparbeitrag von geplant insgesamt mindestens 500 T€ , also  333 T€ auf die lt. bindendem Ratsbeschluss in 2018 zu erbringenden 1,5 Mio nicht mehr erwirtschaftet werden.

Es sei denn in Vollstreckung des Ratsbeschlusses müssen im verbleibenden Rumpfjahr 2018 (September bis Dezember) nicht „nur“ 166 T€ sondern die ganzen 500 T€ eingespart werden, was zu einem Kollaps des künstlerischen Betriebs und damit zum möglicherweise zum vom Rat der Stadt insgeheim angestrebten schnellen Ende des Theaters führen würde.

2.2  Ein neuer Intendant bzw. eine neue Intendantin kann sich für ihre erste Spielzeit kein eigenes auf den Intendanten zugeschnittenes Team zusammenstellen, weil alle Positionen besetzt sind. Und das betrifft nicht nur den auf der „Spar-Strichliste“ aufgeführten Personenkreis (Orchester, Chor, Tänzer usw) sondern insbesondere das Leitungsteam, also den gesamten Stab der dem Intendanten künstlerisch zur Seite stehenden Mitarbeiter wie Pers. Referenten, Disponenten, Dramaturgen, Assistenten, Regisseure, Kapellmeister, Repetitoren usw.

2.3   Dies  hat weiter zur Folge, dass auch alle anderen dem Intendanten faktisch jetzt aufgezwungenen “alten“ Mitarbeiter nach menschlichem Ermessen –  mit einem nachgeholten Kündigungsschreiben der neuen Intendantin in der Tasche – ganz sicher nicht den Einsatz und die Motivation aufbringen können, die für Theaterarbeit – immer, und erst recht für einen Neuaufbruch – unverzichtbar sind.

Obwohl diese dargestellten Konsequenzen allein der Antragsteller und AR-Vorsitzende Söhnchen zu vertreten hat, spielt das mangelnde Durchsetzungsvermögen der Antragstellerin (Caron Anm. d. Verf.) – deshalb werden die fatalen Folgen hier so detailliert dargelegt – zum Schaden des Theaters eine entscheidende Rolle:

Während nämlich für einen außenstehenden ‚Nicht-Theatermann‘ wie Herrn Söhnchen diese komplexen Zusammenhänge, wenn überhaupt, nur sehr schwer zu durchschauen waren, hätte zumindest Frau Caron, die seit dem 26. September aufgrund des Votums der Findungskommission wusste, dass sie voraussichtlich ab der Spielzeit 17/18  für das Theater die volle Verantwortung übernehmen müsse, ihren zukünftigen ja mehrheitlich ahnungslosen Aufsichtsrat noch einmal warnen und ihn ganz einfach nicht in die Herbstferien entlassen dürfen, bevor nicht  die  – wie dargelegt  – erforderlichen Beschlüsse gefasst waren.“

Was sagt uns das? Entweder war es – wie so häufig – grassierende Inkompetenz, die diese üble Bredouille heraufbeschworen hat oder unerträgliche Ignoranz, oder, wie immer wieder gerne in Hagen, eine grausige Mischung aus Beidem.

Sowohl das Eine, als auch das Andere machte eigentlich einen Rücktritt unserer freundlichen Kugel mit dem Künstlerschal unvermeidbar, wenn – ja wenn da nicht diese kindische Renitenz wäre, die ihn und andere ganz sicher davon abhalten wird, vielleicht zum ersten Mal in ihrer politischen Laufbahn etwas Bemerkenswertes zu tun. Oder um es mit einem Söhnchen-Zitat in abgewandelter Form zu sagen: „Lieber keinen AR-Vorsitzenden als einen schlechten.“

Noch ein Auszug aus Ulrich Schwabs Schutzschrift:

„Denn für einen kompetenten AR-Vorsitzenden hätte es ja nun wirklich kein unlösbares Problem sein dürfen, angesichts der beschriebenen Dringlichkeit auch ganz kurzfristig gem. § 14 (3), 2. Satz des Gesellschaftervertrags eine beschlussfähige außerordentliche Aufsichtsratssitzung (z.B. zur Not in einer  Nachtsitzung) zusammenzutrommeln; zumal außer den fünf  Arbeitnehmervertretern, die ja nicht in Ferien waren, zur Beschlussfähigkeit nur weitere drei AR-Mitglieder erforderlich gewesen wären. Vom Antragsgegner (Schwab Anm. d. Verf.) darauf angesprochen, hielt der AR-Vorsitzende eine solche Flexibilität der Hagener Verwaltung jedoch kategorisch für nicht vorstellbar.“

Zitatende! Mehr entlarvende Wahrheit – und die von einem Außenstehenden – geht wohl tatsächlich nicht.

Vorerst … noch ein letzter erhellender Auszug aus der uns vorliegenden Schutzschrift des Generalintendanten des Nationaltheaters Mannheim a.D. und Anwalt mit Schwerpunkt Bühnenrecht.

Dominique Caron und Sven Söhnchen wollen dem Antragsgegner (Schwab Anm. d. Verf.)

„[…] untersagen, in Zusammenhang mit der Berufung der Antragstellerin zur Intendantin des Theater Hagen Einzelheiten des Berufungsverfahrens zu veröffentlichen und weiterhin kritische Äußerungen über die Antragstellerin und den Antragsteller zu verbreiten.“

Ein befreundeter Künstler mit hoher Reputation in Hagen gab vor ein paar Tagen zu bedenken, ob eine solche Schlammschlacht für unser Theater nicht eher kontraproduktiv sei und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht eher Schaden zufügen würde. Seine Bedenken sind durchaus berechtigt, lassen aber eine wichtige Frage unbeantwortet:

Darf man das Theater und seine wunderbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich in Zukunft mit solchen Leuten alleine lassen?

Nein. Das darf man nicht!

Noch vor Dienstantritt eine (erste) Unverschämtheit

30. September 2016

von Christoph Rösner

„Ich werde mich mit ganzer Kraft meiner neuen Aufgabe in Hagen widmen, das traditionsreiche Theater mit seinen erfolgreichen Inszenierungen und seinem engagierten Mitarbeiterstab in eine erfolgreiche und sichere Zukunft zu führen.“

Diese Aussage, verehrte Madame Caron, wäre Ihnen, der designierten Intendantin unseres wunderbaren Theaters, angemessen gewesen.

Stattdessen lassen Sie sich im Ostholsteiner Anzeiger vom 28. September mit dem hinreißenden Satz zitieren: „Für Eutin wird das keinen Verlust bedeuten.“

Das ist eine respektlose Unverschämtheit gegenüber dem Theater, seinem engagierten Mitarbeiterstab und seinem Publikum.

Und die Lübecker Nachrichten Online titeln am 27. September gar: „Intendantin der Eutiner Festspiele bekommt Zweitjob in Hagen“.

Einen Zweitjob also werden Sie in Hagen antreten. Gehen wir mal nicht davon aus, dass Ihr Arbeitgeber Sie dafür bei der Minijob-Zentrale anmelden wird, oder?

Ihre Zweitjob-Fantasien in allen Ehren.

Aber Sie werden doch wohl nicht wirklich annehmen, ein Haus wie das Theater Hagen mit rund 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit seiner über hundertjährigen Tradition und einer imposanten Auslastungsquote von rund 80 Prozent in Ihrem fahrenden Büro zwischen Eutin und Hagen in eine gute und vor allem sichere Zukunft führen zu können?

Aber möglich scheint ja alles, heutzutage.

So wie es ja auch möglich war, dass die Verantwortlichen für die Hagener Kultursparpolitik das Theater an den Rand des Abgrunds gedrängt haben – über dem es im Übrigen immer noch schwebt – und die so genannte Findungskommission die Suche nach einem Nachfolger für Norbert Hilchenbach zur Intendantenresterampe hat verkommen lassen.

„Wie die Organisation sich gestalten werde, sei noch offen […] 450 Kilometer – das ist heute keine Entfernung mehr. Schlecht ist das nur für meinen Tacho“, so Caron, ebenfalls in den Lübecker Nachrichten Online.

Ihr Tacho, verehrte Madame Caron, interessiert uns hier herzlich wenig. Uns interessiert hier nur, ob und wie Sie sich mit ganzer Kraft Ihrer neuen Aufgabe in Hagen widmen werden, das traditionsreiche Theater mit seinen erfolgreichen Inszenierungen und seinem engagierten Mitarbeiterstab in eine erfolgreiche und sichere Zukunft zu führen.

Es stinkt gewaltig

25. September 2016

von Christoph Rösner

Hagen beschäftigt sich wohl nur noch damit, seinen Ruf als Dilettantenstadt endgültig zu manifestieren – und zwar nachhaltig.

Nachhaltigkeit ist ein viel bemühter Begriff in diesen Tagen. Und auch unser Ob Schulz verwendet ihn gerne, wenn auch in anderem, negierenden Zusammenhang. „Selbstverständlich ist uns klar, dass eine konzertierte Aktion nicht nachhaltig für eine saubere Stadt sorgen kann“, hat er bei der PK im Rathaus verlauten lassen im Hinblick auf die nächste Putz- und Wieneraktion, diesmal in Altenhagen.

Und weil eine solche Aktion nicht nachhaltig sein kann, werden jetzt die Bewohner zur zweiten, in keinem Fall nachhaltigen Aktion „eingeladen“, sich an der Grundreinigung ihres Stadtteils zu beteiligen.

Die Erkenntnis, dass die allermeisten von Ihnen bereits ordentliches Geld über Ihre Müllgebühren an die Stadt abführen, damit diese, bzw. ihr sauberes Töchterchen HEB, ihren Stadtteil sauber hält, muss wohl irgendwo unter den Müllbergen verschütt gegangen sein. Und weil die HEB das nicht packt, werden jetzt Einladungen zum Feudeln ausgesprochen?

Warum streckt Ihr die Leerungsintervalle nicht noch mehr (wie wär´s demnächst nur noch viermal im Jahr, damit´s rechtzeitig zu den hohen Feiertagen alles hübsch ansehnlich ist?).

Warum gebt Ihr nicht sämtliche Containerstandorte einfach komplett auf, und fegt und wienert die sogenannten besseren Wohnquartiere noch häufiger wie eine Hausfrau, die nichts Besseres zu tun hat?

Dafür könnt Ihr dann ja wöchentlich Einladungen verschicken nach Altenhagen und Wehringhausen und Haspe und Eckesey! So könnt Ihr richtig Geld sparen, das Ihr bestimmt woanders versenken könnt.

Nein! Wie wär´s mit einer Armada Saugdrohnen, die dann nur noch ein qualifizierter HEB-Mitarbeiter aus seinem Gefechtsstand bedienen müsste …

Ihr habt doch wirklich nicht mehr alle Latten am Zaun!

So wie Euer derzeit größter Coup – diese fantastischen,  unterirdischen Müllgräber in der City mit ihren Edelstahlpömpeln, mit Kippenigeln dekoriert. Mag ja sein, dass an dieser Art von unsichtbarer Müllsammlung was dran ist – solange nur was reingeworfen wird.

Aber wehe, wenn das Güllegrab entleert, der ganze Schmodder mit einem Sauggerät hochgepumpt wird! Dann verweilt man besser im Eingangsbereich von Douglas, weil einem ansonsten der Verwesungsgestank derart die Birne vernebelt, dass man lieber auf einer Müllkippe shoppen gehen würde.

Hierzu etwas Grundsätzliches an alle hilflosen Verantwortlichen:

Ich kann mich tierisch aufregen über solche Zeitgenossen, die nach ihrem letzten Schnellfressstopp bei MacDoof die Verpackungsreste einfach aus dem Autofenster entsorgen.

Ich kann mich ebenfalls tierisch darüber aufregen, wenn irgendwelche Dumpfbacken, egal welcher Nationalität, meinen, ihren Sperrmüll an Straßenecken, in Hauseinfahrten oder sonst wo loswerden zu können.

Aber ich kann mich genauso tierisch aufregen, wenn Stadtplaner oder –Lenker meinen, es sei damit getan, Müllbehälter im Erdreich zu versenken oder die Bürger zum gemeinsamen nicht-nachhaltigen Großreinemachen einzuladen.

Es geht um Psychologie. Wer verinnerlicht hat, in einer vermüllten Stadt mit pathologischer Identitätskrise leben zu müssen, dem ist es völlig schnuppe, wenn das bisschen eigener Müll noch dazu kommt. So einfach ist das.

Und wenn sich zu all dem Wahnsinn noch stammelnde Mitarbeiter der HagenAgentur im WDR als absolute Deppen outen in Sachen Breitbandausbau und ernsthaft vor laufender Kamera ankündigen, jetzt aber doch ganz bald ein Consulting-Unternehmen beauftragen zu wollen, das sie bei der Beratung über die Anzapfung prall gefüllter Fördertöpfe beraten soll und dafür 50.000 Ocken raushauen wollen, weil es dafür ja Fördergelder gibt – fürs sich Beratenlassen! – dann allerdings darf den denkenden, reflektierenden Hagener Bürger – und die Bürgerin wirklich gar nichts mehr wundern.

Mein Fazit: Praktikanten an die Macht und auf nach Hohenlimburg!

Und für alle, die es noch nicht wissen: HEB bedeutet „Hagen Endet Böse.“

Noch’n Märchen: Die neue Stadt

13. August 2016

Ein Zukunftsheimatmärchen

von Christoph Rösner

Den Bewohnern jener Stadt zwischen Ruhrgebiet und Sauerland, von der hier Zeugnis abgelegt werden soll, ging es schon sehr lange sehr schlecht.

Sie waren längst müde geworden, ihre Sorgen, ihre Kritik und ihre Wünsche an ihre Heimatstadt in die verkleisterten Ohren der Offiziellen zu schreien. Vielen war die Stadt der überdimensionierten Pläne, des Realitätsverlustes und der gebetsmühlenhaften Beteuerungen auf eine bessere Zukunft kein Zuhause mehr. Die Identifizierung mit ihrer Stadt bereitete Kopfschmerzen allenthalben. Eine milliardenschwere Schuldenlast tat ihr Übriges.

Selbst die durchaus reizvolle, waldreiche Landschaft, die unsere Stadt wie sanft ansteigende Wände einer gigantischen Salatschüssel begrenzte, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie im Laufe der Jahre des Parteienfilzes und grenzenloser Dummheit zum Hort für Dilettanten, Untergangsverwalter und eine deprimierte Bürgerschaft verkommen war.

Kunst und Kultur waren, bis auf wenige, kaum erwähnenswerte Ausnahmen, zur Marginalie verkommen. Das ehemals leuchtende Dreisparten-Theater hatte man zur profanen Spielstätte mit durchaus niedrigem Niveau degradiert, das nur unterboten wurde, wenn zur Weihnachtszeit ein abgehalftertes Helene Fischer-Double das deutsche und internationale Weihnachtsliedgut in die überfüllten Sitzreihen erbrach.

Gastronomisch galt die Stadt als Franchise-Brache. Ein Titel, der ihr immer und überall vorauseilte. Zu wenig, zu teuer, zu schlecht. Diese Attribute, die während der vergangenen fünfundzwanzig Jahre unveränderlich im Volksmund kursierten, waren derart in Stein gemeißelt, dass erfolgversprechende Neuansiedlungen so gut wie unterblieben. Das Gegenteil war der Fall: alteingesessene Unternehmen verließen das sinkende Schiff. Nur die Ratten vermehrten sich prächtig.

Der Ruf der Stadt, und nicht nur der Gastronomische, ließ weit über ihre Grenzen hinaus die Mundwinkel fallen. Kurz: in der Stadt herrschte eine merkwürdige Mischung aus veröffentlichter Aufbruchsstimmung und tiefer, verinnerlichter Resignation.

Sowohl kommunale, als auch private Verantwortliche waren allesamt ehrenwerte Menschen, denen Böswilligkeit oder andere Untugenden durchaus nicht unterstellt werden durften. Sie hatten erstaunliche Fähigkeiten in der Selbstversorgung, der Mittelverschwendung und der Stadtteilvermüllung entwickelt, nur zum Denken, Planen und kreativen Handeln waren sie nicht zu gebrauchen.

Niemand wunderte es, dass den meisten von ihnen das Mitfühlen, das Fantasieren und Mitreißen derart schwer fiel, dass sie es schon seit Jahren nicht mehr praktizierten, während alle anderen verzweifelten.

Und so setzte pünktlich zum Wochenende eine Reisewelle in die umliegenden, tatsächlich nicht schöneren, aber irgendwie attraktiveren Städte ein. Zurück blieb eine halb verwaiste Stadt, leidend an der eigenen tragischen Selbstzerfleischung bis zum nächsten Montag.

Erst eine unwirkliche, historisch einzigartige Naturkatastrophe beendete diesen bedauernswerten Zustand. Ihr verdankte die Stadt an der Vau eine neue Identität, die ihre Bürger wie ein himmlisches Geschenk in Empfang genommen hatten.

Zwar war der für 2012 von den Maya vorhergesagte Weltuntergang ausgeblieben, und auch die Menschen in unserer Stadt, denen ihre letzte diffuse Hoffnung durch das Ausbleiben genommen worden war, atmeten wieder flacher, gingen ernüchtert und enttäuscht ihren täglichen Pflichten nach.

Bis zu jenem denkwürdigen Tag im Jahr 2020, von dem hier Zeugnis abgelegt werden soll.

Im Spätsommer besagten Jahres begab es sich, dass dem Klimawandel geschuldete widrige Wetterverhältnisse und das definitiv falsche Gutachten eines Arnsberger Geologen eine innige und schöpferische Verbindung eingingen.

Eine gewittrige Regenfront, vom Deutschen Wetterdienst auf den Namen Eriko getauft, hatte ihre Attacken gegen das Land genau über unserer Stadt abgeblasen und lagerte nun unverrückbar für mehrere Wochen über den bewaldeten Erhebungen, die wie ein Ringwall die Stadt umschlossen.

Hier nun entledigte sich Eriko ihrer Wassermassen, die unerschöpflich niederprasselten. Zur gleichen Zeit, die genaue Ursache konnte nie ermittelt werden, stürzte im Bereich des Rathauses die Decke einer gigantischen, bis dahin unbekannten, unterirdischen Kaverne unter der Last des Wassers und des bereits erwähnten, völlig falschen Arnsberger Gutachtens ein. Ein weit verzweigtes System ebenfalls unterirdischer und ebenfalls völlig unbekannter Wasseradern bündelte hierauf seine ganze Kraft und erbrach sich hungrig und gurgelnd ans Tageslicht. Solche Wassermassen von oben und von unten waren für das Abwassersystem unserer Stadt nicht zu verkraften. Das Oberzentrum soff ab, langsam aber stetig.

Und wie erging es den Menschen? Euphorisiert, ja, freudig erregt fügten sie sich ohne sichtbare Anzeichen von Panik oder gar Angst in ihr unvermeidliches Schicksal.

Man glaubte, Nostradamus oder die Maya oder wer auch immer habe doch Recht behalten. Nur in der lokalen Ausdehnung der Prophezeiung sei wer auch immer einem Irrtum aufgesessen. Man verzieh wem auch immer gnädig und nachträglich.
Zuerst wurde die Innenstadt geflutet. Die wunderschönen Nachkriegsfassaden im Stil der fünfziger- und sechziger Jahre, die reizenden Krempel- und Handyshops sowie sämtliche aparten Schnellfresstempel versanken zuerst in den schmutzigbraunen Fluten.

Mit ihnen das miserable Preis-Leistungs-Verhältnis, die üblen Weißweine und die seltenen, meist unterirdischen Speisenangebote.

Die Vau, das ehemals malerische Flüßchen, an deren romantisch betonierten Auen und verzauberten Reißbrettwindungen sich traditionsgemäß niemals Verliebte ausprobiert hatten, entledigte sich ihres Betonkorsetts und riss alles Bewegliche mit sich, um es irgendwo im Umland abzuliefern.

Die Stadt, die nie ein Boot in seinem Element gesehen hatte, war plötzlich bevölkert von einer Armada kleiner und größerer Wasserfahrzeuge, und niemand fand eine Erklärung für ihr plötzliches Auftauchen. Die Menschen paddelten, ruderten oder schipperten mit einem Lied auf den Lippen ihre Habseligkeiten aus dem Bereich der akuten Bedrohung. Und das Wasser stieg weiter und weiter. Bald waren auch die angrenzenden, höher gelegenen Stadtteile überflutet, und nach mehr als drei Wochen war der Ort zur Gänze in den denkwürdigen Fluten verschwunden. Und er blieb es.

Entgegen allen Expertenmeinungen, auch jenen aus Arnsberg, floss das neu entstandene, von seinen freudig verdutzten Anrainern eilig in ‚Vausee‘ getaufte Binnengewässer, nicht ab. Und schon in den ersten Sonnenstrahlen der postsintflutlichen Tage prangten unerwartete Graffitti-Botschaften herab von den drei Türmen, die wie Mahnmale die östlichen Eckpunkte des Sees markierten. Es waren keine Hilfeschreie, keine Stoßgebete, wie sie zu erwarten gewesen wären.

„Hier bleibe ich!“, stand dort zu lesen, „Dass mir ja keiner den Stöpsel zieht!“ oder „God was here.“

Die Zeit der langen Gesichter war vorbei. Lächeln und Freude waren zurückgekehrt in die Mienen und Seelen der unerfahrenen Seeanwohner.

Tote und Verletzte waren nicht zu beklagen gewesen. Sogar der Stadtrat, der in einer seiner ungezählten nicht-öffentlichen Sitzungen von der Katastrophe überrascht wurde, konnte sich vollzählig retten.

Die Heimatverbundenen investierten die Mittel, die ihnen schnell und unbürokratisch aus Berlin zugeflossen und siedelten sich am Rande des Vausees an. Sie errichteten architektonisch ästhetische Wohn- und Geschäftshäuser, brachten in gemeinsamer Anstrengung eine Uferpromenade zustande, die wie eine schimmernde Schlange in der Sonne sanft den neuen See umfing. Autos und LKW mussten laut einstimmigem Ratsbeschluss in öffentlicher Sitzung – die nicht-öffentlichen waren in einer nicht-öffentlichen Sitzung einstimmig abgeschafft worden – Neuhagen am Vausee, so der bei einem historischen Gründungsfest verkündete Name unserer Stadt, das Gebiet weiträumig umfahren. Bepflanzte Plätze und blühende Einkaufsstraßen waren ausschließlich den Menschen vorbehalten. Und nach einer historisch einzigartig kurzen Zeit des Wiederaufbaus versammelten sich die stolzen Bürger in den unzähligen, von privaten Betreibern betriebenen Cafés und Restaurants, die, einer Perlenkette gleich, wie durch Zauberhand nach nur einem Jahr die Promenade säumten.

Künstler aller Sparten kamen, blieben und verschönerten die Stadt. Zeitungsmacher gedachten ihrer abgesoffenen Redaktionsräume und verschrieben sich einem längst vergessenen, fairen und glaubhaften Journalismus. Das Theater, wieder errichtet in Ufernähe und mit reichlich Mitteln ausgestattet, mauserte sich binnen kürzester Zeit zu einem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten und geschätzten E – und U-Tempel, die ehemalige Fernuniversität, mit der die Stadt vergeblich geworben hatte, wurde in eine Präsenzuni umgewandelt, die Steuereinnahmen sprudelten, Zuwanderer siedelten sich zuhauf an, und in den Nachbarstädten fielen die Bierleitungen trocken.

Niemand trauerte um die alte, versunkene Stadt an der Vau. Die Einwohner waren regelrecht verliebt in ihre neue Stadt. Gastfreundschaft wurde groß geschrieben. Aus dem ganzen Land strömte qualifiziertes Servicepersonal nach Neuhagen, das sich liebevoll einheimischen wie zugereisten Gästen widmete, die plötzlich zahlreich und neugierig die einladende Flaniermeile am See bevölkerten.

Dem neuen Vausee verdankte die alte, tief in der Seele zerrissene, identitätslose Stadt, deren Reste auf dem Grund des Gewässers vermoderten, ihren neuen Ruf als lebenswerter Flecken mit Charakter und Charme.

Nur bei Niedrigwasser ragt noch heute gläsern schimmernd aus der Mitte des Sees die vieleckige Plattform des historischen Rathausturms samt Fahnenmast, die während der heißen Sommermonate den kleinen und großen Wasserratten als Badeinsel dient. Ab und an, so erzählt man sich in alten Überlieferungen aus einer traurigen Zeit, sollen noch heute rot lackierte Esel und der metallische, unvollständige Schriftzug „Volmegale“, den manche zu Galerie, andere zu Galeere vervollständigen, vom Grund herauf an die Oberfläche steigen und dort für kurze Zeit verharren, bevor sie erneut hinabsinken in das wässrige Labyrinth am Boden des Vausees.

In seltenen, mondhellen Sommernächten, wenn der Pegel seinen niedrigsten Stand erreicht hat, gibt der See den Aufbau des ehemaligen Arbeitsamtes frei. Dann fahren die Neustädter mit ihren Booten hinaus auf den Vausee, um im Schein ihrer zahlreich mitgebrachten Scheinwerfer einem einzigartigen Spektakel beizuwohnen.

Tief unten, in den Schluchten der versunkenen Stadt, sollen, so die Legende, ein ehemaliger Baudezernent, ein Kämmerer und der letzte Oberbürgermeister auf dem lächerlichsten Kreisverkehr aus vergangenen Tagen, ehemals Ecke Konkordia/ Bergstraße, ihre ewigen Runden drehen.

Ein Traum, zwei Frauen und eine Saftpresse

3. Juli 2016

Von Christoph Rösner

Gestern, liebe Freundinnen und Freunde, hatte ich einen wunderschönen Traum. Ich kauerte ganz dicht neben der verschlossenen Tür des Oberbürgermeisterbüros, hinter der bekanntenmaßen alle zentralen Stellschrauben für eine gute Zukunft unserer Stadt gedreht werden.

Dass ich einem vertraulichen Vieraugengespräch lauschte, wurde mir schnell bewusst. Da war sie, die Respekt und Glaubwürdigkeit einflößende Stimme unserer geschätzten Oberbürgermeisterin Erika Müller-Meier-Schmidt, und zum anderen die unaufgeregte, zwischen Demut und Souveränität changierende Stimme der stellvertretenden Chefredakteurin unserer Lokalzeitung, Martina Schwarzke.

Mein Gedächtnisprotokoll soll hier die Konversation der beiden wiedergeben, damit Ihr selbst Euch ein Bild machen könnt, was diese zwei verantwortungsvollen Frauen im Sinne unserer Bevölkerung und einer funktionierenden demokratischen Ordnung umtreibt.

Erika M.- M.- S.: „Verehrte Frau Schwarzke, Sie wissen, wie sehr mir das Wohl unserer Stadt am Herzen liegt. Daher, und nur aus diesem Grund, möchte ich Sie bitten, als stellvertretende Redaktionsleiterin den Zukunftsprozess, den wir eingeleitet haben und der, wie mir scheint, bei der Bevölkerung breite Zustimmung erfährt, auch weiterhin positiv und selbstverständlich kritisch zu begleiten. Die meisten meiner Vorgänger waren blasierte, eitle Narren, für die Kritik Teufelswerk war …“

„Ja, meine auch“, warf Martina Schwarzke kurz ein.

„Und ich werde alles daran setzen“, fuhr Erika Müller-Meier-Schmidt fort, „meinen Weg so weit entfernt wie möglich von ihren ausgetretenen Pfaden fortzusetzen. Ich fühle mich einzig dem Wählerauftrag verpflichtet. Und ich werde immer die Frau bleiben, als die ich dieses Amt angetreten habe, und daher ist es unerlässlich für mich, persönliche Eitelkeiten hintanzustellen.

Kritik ist das Lebenselixier einer erfolgreichen Amtsführung. Mir geht es um Transparenz, um ein offenes Miteinander und die radikale Verbannung politischer Entscheidungen aus den Hinterzimmern. Dafür werde ich mich immer einsetzen. Daher wünsche ich, dass mir immer alles vorliegt, um richtige Entscheidungen für eine gute Zukunft unserer Stadt treffen zu können.

Martina Schwarzke: „Nichts anderes hätte ich von Ihnen erwartet, Frau Müller-Meier-Schmidt. Und ich, beziehungsweise wir in der Redaktion sind da ganz bei Ihnen. Es gibt da nur ein Problem: Auch uns in der Redaktion liegt immer alles vor, weil der Rat nicht dicht ist. Als Journalistin freue ich mich natürlich über jede Quelle, die mir Zusatzinformationen verschafft, aber im Hinblick auf demokratische Gepflogenheiten finde ich diese Form des Durchstechens und unreflektierten Weiterplapperns von höchster Stelle doch bedenklich.

Erika M.-M.-S.: „Ja, diese unsägliche Praxis ist mir bekannt, und ich weiß auch, dass ich – leider – ein Gutteil meiner Arbeit in die Entfilzung unseres Politikbetriebes zu investieren gezwungen bin, soll unsere Arbeit von Erfolg gekrönt sein. Ich will alles daran setzen, diese Lecks zu schließen. Wir wollen doch alle nicht in diese vergifteten Zeiten zurückfallen, da auch von ihren Vorgängern, verehrte Frau Schwarzke, mit Halbwissen, bewussten Fehlinformationen oder anderer wenig glaubwürdiger journalistischer Einmischung versucht wurde, die Politik massiv zu beeinflussen, böse Stimmung zu verbreiten und Bürger, die für den Erhalt unserer Kultur kämpften, aufs Widerlichste zu verunglimpfen. Ich denke, diese Zeiten haben wir hinter uns gelassen.

Martina Schwarzke: „Ja, das waren tatsächlich widerliche Zeiten. Wir haben lange und intensiv daran arbeiten müssen, unsere eigene journalistische Ehre wiederherzustellen und das Vertrauen unserer Leserschaft zurückzugewinnen. So viel zerschlagenes Porzellan lässt sich nicht mit weinigen Federstrichen wegräumen.

Erika M.-M.-S.: „Aber Sie haben sich dieser Aufgabe gestellt und waren erfolgreich. Heute beginnt unsere Stadt zaghaft zu blühen, unser Theater, unsere Kultur und auch Ihre Zeitung stellt niemand mehr in Frage, weil wir die Prioritäten neu geordnet haben.

Wir machen die Politik, Sie berichten darüber und kritisieren uns dafür. So funktioniert eine demokratisch verfasste Gesellschaft. Das rücksichtslose Durchforsten unserer Stadttöchter hat uns genügend finanzielle Freiräume beschert, dass mir heute die damalige Spardiskussion um das Theater geradezu lächerlich erscheint.

Martina Schwarzke: „Nur Freunde werden Sie mit dieser Aktion nicht gefunden haben …

Erika M.-M.-S.: „Ganz sicher nicht.“

In diesem Moment hörte ich sie herzlich lachen.

„Glauben Sie, ich wäre Oberbürgermeisterin geworden, um mir Freunde zu machen?“

Und ihr aufrichtiges, offenes Lachen drang durch alle Ritzen, alle Türen und verbreitete sich auf den Rathausfluren.

„Nein, liebe Frau Schwarzke, bevor ich dieses Amt antrat, hatte ich fünf Freunde, auf die ich stolz sein und auf die ich mich blind verlassen konnte. Diese Fünf gibt es immer noch, und keinen von ihnen habe ich – nach ihrer Aussage – bis heute enttäuscht. Hätte ich geglaubt, in diesem verfilzten Politikbetrieb Freunde finden oder so genannte Freunde behalten zu können, würde mich die Enttäuschung meine gesamte Amtszeit begleiten. Denn sie würde mich lähmen, und ich würde vermutlich alles unternehmen, sie in etwas für mich Positives zu verwandeln, indem ich mich auf jedem duseligen Stadtfest etwa in die Menge werfe und mich mit oder von Hinz und Kunz ablichten lasse. Nein, nein, meine Liebe, sollte es jemals soweit kommen, werde ich dieses Büro jemand anderem zur Verfügung stellen.

Kritik ist wichtig. Es gilt nur, sich solche Kritiker vom Hals zu schaffen, die sich selbst bei einer Saftpresse als Journalisten bewerben würden.“

Und wieder lachte sie ihr herzlich warmes Lachen.

„Ich denke, Sie wissen, wovon ich spreche, liebe Frau Schwarzke. Und nun muss ich unser anregendes Gespräch beenden. Wir sehen uns später bei Figaros Hochzeit …?“

Wie gesagt, liebe Freundinnen und Freunde, ich habe ein Traumgespräch protokolliert. Das Aufwachen war hart. Und es war widerlich. Da las ich von präzisierten Entscheidungskorridoren, von keineswegs schmeichelhafter Lobbyarbeit für den Kulturstandort Hagen, von kontraproduktiven Blockaden des Konsolidierungsprozesses und so weiter. Und mir wurde schlagartig bewusst, in welcher hilflosen, von verfilzten Männerfreundschaften, gruseligen Politallianzen und Saftpressejournalisten in die Bedeutungslosigkeit getriebenen Stadt so viele von uns (über-)leben müssen.

 

Ab in die Ecke! Marsch! Marsch!

23. Juni 2016

von Christoph Rösner

Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber. Wenn sich allerdings zur Angst noch die Inkompetenz gesellt, dann aber in Deckung, liebe Hagenerinnen und Hagener!

Das hätten sie gerne …

Gut, die Inkompetenz – zumindest in Sachen Kultur und Theater – ist in Hagen ja traditionell sehr ausgeprägt und hat schon einige Jährchen und Akte auf dem Buckel, was sie allerdings nicht hindert, mit der Gehhilfe herumzufuchteln und – das ist nun mal ihre Bestimmung – mit inkompetentem Gefasel das Ansehen unserer Stadt nachhaltig zu beschädigen.

Verpackt wird das Ganze nun final, denn die Inkompetenz kommt durchaus bauernschlau daher, in solch schöne Aussagen wie: „Ganz Hagen kämpft für die Zukunft des Theaters. Das ist ein gutes Signal!“, herausgegeben vom Fraktionsvorsitzenden der CDU am 21. Juni und in einer gemeinsamen Erklärung der Rats-Fraktionen in die Hagener Öffentlichkeit geröspelt.

Und im dritten und letzten Akt wird uns nun der schlagende Beweis institutioneller Frechheit und Inkompetenz und Angst präsentiert.

Da schwadroniert Herr Röspel von „besserer Struktur der Eintrittspreise, Kostensenkungen in allen Bereichen, attraktivere Angebote mit Event-Charakter, mehr Präsenz und Kooperation in der Region und eine bessere Mischung aus spezialisierter Hochkultur und attraktiven Programmen mit Breitenwirkung … […] und natürlich muss auch der demografische Wandel herhalten und die “Generationen mit zunehmendem Migrationsanteil“. Was soll man machen, der Mann kennt sich halt aus, und sagt den Theatermachern, wie man Theater macht.

Dass für eine äußerst obskure Petition rund 8000 Unterzeichner aus dem Umland rund 50 Kilometer um Hagen herum den Kuli in die Hand genommen haben, unterschlägt er geflissentlich.

Dass die Spielpläne des Theaters unter der Leitung Hilchenbach/Ludwig zu den am breitesten gefächerten überhaupt gehören, selbstverständlich auch. So wie er natürlich auch unterschlägt, dass die unter anderen von ihm vertretene Migrationspolitik zur Ausgrenzung unserer Migranten geführt hat, die er aber jetzt reihenweise ins Theater locken möchte.

Und dann der gute Herr Riechel von den Grünen! Auch ein ganz ein Frecher. „Anstatt die Öffentlichkeit mit Untergangsszenarien zu verunsichern, wäre es ihre Aufgabe gewesen, eine seit 2013 bekannte Konsolidierungsvorgabe, die erst im Jahr 2018 greifen soll, frühzeitig organisatorisch abzusichern. Dieser Verantwortung haben sich weder Hausleitung noch Aufsichtsrat erkennbar gestellt.“

Ja, man muss schon schlimm-blöde Aussagen verantworten, wenn man in einer „Allianz der Vernunft“ dahinvegetiert.

Und da meldet sich auch noch ein gewisser Dr. Bücker zu Wort. Allerdings ist mir meine Druckertinte zu schade, seinen hyperaktiven Blödsinn hier wiederzugeben. Wer´s lesen will, soll es tun. Erkenntnisgewinn? Null.

Ach ja, auch der gute FDP-Thielmann meldet sich zu Wort und spricht am Schluss für alle: […] „Wenn er [Hilchgenbach. Anm. d. Verfassers] allerdings heute über Bandansagen die Theaterbesucher für die Zukunft verunsichert, dann mag das seinem Intendanten-Ethos entspringen. Aber im realen Leben schadet er gerade allen potentiellen Nachfolgern.“

Nein, Herr Thielmann, nicht Hilchenbachs Bandansagen schaden potentiellen Nachfolgern, sondern die Zustände in dieser Stadt tun das. Verkünden Sie doch selbstbewusst und öffentlich: „Wir suchen für das Theater einen lustvoll, schmerzliebenden Masochisten, der sich diese Stadt und uns Ratsmitglieder anzutun bereit ist.“

Als Intendanten-Rambo hätte Claude-Oliver Rudolph dieses Anforderungsprofil vielleicht erfüllen können, weswegen er von einigen im Rat ja auch so vehement favorisiert wurde.

Spaß beiseite, denn Herr Thielmann fordert „eine gemeinsame Kraftanstrengung“, und dann kommt´s: „Der Rat ist dazu bereit.“

Jetzt werfen – Achtung! – die Pfeifenden im Walde die Leimruten für die ganz Blöden aus, und die Herren – Damen kommen wohl im Rat nicht mehr zu Wort – rufen zur gemeinsamen Kraftanstrengung auf!

Hört Ihr unser unheimliches Lachen?!

Kraftanstrengung? Mit Euch? Gemeinsam? Ihr, die Ihr sämtlichen Dialog im Keim erstickt, sämtliche Kompromissbereitschaft mit der groben Keule des Starrsinns und der Inkompetenz in Grund und Boden prügelt? Mit Euch präpotenter Altherrenriege  – präpotent kann man übrigens gut googeln – sollen die, die sich ernsthaft, kreativ und verantwortungsvoll um die Existenz unseres Theaters und die Jobs der MitarbeiterInnen sorgen, gemeinsame Sache machen? Glaubt Ihr wirklich selbst noch daran?

Ist Claus Peymann ein Begriff? Sicher. Oder?

Der schrieb vor zwei Tagen folgendes: „ Machen Sie etwas, das Politiker niemals tun – und das wäre ein Zeichen von Größe -, nämlich: einen Fehler einsehen und korrigieren. Die Sympathie und der Applaus der kulturellen Öffentlichkeit dieser Stadt, ihrer Menschen und aller Theaterleute in Deutschland wäre Ihnen gewiss.“

Oder aber: Marsch, Marsch! ab in die Ecke und für einen Augenblick in Euch gehen. Vielleicht findet Ihr da ja doch noch etwas, was Hagen wirklich gut gebrauchen könnte.

Die SPD – EX-Partei unseres Obs – ist offensichtlich in sich gegangen und hat gestern, einen Tag vor unserem wunderbaren Theater-Marsch ein Statement rausgehauen, das mich, und nicht nur mich, völlig umgehauen hat. So, Ihr Allianz-der-Vernunft-Koalitionäre, steht man öffentlich und uneingeschränkt für unseren Leuchtturm und seine MitarbeiterInnen ein! CHAPEAU SPD!

Martin Semmelrogge will OB werden

18. Mai 2016

TV-Bösewicht bewirbt sich für Hagens höchstes Amt. Und glaubt, die Stadt mit weitaus weniger Schulden hinterlassen zu können, als bisher vorgesehen.

von Maike Fiebrich

Er würde Hagen aufmischen, sagt er. Große Firmen holen und die Stadt raus aus der Provinz und hoch in die Elite-Liga der Ruhrgebiets-Städte katapultieren. Und zwar für noch weitaus mehr Geld als künftig zur Verfügung steht. Gemeinsam mit Prof. Dr. Sonja von und zu Semmelrogge, aktuell seine Künstler-Agentin, erklärte Lieblingsregisseurin und auch seine Ehefrau, will Schauspieler Martin Semmelrogge ein Gespann an der Spitze Hagens bilden und damit die Nachfolge des amtierenden Oberbürgermeisters antreten.

Darf er aber nicht. OB Schulz ist noch für weitere drei Jahre gewählt und will im Amt bleiben. Semmelrogge: „Wenn man unser Angebot und unser Konzept in Hagen nicht annimmt, dann willkommen auf DAS BOOT“.

Martin ist ein Boller Junge. Sein Vater (115) lebt immer noch dort. Seine erste Freundin, „die Chantalle“, kam aus Haspe. Martin ist Stammgast in der Jury des von Genfweich Felsheizer produzierten Hagener Langlangfilmfilmfestivals. Der für seine direkte und oft schroffe Art berüchtigte Martin, bekannt aus Produktionen wie „Das Boot“, „Praxis Lennebogen“, „Erik O. – Ein Mann geht seinen Weg“ und als Bösewicht in „Olaf Thon – der Pott ist nicht genug“, kommt oft wie der schnodderige Kumpeltyp daher.

Ein polarisierender Schauspieler, der zuletzt für Schlagzeilen sorgte, weil er beim in Moosgau stationierten und als tendenziös und propangadistisch geltenden TV-Sender DW Deutsch als kulturpolitischer Ressortleiter anheuerte. Es ist der Maus ihr Haus-Sender. „Sonja und ich stehen immer noch für Hagen bereit. Sonja würde die finanzielle Seite steuern und ich die repräsentative Außerdarstellung übernehmen.“

Semmelrogge studierte Politik und Macholistik am Dreikäsehoch-Institut in Wuppel hinter’m Berch und Kommunalwissenschaften an der FernsehUni Hagen. „Ich habe gelernt, wie man mit Derivaten, Krediten und diesen Hedgetagfonds umgeht“, beschreibt Semmelrogge seine Fähigkeit, aus wenig Geld noch viel weniger zu machen. „1,35 Milliarden Euro bleiben nach der neuesten Kürzung noch übrig. Das muss man sich mal überlegen. Eine richtig, richtig, richtig gute Stadtpolitik kannst du für noch viel mehr Geld machen. Zumal Sonja dafür bekannt ist, total viele starke Sponsoren aus der Stadt zu treiben.“

Die Kontaktliste in seinem Handy strotze vor großen Namen, leider meist ohne Nummern. „Ich würde bekannte Firmen nach Hagen holen. Unser Engagement wäre die Chance, das Ruhrgebiet abzuhängen. Essen, Dortmund, Bochum. Mit einer Panzerfabrik oder den innovativen U-Boot-Batterien ginge es vorwärts!“

In der Bewerbung, die Sonja und Martin Semmelrogge schon im Frühjahr 2015 abgegeben hätten, wären die Realitäten in Hagen schonungslos hinterfragt worden. „Wozu benötigt man einen Rat mit sage und schreibe 62 Ratsmitgliedern? Mal zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Diktator kommt mit nur einer Person aus. Und die Ratssitzungen? In Wuppertal, ganz in der Nähe, gibt es schon einen Rat. Wenn man sowas in Hagen haben möchte, dann müssen die, die das haben wollen, auch dafür bezahlen. Ansonsten kann man ja einfach die Wuppertaler Entscheidungen übernehmen.“ Die eigenen Entscheidungen seien qualitativ viel zu schlecht und zu teuer gewesen. Die Stadt sei doch kein politischer Sandkasten.

„Mit mir hätte man gleichzeitig einen bekannten Schauspieler an Bord gehabt. Das hat auch damals bei Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger gut funktioniert. Ich würde selbst an der Volme regieren und alle Ratsmitglieder ersetzen. Das würde einen sechststelligen Betrag sparen. Sonja würde als Kämmerin agieren. Darüber wäre die Neuverschuldung abgegolten.“

Die Ratsfrau Svenja Töchterchen: „Die Bewerbung von Semmelrogge wurde gesichtet. Er hat ein interessantes Rezept vorgestellt. Wir fanden es aber letztlich noch nicht nahrhaft genug.“ Im vergangenen Jahr habe sie mit Semmelrogge Dinkelbrot und Weizentoast zusammen gegessen und über den Sinn einer Bewerbung Semmelrogges gesprochen. Danach habe es kein persönliches Essen mehr gegeben.

Dreht Euch nicht um, der Dummtroll geht um!

7. Mai 2016

von Christoph Rösner

Nun habe ich mich als Verfasser der hier im Doppelwacholder regelmäßig erscheinenden Glossen – der Doppelwacholder mausert sich im Übrigen inzwischen zu einem ernst zu nehmenden Medium, weil gute journalistische Arbeit von immer mehr Menschen geschätzt wird – es mir auch noch zur Aufgabe gemacht, mit Hilfe einer Online-Petition dazu beizutragen, dass das TheaterHagen in seiner jetzigen Form erhalten und geschützt werden kann.

Und – das muss hier mal gesagt werden – die Unterstützung aus nah und fern ist wirklich imposant. Seit dem 16. April sind mehr als 6000 Unterschriften zusammen gekommen, die eindrucksvoll dokumentieren, wie groß das Bedürfnis ist, sich den Kulturabrissbirnen in den Weg zu stellen. Und noch weitere 40 Tage stehen dazu zur Verfügung.

Während meiner Arbeit an der Petition – Pressemitteilungen, Pflege der Petitionsseite, Unterschriften überprüfen, Kontakte, Gespräche, Unterschriften sammeln, Neuigkeiten aktualisieren etc. – stieß ich auf eine interessante Facebook-Seite mit dem Titel: „Hagen – eine Stadt steht endlich auf.“ Welch ein Titel! Eine von offensichtlich engagierten, verantwortungsvollen Administratoren geführte und kontrollierte Seite – ein eher seltenes Phänomen nicht nur bei Facebook.

Schnell wurde meinem Mitgliedsbegehren stattgegeben, weil ich ja bekanntermaßen auch zu den Aufstehern in dieser Stadt gehöre, und ich schickte meine ersten Posts ins Netz, selbstverständlich zum Thema ´Petition´.

Glaubt es mir, meine treuen Leserinnen und Leser, hättet Ihr innerhalb nur eines einzigen Tages in so viele aggressive, von nackter Angst und kleinbürgerlicher Häme angefüllte Seelchen schauen können wie ich, wäre Euch der Schreck in die Glieder gefahren, und der Grad Eurer gerechtfertigten Sorge um Eure Stadt wäre exponentiell nach oben geschnellt

Da brachten sich die willigen Paladine eines wohl Höheren Wesens in faszinierender Geschwindigkeit in Stellung, diesem neuen Mitglied mal –  wohl als Empfangsadresse – gleich so richtig einzuheizen und um ihm die Frontlinien aufzuzeigen. Gerne auch solche Leute, die nicht in Hagen leben oder nach getaner Arbeit ganz schnell wieder verschwinden.

Ich will mal ganz freundlich fragen: Was versteht Ihr unter „Aufstehen“? Vielleicht so? Wir stehen sofort auf, wenn jemand uns dazwischenfunkt? Oder: Wir stehen sofort auf, wenn jemand sich erdeistet, in unserem heimeligen Schmutz zu wühlen? Oder doch: Wir stehen sofort auf, weil das die Treue zu unserem Höheren Wesen gebietet?

Alle drei Lösungen wären doch wenig schmeichelhaft, oder?

Es soll ja Leute geben, die solche Gruppen nach den ersten Anfeindungen sofort wieder verlassen. Dass ich nicht zu denen gehöre … nein.

Es bereitet mir so wunderbare Gefühle, ja, versetzt mich geradezu in eine euphorische Stimmung! Einerseits, so viel Zuspruch von ganz vielen klugen und verantwortungsvollen Menschen zu bekommen, und andererseits, was kann es Schöneres geben, als völlig frei von jeglichem Amt, jeglicher Funktion und vor allem frei von dieser neuerdings sich überall auftuenden Haltung eines aufstehenden Kadavergehorsams die Sonne und den Frühling zu genießen und so ganz nebenbei sich im Liegestuhl über neue Posts zu amüsieren. Herrlich!

Aber es gibt auch ein ernstzunehmendes Problem: denn die Kreativität ist grenzenlos im Kampf gegen die Kritik – denn einige Seelchen, niemand weiß, woher sie kommen, tarnen sich – welch ein Zufall! – seit meinem Eintritt in diese Gruppe jetzt als Trolle, um die Petitionsseite zu unterwandern und mit Fake-Unterschriften zu torpedieren.

Im Englischen gibt es ein schönes Synonym für Troll: twit = Dummkopf. Gefällt mir persönlich wesentlich besser.

Wagenburg Rathaus und der Verlust eines wunderbaren Freundes

15. April 2016

von Christoph Rösner

„Für mich zählt nur Hagen“ oder „Wirklich was bewegen für Hagen“ oder „als Ihr Bürgermeister trete ich ein für Kompetenz im Rathaus.“

Erinnert sich noch jemand? Ich schon, und ich gestehe heute: vor knapp zwei Jahren habe ich diesen schlicht schönen Sätzen geglaubt und Erik O. Schulz mit zu seinem jetzigen Job verholfen.

Ich gestehe, ich kann mich kaum erinnern, je etwas derart bereut zu haben. Gut, die Alternativen waren ganz übel, aus damaliger Sicht, doch wie sagt der Volksmund? Schlimmer geht immer.

Denn was heute nach fast zwei Jahren an Machtarroganz, gepaart mit nahezu aggressiver Beratungsresistenz, an galoppierender Dummheit und verantwortungsloser Ignoranz sich im Rathaus der „Kompetenz“ breit gemacht hat, verschlägt einem nur noch den Atem, und das Lachen bleibt einem im Halse stecken.

Woher nehmt Ihr diese unerträgliche Ignoranz? Was macht Euch derart beratungsresistent? Wann kann, oder kann überhaupt noch damit gerechnet werden, dass Ihr Eure Augen und Ohren aufsperrt, um Euch dem Untergang dieser Stadt entgegenzustemmen?

Ist es Feigheit? Ist es Dummheit? Ist es diese Eurer Provinzialität so verlässlich geschuldete immanente Überheblichkeit, die Euch wie tumbe Bulldozer über alles hinwegrumpeln lässt, was nicht euren Vorstellungen entspricht?

Und sollte es das alles nicht sein – was ist es dann?

Haltung jedenfalls ist es nicht. Haltung hat in diesen Tagen nur einer bewiesen: Jürgen Pottebaum.

Alle Eure durchschaubaren Hoffnungen ruhten auf dem derzeitigen Marketingchef des Theaters. Ihr hattet geglaubt, mit dem könntet Ihr´s machen. Der lässt sich diese Chance nicht entgehen. Der unterzeichnet die Liquidationsurkunde seiner eigenen zukünftigen Arbeitsstätte. Fehlanzeige!

Er hat Euch seinen schlimmen Finger gezeigt und Euch eiskalt auflaufen lassen. Mit dieser wunderbaren Wendung in Eurem eigenen Schmierenstück habt Ihr nicht gerechnet, was?

Darf man schon Bilanz ziehen nach fast zwei Jahren? Man muss!

Namhafte Firmen winken zum Abschied noch einmal Servus. Eure aus dem eigenen Chaos geborenen wahnwitzigen Ideen und Vorschläge – siehe beispielsweise die Umwandlung der Max-Reger Musikschule in eine reine Jugendmusikschule – werden Euch schallend um die Ohren gehauen.

Die „Neue Musikzeitung“, das Kulturmagazin „Opernnetz“, der „Deutsche Bühnenverein“, die „Deutsche Orchestervereinigung“, der WDR, der „Musik-Gordi“, ein Offener Brief namhafter Künstler, eine nie dagewesene Flut überregionaler Kommentatoren und Medien laden Euch zu konstruktiven Gesprächen ein, wollen mit Euch gemeinsam die Hagener Kulturkuh vom Eis ziehen.

Doch nein, Ihr braucht sowas nicht. Nicht diese impertinente Einmischung von außen. Aber doch nicht mit uns! Was nehmen die sich raus, uns, die besten, die kompetentesten Lenker dieser Stadt beraten zu wollen! Wir kennen den Weg. Wir wissen, wie´s geht. Wir machen das schon.

Nichts wisst Ihr. Nichts macht Ihr. Ihr stochert im Nebel.

Ich will Euch was sagen: die besten, die kompetentesten, die verantwortungsvollsten Lenker einer maroden Pleitestadt – die Ihr ganz sicher nicht seid! – würden sich freudig erregt die Hände reiben, die letzten Kröten zusammenraffen und für solche wohlwollenden Berater einen reichhaltigen Tisch decken, an dem man dann gemeinsam und konstruktiv eine Lösung erarbeiten könnte. Und solche Politiker täten gut daran, sich die geballte und brachliegende Kompetenz in ihrer Stadt an den gemeinsamen Tisch zu holen, um den Stadtkarren aus dem Dreck zu ziehen.

Doch was macht Ihr?! Ihr verbarrikadiert Euch in Eurer Wagenburg, lasst niemanden an Euch ran, entblödet Euch nicht – statt Eure wertvolle Arbeitszeit für die Genesung Hagens einzusetzen – den Generalmusikdirektor wegen seines Facebook-Posts zum Musik-Gordi zur Zwangsaudienz einzubestellen, während der angehende Wirtschaftsingenieur und städtische Praktikant Michael Tramper mit klarem Kopf und der Fähigkeit zum Querdenken mal eben 5,1 Millionen aus dem Topf des Städtebau-Förderprogramms für Hagen akquiriert. Indem er nichts anderes tut als das Naheliegende: im Förderantrag erstmals mehrere Fachbereiche zu vernetzen. Ein Praktikant muss Euch zeigen, wie es geht!?

Wie viele Millionen habt Ihr Euch schon durch die Lappen gehen lassen, während Ihr wie wildgewordene Cowboys mit den 1,5 Millionen Sparvorgabe das Theater kaputtreitet?

Ja, so ist es wohl hier. Dafür aber steht immerhin schon das Motto für den diesjährigen Schaufensterwettbewerb, dieses wunderbarste aller Alleinstellungsmerkmale Hagens fest: ´Hagen im Fluss´ … gestartet vor Jahren mit mehr als 100 Teilnehmern, in 2015 waren´s nur noch rund 35.

Und ich habe mir vorgenommen, nein, bestimmt kein eigenes Schaufenster, im Herbst wie Laotse, in etwas abgewandelter Form, mich an einen der vier wundervoll romantischen Hagener Flüsse zu setzen und die vorbeitreibenden Leichen der Pfeifen und verflossenen Freunde zu beobachten …

Apropos, das muss ich in eigener Sache zum Schluss noch loswerden …es ist wirklich schlimm und schmerzt sehr, wenn Freundschaften enden…

Stellt Euch vor! Da hatte mir doch Erik O. Schulz, oder sein Referent für Öffentlichkeitsarbeit, wer weiß das schon genau, im vergangenen September eine Freundschaftsanfrage auf Facebook zukommen lassen!

Und ich war, das könnt Ihr mir jetzt wirklich, wirklich glauben, so dermaßen erfreut und stolz und glücklich – der OB will mich kleinen, bösen Schreiber als seinen Freund! – dass ich kaum an mich halten konnte.

´Das nenne ich mal Haltung´, dachte ich völlig beseelt und über die Maßen mit Glück angefüllt bei mir! Ungeachtet der vielen, nicht immer schmeichelhaften Glossen, die ich veröffentlichte, und in denen Erik O. wahrlich nicht immer gut da stand, wollte er MICH als seinen Freund.

Das war die kurze Zeit, in der ich die Hoffnung hegen durfte, meine Texte kämen da an, wohin sie gehörten und würden mit Interesse verfolgt. ´Er zeigt doch Größe, der kleine Erik O.´, dachte ich nicht ohne ehrliche Anerkennung bei mir.

Doch, und meine Trauer kann ich kaum in Worte fassen, vor einigen Tagen hat er mich dann wieder entfreundet oder entfreunden lassen, wer weiß das schon so genau.

Wieder nix mit Größe. Klein, arm, provinziell halt. Schade eigentlich.

Unser Dorf soll schöner werden

20. März 2016

Mit weniger Grundrechten und mehr Wohnblöcken

von Christoph Rösner

Auch der Dilettant hat zuweilen Einfälle,
die selbst den Anspruchsvollen zu verblüffen imstande sind.

Arthur Schnitzlers wunderbar satirisches Zitat fällt mir ein, wenn ich lese und höre, welche Blendgranaten derzeit in die Hagener Öffentlichkeit geschossen werden.

 „Wir müssen verdichteter bauen. Dazu braucht es mehr Wohnblöcke“, ist auch ein Zitat, doch stammt es nicht von einem in dieser Stadt noch unbekannten Satiriker, sondern vom Technischen Beigeordneten der Stadt, Thomas Grothe. Wir erinnern uns: das war jener Baudezernent, der in 2007 die Johanniskirche samt Vorplatz, einen der wenigen Eyecatcher mit historischer Bausubstanz in der Innenstadt, mit einer viergeschossigen, L-förmigen Bebauung verrammeln wollte.

Auf dem zweiten Baukongress der Firma Hofnagel und Bade hat er seine Ideen ungefiltert rausgehauen. Ob Grothe in dauerhafter Umnachtung inzwischen glaubt, Hagen nehme am Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden teil?

Wir wissen es nicht und hoffen inständig weiter, dass der Ideenhaubitze Grothe irgendwann doch noch die Munition ausgeht.

Und noch ein schönes Zitat, diesmal vom Großdichter Goethe, soll uns hier begleiten:

Die Dilettanten, wenn sie das möglichste getan haben, pflegen zu ihrer Entschuldigung zu sagen, die Arbeit sei noch nicht fertig. Freilich kann sie nie fertig werden, weil sie nie recht angefangen ward.

Womit wir bei Erik O. Schulz angelangt wären. Der sieht sich wohl zunehmend in die Enge getrieben von Kritikern seiner Amtsführung, von aufmüpfigen Generalmusikdirektoren, einer frechen Deutschen Orchestervereinigung (DOV) und einem ihm zu verleihenden Preis. Über den Musik-Gordi und seinen Nominierten habe ich mich in meiner letzten Glosse „Abstimmen!“ eingehend ausgelassen.

Aber der Reihe nach: der Geschäftsführer der DOV, Gerald Mertens, hat sich am 16. März in eindrucksvoller Weise über die Zustände in Hagen geäußert, die nur Unwissenden zu denken geben dürften.

„Als Bundesverband haben wir den Überblick über die Lage aller öffentlich geförderten Theater und Orchester in Deutschland“, schreibt er, „aber nirgendwo ist die Lage im Moment so verfahren wie in Hagen.“ Und weiter: „Viele Kommunen in Deutschland, die für ein Stadttheater verantwortlich sind, haben Haushaltsprobleme; nur wenige gehen damit derart unsensibel um“, um mit unverhohlenem Frust zu enden:

„Die Kommunikationskultur in Hagen scheint nicht nur zwischen Stadtspitze und Theater GmbH gestört zu sein. Auch die Dialogangebote der DOV, des Deutschen Bühnenvereins und anderer Verbände hat Oberbürgermeister Erik O. Schulz bislang unbeantwortet gelassen.“ […]

Na, wenigstens formuliert er noch eine Hoffnung auf zukünftige Dialogbereitschaft, der gute Herr Mertens. Mir droht sie inzwischen vollständig abhandenzukommen, seit öffentlich geworden ist, dass der Verwaltungschef mit dem unerschütterlichen Glauben an die eigene Unantastbarkeit GMD Florian Ludwig am Montag zu einem Vieraugengespräch zu sich ins Büro zitieren ließ, um mit ihm über unbotmäßige Facebook-Posts  – die er nur für Freunde zugänglich gemacht hatte! – in Sachen Musik-Gordi zu sprechen.

Wie konnte er auch nur aufrufen, für Schulz zu stimmen!

Man scheint sich in Hagen inzwischen kontinuierlich vom Artikel 5 des Deutschen Grundgesetzes zu verabschieden, um sich dafür vorzugsweise die offizielle türkische Auslegung des Menschenrechts Meinungsfreiheit zu eigen zu machen, unterstützt von den Lohnschreibern einer in die Bedeutungslosigkeit entschwundenen Restzeitung.

Macht alle nur weiter so, und entblößt Euch bis zur Kenntlichkeit!

Ob uns dieses Trauerspiel passt oder nicht: In der Stadt der Dilettanten sprudeln viele Quellen.

Wäre es Dilettantismus allein, könnte man Milde walten lassen. Und schon wieder eröffnet sich der Raum für ein punktgenaues Zitat, diesmal von Henrik Ibsen aus seinem dramatischen Gedicht Brand:

Dass du nicht kannst, sei dir vergeben, doch nimmermehr, dass du nicht willst.

Nichtwollen, gepaart mit Unfähigkeit, Trotz und Beratungsresistenz ist aber tatsächlich ein derart übles Gesöff, dass wir befürchten müssen, dass der Vollrausch samt Blackout sich hier zum Dauerzustand auswachsen wird. Und da hilft es auch nichts, dass eine andere Blendgranate – die Umwandlung der Max-Reger-Musikschule in eine reine Jugendmusikschule – als Rohrkrepierer in der Volme gelandet ist.

So Ihr noch klar denken könnt, nehmt Euch ein Beispiel an der alten Tante SPD – wahlweise auch der Hagener – Krippner und Konsorten lassen grüßen – ihr Schicksal sollte Euch zeigen, was passiert, wenn man die Belange der Bürger und Bedürftigen mit Füßen tritt.

Wer wohlwollende Gesprächsangebote in den Wind schlägt, wer gegen die Interessen der Bürgerschaft Politik macht, wer von Wohnblöcken faselt statt von Wohnumfeldverbesserung, wer leitende, die eigene Meinung äußernde Künstler zur Maßregelung herbeizitiert, und wer zudem noch so tut, als gehe ihn das alles nichts an, der wird über kurz oder lang als Fußnote den Orkus der Geschichte bevölkern.

Ich fürchte nur, das wird bis zur Kommunalwahl 2020 dauern. Viel zu viel Zeit, um noch mehr Schwachsinn zu fabrizieren, was aber auch wiederum nicht schlimm ist, weil mir sonst der Stoff ausgehen würde, und das ist das Letzte, was ich mir wünsche, und so verabschiede ich mich für heute mit einem Könner:

Ein Dilettant hat es geschrieben,
Und Dilettanten spielen’s auch.
Verzeiht, ihr Herrn, wenn ich verschwinde;
Mich dilettiert’s, den Vorhang aufzuziehn.

Goethe. Punkt.

Abstimmen! Abstimmen!

12. März 2016

von Christoph Rösner

Ich hab´s doch immer gesagt:

Unsere Hagener Verantwortlichen sind höchst preisverdächtig.

Und in diesem Fall ist es unser aller geschätzter Oberbürgermeister Erik O. Schulz.

Was ist passiert? Ein Preis? Für unseren Erik O.?

Ja, welcher denn? Wann denn? Und vor allem: Wofür denn?

Die Goldene Ganane?, die silberne Sitrone oder doch die kupferne Kokosnuss?

Nichts von alledem. Bleibt bitte alle ganz ruhig, denn vorerst ist Erik O. nur nominiert. Für den Musik-Gordi … hä?! Wofür?

Hier ein Auszug aus der Website http://www.musik-gordi.de:

„Der „Musik-Gordi – der gordische Knoten des Musiklebens“, wurde von dem Magazin Musikforum gemeinsam mit der „neuen musikzeitung“ ins Leben gerufen und wird seit 2013 im Rahmen der Internationalen Musikmesse Frankfurt am Main verliehen. Der „Musik-Gordi“ steht nicht in einer Reihe mit anderen so genannten Negativpreisen, sondern ist als Aufforderung zum Handeln zu verstehen, den gordischen Knoten zu durchschlagen und sich der Verantwortung gegenüber der Kultur und den Kulturschaffenden zu stellen.

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Rochadenorgie mit armer Sau

4. März 2016

von Christoph Rösner

Gerade dachte ich noch bei mir:´du müsstest – so glossenmäßig – mal wieder ordentlich die Sau rauslassen. Deine Fans – ja, die gibt es! – erwarten das von dir.´

Denn, was ich in den vergangenen Tagen habe lesen und erfahren müssen, was in der Innovations- und Ideenstadt Hagen so alles gedacht und ausgebrütet wird, ist schon höchst preisverdächtig.

Da soll die Max-Reger-Musikschule zurückverwandelt werden in eine Jugendmusikschule, obwohl (oder doch – weil?) der Erwachsenenbereich jener ist, der schwarze Zahlen schreibt und der Einträglichste der gesamten Einrichtung ist.

Da sollen, so die Hammervorschläge der CDU, die Mietkosten des Gebäudes in der Dödterstraße von bisher 170.000 € im Jahr runtergefahren werden – nicht durch Verhandlungen mit Vermieter Wabbel, sondern durch Umzug in Räume, die erstens: weder die CDU noch sonst jemand kennt, zweitens: so sie dann irgendwann gefunden sein werden, erst kostenintensiv umgebaut werden müssten.

Weiter geht´s im Reigen der Kulturzuschusskompensationsrallye:

Der großartige Taifun Belgin erklärt im Gespräch mit Monika Willer, warum er die Kracher der klassischen Moderne wie Kirchner, Macke oder Kandinsky – tatsächlich befinden sich einige von denen in Hagener Besitz! – lieber auf Reisen schickt, als sie in Hagen auszustellen, und warum er dafür dann aber die Eintrittspreise von 6 auf 7 € erhöht. „Unter einer halben Million Euro können Sie zum Beispiel keinen Kirchner zeigen. Jedes Bild kommt in einer Klimakiste mit Kurier, es gibt Leihgebühren, irre Versicherungsgebühren, das summiert sich ganz schnell.“

Ja, da summiert sich etwas ganz irre schnell … denn die Hagener und sonstigen interessierten Zugereisten stellen sich selbstverständlich lieber in lange Schlangen vor der Museumskasse, um sich die Ausstellung von Fabian Seyd oder Ren Rong anzusehen – kennt die jemand?

Unser Tornado der Hagener Museumslandschaft hat jedenfalls seinen Beitrag zur Konsolidierung mit der 1-€-Erhöhung mehr als übererfüllt. Jetzt rappelt´s aber in der Museumskasse!

Aber jetzt! Die zwei Blitzkisten an der Weststraße in Vorhalle wurden abmontiert! Ja! Begründung? Sie waren stadtweit jene Geräte mit den geringsten Erträgen. Jetzt versuchen sie ihr Glück in Eckesey und Boele und werden noch vor Ostern „scharfgestellt“!

Endlich wieder freie Fahrt auf der Weststraße!

Ja mein Gott noch mal! Wenn all diese Maßnahmen nix bringen, dann weiß ich es auch nicht mehr.

Aber es gibt auch wirklich Positives zu berichten!

Mein persönlicher Lieblingsdezernent, Thomas Hyeng, ist weg! Nein, nicht weg aus Hagen, man wird ja bescheiden in diesen Zeiten, aber immerhin weg von der Hagener Kultur.

Erik O. hat zur Bündelung aller Aufgabenbereiche eine Stadtkanzlei eingerichtet und sein Kabinett umgebildet.

Spontan kam mir der Gedanke, Kabinettsbildung wäre angebrachter – aber sei´s drum. Ein Ergebnis dieser zukunftssichernden Rochadenorgie: Thomas Hyeng, das ist der mit „hoher Kultur- und Feuerwehraffinität“ – wie er sich selbst beschrieb – macht jetzt neben Feuerwehr und Recht auch noch in Umwelt.

Dafür arbeitet sich Margarita Kaufmann jetzt ein in die Hagener Kultur, wofür sie ganz sicher viel Zeit und Kraft haben wird, weil sie sich sonst ja nur um Schulentwicklungsplanung, die Flüchtlings- und Zuwanderungsthematik und das restliche soziale Gedöns kümmern muss. Na bitte, geht doch!

Und so geht das immer weiter … das Konsolidierungskarussell dreht sich immer schneller, Ideen und Visionen fliegen uns nur so um die Ohren, und alle gehen in Deckung. Und so wird eine Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben.

Doch was ist eigentlich mit unserm geliebten Theater los? Ruhe an der Abwicklerfront? Man hört und liest so wenig. Doch, etwas ist zu Eurem Glossenschreiber durchgedrungen. Im dreisitzigen Intendantenfindungsrestkarussell soll eine Frau im Spiel sein … endlich! Eine Frau! Aber, und das hört man auch, sie könne sich nur Hoffnung auf Hilchenbachs Stuhl machen, wenn sie das Ballett abwickelt. Gottseidank nur ein Gerücht.

Vorschläge über Vorschläge, eine Knalleridee jagt die nächste, und was passiert derweil? Während ich sie gerade rauslassen will, versucht die Sau sich in der City einen Lottoschein zu kaufen – und wird erschossen!

Das ist wieder typisch! Diese arme Sau, Ihr Deppen, war Hagens Glücksschwein! Hättet Ihr sie mit ihrem Lottoschein ordentlich durchs Dorf getrieben, wie man das so macht in Zeiten des galoppierenden Aktionismus, wäre vielleicht noch was dabei rausgekommen – aber nein! Ihr knallt sie ab!

Mann, Mann, Mann! So wird das hier nichts mehr.

Bevor mir endgültig der Kragen platzt …

22. Februar 2016

von Christoph Rösner

Ja, ich gestehe, ich habe mich nicht immer so im Griff, wie es opportun wäre. Aber Gottlob gehöre ich zu denen, die ihre Aggressionen in Wort und Schrift, und nicht mit Faust und Knüppel artikulieren können.

Bisher habe ich mich vorwiegend über die Zustände in meiner merkwürdigen Heimatsstadt Hagen ausgelassen, und dies ausschließlich in Wort und Schrift, obwohl hier durchaus gröbere Kellen zuweilen angemessen wären.

Nun aber ist es an der Zeit, dass ich meine textuellen Aktivitäten ausweite und mich einreihe in die Riege derer, die ebenfalls kaum noch in der Lage sind, an sich zu halten.

Rechendorf-Bienenmühle – Ortsteil Clausnitz! Ein 870-Seelen-Nest irgendwo im dunkeldeutschen Erzgebirge. Gut 540 Kilometer entfernt von meinem heimeligen, versifften, durchseuchten und inkompetenten Heimatstädtchen Hagen, schafft es, dass ich hier puterrot und zugleich dankbar am Schreibtisch hocke und mich in Rage schreibe.

Natürlich könnte ich mich aufregen über de Maiziere, Seehofer, Söder und Konsorten, diese geschniegelten Rhetorikhaubitzen im Brandstifterdreireiher, wie ich mich auch hier und jetzt aufregen könnte über die Hundertschaften zahnloser EU-Tiger, die irgendwo im syrisch-kurdischen Kriegsgebiet als Bettvorleger landen. Und selbstverständlich könnte ich mehr, als es meiner Gesundheit gut tut, mich aufregen über den Kurden hassenden Sultan am Bosporus und seine zu allem bereiten Paladine.

Selbstverständlich könnte ich mich aufregen über den Zustand der Welt, den der Demokratie – oder was davon noch übrig geblieben ist – den bedauernswerten Zustand unserer sedierten Mittelschicht, die alles, aber auch wirklich alles mit sich machen lässt – aber nein!

Rechendorf-Bienenmühle, Ortsteil Clausnitz! Dieses kleine Drecksnest, möglichweise – nein bestimmt sogar sauberer als Hagen – schickt in meinem Namen ein Bild in alle Welt, für das ich als Deutscher mich irgendwann beim nächsten Sehnsuchtsurlaub in Nordholland oder sonstwo, wo es schöner ist, rechtfertigen muss?

Was bildet Ihr unsäglichen, unerträglichen fast 15 Prozent Clausnitzer Euch ein! Was glaubt Ihr, wer Ihr seid! Und Ihr zuständigen, so genannten Polizisten, wer hat Euch gestattet, in dieser Weise gegen verängstigte Schutzbedürftige vorzugehen?! Und was erdreistet Ihr kommunalen Arbeitgeber Euch, einem AfD-Mitglied namens Thomas Hetze – der heißt wirklich so!!! – die Leitung eines Flüchtlingsheims anzuvertrauen!?

Und der oberste Freund und Helfer? Polizeipräsident Uwe Reißmann? Der mit dem vorbildlichen Oberlippenbärtchen, was macht der?! Stellt sich vor seine inkompetenten Untergebenen und droht den Flüchtlingen mit juristischen Konsequenzen, weil die dem dumpfen Pöbel draußen den Stinkefinger gezeigt haben? In welchem Land lebe ich eigentlich?! Welche Typen dürfen hier eigentlich die Staatsgewalt ausüben? Mit einem allerletzten Rest von Anstand würde er vor die Mikros treten und seinen Rücktritt erklären, aber dazu müsste dieser Anstandsrest überhaupt existieren!

Und Ihr pöbelnden Clausnitzer?! Na?! ´Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus´ – da habt Ihr den Artikel 20 des Grundgesetztes wohl irgendwie nicht richtig verstanden, was? Wär ja auch zu viel verlangt.

Ich sehe mich noch, damals, vor 26 Jahren, als aktiver Ganzlinker vor dem Fernseher hocken und mit den Tränen kämpfen beim Einreißen der Mauer, ja, ich gebe es zu, mir kamen – fast – die Tränen. Und ich vergesse auch nicht dieses seltsam, mulmige Gefühl in der Magengrube, das mir zuraunzte: „Warte ab, das kann auch nach hinten losgehen.“

Da ist offensichtlich ganz viel nach hinten losgegangen. Und heute? Heute würde ich lieber mit Mutti Merkel Pommes essen, als mich mit dieser Mischpoke irgendwo im erzgebirgischen Niemandsland öffentlich sehen zu lassen. Soweit ist es gekommen!

Ich schäme mich. Ganz ehrlich, ich schäme mich, dass wir es in 25 Jahren nicht geschafft haben, Euch zu bilden, Euch zu integrieren, Euch unsere Sprache zu lehren. Ich schäme mich, weil wir kläglich versagt haben. Und ich fürchte – nein, ich habe keine Angst – ich fürchte, dass Typen wie Ihr der in Agonie sich windenden Demokratie den Todesstoß versetzen werden.

Dann aber, liebe Freunde des gebrüllten Schwachsinns, werde ich es bei Worten nicht mehr belassen. Dann werde ich den alten Knüppel wieder hervorkramen – irgendwo muss der doch noch …

Douglas verflüchtigt sich – das riecht nach Titanic

20. Februar 2016

Von Christoph Rösner

Douglas verlässt Hagen! Erschütterung allenthalben! Erschütterung? Wirklich? Raus aus Hagen – ab nach Düsseldorf! Oder – die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Und unser OB wurde vorher nicht informiert. Und, so Dr. Henning Kreke im Interview mit Monika Willer, diese Entscheidung habe nichts mit den Rahmenbedingungen in Hagen zu tun. „Dies ist keine Entscheidung gegen Hagen, sondern eine für Douglas.“

Herrlich, weiß doch jeder, der sich ein bisschen über das Normalmaß hinaus informiert, dass Vorstände sich nicht ausschließlich an Zahlen und Umsätzen orientieren. Ihnen, zumindest jenen, denen eine gewisse Verantwortung (für den Ruf der Firma) unterstellt werden kann, orientieren sich unter anderem auch an den sogenannten ´weichen´ Standortfaktoren.

Was sind ´weiche` Standortfaktoren? Zu ihnen zählen die politischen Verhältnisse, das Wirtschaftsklima, das Image des in eine Region eingebundenen Standortes und die hier herrschende Konkurrenz.

Das Sozialmilieu des Standortes spielt eine nicht unerhebliche Rolle, wie auch das Vorhandensein von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Last but not least sind es das Wohnumfeld, das Bildungsangebot, die Einkaufs- und Vergnügungsmöglichkeiten, die solche Entscheidungen prägen.

Für neu anzuwerbende Mitarbeiter gilt gerade das Kulturangebot als ein besonders zu beachtender Standortfaktor. Sie bieten den Mitarbeitern einen wichtigen Freizeitausgleich und tragen zur signifikanten Erhöhung der Standortattraktivität bei.

Und wer schon einige meiner Glossen der vergangenen Monate gelesen hat, weiß nun, worauf ich hinaus will.

Wundert sich ernsthaft jemand, dass Douglas diesen Schritt geht? Die Ratten verlassen nun mal das sinkende Schiff – diesem Naturgesetz gehorcht selbstverständlich auch die Familie Kreke. Denn sie weiß ganz sicher, wie es um Hagen bestellt ist.

Ich will mich nicht an sämtlichen Kriterien für einen attraktiven Standort abarbeiten – nur so viel, und hier ist die vorgebliche Betrübnis unseres Obs Erik O. Schulz nichts als das öffentliche Vergießen dicker Krokodilstränen: das war zu erwarten, lieber Erik O.!

Andere haben es längst vorexerziert – Sinn-Leffers, Könnemann (Presse-Logistik) sind schon weg. Maschinenbau Putsch und das Handelsunternehmen Nordwest sind auf dem Sprung. Was bleibt noch? Stora Enso vielleicht, und dann wird´s düster.

Diese Firmen kalkulieren knallhart und schauen genau auf die Zahlen, die Chancen und eben die weichen Standortfaktoren. Und sie lassen sich bei ihren Entscheidungen eben nicht von Politikerversprechen und Sonntagsreden beeinflussen. Sie sehen die Realität Hagens und gehorchen ihrer Spürnase für die Zukunft dieser Stadt. Und die sieht ebenfalls düster aus, entgegen allen Beteuerungen seitens der Politikerkaste, die uns vom Gegenteil überzeugen will.

Unser Theater, wie wir es schätzen und lieben, spielt in diesen Tagen und Monaten vermutlich seine letzten Spielpläne ab, bevor ein neuer, wenig renitenter Intendant die Abschlussgeschäfte übernehmen wird, nach Vorgabe der Politik, versteht sich.

Bäderschließungen, Kulturabbau allenthalben – nur mal ein Beispiel: das sogenannte Kulturbüro verfügt über ein Jahresbudget von sage und schreibe 10.000 Euro – in Worten: zehntausend! – Die Max-Reger-Musikschule bangt um ihre Existenz, die Museen sollen immer seltener öffnen und, und, und.

Jeder kann die Liste beliebig erweitern.

Und, weil hier die Lobpreisungen ja besonders ins Kraut schießen, die tollen Einkaufsmöglichkeiten in den noch tolleren Galerien betreffend, sie halten wohl auch nur die Hälfte dessen, was einmal versprochen war – Leerstände lassen grüßen.

Nicht, dass jetzt jemand meinen könnte, Hagen wäre alleine mit solchen Problemen. Man schaue nach Bielefeld – obwohl es Bielefeld ja bekanntermaßen nicht gibt, sind die dortigen Theatermitarbeiter auffallend umtriebig, und sie formulieren sehr präzise, was nicht nur ihnen unter den Nägeln brennt. Ich empfehle, diesen Brief (siehe hier) zu kopieren und an Thomas Hyeng und Erik O. Schulz weiterzuleiten.

Ja, ich weiß, all diese Bemühungen fruchten nicht in dieser Stadt mit diesem Personal, und ich gebe allen Recht, die mir in den vergangenen Monaten immer wieder die gleiche Frage gestellt haben: warum machst Du das eigentlich immer noch? Warum engagierst Du Dich immer noch weiter, obwohl Du doch weißt, dass das für die Katz ist.

Und meine Antwort ist und bleibt immer dieselbe: weil ich will, dass es hier besser wird PUNKT! So einfach ist das.

Bewerbung auf den letzten Drücker

14. Januar 2016

von Christoph Rösner

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

gestatten Sie mir vorab eine notwendige Anmerkung: Ich werde Ihre klare Erwartungshaltung, verehrter Herr Oberbürgermeister, zu hundert Prozent erfüllen, der kommende Intendant für das Hagener Theater zu sein, der die unbedingte Bereitschaft mitbringt, unter den ab 2018 gegebenen Rahmenbedingungen ein Allspartenprogramm zu gewährleisten.

Ich bin hoch erfreut, in Ihnen einen verantwortungsvollen Oberbürgermeister als meinen Dienstherren und Kooperationspartner zu wissen, der die kulturelle Vielfalt und das gewohnt hohe Niveau des Hagener Theaters zu jedem Preis erhalten will. In dieser Tradition sehe ich auch mich, und ich werde all meine mir verbleibende Kraft diesem Haus, das Ihnen und Ihren Ratskollegen so sehr am Herzen liegt, investieren, um – jenseits aller hässlichen, öffentlich ausgetragenen Diskussionen der vergangenen Monate – für einen erfolgreichen Fortbestand des Hagener Traditionshauses zu kämpfen.

Ich besitze künstlerische Erfahrung, und zudem ist mir das wirtschaftliche Denken und Handeln mehr als vertraut. Das Leben als freischaffender Künstler ist – Sie gestatten mir dieses Bonmot – kein Ponyhof. Es zwingt förmlich zum eigenständigen und kreativen Umgang mit einem gerade die Existenz sichernden Budget. Eine weitere Konsequenz ist ein stark ausgeprägtes Organisationstalent, ohne das solche Herkulesaufgaben nicht zu bewältigen sind.

Ich liebe und verteidige die künstlerische Freiheit eines Theaters, weiß allerdings auch, dass ich als Intendant mit einem durchorganisierten Betrieb mit fast 300 Angestellten konfrontiert sein werde. Allerdings kann und darf auch ein hoher Organisationsgrad des Personals niemals der Durchsetzung Zukunft sichernder Ziele im Wege stehen. Dies zu gewährleisten wird mein oberstes Ziel sein.

Das zum Überleben in solchen Strukturen absolut nötige dicke Fell gehört, wenn ich so sagen darf, sommers wie winters zur Grundausstattung meines Kleiderschranks.

Als künftiger Intendant des Hagener Hauses bin ich mir um meine Position als Schlüsselfigur in der konzeptionellen Umsetzung der Sparrealitäten an vorderster Front durchaus bewusst.

Es steht außer Frage, dass mir als neuem Intendanten die schwere Aufgabe zufällt, die medialen Schaukämpfe zu beenden, das alternativlose Spardiktat zu realisieren und das Haus in eine blühende Zukunft zu führen.

Verehrter Erik O. Schulz, gestatten Sie mir zum Schluss noch einige kurze, persönliche Anmerkungen. Ich habe die teilweise aggressiven, öffentlich ausgetragenen Scharmützel zur Spardiskussion um das Hagener Theater aufmerksam verfolgt und meine, zugegebenermaßen nicht selten mich heimsuchende Erregung ebenso selten im Zaume halten können.

Aber das sind nun mal die Auswirkungen, die wir in unserer Führungsfunktion auszuhalten haben. Ich werde mich von dem von Ihnen und dem Hagener Rat einmal beschrittenen Weg nicht abbringen lassen. Es kann ja wohl nicht sein, dass Leute wie wir uns von teilweise manipulierten, teilweise frechen öffentlichen Meinungsäußerungen irritieren lassen.

Das würde uns unverzüglich als Schwäche im Amt ausgelegt. Und uns beiden dürfte wohl klar sein, dass dies nicht in unserem Sinne sein kann. Welche Existenzberechtigung hätten dann noch Führungspersönlichkeiten wie wir, wenn wir uns von solchen unangenehmen Begleiterscheinungen von unserer verantwortungsvollen Amtsausübung ablenken ließen.

Fazit: Ich werde Ihnen und der Stadt Hagen ein verlässlicher Partner bei der Realisierung Ihrer Konsolidierungsvorhaben sein. Verlassen Sie sich auf meine uneingeschränkte Solidarität, und rechnen Sie mit meinem Willen, Ihre Ziele auch gegen den härtesten Widerstand in der Hagener Bevölkerung durchzusetzen.

Ach, und noch etwas: um Ihnen meinen unbedingten Willen zur Kooperation zu beweisen, werde ich in Sachen Einsparung mit gutem Vorbild vorangehen. Ich mache Ihnen den Job für die Hälfte.

In diesem Sinne verbleibe ich voller Hochachtung!

Ihr Christoph Rösner

Der Wind dreht sich – Darauf einen Eversbusch!

2. November 2015

von Christoph Rösner

So langsam fängt diese Stadt an, mir zu gefallen. Jetzt nicht ästhetisch oder aus sonstigen sinnlich erfahrbaren Gründen. Aber hier tun sich in den letzten Wochen Abgründe oder wahlweise Gipfel des Miteinanders auf, die mich – gelinde gesagt – erstaunen und die ich so niemals erwartet hätte.

War ich es doch bisher gewohnt, dass hier mehr oder weniger unwidersprochen jeder Schwachsinn durchgewinkt, jeder Irrsinn kritiklos hingenommen und jeder noch so absurde kommunalpolitische Dilettantismus als alternativloses Handeln (meist von den Akteuren selbst) geadelt wurde.

Doch was tut sich in diesen letzten goldenen Oktobertagen?

Da erlebt der Doppelwacholder seine ungeahnte Blüte mit teilweise mehr als 1400 Zugriffen pro Artikel. Da bebt das Gesichtsbuch, wenn es ums Theater, seine Totengräber und seine Retter geht.

Da werden mir seitenweise Lobenshymnen ob meiner Glossen in Sachen Theater und Stadt Hagen ins Mailfach geworfen.

Da verschwindet plötzlich – ist das eigentlich schon jemandem aufgefallen? – wie von Redaktionsgeisterhand der örtliche Hauptschreiber und Theaterbekämpfer Martin Weiske als Autor unter den letzten aktuellen Artikeln zur Theaterdiskussion. Dafür macht Redaktionsleiter Michael Koch die Thematik mit auffallend neutralem, journalistisch einwandfreiem Stil zur Chefsache.

Da ergreift SIHK-Präsident Hans-Peter Rapp-Frick, bevor das erste Halali des 2. Symphoniekonzerts in der Stadthalle erklingen kann, das Mikrofon und äußert dorten seine Meinung und ruft auf und stellt klar.

Ja, was ist denn bloß los in Hagen?

Ja, was ´entgleist´ denn da so ´unsäglich´, dass unser OB sich berufen fühlt, beim Vorgesetzten des unverschämten Herrn Rapp-Frick, SIHK-Präsi Harald Rutenbeck, brieflich zu intervenieren?

Man versteht diese Stadt ja überhaupt nicht mehr!

Und zu allem Ungemach entsteigt der doppeltgebrannte Vorgänger des Obs, ein gewisser Dietmar Thieser, den tiefen Kavernen seiner Hasper Kirmespfalz, um von dort aus seine Form von Basta-Politik ins verwirrte Resthagen zu rülpsen. Übrigens: vom Doppelwacholder so treffend als „Dröhner vom Spielbrink“ getauft, der schon 2013 final Bereinigendes zur Theaterführung forderte: „Es darf nicht länger ein Dogma bleiben, dass die Champagner-Etagen sich für unantastbar erklären“, was in diesem Blog umgehend erklärend gekontert wurde: „Die dagegen offenbar unantastbare Eversbusch-Etage verlangte schon damals, die Ballett-Sparte des Theaters zu schließen.“ – Herrlich! https://doppelwacholder.wordpress.com/2015/10/29/der-droehner-vom-spielbrink/

Und immer mehr frage ich mich, was hier neuerdings los ist.

Kann der Rat nicht mehr unbehelligt von diversen, selbsternannten Besserwissern seine Arbeit machen, egal wie falsch und unterirdisch sie auch ist?

Darf denn hier inzwischen jeder dahergelaufene SIHK-Geschäftsführer öffentlich seine Meinung kundtun und den Symphonielauschern ihren Genuss vermiesen?

Kann denn hier ernsthaft irgendein Aufsichtsratsvorsitzender der Theater–GmbH einfach so Stellung beziehen?

Nein! Ich finde, das geht zu weit! Wir sollten doch wieder die Form wahren. Wir sollten doch wieder zu einer gesitteten Form des Miteinanders zurückkehren, damit unsere Gemeinde wieder wie gewohnt rund läuft und all die Ciupkas, Huyengs, Röspels und Walters hier in Ruhe weiter ihren wichtigen und unersetzlichen Tätigkeiten nachgehen können. Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?

Doch, ist es. Denn, und das schreibe ich hier ohne einen Hauch von Satire: diese Stadt beginnt, mir zu gefallen, genau weil es offensichtlich nicht mehr so weiter geht wie bisher.

WEIL sich inzwischen immer mehr Inoffizielle in Eure Basta-Diskussion einschalten.

WEIL sich der Wind dreht!

WEIL Euch Offiziellen offensichtlich immer weniger Bürger glauben, was Ihr ständig herunterbetet.

WEIL Euch in vielfältiger und durchaus konstruktiver Weise endlich und öffentlich widersprochen wird.

WEIL das auch in Wuppertal schon mal funktioniert hat.

Und weil in diesen goldenen Oktobertagen Schweigen immer öfter Silber und Reden immer öfter Gold wurde.

Herrlich!

Neues vom Hagener ZK

26. Oktober 2015

von Christoph Rösner

Da hat sich doch der Aufsichtsratsvorsitzende der Theater-gGmbh und gleichzeitiger Leiter des Kulturausschusses, Sven Söhnchen, am Wochenende mit einem öffentlichen Statement zur Situation des Theaters und der aktuellen Diskussion geäußert!

Das stelle man sich vor! Welch eine Dreistigkeit von einem Aufsichtsratsvorsitzenden, öffentlich, und dann noch an dem lokalen Leitmedium vorbei, auf irgend so einer daher gelaufenen Online-Plattform seine Meinung abzusondern!

Ja, wo kommen wir denn da hin?! Wenn das jeder täte, dann wäre das Meinungschaos aber groß in dieser an Einheitsmeinung so sehr interessierten Stadt.

Nein, lieber Sven Söhnchen, so geht das wirklich nicht. Du kannst doch nicht allen Ernstes erwarten, dass Deine freie Meinungsäußerung, gepaart mit einer geradezu frechen Geradestellung der Fakten und des Diskussionsstandes ohne Widerspruch und Zurechtweisung bleiben kann. Wie naiv bist Du denn, lieber Sven?

Du schreibst: „Wenn die verbliebene Tageszeitung in Hagen heute berichtet, dass die Theaterleitung und der Aufsichtsratsvorsitzende für den 06.11.2015 ins Rathaus geladen werden, ist dabei nicht zu erkennen, dass der Oberbürgermeister und der Kämmerer bereits mehrfach Terminvorschläge von Theaterseite abgelehnt haben. Der Aufsichtsrat bat schon vor mehreren Wochen um ein gemeinsames Gespräch, welches als Tagesordnungspunkt in der Sitzung am 02.11.2015 stattfinden sollte. In der vergangenen Woche wurde die Teilnahme von den Herren der Stadtverwaltung abgesagt.“

Mal ehrlich, lieber Sven, wie kannst Du so etwas tun?

Was reitet Dich, solche Interna aus dem Zentralkomitee Eures Inner Circles einfach so in die verstörte Öffentlichkeit zu blasen. Du hättest doch längst wissen müssen, dass solche Eigenmächtigkeiten hier nicht ungestraft bleiben können.

Denn Du hast es mit starken, unerbittlichen Gegnern zu tun, die Dir das freche Meinungsäußerungshandwerk wohl bald legen werden. Und siehe da, die erste Zurechtweisung folgt auf dem Fuße.

Wer sie dort absondert, ist kein Geringerer als unser allseits geliebter Beigeordneter für Recht, Öffentliche Sicherheit, Ordnung, Bürgerdienste, Gesundheit, Verbraucherschutz und eben auch Kultur, Thomas Huyeng.

Wir erinnern uns, das war jener aus Euskirchen Zugereiste, der uns Hagenern bei Amtsantritt empfahl, doch nach Dortmund ins Theater zu fahren, und der selbst immer mit einem Reclamheft in der Tasche durch die Gegend spazierte.

Und wir erinnern uns ferner, und dies gilt insbesondere für Dich, lieber Sven, dass dieser Thomas Huyeng es war, der am 8. November 2011 seine damalige Gleichstellungsbeauftragte Sonja Waszerka mit Polizei- und Feuerwehreinsatz aus ihrem Büro entfernen ließ. Alles weitere zu diesem Fall kann gerne recherchiert werden …

Dabei hättest Du wissen müssen, dass Herr Huyeng leidenschaftlich gern kickert. Schon in Euskirchen hat er mit seinem Bürgermeister Dr. Uwe Friedl im Doppel am Kickertisch gespielt. „So kam man mit den Menschen ins Gespräch“, hat er am 24.9. 2012 der Kölnischen Rundschau anlässlich seines Weggangs aus Euskirchen verraten. „Dass ihm ein Unbekannter als „Willkommensgruß“ auch noch einen tiefen Kratzer auf die Haube seines erst kürzlich gebraucht erworbenen Passats verpasst hatte, verstärkte dieses Vorhaben, dieser komischen Stadt sobald wie möglich den Rücken zu kehren. Das war 1990“, so die Kölnische Rundschau weiter.

Wir wissen heute, auch unserer komischen Stadt hat Huyeng bis heute nicht den Rücken gekehrt, und es steht zu befürchten, dass er bis zur verdienten Pensionierung hier weiter sein Unwesen treiben will.

Und nun noch mal zu Dir, lieber Sven Söhnchen. Such Dir einen Kickertisch und lade die 15 stimmberechtigten Mitglieder inklusive des Kulturbeigeordneten mal zu einem zünftigen Kickerturnier ein.

Dann brauchst Du Dich auch nicht mehr über die mangelhafte Kommunikationskultur in Hagen zu beschweren.

Andernfalls musst Du damit rechnen, eines Tages, vielleicht schon am 8. November, mit Polizeigewalt aus Deinem Büro entfernt zu werden. Denn das sind nun mal die Maßnahmen, die angewendet werden, wenn etwas schief läuft. Doch, und das kann ich Dir nicht ersparen, das einzige, was tatsächlich schief läuft, ist, dass so jemand wie Du meint, in Hagen öffentlich seine Meinung kund tun zu müssen. Das geht nun wirklich nicht.

Hierzu sind allein die Stadtspitze und ihre Lohnschreiber in der Redaktion der Westfalenpost berechtigt. Dass ich Dir das sagen muss, macht mich traurig. Ich hatte gedacht, Du wärst mit den Gepflogenheiten hier in Hagen einigermaßen vertraut, und deshalb muss ich fragen, nein, ich muss mit „ernstem Befremden“ bezweifeln, dass Du der Richtige auf diesem Posten bist.

Falls Du anderer Meinung sein solltest – wovon ich Dir abrate – die Du, falls doch, unbedingt für Dich behalten oder wenigstens vorher abstimmen solltest, dann empfehle ich Dir dringend, die freundliche Bitte Huyengs nicht in den Wind zu schlagen. „Ich bitte Sie daher, auf die Tagesordnung der nächsten Aufsichtsratssitzung folgenden TOP zu setzen: die „Abgabe von öffentlichen Stellungnahmen des Vorsitzenden des Aufsichtsrates und der Geschäftsleitung der Theater gGmbH”.

Denn das ist völlig zurecht DAS TOP der nächsten Aufsichtsratssitzung: Wie gehen wir mit der Abgabe von öffentlichen Stellungnahmen unserer Mitglieder um.

Weil das so wirklich nicht weitergehen kann, lieber Sven. Denn bedenke, Du hast einen starken, kompetenten Gegner, der für Recht, Öffentliche Sicherheit, Ordnung, Bürgerdienste, Gesundheit und Verbraucherschutz in Hagen zuständig ist. Ach ja, und auch noch für die Kultur.

In diesem Sinne, lieber Sven und alle, die meinen, mit öffentlichen Brandbriefen, Statements oder frechen Glossen bei Tv58, im Doppelwacholder oder auf sonstigen dubiosen Plattformen die Hagener Ordnung stören zu müssen: Hört auf damit! Begnügt Euch mit den Informationen aus dem Zentralorgan des Hagener Zentralkomitees. Sie sorgen schon für Euch. Nur bei ihnen ist Euer Informationsbedürfnis in den besten Händen.

Der gute Herr Weiske und sein Obstkörbchen

17. Oktober 2015

von Christoph Rösner

Na, da hat der gute Martin Weiske, stellvertretender Redaktionsleiter der Westfalenpost Hagen, mal wieder verspätetes Erntedank gefeiert und ganz viele Äpfel und Birnen in sein Antitheaterkörbchen gesammelt. Und heraus kömmt?! Ein wohlschmeckendes Mus? Oder ein leckerer Blechkuchen? Schön wär´s!

Blech! Mumpitz! Und ganz viel Stimmungsmache.

Dass dem guten Herrn Weiske das nur so passiert, will jedoch niemand mehr glauben. Vielleicht glaubt er tatsächlich noch selbst an die Zahlen, die er mit enervierender Regelmäßigkeit publiziert, vielleicht aber weiß er genau, was er tut. Und hier fängt es an, zu müffeln.

Was hat er wieder getan, der gute Herr Weiske?

Heute, am 17. Oktober, lässt er in der Westfalenpost einen Artikel erscheinen mit dem schönen Titel: „Hagen bleibt bei den Kulturausgaben spitze“

Ich habe ihn schon öfter in Sachen Journalismus kritisieren müssen, doch schon wieder gibt er mir Anlass, seine Arbeit zu schelten.

Wen sehen wir auf dem Titelbild von Michael Kleinrensing, dem Weiske die originelle Unterzeile „Wenn’s um Kultur geht, lässt Hagen weiterhin gerne finanziell die Puppen tanzen“ nachstellt? Wir sehen vier Puppen, sorry, drei Puppen und einen Menschenkopf. Dieser Kopf gehört Jürgen Pottebaum, Chef der Marketing-Abteilung des Hagener Theaters.

Dass in einer Bildunterzeile die zu sehenden Figuren – meist von l. nach r. – mit Namen genannt werden, wird dem guten Herrn Weiske wohl im Eifer seines persönlichen Kulturkampfes durchgegangen sein, und man möge ihm diesen kleinen Fauxpas verzeihen.

Mich allerdings würde interessieren, ob Jürgen Pottebaum mit dem Abdruck seines Konterfeis im folgenden Kontext einverstanden war oder überhaupt gefragt worden ist. Denn es geht – mal wieder – um nichts anderes, als um die Zurschaustellung und gebetsmühlenartige Verbreitung falscher Zahlen und Daten.

Zum einen nimmt sich der gute Herr Weiske den Prüfbericht der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) vor, dessen Ergebnisse er nahezu lustvoll vor seinem kulturgenervten Lesevolk ausbreitet. Und selbstverständlich bestätigt Christoph Gerbersmann die Zahlen des Prüfberichts unverzüglich – man kennt sich, man versteht sich halt – demnach werden in Hagen € 122,- pro Jahr und Bürger für die Kultur ausgegeben – rund 34 Cent pro Tag und Bürger! Dazu gibt der gute Herr Weiske sogar einschränkend zu Bedenken, dass „In dieser Auflistung naturgemäß auch Städte berücksichtigt [sind], die über keinerlei selbstbespieltes Bühnenangebot verfügen.“ Ach was!

Weiske sagt also selbst, dass der Vergleich von Äpfeln und Birnen so nicht funktioniert, was ihn aber nicht davon abhält, im Folgenden wiederum die kreisfreien Städte mit oder ohne eigenes Haus in sein Sammelkörbchen zu werfen, alles ordentlich durcheinanderzuwirbeln um am Ende stolz und selbstbewusst sein Ergebnis zu präsentieren.

„Im Vergleich der kleinen kreisfreien Städte – bis 200.000 Einwohner – sind die 122 Euro pro Bürger sogar der mit Abstand höchste Wert. Die nächste Kommune in der Rangfolge investiert lediglich 59 Euro pro Einwohner in die Kultur, also nicht einmal die Hälfte vom Hagener Budget. Der Mittelwert in den kleineren Großstädten liegt somit – verursacht durch den Hagener Ausreißer – bei 60 Euro für die Kulturausgaben.“

Aha! Hagen also ist der Ausreißer, der den Schnitt kaputtmacht und seine Künstler und künstlerischen Mitarbeiter auch noch halbwegs ordentlich bezahlt. Dass die sich nicht schämen!

Egal, ob in seinem Körbchen Städte ohne eigenbespieltes Theater liegen oder nicht, Herr Weiske hat den Schuldigen gefunden und demonstriert in eindrucksvoller Weise, wie man falsche Vergleiche instrumentalisiert, um die gewollten Zahlen zu erhalten.

Übrigens: ich habe heute auf der Website der GPA recherchiert und nirgends einen aktuellen Prüfungsbericht zu Hagen gefunden … ach, richtig, Herr Weiske bezieht sich heute, Ende 2015, mit journalistisch, investigativ „tiefer gehendem Blick“ auf den Prüfbericht aus dem Jahr 2012, wenn ich das richtig verstehe, sorry, ich hatte gedacht, da käme was Aktuelles …

Aber, Spaß beiseite, viel interessantere Zahlen liefert die Statistik des Deutschen Bühnenvereins aus dem Jahr 2013/14. (siehe unten) Und da eröffnet sich plötzlich und unerwartet ein völlig anderes Zahlenwerk, das Staunen macht.

Und nachdem wir uns das Staunen aus den Augen gerieben haben, erscheint Hagen da plötzlich auf dem 14. Platz – von wegen „Spitze“! – von 14 wirklich vergleichbaren Städten.

Kaiserslautern zum Beispiel wird von knapp der Hälfte Einwohner bevölkert und zahlt seinem Theater mehr als 20 Millionen und das mit rund 50 Mitarbeitern mehr als Hagen! Ja wie kann denn das sein!? Und warum hat der gute Herr Weiske denn nicht diese Zahlen für seine tiefschürfende Analyse herangezogen?

Die Antwort ist ganz einfach: er wollte nicht.

Und warum wollte er nicht? Weil ihm die Antwort nicht in den Kram passt, denn sonst müsste der gute Herr Weiske sich ja schmerzhaft eingestehen, dass er seine überhebliche Empfehlung an die Hagener Theaterleitung in seinem hinreißenden Kommentar selbst erstmal ernstnehmen und auf sich selbst anwenden müsste, die da lautete: „Es reicht nicht, reflexartig an Vertrautem festzuhalten.“

Vergleichbar große und kleinere Städte (< 200.000 Einw.) mit Musiktheater, Quelle: Statistik des DBV 2013/14

Stadt Einwohner Theateretat Personal
Darmstadt 149.700 36.500.000 567
Dessau 83.600 20.700.000 343
Heidelberg 152.100 26.600.000 338
Kaiserslautern 97.700 20.900.000 325
Kassel 194.000 34.900.000 480
Oldenburg 162.500 26.200.000 426
Osnabrück 156.000 19.200.000 294
Regensburg 140.200 20.300.000 310
Saarbrücken 177.200 31.500.000 424
Schwerin 95.500 24.300.000 329
Ulm 123.500 23.600.000 266
Weimar 63.300 26.600.000 411
Würzburg 133.800 17.100.000 243
Hagen 185.900 17.600.000 273

Macht Euch die Finger schmutzig – Jetzt!

16. Oktober 2015

von Christoph Rösner

Kultur ist geistige Lebensgrundlage der Menschen. Kultur ist zudem ein öffentliches Gut. Kultur und Kunst gehören zu den Grundbedürfnissen der Menschen und sind Ausdruck des Selbstverständnisses einer Gesellschaft. Kulturelles Leben zu ermöglichen und zu fördern, ist Aufgabe des Staates und notwendiger Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge.“

Mit diesem Auszug aus den Erläuterungen zum Kulturfördergesetz NRW könnte man die derzeitige, hitzige Diskussion um das Hagener Theater beenden, weil er alles aussagt, was zu diesem Thema noch zu sagen ist.

Wer sich dennoch etwas mehr Zeit nehmen möchte, kann sich in einer Theaterbroschüre mit dem Titel: „Klartext – Daten & Fakten zur aktuellen Spardiskussion“ tatsächlich einen Eindruck über den Stand der Diskussion verschaffen. Hier wird aus berufenem Munde gerade gerückt, was allzu gern im Hagener Monopolmedium inzwischen auffallend tendenziös verbreitet wird.

Nur, frage ich mich, was soll das alles noch? Was sollen noch diese Antworten? Wem sollen sie nützen? Denn, wie wir alle wissen, und jetzt im Chor: „Niemand will das Theater kaputt machen, niemand will ernsthaft Einfluss nehmen auf die künstlerische Freiheit des Hauses, ABER! …“ kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?

CDU-Kreisvorsitzender Christoph Purps hat am 13.10. in der Westfalenpost die ganz neuen, dringenden Fragen der Interviewer beantwortet, und mir brennt langsam aber sicher die Sicherung durch ob dieses ewigen, fantasielosen und enervierenden Geschwafels, das jeder vermeintlich Berufene meint in die Öffentlichkeit blasen zu müssen. Niemand will, … niemand denkt … aber! Dieses verfluchte ABER, das zu nichts taugt als zur Aufrechterhaltung der Zweifel an der Ernsthaftigkeit all Eurer hehren Bekundungen.

Die Theaterleitung hat wohl gestern Abend Zahlen und auch einen radikalen Vorschlag, sich von den gesamten Sparten trennen zu müssen, ins OB-oder Kämmererbüro geschickt.

Und in der Lokalzeit Dortmund vom gestrigen Abend wurden sie bereits von unserem allseits beliebten, passionierten Theatergänger und Kulturliebhaber Christoph Gerbersmann auf ihre innere Logik abgeklopft. „Das (statt mit 15,5 Millionen mit 13,5 Millionen Euro auskommen zu müssen) heißt natürlich nicht, dass das nicht ohne Einschnitte geht, aber dass die Theaterleitung gleich davon ausgeht, dass man gleich eine ganze Sparte schließen muss, das erschließt sich uns nicht.“

Nein? Das erschließt sich Euch nicht? Mein Gott, hier ein bisschen einschneiden, dort ein bisschen wegnehmen …

Dass das dem Theaterbetrieb in seiner bisherigen Form die Möglichkeiten abschneidet, weiter erfolgreich zu arbeiten, erschließt sich Euch nicht?! Ja, ich weiß, erfolgreich heißt bei Euch und allen anderen Kulturabräumern, die Ihr ja so gerne endlich aktiv werden würdet, dass drunter eine schwarze Zahl oder wenigstens eine schwarze Null steht.

Die ist aber nicht zu haben! Ihr alle wisst das, Ihr alle wisst ganz genau, dass Kultur immer ein Zuschussbetrieb ist. Und sollte jemand unter Euch sein, der das Kulturfördergesetz NRW tatsächlich gelesen haben sollte, was ich nicht glaube, wird es ihm trotzdem egal sein. Denn das hieße ja, sich darum zu kümmern, wie Theater jenseits der Zahlen, Daten und Fakten funktioniert. Der müsste sich klug machen, wie überhaupt eine Produktion zustande kommt, bevor sie überregional Anerkennung und Lob finden kann.

Lieber empört Ihr Euch über die so genannte Starrköpfigkeit der Theaterleitung, schickt ihnen völlig unangemessene Briefe, die vor Infamie und Respektlosigkeit nur so triefen und beruft Euch auf eine vereinbarte Einsparsumme, die den Theaterbetrieb in der bisherigen Form verunmöglichen wird.

Das sagen Euch jene, die es wissen müssen. Die wissen, wie Theater geht und die die Zahlen kennen. Unabhängig von allen juristischen und verwaltungsrechtlichen Belangen. Aber denen glaubt Ihr ja nicht. Das sind ja alles künstlerische Spinner, ungehorsame Kinder, die von Zahlen und Management keinen Schimmer haben. Das erschließt sich Euch nicht. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole – mir erschließt sich bis heute nicht, was einen Biologen dazu befähigt, die Finanzen einer Kommune zu managen, aber das nur am Rande –

Doch der Intendant weiß es genau, und seine Zahlen brüllen ihn förmlich an: „Du kannst nur mit der Schließung einer Sparte Ihre Vorgaben erfüllen!“

Und deshalb wagt er das Unerhörte. Er stellt Euch ein Ultimatum: Ihr kriegt Eure Zahlen, wir schließen eine Sparte.

`Huch! Aber das erschließt sich uns so nicht. Warum denn gleich solche Geschütze? Das gehört sich aber nicht. Spartenschließung! Davon war doch nie die Rede!´

Doch! Genau das gehört sich! Und nichts anderes mehr! Ihr wusstet genau, wie es um das Theater steht. Ihr wisst genau, welche Zahlen realistisch sind und welche nicht. Ihr wart die Dienstherren bis vor ein paar Monaten!

Hilchenbach kann und wird Euch nicht ersparen, als die Totengräber des Bürgertheaters in Hagen in die Annalen der Stadt einzugehen. Er würde der Stadt lieber ein schöneres Abschiedsgeschenk machen … Doch es ist richtig so! Eine andere Sprache versteht Ihr offensichtlich nicht mehr, weil sich keiner von Euch die Finger schmutzig machen will. Denn Ihr beruft Euch ja auf eine höhere Gewalt und habt ja ein so reines Gewissen! Und ich sage Euch warum: weil Ihr es nie benutzt!

´Wir sind raus aus der Nummer. Lass das mal den Intendanten machen. Oder die Aufsichtsbehörde in Arnsberg.´

Aber Ihr seid drin. Tief drin sogar. Wenn das Überleben des Theaters – und eine Spartenschließung bedeutet nichts anderes – derart am seiden Faden hängt, dass sich lebenserhaltende Maßnahmen nicht mehr lohnen, dann müsst Ihr es auch sein, die ihm die Schläuche rausziehen. Und da hilft auch Dummstellen oder Herauswinden nicht mehr.

Macht Euch endlich die Finger schmutzig! Tretet vor die Hagener Bevölkerung, und sagt ihr offen und gerade heraus, dass Ihr die Abwicklung mit allen lauteren und unlauteren Mitteln vorangetrieben habt und nun Vollzug melden könnt.

Beweist wenigstens einmal in Eurer politischen Laufbahn Mut und lasst Euch dann von Martin Weiske zu Eurer mutigen und historischen Entscheidung interviewen, damit endlich auch der letzte Idiot weiß, woran er mit Euch ist.

Material dazu:

Theater Hagen und die Stadt zoffen sich um Geld (WDR, Video)

Klartext – Daten & Fakten zur aktuellen Spardiskussion (theaterhagen, pdf)

Blauer Brief und abwesender Autor

21. September 2015

von Christoph Rösner

Vorab: Das Theater ist nicht der Verursacher der desolaten Finanzen unserer Stadt. Punkt.

Wer so etwas behauptet, könnte ja gleich behaupten, Artikel, die z. B. zum KWA (Kultur-und Weiterbildungsausschuss) am 17.9. im Rathaus in der Westfalenpost erscheinen, werden von Autoren geschrieben, die dabei waren.

Diesen Artikel: „OB schreibt blauen Brief an Theaterleitung“ vom 18.9 in der WP/WR zeichnen die Autoren Mike Fiebig und Martin Weiske.

Aber wo war nur Herr Weiske? Jedenfalls nicht im KWA. Nur wo war er dann? Hatte er Wichtigeres zu tun, z. B. den Brandbrief seines Oberbürgermeisters lesen, der einige Stunden zuvor an die Herren Hilchenbach, Ludwig und Fuchs vorab per Fax versendet worden war?

Der OB schließt seinen von Forderungen, Anwürfen und falschen Unterstellungen überquellenden Brief mit dem Verweis auf die Weiterleitung einer Kopie an die Mitglieder des KWA sowie die Fraktionen und die Gruppe des Rates.

Die Weiterleitung an die Presse ist dort nicht vermerkt.

Und merkwürdig schon, dass während des KWA am Donnerstag ein süffisantes Lächeln durch die (Presse)-Reihen ging, als Ausschussvorsitzender Sven Söhnchen zu fragen wagte, ob der Brief allen vorliege.

Hier ist nicht der Platz, den Brief, der dem Verfasser vorliegt, im Wortlaut wiederzugeben. Des erbosten OBs Résumé soll hier aber nicht verschwiegen werden, zeigt es doch, auf welchem Niveau die Kommunikation in dieser Stadt inzwischen angekommen ist.

„Die von Ihnen in bedauerlicher Art und Weise und in übergroßer Deutlichkeit zum Ausdruck gebrachte ablehnende Haltung zu den notwendigen strukturellen Veränderungen des Theaters führt das von Ihnen geleitete Haus keinesfalls in eine sichere Zukunft. Sie gefährdet vielmehr offenkundig die breite und grundsätzliche Solidarität der Stadtgesellschaft mit den für die Stadt so wichtigen Institutionen Theater und Philharmonisches Orchester Hagen in einer nicht nachvollziehbaren Art und Weise.“

Ihr ungezogenen, renitenten Theatermacher! Ihr gefährdet also selbst die grundsätzliche Solidarität der Stadtgesellschaft mit Eurem Theater und dem Orchester und damit Eurer eigenes Weiterbestehen?! Ihr weist die helfende Hand von Euch, die Euch füttert? Tja dann, Lernziel verfehlt! Versetzung gefährdet! Setzen Sechs!

Welch ein Ton in diesen Tagen! Von Dialog keine Spur mehr. Abmahnungen, Zurechtweisungen, Drohungen (ein weiteres von der Stadt beauftragtes Gutachten als Drohwerkzeug) dominieren die Kommunikation.

Und der Verfasser wundert sich, wie es der Theaterleitung noch immer gelingt, nicht wie Rumpelstilzchen, blutdruckschonend und in Sachen Psychohygiene ihren unverschämten Zuchtmeistern an die Gurgel zu gehen.

Nein, Ihr antwortet, ebenfalls schriftlich – auch dieser Brief liegt dem Verfasser vor – in einem moderaten, ja beinahe freundlichen Ton, der erstaunt.

Zitat: “Am Rande dieses Dialogs werden wir sicherlich die Möglichkeit haben, klarzustellen, dass – wie es auch im KWA vom 17.9. deutlich wurde, nicht wir es sind, die die Zukunft und die bürgerschaftliche Solidarität mit unserer Bühne gefährden. Dafür verantwortlich zu machen sind viel mehr die in die Öffentlichkeit gebrachten, unzutreffenden Äußerungen über die bereits erbrachten, aktuellen und zukünftigen Einsparungen am Theater sowie über die nach wie vor nicht ablehnende Haltung der Theaterleitung strukturellen Veränderungen gegenüber. Ein „blauer Brief“, (wie die Westfalenpost Ihr Schreiben nennt), an die Theaterleitung entbehrt jeglicher Grundlage und Berechtigung, da die verschiedenen im Aufsichtsrat diskutierten Einsparungsvarianten sich alle an den vorgegebenen Fragestellungen und Rahmenbedingungen orientieren.“

Nochmal, für alle, die die Fakten weiter ignorieren wollen: das Theater hat die Finanzen der Stadt nicht in den Ruin getrieben! Es waren Fehlplanung, Derivate-Zockerei und Unfähigkeit der Verantwortlichen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte!

Und jetzt so zu tun, als könne man mit 1,5 Millionen Einsparsumme den Hagener Haushalt sanieren ist pure Augenwischerei. Denn niemals zuvor wurde durch die Zerschlagung kultureller Substanz irgendein Kommunalhaushalt saniert!

Dahinter steckt einzig die unterwürfige Kriecherei vor der Kommunalaufsicht in Arnsberg.

Entgegen allen Beteuerungen der Theaterleitung, den Betrieb so nicht mehr aufrechterhalten zu können, soll er nun schrittweise und quälend geopfert werden, um den unbedingten Sparwillen einer devoten, auf Zuwendung und Unterstützung angewiesenen Kommune zu dokumentieren.

Die Verwaltungsspitze Hagens, allen voran, OB Erik O. Schulz, exekutieren lieber als willige Vasallen der Kommunalaufsicht die längst angedachte Abwicklung des einzigen, erwähnenswerten Identifikationssymbols Hagens, als sich gemeinsam und solidarisch in die „Stadtgesellschaft“ einzureihen und sich solchen erpresserischen Forderungen entgegenzustemmen.

„Viel zu gering ist der Anteil der Kulturförderung am Gesamthaushalt. Es bliebe die unwiederbringliche Zerstörung kultureller Substanz mit der Folge eines erheblichen Attraktivitätsverlustes für die Stadt Hagen“, schrieb im Jahr 2010 in einem Offenen Brief die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) an den Rat der Stadt Hagen.

Eigentlich wäre dem nichts hinzuzufügen, gäbe es da nicht die kalten Verfechter der reinen Betriebswirtschaftslehre, denen es ganz offensichtlich egal ist, dass Hagen weiter abgewickelt wird, statt es in gemeinsamer Anstrengung aller relevanten Kräfte aus dem Folterkeller des Spardiktats zurück ans Licht zu befördern.

Also: Faselt bitte nicht mehr von den „für die Stadt so wichtigen Institutionen Theater und Philharmonisches Orchester“, sondern fördert und befeuert die „bürgerschaftliche Solidarität mit unserer Bühne!“ Dann seid Ihr glaubwürdig, dann verdient Ihr es, als gewählte Vertreter der Stadtinteressen in unserem Namen Eure Arbeit machen zu dürfen.

Und zum Schluss kann ich Euch eines nicht ersparen: Beendet diese unheilige Allianz zwischen Euch und der Hagener Lokalpresse, die die Hagener gerade dazu aufruft, ihr mitzuteilen, was Hagen dringend braucht. Stellvertretend hierzu nur der Kommentar von 123Lustig123 am 18.9.2015 in der Online-Ausgabe DerWesten: „Was Hagen braucht??? Eine gute Zeitung mit einer guten Redaktion. Fair und politisch neutral!!! Das bräuchte Hagen wirklich.“

Der Ton wird böser in Hagen – meiner auch

8. September 2015

von Christoph Rösner

Nun habe ich in den vergangenen Tagen aufmerksam und mit einiger Verblüffung die in der WP/WR vom stellvertretenden Redaktionsleiter Martin Weiske veröffentlichen „Fakten“ und „Daten“ zur Spardiskussion um das Hagener Theater verfolgt und mich, nicht zum ersten Mal, angemessen und blutdrucksteigernd echauffiert.

Mir scheint, dass sich Herr Weiske in seinem journalistischen Selbstverständnis inzwischen nicht mehr zu schade ist, sich als führender Lohnschreiber der Politik in Hagen selbst zu entlarven. Offensichtlich hat er sich entschlossen, das journalistische Basiswissen konsequent zu ignorieren, dass da unter anderem lautet, Berichterstattung und Kommentar scharf zu trennen.

Gut, jetzt kann man argumentieren, dem Blatt gehen scharenweise die Abonnenten flöten, und die Untergangspanik lässt es da opportun erscheinen, mal verbal so richtig auf die Kacke zu hauen und das journalistische Handwerk zu vergessen, um wenigstens den kargen Leserrest mit noch mehr Stammtisch und noch mehr Straße bei der Stange zu halten.

Aber so geht das nicht, Herr Weiske!

Ich frage mich ernsthaft: welche Strategie verfolgt Herr Weiske hier? Indem – ja, ich sage es so, wie ich es empfinde – er in beinahe tumber Dreistigkeit via Tageszeitung dem Theater und seinen Machern „fehlende Kreativität“, „uninspirierte“ und wahlweise „tumbe“ Abwehrhaltung attestiert? Einer Institution, die schon per definitionem Kreativität, Inspiration, Offenheit und Toleranz, und nicht nur im künstlerischen Bereich, atmet wie keine andere?

Wunderbarte Attribute, mit denen jeder Politiker, so er sie denn in sich vereinen würde, wie eine leuchtende Fackel vorangehen und Hagen aus dem Dunkel führen könnte?

Warum dieser ins Boshafte abdriftende Tonfall eines schreibenden „Bulldozers ohne Fingerspitzengefühl“?

Und selbstverständlich gibt es da noch den Stadtkämmerer „mit hoher Empathie“ fürs Theater, oder wahlweise dem „passionierten Besucher“ des Hauses, das Herr Weiske gerne und bis zum Erbrechen in diesem auffällig abfällig-ironischen Ton als „Musentempel“ diffamiert.

Dieser Biologe mit seiner ungesunden Nähe zur Stadtkasse, der sich nicht zu schade ist, in inoffiziellem, erlauchtem Kreise – und selbstverständlich nicht autorisiert und Herrn Weiske in die Feder diktierend – sich selbst die Maske herunterzureißen, wenn er, basierend auf einer persönlichen Umfrage im Freundes- und Bekanntenkreis zu dem Ergebnis kommt, dass keiner seiner Freunde und Bekannten das Theater ernsthaft vermissen würde.

Geradezu lächerlich, wenn´s nicht so traurig wäre!

Dass es im Augenblick gesellschaftlich wie kulturell Spitz auf Knopf steht, sollte selbst bis in die Redaktionsräume von WP und WR vorgedrungen sein.

Und auch wenn sich Hagen ganz sicher nicht als das Refugium der Eliten und des Intellekts in Deutschland hervortut, sollten hier die schreibenden Vertreter der Restzeitung sich nicht selbst als tumbe Sprachröhrchen der Stammtischbrüller und Proll-TV-Glotzer gerieren.

Im Gegenteil! Gerade von ihnen kann, ja, muss erwartet werden, dass sie als mediale Speerspitze den Erhalt des Theaters mit allen kreativen Mitteln verteidigen, mit der Macht ihres kraftvoll, inspirierenden Wortes dazu beitragen, dass eine neue, positive Stimmung für das Theater und seine Menschen in dieser Stadt entstehen kann.

Das wäre die klare, unmissverständliche Positionierung einer Lokalzeitung, die ihren Namen verdient.

Vermutlich würden noch mehr Stammtischschwafler ihr Abo kündigen, aber was wäre schlimm daran? Und was wäre der viel wichtigere Effekt? Vielleicht würden wieder viele zurückkommen, für die das Niveau der Zeitung der ehemalige und einzige Kündigungsgrund war.

Ja, dazu braucht es Mut. Dazu müsste man sich neu aufstellen, vielleicht sogar neu erfinden. Dazu wäre eine Kehrtwende vonnöten, weg vom Diktat, hin zu neuen und eigenen, selbst erarbeiteten Gedanken samt unbeugsamem Willen, eine unbedeutende Stadt am Rande des Sauerlandes von ihrem üblen Ruf als Proll-Schrumpf- und Dumpfstadt zu befreien.

Der Ton wird rauer und böser, nicht nur in unserer Gesellschaft, und nicht Wenige fürchten zurecht den Untergang alles Liebgewonnenen, alles Gewohnten und schlussendlich auch der dies alles garantierenden Demokratie.

Unsere Welt jongliert am Abgrund, was jedem uninformierten Deppen inzwischen bewusst sein sollte, und da wäre es höchst fatal, wenn Zeitungen wie WP/WR sich diesem Sog NICHT widerstandlos entgegenstemmen würden.

Anstatt ihn zu bedienen, sollten sie für alles Erhaltenswerte ihre Kräfte bündeln. Und wenn etwas in dieser Stadt erhaltenswert ist, dann ist es das Theater! Und es gibt bestimmt noch tausend andere Dinge, mir fallen gerade aber leider nur zwei oder drei ein.

Nicht ein vom „Wohlwollen“ der Bürger finanzierter „Musentempel“, wie Herr Weiske zu schreiben beliebt, sondern eine von der Bürgerschaft und der örtlichen Presse mit Stolz und Freude vorangetragene Monstranz des Geistes, der Kultur und der Kreativität in Zeiten der Kälte und der Unkultur muss dieses Theater bleiben oder werden.

Das wäre Eure Aufgabe! Dann würde selbst ich Euer Blatt abonnieren!

Und ihr solltet die Aufstockung des Salärs für Michael Fuchs feiern, statt sie zu benutzen für Eure so durchsichtige Kampagne gegen das Theater. Denn dieser Michael Fuchs, ehemals erklärter Gegner des Theaters und daher in den Augen Gerbersmanns so sehr geeignet, den Laden mal so richtig umzukrempeln, hat sich inzwischen zum absoluten Befürworter gewandelt, wohl auch, weil er die Interna des Theaters hautnah und greifbar kennen lernen durfte. Er hat sich zum harten Arbeiter für das Haus entwickelt, dessen ungeplante Mehrbelastung nun abgegolten wird. Punkt. Aus.

Es wäre gut gewesen, im Dienst der guten Sache solche Informationen mal nicht zu publizieren und zu benutzen für Eure schäbige Kampagne.

Damit habt Ihr Euch ebenfalls entlarvt. Leider auch als dumm. Denn stellt Euch nur mal vor, wie es wäre, wenn das Theater als Headline wegfallen würde. Womit würdet Ihr dann den frei bleibenden Platz zwischen Euren Inseraten füllen? Na? Bleibt nicht mehr viel, oder?

Allerdings kann ich auch das Theater nicht ganz kritiklos davonkommen lassen.

Mir reicht es nicht, dass Ihr trotz allem immer noch erfolgreich Eure Spielpläne abarbeitet. Mir reicht es nicht, dass Ihr seit Jahren unter diesem permanenten Druck und ohne eine klare, unmissverständliche Aussage zum Erhalt Eures/unseres Hauses seitens der Politik das Maul haltet und irgendwie immer weiter wurschtelt.

Ich erwarte Aktion von Euch! Kreative, inspirierte, freche und mutige Aktion nicht nur auf und hinter, da habt Ihr´s drauf, sondern auch vor und außerhalb der Bühne, das müsst Ihr noch lernen!

Geht mitten hinein in die Bürgerschaft! Stellt Euch mit dem Witz und der Frechheit, die man von Euch Theaterleuten erwarten kann, auch den dämlichsten Brüllern und ignorantesten Politikern in dieser Stadt. Überzeugt sie, diskutiert mit ihnen, zeigt ihnen, dass neben Big Brother und Shopping-Queen noch eine lebenswerte, reale Welt existiert. Selbst hier in Hagen! Und zeigt den Schreibern, die Euch jetzt schon auf „gepackte Koffer“ setzen, was Ihr von solchen frechen Sprüchen haltet!

Mobilisiert Eure letzten Kräfte – viele sind es nicht mehr – und verschanzt Euch nicht länger hinter Fördervereinsbeschlüssen und den alten Mauern Eures Tempels.

Ein Tempel ist den meisten suspekt. Macht aus unserem Theater ein starkes Stadthaus, einen Hotspot des Austausches, einen Schmelztiegel der Ideen und des Widerstandes.

Gründe für Widerstand muss Euch doch wohl niemand mehr liefern, oder?

Und Euch Hagener Politikern, Euch allen, und Euch heruntergekommenen Schreiberlingen drücke ich wärmstens und abschließend den Gastartikel von Christian Sist: „Die Budgetlüge und andere Unsittlichkeiten“ im OPERNMAGAZIN vom 6. September ans kalte Sparer- und Schreiberherz – in Sachen Inspiration, Kreativität und Visionen … Ihr versteht? Vielleicht – und sorry, ich habe mich nur auf Euer Niveau herab begeben.

http://opernmagazin.de/die-budgetluege-und-andere-unsittlichkeiten-ein-widerspruch

Je blöder, desto Klatsch!

28. August 2015

von Christoph Rösner

Dass unsere Welt schwerkrank ist, sollte inzwischen eigentlich jedem noch so informationsresistenten Deppen klar sein.

Ich könnte nun den Demokratie gefährdenden Irrsinn des Flüchtlingsdramas und die offen und massenweise grölende Auferstehung nazistischer Untoter – in Fachkreisen auch Pack genannt –  überall im Land anführen.

Ebenso könnte ich den Irrsinn der nervösen Börsen ins Feld führen, der an einem Wochenende das Vermögen eines mittleren Staates verbrennt, oder den abstoßenden Terror religiös fanatischer Schweine in Menschengestalt, oder, oder oder … die Liste der Belege ist erschreckend lang. Und nicht Wenige sehen inzwischen das Ende der Welt, wie wir sie kannten, mit erschreckendem Tempo näher kommen.

Manchmal ist es gut und naheliegend, sich die Beweise für die These einer bis ins Mark der Gesellschaft metastasierenden Krankheit anhand kleiner, auf den ersten Blick nichtssagender Beispiele zu vergegenwärtigen. Beweis gefällig?

Jene in Hagen, die sich noch eine „Zeitung“ oder eines dieser unglaublich investigativen Wochenblättchen in den Briefkasten stecken lassen, konnten sich am Mittwoch über eine ganz besondere Beilage in Greatbarrierreefblau freuen. „inhagen“: das Kundenmagazin der HVG-Konzerns und der Mark-E. Herausgeber auch die HAGENBAD GmbH.

Dass in aufwändig gestalteten Broschüren für die Hagener Unternehmen, speziell für das HagenBad geworben werden muss, versteht sich beinahe von selbst. Ich führe solche Beilagen in der Regel umgehend und ungelesen dem Altpapierkreislauf zu, doch dieses Mal, meiner Frau sei Dank, wurde ich auf dieses Heftchen aufmerksam. Still las sie diese Broschüre und begann zu lachen. Sie lachte sich schlapp, laut, sie gluckste, sie kicherte und brüllte. Ich wurde neugierig. Nicht, weil bei uns so selten gelacht würde … sondern weil eine unaufgefordert in unser Haus geflatterte Beilage sie in derartiges Verzücken versetzen konnte.

Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, nahm ich dieses Kleinod Hagener Werbebespaßungsliteratur zur Hand und konnte kaum glauben, was ich da las.

Unter der Überschrift „Je höher, desto platsch“ – allein diese Schöpfung höchst virulenter Hagener Werbetextergenies ist höchst preisverdächtig – werden neue Attraktionen im Westfalenbad angepriesen.

Wie erwähnt, dieses Elitentauchbecken unter Volldampf in Hagen muss heftig beworben werden, versteht sich. Was aber dort ausgeheckt und als Attraktion für den bevorstehenden Oktoberfestrummel, für den Hagen ja weit über die Region hinaus berühmt ist, mich durch das Schwimmbadblau anschrie, ließ mich schnell zum Gartenschlauch greifen, der mir das erhitzte Hirn kühlen sollte.

Weiter auf Seite neun: „Das neue Abenteuer“. Und dort? Hier wegen der Fülle des getexteten Irrsinns, der dorten wohl Realität werden soll, nur einige hingeworfene Zitate, Sätze, Überschriften.

„Leicht wölbt sich die Kletterwand zum Wasser hin …“ – …“benötigen die Kletterer beim WATERCLIMBING!!!, der einzigartigen Verbindung von Berg- und Wassersport, nur Badehose oder Badeanzug“. Seite drei: „Lederhosen in der Sauna“ … „Bayrischer Frühschoppen mit typisch bayuwarischen Speisen und Schmankerln“… (für mich bedeutete Sauna immer und ausschließlich Ruhe, Schwitzen, Kontemplation!).

Zurück zu Seite neun: „Bad frei für Hunde“ … „Vier Euro pro Hund“ … „Hagenbad hat ein Herz für Bello und Co“ (Wer ist Co? Mein Kater würde da nicht reinspringen). „Für die Kleinen (Kinder) Sauna mit Smartiesaufgüssen und Märchenstunde (drei Stunden für schlappe € 14,-), und für die gestressten Großen die wunderbaren Rundum-Pakete. „Fit für den Tag“ mit „Wake-Up“-Ganzkörpermassage in der Premium-Saunalandschaft samt üppigem „Guten-Morgen“-Frühstück (irre! Frühstück am Morgen!)

Der Hammerpreis: € 88,-!

Und der Kracher: plus „Einmal-Schlappen“!!

Wenn´s nicht so traurig wäre, würde ich mich einmal so richtig schlapp lachen … geht aber nicht. Denn in der Hagener Parallelrealität vergeht einem jedes Lachen zwischen planschenden Kötern, Kindern im Smartiessumpf und Erwachsenen, die sich morgens in Einmalschlappen beim Waterclimbing ins Frühstücksbüffet stürzen.

Wundert sich wirklich noch jemand, wenn uns diese Welt in naher Zukunft um die Ohren geklatscht wird? Erwartet wirklich noch jemand, dass in dieser kranken (Sauna)-Welt Heilung nicht mehr als ein schönes Versprechen sein kann?

Nein, nicht wirklich – denn es gilt in Hagen wie in unserer Welt: Je blöder desto Klatsch!

Was erlauben Will?!

14. August 2015

von Christoph Rösner

„Den Zufall gibt’s bei mir nicht. Ich habe immer eine Idee, ein Konzept im Kopf. Auch wenn mir das nicht immer abgenommen wird.“

Ach was, Herr Will, Sie haben immer ein Konzept im Kopf? Und Sie wissen – offensichtlich aus eigener Erfahrung – dass Ihnen das nicht immer abgenommen wird? Ja wunderbar, dann verstehe doch jetzt jemand Ihre öffentliche und sehr laute Aufregung ob der Installation des Knetehaufens in Ihrer international be- und anerkannten HagenRing-Galerie.

Immerhin, das Zitat stammt von Ihrer Website, und ich gehe doch davon aus, dass Sie auch meinen, was Sie dort schreiben, oder?

Oder muss ich annehmen, dass dieses einem Künstler durchaus angemessene Zitat nur für Sie selbst Geltung hat? Dass Sie das gar nicht so meinen, wenn es um andere Künstler geht, die Sie selbst eingeladen haben?

Oder, noch perfider, gilt dieses Zitat nur für solche Kollegen, die das gleiche Konzept im Kopf haben wie Sie selbst?

Ich hoffe, dass ich mit diesen Thesen nicht Recht habe, ansonsten müsste ich konstatieren, dass Sie, Herr Will, wie auch Ihre Mitaufregerkünstlerkollegen, einem merkwürdig eingeengten Kunstbegriff frönen, in dem die Freiheit der Kunst eher schmückendes Beiwerk denn gelebte, innere Haltung zur Kunst beinhaltet.

Ihr öffentliches Echauffieren zeigt mir nur eines: nämlich eine verheerende Engstirnigkeit in inniger Symbiose mit exakt jener Provinzialität, die in Hagen nicht erst seit Ihrer Aufregung Legende ist.

Sie Armer, „verarscht“ fühlen Sie sich, und im tiefsten Innern Ihrer geschundenen Künstlerseele erflehen Sie das Erscheinen eines blonden Massenunterhalters, der Ihnen die Schmach von der Seele nimmt. Nur am Rande, ich wusste gar nicht, wer Ihr erflehter Retter Guido Cantz ist, das musste ich erst googeln … spielt aber keine Rolle, jeder sucht sich seinen geeigneten Unterhalter.

Oder, um es auf die profane Ebene runterzubrechen, benutzen Sie Ihren Künstlerkollegen Rainer Maria Matysik, dessen hagenfarbene Kneteästethik Ihnen so gar nicht zu behagen scheint, um den HagenRing mal wieder in die Hagener Öffentlichkeit zu hieven – wär ja mal nötig, oder?

Immerhin ist es Ihnen gelungen, die Hagener Aufregerseele mal wieder in Wallung zu versetzen. Beweis? Die fast vierzig Kommentare in der Online-Ausgabe der Westfalenpost – genannt Der Westen.

Gut, die meisten der Kommentatoren sind inzwischen bekannt, die üblichen Verdächtigen halt, wenn es um Kunst oder Kultur in Hagen geht, immer das gleiche Kunst-ist-Dreck-und-überflüssig-Geseire. Jede Stadt muss ein paar Idioten ertragen, aber warum immer so viele in Hagen …?

Gut, zurück zu Ihnen, Herr Will. Das Schlimmste, was Sie aber mit Ihrer Aufregung erreicht haben, genau jenen anonymen Kunst/Kultur-Trollen eine Stimme gegeben zu haben. Das nehme ich Ihnen wirklich übel, das ist einem anerkannten Künstler unwürdig. Dass das unglaublich investigative Hagener Blatt nur allzu gerne genüsslich und mit Anlauf über das Stöckchen gesprungen ist, das Sie ihm hingehalten haben, darf ernsthaft niemanden wundern.

Dass aber ein Künstler, der sich in Hagen und darüber hinaus seine Meriten verdient hat, in dieser Weise mit einem Kollegen und seinem Konzept von Kunst ins Gericht geht, ist höchst erschreckend. Es zeigt dann doch, dass Sie ein Hagener Künstler und nicht ein Künstler in Hagen sind, der offensichtlich keinen Spaß versteht. Ich hoffe, der Unterschied wird verstanden … Und noch etwas, Ihrem Satz: “Ich bin ja wirklich tolerant, aber das geht eindeutig zu weit“, mit dem Sie sich in der Westfalenpost zitieren lassen, möchte ich abschließend die Wikipedia-Definition gegenüberstellen, die Sie ganz schnell selbst googeln können: ´Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.´

Von dieser einfachen Erklärung einer nicht nur von Ihnen ´wirklich´ überstrapazierten menschlichen Grundhaltung sollten Sie und der HagenRing sich leiten lassen, als Vorbild in einer immer intoleranter werdenden Gesellschaft. Diese Haltung wäre einem Künstler- (Kollektiv) angemessen.

Mit künstlerischem Gruß

Haus Rosa und Hagen im Zeugnis

30. Januar 2015

von Christoph Rösner

Jetzt schlägt´s doch wohl 13! Die einen wollen unbedingt drin bleiben, die anderen wollen es raus haben.

Ja, was ist denn bloß los in dieser Stadt? Gut, dass das eine rhetorische Frage ist, weiß ich selbst – weil jeder die Antwort kennt. Ein Tollhaus eben, diese Stadt, voll mit Toren zum Sauerland und frechen Mietern, die nicht gehen wollen und dafür Anwälte anheuern (heißt in der Regel: bezahlen.)

Diese halten nicht nur unseren Rechtsdezernenten Thomas Huyeng zum Narren, sondern all jene, denen die Zwangsräumung droht und deren Nerven nicht derart gestählt sind wie diejenigen der Bewohner des Hauses Rosa. „Darüber diskutiere ich nicht einmal mehr“, soll Huyeng gesagt haben.

Selten gebe ich ihm Recht, dem Herrn, der auch als Hagener Kulturverweser sein Unwesen treibt. Doch diesmal kann ich nicht anders. Ich muss ihm Recht geben.

Über diese Posse – ach wenn´s doch nur eine wäre, dann könnten wir schmunzeln und uns wieder unserem Tagwerk widmen – nein, über dieses widerliche Katz- und Mausspiel zwischen gewieften Winkeladvokaten und hilfloser Justiz und Verwaltung kann man nur noch Tränen vergießen oder die Wutfaust irgendwie in der Tasche behalten. Einen „traurigen Legendenstatus“ prophezeit Martin Weiske dem Haus Rosa in seinem Artikel auf Der Westen. Auch wohl richtig, und leider auch wohl dazu geeignet, das Bild dieser Stadt weiter ins Unreine zu verpixeln.

Allerdings, und das stimmt mich dann wieder etwas milder, gibt es auch noch Lichtblicke in dieser merkwürdigen Stadt.

Ingo Graumann ist so ein Lichtblick. Er ist vom „Focus“ empfohlener Experte für Arbeitsrecht, na, wenn das kein Ausweis ist, und, und das ist noch besser, er hat mit einem gewissen Gerhard Schröder in einer WG gehaust und duzt den heute noch!

Und dieser pfiffige Anwalt vertritt nun die Mitarbeiterin eines Hagener Möbeldiscounters, die, und das lassen wir uns alle auf der Zunge zergehen, vor allem jene durch nichts zu irritierenden Zeitgenossen, die sich so gerne auf der FB-Seite „Du bist Hagener, wenn …“ tummeln, Hagen als Geburtsort aus ihrem Arbeitszeugnis gestrichen sehen will.

Ja geht’s denn noch? Dafür einen Anwalt? Wieso erscheint Hagen überhaupt in einem Arbeitszeugnis? Ist es nicht schon schlimm genug, sein Berufsleben in einem Hagener Möbeldiscounter zu fristen? Muss da auch noch drinstehen, dass die Arme es nicht geschafft hat, wenigstens kurz nach der Geburt – meinetwegen bei Poco in Castrop-Rauxel – unterzukommen?

Ich will mal so sagen: Hannover ist jetzt auch nicht der Knaller, aber immerhin wohnt da der ehemalige WG-Kumpel von Ingo Graumann. Vielleicht sollten die beiden mal für sechs Wochen, der alten Zeiten wegen, ins Haus Rosa einziehen, ordentlichen Rotwein saufen („Bring mir mal ne Flasche Wein…“), ihre alte Duzfreundschaft pflegen und sich Möbel von der Dame mit dem Geburtsortmakel liefern lassen. Dann wird der Rest der beharrlichen Mieterschaft ob der Prominenz im ´eigenen` Hause und ihres Edelmobiliars sicher ganz schnell den Umzugswagen bestellen.

Und ich überlege derweil, ob ich eine neue FB-Gruppe gründe: „Du bleibst Hagener, wenn…“ – die wird bestimmt einschlagen wie eine Bombe ins Haus Rosa, nachdem Ingo und Gerhard und die Umzugswagen vom Hoff getorkelt sind … also: macht jemand mit?

Ein frohes 2015!

12. Januar 2015

von Christoph Rösner

Da sieht man mal wieder, was gute Wünsche bewirken. Nichts nämlich! Was für ein Start ins Jahr 2015!

Am zehnten Tag des Jahres steigt die Zahl der brutal Getöteten weltweit bereits in die Tausende.

Zehntausende Demokratieermüdete marschieren in deutschen Städten auf, Rassisten, Demokratiehasser und anderes Gesocks dominieren die Presse und auch die Hagener Stammtische, und zu guter Letzt – oh mein Gott! – tritt das gesamte Administratorenteam der Facebook-Seite „Du bist Hagener, wenn …“ zurück. Eine damen- und herrenlose Facebook-Seite! Welch ein Unglück zu Beginn dieses Jahres!

Jetzt muss völlig unmoderiert geklärt werden, ob ein neu Zugezogener (wieso bloß) seinen Sperrmüll bei Rossmann stapeln darf, oder wo der beste Hagener Gynäkologe sein Wesen treibt, oder was es mit dem merkwürdigen Klappern hinter der Holzvertäfelung im Hagener Reihenhäuschen auf sich hat. Wie soll das noch enden?!

Es wird enden. Spätestens am 31. Dezember wird dieses Jahr, das, so steht zu befürchten, wieder ein Grauenvolles werden wird, sein Leben aushauchen. Wenn’s aber für uns doch irgendwie noch gut gegangen sein wird, werden wir ganz viel deflationär billiges Fleisch in uns reingeschaufelt haben, werden wir stolz viele überflüssige Kilometer mit spottbilligem Sprit runtergerissen und zu allen möglichen und absurden Anlässen unsere fantastischen Shopping-Malls mit unserem Geld und unserer Gier geflutet haben.

Also doch ein gutes 2015, klar! Und dann, zum Ende hin, werden wir Hagener schlussendlich erfahren, woher dieses merkwürdige Klappern hinter der Holzvertäfelung in unserem Reihenhäuschen rührt. Es sind die vorauseilenden Vibrationen der herannahenden Angriffswellen auf unser kleinbürgerliches Ruhebedürfnis …

Noch ist es ein langer Weg bis Silvester. Bis dahin werden weiterhin verblendete Dreckschweine in Menschengestalt – und ich schreibe das genauso hierhin!, während ich alle Haus-, Mast- und Wildschweine dieser Welt um Verzeihung bitte und mich tief vor ihnen verneige – die Kunst, die Pressefreiheit und das selbständige, freie Denken auszulöschen versuchen. Und vielleicht verdient sich gerade ein pfiffiger Hagener ein paar Euros beim Pressen von Je suis Charlie-Buttons dazu … wer weiß?

Alles steht auf der Kippe. Alles, was wir so lieben und brauchen, alles, wovon wir dachten, es sei für uns gemacht und selbstverständlich – für uns natürlich – steht auf der Kippe.

Seit Paris ist jetzt schon nichts mehr wie es war.

Denn seit dem 9. Januar muss allen klar sein, dass die Demokratie ums Überleben wird kämpfen müssen – was war doch gleich noch mal am 9. Januar…?

Ach ja, am 9. Januar vor 125 Jahren wurde Kurt Tucholsky geboren. Er, der große Satiriker und Kämpfer für Freiheit und Demokratie, soll in diesem Text das letzte Wort haben:

Steh einmal auf! Schlag mit der Faust darein!
Schlaf nicht nach vierzehn Tagen wieder ein! …
Vier Jahre Mord – das sind, weiß Gott, genug
Du stehst jetzt vor dem letzten Atemzug.
Zeig, was du bist. Halt mit dir selbst Gericht.
Stirb oder kämpfe. Drittes gibt es nicht.

Ein frohes neues Jahr!

Über 20 Grad, Sonnenschein und herzhaft lachend in den Tag – danach kann nichts mehr kommen!

14. Oktober 2014

von Christoph Rösner

800 bis 1000 Kunden standen zwischen fünf und sechs Uhr morgens vor den Toren der neuen Rathausgalerie – und durften nicht rein! „Dichtes Gedränge und teilweise gereizte Stimmung, als sich um kurz nach sechs Uhr immer noch nichts tat. Ein Wartender kollabierte in der Menge.“

Was war geschehen? Saß Helene Fischer, die alte Henne, atemlos nach durchzechter Nacht hinter den Glastüren und musste sich erst zurecht machen? Hatten Salafisten ihren Bücherstand noch nicht aufgebaut? Müsst Ihr übrigens mal drauf achten, wenn Ihr dieses Pack wieder irgendwo rumstehen seht – LIES! Steht da immer drauf auf den Büchern und den Plakaten. Soll ein Imperativ sein, ich lese das immer englisch: LIES = Lügen … aber das nur am Rande, oder wollte die Hagener SPD mit einer unglaublich provozierenden Aktion den Hagenern ihren letzten und einzigen Spaß verderben?

Nein! Viel besser!! „Wir sind stundenlang wirklich alles durchgegangen“, sagte Erik O. Schulz in einer ersten Stellungnahme am Dienstagmorgen, „aber den Funktionstest hat ein Großteil der Brandmeldeanlagen im Gebäude einfach nicht bestanden. Wir haben auch überlegt, Brandwachen einzusetzen. Aber selbst damit hätten wir die Vielzahl der Mängel einfach nicht ausgleichen können.“

Ich habe die Wochen und Monate vor der großartigen Nichteröffnung so lange hin und her überlegt, wie sich diese zweite Shopping-Mall, die so überflüssig ist wie ein Kropf, verhindern lässt. Auf das Naheliegende bin ich einfach nicht gekommen – die Unfähigkeit der Hagener Behörden und Verantwortlichen! Ich hätte tatsächlich darauf kommen müssen, denn worauf ist in Hagen mehr Verlass als darauf?

Na, wenigstens Saturn durfte eröffnen, endlich, und „Tausende Artikel wurden gegriffen. Waschmaschinen, Tablets, Kopfhörer, Zahnbürsten, Flachbildfernseher. Eine Atmosphäre, als wenn es das alles geschenkt geben würde“, zitiert Mike Fiebig von Der Westen einen Kunden.

Gut, endgültig verhindern wird sie sich nicht lassen, die Eröffnung. Aber wenigstens lässt sich auch nicht mehr verhindern, dass mit der Historie dieses 22.000 Quadratmeter großen Blödsinns in einer sterbenden Stadt einfürallemal dieses kleine Geburtsschmankerl in einem Atemzug genannt werden wird – und keiner weiß, wie lange die Historie überhaupt geschrieben werden wird …

Am Samstag gings im Kunstquartier wohl gesitteter zu, keine kollabierenden Kunden, viel Lob und, was noch viel wichtiger ist – rund 200 Besucher mehr als zur Nichteröffnung der Rathausgalerie! Ist das nichts?! Also: lieber Kunst kucken als kollabieren vor verschlossenen Konsumtempeltüren! Und: endlich mal wieder herzhaft lachen!


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