SIHK sucht private Gleisanschlüsse

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Wirtschaftsverband entdeckt die Schiene wieder

In der Not frisst der Teufel Fliegen
Sprichwort

Dass Güter auch mit der Bahn transportiert werden können, war für die Interessenvertreter der Wirtschaft eigentlich schon lange kein Thema mehr. Aber nachdem immer mehr Autobahnbrücken unter der seit Jahren zunehmenden Belastung durch ständig wachsenden LKW-Verkehr in die Knie gehen, gerät die Schiene wieder ins Blickfeld.

So auch bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), weil die Sperrung der Talbrücke Rahmede im Zuge der A 45 zwischen den Anschlussstellen Lüdenscheid Nord und Lüdenscheid chaotische Verkehrsverhältnisse in der Lüdenscheider Innenstadt und darüber hinaus bis nach Hagen verursacht.

Da die Brücke „für den Lkw-Güterverkehr“ (!), so die SIHK, in den nächsten fünf Jahren abgerissen und neu gebaut werden muss, will die Kammer nun prüfen, ob nicht bestimmte Güter auf die Bahn verlagert werden können, um den Lkw-Verkehr auf den Umleitungsstrecken zu reduzieren.

Unternehmen mit Gleisanschlüssen werden aufgefordert, den Schienenverkehr verstärkt zu nutzen. Weiterhin sollte im Falle eines stillgelegten Gleisanschlusses geprüft werden, ob dieser nicht reaktiviert werden kann. Hierzu besteht die Möglichkeit, staatliche Förderungen in Anspruch zu nehmen.

Die SIHK führt zu diesem Thema daher jetzt in Abstimmung mit dem Landesverkehrsministerium und DB Cargo eine Umfrage unter Unternehmen durch, die Interesse an einer Reaktivierung von Gleisanschlüssen haben.

In den vergangenen elf Jahren verzeichnete die Bundesregierung in ganz Deutschland gerade einmal 31 neue und 28 reaktivierte Gleisanschlüsse für Unternehmen, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion im Sommer 2021 hervorgeht.

Demnach gab es Ende 2020 noch insgesamt 2307 aktive Gleisanschlüsse. Die Tendenz ist damit seit Jahren rückläufig. Vor der „Bahnreform“ im Jahr 1994 waren es noch mehr als 11.000 Anschlüsse gewesen. Rund 80 Prozent wurden also aufgegeben.

„Diese lächerlich niedrigen Zahlen passen zu der auch sonst mageren verkehrspolitischen Bilanz von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Wie bei seinen Amtsvorgängern war die Forderung nach ‚mehr Verkehr auf der Schiene‘ nicht mehr als eine hohle Politphrase für Sonntagsreden, da es stets an wirksamen Maßnahmen fehlte“, sagte Matthias Gastel, Bahnexperte der grünen Bundestagsfraktion, gegenüber der Presse.

Als Vorbilder verweist er auf Österreich und die Schweiz. Von den Nachbarn könne man lernen, „wie mit Gleisanschlüssen buchstäblich mehr bewegt werden kann“. Es sei kein Zufall, dass diese Länder auch einen deutlich höheren Marktanteil im Schienengüterverkehr aufwiesen.

Laut Allianz pro Schiene liegt er in Österreich bei 25 Prozent, in der Schweiz sind es sogar 40 Prozent. In Deutschland dagegen nur 19 Prozent.

Über einen oftmals unbeachteten aber starken Hebel in der Schaffung von Gleisanschlüssen verfügen auch Städte, Gemeinden und Landkreise, denn auch sie können die Rahmenbedingungen für Gleisanschlüsse positiv beeinflussen und damit das Verkehrsgeschehen auf die Schiene lenken. Grundlage hierfür bietet der Paragraf 9 des Baugesetzbuchs.

Im Ergebnis können Städte und Gemeinden ein Gewerbegebiet nicht nur „klassisch“ über die Straße, sondern auch über einen eigenen Gleisanschluss erschließen lassen und dies zu einem Bestandteil des Bebauungsplans machen.

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