Willi Weyer war Mitglied der NSDAP

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Er war Minister für Wiederaufbau, Finanzminister, von 1962 bis 1975 Innenminister, viele Jahre Stellvertreter des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und, von 1974 bis 1986, Präsident des Deutschen Sportbundes: der 1987 verstorbene Hagener FDP-Politiker Willi Weyer, nach dem in Hagen ein Hallenbad benannt ist.

Das alles ist bekannt. Daß Weyer von 1937 bis zum bitteren Ende 1945 auch Mitglied der NSDAP war (Mitgl.-Nr. 4971711), ist dagegen der Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben. Aufgedeckt wurde die NS-Verstrickung Weyers jetzt in einer Untersuchung des Historikers Dr. Michael C. Klepsch, die der Landtagsabgeordnete Rüdiger Sagel (LINKE) in Auftrag gegeben hatte.

Im folgenden ein Auszug aus dieser Untersuchung:

Die Belastung der FDP in NRW durch Altnazis war nicht nur ein Problem älterer Jahrgänge. Selbst junge Abgeordnete wie Willi Weyer, der im Alter von gerade einmal 33 Jahren 1950 in den Düsseldorfer Landtag einzog, waren im Dritten Reich Mitglied der NSDAP gewesen. Entgegen der landläufigen Einschätzung, dass der spätere Fraktionsvorsitzende und mehrfache Minister der Liberalen durch seinen Vater, ein langjähriges DDP-Mitglied und Mitbegründer der FDP, „schon früh mit liberalem Gedankengut in Berührung gekommen“ (10 ) sei, lässt sich heute zweifellos feststellen, dass Weyer offenkundig noch früher mit faschistischem Gedankengut in Berührung geraten sein muss.

Wie anders ließe sich sonst Weyers Eintritt in die NSDAP gleich zu Beginn seiner Studienzeit im Mai 1937 erklären (dies in einem politisch gewiss nicht mehr so naiven Alter von 20 Jahren)? Sein aktives Bekenntnis zum Nationalsozialismus dürfte es Weyer in den Jahren 1941/42 sicherlich erleichtert haben, eine Anstellung als Assistent in der von Hans Frank begründeten und persönlich geleiteten nationalsozialistischen Akademie für Deutsches Recht in Berlin zu erhalten. Eine allein hinreichende Erklärung für seine NS-Mitgliedschaft freilich bietet diese Anstellung nicht. Im Übrigen behielt Willi Weyer sein NSDAP-Parteibuch bis zum bitteren Ende 1945 bei. (11)

Zur vornehmlichen Aufgabe der Akademie für Deutsches Recht gehörte die Angleichung des aus dem Kaiserreich und der Weimarer Republik übernommenen Rechtsystems an die rassistische NS-Ideologie. Dies geschah vor allem mit der Ausarbeitung eines sogenannten „Volksgesetzbuchs“, mit dessen Hilfe etwa die in den Nürnberger Gesetzen bereits vorbereitete Entrechtung der Juden in Deutschland ihren vollständigen Abschluss finden sollte. (12)

Dass es ehemalige Nazis nach dem Krieg vor allem in die nordrhein-westfälische FDP verschlug, hatte nichts mit zufälligen Gegebenheiten zu tun. Vielmehr boten führende Vertreter der Liberalen bereitwillig Altnazis in ihrem Landesverband ein neues politisches Zuhause. Mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln setzte sich die FDP zudem für eine Rehabilitierung von NS-Kriegsverbrechern ein. Welchen Erfolg diese Bemühungen hatten, lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass die strafrechtliche Verfolgung von NS-Tätern vor deutschen Gerichten über lange Zeit erfolgreich verhindert wurde.

10.) Gerhard Papke, Liberale Ordnungskraft, nationale Sammlungsbewegung oder Mittelstandspartei? Die FDPLandtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen 1946-1966, Düsseldorf 1998, S. 136.

11.) Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (ehem. Berlin Document Center) Mitgliederkartei der NSDAP, Willi Weyer, geb. 16.2.1917 in Hagen.

12.) Siehe hierzu auch Hans Hattenhauer, Die Akademie für Deutsches Recht, Juristische Schulung (JuS) 1986 (Heft 9), S. 680-684.

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