Unabkömmlicher Brauereibesitzer

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Carl Horst Andreas war im „Dritten Reich“ Parteimitglied, SS-Führer – und begeisterter Reiter. Er veranstaltete Turniere und war als Standartenführer der Reiter-SS mehrfacher deutscher Dressur-Sieger. Ab 1939 gehörte Andreas als der Hauptsturm­führer zeitweise einem Kavallerie-Regiment der Waffen-SS an.

Das Kriegsende erlebte der zuletzt „unabkömmlich“ gestellte Brauereibesitzer in der Heimat. Seit 1948 unterstützte Andreas unter anderem die 1952 verbotene rechtsextreme Organisation „Bewegung Reich“. Später förderte er die „Hilfsgemeinschaft zur gegenseitigen Unterstützung“ (HIAG) von Angehörigen der früheren Waffen-SS. In seiner Brauerei beschäftigte Andreas zahlreiche ehemalige SS-Angehörige, Offiziere und Soldaten der Waffen-SS.

Unter den Führungskräften befanden sich Kurt Meyer („Panzermeyer“), der ab 1954 bis zu seinem Tod 1961 Vertriebsleiter war, Oskar Pahnke als Werbeleiter. Andreas‘ Verkaufsdirektor Kurt Parbel, ein früherer HJ-Oberbannführer, Gaupropagandaleiter sowie Leiter der Abteilung Film und stellv. Reichsfilmintendant im Reichspropaganda-Ministerium, wurde in der Session 1953/54 sogar zum Hagener Karnevalsprinzen ausgerufen. Acht Jahre nach Kriegsende spielte die tiefbraune Biografie des Brauerei-Managers keine Rolle mehr. (…)

Quelle: wp.de

Anmerkung: Es ist wohl das erste Mal, dass die ehemalige Andreas-Brauerei in der Öffentlichkeit nicht wie bislang üblich als Kultobjekt dargestellt wird, sondern als das, was sie war: ein Sammelbecken von SS-Schergen (Autor des Beitrags ist der Historiker Ralf Blank, Fachdienst Museen, Wissenschaft und Archive der Stadt Hagen).

Sogar der 2009 verstorbene Ex-CDU-Multifunktionär Oskar Pahnke findet Erwähnung. Jener SS-Mann, der sich in den 1940er Jahren seine Meriten an der russischen Front und in den besetzten Niederlanden „verdiente“ (siehe hier). Vor allem in den Niederlanden hat man ihn bis heute nicht vergessen (siehe hier), während Pahnkes Vergangenheit in Hagen unter den Teppich gekehrt wurde.

Führende damalige Hagener CDU-Funktionäre, Helmut Diegel (Regierungspräsident), Christian Kurrat (stellv. Kreisvorstand der CDU) und Bernd Löwenstein (Kreisgeschäftsführer der CDU), plazierten eine Traueranzeige für ihren verstorbenen „väterlichen Freund und Ratgeber“.

Sie erdreisteten sich allen Ernstes, dem Nachruf auf ihren SS-Freund ein Zitat des von den Nazis ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer voranzustellen. Im Internet wird in einschlägigen Kreisen dagegen eine Art „Autogrammkarte“ des mit Orden behängten Pahnke in vollem SS-Wichs gehandelt (siehe Screenshot).

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5 Antworten to “Unabkömmlicher Brauereibesitzer”

  1. Allan Qutermain Says:

    Was auch nicht unerwähnt bleiben sollte,
    Carl Horst hatte damals schon eine doppelte Staatsangehörigkeit.

    2 bis 4 Mal im Jahr habe ich mir von Andreas einen Unimog für Ziehaufgaben für verschiedene Feste ausgeliehen.
    Übergabe des Schlüssels war immer in der Villa.
    Da zeigte mit der Werksklempner diesen Pass.
    Der lag für jeden ersichtlich im Kaminzimmer.

  2. uweck Says:

    Gelebte Geschichte → Andreas-Pilsener war in der 1980er Jahren eine beliebte Bierspezialität bei unseren Seestreitkräften. Ein Schelm…^^

  3. Allan Qutermain Says:

    Noch eine erlebte Geschichte.
    In den Schul- und Semesterferien habe ich immer bei Tengelmann im Kreisel gejobt.

    Das war immer ein Erlebnis der besonderen Art, wenn Frau Brauerei Direktorin, samt Fahrer in Livree-Uniform nebst Mustang unter den Hintern, vorfuhr.

    Auch die Familien der Polizisten, nach dem Carl-Horst nicht mehr lebte, in den ehemaligen Pferdeställe wohnten, könnten so manche Geschichte beisteuern.

  4. Umleitung: Marie Curie, jonet Medienlog, Überwachung, Synagogen, Copyright, Reclam-Heftchen und You’ll never work alone | zoom Says:

    […] Hagen – Unabkömmlicher Brauereibesitzer: Carl Horst Andreas war im „Dritten Reich“ Parteimitglied, SS-Führer – und begeisterter Reiter. Er veranstaltete Turniere und war als Standartenführer der Reiter-SS mehrfacher deutscher Dressur-Sieger … doppelwacholder […]

  5. Bernd B Says:

    Nicht alle teilen eine fundierte und objektive Vergangenheitsbewältigung.

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