Steinchen vor die Fenster

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WPWR macht gegen Kinder mobil – dabei geht es auch anders

Mit einem reißerisch aufgemachten Titel bläst das Hagener Lokalblättchen Dinge auf, die in vergangenen Zeiten keiner Berichterstattung wert gewesen wären – und es auch heute nicht sind. Es sein denn, man verfolgt eine ganz andere Agenda damit: die des Rassismus.

Am Donnerstag vergangener Woche (05.01.) erschien im Hagener Lokalteil der WPWR groß aufgemacht der Beitrag „Herumstreunende Kinder attackieren die Bürger“. Ein Pärchen aus Altenhagen berichtete von „von seinen Erfahrungen mit den Zuwanderer-Kids“, wie es das Blättchen nannte.

Unflätige Bemerkungen sollen gefallen und „Steinchen vor die Fenster“ geworfen worden sein. Stellungnahmen der Gegenseite, also von den inkriminierten Kindern, wurden offensichtlich nicht eingeholt. Und das, obwohl doch die Presse fortwährend ihre angeblichen Standards immer so hoch hält, wonach auch der Gegenseite Gehör zu verschaffen sei.

Aber das war wohl auch nicht der Sinn dieses Artikels. Denn schnell wird die Stoßrichtung klar. Schon der Einstieg gibt die Linie vor: „Kinder-Banden machen den Bürgern in Altenhagen das Leben zur Hölle.“

Ältere Hagener werden sich erinnern: Konflikte zwischen Kindern und Erwachsenen gab es auch schon früher, als die Bürgersteige noch breiter waren und zum Spielen genutzt wurden (und nicht als Parkfläche). Kinder waren manchmal laut und die Alten wollten ihre Ruhe haben. Kinder wurden verjagt und versuchten im Gegenzug, es den Jägern heimzuzahlen.

Solche Alltagssituationen waren allerdings nie Gegenstand einer Presseberichterstattung und sind es auch heute nicht – es sei denn, es kann ein rassistisches Ressentiment bedient werden.

Der Verfasser des Artikels, WPWR-Redakteur Martin Weiske, weiß denn auch geschwind mitzuteilen: „Gemeint sind vorzugsweise Jungs im Alter zwischen 8 und 14 Jahren, die politisch korrekt als EU-Zuwanderer zu bezeichnen sind, meist aus Bulgarien und Rumänien stammen, aber dort als reisende Randgruppe auch wenig geschätzt sind.“

Der ausdrückliche Hinweis auf die „politisch korrekte“ Bezeichnung lässt ahnen, dass Weiske viel lieber etwas anderes geschrieben hätte.

Leserbriefe setzten sich daraufhin sehr kritisch mit dieser Veröffentlichung auseinander. Ein Zeichen dafür, dass sich zumindest in Teilen die Zivilgesellschaft noch nicht abgemeldet hat. So schrieb Leserin Annika M. empört:

Ich kann nicht glauben, dass so ein unreflektierter, rassistischer Artikel von Ihnen veröffentlicht wurde. Schon alleine die zynische Formulierung „Gemeint sind vorzugsweise Jungs […], die politisch korrekt als EU-Zuwanderer zu bezeichnen sind […]“, ist alles andere als (journalistisch) neutral und füttert die rassistische Stimmung und Meinungsmache. In welchen anderen Berichten über freche Kinder und Jungsstreiche wird bei Ihnen so penetrant die Herkunft der Eltern betont?

Mit keinem Wort wird der Bericht des Paars in Frage gestellt oder hinterfragt, welche Taten und/oder Äußerungen gegebenenfalls vorherig von ihnen kamen. Stattdessen wird Hetze gegen Menschen mit diesem Artikel angestachelt und aus einer Fliege ein Elefant gemacht.

Schlimm.

Auch Dieter R. verurteilte diese Art von „Journalismus“:

Ich bin einigermaßen entsetzt über diesen sehr tendenziösen Artikel und dessen Einseitigkeit, fußt er hauptsächlich auf der subjektiven Wahrnehmung eines Anwohnerpaares im Wohnbezirk. Da könnte ich jetzt glatt entgegnen und tue das auch, dass ich ebenfalls lange in diesem Quartier lebe und es hier ganz überwiegend lebhaft, aber friedlich zugeht. Es stellt sich für mich die Frage nach der grundsätzlichen Haltung und Gesinnung dieser Anwohner gegenüber anderen Mitbürgern.

Insbesondere Kinder haben feine Antennen dafür, wie man ihnen entgegentritt, so dass wir es hier möglicherweise mit Reaktionen zu tun haben, dessen Wahrheitsgehalt ohnehin nur schwer festzustellen ist. Daraus aber eine solche Darstellung abzuleiten, die ohne hin vorhandene Ressentiments nur noch befeuert, halte ich für mehr als bedenklich.

Natürlich meldeten sich auch diejenigen Zeitgenossen zu Wort, die sich ihre Meinung auf der Grundlage von Falschmeldungen und Gerüchten bilden. So wusste eine Leserin, dass „die Steuerzahler“ die Reparaturen an angeblich beschädigten Bussen zahlen müssten. Es sind allerdings keine Busse zu Schaden gekommen.

Den Vogel schoss ein Lothar R. ab, der nicht nur in völliger Verkennung der Rechtslage die zuständige Beigeordnete persönlich verantwortlich machen wollte:

Die Lösung sollte von Dezernentin Margarita Kaufmann kommen, hat sie doch – sicherlich in Absprache mit OB Schulz – seit 2013 dafür gesorgt, dass scharenweise Sinti und/oder Roma den Weg nach Hagen finden, Tendenz steigend. Bevor Frau Kaufmann sich durch das bevorstehende Ende ihrer Amtszeit aus der Affäre ziehen kann, erwarte ich von ihr bzw. OB Schulz eine öffentliche Erklärung, wie sie „die Geister, die sie rief“ wieder loswerden und weiteren Zuzug verhindern will.

Wie sich mögliche Konfliktlagen leicht und zivilisiert lösen lassen, zeigt dagegen ein Beispiel aus Haspe.

Dort wussten zugezogene Familien aus Rumänien zunächst nicht, wo die Kinder gefahrlos spielen dürfen. So kam es dazu, dass in der kleinen Fußgängerzone gern immer öfter Fußball gespielt, getobt oder die Sitzgelegenheiten wie bei einer Slalomstrecke mit Fahrrädern umfahren wurden.

Sicheres Spielen für die Kinder – aber gleichzeitig oft ein Ärgernis für Leute, die einfach ungestört bummeln und einkaufen wollen.

Durch gemeinsames Engagement des Bezirksbürgermeisters, des städtischen Quartiersmanagements und des Roma-Vereins „Romano Drom“ (in dessen Vorstand neben Roma u.a. auch ein ausgewanderter Rumäne vertreten ist, der in seinem Herkunftsland der dortigen deutschsprachigen Minderheit angehörte) ist es gelungen, an vier Tagen in der Woche einen Fußballplatz in der benachbarten Bezirkssportanlage zu bekommen.

Das Training wird von Mitgliedern der rumänischen Gemeinde „Rugul Aprins“ begleitet, die selbst engagierte Kicker sind. Die Kinder haben das Angebot sofort begeistert angenommen.

Darüber hat unser heimisches „Qualitätsmedium“ natürlich nicht berichtet – es passt wohl nicht ins Konzept.

Eine Antwort to “Steinchen vor die Fenster”

  1. Umleitung: Haftstrafe für CDU-Mann, Virus, medizinische Infos, kritische Infrastruktur, Verschwörungsszene und früher war einfach mehr Kneipe … – zoom Says:

    […] Steinchen vor die Fenster: WPWR macht gegen Kinder mobil – dabei geht es auch anders … doppelwacholder […]

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