Bonner Buh-Mann als Intendant?

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Wieder wird ein schon Aussortierter ins Gespräch gebracht

Irgendjemand aus Hagen soll den Regisseur Jürgen R. Weber per Post aufgefordert haben, sich erneut um die Intendanz des Hagener Theaters zu bewerben. So berichtet es die WPWR in ihrer Samstagsausgabe. Dabei war der Bewerber schon längst zu den Akten gelegt worden, aber interessierte Kreise wollen offensichtlich irgendwen ins Spiel zu bringen, ob geeignet oder nicht. Hauptsache, er verspricht Kürzungen. So wie Weber oder vor ihm schon Claude-Oliver Rudolph.

Weber führte u.a. Regie bei 60 Folgen der RTL-Daily Soap „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ sowie bei diversen Arzt- und Krankenhausserien. Seit 2011 arbeitet er als freier Mitarbeiter (Regie, Bühnenbild, Kostüme) für verschiedene Bühnen, so seine Angaben bei Theapolis, einem Jobportal für die Theaterbranche.

Der Wechsel von der Seifenoper ins seriöse Fach verlief für Weber aber nicht ganz so, wie er sich das vielleicht vorgestellt hatte. Nach einer Premiere in Bonn schrieb der dortige General-Anzeiger: „Der Applaus nach der Premiere von Emil Nikolaus von Rezniceks Oper „Holofernes“ hielt exakt so lang, bis Regisseur Jürgen R. Weber die Bühne betrat. Dann brach ein Buh-Sturm los, wie man ihn in der Bonner Oper schon lange nicht mehr erlebt hat.“

Das Fachblatt Die deutsche Bühne urteilte unter der Überschrift „Wurschtig hingesetzt“: „Bei „Judith“ scheint in erster Linie der Regiehandwerker gefragt. Das kann oder will Jürgen R. Weber jedoch nicht sein. Seine szenischen Arrangements erschöpfen sich in kleinformatiger Parodie, die vielleicht komisch sein, vielleicht aber auch die Machart des Stückes geißeln soll. Nur: Warum sollte man es dann spielen? Und warum wirken diese parodistischen Elemente so lieblos verstreut, so wenig ausformuliert, so ununterscheidbar von Laienspiel?“

Die Frage, wer denn wohl das Briefchen aus Hagen an den Regisseur verschickt hat, bleibt leider im WPWR-Artikel unbeantwortet. War es die Findungskommission, der Aufsichtsrat der Theater-GmbH, die Oberbürgermeister-Etage oder gar das Pressehaus selbst, um in der Saure-Gurken-Zeit ein neues Thema setzen zu können?

Wie auch immer – der oder die Briefeschreiber können nicht die hellsten Kerzen auf der Torte gewesen sein. Parallelen zwischen dem seinerzeit auch schon im Altpapier versenkten Claude-Oliver Rudolph und dem jetzt wieder aus der Tonne hervorgekramten Jürgen Weber sind nicht zu übersehen.

Über Rudolph war im Mai 2016 in der WPWR zu lesen: „Er würde Hagen aufmischen, sagt er. Große Namen holen, starke Stücke produzieren und das Theater raus aus der Provinz und hoch in die Elite-Liga der Ruhrgebiets-Spielstätten katapultieren. Und zwar für noch weitaus weniger Geld als die künftig zur Verfügung stehenden 13,5 Millionen Euro.“

Und garniert mit jeder Menge weiterer vollmundiger Versprechungen tönte Rudolph: „13,5 Millionen Euro bleiben nach der Kürzung noch übrig. Das muss man sich mal überlegen. Ein richtig, richtig gutes Theater kannst du für noch viel weniger Geld machen.“

Ähnliche Sprüche werden jetzt auch von Weber überliefert: „Ich will aber auch nicht Intendant werden, um bei allen beliebt zu sein und den Ist-Zustand zu erhalten. Aber statt öffentlich zu heulen, dass gespart wird, müssen die Ärmel hochgekrempelt und wirtschaftlich kreativ gearbeitet werden. (…) Bei einem Kulturbetrieb kann man ganz genau so sparen wie in allen anderen Bereichen einer Stadt auch. Man muss eben immer die Stadt als Ganzes sehen, auch als Theater-Mann. Wenn ich das nicht tue, kann ich auch inhaltlich nicht so Theater machen, dass die Stadtbevölkerung interessiert daran ist. (…) Man kann weiter alles aufführen, auch wenn man weniger Musiker beschäftigt. Auf lange Sicht ist das Theater mit fast 300 Leuten ohnehin zu groß. Auch von Personal muss man sich trennen.“

Genau das ist es, was nicht wenige Vertreter im Stadtrat gerne hören wollen. Über eine fehlende ausreichende Qualifikation darf dann auch gerne hinweg gesehen werden.

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3 Antworten to “Bonner Buh-Mann als Intendant?”

  1. Anna Kairos Says:

    Weiterführende Informationen zu J. R. Weber (seine Kompetenzen vs. seine Selbst-Inszenierung) erhält ein interessiertes Publikum z.B. durch den Weber-Blog zu ‚Open Wound‘ (Filmprojekt). Dort sind auch Interviews (Berliner Filmfestspiele bzw. ‚Holofernes‘-Inszenierung /Oper Bonn) greifbar. Viel Vergnügen!?

  2. wagner, dieter Says:

    Hörte man nicht ähnliche Töne von Promi-Boxer Rudolph ? War ihm nicht bekannt, daß das Theater bereits eingespart HATTE ( und noch dabei ist ) sowie, daß der damalige Ratsbeschluß per Rasenmäher-Methode gefaßt wurde ?
    Ein Mann, der Kunst offenbar nicht so versteht, daß sie möglichst die Tiefe des Menschen, sprich Herz und Seele berühren sollte, denn dann ergäbe sich automatisch ebenfalls ein Bezug zu sozialem Verhalten, somit auch Arbeitsplätzen, die ihm offenbar egal sind.
    Beste Voraussetzungen für eine Belegschaft und Zusammenarbeit.
    Hauptsache aber den Riesen-Rebell in äußerlichem Seeräuber-Outfit, aber Mäuschen-Modus geben ? Wie war das nochmal mit Tiger und Bettvorleger ?
    Aber gute Wahl-Chancen bei den Kommunal- “ Politikern “ egal, ob ohne oder mit Schleimspur, nicht wahr ?

    ps. : Wieso eigentlich keine Kommentare auf der WP/WR-online-Plattform, liebe Theater-Freunde ?( Leserbriefe gibt es auch noch )

  3. Karl Mayer-Rottenthal Says:

    Es ist nicht zu fassen, welche Auswüchse das ganze Theater ums Theater annimmt! Personen mit einer offensichtlichen narzisstischen Persönlichkeitsstörung geben Kommentare ab, die nicht einmal mehr postfaktisch sind, sondern eine ganz neue Dimension eröffnen:

    Weiß der Herr, dass die 13,5 Mio, die er so sehr unterbieten möchte nur die reinen Personalkosten darstellen? Und wie er denn so locker Leute entlassen will, wäre auch spannend zu wissen. Orchester und Chor sowie ziemlich alle TVöD stellen (und das sind zusammen fast 3/4 der Beschäftigten, fressen in jedem Theater etwa 80% der Personalkosten auf.

    Viel Spaß also dem Herrn der Hagen aufmischen will und viel Spaß beim Versuch die oben genannten Stellen zu kündigen oder auch nur im Ansatz anzugreifen. Der Gegenwind wird ein Orkan sein.

    Obwohl ich es für ausgeschlossen halte, dass eine derartige unseriöse Person Intendant werden kann.

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