Auf dem Baum

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Hohenhof: Auch eine Splittergruppe meldet sich zu Wort

Nach CDU, SPD und Grünen gibt jetzt auch die 2-Mann-Combo der FDP im Hagener Stadtrat ihre Anmerkungen zu den Vorkommnissen am Hohenhof zum Besten.

„Wir können absolut nachvollziehen, dass viele Bürger wegen des Kahlschlags am Hohenhof sprichwörtlich auf dem Baum sind. Wir müssen auch als Politik prüfen, wie es zu solchen Zuständen kommen konnte und wie diese in Zukunft verhindert werden können“, erklärt der Sprecher der FDP-Ratsgruppe, Claus Thielmann selbstkritisch.

Die Selbstkritik wäre natürlich überfällig, denn die „Liberalen“ hatten der Planung (wie die anderen Parteien) schließlich zugestimmt. Aber ganz so ist es auch wieder nicht gemeint.

Lars Peter Hegenberg, umweltpolitischer Sprecher der Gruppe, konnte – so die FDP in einer Mitteilung – auch nach erneutem Prüfen der Unterlagen keine klare Darstellung der Maßnahmen feststellen: „Die Vorlage verweist nur verklausuliert auf die Fällarbeiten. Die genauen Folgen sind weder dem Vorlagentext noch den Karten zu entnehmen.“

Hegenberg ist Mitglied des Umweltausschusses und hätte nachfragen können, wenn er etwas nicht verstanden hat. Fakt ist, dass an gleich mehreren Stellen auf die Fällarbeiten hingewiesen wird: So im Zeitplan oder im Kosten- und Finanzplan: „Schnitt- und Fällarbeiten Bausumme 172.550,00 Euro“. Ein nicht gerade unerheblicher Betrag.

Da hätte Hegenberg hellhörig werden und nähere Erläuterungen einforden können – hat er aber laut Sitzungsprotokoll nicht gemacht. Mit dem Selbstverständnis als oberster Jägermeister der Stadt gilt das Interesse vielleicht nicht unbedingt in erster Linie der Flora.

Sie sei nicht im Naturschutzbeirat vertreten und deshalb nicht zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen worden, bemängelt nun die FDP. Nun ja, warum auch, es war schließlich ein Treffen des Beirats. Aber so ganz stimmt diese Behauptung auch wieder nicht. Mitglied des Naturschutzbeirats ist auch ein gewisser Uli Alda, langjähriger Vorsitzender der Hagener Freidemokraten.

Der musste Ende 2018 wegen rassistischer Tweets seinen Hut nehmen: „Moslems mobben unsere Kinder.“ Heute sitzt er als Abgesandter des Jagdvereins, dem Parteifreund Hegenberg vorsteht, im Naturschutzbeirat.

2 Antworten to “Auf dem Baum”

  1. Baya Says:

    Bevor man nun jeden „LOKAL-Politiker“ Versagen vorwirft..
    In der Regel handelt es sich in den Ausschüssen, Vertretungen der BV und Mitglieder des Rates um ehrenamtliche politisch interessierte Bürger. Ja und auch einige bekommen für Ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung. In den Ausschüssen sitzen Neigungs, Interessen oder auch beruflich in der Thematik erfahrene Bürger. Ich unterstelle fast allen, daß diese Menschen sich in die verschiedenen Thematiken versuchen bestmöglich einzuarbeiten, Fehler sind dabei aber fast vorhersehbar. Nicht umsonst haben Politiker des Land- oder Bundestages einen oder mehrere Referenten zur Hand welche sich im Auftrag mit der jeweiligen Thematik tiefer befassen. Leider mussten für diesen Fehler nun ein paar wunderschöne alte Bäume herhalten. Es ist halt passiert und sollte für die Zukunft die entscheidenenden Personen sensibilisieren genauer hinzuschauen. Aus diesem Grund brauchen auch politische Entscheidungen gefühlt eine Ewigkeit. Wir können froh sein, das es sich hier „nur“ um Bäume handelt und die Tragweite nicht Menschenleben beeinflusst.
    Deshalb der Aufruf an die „politische“ Ebene genauer hinzuschauen und die Verwaltung sollte besser für die politische Ebene zur Beratung und Information die Fakten besser aufarbeiten. Thema Ende.

  2. Reinhard Stich Says:

    Da hat vor über 100 Jahren der Erbe eines Vermögens, das aus industrieller Ausbeutung stammte, sich den Traum vom kleinen Eigenheim mit Garten am Hohenhof erfüllt. Für dieses Vorhaben blieb wahrscheinlich kein Stein und keine Pflanze auf seinem Platz. In spätadeliger Manier wurde ein Kunstgarten gebaut, in dem Landschaft und Pflanzen zum Nutzen des Erbauers sowie seines schöngeistigen Erlebens dienen sollten, von Natur kaum eine Spur. Will man ein solches Kunstwerk, das zu Recht für die Öffentlichkeit zum Denkmal erklärt wurde, in einen Zustand versetzen, das der ursprünglichen Ausführung nahe kommt und läßt man Naturschutzmanager und Holzbewirtschafter den Denkmalschutz betreiben, bleibt ebenfalls nichts mehr wie es war, nach jahrzentelanger Nutzung des Areals eben nicht als Kunstwerk. Neu ist, daß heutzutage ein solcher Eingriff auch noch als ökologisch aufwertend dargestellt werden muß ( z.B. für den Förderanspruch). So wird die Beseitigung eines Waldes aus natürlich entstehender Entwicklung ( Sukzession), um den Anger (Wiese) wiederherzustellen, positiv gewertet, weil sich dort eine andere Lebensgemeinschaft ansiedeln könnte, die Naturschutzmanager als höherwertig ansehen. Bei der Anlage einer Streuobstwiese kriegen manche Naturmanager feuchte Augen, allerdings stellt sich dabei erst im Spätstadium der Bäume die erwünschte Besiedelung ein. Ein Pioniergehölz der Sukzession (Birke) soll in einem Birkenhain neu gepflanzt werden. Einheimische Stäucher und alte Obstsorten werden versprochen, im Buchenwald allerdings sollen Bäume aus dem Mittelmeerraum gesetzt werden. Kurz : eine Natur, die der Mensch bis ins kleinste Detail gestaltet, und für ökologisch optimiert betrachtet : ein Kunstgarten im Osthausschen Sinn. Die Frage bleibt, wer denn, wenn die Fördermittel aufgebraucht sind, die umfangreichen Pflegearbeiten jährlich bezahlt, die notwendig sind um einen solchen Kunstgarten zu erhalten. Oder wird in hundert Jahren wieder die Kettensäge zum Symbol des Naturschutzes?

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