Phoenix in der Asche

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Basketball-Firma muss sich 60.000 Euro stunden lassen

Jedem Stromkunden, der mit der Begleichung seiner Rechnung in Verzug gerät, wird innerhalb kurzer Frist der Saft abgedreht. Anders verhält es sich, wenn eine Eventfirma – vor allem wenn sie sich im Sportbereich tummelt – in Schwierigkeiten gerät. Hier gilt das Prinzip „Ego te absolvo“ – die Schuld wird vergeben, die Schulden werden gestundet.

Die Hagener Phoenix GmbH schließt seit mehreren Jahren die Bilanz mit einem jeweils sechsstelligen Loch in der Kasse ab. Im letzten veröffentlichten Jahresabschluss zum 30. 6. 2014 lag der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag bei knapp 300.000 Euro.

Das Unternehmen selbst gibt in seiner Pflichtveröffentlichung ebenso regelmäßig an: „Die Gesellschaft ist bilanziell überschuldet.“ Phoenix-Aufsichtsratschef Sven Eklöh nennt die GmbH in einem Interview „insolvente Firma“.

Die weist eine Bilanzsumme von zuletzt 1,2 Millionen Euro aus, der Jahresbedarf liegt nach Angaben von Eklöh bei 2,5 Millionen Euro. Phoenix ist aber offenbar nicht mehr dazu in der Lage, 60.000 Euro Altschulden an die Stadt zu zahlen.

Anders lässt sich der Bettelbrief nicht erklären, den das Korbwerfer-Management dem Hagener Kämmerer Christoph Gerbersmann zustellen ließ. Auf dem Briefbogen der neuen Basketball Hagen GmbH & Co. KGaA (!) „wendet sich Phoenix Hagen an die Stadt Hagen und deren politische Entscheidungsgremien“.

In dem Schreiben „bittet Phoenix Hagen die Stadt und deren politische Gremien zu entscheiden, dem Verein den noch ausstehenden Restbetrag von 60.000 Euro erneut zu stunden“.

Demnach erfolgte bereits in der Vergangenheit mindestens eine weitere Stundung und um die Sympathien der Politiker sicherzustellen, stapelt das Event-Unternehmen tief und nennt sich „Verein“.

Hinterher geschoben wird eine kaum verklausulierte Forderung: „Neben dieser Bitte soll auch nicht unbetrachtet bleiben, dass weitere Stundungen des Restbetrages, um die der Verein Phoenix Hagen die Stadt bitten würde, nur temporäre Entlastungseffekte erzeugen. Die Forderung bliebe bestehen und deutlich belastenden Einfluss auf die wirtschaftlich Erholung von Phoenix Hagen haben.“

Im Klartext: Man möchte die 60.000 Euro geschenkt haben. Dabei könnte Phoenix-Aufseher Sven Eklöh als Angehöriger des millionenschweren Eklöh/Kreke-Clans sicherlich problemlos den Betrag aus der Portokasse entrichten oder ihn zumindest kreditieren.

Der Haupt- und Finanzausschuss ließ sich aber weder von dem einen noch von dem anderen beeindrucken und gab einstimmig seit Plazet; der Betrag wird bis zum 31.7.2017 gestundet.

Das Votum erfolgte gewohnheitsmäßig im nichtöffentlichen Teil der Sitzung, nachdem Kämmerer Gerbersmann per Rundmail noch einmal deutlich darauf hingewiesen hatte, dass „es sich um eine Finanzangelegenheit Dritter handelt“.

Was die Rathaus-Kryptomanen weniger interessiert, ist die Tatsache, dass auch die Bürger als letztendliche Kreditgeber „Dritte“ in dieser „Finanzangelegenheit“ sind. Die erfahren aber von solchen Vorgängen erst gar nichts.

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