Theater in GmbH mit Pleiterisiko umgewandelt

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Sven Söhnchen (SPD) übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz

Was zwei Weltkriege, eine Hyperinflation und eine Währungsreform nicht geschafft haben, ist nun mit der Umwandlung des Hagener Theaters in eine GmbH nicht mehr auszuschließen: der Untergang einer kulturellen Institution. Vor dem Hintergrund eines Zuschussbedarfs von 15 Millionen Euro p.a. und der desolaten Haushaltssituation der Stadt haben sich die Entscheider für einen Ritt auf der Rasierklinge entschieden.

Nachdem im Mai und Juli 2014 der Rat der Stadt Hagen die umstrittenen Beschlüsse zur Rechtsformänderung des Theater Hagen gefasst hatte, wurde die Theater Hagen gGmbH zum Jahresbeginn 2015 gegründet. Der Intendant Norbert Hilchenbach und der Generalmusikdirektor Florian Ludwig bilden als Prokuristen gemeinsam mit dem Verwaltungsdirektor Michael Fuchs als Geschäftsführer die Theaterleitung.

Am 22. Januar fand die konstituierende Sitzung des nach dem Gesellschaftervertrag vorgesehenen Aufsichtsrats statt, der aus 15 stimmberechtigten Mitgliedern besteht. Diesem gehören fünf Arbeitnehmervertreter des Theaters, neun Vertreter der politischen Parteien sowie der Kulturbeigeordnete Thomas Huyeng an.

Zusätzlich wird mit beratender Stimme ein Vertreter von Theaterförderverein, Bürgerstiftung und Ballettfreunden an den Sitzungen des Aufsichtsrates teilnehmen.

Zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der neuen Theater Hagen gGmbH wurde jetzt SPD-Ratsherr Sven Söhnchen gewählt. Söhnchen ist zudem auch Vorsitzender des Kulturausschusses.

„Mit der Arbeitsaufnahme des Aufsichtsrates ist der langjährige Prozess zur Umwandlung des ehemaligen Regiebetriebes der Stadt Hagen in eine eigene, rechtlich selbstständige gemeinnützige GmbH zum Abschluss gekommen.“, erklärte der frisch gewählte Aufsichtsratsvorsitzende in bürokratischer Diktion. Er sähe „in der neuen Aufgabe auch die Herausforderung“ zum Wohle des mehrfach ausgezeichneten Hagener Traditionshauses.

„Mit dem Anerkennungspreis für unseren Ballettchef Ricardo Fernando sowie der Auszeichnung für das beste Konzertprogramm vom Deutschen Musikverleger-Verband für die Hagener Philharmoniker gibt es derzeit im Theater viele Gründe für zufriedene Gesichter. Diese Zufriedenheit und Identifikation mit dem Haus gilt es auch für die Zukunft zu sichern. Dieses wird der Aufsichtsrat, zum Wohle der Stadt Hagen, mitgestalten.“, so Söhnchen.

Mit der Umwandlung in eine GmbH haben die Auszeichnungen allerdings nichts zu tun – die hat das Theater seinen engagierten Mitarbeitern zu verdanken. Die neue Rechtsform ermöglicht aber sehr wohl die Möglichkeit einer Insolvenz und damit ein Ende der mehr als hundertjährigen Tradition des Hauses.

Der immer wieder betonte Hinweis auf die „Gemeinnützigkeit“ der Gesellschaft ist dabei vollkommen irrelevant. GmbH ist GmbH.

Eine Antwort to “Theater in GmbH mit Pleiterisiko umgewandelt”

  1. Umleitung: Botschaften aus Rom, Datenklau bei der taz, Zukunft des Journalismus, Mythos “Trümmerfrauen”, Zoff bei der WM in Winterberg und mehr | zoom Says:

    […] Hagen: Theater in GmbH mit Pleiterisiko umgewandelt … doppelwacholder […]

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