„Wir konnten den Kahlschlag nicht erkennen“

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Hohenhof: Fraktionen versuchen sich herauszuwinden

„Da stelle ma uns mal janz dumm“
Paul Henckels als Professor Bömmel in „Die Feuerzangenbowle“

Jaja, mit Brille wär‘ das nicht passiert, hieß es in einem alten Optiker-Werbespruch. Aber soll der noch heute gelten? Wenn man sich die Verlautbarungen aus dem politischen Raum zu Gemüte führt, die nach der Rodungsaktion am Hohenhof zum Besten gegeben werden, offenbar doch.

Die Rathausakteure fühlen sich arg hinter die Fichte geführt – oder in diesem Fall besser: hinter Buche und Mammutbaum. Die waren im Umfeld des Hagener Hohenhofs ansässig, dem ehemaligen Wohnsitz des Folkwanggründers Karl-Ernst Osthaus. Und jetzt sind sie weg; abgeholzt, um die ursprünglichen Gartenanlagen des Denkmals zu rekonstruieren.

Das Dumme nur: Die Planung ist von denen, die sich nun entrüsten, selbst abgesegnet worden. Quer durch die Bank. Jetzt laufen sie sich mit Versuchen der Schadensbegrenzung zum eigenen Nutzen warm.

Die CDU: „Ich kann nicht glauben, dass es Menschen gibt, die derart wundervolle Bäume skrupellos fällen können“, drückt der Vorsitzende des Kulturausschusses und stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Walter auf die Tränendrüse. „Wir konnten den geplanten Kahlschlag im Vorfeld nicht erkennen“, räumt der Mann die eigenen Unzulänglichkeiten immerhin selbstkritisch ein.

„Wir hätten natürlich einen Teil der Solitäre in das Konzept integriert. Ich vermute, genau das wollten die Gartenplaner nicht.“ Doch, genau das war vorgesehen.

Walter hat also nach diesem Eingeständnis das Konzept nicht gelesen, sondern „vermutet“ nur. Die Planung sieht ausdrücklich vor, dass „unter Berücksichtigung der vorhandenen Strukturen einzelne vorhandene Gehölze als prägende Solitäre erhalten bleiben“ (siehe hier, S. 10). Die Frage ist also, ob die Planung auch so umgesetzt wurde.

Das interessiert die CDU aber nicht. Stattdessen jammert der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörg Klepper: „Hauptamtliche Profis haben kaum erläutertes Kartenmaterial geliefert und es den ehrenamtlichen Ratsmitgliedern überlassen, die darin versteckte Botschaft zu entschlüsseln.“

Hier vergisst Klepper, dass auch die CDU – genau wie die anderen im Rat vertretenen Fraktionen und Gruppen – über bestens dotierte – ebenfalls hauptamtliche – Fraktionsmitarbeiter verfügt, die den Ratsmitgliedern üblicherweise die zur Entscheidung stehenden Vorlagen mundgerecht aufarbeiten. Hinzu kommen die Ratsleute selbst und diverse Mitglieder der Ausschüsse und der Bezirksvertretung Mitte.

Es sind also ganze Kohorten, die alle an den Beschlüssen, die plötzlich in Zweifel gezogen werden, beteiligt waren. Und da gab es keinen, der sich mal eingehend mit der Materie beschäftigen konnte? Wenig glaubwürdig.

Ähnlich naiv stellt sich der Vorsitzende des Umweltausschusses, Rüdiger Ludwig (Grüne), dar: „Ich bin entsetzt, wie da Tabula rasa gemacht wurde, ohne dass man zuvor den Kontakt zu Politik und Öffentlichkeit gesucht hätte“, ließ er via WPWR verlauten.

Stattdessen sei der Politik, zitiert ihn die Zeitung weiter, eine sehr oberflächliche Vorlage zur Neugestaltung des Gartens vorgelegt worden. „Darüber hat man informiert, aber Nebenkriegsschauplätze weggelassen“, so Ludwig. Und diese hätten sich nun zu einem „Hauptkriegsschauplatz“ entwickelt. „Ich denke, es gab aufseiten der Stadt die Befürchtung, dass es im Vorfeld einen öffentlichen Aufschrei gegeben hätte, wenn der Umfang der Fällungen bekannt geworden wäre.“

Mit Kriegsschauplätzen kennen sich die olivgrünen Ex-Pazifisten bekanntlich inzwischen hinreichend aus – von Jugoslawien bis zur Ukraine. Aber vor Ort mit den Vorlagen zum Hohenhof haben sie sich trotzdem erkennbar nicht mit der nötigen Sorgfalt beschäftigt.

2 Antworten to “„Wir konnten den Kahlschlag nicht erkennen“”

  1. Allan Qutermain Says:

    Vor ca. 1 Jahr wurde doch eine Superbaumfällmaschine für 350 T Euro angeschaft. Vom feinsten, sogar mit Fernbedienung ist das Maschinchen aus sicherer Entfernung bedienbar.
    Und soll diese Anschaffung Staub ansetzen,? Ich vermute mal NEIN.

    Was man besitzt soll man auch einsetzen. Das weiss schon jeder Hobby-Handwerker, Gärtner, etc.

    Ich kenne Zeitgenossen, die haben wegen 80 Quadratmeter Grasfläche hinter ihren Haus, sich einen Aufsitzmäher angeschaft.

    Und dieses Hightech Dingen, macht mal eben am Vormittag eine Fläche von 100 mal 100 Meter, Baumfrei.

    Nebembei erspart man sich im Herbst das Laubkehren. Und da Hagen keine Gärtnerei oder Baumschule besitzt, muss man immer Fremdfirmen für viel Geld anheuern.

    Das eingesparte Geld kann man für viele andere Sachen verplempern.

  2. Umleitung: Versöhnungstheater, Holocaust-Gedenktag, Rechtsterrorismus, Omikron, Querdenker, Katholische Kirche und ein Kahlschlag in Hagen und Molière in Köln. – zoom Says:

    […] Hagen Hohenhof: „Wir konnten den Kahlschlag nicht erkennen“ … doppelwacholder […]

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