Unfassbar! Zimmer sollen Türen haben

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Ministerium benennt Mindeststandards für Flüchtlings-Wohnungen

Hei, war das ein Fest. Der Zeremonienmeister des gesammelten Hagener Kleingeisttums, Lokalredakteur Hubertus Heuel, hatte für seine Klientel den Nagel auf den Kopf getroffen: „Flüchtlinge dürfen keinen Schnee schippen“ überschrieb er am 30. November 2015 seinen Beitrag in der WPWR (siehe: „Der Biedermann als Brandstifter„).

Das corpus delicti war ein Merkblatt der Hagener Stadtverwaltung, in dem Mindestanforderungen benannt wurden, zu denen die Stadt Wohnungen für Flüchtlinge anmieten wollte. Dort wurden vor allem allerlei Selbstverständlichkeiten aufgelistet: Es sollten ein Bodenbelag vorhanden, Fenster funktionssicher und Gas-, Wasser- und Elektroanschlüsse ohne Mängel sein.

Das war offenbar nicht nur für die Eigentümerlobby schon zu viel des Guten. Das Lokalblatt zitierte den Vermieterverband „Haus und Grund“: „Wenn die Hürden zu hoch sind, fallen viele durchs Raster, die gerne helfen wollen.“ Und, muss hinzugefügt werden: die gerne verdienen wollen.

Der Fraktionschef der Hagener SPD, Mark-E. Krippner, sprang stante pede auf den fahrenden Zug auf, woraufhin die Verwaltung ihr Papier auch sogleich dienstbeflissen einstampfte. Die SPD-Fraktion nahm den Rückzug mit Genugtuung zur Kenntnis: „Endlich ist der Weg frei.“

Inzwischen hat allerdings die Landesregierung einen Kriterienkatalog veröffentlicht, der ebenfalls Mindeststandards definiert, nach denen Wohnungen durch die Kommunen angemietet werden können. Die Details müssen Krippner, Heuel & Co wie ein Déjà-vu vorkommen.

Anzumietende Wohnungen sollen doch tatsächlich eine eigene Klingel und einen eigenen Briefkasten haben. Gefordert werden ein WC und eine Badewanne oder Dusche. Es darf „keine Auffälligkeiten“ bei der Elektroinstallation geben und in jedem Raum muss eine Beleuchtung vorhanden sein. Steckdosen stehen auch noch auf dem Wunschzettel.

Eingangstüren müssen verschließbar sein, zu allen Räumen werden ebenfalls Türen verlangt, die darüber hinaus auch noch „gang- und schließbar“ sein sollen. Das wird seitens des Ministeriums auch von den Fenstern erwartet, die zusätzlich „regendicht“ sein müssen.

Die Anspruchshaltung geht noch weiter: Die Wohnungen sollen doch tatsächlich auch „schimmelfrei“ sein und eine „vollumfängliche Umsetzung der Ausführungen zu Brandschutz und Standsicherheit“ wird erwartet.

Diese neuerlichen Anforderungen müssen einfach eine Herausforderung für die Hagener Stimmungsmacher sein. Gerade der Brandschutz war eines der zentralen Mäkelpunkte der journalistischen Kampfdrohne, die sich über den erforderlichen zweiten Rettungsweg (das sind die Fenster!) sowie die Rauchmelder-Pflicht echauffierte.

SPD-Krippner dürfte sich dagegen diesmal wohl zurückhalten. Der für den neuen Ukas zuständige Minister ist sein Parteigenosse Michael Groscheck.

Eine Antwort to “Unfassbar! Zimmer sollen Türen haben”

  1. Umleitung: Das geheime Leben der Smartphones, Hitlers Hoden, Flüchtlinge, Drogenpolitik, das Klima und mehr … | zoom Says:

    […] Unfassbar! Zimmer sollen Türen haben: Ministerium benennt Mindeststandards für Flüchtlings-Wohnungen … doppelwacholder […]

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