„Rote Gefahr“ gefährlicher als „gelbe Gefahr“

by

Helmut Diegel auf den Spuren von Franz-Josef Strauß

Der ehemalige Arnsberger Regierungspräsident und als Nachrücker in den NRW-Landtag eingezogene Hagener CDU-Politiker Helmut Diegel fordert für den Neubau der einsturzgefährdeten Rahmede-Talbrücke die Hinzuziehung chinesischer Experten.

Das seien Leute, „die nachgewiesenermaßen die schnellsten Errichtungen von Brücken nicht nur planen, sondern in ihren Ländern auch umsetzen“, schreibt der kurz vor seinem Altenteil stehende Abgeordnete in einer Pressemitteilung. Unter welchen Bedingungen das geschieht, scheint für Diegel nicht so erheblich zu sein.

In einer kapitalistischen Diktatur – auch wenn sie sich mit roten Fahnen „kommunistisch“ camoufliert – geht es halt etwas anders zu. Was einen Diegel aber nicht weiter stören muss; Hauptsache es regiert der Kapitalismus. Dazu kann sich der dem politischen Abendrot entgegen schwebende Hagener CDU-Mann sogar auf eine Gallionsfigur der Schwesterpartei CSU berufen.

Es war Franz Josef Strauß, der im Januar 1975 die gesamte Crème de la Crème der chinesischen Staats- und Parteielite zu ausgedehnten politischen Dialogen traf und als erster deutscher Politiker überhaupt die „höchste Weihe einer Audienz“ (FAZ) beim mächtigsten Mann der Volksrepublik, Mao Zedong empfing.

„Gemäß der alten chinesischen Weisheit, sich mit dem Fernen gegen den Nahen zu verbünden, suchte Mao Ze Dong Bonn als Bündnispartner gegen das sowjetische Imperium zu gewinnen. Immerhin war die Bundesrepublik Mitte der 70er Jahre der größte Außenhandelspartner Chinas“, so der Deutschlandfunk 2005 anlässlich des 30-jährigen Jahrestags der Strauß-Reise.

„Dass eine konservativ-christliche, dem freiheitlichen, rechtsstaatlich-­demokratischen Pluralismus verpflichtete Partei ihre Fühler ins kommunistische China ausstreckte, hing mit der strategischen Überlegung zusammen, dass Deutschland und Westeuropa im Gegensatz zu Moskau von Peking nicht nur keine Gefahr drohe, sondern dass sich die europäische Sicherheitslage durch eine Intensivierung der Beziehungen zu China sogar substanziell verbessern ließe“, beschreibt die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung die Reise ihres Idols unter der Überschrift „“Rote Gefahr“ gefährlicher als „gelbe Gefahr“.

Das scheint auch Helmut Diegel beherzigt zu haben – und sei es nur für einen Brückenbau. Deren „Sicherheitslage“ ließe sich „durch eine Intensivierung der Beziehungen zu China“, und sei es zu deren Ingenieuren, vielleicht tatsächlich „substanziell verbessern“. Wer weiß das schon.

Eine Antwort to “„Rote Gefahr“ gefährlicher als „gelbe Gefahr“”

  1. Eric Blair Says:

    Der Mann liest offenbar nicht mal Zeitung. Wie könnte ihm sonst das entgangen sein?

    „Leverkusener Brücke: Ärger mit Stahl aus China“, https://www.wz.de/meinung/leverkusener-bruecke-aerger-mit-stahl-aus-china_aid-50123689
    (nur ein Beispiel von tausenden ähnlichen Suchergebnissen zu den Begriffen: rheinbrücke leverkusen schlechter stahl aus china).

    Hier:
    https://www.rundschau-online.de/region/mangelhafter-stahl-aus-china-ton-im-streit-um-leverkusener-bruecke-wird-rauer-36584086?cb=1642788548200&
    ist zu lesen:

    Straßen.NRW hat am Wochenende die Annahme von Stahlbauteilen aus China verweigert. … Im Moment rechnen die Experten mit einer deutlich längeren Bauzeit für die Brücke…

    Klar, wenn die Ingenieure auch gleich aus China importiert werden, geht’s bestimmt schneller. Genialer Vorschlag, Herr Diegel!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: