Im Abwärtssog

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WPWR verliert weitere 5 Prozent der Käufer

Auch im 3. Quartal 2021 waren die Verkaufszahlen der WPWR im Vergleich zum Vorjahr wieder rückläufig. Im Bereich Hagen/Herdecke/Wetter – separate Zahlen nur für Hagen werden seit 2017 nicht mehr ausgewiesen – ging die durchschnittlich verkaufte Auflage nach Angaben der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw) um 5,03 Prozent auf nur noch 24.847 zurück.

Damit sind in den letzten 30 Jahren fast zwei Drittel der Auflage (63 Prozent) verloren gegangen. Im 3. Vierteljahr 1991 lag sie noch bei 66.600 im täglichen Durchschnitt. Für diesen Aderlass allein die Krawallplattformen im Internet verantwortlich zu machen, wie häufig kolportiert wird, greift allerdings bei Weitem zu kurz. Schon vor der Gründung von Diensten wie Fakebook (2004) oder Twitter (2006) zeigte die Kurve bei der Auflagenstatistik nach unten.

In den 15 Jahren zwischen 1991 und 2006 verloren die Hagener Ausgaben der damals noch zwei Zeitungen des WAZ-Konzerns (heute: Funke-Mediengruppe) bereits etwa ein Viertel ihrer Leserschaft. In den folgenden anderthalb Jahrzehnten beschleunigte sich allerdings die Talfahrt. Im Vergleich zu 2006 halbierte sich bis heute die tatsächlich verkaufte Auflage.

Auflagenentwicklung WPWR 1991-2021Entwicklung der Verkaufszahlen der WAZ/Funke-Blätter im Raum Hagen/Herdecke/Wetter. Datenquelle: ivw.

Die Liquidierung der Westfälischen Rundschau 2013 und damit die Auflösung einer eigenständigen Lokalredaktion dürfte den weiteren Niedergang eher befördert haben – aufhalten konnte sie ihn jedenfalls nicht. Dazu kommt der strategische Fehler, Plattformen wie Fakebook de facto auch noch zu bewerben, indem auf den (gedruckten) Lokalseiten „Stimmen“ dieses Mediums veröffentlicht werden.

Gestammelte Kurzprosa wird so salonfähig gemacht, während die Zahl der (veröffentlichten) Leserbriefe erkennbar rückläufig ist. Ein Kreislauf nach unten, denn welcher Leserbriefschreiber, der sein Anliegen ernst nimmt, will sich schon auf der Lokalseite 2 neben Ergüssen aus den asozialen Medien wiederfinden.

Was – neben vielem anderen – passieren kann, wenn ein Lokalblatt endgültig abgewirtschaftet hat und von der Bildfläche verschwindet, zeigt eine Studie aus den USA, über die die Süddeutsche Zeitung kürzlich berichtete: Wenn Redaktionen schließen, steigen in den betroffenen Regionen beispielsweise Wirtschaftskriminalität und Umweltverschmutzung. Leidtragende sind die Bürgerinnen und Bürger.

3 Antworten to “Im Abwärtssog”

  1. KranichMuss Says:

    Es wäre geradezu tragisch, wenn es analog USA-Studie verliefe und keineswegs alleine wegen der erwähnten Folgewirkungen. Ich glaube auch nicht, daß trotz PC-, Tablet–, Smartphon etc. – Invasion ein gewisser Teil von Menschen nicht AUCH weiterhin eine Zeitung zum Frühstück in die Hand nehmen möchte und dies in der Breite durch eine online-Plattform ersetzt werden könnte.
    Funke-Medien sollte gründlich analysieren und handeln, denn die Gründe werden vielfältig sein. Das aber werden keine Manager, Geschäftsführer und auch nicht unbedingt Journalisten können, psychologische Hilfe muß her.
    Beispiele. Der DW spricht die rückläufige Zahl von(veröffentlichten) Leserbriefen an. Bei online-Kommentaren ist das nicht anders, war es aber vor der vor Jahren vorgenommenen “ Renovierung “ des Portals, wo auch die Löschung von Kommentaren noch sichtbar war. Wenn jedoch restriktiv Kommentare ( ohne Verstoß gegen Nutzungsbedingungen ) gelöscht werden, wird vermutlich – abgesehen von unbefristeten Sperrungen – ein Teil der Zeitungsleser/Abonennten die Schnauze voll haben und kündigen.
    Ich gehe davon aus, daß dies beim DW ( wenngleich ebenfalls nicht erkennbar ) – Gott sei Dank eine gute Alternative zu Fakebook & Co. und Ergänzung zu WP/WR – nicht geschieht.Leider und schwer zu verstehen ist auch hier die geringe Zahl an Kommentaren, was wegen Meinungsvielfalt und Möglichkeit zur Partizipation sowie Austausch sehr bedauerlich ist, da gleichwohl interessanter…
    Was ist los im Staate ?

    • Jürgen Dute Says:

      Im Staate ist das los. Der hiesige Lokalredakteur Stubbe hat sich weggeduckt, als es um das Eingemachte ging. Es betraf die HEB und kriminielle TÜV-Abnahmen. Der Whisetblower war das Opfer. Schwuppes ist der Schreiber zum Lokalredakteur befördert worden. Was das Einheitsblatt ableifert, ist eine Pharse. So langsam bekommt es der Leser auch mit! Schade, dass es die Arschkriecher nicht trifft. Denn genau die gehören an die Sonne.

      Da hat der Herr Weiske Pech gehabt. Der Stubbe war schneller!

      Die Auflage wird weiter sinken. Die „Alten“ breechen weg.

      • KranichMuss Says:

        Ist sicher leidvolle Erfahrung und daher verständlich, Jürgen Dute. DER Leser ( den es nicht gibt ), hat “ es “ schon vor langer Zeit mitbekommen, aber aus versch. Gründen abgewogen.
        Funke muß ( müßte ) handeln, da hängt eine Menge dran, und “ DIE Jungen “ ( die es auch nicht gibt ), werden, wenn nicht schon jetzt, irgendwann erkennen, daß das goldene Kalb “ digital “ ( vollmundig von der Politik ausgerufen ) kein Recht hat, den Menschen zu erschlagen ( “ nur “ das ), weil es völlig nachrangig gegenüber dem Menschen mit dem, was ihn im Kern ausmacht, ist. Ein Teil verhält sich auch so.
        Kann dauern und bis dahin der Betonkopp – mit Folgen – regieren.

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