„De-Industrialisierung wird befeuert“

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Flutkatastrophe: SIHK entwirft Horrorszenario und verlangt Geld

In Umweltfragen kennt der Mann sich aus. Ralf Stoffels ist geschäftsführender Gesellschafter der BIW Isolierstoffe GmbH in Ennepetal. Dem Unternehmen wurde die produktionsbedingte Freigabe von PCB nachgewiesen. PCB steht für Polychlorierte Biphenyle, die als umwelt- und gesundheitsschädlich gelten.

Gesundheitliche Risiken bestehen laut der Ennepetaler Amtsärztin Klinke-Rehbein vor allem für Kinder und Jugendliche. Für sie sowie für Frauen im gebärfähigen Alter sei die Teilnahme am sogenannten Humanbiomonitoring empfehlenswert. Im unmittelbaren Umfeld der Firma BIW angebautes Blattgemüse soll nicht gegessen werden.

Ralf Stoffels ist aber auch Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) und seit Januar diesen Jahres Präsident der IHK NRW. In dieser Funktion äußerte er sich jetzt zur Hochwasserkatastrophe und aufkommenden Überlegungen nach der Sinnhaftigkeit eines Wiederaufbaus in Überschwemmungsgebieten.

Aus Sicht der Unternehmen, so Stoffels, sei „es völlig unverständlich, dass jetzt Diskussionen im politischen Raum anlaufen, vom Hochwasser betroffene Gebäude und Unternehmensteile nicht wieder vollständig in Stand zu setzen“.

Zur Untermauerung bedient sich der Industriepräsident bei den Produktionsbedingungen vergangener Jahrhunderte: „Wer jetzt zu dem Urteil kommt, man habe zu nah am Wasser gebaut, verkennt die wirtschaftshistorische Entwicklung der Industrie im Märkischen Südwestfalen entlang der Wasserläufe.“

Dabei waren den von Hochwasserschäden betroffenen Unternehmen die Risiken durchaus bewusst, wie indirekt auch Stoffels einräumen musste: Da zahlreiche Industriebetriebe in Südwestfalen an Flüssen liegen, „konnten sich diese in der Vergangenheit häufig auch nicht gegen Hochwasser oder Elementarschäden versichern“.

Was also schon lange als deutliches Warnsignal im Raum stand, wurde nicht ernst genommen. Die Unternehmer und ihre Lobbyfunktionäre konnten sich immer schon sicher sein, dass im Zweifelsfall der Staat mit Steuergeldern einspringt.

So soll es nach Vorstellung der SIHK auch diesmal sein: „Die regionale Wirtschaft ist auf umfangreiche und unbürokratische wirtschaftliche Soforthilfen angewiesen – und die bisher genannten Summen von bis zu 400 Mio. Euro Soforthilfen scheinen nach meiner Einschätzung nicht ausreichend“, so äußerte sich SIHK-Präsident Ralf Stoffels fünf Tage nach dem Starkregen in und um Hagen.

Ja, das waren noch Zeiten, als die Wasserkraft im ausgehenden 18. Jahrhundert den Antriebsmotor der beginnenden Industrialisierung bildete. Lange her.

Funktionär Stoffels, der bereits als Horrorszenario „die De-Industrialisierung NRWs größter Industrieregion mit tausenden von Arbeitsplätzen maßgeblich befeuert“ sieht, kann sich die Zeugnisse dieser Zeit im Freilichtmuseum Hagen – Westfälisches Landesmuseum für Handwerk und Technik ansehen.

Ein Problem hätte Stoffels damals jedenfalls nicht gehabt: Mit PCB vergifteten Grünkohl im Umfeld seines Unternehmens in Ennepetal.

Eine Antwort to “„De-Industrialisierung wird befeuert“”

  1. Allan Qutermain Says:

    Herr Stoffels sollte mal lieber sich erklären, warum man eine Zwangsmitgliedschaft als Unternehmer in der IHK benötigt.

    Ich weiß, die Funktionäre machen ihre Arbeit innerhalb der IHK als Ehrenamt.
    Nur diese Aufwandentschädigungen sind auch nicht Ohne.

    Es ist wie bei Ärzten, Apotheken, Krankenkassen oder jetzt Sportfunktionäre, alle bedienen sich der Zwangsmitgliedschaft.

    Bezahlen darf diesen Quatsch das Mitglied über seine Zwangsbeiträge.

    Noch etwas zum Schluß,
    Herr Stoffels soll sich mal dazu äußern,
    wieviele Migranten er seit 2015 eingestellt hat?
    Da viele Russlanddeutsche vor 2015 nach Ennepetal gezogen sind,
    nehmen wir diese mit dazu.

    Das mit dem PCB ist ein alter Hut.
    Die Einheitszeitung in diesen Ort schrieb schon vor diesen Jahrhundert manche Seiten nicht nur als Füllstoff wie sonst,

    von dieser Firma und PCB.

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