Neue Stolpersteine in Wehringhausen verlegt

by

verlegung stolpersteine demnig

Künstler Gunter Demnig bei der Arbeit. Fotos: Rahel-Varnhagen-Kolleg.

Am 21. Juni wurden zwei neue Stolpersteine in Hagen-Wehringhausen verlegt. Die Aktion wurde vom Hagener Geschichtsverein und vom Projektkurs Geschichte des Rahel-Varnhagen-Kolleg (Leitung: Herr Arias und Herr Steffens) organisiert.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln, sogenannten Stolpersteinen, soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

juliusweiß stolperstein

Ca. 30 Personen trafen sich um 09:00 Uhr an der Augustastraße 77, um an Julius Weiss zu erinnern. Der Wehringhauser verliebte sich 1939 in seine Nachbarin Anna Bache. Das Standesamt verweigerte die Heiratserlaubnis, weil Julius Weiss, Sinto, als „rassenfremd“ galt.

Das Paar kämpfte vergeblich um die Genehmigung und zog 1940 zusammen. Anna erwartete inzwischen ein Kind. Wenig später wurde Julius verhaftet. Er verbrachtet den Rest des Krieges in den Konzentrationslagern Dachau und Sachsenhausen. In Gegensatz zu den meisten Sinti überlebte er die NS-Zeit, kehrte 1945 nach Hagen zurück und heiratete seine Frau. Er sah seine ca. 5-jährige Tochter wahrscheinlich erst dann zum ersten Mal.

Während der Verlegung hielt René Röspel, MdB, eine kurze Rede. Viertklässler der Janusz-Korczak-Grundschule präsentierten ein Theaterstück über Julius Weiss, das sie mit ihrer Lehrerin Frau Verbeeck geübt hatten. Als Grundlage benutzten sie u.a eine Präsentation zum Thema, die der Projektkurs des Rahel-Varnhagen-Kolleg vorbereitet hatte.

ilsemitze stolperstein

Der zweite Stolperstein wurde nur 500 Meter entfernt, in der Augustastraße 11, verlegt. Dort wohnte und arbeitete das Dienstmädchen Ilse Mitze. Nach einem verheerenden Luftangriff im Jahr 1944 half sie die ganze Nacht, den Hausrat aus dem brennenden Haus zu retten. Dabei entwendete sie einige Kleidungsstücke. Sie wurde vom Sondergericht Dortmund in einem Prozess, der jedem rechtsstaatlichen Prinzip widersprach, zum Tode verurteilt und mit knapp 19 Jahren enthauptet. Pastor Schwertfeger erinnerte in einer bewegenden Rede an die Ermordete.

Der Projektkurs des Rahel-Varnhagen-Kolleg und der Hagener Geschichtsverein organisieren seit 2018 gemeinsam die Stolpersteinverlegungen in Hagen. Die neuen Stolpersteine wurden von der Bezirksvertretung Mitte und der Ev. Paulusgemeinde finanziert. Im September erscheint in der nächsten Ausgabe des Magazins „089 Wehringhausen“ eine Biographie zu Ilse Mitze. Autor ist Fazdi Askova, Teilnehmer des Projektkurses am Kolleg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: