Schon wieder über dem Grenzwert

by

Hagener Problem der Autoabgase ist noch lange nicht beseitigt

Nach den zwischenzeitlich vorliegenden, endvalidierten Messdaten des Umweltministeriums für das Jahr 2020 wurde an allen Messstellen in Hagen der Grenzwert für Stickstoffdioxid eingehalten. Aber nur knapp – dank Corona.

Damit wurde – erstmals (!) – seit Beginn der Immissionsmessungen in Hagen im Jahr 2004 der rechtsverbindliche Grenzwert für Stickstoffdixoid an allen Hagener Messstellen eingehalten. Es hat also 16 Jahre gebraucht, einen rechtkonformen Zustand in der Stadt zu realisieren, ein Verdienst, das einzig und allein der Klage der Deutschen Umwelthilfe zu verdanken ist. Aber im Februar 2021 hatte sich das ein einer Messstelle bereits wieder erledigt.

Die politisch Verantwortlichen hatten es all die Jahre geschafft, die rechtlichen Vorgaben zu ignorieren, Regelungen zu verhindern und mögliche Lösungen mit teils abenteuerlichen „Alternativvorschlägen“ systematisch zu konterkarieren. So blieb nur noch der Klageweg – und der konnte nur von außen kommen. In den verbandelten Hagener Strukturen stellt bekanntlich schon der Tellerrand eine Art extraterristisches Areal dar.

Dass sich in der Frage der Luftschadstoffe überhaupt etwas bewegt hat, ist also nicht etwa – was eigentlich naheliegend gewesen wäre – den Hagener Grünen zu verdanken. Die hatten sich seit spätestens 2014 in einer Allianz des Grauens zusammen mit CDU, FDP und teilweise dem freiwilligen Partner Hagen Aktiv einmauern lassen.

Auch 2020 wurde der Grenzwert der Stickstoffdioxid-Emissionen nur knapp eingehalten. „Zumal das Jahr 2020 aus lufthygienischer Sicht unter meteorologischen und unter „COVID-19“ Aspekten sehr günstig war“, wie die Verwaltung konstatierte. Bereits im Februar 2021 lag der Wert an der Messstelle Graf-von-Galen-Ring wieder bei 44 µg/m3 und damit abermals über dem Grenzwert.

Die für 65 Millionen Euro gebaute Bahnhofshinterfahrung, die als „Emissionsreduzierungs-Projekt“ mit großem propagandistischem Aufwand seitens Politik, Verwaltung und lokalen Medien den Hagenern schmackhaft gemacht wurde, hat also für eine Schadtstoffverminderung wenig gebracht, sondern nur neue Optionen für Automobilisten.

Solange nicht die Einsicht reift, dass der motorisierte Individualverkehr in den sensiblen Lagen in der Innenstadt und den Tälern mit wirksamen Maßnahmen wie einer Aussperrung des Lkw-Verkehrs und einer Zuflussreduzierung der Pkw-Flut (z.B. durch Pförtner-Ampeln) reduziert werden muss, ergänzt durch eine durchgehende Bevorrechtigung und einen weiteren Ausbau des ÖPNV, wird das Hagener Emissionsproblem nicht zu lösen sein.

Und der Klimawandel ist hier noch gar nicht angesprochen.

Eine Antwort to “Schon wieder über dem Grenzwert”

  1. Allan Qutermain Says:

    Das der ÖPNV hier in Hagen noch Ausbaufähig ist, wissen die meisten die auf den ÖPNV angewiesen sind.

    Scheinbar ist dieses Wissen noch nicht zu den hiesigen Politikerinnen und Politiker nd Verwaltung durchgerungen.
    Aber auch volle Busse zu Spitzenzeiten scheint keinen so richtig zu Interessieren.

    Das jetzt zur EM das „Rudelsehen“ hier in Hagen wegen den hohen Inzidenzzahlen
    keine Chance hat, sagt doch einiges aus.

    Noch etwas, es gibt eine App die die Luftqualität anzeigt.
    So hat man immer eine Möglichkeit,
    gewisse Straßen und Gebiete zu vermeiden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: