Geplatzte Träumereien

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Einbahnverkehr auf dem Innenstadtring dürfte gestorben sein

Im Zuge des Masterplan „Nachhaltige Mobilität“ hatte der Rat der Stadt Hagen eine Machbarkeitsstudie zur Untersuchung einer Umwandlung des Innenstadtrings in eine Einbahnstraße vergeben. Hintergrund sind die stetig steigender Verkehrsmengen im Kraftfahrzeugverkehr sowie den damit verbundenen Luftschadstoff- und Lärmbelastungen in Hagen.

Im nun vorgelegten Endbericht werden die Ergebnisse dargestellt. Untersucht wurden für verschiedene Ausführungsvarianten die verkehrlichen Aspekte (Verkehrsbelastung, Reisezeiten etc.), Umweltaspekte (Emissionswirkung) sowie die überschläglich geschätzten Kosten.

Schon jetzt kann man sagen: Die erhofften Wirkungen bleiben aus, es würde nur teuer. Der einzige positive Effekt in den beiden von den Gutachtern präferierten Varianten wäre die Absenkung der Luftschadstoff-Belastung an den beiden Hotspots Graf-von-Galen-Ring und Finanzamt.

Im Gegenzug würde sich aber die Belastung im Bereich innerhalb der Ringe und im übrigen Stadtgebiet erhöhen. Grund dafür sind zu erwartende Verlagerungen des motorisierten Individualverkehrs (MIV). Insbesondere die Auswirkungen auf die global zu betrachtenden CO2-Emissionen sind als negativ zu bewerten.

Neue Busspuren sind nur dort vorgesehen, wo sie eingerichtet werden müssen, weil die Linien ja auch in Gegenrichtung verkehren, so beispielsweise auf einem Teil des Bergischen Rings. In Fahrtrichtung des MIV müssen sich die Busse weiterhin die Fahrstreifen mit Pkw und Lkw teilen.

Auch wenn in der Presse ein anderer Eindruck erweckt wird – für neue Radwege wird ebenfalls keine Fläche zur Verfügung stehen. Die einzige Ausnahme ist der Graf-von-Galen-Ring, aber dort wird bereits der Rückbau auf eine zweistreifige Verkehrsführung geplant und so Platz für den Radverkehr geschaffen.

Die Verwaltung formuliert entsprechend zurückhaltend: „Inwiefern die frei zur Verfügung stehende Verkehrsfläche infolge einer Umsetzung des Innenstadtrings als Einbahnstraßensystem genutzt werden kann, ist unter Berücksichtigung der Belange des ÖPNV, MIV und Radverkehrs, Flächen für den ruhenden Verkehr sowie der Umfeldnutzungen in einem separaten Verfahren abzuwägen.“

Nur: In den beiden im Gutachten empfohlenen Varianten gibt es gar keine „frei zur Verfügung stehenden Verkehrsflächen“.

Selbst den in Hagen über Jahrzehnte gehätschelten Autofahrern bringt die Umwandlung in ein Einbahnstraßensystem nichts – im Gegenteil.

Die Verwaltung musste einräumen: „Aus rein verkehrlicher Sicht ist die Umsetzung eines Einbahnstraßenrings für den motorisierten Individualverkehr (MIV) als negativ zu bewerten. Es wurde ermittelt, dass sich die durchschnittlichen Reiseweiten um ca. 1,7 Kilometer verlängern, während die Reisezeit sich nahezu verdoppelt (von 9,4 Minuten im Analysefall auf über 17 Minuten in den Szenarien). Es ist mit einer höheren Auslastung einzelner Streckenabschnitte zu rechnen. Für 8 bis 10 Knotenpunkte (von insgesamt 36 Knotenpunkten) ist die Leistungsfähigkeit außerdem als kritisch zu bewerten.“

Die Kosten für die Umbauvarianten werden auf 5,1 bis 6,5 Millionen Euro geschätzt. Und das nur grob. Für einen Effekt nahe Null.

Machbarkeitsstudie für den Einbahnstraßenring (Kurzbericht)

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