Impfaktion in Wehringhausen

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Für Obdachlose und Bürger in prekären Wohnverhältnissen

Impfaktion02_Foto-Charlien-Schmitt_maxAuch Dr. Anjali Scholten, Leiterin des Hagener Gesundheitsamtes, impfte vor Ort. Foto: Charlien Schmitt.

Nach wie vor ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Hagen sehr hoch, gestern (5. Mai) lag der Wert bei 272,4. Dieser hohe Wert geht einher mit einer weiterhin hohen Belastung der Intensivstationen in den Krankenhäusern.

Um die Infektionszahlen zu senken, hält die Stadt Hagen es für geboten, alle Bürgerinnen und Bürger ausreichend über ein Impfangebot zu informieren. Im Rahmen dieser Aufklärung fand gestern auf dem Bodelschwinghplatz in Wehringhausen eine Impfaktion für Obdachlose sowie Bürgerinnen und Bürger in prekären Wohnverhältnissen statt.

Ganz bewusst habe sich das Gesundheitsamt der Stadt Hagen dafür entschieden, mit dieser Impfaktion in den Stadtteil Wehringhausen und morgen in den Stadtteil Altenhagen zu gehen. „Wir haben festgestellt“, sagt Dr. Anjali Scholten, Leiterin des Hagener Gesundheitsamtes“, „dass die Inzidenzzahlen dort höher sind, wo Menschen eng beieinander wohnen und nicht die Möglichkeit haben, auf Distanz zu gehen.“

Zudem werden bestimmte Bevölkerungsgruppen offenbar nicht über die üblichen Kommunikationskanäle erreicht. So sind diese Gruppen in der Statistik des Impfzentrums, obwohl in großen Teilen impfberechtigt, bislang unterrepräsentiert.

Die deutlich ansteckendere britische Variante hat die Ansteckungsrate und damit die Zahl der Infizierten noch einmal verstärkt. Kommt es zu einem Coronafall innerhalb einer Familie, stecken sich inzwischen alle Familienmitglieder an, was beim Urtyp des Virus nicht der Fall war.

Aufgrund dieser Lage entschied sich die Stadt in der vergangenen Woche kurzfristig dazu, eine Aufklärungs- und Impfaktion für Obdachlose und Bürger in prekären Wohnverhältnissen umzusetzen. Im Vorfeld wurden diese Gruppen von Streetworkern und Sprachmittlern des Quartiersmanagements gezielt angesprochen und auf die Aktion unter anderem mit Handzetteln in acht Sprachen (arabisch, bulgarisch, deutsch, englisch, griechisch, italienisch, rumänisch und türkisch) aufmerksam gemacht.

Die Impfaktionen sprechen ausdrücklich alle Obdachlosen und Bürger in prekären Wohnverhältnissen an, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Dies war auch Voraussetzung für die Zustimmung der Bezirksregierung in Arnsberg und des NRW-Gesundheitsministeriums, welche die Impfaktionen ausdrücklich begrüßen.

Im Vorfeld hatte die WPWR die Aktion so dargestellt, als handele es sich um eine Vorzugsbehandlung für Rumänen und Bulgaren. Obwohl Oberbürgermeister Schulz noch im Rahmen der Ratssitzung am 15. April erklärt hatte, „dass keine Möglichkeit besteht, Coronaerkrankungen nach Ethnien sortiert zu erfassen“, bekräftigte Stadtsprecher Michael Kaub nach Angaben des Blattes das Vorgehen: „Dies ist der beste Weg, um diese Bevölkerungsgruppe, die wir über die üblichen Kommunikationskanäle kaum erreichen, impfen zu können.“

Und tatsächlich wurden seitens der Stadt Handzettel verteilt, die sich gezielt an Menschen aus diesen beiden Herkunftsländern richteten: „Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger, Sie sind aus Rumänien oder Bulgarien in unsere Stadt Hagen zugezogen.“

Jetzt also die „Kehrtwende“ (WPWR): „Die Impfaktion richtet sich an obdachlose Personen und Bürger in prekären Wohnverhältnissen – sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund“, erklärte Clara Treude, Sprecherin der Stadt Hagen nach Angabe des Blattes.

Die geradezu amateurhafte Kommunikation der Stadt, die sich schon durch die gesamte Corona-Pandemie zieht, liefert nicht nur dem Heimatblatt Futter zum Überleben, sondern versorgt auch die mit nur dürftigen kommunalen Positionen ausgestattete AfD mit Munition.

Die Stadt jedenfalls bewertete den Impfstart in Wehringhausen als „erfolgreich verlaufen“. Trotz schlechter Wetterverhältnisse fanden sich schon zu Beginn der Aktion auf dem Bodelschwinghplatz so viele Bürgerinnen und Bürger ein, dass sich eine Schlange vor dem Impfzelt bildete. Bis zum offiziellen Ende um 17 Uhr waren 110 Impfdosen verimpft. Die zu diesem Zeitpunkt noch rund 50 wartenden Bürgerinnen und Bürger wurden aber nicht weggeschickt, sondern noch geimpft.

Das ist ja schön, aber für einen so großen Stadtteil gleichwohl ein eher mageres Ergebnis.

Einen „ähnlich guten“ Verlauf erwarten die Verantwortlichen heute auf dem Friedensplatz in Altenhagen. Die Stadt Hagen möchte, wenn auch die Impfaktion in Altenhagen gut angenommen wird, noch weitere umsetzen. Voraussetzung hierfür ist aber, dass vom Land entsprechender Impfstoff bereitgestellt wird.

2 Antworten to “Impfaktion in Wehringhausen”

  1. Klaus Rosenberg Says:

    Da ist wohl so mancher in die Berichtsfalle getappt, leider nehme ich mich da nicht aus. Wie kommt es zu dem Bericht der WP/WR über Impfungen von Bulgaren und Rumänen? Hier sollten sich die Redakteure mal äußern. Auch wenn man dem hiesigen Einheitsblatt nicht immer in der Berichterstattung trauen darf, aber etwas muss ja stimmen. Da auch der Verwaltung kein unbegrenztes Vertrauen geschenkt werden darf, sollte die sich ebenfalls äußern. Ich spekulliere mal darauf, dass aus der Verwaltung heraus die Information kam, dass Bulgaren und Rumänen geimpft werden sollen, die in beengten Wohnverhältnissen wohnen und über keine oder wenig Sprachkompetenz verfügen. Diese Info, wenn es denn so war, will natürlich niemand gegeben haben und die Redakteure schützen ihre Quellen. Verteilte Handzettel könnten enallerdings den Bericht in der WP/WR bestätigen. Das Zurückrudern der Verwaltung ist nachziehen. Alles nur ein weiterer Beweis für eine katrastophale und laienhafte Kommunikation der Verwaltung. Erschreckend ist auch, dass man offenbar heute nach vielen Jahren bemerkt, dass Zugewanderte in beengten Wohnverhältnissen leben und viele unsere Sprache nicht sprechen.
    Wenn die Leiterin des Gesundheitsamtes heute feststellt, dass die Infizierung bei eng miteinander lebenden Menschen höher ist, weil nicht auf Distanz gegangen werden kann, aber der OB sich nicht in der Lage sieht dies gesondert zu erfassen ist das Heuchelei auf hohem Nivau.

    • Jürgen Dute Says:

      Zunächst bin ich ersteinmal froh und zufrieden, dass den Menschenaus sogenannten präkeren Verhältnissen der Vorrang bei Impfungen gewährt wird. Dass hilt allen anderen Menschen, die sich an die Regeln halten auch, die Ansteckungsraten zu reduzieren. Dies nennt man aus meiner Sicht sozial, was viele Bürger nicht mehr kennen! Ich selbst bin zudem noch nicht geimpft, da ich zwar brav meine Beiträge gezahlt habe, aber nicht unter die Prioritäten falle. Dennoch kommt da bei mir kein Neid auf. Ich denke, jeder Geimpfte ist auch ein Schutz für mich selbst.

      Was mir dabei ein wenig Leid tut ist, dass sich die Politiker, ob Sie sich beim Impfen in irgendeiner Weise einen Vorteil verschafft habe weiß ich nicht, in der jetzigen Wahlkampfphase mit Lockerungsorgien einen Gefallen tuen, vermag ich zu bezweifeln. Die Grundrechte der Bürger sind m. E. kaum eingeschränkt. Der Lockdown light ist kein Lockdown, wie es in anderen europäischen Ländern praktiziert wurde. Dieses Gejammer auf hohem Niveau kann ich nicht mehr hören. Alle die Jammern, sollten mal nach Indien oder in andere hochinzidenzen Ländern fahren. Die Querdenker sollten mal in China oder Russland demonstrieren. Ich denke, dies würden sie sich reiflich überlegen. Da wären sie längst abgeführt worden.In Deutschland besteht immer noch ein Schlaraffenland. Dieses Schlaraffenland betrifft vor allem Politiker und dazu nicht sozial denkende Menschen. Für Egoisten ein herrlicher Tummelplatz.

      Nun gut. so ist der Mensch nunmal. Der Mensch ist nicht sozial, er ist in der Regel dis- oder asozial.

      Ob die Feststellung der Leiterin des Gesundheitsamtes aauf hohem Niveau ist, ist eine Frage, die schwierig zu beantworten ist. Zunächst muss da einmal nachhaken, wie ist diese Leiterin zu ihrem Job gekommen?! Qualifikation kann da nicht unbedingt das ausschlaggebende Kriterium gewesen sein. Dies sieht man in den Berichtserstattungen des Einheitsblattes, sofern man diesen weichgespühlten Artikeln trauen kann. Die sind fast immer auf Schlagzeile getrimmt und nicht auf Qualität.

      Noch einen schönen Abend. Wir schaffen das und bleiben hoffentlich gesund.

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