Corona-Politik: In der Ethno-Falle

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Hagener Verwaltung leitet Wasser auf die Mühlen der AfD – WPWR hilft mit

Die Stadt Hagen hat sich im Rahmen der Corona-Pandemie etwas Besonderes einfallen lassen: „Sonder-Impftage nach Nationalitär“ titelte die WPWR am Dienstag groß auf der Titelseite ihrer Lokalausgabe. Und tatsächlich wurde ein eigenes Programm exklusiv für Menschen aus Rumänien und Bulgarien ins Auge gefasst.

„Eigentlich wollte die Stadt die mobile Impfaktion noch gar nicht öffentlich machen“, behauptete das Blatt und fuhr gleich zwei Kommentatoren auf – wohl um eine vermeintliche Pluralität innerhalb der Redaktion zu dokumentieren. Die sich allerdings als Chimäre erweist.

Für Redakteur Hubertus Heuel geht es um „jene Bevölkerungsgruppen (…), die – aus Sorglosigkeit oder Ignoranz, auf jeden Fall aber fahrlässig – für die Ausbreitung des Virus mitverantwortlich zu machen sind“.

Heuels Kollege Jens Stubbe geht noch einen Schritt weiter und behauptet wider besseres Wissen: „Nicht Vorerkrankungen, Alter oder berufsbedingte Kontakte spielen mehr eine Rolle. Das Vakzin bekommt, wer einen bulgarischen oder rumänischen Pass hat.“

Heuel müsste vielleicht mal, bevor er solches Zeug absondert, seinen Hintern beispielsweise nach Haspe bewegen. Hier könnte er innerhalb der Maskenzone beobachten, wie sich soziologisch ganz unterschiedliche Vertreter der Gesellschaft entweder an die Corona-Regeln halten oder eben auch nicht.

Und Stubbe, immerhin Redaktionsleiter, hat offensichtlich nicht einmal den Artikel seines eigenen Blatts gelesen, den er trotzdem fälschlich kommentiert. Dort ist deutlich zu lesen, dass kein anderer Impfwilliger zu leiden hat: „Der Stadt Hagen werden vom Land NRW für die Aktion 1000 zusätzliche Impfdosen zur Verfügung gestellt.“ Zusätzliche! Priorisierten wird also nichts weggenommen. Was aber einen Stubbe nicht irritieren muss.

Die beiden grandiosen Heimatblatt-Schreiber leiten mit ihren Ergüssen nur Wasser auf die Mühlen der rechtsnationalen AfD. Aber – das sei ihnen ein kleiner Trost – sie stehen damit nicht allein da. Auch die Stadt hilft dabei kräftig mit.

Noch in der Ratssitzung am 15. April erklärte Oberbürgermeister Schulz auf eine Frage des AfD-Fraktions- und Partei-Führers Eiche laut Protokoll, „dass keine Möglichkeit besteht, Coronaerkrankungen nach Ethnien sortiert zu erfassen“. Jetzt sah seine Verwaltung das plötzlich offenbar ganz anders.

Die blaulackierten Rechtausleger werden es dankbar zur Kenntnis nehmen. Wissenschaftliche Erkenntnisse stehen dort sowieso nicht besonders hoch im Kurs. Aber bei Stadt und Heimatblättchen eben auch nicht.

Jemand, der sich mit sozialen Ungleichheiten in der Pandemie beschäftigt, ist Felix Römer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Berliner Humboldt-Universität. Der warnt davor, das Thema auf den Aspekt Migration zu verengen:  „Armut und Migration sind nicht voneinander zu trennen“, betont er laut Süddeutscher Zeitung. Kulturelle Faktoren zu betonen, sei historisch immer ein Mittel gewesen, Einwanderern eine Mitschuld zu geben.“

Muge Cevik, Infektionsepidemologin an der St.-Andrews-Universität in Schottland, sieht das ähnlich: Das Risiko liege „natürlich nicht im ethnischen Hintergrund, sondern in den Lebens- und Arbeitsbedingungen“.

Eine Antwort to “Corona-Politik: In der Ethno-Falle”

  1. Klaus Rosenberg Says:

    Ist in Hagen das medizinische Personal durchgeimpft? NEIN. Sind alle Erzieher- und Erzieherinnen durchgeimpft? NEIN. Haben alle Lehrer und Lehrerinnen von der Grundschule bis zum Gym. ihre Impfungen erhalten? NEIN. Wer in unsere Stadt zieht um seinen Lebensstandard zu verbessern und bleiben will, muss und das ist unerläßlich, deutsch lernen um unseren Alltag bewältigen zu können. Und diejenigen, die unsere Gemeinschaftsregeln und das Zusammenleben nicht wollen, sollten sich überlegen, ob dies der richtige Ort für sie ist. Fast jeder Zugewanderte hat heute ein Smartphone, dort kann man sich über die Coronalage und über das Impfgeschehen in Hagen informieren.Und dann gibt es ja in Hagen noch den Integrationsbeauftragten, den Integrationsrat und die Coronalotsen. Was haben diese Gremien denn in dem vergangenem Jahr in Sachen Corona Aufklärung gemacht? Nichts, Wären denn diese Gremien nicht in der Lage, die Wohnsituationen oder die fehlenden Sprachkenntnisse dieser Zuwanderer zu erkunden und Aufklärung in den Landessprachen zu geben? Wann kommen denn die „Sonder-Impftage“ für Türken, Syrer, Iraner und andere Ethnien?

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