WPWR verliert weiter Käufer

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Trash und Fakebook-Geschwafel bringen keine neuen Leser

Das Hagener Lokalblatt befindet sich weiter auf Abwärtskurs. Gegenüber dem Vorjahresquartal ging die verkaufte Auflage wieder um 4,4 Prozent zurück. Das ergibt sich aus den Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw).

Die Versuche, sich mit Adaptionen aus Trash-TV und gedruckter Wiedergabe von Fakebook-Geschwafel aus dem Sumpf zu ziehen, sind offenbar gründlich daneben gegangen. Der eher gesetzteren Kundschaft dürften Reportagen über tätowierte Krankenschwestern und überwiegend dumpfbackige Ergüsse aus den immer noch so genannten „sozialen“ Medien eher übel aufstoßen als zur Vertrauensbildung beitragen.

In ihrer Verzweifelung hat die „Stadtredaktion“, wie sie sich selber in einem Anflug von Selbstüberschätzung zu nennen pflegt, jüngst zu einer „Redaktionskonferenz mit Lesern“ geladen. Die Resonanz war erwartungsgemäß überschaubar.

Nach dem, was das Blatt darüber veröffentlichte, waren von zehn Redaktionsmitarbeitern nur zwei anwesend: Redaktionsleiter Jörg Stubbe und Mike Fiebig. Dafür wurden ihnen aber diverse Aufpasser der Funke-Medien zur Seite gestellt: Richard Wix („Conversion Manager“), Anne Krum („Editor in Chief“), Annika Rinsche („Head of Online“) sowie der inzwischen aufgestiegene Michael Koch, früherer Chef der Hagener Lokalredaktion.

Von irgendeiner Form selbstkritischer Reflexion war im Nachgang nichts zu lesen. Es überwog die Selbstbeweihräucherung. Es habe „Lob und Wertschätzung“ stattgefunden, hieß in der Freitagsausgabe der WRWP. Als Qualitätskriterium gilt es demnach schon, dass „wir beispielsweise alle aus Hagen kommen“ und neue Kollegen angeblich „einen tollen und erfrischenden Job machen“.

Für die Stadtgesellschaft ist es tragisch, dass die einzige verbliebene Tageszeitung immer weiter den Bach heruntergeht. Aber die Funke-Medien als Eigentümer des Medien-Monopols in der Stadt (WP, die redaktionslose WR, Radio Hagen und das Reklameblatt Stadtanzeiger) haben allem Anschein nach keinerlei Interesse an einer qualitätvollen lokalen Berichterstattung.

Die nächsten Quartalszahlen werden es zeigen – sie dürften kaum nach oben gehen.

2 Antworten to “WPWR verliert weiter Käufer”

  1. KranichMuss Says:

    Ich nehme nicht an, daß das bei WP/WR mangels EQ überhaupt als Trash erkannt werden kann. Man legt ja auch Wert darauf, nah am Leser zu sein, dem Leser eine Stimme geben zu wollen usw. und für den Mut, sich preiszugeben – z. B. nun habe ich endlich gelernt, mit meinem verflixten Damenbart umzugehen und wo er tatsächlich sitzt – ausdrücklich lobt.
    Die Flachheit der Berichterstattung – neben durchaus auch interessanten Artikeln – geht oft ans Gemüt. Hinzu die ambivalente, aber immer wieder durchscheinend devote Haltung gegenüber Kommunalpolitik und Verwaltungsspitze.
    Doch ist es nicht nur der Rückgang an Auflagen- u. ABO-Zahlen. Fast zeitgleich ist es seit geraumer Zeit mit online-Kommentaren – ganz im Gegensatz zum DW ( .. ) – ebenfalls so, bei denen es zwar nie so doll war, die aber mittlerweile kaum noch, abgesehen von ganz bestimmten Themen, erscheinen und ein Austausch zwischen Usern so gut wie gar nicht mehr stattfindet. Übrigens bei einer Einwohner-Zahl von ca. 190` für mich irgendwie gespenstisch und fragen läßt, was hier eigentlich los ist..
    Keine gute Entwicklung und hoffen wir nicht, daß es irgendwann tragisch endet. Wenn daß das eigentliche Motiv dahinter ist, sollte man sich gründlich überlegen, wie man an die wirklichen Meinungen und Bewertungen sowie evtl. Ideen möglichst vieler Leser herankommt statt diese nach dem Motto “ endlich stehe ich jetzt auch mal mit Klarnamen in der Zeitung, hurra “ zu Wort kommen zu lassen.
    Vielleicht wären statt internen Aufpassern externe psychologische Beratungen ( Stichw. EQ neben IQ eben ) sinnvoll. Die Frage geht auch an Sie, Herr Koch, der Sie sicherlich den DW täglich verfolgen..

    • Jürgen Dute Says:

      Eine hervorragende Antwort, die den Nagel auf den Kopf trifft. Insbesondere der zweite Abschnitt gibt die Tragik wieder, die zu den schwindenden Auflagen führt. Da hilft auch die Bezahlschranke nichts. Wenn es wirklich etwas zu berichten gibt, dann ducken die Schreiberlinge sich weg. Halt devot. Etwas wirklich Substantives liest man mehr als selten und dann meistens schlecht recherchiert. Mit Journalismus hat dies dann wenig zu tun. Eher eventueller Abhängigkeiten geschuldet.

      Wie den sogenannten „Volksparteien“, brechen hier die alten Leserschichten weg. Immerhin sind die Artikel so einfach und platt geschrieben, dass sie leicht zu lesen sind. Eben wie Schlagzeilen.

      Wenn ich an den letzten Sommer denke, als der Bürger aufgefordert wurde einen Themenkatalog zu bennen, worüber berichtet werden soll, da war ich schon erschüttert. Aber irgendwie muss das Blatt ja voll werden.

      Mit dieser Art von Journalismus haben die Einheitsblattschreiberlinge nichts anderes verdient, als dass der Leser sich zurückzieht.

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