„Teststrategie zahlt sich aus“

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Stadt Hagen setzt auf Schnelltests – Wissenschaftler widersprechen

„Die Schnelltests innerhalb der Bevölkerung sind – neben den Impfungen und den unterschiedlichen Schutzmaßnahmen – eine der drei Säulen im Kampf gegen das Coronavirus“, sagt Dr. Anjali Scholten, Leiterin des Gesundheitsamtes der Stadt Hagen. „Mithilfe der Schnelltests lassen sich frühzeitig auch asymptomatische Coronainfektionen ausfindig machen und Ansteckungen wirksam verhindern.“

„Nach rund zwei Monaten können wir ein erstes Fazit ziehen: Die Positivquote der Schnelltests ist überraschend gering“, so Dr. Scholten. „Das weist daraufhin: Die Dunkelziffer unbemerkter Coronainfektionen in Hagen ist überschaubar. Die strenge Teststrategie, die wir seit Monaten fahren, zahlt sich aus.“

Das ist zu bezweifeln. Während beispielsweise in der 15. Kalenderwoche nur 0,7 Prozent der von der Stadt „Bürgerschnelltests“ genannten Probeentnahmen durch einen anschließenden PCR-Test positiv bestätigt wurden, lag die Positivquote bei den in Hagen insgesamt durchgeführeten PCR-Tests mit 39,6 Prozent mehr als dreimal so hoch wie im Landesdurchschnitt.

Daraus den Schluss zu ziehen, die „Dunkelziffer unbemerkter Coronainfektionen“ sei „überschaubar“ und die „strenge Teststrategie“ zahle sich aus, erscheint vor dem Hintergrund anhaltender Inzidenzwerte von weit über 200 doch sehr gewagt.

Wissenschaftler zweifeln die Wirksamkeit der Schnelltests grundsätzlich an. So hält der Virologe Oliver Keppler von der Ludwig-Maximilian-Universität in München von der Idee, mit Antigen-Massentests die Pandemie wirksam bekämpfen zu können rein gar nichts.

„Das ist Irrsinn“, sagte er dem Spiegel, „und keineswegs evidenzbasiert.“ Diese Tests würden „mit viel Hoffnungsrhetorik propagiert“. Aber zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffe ein tiefer Graben.

Auch Michael Wagner, Mikrobiologe an der Uni Wien ist skeptisch. In Österreich wurden am 8. Februar Schulen und Geschäfte geöffnet und eine Schnelltestpflicht eingeführt. „Trotzdem ging die Inzidenz stetig hoch.“

Das Robert-Koch-Institut hatte bereits im Januar auf die Unzuverlässigkeit der Schnelltests hingewiesen, deren korrekt identifizierte Corona-Infektionen je nach Hersteller teilweise bei nur 13 Prozent liegen.

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