Einige Bedenklichkeiten

by

VCD Hagen zum Polizei-Unfallbericht für 2020

Die am 10. März vorgestellten Informationen zum Unfallgeschehen auf Hagener Straßen stimmen zunächst einmal optimistisch, da zwar die absolute Zahl der Unfälle um gut 6% gestiegen ist, die Anzahl der dabei zu Schaden gekommenen Personen aber erfreulicherweise gleichzeitig in etwa demselben Maß gefallen ist. Dies gilt für alle Bereiche außer den Personenschäden mit Bus, die im Vergleich zum Vorjahr drastisch gestiegen sind (um gut 50% von 37 auf 57). So weit – so gut.

Da der Bericht leider keine Gründe für die insgesamt sinkenden Personenschäden nennt, liegt die Erklärung nahe, dass diese Minderung dem über mehrere Monate stark gesunkenen Autoverkehrsaufkommen zu verdanken ist. Das gilt insbesondere für Kinderunfälle, da die Schule monatelang ausfiel und so das Unfallrisiko ebenfalls reduziert war. Grundsätzliche andere Veränderungen (Verkehrssicherheitsmaßnahmen/Temporeduzierung, Bewusstseinswandel etc) als mögliche Gründe waren nicht erkennbar.

Bei Näherem Hinsehen ergeben sich darüber hinaus im Einzelnen einige Bedenklichkeiten: So erklärt die Polizei die Gründe für Unfälle mit Fußgänger-Beteiligung mit „Missachtung von Rotlicht an Ampeln, Zwischenfällen (was immer das heißen mag) beim Betreten der Fahrbahn auf Zebrastreifen, Ablenkung durch Smartphones“. Diese Erklärung suggeriert, dass die wesentliche Schuld an einem Unfall bei den Fußgängern liegt. Dieser Eindruck wird jedoch durch den Blick auf die entsprechende Grafik widerlegt, denn Fußgänger sind nur in ca ¼ aller Fälle die Verursacher eines Unfalls, in den sie verwickelt werden.

Auch die Einschätzung, dass die Fahrradunfälle auf einem niedrigen Niveau liegen, ist nicht ohne Weiteres nachvollziehbar: Radelnde wurden in 12% der Unfälle mit Personenschaden verletzt, obwohl der Anteil der mit dem Rad zurück gelegten Wege nur 3% beträgt. Somit liegt immerhin ein 4-fach-überhöhtes Unfallrisiko vor.

Im Gegensatz zu denjenigen, die sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortbewegen ist das Autofahren in Hagen recht ungefährlich: Bei einem Anteil von 62% an den insgesamt zurückgelegten Wegen kamen Autofahrer nur in gut der Hälfte aller Unfälle zu Schaden. Darüber hinaus ist die Aufklärungsrate bei Unfällen mit Fahrerflucht bei Personenschäden im Vergleich mit dem Vorjahr deutlich (von 69% auf 56%) gesunken.

Schön wäre noch ein Hinweis darauf gewesen, dass die sicherste Fortbewegungsweise für Kinder auf dem Schulweg gleichzeitig die eigenständigste ist: zu Fuß. Dabei kommen die wenigsten Kinder (im Vergleich zum passiven Mitfahren im Pkw) zu Schaden, und es werden auch viele Gefährdungen anderer Menschen durch Elterntaxis vermieden. Ganz nebenbei werden das Verkehrsaufkommen und die damit zusammenhängenden Emissionen reduziert.

Zusammenfassend kann also gesagt werden: Dem Bericht lässt sich entnehmen, dass Hagen nach wie vor gut geeignet für die Sicherheit von Autofahrern ist. Leidtragende des Unfallgeschehens waren wieder deutlich ausgeprägter die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Dies zeigt sich auch im gerade veröffentlichten Fahrradklimatest 2020, bei dem Hagen wie immer das Schlusslicht im Vergleich der Städte ähnlicher Größenordnung bildet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: