Der Hagener Weg: Aussitzen

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Trotz hoher Coronazahlen ist keine Strategie zu erkennen

Hagen ist Spitze – aber nur bei den Coronazahlen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts weist die Stadt aktuell die zweithöchsten Inzidenzwerte in Nordrhein-Westfalen auf. Auch die Zahl der Toten ist erschreckend hoch: Allein in den Monaten Dezember und Januar verstarben mehr als 100 Hagener im Zusammenhang mit der Seuche.

Zu den Gründen liefert die Verwaltung höchst unterschiedliche Interpretationen. Während die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Anjali Scholten, nach Angaben der WPWR auf vermehrte Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen verweist, bleibt das Infektionsgeschehen für den Stadtsprecher Michael Kaub „diffus“, die Ansteckungswege seien „mannigfaltig und schwer nachzuvollziehen“.

So wie die Strategie der Stadtspitze; auch die ist schwer nachzuvollziehen und scheint sich wie schon 2020 weiterhin am Motto „Abwarten und Tee trinken“ zu orientieren. Bevor weitere Maßnahmen ergriffen würden, müsse die 7-Tage-Inzidenz erst einmal „nachhaltig“ über 200 liegen und weitere Schritte mit dem Land NRW abgestimmt werden, so Kaub.

Die kommunalen Strategen versuchen also erst gar nicht vor die Welle zu kommen, sondern wollen wie gehabt hinter den Zahlen herzuhinken. Dabei müsste es ihnen zu denken geben, dass in Hagen von 75 Intensivbetten nur noch ganze 5 zur freien Verfügung stehen.

Es entsteht der Eindruck, dass die inzwischen 153 Verstorbenen und eine nicht bekannte Zahl womöglich noch an Langzeitfolgen der Infektion leidende offiziell „Genesende“ mehr oder weniger achselzuckend zur Kenntnis genommen werden, während sich Politik und Verwaltungsspitze auf das Wohlergehen von Kleinstgruppen konzentrieren.

Mit großem Einsatz sorgten sich die Ratsfraktionen um das Wohlergehen der Schausteller, während sich die Verwaltungsspitze für die Befindlichkeiten eines Diskothekenbetreibers und einer Sport-GmbH stark machte. Der Partytempel durfte öffnen (unter Auflagen, obwohl auch das gemäß Coronaschutzverordnung nicht zulässig war), die Angestellten von Phoenix erhielten die Genehmigung, trotz angeordneter Quarantäne zum Training auszurücken.

Schon im vergangenen November, als die Inzidenzwerte nahe an die 300er-Marke heranreichten, hatte die Stadt Hagen den Rahmen nicht ausgeschöpft, der nach den Vorgaben des Landes möglich gewesen wäre. Und so wird auch jetzt das Problem nicht entschlossen angegangen, sondern weiter ausgesessen.

3 Antworten to “Der Hagener Weg: Aussitzen”

  1. Udo Says:

    Und was das Theater macht ist weiterhin alles super???

    • ws Says:

      Was macht das Theater denn? Der Vorstellungsbetrieb ist schon lange eingestellt. Und was hat das Theater mit der zweifelhaften Coronapolitik der Hagener Stadtspitze zu schaffen? Vielleicht sollten Sie unter Ihrem Pseudonym erst einmal die grauen Zellen sortieren, bevor Sie Ihre Kommentare abschicken.

  2. Jürgen Dute Says:

    Das Theater der Stadt ist ein Aushängeschild in der Region. Leider sehen dies die Entscheider nicht so! Ein Wahrzeichen von Hagen, welches zu den Letzten gehört, wird schlichtweg ignoriert.

    Das Aussitzen der Corana-Krise ist bei gleichzeitiger Bevorzugung von Basketballern und Diskothekenbetreibern eine absolute Frechheit gegenüber dem Gebührenzahler.

    Es sterben immer mehr Hagener Bürger. Der Hinweis auf vorerkrankt oder Alt ist hässlich und böse. Wahrscheinlich reagiert der Rat, wenn es Ratsmitglieder selbst trifft.

    Typisch für Hagen. Selbstverliebt und ignorant! Kann es sich garnicht leisten. Wann wird der Bürger eigentlich wach! Ich denke nie. Das haben die letzten Wahlen gezeigt.

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