Eintrag ins Klassenbuch für den kleinen Erik Olaf

by

von Christoph Rösner

Covid-19 fördert auch in Hagen – besser: gerade hier – leider viel Schlechtes, Unschönes und Negatives zu Tage.

Gut, wir wissen ja und sind es jammervoll gewohnt, dass diese Stadt ganz sicher nicht die Wiege der Kompetenz, des Expertentums und des verantwortlichen Handelns ist. Ein Zustand, an den man sich hat gewöhnen müssen.

Obwohl wir zwingend hier jene Menschen besonders hervorheben müssen, die sich dem Dauertsunami der Verwaltungsunlust, der Ignoranz und der Inkompetenz mutig und kraftvoll entgegenstemmen. Es sind die Schulleiter*Innen und Lehrer*Innen der rund 65 Hagener Schulen, es sind die MitarbeiterInnen des Gesundheitsamtes, es sind die vielen Pflegekräfte und all die vielen Ungenannten, die das Hagener Dilettantenkarussell kopfschüttelnd von außen betrachten müssen – besser: dürfen.

Das Sagen auf diesem Karussell haben andere, und die sind in der absoluten Mehrheit.

Beispiel: Wenn sich wie vergangene Woche auf Einladung des Oberbürgermeisters die Schulformsprecher der Hagener Schulen treffen, können Dinge passieren, die man sich nicht ausmalen kann.

Jochen Becker, Leiter des Fachbereichs Bildung in Hagen, war von seinem Dienstherren bereits im Spätsommer beauftragt worden, die Schulformsprecher zu instruieren, Maßnahmen zur Entzerrung der Unterrichtsanfangszeiten zu erarbeiten, um die morgendliche Überfüllung der Schulbusse abzumildern.

Dies sollte per Brief an die Schulformsprecher geschehen.

Ende vergangener Woche traf man sich – und siehe da: tiefe Empörung allenthalben. Warum? Am 16.11. hatte unser heimischer Investigativjournalist Mike Fiebig in der WP sich mal wieder als Sprach– bzw. Schreibrohr unseres sexiest OB alive hervorgetan, der sich bemüßigt gefühlt hatte, seine Unzufriedenheit in Sachen Fortschritt bei der Entzerrung der Schulanfangszeiten und anderer Covid19-Maßnahmen der Hagener Schulen zu artikulieren.

„Einen klaren Appell haben wir als Schulträger über die sogenannten Schulformsprecher bereits vor geraumer Zeit abgesetzt – allerdings nur mit sehr überschaubarem Erfolg“, so Schulz am 16.11. Und weiter: „Wir müssen und wir werden diesen Appell jetzt noch einmal mit sehr viel Nachdruck erneuern […] Ich hoffe angesichts der nicht sinken wollenden Infektionszahlen diesbezüglich auf ein Umdenken und ein entsprechendes Handeln unserer Schulen hier vor Ort.“

Und den Gipfel seiner Anmaßungen finden wir im Titel des Artikels: „OB nimmt Schulen in die Pflicht.“

Das Treffen der Schulformsprecher – also jener Menschen, die die Belange, Bedürfnisse und besonderen Erfordernisse ihrer jeweiligen Schulform vertreten (Real-, Berufs-, Hauptschule etc) – stand unter keinem guten Stern.

Anstatt sich konstruktiv und gemeinsam den schwierigen Herausforderungen der Pandemie widmen zu können, musste man sich erstmal trefflich aufregen.

Denn zum Einen hatten die Mitglieder des Treffens noch die ungeheuerlichen Behauptungen ihres OBs zu verdauen, der sie dank Fiebig in die Pflicht nehmen wollte, und zum Anderen stellte sich heraus, dass der Brief, der ´klare Appell` in Form eines Briefes, vom „besten Mann“ des OBs, Fachbereichsleiter Jochen Becker, nie abgeschickt worden war.

Das muss man sich vorstellen: Der oberste Gutsherr stellt sich hin, nimmt die Schulen – also Schulleiter und Lehrerschaft – in die Pflicht, rügt dieselben wie ungehorsame Blagen für ihren sehr überschaubaren Erfolg, während sein oberster Bildungsbeauftragter kleinlaut eingestehen muss, den Brief mit der Aufforderung, gemeinsam weitergehende Maßnahmen zu erarbeiten, gar nicht verschickt zu haben.

Mir drängt sich hier eine Frage auf: Was machen diese Herren eigentlich beruflich?

Dass sowohl Schulleiter*Innen, als auch Lehrer seit Monaten auf dem Zahnfleisch gehen ob der vielfältigen Zusatzmaßnahmen, die erarbeitet, umgesetzt und beinahe täglich korrigiert werden müssen, um einen einigermaßen geordneten Schulablauf garantieren zu können, scheint in der Vorstellungswelt dieses einzigartigen Oberbürgermeisters nicht zu existieren. Ihm scheint es allein darum zu gehen, sich selbst ins gleißende Licht des verantwortungsvollen Machers zu rücken.

Dass er so dem Ansehen der Schulen und Lehrerschaft bei jenen Eltern schadet, die ohnehin die ganze Entwicklung an den Schulen mit Sorge betrachten, ficht unseren OB nicht an, weil er sich vermutlich überhaupt nicht vorstellen kann, was es bedeutet, als Schulleiter bis tief in die Nacht über Testmaßnahmen, Infektionsmeldungen ans Gesundheitsamt und Nachverfolgung von Infektionen zu brüten.

Das ist derzeitige Realität an Hagener Schulen.

Die einzig denkbare und einzig erwartbare Reaktion eines tatsächlich verantwortungsbewussten Oberbürgermeisters wäre eine öffentliche, ehrliche Entschuldigung bei all jenen, die sich den Allerwertesten aufreißen, um für unsere Kinder einen halbwegs reibungslosen Schulbetrieb zu gewährleisten.

Aber ich kann mir auch einen Seitenhieb an die Schulverantwortlichen nicht verkneifen. Es war nicht möglich, zitierfähige O-Töne der Betroffenen einzuholen und hier zu veröffentlichen. Nur aus sogenannten Hintergrundgesprächen konnte ich das hier Geschriebene zusammensetzen, weil niemand bereit war, seine Empörung und seine Enttäuschung in prägnante Zitate zu gießen.

Das ist nicht nur schade, das ist auch erschütternd, weil augenscheinlich gestandene Schulleiter*Innen oder andere Informant*Innen sich lieber selbst einen Maulkorb verpassen, als öffentlich zu sagen, was Sache ist.

Wenn sich schon jemand alleine nicht traut, solche Vorgänge anzuprangern, dann vielleicht ein gemeinsames Statement aller Betroffenen? Wär‘ doch ’ne Idee, oder? Die Doppelwacholder-Anschrift dürfte bekannt sein …

Ach, und noch was: Unser einzigartiger OB hat gestern, am 23.11., auf T-Online ein ausführliches Exklusiv-Interview verbreiten lassen, das von Allgemeinplätzen und rhetorischen Blendgranaten nur so strotzt – was sonst?

https://www.t-online.de/region/hagen/news/id_88885448/corona-in-hagen-ob-schulz-ich-bemerke-eine-gewisse-sorglosigkeit-.html

Der knallharte Investigativjournalist Johannes Hülstrung – wahrscheinlich ein guter Kumpel von Fiebig – hatte eine Frage parat, die mir den Atem stocken ließ: „Können Sie darüber lachen, wenn Sie aus Reihen der SPD als „Erik Null Schulz“ bezeichnet werden?“ Schulz konterte kalt: „Lachen tue ich über niveauvolle Witze, das war eher ein niveauloser.“

Kleine Korrektur, verehrter Erik O. Schulz. Das ist kein Witz. Weder ein niveauloser, noch ein niveauvoller.

3 Antworten to “Eintrag ins Klassenbuch für den kleinen Erik Olaf”

  1. Klaus Rosenberg Says:

    Dieser Artikel von Christoph Rösner ist genial. Versuch doch mal diesen in der WP zu veröffentlichen.
    Da hier nichts zu toppen ist erlaube ich mir dennoch einige Anmerkungen.
    Leider muss festgestellt werden, dass im gesamten „Konzern Stadt“ eine Stimmung des gegenseitigen Misstrauens herrscht. Kritik ist nicht gewünscht. Deshalb gibt es auch viele gute und sehr gute Mitarbeiter überall im „Konzern Stadt“, die das Hagener Dilettantenkarussel , wie CR es beschreibt, kopfschüttelnd auch von innen betrachten müssen.
    Zum nicht verschickten Brief könnte man auch mutmaßen, dass der FB-Leiter seinen OB hier auflaufen lassen wollte. Bestärkt werden könnte dies damit, dass wohl auch keine Info über den nichtabgeschickten Brief vor dem Gespräch des OB mit Fiebig abgegeben wurde.
    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die gebotenen Corona-Maßnahmen von den einzelnen Schulleiterinnen und Schulleitern in eigener Zuständigkeit jeweils für ihre Schule organisiert hätten werden können. Eine Meldung an die Schulaufsicht über die einzelnen Maßnahmen hätte dann gereicht.

  2. Jürgen Dute Says:

    Klaus Rosenberg, du musst nicht immer versuchen den Dilletantismus zu entschuldigen. Die Schulleiter hätten mehr Engagement zeigen können. Okay. Sie sind aber auch an die Weisungen des Oberaufseher, der dafür bezahlt wird, gebunden. Das Einheitsblatt hätte sich vorher richtig informieren müssen, bevor sie einen Artikel verfassen. Sie recherchieren nur, wenn es sie selbst betrifft oder Ihrer Karriere dient. Das hat der Lokalredakteur des Einheitblattes eindruchsvoll bewiesen. Als ihm die Sache zu heiß wurde, hat er einen Rückzieher gemacht und schwupps, zog er an allen vorbei und wurde Lokalredakteur. Da kann man mal schon ins Grübeln kommen!

    Christoph Rösner hat diesen Artikel super geschrieben. Schade, dass er nicht dem Einheitsblatt angehört. Da wäre hoffentlich etwas anderes herauskommen, als bei dem hiesigen Lokalredakteur. Dem ich persönlich ein frohes Fest wünsche.

  3. Karolin Köster Says:

    Bravo, Herr Rösner! Auf den Punkt getroffen. Hagen hat einen Sonnengott 2.0

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