Kampfzone Emst

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Marktplatz soll noch Stimmen bringen

Der Hagener Kommunalwahlkampf ist weitgehend blut- und inhaltsleer verlaufen. Kurz vor Toresschluss haben einige Parteien noch ein Feld zur Profilierung entdeckt: den Emster Marktplatz und die angrenzend geplante Bebauung.

„Wir werden die offene Siedlungsstruktur der Gartenstadt Emst am Lohe- und am Emster Marktplatz erhalten“, so der Vorsitzenden der CDU-Ratsfraktion, Dr. Stephan Ramrath. Nur: Weiß Ramrath, was sich hinter dem Begriff „Gartenstadt“ verbirgt? Offenbar nicht.

Für den CDU-Spitzenkandidaten Jörg Klepper „ist alles, was an dieser Stelle über zwei Vollgeschosse hinausgeht, kritisch. Derart große Gebäude würden den naturnahen Charakter der bisherigen Bebauung deutlich überragen und dominieren.“

Ramrath, der in Haspe wohnt, und Klepper (Boelerheide) erwecken den nicht so leicht von der Hand zu weisenden Eindruck, als sei ihnen der Hagener Stadtteil Emst völlig unbekannt. Sonst wüssten sie, dass sich im unmittelbaren Umfeld der geplanten Neubebauung nicht nur eine Reihe vier- und mehrgeschossiger Häuser befindet, sondern auch ein veritables Hochhaus. Aber vielleicht entspricht genau das der Vorstellung Ramraths von einer „Gartenstadt“ und der Kleppers vom „naturnahen Charakter“ einer Bebauung.

Die CDUler, die der Einleitung des entsprechenden Bebauungsplanverfahrens immerhin zugestimmt haben, versuchen wenige Tage vor der Kommunalwahl am Sonntag noch den Unmut einiger Emster, die um ihre angestammten Parkplätze fürchten, in Stimmen umzumünzen: „Die kritischen Hinweise der Anwohnerinnen und Anwohner im weiterhin gestaltungsoffenen Bebauungsplanverfahren nehmen wir sehr ernst.“

Auch Mitglieder der grünen Ratsfraktion wollen sich am Freitag auf Einladung der Anwohnerschaft persönlich ein Bild der Planungen für ein Neubaugebiet am Loheplatz machen. „Das Gebiet „Im langen Lohe“ haben wir zunächst positiv begleitet“, räumen die Grünen ihre ursprüngliche Zustimmung zu den Plänen ein. Aber im Wahlkampf versuchen halt alle noch Punkte gutzumachen.

Früher einmal war Emst eine Hochburg der CDU. Seit der Kommunalwahl 2009 hat sich die Lage allerdings geändert; seitdem hat die SPD durchgehend das Direktmandat erobert. Das könnte sich diesmal auf Grund der Schwäche der SPD und dem bundesweiten Höhenflug von CDU und Grünen wieder ändern. Trotzdem (oder gerade deshalb) ist der Kampf um den Emster Marktplatz reines Wahlkampfgetöse.

Im April 2019 wurde die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens einstimmig vom Rat beschlossen. Dazu gehörte eine genaue Abgrenzung des Plangebiets, das „durch die Bebauung Mallnitzer Straße, die Straße Im Langen Lohe und die Lohestraße begrenzt“ ist. Der Emster Marktplatz gehört ausdrücklich nicht dazu.

Die neuerdings davon abweichenden Überlegungen des Keune-Dezernats mit Gebietsausweitungen könnten also mit einem Satz und Hinweis auf die Beschlusslage in der Tonne versenkt werde. Aber noch ist ja Wahlkampf und die Kontrahenten sind für jedes von außen herein getragene Thema dankbar.

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