Würdige Rahmen für zweifelhafte Helden

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Antikriegstag: Kriegerdenkmäler als Kultstätten stehen weiter hoch im Kurs

Ehrenmal in Hagen-Boele. Es weist die Form eines Ehrenhains auf – mit vier Säulen (gekrönt von steinernen Fackeln) und einem steinernen Soldaten im Zentrum. Foto: Klaus Bärwinkel (CC BY 3.0).

Heute wird der Antikriegstag begangen. Er erinnert an den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Die westdeutsche Initiative für diesen Gedenktag ging vom Deutschen Gewerkschaftsbund aus, der erstmals am 1. September 1957 unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ zu Aktionen aufrief.

Ein notwendiger Anlass, einmal an die diversen Kultstätten in Hagen zu erinnern, die dem Gedenken an das „Heldentum“ gestorbener Soldaten gewidmet sind, die den imperialen Bestrebungen Preußens und des Deutschen Reichs zum Opfer gefallen sind. Teils weil sie dem Hurra-Patriotismus anheim fielen, teils weil sie in die Soldateska gezwungen wurden.

Das schauerlichste Denkmal verblendeter Vaterlandsbegeisterung ist in Boele am Hammerstein zu finden. Die bezeichnende Inschrift lautet: Gefallen für das Vaterland, nichts Größeres lässt sich sagen. An diesem „Ehrenmal“ pflegt die Vereinsgemeinschaft Boele am sogenannten Volkstrauertag einen Kranz niederzulegen.

Aber auch die städtischen Offiziellen sind nicht weit. 2019 fand dort die Veranstaltung der Stadt Hagen zum Volkstrauertag statt. Oberbürgermeister Erik O. Schulz hielt eine Rede und bat zuvor um eine rege Teilnahme, um der Veranstaltung einen würdigen Rahmen zu geben.

Entworfen wurde die Boeler Kultstätte von Hans Dammann, einem in Berlin residierenden Bildhauer, der sich auf Kriegerdenkmäler spezialisiert hatte. Von Dammann stammen weitere Hagener Mahnmale dieser Art, so das in Vorhalle mit den Inschriften „Vorhalles Heldensöhnen geweiht“ und „Im Weltkriege 1914 – 1918 starben den Heldentod …“. Das kriegsverherrlichende Objekt steht inzwischen sogar unter Denkmalschutz. Ohne weiteren Kommentar.

Oder in Holthausen: „1914 – 1918 Unseren Treuen Söhnen – Die dankbare Gemeinde Holthausen“. Ähnliches in Herbeck: „Im Weltkrieg 1939–1945 fielen im Kampf für Deutschland aus dem Stadtteil Hagen-Herbeck …“.

Die einzige Ausnahme im kriegerischen Reigen ist in Haspe zu finden. Dort wurde eine Militärkultstätte aufgrund einer Schülerinitiative in ein Friedensdenkmal umgewandelt: Der „schlafende Löwe“ vor der evangelischen Kirche an der Frankstraße. Eine Ausnahme auf weiter Flur.

Eine Antwort to “Würdige Rahmen für zweifelhafte Helden”

  1. Klaus Rosenberg Says:

    Kriege sind Scheisse. Aber die Gedenkstätten für im Krieg zu Tode gekommene Soldaten derart in den Dreck zu ziehen ist ebenfalls unakzeptabel und erbärmlich. Vaterlandsbegeisterung ist kein Verbrechen. Wer das so darstellt ist kein Demokrat. Ist also das Bekenntnis zu seinem Heimatland ein Makel ? Und Helden waren die Soldaten bestimmt nicht. Viele gefallene Soldaten hatten Angst, haben sich u.U. In die Hose geschissen oder sind hinterrücks erschossen worden. Dieser Artikel ist voller Missachtung der Menschlichkeit. Ausserdem können solche Denkmäler auch ein Ort der Besinnung sein.

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