„Ich werde alles transparent machen“

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Interview mit Laura Valeria Knüppel (Die PARTEI)

In gut sechs Wochen wird in Hagen ein neuer Rat und ein neuer/eine neue Oberbürgermeisterin gewählt.

Neben den bekannten, etablierten Bewerbern um die begehrten Ratsposten und dem noch begehrteren Posten des Amtes der Oberbürgermeisterei tritt erstmals auch die Partei Die PARTEI (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative) an, mit ihrer Vorsitzenden Laura Valeria Knüppel.

Ihr Listenplatz eins garantiert ihr – bei entsprechender Wählerstimmenanzahl – einen sicheren Sitz im Rat der Stadt Hagen. Aber damit nicht genug: Laura Knüppel will auch Oberbürgermeisterin werden. DOPPELWACHOLDER.DE befragte die 33-Jährige zu ihrer Person und ihren Ambitionen (Foto: Christoph Rösner).

DW: Guten Tag, Frau Knüppel, schön, dass Sie sich Zeit genommen haben für unser kleines Sommerinterview.

Warum tun Sie sich als Vorsitzende des Kreisverbandes der Partei Die PARTEI den Wahlkampf und die politische Arbeit in Hagen an?

Knüppel: Für Hagen reicht´s, und für Die PARTEI reicht´s auch. Ich habe viele hohe Höhen und viele tiefe Tiefen in meinem Leben durchlebt, und seit ich zurückdenken kann, spreche ich fließend satirisch. Grund genug, mich für meine Partei Die PARTEI zu engagieren und den Kommunalwahlkampf ein bisschen aufzumischen.

DW: Am 3. August wird das Wahlamt die zugelassenen Parteien zur Kommunalwahl am 13. September bekannt geben. Haben Sie genügend Unterstützungsunterschriften gesammelt? Unser Wahlamt hat Sie doch sicherlich nach Kräften unterstützt?

Knüppel:  Im Rahmen seiner Möglichkeiten hat das Wahlamt bzw. seine Mitarbeiterin in Vertretung uns unterstützt. Wir sind nicht davon ausgegangen, dass es leicht werden würde. Aber alle zusammen haben wir mehr als die erforderlichen Unterschriften gesammelt.

DW: Wie fühlt sich das an – Oberbürgermeisterin Laura V. Knüppel – und welche Qualifikation für den verantwortungsvollen Job bringen Sie mit?

Knüppel: Ich kann lesen und schreiben, ich kann zuhören und reden, ich kann auch vor einem Mikrofon sitzen. Also all das, was unser bisheriger Oberbürgermeister auch mitgebracht hat, habe ich dabei.

Ich will mich nicht selbst präsentieren oder mich bereichern, weil ich tatsächlich ausschließlich für Hagen da bin und wichtige Entscheidungen ausschließlich im Namen und im Sinne der Hagener Bürger*Innen treffen will. Ich trete nicht an, um meine eigene Brieftasche oder die irgendwelcher Lobbyisten oder Tochtergesellschaften zu füllen.

Geld bedeutet mir eigentlich nichts. Mein Mann und ich haben über die Jahre gelernt, mit sehr wenig Geld auszukommen. Es gibt Wichtigeres. Von wegen, über Geld spricht man nicht – da bin ich gerne Nestbeschmutzer. Und wie es sich anfühlt … eigentlich nicht anders als Küchenhilfe Laura Knüppel, Künstlerin Laura Knüppel oder Studentin Laura Knüppel.

DW: Wo würden Sie ihre Partei im politischen Spektrum verorten?

Knüppel: In der extremen Mitte. Links und rechts von uns darf es eigentlich nichts geben. Realpolitisch sind wir durchaus eher links einzuordnen und natürlich antifaschistisch und antirassistisch.

DW: Wären Sie mit Ihrem Engagement und ihrer Power in einer der anderen etablierten und politisch erfahrenen Parteien nicht besser aufgehoben gewesen?

Knüppel: Dafür hätte ich die Knüppel-Partei gründen müssen, dann hätte ich mir folgende Situationen ausgedacht, dass z. B. alle Entscheidungen im Ring ausgefochten werden – ohne Schlagen selbstverständlich – und wer als erster ohnmächtig geworden wäre, hätte halt verloren.

DW: Man hat den Eindruck, die Hagener Uhr steht schon seit längerem auf 5 vor 12. Wäre nicht endlich seriöse Politik das Mittel der Wahl, um Hagen aus dem Jammertal zu führen, statt einer Satirepartei?

Knüppel: Ich glaube, die Zeiten sind so ernst, dass nur die Satire uns noch helfen kann, weil die Stadt krank ist und Lachen nun mal die beste Medizin ist.

DW: Überschuldung, Müll, Verkehrskollaps, Digitalisierung, Klima, Umwelt, Innenstadtbelebung – alles Themen, die die Menschen auch in Hagen bewegen. Können die Wähler hier mit klaren Konzepten der PARTEI rechnen?

Knüppel:  Ja.

DW: Was sagen Ihnen – bezogen auf Hagen – Begriffe wie Effizienz, Transparenz, Uneigennützigkeit oder Unbestechlichkeit?

Knüppel: Da müsste ich erstmal länger suchen, die sind mir hier noch nicht begegnet.

DW: Wie wollen Sie mit Ihrer Partei die Herkulesaufgabe bewältigen, aus Hagen wieder eine lebenswerte Stadt zu machen?

Knüppel: Naja, ehrlich? Ursprünglich wollten wir alles abreißen, diese Bausünden überall – wäre nicht schade drum. Aber das können wir unsern Bürger*Innen nicht zumuten, und der Stadtkasse auch nicht. Aber „Vertical-Gardening“ wäre doch eine schöne Idee, also alles mit Pflanzen verschönern, was man nicht abreißen kann. Eine andere Idee von mir war mal: “Ich bin so grün, ich könnte mich glatt selbst rauchen.“ Aber lassen wir das …

DW: Hagen belegt im Ranking der Einkommen einen der letzten Plätze von mehr als 300 Städten. Zudem gilt die Hagener Bevölkerung als eine der am wenigsten gesunden. Glauben Sie ernsthaft, Sie und Ihre Partei könnten daran etwas ändern?

Knüppel: Ja … obwohl es so fucking traurig ist …

DW: Gibt es inzwischen ein Kommunalwahlprogramm, das die Bürger einsehen können?

Knüppel: Selbstverständlich gibt es ein Programm. Und das ist so verdammt gut, dass wir es erst publizieren, wenn klar ist, dass wir zur Kommunalwahl antreten, weil die Anderen sonst von uns abschreiben würden.

DW: In Hagen gibt es offensichtlich keine geeignete Frau für den Posten des Oberbürgermeisters – außer Ihnen von der Partei Die PARTEI. Nicht einmal die Grünen haben es geschafft, eine geeignete weibliche Kandidatin zu präsentieren. Müsste Hagen insgesamt weiblicher werden?

Knüppel: Erstmal vielen Dank, Sie haben mein Geschlecht bemerkt … auf das ich jetzt offensichtlich reduziert werde … ich bin die Kandidatin geworden, weil meine Partei glaubt, dass ich die geeignete Person dafür bin, unabhängig von meinem Geschlecht. Wir schauen, wer einen guten Job macht, und den stellen wir dann auf. Dabei spielt das Geschlecht keine Rolle.

DW: Was werden Sie anders machen als Ihr Amtsvorgänger?

Knüppel: Ich werde alles – und ich meine wirklich alles – transparent machen. Wofür bekomme ich Gelder, welche Gespräche führe ich mit wem, wofür oder wogegen habe ich gestimmt. Das ist ein Haufen Arbeit, aber im Dienste der Transparenz unerlässlich.

Wenn ich ´nur` Ratsfrau werde, werde ich jede Ratssitzung, jede Bezirksvertretungssitzung und jede Ausschusssitzung in einem kurzen Video aufarbeiten und unseren interessierten Bürgern zur Verfügung stellen, die vom sogenannten ´Bürgerinformationssystem`genervt sind. Denn mal ehrlich, Transparenz geht anders. Versuchen Sie mal sich da durchzuwühlen … viel Vergnügen.

DW: Sind Frauen besser geeignet, sich in jahrezehntelang aufgebauten männerdominierten, verfilzten Strukturen zu behaupten oder durchzusetzen? Und fühlen Sie sich gewappnet für Ihre Arbeit in diesem männlichen, undurchschaubaren Politsumpf?

Knüppel: Ich muss gerade spontan an das Jugendzimmer meines Bruders denken, alt, verfilzt, verkommen … da war es immer die Mutti oder die Oma, die da mal feucht durchgewischt haben … Die Jungs hatten genügend Zeit, alles in den Müllsack zu packen … ich denke, ich sollte das jetzt mal übernehmen.

DW: Eine letzte Frage, Frau Knüppel. Wovon träumen Sie?

Knüppel: Mit einem großen Knüppel auf den Sack mit Hagener Politikern draufhauen – und im Traum treffe ich dann immer den Richtigen.

DW: Wir bedanken uns für Ihre Zeit.

Das Gespräch mit Laura Valeria Knüppel führte Christoph Rösner.

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