Personenkult und Politikersatz

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Disput um OB-Plakate wirft ein Schlaglicht auf den Zustand der Hagener Politik

Großformatige Bildnisse von Führerfiguren im öffentlichen Raum waren immer ein Privileg der Herrschenden in autoritär geführten Staaten. Waren. Inzwischen feiert der Personenkult auch in der Hagener Provinz fröhliche Urständ.

Auf Großflächen präsentiert sich Oberbürgermeister Erik O. Schulz und wünscht seinen Bürgern – oder Untertanen? – „eine gute Sommerzeit“ und „bleiben Sie gesund!“. Hintergrund ist natürlich das Thema Nummer Eins, die Corona-Pandemie.

Aber offenbar nur der Hintergrund. Denn in sechs Wochen stehen die Kommunalwahlen ins Haus, und Schulz möchte gern wiedergewählt werden. Und damit bekommt seine Plakataktion ein ziemliches Geschmäckle.

Die Verteidigung des Oberbürgermeisters, er handele sich dabei „vielmehr um eine der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Hagen dienende Maßnahme im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie“, hinterlässt mehr den Eindruck einer Schutzbehauptung. „Um der Tendenz entgegen zu wirken, die Gefahren einer Infektion mit dem Corona-Virus zu unterschätzen“, wie Schulz zu seiner Verteidigung anführt, bedarf es nicht eines raumfüllenden Portraits des Stadtoberhauptes vor pitoreskem Hintergrund mit Springbrunnen.

Bei näherer Betrachtung des inkriminierten Plakatmotivs ist schnell zu erkennen, welche Botschaft Priorität genießt. Während der Wunsch, achtsam und gesund zu bleiben, fast Ton in Ton vor dem Bild im Hintergrund platziert und so naturgemäß nur schwer erkennbar ist, wird die offenbar eigentliche Hauptsache mit dem größten nur möglichen Kontrast präsentiert: „Eine gute Sommerzeit wünscht Ihnen …“ – und noch einmal größer – „Oberbürgermeister Erik O. Schulz“ ist dort weiß auf schwarz zu lesen.

Der OB rechtfertigt seine Propaganda überwiegend mit dem Zitieren höchstrichterlicher Urteile. Willkommener Anlass ist dabei eine Steilvorlage, die ihm die Kritiker aus der Hagener SPD-Spitze selbst geliefert haben. Die operieren nämlich ebenfalls ausschließlich mit der Juristerei und haben bereits die Kommunalaufsicht ins Spiel gebracht.

Im Interesse der Hagener wäre eine politische Auseinandersetzung angebracht gewesen. Warum ist im öffentlichen Raum nicht intensiv für die notwendigen Verhaltensregeln in Pandemiezeiten geworben worden? Warum führen andere Kommunen im Unterschied zu Hagen breitenwirksame Kampagnen durch und buchen nicht nur drei Großflächen, auf denen der OB und nicht das Virus im Mittelpunkt steht? Gibt es weitere Versäumnisse des Oberbürgermeisters, der ja auch Vorsitzender des städtischen Krisenstabes ist?

Solche und weitere mögliche Fragen hat die SPD nicht gestellt – und deshalb braucht der OB auch keine Antworten darauf zu geben. Nur die juristische Karte als Politikersatz zu spielen, hat schon in der Vergangenheit nicht funktioniert.

5 Antworten to “Personenkult und Politikersatz”

  1. KranichMuss Says:

    Sämtliche Medien sind voll bis zum Überdruß von Corona. Wer käme denn auf die Idee, ausgerechnet von einem Bürgermeister und nicht von unseren Spezialisten Warnungen auch nur zur Kenntnis zu nehmen ? Schulz zählt allenfalls hins. Maßnahmen im örtlichen Bereich, wobei es auch hier besser wäre, diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die von der Materie etwas verstehen wie etwa Gesundheits-/Ordnungsamt oder Polizei.
    Ist das Wort “ Untertanen „, wenn auch eingerückt, sarkastisch gemeint ? Doch man kann nicht ausschließen, daß er, der als “ kleiner “ Sachbearbeiter begann und innerhalb der Verwaltung eifrig lernte, wie man was wird – bzw. glaubt, das wäre was – sich als Obermeister diese Rolle wünscht. Sehr stutzig machen i. Z. solche Formulierungen in seinem Antwortbrief wie “ zweifelsfrei “ oder “ definitiv „, was erneut eine bestimmte Gesinnung zeigt.
    Die SPD kann die Kommunalaufsicht befragen; ob es jedoch klug ist, die rechtliche Schiene zu bemühen, sei dahingestellt, da es oft einen Bumerang-Effekt hatte und eine schon öfter zu beobachtende Blauäugigkeit auch dieser Partei nicht abhold ist.
    Der Amtsinhaber ist vor einer Wahl grundsätzlich privilegiert, da er durch sein ( gesteuertes ) Verhalten / handeln punkten kann, aber eben auch Minus-Punkte einsammeln. Letzteres ist hier der Fall, doch ich muß auch Jürgen Dute ( s. gestern ) recht geben, daß es etliche nicht sehen bzw. sehen wollen.
    Nebenbei kann man nicht mal sagen, daß der große Amtsinhaber keine starke Eichen-Maske auf dem Plakat trüge. Denn wer weiß schon, ob an der evtl. falschen Stelle ( was naturgemäß nicht überraschen könnte ), da er gehört hat, daß wissenschaftlich nicht vollständig gesichert ist, aus all welchen Körperstellen das Virus ( aero ? ) dynamisch entfleuchen kann.

  2. Klaus Rosenberg Says:

    Ja,ja die großformatigen Bildnisse von Führerpersonen im öffentlichen Raum, dass lässt natürlich viel Platz zum spekulieren. Ab heute hängen in Hagen auch wieder großformatige Bildnisse von Führungspersonen rum. Wenn die meisten davon nichts mehr zu sagen hätten, könnte der Filz und die Vetternwirtschaft vielleicht beendet werden.

  3. KranichMuss Says:

    Filz, Vetternwirtschaft, Korruption, Neid, Mißgunst, Narzissmus, Egozentrik usw. usf., aber auch Ungerechtigkeiten jeglicher Art und sogar Knüppel auf den Sack ( Gruß an Sabine Bode, Christoph Rösner 😀 ) werden NIE verschwinden, solange sich diese Erde dreht. Weil… der Mensch so nicht ist.
    Weshalb eines der stereotypen Zeitgeist-Worte “ alles gut “ saudoof ist, aber wenn einem halt nichts anderes einfällt.. Heißt aber nicht, daß man sich nicht ein wenig bemühen könnte, politisch mit möglichst einer Partei des kleineren Übels.
    Mehr geht wohl nicht, leider

  4. Klaus Rosenberg Says:

    Dem stimme ich ausdrücklich zu KranichMuss. Nur was ist das kleinere Übel ? In Hagen haben sich die sog. Etablierten seid zig Jahren gut eingerichtet. Wie muss es wohl einem Grünen der Ersten Stunde gehen, wenn er seine Partei heute sieht ? Angepasst und keinesfalls streitsüchtig. Und die Linke Familientruppe in Hagen ist nur ein unauffälliger Mitläufer. Vielleicht hilft da ja nur noch Satire, die z.B. manche unsäglichen Sitzungen öffentlich vorführt.

    • KranichMuss Says:

      Das mit den Grünen kann ich gut verstehen ( bezgl. Allianz- Stichw. Anpassung, s.vor – weniger ). Hatte dazu vor einiger Zeit ( rausmobben grüner Ex-Ratsfrau, angepaßte Nachrücker ) schon geschrieben ( warum finde ich die Homepage der GrünenLinken nicht mehr ?… )
      Mein Ansatz ist nicht eine Partei, sondern Inhalte. Zum einen das Programm, doch Papier ist geduldig, vor allem das tatsächliche Verhalten und Handeln. Was Jemand erkennen kann bzw. eben will oder er/sie sich blenden läßt oder nicht, ist selbstverständlich in jedem selbst angelegt. Neben dem Papier die Worte.. . Da sprechen wir hier schon eine Weile über Scheinheiligkeit, teuschen ( wollen ), reine Absichtserklärungen, Lippenbekenntnisse, vollmundige Sprüche usw. .
      Der z. Zt. infrage stehende E. Olli Schulz ist zwar nichts besonderes, aber in einer besonderen Rolle, in der er als ( eigentlich ) Handelnder positives wie negatives bewirken oder auch unterlassen kann. Wenn auch nicht der einzige, der zu vorgenanntem geradezu prädestiniert erscheint, mit viel Raffinesse blenden kann, womit er sich bereits seinerzeit, wie Jeder weiß ( oder merken konnte ), in die Kandidatur zu seinem jetzigen Amt lavierte und nur zum Selbstzweck seine Partei, die ihn – offenbar nicht ohne Grund – zuvor ein weiteres Mal nicht wollte, verließ.
      Hinzu starker Selbstdarstellungstrieb ( s. u. a. Jürgen Dute 30.7.
      “ Plakate.. “ ), Geltungssucht u. ä. .
      Zu einem OB gehört aber auch persönliche Qualifikation incl. Charakter, Reife, Selbstreflexion etc.( der hätte das gar nicht nötig..), was nicht zwingend vom Alter abhängt. Dann die übrigen.. –
      Kurz insges.: menschen -, tier-, umweltfreundliche politische Inhalte/ Geisteshaltung bei sogen. Politikern, authentisch vertreten und umgesetzt. Was ist das kleinere Übel, gute Frage…
      Oha,war das Satire, Sarkasmus oder was ?

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