Aus Boelerheide in die Welt

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Hagener Junge will Oberbürgermeister von Wuppertal werden

Na gut, aus Blickrichtung New York oder der Sicht blasierter Hipster aus der Reichshauptstadt ist auch Wuppertal natürlich Provinz. Aber im Vergleich mit dem vor allem monopolmedial immer mehr ins dörfliche Schützenfestmilieu getriebenen „Tor zum Sauerland“ ist schon ein Unterschied zu Hagen zu erkennen.

Dort an der Wupper, im traditionell mehr an den rheinischen Großstädten Düsseldorf und Köln als an ländlichen Strukturen orientierten Zentrum des Bergischen Landes will der gebürtige Hagener Bernhard Sander im September Oberbürgermeister werden.

Der 1955 geborene studierte Politikwissenschaftler wuchs im Hagener Stadtteil Boelerheide auf, nicht gerade als Zentrum avangardistischen Übermuts bekannt, und engagierte sich in seinen frühen Jahren in der Jugendzentrumsbewegung. Er war einer der Mitbegründer des Hagener Volksblatts, das 1976 als kleines Korrektiv zum übermächtigen WAZ-Imperium (heute Funke-Gruppe) und seiner Hagener Zeitungen entstanden war.

Sander (Foto: privat) war zwischen 1972 und 2004 mehrere Jahre SPD-Mitglied, dann Mitgründer der WASG, seit 2007 ist er Mitglied der Linken in Wuppertal, seit 2009 Ratsmitglied. Dort arbeitet er als Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung und im Ausschuss für Kultur, zudem als Mitglied im Verwaltungsrat der Stadtsparkasse, im Aufsichtsrat der Wuppertaler Abfallwirtschaft, im Kuratorium des Kunstpreises der Stadt (Von der Heydt-Preis) sowie in der Planungs- und Begleitkommission des Elberfelder Verkehrsknotens Döppersberg.

Sanders Wettbewerber bei der Kommunalwahl am 13. September sind neben dem amtierenden Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) der Präsident des Wuppertal Instituts Prof. Uwe Schneidewind (Grüne) als gemeinsamer Kandidat von CDU und Grünen, der FDP-Landtagsabgeordnete Marcel Hafke und der parteiunabhängige Panagiotis Paschalis, ehemaliges SPD-Mitglied und abgewählter Beigeordneter der Stadt Wuppertal.

Schon zu seinen Boelerheider Zeiten begann Bernhard Sander damit, Karl Marx zu lesen. Was ihm auch heute noch „einen großen Erkenntnisgewinn“ bringe, wie die örtliche Westdeutsche Zeitung zu berichten wusste: „Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die alle 40 Bände der Marx-Engels-Gesamtausgabe gelesen haben.“

Das passt gerade in Wuppertal gut zum Jubiläum des 200. Geburtstags des großen Sohnes der Stadt, Friedrich Engels, das zufällig mit dem Kommunalwahljahr zusammenfällt. Nach wie vor sei ihm dessen Werk ein Leitfaden, so der Kandidat der Linken. Zum Beispiel beim Thema Gewerbeflächen, wo sich Sander nicht so sehr wie die anderen Vertreter im Rat dafür interessiert, wo denn neue Flächen entstehen könnten, sondern eher für die Frage: „Welche Wertschätzung findet hier statt? Gibt es dort gute Arbeit?“

Sander sehe die Welt aber nicht nur durch die Gewerkschafter-Brille, berichtet die Zeitung weiter: „Ich bin auch Bildungsbürger“, sagt der OB-Kandidat, der unter anderem bei den Wuppertaler Bühnen und im Von der Heydt-Museum im Hintergrund aktiv ist. „Ich bin der erste in der Familie, der studiert hat“, sagt Sander. Er erinnere sich, dass er sich in der Jugend am Gymnasium viel erarbeiten musste, was den Klassenkameraden – Kindern von Ärzten und Rechtsanwälten – bereits auf den Weg mitgegeben worden war.

Bernhard Sander ist seit vielen Jahren Redakteur der undogmatischen linken Zeitschrift Sozialismus. Und hier schließt sich auf eine überraschende Weise wieder der Kreis zu seiner alten Heimat. Das monatlich erscheinende Blatt wird vom linken Hamburger VSA-Verlag herausgegeben. In dem hat auch schon der Arbeitswissenschaftler Dr. Peter Krauß-Hoffmann publiziert – und der ist stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Hagen der CDU.

Eine Antwort to “Aus Boelerheide in die Welt”

  1. Harald Helmut Wenk (@drhwenk) Says:

    es gibt schon eine menge leute, die marx gesamtausagabe gelesen haben (aktuell auch auf chinesich zum exempel) – nur nicht – „der prophet gilt im eigenen lande nichts“ in der brd!

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