Die Zeichen der digitalen Zeit früh erkannt

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Am Samstag, 20. Juni, wird Prof. Helmut Hoyer 70. Er leitete die FernUniversität von 1997 bis 2016 fast 19 Jahre lang. In dieser Zeit wurden u.a. entscheidende Weichen für die Digitalisierung der universitären Fernlehre gestellt.

„Heute sagen die Menschen: Wenn es die FernUni nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Ein größeres Lob kann es nicht geben.“ Mit diesem erfreulichen Fazit zog sich Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer (Foto: Veit Mette) im März 2016 in den Ruhestand zurück. Fast 19 Jahre lang hatte er die Geschicke der mit 76.000 Studierenden größten Hochschule in Deutschland als Rektor gelenkt. Am Samstag, 20. Juni, wird er 70 Jahre. Für seine vielfältigen Verdienste erhielt Hoyer das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Galt die FernUniversität nach der Aufnahme des Studienbetriebs 1975 noch als „Paradiesvogel“ in der deutschen Hochschullandschaft und als „sozialistisches Bildungsexperiment“, so konnte sie nicht zuletzt in der „Ära Hoyer“ ihren Ruf als erste Adresse für ein wissenschaftliches Studium neben Beruf und anderen Verpflichtungen weiter festigen und eine weltweite Vorreiterrolle beim digitalen Lehren und Lernen übernehmen.

Nach seiner Wahl zum Rektor im April 1997 forcierte Helmut Hoyer die Entwicklung ihres modernen, netzgestützten Studiensystems: Der „Lernraum Virtuelle Universität“, der auf Entwicklungen in der Hagener Elektrotechnik und der Informatik basierte, wurde fit gemacht für den Regelbetrieb und stetig weiterentwickelt. So erhielt die Digitalisierung der Fernlehre unter Hoyer und seiner Nachfolgerin Prof. Dr. Ada Pellert einen kräftigen Schub. Angesichts der Coronakrise konnte die FernUniversität im April 2020 sogar den deutschen Präsenzhochschulen anbieten, sie bei der Digitalisierung ihrer Lehre zu unterstützen.

Hoyer selbst entwickelte sich in seiner Amtszeit immer mehr zum Gestalter des universitären Fernstudiums, zum Hochschulmanager und zum Botschafter des Lebensbegleitenden Lernens (den Begriff „Lebenslanges Lernen“ lehnte er immer ab). „Die Digitalisierung hat das Fernstudium auf moderne Beine gestellt“, stellte er 2016 im Rückblick auf seine Amtszeit fest. „Wir bieten einen wesentlich größeren Grad an Individualisierung, als das im Präsenzstudium möglich ist.“

Ein besonderes Anliegen war es Hoyer immer, die Menschen einander näherzubringen. So wurde das eher akademische FernUni-Sommerfest zu einem Universitätsfest für die Region und darüber hinaus. Populäre Live-Musik und gutes Essen lockten bald alljährlich mehrere Tausend Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigte, Studierende und Ehemalige aus Nah und Fern auf den Campus.

Botschafter des Fernstudiums war (und ist) Hoyer auch auf der internationalen Ebene. So war er von 1999 bis 2008 Vizepräsident / Acting President des International Council for Open and Distance Education (ICDE). Als Leiter des Wissenschaftlichen Programm-Komitees verantwortete er die fünftägige ICDE-Weltkonferenz, die – organisiert von der FernUniversität – Anfang April 2001 mit fast 1.300 Fachleuten aus aller Welt in Düsseldorf stattfand.

Heute ist Hoyer Vorsitzender des Board of Trustees, einer Art Aufsichtsrat des ICDE, sowie in ähnlichen Gremien der Stiftung Universitäre Fernstudien Schweiz und des Lüdenscheider Science-Centers Phänomenta. Weiterhin engagiert er sich als Themenpate der Themengruppe „Curriculum Design & Qualitätsentwicklung“ des Hochschulforums Digitalisierung für die Weiterentwicklung der Lehre. Auch Fernlehrinstitutionen steht er mit Rat und Tat zur Seite.

Eventuell noch vorhandene Zeitfenster füllt der Ruheständler als Vorsitzender der Fußballabteilung des TSV Dahl in Hagen und als heimischer Haus-und-Garten-Handwerker. Einmal jährlich steht ein Besuch in Wacken in Hoyers Terminkalender. Das kultige Heavy-Metal-Rockfestival dort hat er schon während seiner Rektorzeit auf Rat eines Sohnes für sich entdeckt: „Ich bin für viele Musikrichtungen offen.“

Hoyer kam bereits 1979 als wissenschaftlicher Assistent an das Lehrgebiet Automatisierungstechnik und Informationstechnik der FernUniversität. 1984 wurde er in Hagen promoviert. Im folgenden Jahr ging er mit seinem Doktorvater Prof. Dr. Eckhard Freund von Hagen zur Universität Dortmund, wo der „Roboterpapst“ das Institut für Roboterforschung (IRF) aufbaute. 1988 kehrte Hoyer als Professor für Prozesssteuerung und Regelungstechnik zur FernUniversität zurück, wurde hier 1993 Prorektor für Planung und Finanzen und von 1997 bis zu seiner Pensionierung 2016 Rektor.

Seinen Geburtstag in der „Corona-Zeit“ feiert der dreifache Großvater mit der engsten Familie bei einem der beiden Söhne in der Nähe von Potsdam.

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