Aufgebauschte Meldungen geplatzt

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WPWR, AfD-Eiche und das wirkliche Leben

Am 20. April, es war zufällig Führers Geburtstag, berichtete die WPWR über 60 Personen, die in zwei Häusern in Wehringhausen unter Quarantäne gestellt wurden. Der freie Mitarbeiter der Redaktion, Alex Talash, ließ es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass es sich um Bewohner „südosteuropäischer Herkunft“ handelt. Als ob es sich im Zusammenhang mit dem weltweit verbreiteten Virus bei ethnischen Herkünften um zielführende Informationen handelte.

Talash ist nach eigenen Angaben auf seiner Homepage nicht nur für die WPWR sondern auch für andere „Qualitätsmedien“ wie Bild und RTL tätig und ist auf Blaulichtmeldungen und ähnliches spezialisiert. Als Pseudonym könnte man sich bei ihm „Axel Trash“ vorstellen.

Zwei Tage später wurde die Zahl der Betroffenen in einem weiteren Bericht des Heimatblatts bereits reduziert, wobei es sich der Autor – diesmal war es der einschlägig bekannte Hubertus Heuel – nicht verkneifen konnte, nochmals daraufhinzuweisen, dass es sich um Menschen „aus Südosteuropa“ handelt.

Und dann türmten auch noch zwei der unter Quarantäne gestellte Personen aus den rückwärtigen Fenstern über die Bahngleise. Das sorgte natürlich sogleich für ein großes Hallo in den asozialen Medien. Bereits einen Tag später hatte sich der Spuk allerdings erledigt: die Quarantäne für die Bewohner der zwei Häuser wurde aufgehoben.

Nicht aber für Hagens AfD-Vorturner Michael Eiche. Der weiß natürlich genau, dass die Bezeichnung „Südosteuropäer“ nur den inzwischen nicht mehr opportunen Begriff „Zigeuner“ ersetzt. Also stellte er in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 30. April eine Anfrage – und holte sich eine respektable Abfuhr.

Eiche fragte zum „Problemhaus mit Sinti & Roma“, welches unter Quarantäne gestanden hat, ob es Konsequenzen gehabt habe, dass infizierte Personen aus dem hinteren Fenster über die Gleise geflohen sind und fragte nach, was „ordnungspolitisch“ passiert. Konkret wollte er wissen, wie viele Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden sind, oder – wenn möglich – ob strafrechtlich gegen die Personen vorgegangen wurde.

Oberbürgermeister Schulz erklärte ihm, dass nach den durchgeführten Testungen zwei Coronainfizierte dort festgestellt wurden, welche sich allerdings an die Regeln gehalten haben und deswegen die Quarantänemaßnahmen vorzeitig beendet wurden. Die von Herrn Eiche aufgeworfene Verbindung, dass sich Infizierte nicht an die Regelungen gehalten haben, könne die Verwaltung so nicht bestätigen.

Der aller linken Umtriebe unverdächtige Ordnungsdezernent Huyeng ergänzte, so das Sitzungsprotokoll, „dass es sich bei den Anwohnern des Hauses nicht um Sinti und Roma handelt und die Bevölkerungsstruktur ganz normal“ sei. Er erklärte, dass es anfänglich zu nachvollziehbaren Schwierigkeiten gekommen sei, sich die Bewohner des dortigen Hauses nachher aber sehr kooperativ dargestellt hätten. Der angesprochene Vorgang bezüglich des Betretens der Gleise obliege der Bundespolizei. Ob und inwieweit hier Feststellungen getroffen wurden, entziehe sich jedoch der Kenntnis der Verwaltung.

AfD-Eiche blieb danach nur noch das Eingeständnis, dass er Pressemeldungen aufgesessen war, „die dann wohl falsch bzw. aufgebauscht waren“. Obwohl sie doch ganz nach dem Geschmack von Rechtsauslegern verfasst waren.

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