UnLinke gegen Emil

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Kulturgegner stellen Schumacher-Museum in Frage

Ich rate, lieber mehr zu können als man macht,
als mehr zu machen als man kann.

Bertold Brecht

Für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (HFA) am kommenden Donnerstag hat die Fraktion der Hagener UnLinken einen 24 Punkte umfassenden Fragenkatalog vorgelegt.

Vordergründig geht es um die Baumängel am Emil-Schumacher-Museum und die dadurch entstehenden Kosten für die Stadtkasse. Aber eben nur vordergründig.

Sieht man die Liste durch, erkennt man sehr schnell, dass die Fragen nach den Baumängeln – die vollkommen berechtigt sind – nur den Transmissionsriemen dafür abgeben, die Existenz des Museums grundsätzlich in Frage zu stellen.

Wohl um dem Anliegen mehr Volumen zu verpassen, werden Fragen auch gleich doppelt gestellt:

Auf: „Ist eine anderweitige Nutzung des Museumsgebäudes möglich?“ folgt unmittelbar: „Wäre nach Ansicht der Verwaltung eine andere Nutzung des Museumsgebäudes vorstellbar wenn ja, welche?“.

Ähnlich auch hier: „Wie lange muss das ESM auf Grund der Förderbestimmungen weiter betrieben werden, um nicht regresspflichtig zu werden?“ und: „Wie hoch wäre bei Einstellung des Museumsbetriebes die Rückzahlung von Fördergeldern?“.

Die Beispiele zeigen sofort, dass es den Fragestellern nicht um die Problematik der Baumängel geht. Denn die würden ja auch bei einer anderweitigen Nutzung des Museumsgebäudes weiter auf der Tagesordnung stehen.

Zutage tritt hier eine grundsätzlich kulturfeindliche Tendenz, die in der Hagener Politik nicht nur bei den UnLinken beheimatet ist. Namen wie Dietmar Thieser und andere fallen dem Beobachter des heimischen Milieus dazu ein. Auch die örtliche Presse mischt in diesem Sumpf immer wieder mit und bietet den einschlägigen Akteuren gerne eine Plattform.

Wie weit die Möchtegerns der Hagener Pseudolinken von den Grundsätzen der eigenen Partei entfernt sind, zeigt ein Blick in das Parteiprogramm der Linken. Dort heißt es u.a.:

Der Staat hat die Pflicht, Kultur zu schützen und zu fördern.

Wir setzen uns für den Erhalt der öffentlichen Kulturförderung ein und wenden uns gegen eine schrankenlose Liberalisierung und Verwertung kultureller Leistungen, gegen Privatisierungen und den Abbau öffentlicher Infrastruktur.

Wir wollen das kulturelle Leben in allen Regionen und Milieus fördern.

Weil Kunst ein wesentliches Moment der großen gesellschaftlichen Debatten ist, will DIE LINKE die eigenen Welten der Künste als autonome Räume, Experimentierfelder und Refugien sichern und schützen.

Für die Hagener UnLinken waren das schon immer fremde Welten. Bereits am 30.05.2005, als der Beschluss über den Vertrag zwischen Emil-Schumacher-Stiftung und Stadt Hagen auf der Tagesordnung des Stadtrates stand, stimmten die damaligen PDSler Manfred Weber (inzwischen verstorben) und Ralf Sondermeyer (immer noch Ratsmitglied, heute bei der UnLinken) gegen die Übereinkunft – gemeinsam mit zwei Rechtsextremisten, dem Hagen-Aktiv-Vormann Bücker und den längst in der Versenkung verschwundenen „Bürgern für Hagen“.

75 Jahre nach der Niederschlagung des Hitler-Faschismus wäre auch noch folgender Aspekt zu beachten: Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde Emil Schumacher (Foto: Ralf Cohen, CC BY-SA 3.0) wegen des Vorwurfs des „Kulturbolschewismus“ nicht in die Reichskammer der bildenden Künste aufgenommen.

Aber auch dieses Moment aus der Biografie Schumachers ist der kleinbürgerlichen Spießertruppe, die sich eine „linke“ Tarnkappe aufgesetzt hat, bei ihrem Kampf gegen das Museum, das einem der wenigen großen Söhne der Stadt gewidmet ist, egal.

Eine Antwort to “UnLinke gegen Emil”

  1. Abreißer Says:

    Ab-rei-ßen!!!

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