Beeinflusst CoVid-19 Mieten und Immobilienpreise?

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FernUni-Wissenschaftler: Der steigende Trend bei Mieten und Immobilienpreisen könnte durchbrochen werden

CoVid-19 ändert vieles, aber nicht alles. Ein Problem, das die Öffentlichkeit schon lange vor der Corona-Krise bewegte, dürfte auch in Zukunft (wieder) ein „Aufreger“ sein, so der Makroökonom Prof. Dr. Helmut Wagner von der FernUniversität in Hagen: Mieten und Immobilienpreise.

Er sieht jedoch Chancen, dass die langfristigen Trends auf beiden Märkten durch das Virus für eine gewisse Zeit unterbrochen werden. Vor allem dann, wenn der Staat im Zuge des Wiederaufbaus der Wirtschaft in den sozialen Wohnungsbau investiert und damit wenigstens in einem Teil des Mietwohnungsmarktes den Druck mindert.

In bestimmten Bereichen hält Prof. Wagner sogar dauerhaft sinkende Mieten für möglich. Mini-Appartements etwa werden gerne von Studierenden und mobilen Beschäftigten gemietet, oft als Zweitwohnung. Angesichts des sicher steigenden Trends zum Arbeiten im Homeoffice infolge von Corona könnte die Nachfrage sinken, denn Millionen von Beschäftigten haben die Erfahrung gemacht, dass man auch in geeigneten Wohnungen arbeiten kann, entfernt von Metropolen. Am anderen Markt-Ende, bei luxuriösen Mietwohnungen, sieht Wagner ebenfalls sinkende Preise: wegen Einkommensminderungen und „Vorsichtssparen“.

Preistreiber Nummer eins bei Mieten und bei Immobilienpreisen ist der – oft beruflich motivierte – Umzug in Metropolen, wo der großen Nachfrage ein viel zu knappes Angebot gegenübersteht. Berlin, München und Hamburg haben in den letzten zehn Jahren ihre Einwohnerzahlen um zusammen 700.000 gesteigert (insgesamt gewannen die 66 deutschen Großstädte allein von 2010 bis 2016 1,35 Millionen Einwohner).

Gleichzeitig sind – Stand Januar 2020 – die Mieten bei Neuverträgen in Ballungsgebieten weiter stark gestiegen: „In München um 61 Prozent, in Berlin um 104 Prozent“, erläutert Wagner. In weniger attraktiven Städten wie Duisburg, Gelsenkirchen oder Hagen stiegen die Mieten um 17 bis 22 Prozent: „Die Diskrepanz zwischen den Metropolen und dem Rest wird immer größer!“

Wo sollte aus volkswirtschaftlicher Sicht angesetzt werden? „Der Staat sollte im Zuge des Wiederaufbaus der Wirtschaft auch in den Sozialen Wohnungsbau investieren“, rät Wagner, „Das würde wenigstens in den preiswerteren Bereichen für eine Entspannung sorgen.“

Allerdings ist die Baubereitschaft in Deutschland insgesamt nicht hoch, schon gar nicht im Sozialwohnungsbau: „Viele Kommunen haben bisher viel zu wenig Mittel dafür abgerufen. Ihre Begründungen: keine Baufirmen, keine Bauflächen, Widerstand gegen neue Baugebiete…“

Eine offene Frage ist für ihn, ob bei einer länger andauernden Krise und angesichts immer teureren Wohnens der Sog der Metropolen nachlassen könnte, die ja auch viele Schattenseiten haben: „Dafür müsste im Umland die Infrastruktur für den privaten und den beruflichen Bereich besser werden, etwa das Internet für das Homeoffice, aber auch Verkehrsanbindung, Bildung und Kinderbetreuung bis hin zu medizinischer Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten.“

Prof. Helmut Wagner war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand vor wenigen Wochen Inhaber des Hagener Lehrstuhls für Makroökonomie.

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