Mehr Verlogenheit geht nimmer

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Ausgerechnet die CDU „entdeckt“ Wehringhausen

Märchenerzähler sind, so scheint es, zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Hagener Politikpersonals geworden. Was nicht passt, wird passend gemacht; Fehlentscheidungen werden nicht eingestanden, sondern mit Falschmeldungen übertüncht.

Kaum haben die Histörchen des grünen Ratsmitglieds Hans-Georg Panzer die Öffentlichkeit erreicht, betritt die CDU die Märchenbühne. Titel des Stücks im Vorfeld der Kommunalwahlen: „Wehringhausen“.

Das Viertel, zu dem die CDU traditionell immer ein – vorsichtig formuliert – etwas gespaltenes Verhältnis hatte und in dem für die Partei nie groß etwas zu holen war, wird seit einiger Zeit zum „künftigen Studenten- und Kreativstadtteil“ geadelt, was entweder von Ahnungslosigkeit zeugt oder darauf hindeutet, dass der befreundeten Kapitalklientel der Boden für Vermarktungschancen bereitet werden soll.

Einiges spricht für das Letztere. So soll der ehemalige CDU-Fraktionschef Wolfgang Röspel während seiner Amtszeit den Anstoß für das „Studenten- und Kreativquartier“ gegeben haben, wie die Geschäftsstelle der Fraktion mitteilt. Röspel ist allerdings in einem Alter, das es durchaus erlaubt, die jüngere Geschichte Wehringhausens zu kennen. Deshalb dürfte ihm bekannt sein, dass Wehringhausen bereits seit Jahrzehnten ein bevorzugter Standort für Künstler und Studenten ist – und nicht erst „künftig“ mithilfe der CDU dazu entwickelt werden muss.

Emil Schumacher hatte sein ganzes Leben lang seinen Wohnsitz in der Bleichstraße; das Künstlerpaar Roswitha Lüder und Rudolf Vombeck wohnte schon während ihrer Studienzeit Ende der 1950er Jahre am Bodelschwinghplatz und kehrte um die Jahrtausendwende mit einem Atelier in der Södingstraße nach Wehringhausen zurück. Jürgen Zellerhoff lebte hier genauso wie lange Jahre Barbara Wolff und Karl-Friedrich Fritzsche. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Anfang der 1970er Jahre wurde Wehringhausen zu einem bevorzugten Stadtteil für Studenten. Ehemals großbürgerliche Etagen mit teilweise mehr als 200 Quadratmetern Fläche boten ideale Voraussetzungen für Wohngemeinschaften. Vielen der aus dem sauerländischen Hinterland zugereisten Studenten, die an der damals noch existierenden Pädagogischen Hochschule oder der Fachhochschule Hagen immatrikuliert waren, diente Wehringhausen als eine Art „Kreuzberg-Ersatz“.

Auch für viele Musiker und Künstler des Theaters Hagen war und ist Wehringhausen ein bevorzugter Standort. Neben der günstigen Lage zur Innenstadt und einer funktionierenden Infrastruktur sind es vor allem die Altbaubestände aus den Zeiten von Historismus und Jugendstil, die den Stadtteil attraktiv erscheinen lassen.

Ein Faktum, das auch die CDU erkannt haben will. In den klassischen Hochschulstädten seien es die Altbaubestände, in denen sich Studenten häufig niederlassen, schreibt die Partei in einer Mitteilung auf ihrer Homepage. Besonders mit diesem Punkt entlarven sich die selbsternannten „Christdemokraten“ auf das Feinste: Es waren doch die CDU und speziell der selbst in Wehringhausen wohnende (!) Hagener Parteivorsitzende Christoph Purps, die den Abriss des Gründerzeitblocks 1 maßgeblich befördert haben und zwecks Unterstützung sogar die NRW-„Heimat“- und Bauministerin Scharrenbach einfliegen ließen.

Und jetzt spielen die Purpsisten plötzlich ohne jeden Anflug von Scham die Lordsiegelbewahrer Wehringhauser Altbauten, um sich einen Studenten- und „Kreativen“-Zoo nach ihren Vorstellungen zu basteln? Mehr Verlogenheit geht nimmer.

Eine Antwort to “Mehr Verlogenheit geht nimmer”

  1. KranichMuss Says:

    Die Partei, die sich in ihrem Parteinamen auf den Religionsstifter bezieht, verhält sich traditionell weniger in Richtung heilig, sondern eher mit Silbenzusatz “ schein “ davor, weshalb es regelmäßig nicht verwundert.So auch beim Abriß von Block 1, den jedoch ebenfalls Teile u.a. der SPD, Grünen und nicht zuletzt Schulz, der den Vollzug der Genehmigung hätte aussetzen können, zu verantworten haben.
    Traditionell ist auch, daß Wehringhausen nicht nur ein Studenten-u. Kreativstadtteil, sondern Arbeiterviertel ( Stichw. Varta u. andere Betriebe ) ist, auch wenn sich dies im Laufe der Zeit ein Stück weit verändert hat.
    Man kann zu Schumachers Werken stehen, wie man will, es ist – gleich anderen Kunstwerken – Geschmackssache. Nach eigenem Bekunden wollte er ein sehr berühmter Künstler werden, was er dann ja geschafft hat, dies aber auch etwas aufzeigt.. . Überhaupt ist es bei der weitgehend von Kritik verschonten Künstlerszene so, daß sich hierunter viele Ego-u. Exzentriker ( und auch Narzissten ) befinden, die sich hoher Eitelkeit erfreuen und abheben wollen ( wie ebenfalls so mancher ( angehende ) Akademiker ), nicht immer die angenehmsten Zeitgenossen.. .
    Jedem das seine, aber einen ( zu ) hohen Studenten-/Akademiker/ Künstler – Proporz – auch anderer Art – wünsche ich Wehringhausen nicht, hingegen einen gesunden Mix mit Menschen aller Couleur.

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