Aus Fehlern lernen? Aber nicht doch!

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Die wirtschaftlichen Interessen des Bespaßungsgewerbes rangieren vor dem Gesundheitsschutz

Der Hagener Stadtrat hat in seiner wider alle Vernunft durchgesetzten Sitzung am Donnerstag den für Sonntag (29.03.2020) im Stadtteil Hohenlimburg im Rahmen eines „Bauernmarktes“ geplanten verkaufsoffenen Sonntag abgesagt. Praktisch in letzter Minute war vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie bei den mit nur 2/3 der Sollstärke angetretenen Ratsmitgliedern doch noch die Einsicht gereift, dass ein solcher Massenauflauf nicht unbedingt in die Zeit passt.

Noch am 12.03. hatte der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) dem Treiben ersatzweise grünes Licht erteilt, da „der Rat der Stadt Hagen den Beschluss über die Ordnungsbehördliche Verordnung nicht rechtzeitig vor der geplanten Veranstaltung des verkaufsoffenen Sonntages und der notwendigen Veröffentlichung fassen kann“.

Nach Angaben des Rechts- und Ordnungsdezernenten Thomas Huyeng hatte der Veranstalter den entsprechenden Antrag nicht rechtzeitig gestellt. Man habe deshalb den Weg über den HFA gewählt, damit die Veranstaltung noch ermöglicht werden kann. Corona hin oder her.

Bereits einen Tag zuvor, am 11.03., hatte das Hagener Theater alle Veranstaltungen bis mindestens 18.04.2020 abgesagt – auf dringende Empfehlung des Krisenstabes der Stadt Hagen! Obwohl die Situation also in ihrer Tragweite den Beteiligten bekannt war, fiel die Entscheidung für den Shopping-Sonntag mit 17 Ja- bei 2 Neinstimmen. Besonders bezeichnend ist die Tatsache, dass eine der Ja-Stimmen die des Oberbürgermeisters war, der sich an anderer Stelle gerne damit brüstet, die Leitung des Corona-Krisenstabes innezuhaben.

Jetzt könnte man annehmen, dass Erik O. Schulz und die Ratsmitglieder (auch im HFA sind nur Ratsmitglieder vertreten) aus ihrem Versagen die richtigen Lehren gezogen hätten. Dem ist aber mitnichten so.

Denn schon am 10.05. steht mit „Hagen blüht auf“ das nächste Massenspektakel an. Bereits heute ist mit ziemlicher Sicherheit absehbar, dass sich die Corona-Krise bis dahin nicht erledigt haben dürfte. In Bayern wird inzwischen sogar die Streichung des Oktoberfestes erwogen.

Die Verwaltung übernimmt in der von ihr erstellten Beschlussvorlage derweil die Aufgaben einer Werbeagentur und preist die geplante Veranstaltung in der Innenstadt mit Inbrunst an: „Der Hagener Schaustellerverein verwöhnt über das gesamte Wochenende die kleinen und großen Besucher, indem die Schausteller zwischen dem Adolf-Nassau-Platz und dem Friedrich-Ebert-Platz in frühlingshafter Dekoration beliebte Klassiker aber auch neue Angebote für die Besucher präsentieren.“

Das überzeugte am Donnerstag die meisten der noch erschienenen Ratsmitglieder, nicht nur die aus der OB-Allianz des Grauens, sondern auch viele aus der „Opposition“: 35 von ihnen stimmten zu, 5 lehnten ab, 2 enthielten sich. Auch der Leiter des Corona-Krisenstabes, Oberbürgermeister Schulz, votierte mit Ja.

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