Männer ohne Plan

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Lokalchef interviewt Lokalchef

Am Samstag erschien in der WPWR ein Interview mit Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz (siehe hier, Bezahlschranke). Verantwortlich zeichnete der Chef der Lokalredaktion des heimischen Blattes, Michael Koch. Es ging viel um Gefühle, und wenn es mal politsch wurde – was bei einem Gespräch mit dem Oberbürgermeister selbstverständlich sein sollte – blieben Nachfragen meistens aus.

Schon der Einstieg beschäftigte sich nicht etwa mit der Frage nach – theoretisch eventuell vorhandenen – Plänen, wie Hagen wieder nach vorn gebracht werden könnte. Es ging nur darum, ob OB Schulz „mit Siegesgewissheit in die Kommunalwahlen“ geht oder um die „Angst, dass es mit der Wiederwahl nicht klappen könnte“. Eine Angst, die offenbar auch den Interviewer umtreibt.

Schulz antwortete darauf: „Ich habe Lust, noch einmal Oberbürgermeister zu werden. Ich gehe mit der Aussage zu den Hagenerinnen und Hagenern, dass es aus meiner Sicht gute Gründe gibt, dass ich meine Arbeit fortsetzen kann.“

Um welche „guten Gründe“ es sich dabei handelt, erläuterte Schulz nicht – und Interviewer Koch sah auch keine Veranlassung nachzufragen. Ersatzweise schaltete er in Richtung Homestory um: „Hat das Oberbürgermeister-Amt den Menschen Erik O. Schulz in den letzten fünf Jahren verändert?“

Da versinkt der OB gleich „dankbar“ in „Demut“: „Ich habe so viel Neues kennengelernt in den vergangenen Jahren. Auch vieles, mit dem ich sonst nicht in Berührung gekommen wäre.“

Zum Beispiel die Mobilitätswende, die Schulz als einen seiner „Top-3-Erfolge“ reklamiert. Die wurde zwar zuerst von der SPD eingefordert, während Schulz und seine Allianz-Freunde selbst Kleinigkeiten abblockten – aber was soll’s? Später schlossen sich die Grünen den SPD-Forderungen an, um nicht vollends die Reputation bei ihren Wählern zu verlieren. Dass dann auch noch die Hardcore-Bestandteile der Allianz des Grauens ihren ideologisch motivierten Widerstand aufgaben, ist allerdings nur der anstehenden Klage der Deutschen Umwelt-Hilfe wegen des seit zehn Jahren andauernden Verstoßes der Stadt Hagen gegen rechtsgültige Richtlinien zur Luftreinhaltung zu verdanken sowie daraus ebenfalls resultierenden drohenden Strafzahlungen.

WPWR-Interviewer Koch führt derweil sein Geplänkel fort mit einer für die Zukunft der Stadt äußerst überlebenswichtigen Frage: „Wann können die Hagener ihren ersten Cocktail im neuen Beach-Club am Hensteysee trinken?“

Die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze in Hagen ist dagegen in dem gesamten Interview kein Thema. Gerade erst musste die Verwaltung im Zusammenhang mit einer Hotelplanung im Bereich der FernUni einräumen, dass der ehemals an dieser Stelle geplante „Wissenspark“ mangels Interessenten gescheitert ist. Ebenso hätten die Hagener gerne gewusst, ob es seitens der Stadt Bemühungen gegeben hat, den traditionellen Batteriestandort („Varta“) im Rahmen der Diskussion um Elektrifizierung des Verkehrs wieder aufzuwerten und sich um Neuansiedlungen oder Betriebserweiterungen zu bemühen.

Doch wo keine Frage ist, gibt es auch keine Antwort. Fragesteller Koch spielt stattdessen lammfromm den Stichwortgeber und OB Schulz kann sich sicher sein, dass nicht unbotmäßig nachgehakt wird.

Der Kandidat für den Hagener Chefposten darf sich unbehelligt in Verweigerung üben. Auf die Frage: „Welche Projekte werden Sie konkret als OB auf den Weg bringen?“ antwortete der Mann, der anscheinend planlos die nächste Wahlperiode erobern will: „Ich bin schon in den letzten Wahlkampf ohne große Versprechungen gegangen.“ Es werde auch jetzt „keine Werbeprojekte“ geben.

Andere aber offenbar auch nicht.

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