Holocaust-Überlebender aus Hagen in Berlin verstorben

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Herbert Shenkman wuchs in Hagen auf, wurde deportiert und entkam aus dem Vernichtungslager Auschwitz. Er starb am 15. Dezember in Berlin. (…)

Shenkmann wurde am 20. Dezember 1923 in Hagen geboren. Als er drei Jahre alt war, starb sein Vater. Bei der Mutter und den Großeltern wuchs er in der Stresemannstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs auf. Er besuchte einen christlichen Kindergarten in Wehringhausen. Eingeschult wurde er an der jüdischen Volksschule ab der Potthofstraße, dort, wo sich heute die Synagoge der Jüdischen Gemeinde befindet. Später wechselte er an die Mittelschule Altenhagen.

Ab 1937 aber ist es jüdischen Kindern verboten, Schulen zu besuchen. Herbert Shenkman beginnt eine Vorlehre als Schlosser in Köln, erlebt hier in einer Pension die Reichspogromnacht. „Meine Mutter war an jenem Tag zu mir gekommen und hatte mich gewarnt, nach Hagen zurückzukehren. Mein Onkel, der als Zahnarzt in Priorei arbeitete, musste fliehen, als die Gestapo an seine Tür klopfte. Sie glaubte nun, dass es die Gestapo als nächstes auf mich abgesehen hätte.“

Nach seiner Rückkehr nach Hagen arbeitet Herbert Shenkman als Hilfsarbeiter beim Bauunternehmen Reiß in Delstern. Mehrfach gelingt es seinem Chef, ihn vor der Deportation zu bewahren, weil der den Nationalsozialisten erklärt, dass Shenkman unabkömmlich sei. 1940 wird er gezwungen, die eigene Wohnung zu verlassen und in ein Judenhaus an der Potthofstraße zu ziehen. Am 30. Juli 1942 kann auch sein Chef ihn nicht mehr retten. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Dazu:

Zum Tod von Herbert Shenkmann: Interview aus dem Jahr 2012

In Hagen hat sich ein Bündnis gegen Rechts formiert. Sorgt Sie der Rechtsradikalismus in Deutschland?

Shenkman: Die Ratten, die sich nach 1945 plötzlich alle verkrochen hatten, kommen jetzt wieder hervor – mit all ihren Ideologien und ihrem Hass. Aber ich glaube und hoffe, dass es nicht mehr so sein kann, wie es einst gewesen ist. (…)

Quelle: wp.de (Bezahlschranke)

Anmerkung: Selbst diesen nicht nur historisch wichtigen Beitrag, der zu mindestens 90 Prozent aus Originalton Shenkmann besteht und bereits sieben Jahre alt ist, nutzt die Funke-Gruppe dazu, um ihre Kasse aufzufüllen. Bemerkenswertes findet sich in einem Bericht der Berliner Zeitung (ohne Bezahlschranke) anlässlich der Beisetzung Herbert Shenkmans:

Bei einem Besuch im Hagener Rathaus wird ausgerechnet er gefragt, ob es nicht schade sei, dass der Bürgermeister aus Nazi-Zeiten nicht wie die anderen Bürgermeister mit Foto an der Wand verewigt sei. Eben jener Mann, der die Deportationen anordnete. „Diese Frage an mich!“, schreibt Shenkman an einer Stelle. „Ich hatte den Eindruck, in ein Nazi-Nest zu kommen…“

Das war 1960 und dieser Eindruck ließ sich nicht ganz von der Hand weisen. Ein damaliger Liebling der veröffentlichten Meinung in Hagen, der Brauereibesitzer, Großwildjäger und SS-Mann Carl-Horst Andreas, hatte zwei Führungspositionen seines Unternehmens mit Gesinnungskumpanen und hochrangigen Offizieren der Verbrecherorganisation besetzt: SS-Brigadeführer Kurt Meyer („Panzermeyer“) fungierte als Vertriebschef der Braustätte und SS-Hauptsturmführer Oskar Pahnke war Werbeleiter.

Pahnke, der es nahtlos zum CDU-Funktionär gebracht hatte und mit Morden in den Niederlanden in Verbindung gebracht wird, wurde anlässlich seines Todes 2009 von Parteifreunden ausgerechnet mit einem Zitat des von den Nazis hingerichteten Theologen Dietrich Bonhoeffer „geehrt“. Der Eindruck Shenkmans hatte sich also auch fünf Jahrzehnte später nicht verflüchtigt.

Weitere Hintergründe sind in dem Blog eines nicht bekannten aber offenbar gut informierten Autors nachzulesen: https://deutschegeschichtenblog.wordpress.com/

Eine Biografie Herbert Shenkmans hat das Hagener Stadtmuseum veröffentlicht (siehe hier).

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