Manipulation durch Weglassen

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Wie Medien mittels Halbwahrheiten das Wutbürgermilieu anfachen

Als großer Kracher geisterte in der vergangenen Woche eine Studie des Umweltbundesamtes durch die Medien. „Umweltbundesamt will 70 Cent mehr pro Liter Diesel“ titelte ein Regionalblatt beispielsweise, und die Bildzeitung wusste sofort: „Völliger Quatsch“.

Die heimische Westfalenpost lieferte zu dem Papier wenigstens ein bisschen Hintergrund: Die Überlegungen beständen „nicht ohne Grund: Während in der Industrie die Emissionen seit den 90er-Jahren zurückgegangen sind, stagnieren die Zahlen beim Verkehr“.

Das hielt den Chefredakteur der Zentralredaktion der Funke-Mediengruppe (von der die WP den größten Teil ihrer überregionalen Inhalte bezieht) nicht davon ab, im selben Blatt kräftig vom Leder zu ziehen: Das Umweltbundesamt verprelle die Bürger. Jörg Quoos, so der Name dieses Mannes, der den meisten der in Beschlag genommenen „Bürger“ völlig unbekannt sein dürfte, weiß auch: „Die Leute jeden Tag mit neuen Horror-Vorschlägen zu erschrecken ist der völlig falsche Weg.“ Und er warnt davor, „immer mehr Menschen endgültig in die Arme politischer Bauernfänger zu treiben.“ Ironischerweise genau das Geschäft, das er mit seinem Kommentar betreibt.

Was weiter nicht verwundern darf, hat er doch seine Lehrjahre als Journalist zu großen Teilen bei einschlägig berüchtigten Medien verbracht. Laut Wikipedia tummelte sich Quoos 20 Jahre lang bei der Bildzeitung. Seit 1992 als Ressortleiter, von 1997 bis 2001 als stellvertretender Chefredakteur für Politik und Wirtschaft, von 2001 bis 2004 als Mitglied der Chefredaktion Bild und Bild am Sonntag. Seit Ende 2004 war er neben Alfred Draxler Stellvertreter des Chefredakteurs Kai Diekmann.

Was der Mann mit den „Horror-Vorschlägen“ genauso wie seine Kollegen bei ähnlich gelagerten Blättern geflissentlich unterschlägt, sind die in der Studie des Umweltbundesamts empfohlenen Vorschläge, wie die Mehreinnahmen sozialverträglich an die Bürger zurückerstattet werden könnten. Diese Informationen passten offensichtlich nicht zu der von Quoos und seinen Gesinnungsfreunden verfolgten politischen Agenda.

Im Kapitel „Nachhaltige Mobilität für alle“ der Studie heißt es dazu:

Ein entscheidender Punkt für die Sozialverträglichkeit ist, wie der Staat die steuerlichen Mehreinnahmen verwendet. Senkt er zum Beispiel bei Einführung einer CO2-Komponente in der Energiesteuer die EEG-Umlage, stellen sich Haushalte mit niedrigen Einkommen im Durchschnitt nicht schlechter, sondern besser.

Gleiches gilt, wenn die Mehreinnahmen in Form eines Ökobonus direkt an die Bürgerinnen und Bürger ausgezahlt werden, wie dies bereits in der Schweiz erfolgreich praktiziert wird. Zudem können Mehreinnahmen auch gezielt zur Abfederung sozialer Härten und zur Senkung anderer Steuern und Abgaben eingesetzt werden. In jedem Fall sollten die Mehreinnahmen zur Förderung des öffentlichen Verkehrs verwendet werden, was attraktive Alternativen zum Autofahren schafft.

Außerdem kann eine klimafreundliche Mobilität auch Kosten bei jedem und jeder Einzelnen sparen. (…) So können Autofahrerinnen und -fahrer den schrittweise steigenden Kosten durch Steuern und Abgaben entgehen, in dem sie beim nächsten Fahrzeugkauf umwelt- und klimafreundlichere Fahrzeuge wählen.

Auch wer konsequent Verkehrsmittel wie Busse, Bahnen oder das Fahrrad nutzt, kann bares Geld sparen. Daher ist es wichtig, dass der öffentliche Verkehr entsprechend ausgebaut und attraktiver gemacht sowie die Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr verbessert werden. (…)

Zudem gibt es direkte Synergieeffekte zwischen Umweltschutz und sozialen Zielen: So profitieren von klimaschädlichen Subventionen derzeit vor allem einkommensstarke Bevölkerungsschichten – beispielsweise bei der steuerlichen Begünstigung von Dienstwagen. Eine Abschaffung der Privilegien sorgt für mehr soziale Gerechtigkeit. Außerdem sind Haushalte mit niedrigen Einkommen überdurchschnittlich von Umwelt- und Gesundheitsbelastungen betroffen, weil sie oft an Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen wohnen. (…)

All das wird von Quoos & Co nicht einmal genannt, geschweige denn einer kritischen Würdigung unterzogen. Diese Art von Weglassen wesentlicher Informationen stellt ein wirksames Instrument zur Manipulation der öffentlichen Meinung dar, mit der das Wutbürgermilieu weiter angefacht wird.

Wenn die AfD auf Zack ist, hat sie für Quoos aus Dankbarkeit schon ein Weihnachtspäckchen zur Post gebracht.

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