Verschiedene Stereotype über Migrantengruppen

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Deutsche nehmen Menschen mit Migrationshintergrund unterschiedlich wahr – je nach ethnischer Zugehörigkeit. Das zeigt eine Studie von FernUni-Psychologin Laura Froehlich

Psychologin Laura Froehlich forscht an der FernUniversität zu gesellschaftlichen Stereotypen. Foto: FernUni.

Frei von Vorurteilen aufeinander zuzugehen – das wäre wohl der beste Weg zu einem harmonischen Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Die Realität in Deutschland sieht anders aus: Die gegenseitige Wahrnehmung ist geprägt von Stereotypen.

Dass die ethnische Herkunft von Migrantengruppen starken Einfluss darauf hat, wie Deutsche über sie denken, belegt eine aktuelle Studie an der FernUniversität in Hagen. Hauptautorin ist Dr. Laura Froehlich, die im Lehrgebiet Sozialpsychologie von Prof. Dr. Stefan Stürmer tätig ist. Gemeinsam mit der Masterstudentin Isabel Wildförster veröffentlichte sie den Artikel „Warmth and competence stereotypes about immigrant groups in Germany” in der Open-Access-Zeitschrift PLoS ONE.

„Die deutsche Bevölkerung ist ethnisch heterogen“, erklärt Laura Froehlich. „Fast ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen hat einen Migrationshintergrund.” Soziale Spannung ist oft die Folge, sie zu vermeiden eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

Aus Sicht der Psychologin ist Integration jedoch keine Einbahnstraße: „Häufig wird von Migrantinnen und Migranten gefordert, sich zu integrieren. Dazu muss aber auch die deutsche ‚Mehrheitsgesellschaft‘ einen Beitrag leisten.“ Verallgemeinerungen stehen dabei im Weg. Die vorherrschenden Stereotype konkret zu erfassen, ist der erste Schritt zu ihrer Überwindung.

Hier setzten die beiden Autorinnen mit ihrer Studie an: 200 Teilnehmende schätzten ein, wie Deutsche auf 17 verschiedene, hier lebende Migrantengruppen blicken. Dabei bewerteten sie die Stereotype entlang zweier Dimensionen. Einerseits mit Blick auf die wahrgenommene Wärme – also den Grad, wie sympathisch und freundlich eine Gruppe erscheint. Andererseits in Bezug auf die wahrgenommene Kompetenz. Damit ist gemeint, wie zielstrebig und erfolgreich die Gruppe wirkt. Darüber hinaus fragte die Studie nach dem Verhalten, das Deutsche gegenüber den einzelnen Migrantengruppen tendenziell an den Tag legen.

Die Ergebnisse bildet ein Koordinatensystem mit den beiden Achsen Wärme und Kompetenz ab. Darin verteilen sich die Gruppen sehr unterschiedlich: „Gerade neu eingewanderte Gruppen aus Krisenregionen wie dem Balkan und Nordafrika werden negativ bewertet“, fasst Froehlich zusammen. So gelten unter Deutschen vor allem Menschen aus diesen Regionen als inkompetent und kalt. Etwa mittig auf dem Koordinatensystem finden sich Gruppen aus Polen, Russland und der Türkei wieder. Sich selbst sowie Migrantinnen und Migranten aus China schätzen die Deutschen als äußerst kompetent ein. Als ausgesprochen warm bewerten sie hingegen Personen mit griechischen oder italienischen Wurzeln.

Damit einher gehen die Befunde zum tendenziellen Umgang mit den Migrantengruppen: „Stereotype bestimmen maßgeblich, wie sich die meisten Deutschen verhalten. Je positiver eine Gruppe wahrgenommen wird, desto mehr Unterstützung ist für sie zu erwarten.“

Vorangegangene Forschungsarbeiten zeigten übrigens, dass sich das schlechte Image mancher Minderheiten wiederum auf sie selbst auswirkt, betont Froehlich: „Die Betroffenen kriegen die Stereotype natürlich auch mit! Das kann zum Beispiel dazu führen, dass sie schlechter im Bildungssystem abschneiden.“ Die neuen Daten liefern der sozialpsychologischen Forschung nun weitere Anhaltspunkte dazu, welche Migrantengruppen in Deutschland besonders benachteiligt sind und stärker in den Fokus rücken sollten.

Warum sie je nach Herkunft „besser“ oder „schlechter“ angesehen sind, muss indes weiter erforscht werden. Als wärmer werden Gruppen eingeschätzt, die Deutsche nicht als Konkurrenz oder Bedrohung wahrnehmen. Kompetent wirken sie wiederum, wenn sie einen hohen gesellschaftlichen Status haben.

„Interessant ist, dass die Migrationsgeschichte nicht alles aufklärt: Zum Beispiel sind Türkisch- und Italienischstämmige zur selben Zeit und mit demselben Zweck, nämlich zur Gastarbeit, nach Deutschland gekommen“, sagt Laura Froehlich. „Trotzdem werden Migrantinnen und Migranten aus Italien einfach positiver gesehen.“ Hieran lassen sich aus Sicht der Forscherin weitere Studien anschließen – etwa zu der Frage, welche Rolle die kulturelle Nähe von Gruppen zueinander spielt.

Zur Studie in der Open-Access-Zeitschrift PLoS ONE

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