Hagen beweist weiterhin Mut zur Hässlichkeit

by

Stadtentwicklungsausschuss lehnt Gestaltungsbeirat ab

Die von den Planern des „Integrierten Stadtentwicklungskonzepts“ (ISEK) vorgeschlagene Einrichtung eines Gestaltungsbeirats für Hagen ist vom Stadtentwicklungsausschuss (StEA) einstimmig abgelehnt worden.

Dabei war im ISEK-Entwurf bereits sehr zurückhaltend formuliert worden: „Für städtebauliche, architektonische oder landschaftsarchitektonische Planungs- und Gestaltungsfragen, insbesondere im Zusammenhang mit Baumaßnahmen, die aufgrund ihrer Größe und Bedeutung das Stadtbild prägen“, empfehle sich die Einberufung eines Gestaltungsbeirats. So bestehe die Möglichkeit, „externe Experten aus den Bereichen Architektur, Städtebau oder Landschaftsarchitektur als Berater der Politik und Verwaltung in die Umsetzung von Einzelprojekten einzubeziehen.“

Aber selbst diese Zurückhaltung war für den StEA schon zuviel des Guten. Bereits im Vorfeld hatte die Splitterpartei FDP (3,6 Prozent bei der Kommunalwahl 2014) einen Antrag eingebracht, in dem sie bezogen auf den Gestaltungsbeirat forderte: „Die Maßnahme wird gestrichen.“ In der Begründung behaupten die „Liberalen“, die Einrichtung eines Gestaltungsbeirates widerspreche einem einstimmig gefassten Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses vom 10.05.2016.

Das ist allerdings falsch. Beschlossen wurde lediglich eine Zurückstellung wegen eines Wunsches „nach zusätzlicher Erfahrungserkundung in vergleichbaren Kommunen“. Danach sollte eine „erneute Befassung“ erfolgen.

Gestaltungsbeiräte existieren in Nordrhein-Westfalen nicht nur in „vergleichbaren“ Kommunen, sondern in Gemeinden unterschiedlichster Größenordnung. Ob groß oder klein spielt in diesem Kontext überhaupt keine Rolle, denn es handelt sich bei dem Thema nicht um Quantitäten sondern um Qualitäten. Das muss man in einem Hagener Ratsausschuss nicht unbedingt verstehen.

Nach Angaben der Architektenkammer arbeiten in Nordrhein-Westfalen Gestaltungsbeiräte aktuell in 53 Kommunen. Die Kammer begrüsst ausdrücklich diese Beratungsgremien und begründet deren Notwendigkeit: „Nicht aus konkurrierenden Verfahren wie etwa dem seit mehr als hundert Jahren bewährten Architektenwettbewerb, sondern aus Planungen von Investoren entstehen heute die meisten Bauprojekte. Da solche Vorhaben oftmals aufgrund ihrer Größe oder Bedeutung das Stadtbild prägen, stehen Kommunen regelmäßig vor der Herausforderung, auch in Fragen der Alltagsarchitektur zu einer anspruchsvollen Architekturqualität zu kommen.“

Der Gestaltungsbeirat der Stadt Aachen besteht bereits seit den 1950er Jahren. „Beraten werden Vorhaben, deren Gestaltqualität einen wesentlichen Einfluss auf den öffentlichen Raum der Stadt hat. Das Spektrum reicht dabei von städtebaulich bedeutenden Großvorhaben bis hin zur Schließung einer kleinen Baulücke in der Innenstadt“, so die Stadt Aachen.

Ähnlich die Situation im wesentlich kleineren Arnsberg. Dort reicht die Bandbreite der Themen von Fassadengestaltungen zu einzelnen Gebäuden oder deren Stellung im städtischen Kontext, über Verfahrensempfehlungen zur Konfliktbewältigung bei Neubauvorhaben bis zur Konsultierung des Beirates bei der Überarbeitung von stadträumlichen Entwicklungskonzepten.

Der Arnsberger Beirat setzt sich aus vier stimmberechtigten Mitgliedern (qualifizierte Fachleute aus den Gebieten Städtebau, Stadt- und Landschaftsplanung, Architektur und/oder Denkmalpflege) sowie aus vier weiteren, nicht stimmberechtigten Mitgliedern (Vorsitzender des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt, dessen Stellvertreter, dem Planungsdezernenten und dem Leiter des Fachdienstes Bauen-Wohnen-Denkmale) zusammen.

Zur Vermeidung der im Zusammenspiel zwischen Kommunalpolitik und Bauszene immer wieder auftauchenden Gefälligkeiten und Bevorteilungen (Korruption) dürfen die stimmberechtigten Mitglieder weder in Arnsberg wohnen, noch innerhalb der letzten zwei Jahre hier gearbeitet haben.

In Hagen ist das alles nicht gewünscht. Man will sich wohl weiterhin in jeder Beziehung alle Türen offen halten. Mut zur Hässlichkeit inklusive.

2 Antworten to “Hagen beweist weiterhin Mut zur Hässlichkeit”

  1. Jürgen Dute Says:

    So ist Hagen halt! Eine ehemals aufstrebende Stadt, DACHTEN SIE, aber die SOZIS haben es zurecht gerichtet. Und das Schlimme ist, diese SOZIS habe ich mal gewählt! Gott verzeih mir!

    • hansimäuschen Says:

      Bereits der Mensch verzeiht, weil er ahnt, daß es keineswegs nur die SOZIS waren und es anno Dusselig ( Allianz der Zeitgeist –
      “ Vernunft “ ) vornehmlich auch gar nicht sind. Schwamm drunter.
      Außerdem, der Haushaltsausgleich steht ja, wenn auch rigide und bedrückend albern lächelnd durch “ Lang und Doof “ dargeboten.. Wenigstens das

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: