Hagener Rat: Sport wichtiger als Bildung

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Sanierung des Hohenlimburger Lennebads in die Wege geleitet

Der Hagener Stadtrat hat den Weg frei gemacht, eine Sanierung des in die Jahre gekommenen Lennebads im Stadtteil Hohenlimburg einzuleiten. Über einen Antrag in dem Förderprogramm des Bund-Länder-Investitionspakts „Soziale Integration im Quartier“ soll ein Großteil der hierfür notwendigen Finanzmittel beschafft werden.

Die Stadt muss allerdings einen Eigenanteil in Höhe von 480.000 Euro aufbringen. Der sollte nach Vorstellung der Verwaltung je zur Hälfte aus der Sportpauschale und der Schulpauschale abgezweigt werden.

Bis zum Schluss wurde in den Gremien darum gerungen, woher die Eigenbeteiligung der Stadt letztendlich kommen soll. Während der Schulausschuss das von der Verwaltung vorgeschlagene Finanzierungsmodell mittrug, schoss der Sportausschuss quer.

Die Oberhand erlangte letztendlich der Sportausschuss (unter Vorsitz von Dietmar Thieser) mit seinem Beschluss, 25 Prozent aus der Sportpauschale „beisteuern zu wollen“, wie die SPD mitteilte. Der Rest des Betrages komme aus der Bildungspauschale.

Ein Blick in den Belegungsplan des Lennebads, der den letzlich entscheidenden Ratsmitgliedern vorlag, zeigt aber, dass der Schulsport nur einen Bruchteil der Zeit in Anspruch nimmt, den die Vereine belegen. Trotzdem sollen 75 Prozent des städtischen Eigenanteils an der Sanierung aus der Schulpauschale finanziert werden.

Laut Gemeindefinanzierungsgesetz soll die Schul-/Bildungspauschale „für den Neu-, Um- und Erweiterungsbau, den Erwerb, die Modernisierung und für raumbildende Ausbauten sowie für die Einrichtung und Ausstattung von Schulgebäuden und kommunalen Kindertageseinrichtungen eingesetzt werden“. Die Mittel aus der Sportpauschale sind „für die Einrichtung und Ausstattung von Sportstätten einzusetzen“.

So sinnvoll sicherlich nach 50 Jahren und einem gewaltigen Investitionsstau eine Sanierung des Hohenlimburger Hallenbads ist, so auffällig ist die Prioritätensetzung des Stadtrats. Die Gelder, die aus der Schulpauschale verwendet werden, stehen natürlich an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung.

Es ist bezeichnend: Der Sport- und Freizeitausschuss (der heißt in voller Bezeichnung tatsächlich so) nimmt eine gewichtigere Rolle ein als der Schulausschuss. Für die politischen Gremien der Stadt Hagen ist Sport wichtiger als Bildung.

2 Antworten to “Hagener Rat: Sport wichtiger als Bildung”

  1. Tenzing Says:

    Die Sportpauschale beträgt insgesamt 500.000€ und die Bildungspauschale 22 Mio! Es kann also keine Rede davon sein, das der Sport wichtiger ist als die Bildung.

    • ws Says:

      Die Bildungspauschale beträgt laut Haushaltsentwurf für 2020 8,6 Mio. Euro – und nicht 22 Mio. Euro. Dabei ist die Höhe der einzelnen Zuweisungen nicht entscheidend bei der Frage, ob diese Zahlungen entsprechend ihrer Zweckbestimmung verwendet werden. Die überproportionale Umschichtung der Mittel beim Lennebad ist, wenn man die zeitliche Nutzung von Schulen und Vereinen vergleicht, jedenfalls nicht gerechtfertigt. Dass der Rat es trotzdem so beschlossen hat, bedeutet sehr wohl, dass dieser den (Vereins-)Sport für wichtiger hält als den Bildungsbereich, der seit Jahren vernachlässigt wird.

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