Anja Brogan – Size matters

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30.6. – 11.8.2019, Osthaus-Museum Hagen

Anja Brogan: Reductions, Copyright Anja Brogan – Jonas Braus

Im ersten Teil ihrer Ausstellung Size Matters I treffen die Besucher auf minimalistische und sehr reduzierte Installationen der Künstlerin. Anja Brogans Raumbilder fungieren als gesellschaftspolitische Kommentare und unterscheiden sich dadurch von den vielen, rein ästhetischen Positionen.

Die „avantgardistische Feministin“, Anja Brogan, so wie sie ein amerikanischer Kritiker betitelte, setzt sich in ihren Arbeiten immer wieder mit der gesellschaftlichen Rolle auseinander, beispielsweise in Ihrer Arbeit: Ladies Lounge. In dieser begrüßt die Künstlerin den Rezipienten in ihrer Arbeit mit einem Stimmengewirr aus feministischen Zitaten, sozialen Manifesten und begehrenden Wünschen. Die Wahrnehmung des Werks wie des Raumes durch den Betrachter wird in eine instabile Erfahrung übersetzt, die sich einer festschreibenden Form von Erkenntnis widersetzt. Es entsteht ein nicht zuletzt im Geräusch der Stimmen rhythmisiertes Raumbild, das „sehendes“ Erfassen, körperliche Erfahrung von Raum und Hören in einem fortwährenden Kreislauf kurzschließt.

Auch die zweite Arbeit der Ausstellung „Du bist so schön, wenn Du traurig bist“ im Oberlichtsaal des Altbaus erscheint zunächst als irritierender leerer weißer Raum. Man ahnt schon das nächste Störmanöver und bemerkt bei genauer Betrachtung, dass die Wände „bezeichnet“ und markiert sind. Auch dieser Raum flüstert den Besuchern etwas zu, nur diesmal als überdimensionierten Schriftzug, quasi wie in einer Werbebotschaft. Mit ihrer reduzierten, traurig-beklemmenden Schriftarbeit durchkreuzt Brogan das Durch- und Nebeneinander von Verzweiflung und Verlangen, Frustration und Hoffnung.

In den Ausstellungsräumen des Neubaus im Osthaus Museum ist die raumgreifende Werkserie Reductions zu sehen. Schon der Titel verweist auf das Problembündel gesellschaftlicher Verdrängung, politischer Ausblendung und mangelnder öffentlicher Sichtbarkeit. Auch in dieser Arbeit verkehren sich Banalität und Harmlosigkeit bürgerlicher Szenarien in ihr Gegenteil.

Die Künstlerin untersucht klassische deutsche Tageszeitungen auf ihre psychoanalytisch beschreibbaren Motive und Konstellationen. Sie dechiffriert die visuelle Grammatik des Unbewussten, d.h., Brogan streicht so lange Buchstaben, Wörter, Zeilen und Textabschnitte bis sich durch das Schwärzen in den untersuchten Tageszeitungsseiten sexuelles Begehren und Aggression demaskieren. Die Wörter erscheinen nunmehr als gespenstische, unheimliche Wiedergänger.

Es ist geplant, dass Size Matters in den nächsten zwei Jahren im Osthaus Museum einen zweite Version erhält. Die Erfahrungen der ersten Ausstellung werden in der nachfolgenden Präsentation eine wichtige Rolle spielen.

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