„Unzumutbare Belastung“

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Hagener SPD positioniert sich gegen Nahles – Röspel unterstützt sie

Nahles-Konkurrentin Simone Lange (Foto: Stadt Flensburg) erzielte bei der Wahl zur SPD-Vorsitzenden 2018 mit knapp 28 Prozent einen respektablen Achtungserfolg und kam auch nach Hagen. Die heutigen Nahles-Kritiker wollten ihre Argumente damals nicht hören.

Nach der desaströsen Schlappe bei den Wahlen zum Europäischen Parlament schlagen die Wogen bei der SPD hoch. Die Partei- und Bundestagsfraktionsvorsitzende Andrea Nahles („Ätschibätschi!“), die besonders in der Kritik steht, hat sicherheitshalber die Flucht nach vorn angetreten, um ihren Kopf zu retten. Schon am kommenden Dienstag stellt sie sich ihrer Fraktion zur Wiederwahl.

Unterstützung erhält Nahles vom Hagener SPD-Bundestagsabgeordneten René Röspel. Gegenüber dem Hagener Einheitsblatt sagte er: „Wir dürfen nicht erneut eine endlose Personaldiskussion lostreten. Ich habe ihr auch gesagt, dass ihre Performance in der Öffentlichkeit nicht immer gut ist.“ Sie habe im Wesentlichen gute Arbeit geleistet und wichtige Themen, etwa die Sozialstaatsdebatte, angestoßen: „Und es sind diese Themen, die wir nach vorn bringen müssen. Deshalb muss nach der Abstimmung am Dienstag, egal wie sie ausgeht, Schluss sein mit der Personaldebatte.“

Ganz anders sieht das laut WPWR der Hagener SPD-Vorsitzende Timo Schisanowski: „Andrea Nahles ist politisch erfahren genug um wissen zu müssen, dass sie nicht mehr den notwendigen Rückhalt hat, weder als Fraktions- noch als Parteivorsitzende. Daher wäre ein möglichst freiwilliger Rückzug von beiden Ämtern folgerichtig, ansonsten würde sie noch mehr als bisher schon zu einer unzumutbaren Belastung für die gesamte SPD.“

Noch deutlicher formuliert der SPD-Ortsverein Hagen-Hohenlimburg. Dessen Vorsitzender Mark Krippner fordert einen kompletten personellen Neustart: „Andrea Nahles müsste erkennen, dass jetzt der Zeitpunkt ist, um zu gehen. Aber es kann ihr auch keiner aus dem Bundesvorstand nachfolgen, der zuletzt schon Verantwortung getragen hat. Es muss eine echte personelle wie auch thematische Erneuerung geben. Wir müssen wieder radikal sozialdemokratisch auftreten.“

Die Hohenlimburger – immerhin der größte Ortsverein der Hagener SPD – hatten sich bereits im vergangenen Frühjahr gegen eine Fortsetzung der Großen Koalition gewandt und demonstrativ die Nahles-Gegenkandidatin Simone Lange eingeladen. Die Flensburger Oberbürgermeisterin setzte sich für eine Rückkehr zu sozialdemokratischen Werten ein und kritisierte u.a. das krampfhafte Festhalten an der Agenda-2010-Politik. DOPPELWACHOLDER.DE berichtete damals.

Die Veranstaltung in Hohenlimburg war mit etwa 70 Gästen bestens besucht und Simone Lange erhielt viel Beifall, wie die heimische Presse seinerzeit vermeldete. Die Nahles-Kritiker von heute hatten den Lange-Auftritt im April 2018 allerdings gemieden: Weder Schisanowski, noch die Hagener Fraktionschefs, noch der Bundestags- und die Landtagsabgeordneten und kein SPD-Ratsmitglied – außer Mark Krippner – hatten sich nach Hohenlimburg bequemt.

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