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Kein Platz für Gesamtschüler in Hagen – Grüne wollen das neuerdings ändern

Jedes Jahr darf eine dreistellige Zahl von Schülern nicht die weiterführende Schule besuchen, die sie gerne möchte: eine der drei Hagener Gesamtschulen. Der Grund: es gibt schon lange zuwenige Plätze. In Spitzenjahren mussten sich deshalb mehr als 300 Schüler bei einer Schule anmelden, auf der sie eigentlich gar nicht weiterlernen wollten.

Die Hagener Politik hat das bisher nicht interessiert. Dabei scheinen fehlende Plätze an Gesamtschulen ein landesweites Problem zu sein, wie aktuelle Pressemeldungen berichten. Die haben jetzt die Hagener Grünen auf den Plan gerufen.

Deren Fraktions- und schulpolitische Sprecherin Nicole Pfefferer betont: „Der konstant hohe Elternwille für die Gesamtschulen kann auch in Hagen weiterhin nicht befriedigt werden. Über hundert Kinder werden auch in diesem Jahr wieder abgewiesen, obwohl die Schulverwaltung gemutmaßt hatte, die Zahlen würden sich nach der Wiedereinführung von G 9 entspannen. Das war ein Irrtum und belegt deutlich, dass nicht nur die 9 Jahre bis zum Abitur ein Anreiz für die Eltern waren. Auch der Ganztag und das längere gemeinsame Lernen ohne die frühe Auslese nach angestrebten Schulabschlüssen machen das pädagogische Konzept der Gesamtschulen attraktiv.“

Die Grünen folgern daraus, dass das Gros der Ablehnungen absehbar nur durch eine neue Gesamtschule aufzufangen sei. Als Standort favorisieren sie Hohenlimburg.

Die Forderung nach einer vierten Gesamtschule für Hagen ist zweifellos ein Fortschritt. Es stellt sich aber wieder einmal die Frage, wieso ein offensichtlicher Missstand so viele Jahre nicht gesehen oder schlichtweg verschlafen wurde.

Im Kommunalwahlprogramm der Hagener SPD 2014 wird das Wort „Gesamtschule“ kein einziges Mal erwähnt, geschweige denn die Gründung einer neuen gefordert. Letzteres trifft auch auf die grünen Programme zu: nicht 2004, nicht 2009, nicht 2014.

Von Parteien, die unter der Kuratel schulpolitischer Ideologen stehen, wie FDP und CDU, konnten die abgelehnten Schüler sowieso nichts erwarten.

Diese Freunde eines Drei-Klassen-Schulsystems gerieten auf Landesebene erst in Schwierigkeiten, als sich der massive Schwund von Schulen in den CDU-Hochburgen auf dem platten (oder auch hügeligen) Land abzuzeichnen begann. Daraufhin wurde 2011 von der damaligen rot-grünen NRW-Landesregierung die Einrichtung von Sekundarschulen beschlossen, um möglichst einem neuen von CDU und FDP inszenierten Schulkrieg aus dem Wege zu gehen.

Während es in anderen Kommunen in der Folge durchaus zur Neugründung weiterer Gesamtschulen kam, nahmen die Hagener Grünen die Gelegenheit nicht wahr und stellten sich – obwohl sie damals noch nicht in die „Allianz des Grauens“ mit CDU, FDP und Hagen Aktiv eingebunden waren – hinter das angebliche „Konzept der Sekundarschulen als neue Form des gemeinsamen Lernens und der individuellen Herausforderung und Förderung aller Kinder“. Nicht anders verhielt es sich mit der SPD.

Später erwiesen sich die halbgaren Sekundarschulen erwartungsgemäß als Flop. Die ursprünglich einmal geplante Gesamtschule im Schulzentrum Wehringhausen wurde hingegen nie realisiert und das Gebäude stattdessen an einen privaten Schulträger vermietet. Dieser errichtete dort – eine Gesamtschule!

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