Süßer die Glocken nie klingen

by

Hagen lädt wieder zum ISEK-Prozess

Ja, ist denn schon bald wieder Weihnachten? Auf diese Idee könnte kommen, wer die jüngste Ankündigung der Stadtspitze liest, die zur Fortsetzung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) lädt. Es wäre allerdings ein Irrtum.

Unter dem Motto „Unsere Stadt, unsere Ideen“ sind alle Hagener „dazu eingeladen, mitzumachen und ihre Ideen zur Erreichung der Ziele einzubringen: denn Hagen plant 2035 gemeinsam“. Das klingt nach einer Aufforderung, fröhlich einen Wunschzettel zu schreiben.

Und weil wir ja modern sind, gerne auch digital. Dazu findet im gesamten März die Onlinebeteiligung statt, um die für den Prozess und die zukünftige Stadtentwicklung wichtigen Stimmen vor Ort zu sammeln.

Bürgerinnen und Bürger hätten somit vom 1. bis einschließlich 31. März die Chance, Ihre Ideen für Maßnahmen und Projekte für das ISEK-Konzept auf der Projektwebsite www.plan-portal.de/hagen zu melden und zu verorten, um herauszufinden, wie und wo in Hagen sich die strategischen Ziele umsetzen lassen. So die Stadt Hagen, die auf eine große Beteiligung hofft, um alle wichtigen Anregungen in das ISEK-Konzept einbinden zu können.

Man muss kein Prophet sein, um auf der Basis der Erfahrungen der Vergangenheit voraussagen zu können: Bürger, Ihr werdet mit Euren Ideen und Eurem Engagement wieder vor die Wand laufen!

Es besteht eben ein Widerspruch zwischen den im ISEK bereits formulierten Zielen, die der Stadtrat bereits beschlossen hat, und der bitteren Realität. Drei Beispiele aus jüngster Zeit:

Ziel 5: Wohnen in Hagen – Anpassung und Qualifizierung des Wohnungsangebotes

Dazu existieren detaillierte Angaben in der Wohnungsmarktstudie des Professors Spars. Demnach wäre es ein Fehler, den GWG-Block in Wehringhausen abzureissen. Der Rat richtete sich erst am Donnerstag allerdings ausschließlich nach den Interessen des GWG-Vorstands und entschied gegenteilig. Das große bürgerschaftliche Engagement in dieser Sache interessierte die Mehrheit keinen Deut.

Ziel 10: Mobilität neu denken!

Neu gedacht wird hier wenig. Es gibt zwar inzwischen Vorschläge, den ÖPNV punktuell zu verbessern. Was davon tatsächlich umgesetzt wird, bleibt allerdings erst einmal abzuwarten. Notwendige Einschränkungen des motorisierten Individualverkehrs werden derweil brüsk zurückgewiesen. Wichtigster Gesprächspartner ist hier die Industrie- und Handelskammer, während die betroffenen Bürger an den Hauptverkehrsstraßen außen vor bleiben.

Ziel 12: Neue Nutzung auf alten Flächen

Hört sich schön an, aber der neueste Stand ist in erster Linie: Neue Nutzung auf neuen Flächen. Trotz starker Bedenken aus Verwaltung, Fachausschüssen und einem Teil der Bezirksvertretungen hat sich auch hier eine Mehrheit des Rats den Forderungen der Wirtschaftslobby gebeugt.

Trotz allen süßlichen Geklingels, um Bürger mitwirkungswillig zu machen: Letztlich wird eine Ratsmehrheit den Interessen wirtschaftlicher Interessengruppen einen Vorrang einräumen. Am Ende sind dann wieder viele am Gemeinwesen Interessierte enttäuscht worden und die Verdrossenheit wächst.

Das ISEK verschwindet für eine Schamfrist in irgendeiner Schublade und landet anschließend im Stadtarchiv.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: